Jahresbilanz 2017: Vorsichtig optimistisch ins Jahr 2018

Die Zahl der Artikel hier im Blog ist im Vergleich zu den Vorjahren wirklich sehr gesunken. Ich sehe das als ein gutes Zeichen, denn ich komme zur Ruhe. Von Beginn an war dieses Blog ein Ventil um den Stress abzubauen, der immer wieder kam. Teils verursacht durch Existenzbedrohungen, wenn die Erkrankung dominierte und die Versorgung nicht sichergestellt war. Teils verursacht aber auch durch Mobbing aus den Kreisen aktiver und ehemaliger Soldaten, von Behörden und von Ärzten.

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Interview GEW / Terre des Hommes

Kürzlich gab ich der Kinderhilfsorganisation „Terre des Hommes“ ein Interview. Die Kurzversion ist in den Druck gegangen – die Langversion ist noch nicht online, kommt aber sicher bald.

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Kritik an der Rekrutierung von Minderjährigen, die bereits im Alter von 17 Jahren mit der Erlaubnis ihrer Eltern in die Bundeswehr eintreten dürfen wird auch vom Darmstädter Signal geäußert.

dfg-vk.de – PDF-Version GEW „Ich wurde verheizt“


Aktuelle Situation

Die Bundeswehr muss in meinem Fall seit Anerkennung der Schädigung im März 2015 für Lebenunterhalt und Rehamaßnahmen aufkommen. Ich arbeite mich derzeit Stück für Stück zurück auf ein normales Leistungsniveau. An den Auswirkungen auf Kinder und Familie ändert das jedoch ebenso wenig, wie daran, dass aus den zwei Jahren bis die Schädigung anerkannt wurde, Schulden zurückgeblieben sind.

Befund – lesen bei Strafe verboten!

Am Mittwoch fand einer erneute Begutachtung statt. Angekündigter Zweck war, über die Kostenübernahme der Trauma-Release-Exercise (TRE) Klarheit zu bekommen. Diese Klarheit ist nun da. Nichts wird übernommen.

Zunächst ging es in ein kurzes Arztgespräch. Ich schilderte, wie ich über die Kombination aus Coaching und TRE-Methode zu einer besseren Stresswahrnehmung und einem besseren Stressmanagement gekommen bin und das in der Lage war, zu Coach und Therapeutin ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Autoritätspersonen waren nach den Erfahrungen im zweiten Einsatz ein wesentliches Problem für mich, da ich durch die Einspannung in die Hierarchie in mindestens zwei Fällen in ziemlich gefährliche Situationen geraten bin.

Mein kleines Problem mit Hierarchie

Zunächst war es schlechte Kommunikation zwischen meinem Vorgesetzten und dem Herrn vom Auswärtigen Amt dazu gekommen, dass ich zu einer Tagestour aufbrach, die als „Hilfsgüterübergabe“ in der Nähe des Camps angekündigt wurde. Ich rechnete nicht damit, mich ohne Kommunikationsmittel im Laufe des Tages rund 180 Kilometer vom Lager zu entfernen.

Unterwegs, ohne die vorgeschriebene Sicherungskomponente von mehreren Soldaten und Fahrzeugen – quasi auf dem Präsentierteller als einziger Uniformträger. Mitten in einer Hilfsgüterübergabe an mehrere hundert Menschen und später dann zu einem TV-Termin des ZDF, ungesichert zu Fuß über die Trampelpfade in einer afghanischen Ortschaft.

Nicht nur mir hat dieser Tag zugesetzt. Ich sprach meinen damaligen Vorgesetzten kurz beim „Tag der offenen Tür des Bundeswehr“ im August in Berlin. Er beschrieb, dass auch bei ihm der Eindruck entstanden war, die Hilfsgüterübergabe würde in der Nähe vom Camp stattfinden.

Ich bemerkte zu spät – an einem Punkt, wo umkehren keine Option mehr war – dass wir uns mehrere Stunden weit entfernt vom Lager aufhalten würden. Das Problem daran: verwaltungstechnisch wäre mir das als Verstoß gegen die Vorschriften, als Dienstvergehen oder ähnliches ausgelegt worden. Für meine Familie hätte das bedeutet, dass keine Absicherung da gewesen wäre.

Das ich auf Basis der Erfahrungen massive Probleme mit Studenten und Dozenten im Studium Onlinejournalismus, sowie auch Vorgesetzten in einer Redaktion hatte, kann ich beim Doc kaum erläutern. Letztlich ging es soweit, dass ich über fast zwei Jahre nicht in der Lage war in die Bachelorarbeit einzusteigen, um nicht einem Professor – Autoritätsperson – ausgeliefert zu sein.

Der Doc macht im Oktober 2015 daraus, es gäbe „Hinweise auf eine formale Denkstörung in Form eines Haftens an vermeintlichen Fehlern anderer“. Nein, lieber Doc – ich halte nur kein unkooperatives, autoritäres Verhalten mehr aus, was mich dazu bewegen soll Dinge zu tun, von denen ich weiß, sie sind falsch.

In der Wahrnehmung des Docs hatte ich während der Phase der Depression „wohl so eine Art Schreibblockade“. Autorität ist für mich noch heute ein Problem – insbesondere, wenn sich inkompetente Menschen über ihre höhere Position in der Hierarchie definieren und nicht mehr auf Augenhöhe reden wollen.

Das war wohl mit ein Grund dafür, warum ich in den Schritten der Behandlung außerhalb der Bundeswehr überhaupt wieder in der Lage war, Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Nicht nur in Coaching und TRE-Therapie, die mich wesentlich entlastet haben. Auch im Umgang mit Kollegen entlang des Untersuchungsausschusses, den ich seit anderthalb Jahren begleite klappt konstruktives Arbeiten auf Augenhöhe. Dünkelbehaftete Divas (jederlei Geschlechts) ausgenommen, die es auch dort gibt…

Der Doc interpretiert es als „rücksichtsloses Verhalten“, wie dem Befund zu entnehmen ist, den ich selbstverständlich wider der Androhung auf dem Kuvert:

„Arztsache – Nur durch den Arzt oder sein beauftragtes Hilfspersonal zu öffnen. Unbefugtes Öffnen kann strafrechtlich verfolgt werden (§§ 020 StGB)“

geöffnet und gelesen habe. Es geht um mich. Und Vertrauen in das, was in Bundeswehreinrichtungen passiert, kann ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr aufbauen. Punkt.


„Ich würde mich ja stundenlang mit ihnen über Politik unterhalten, aber ….“

Über die Erlebnisse rund um den Angriff auf das Camp Marmal und die Falschmeldungen an das Parlament, in denen vor allem Angaben über Festnahme und Verbleib der Kriegsgefangenen fehlen, mag auch er nicht reden. Genau das erlebe ich nun zum wiederholten mal. Im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg war das anders.

Zum Aspekt, dass ich am Abend des 27.09.2008 die Personendurchsuchung auf der Fahrbahn am Lagereingang sah, den Gefangenen sah und wenige Tage später erfahren musste, dass dieser nach Übergabe an die afghanischen Polizei getötet wurde, kommen wir im Gespräch nicht. Weder inhaltlich, noch, was das emotional mit mir gemacht hat. Immerhin: die Gefangennahmen können seit der Veröffentlichung von „Afghanistan-Connection“ nicht mehr geleugnet werden.

Testung, Timing und Fragenbatterie

Schon im Vorgespräch wurde mir angekündigt, das die TRE-Methode nicht finanziert werden würde. Nicht möglich nach den gängigen Vorschriften und Vergütungsregeln. Danach erfolgte eine erneute Testung über rund 300 Fragen zum aktuellen Befinden. Tolles Timing. Im Abschlussgespräch erhielt ich noch einmal den Hinweis, die Methode wäre nicht anerkannt und könne daher nicht bezahlt werden.


Soweit, so gut – und dann wirds schräg

TRE als Methode ist nicht erstattungsfähig. Machen Sie doch TRE. Ja, wer an dieser Stelle nun einen Knoten in den Kopf bekommt – ich löse den nun gleich auf.

Der Doc bot mir an, ich könne ab Dezember bei einem Pfarrer, der im Trauamzentrum tätig werden wird dann auch TRE machen. Das die Methode kurz vor der Einführung in das Traumazentrum steht ist begrüßenswert. Ich habe sie als sehr hilfreich empfunden und würde auch gern noch mindestens ein weiteres Jahr unter Anleitung diese Übungen machen, bei denen ich auch mit der Therapeutin gezielt in den Austausch über Stressoren und mein Stressmangement gehen kann.

Doch das sieht das Konzept der Bundeswehr nicht vor. Ich gelte entweder als gesund und darf zur beruflichen Rehabilitation (Studium Kulturjournalismus) schreiten. Oder ich bin „krank“ und darf TRE und anderes in Anspruch nehmen.

Am Ende des Termins erhalte ich erneut das „TRE mit Pfarrer-In-House-Angebot“. Ich erkläre ruhig und bestimmt, dass ich ein Vertrauensverhältnis zur Therapeutin aufgebaut habe, über Monate gute Erfolge in der Therapie hatte und – vor die Wahl gestellt – lieber gänzlich auf TRE und Therapeutin zu verzichten, als mit einem neuen Therapeuten bei Null anzufangen und wieder über wesentliche Aspekte, die in den letzten Monaten mehr und mehr in den Hintergrund rücken konnten auf ein Neues reden muss.

Aber sicher war auch das wieder rücksichtslos von mir.

Finanzierung

TRE- und Coaching schlugen mit rund 400 Euro im Monat zu buche. Mit dem Coaching war ich nach 11 von geplanten 10 Sitzungen gut aufgebaut. Mittlerweile habe ich – wenn auch etwas holperig – die Bachelorarbeit abgeschlossen (und hoffentlich auch bestanden). Dennoch: der Aspekt der Reflexion mit einer Therapeutin, ob ich genug tue, wenn es um Stressmangement geht, wäre immernoch hilfreich. Mehr, als zwei Sitzungen pro Monat würde ich nicht mehr in Anspruch nehmen.

Ja, ich habe zwar die Phase der Bachelorarbeit seit Juni 2015 ohne TRE-Begleitung absolviert – gut hat es sich aber nicht angefühlt. Aber besser weiterhin keine begleitete TRE, als umgeben von Uniformträgern in den Einrichtungen der Bundeswehr.

Dran wäre auch, dass ich den Studienkredit abbaue, der dafür gesorgt hat, dass ich in der Phase der „Anerkennung und Feststellung der Wehrdienstbeschädigung“ nicht in HARTZ4 und damit ohne Abschluss aus dem Studium gekickt wurde.Der Teilzeitjob in einem Callcenter konnte zusammen mit dem Kredit gewährleisten, dass ich auch nicht vom Unterhaltssicherungsamt zum Abbruch des Studiums genötigt wurde. Es ist ein Wunder, dass ich diese Phase ausgehalten und regelmäßig die Unterhaltszahlungen für meine Kinder zusammengebracht habe.

Mit zusätzlichen 250 Euro Therapiekosten kann ich nicht beginnen, den Studienkredit abzutragen und werde nach Ende des Studiums Kulturjournalismus wohl als „gesund“ mit Schulden starten. Schulden aus dem Wehrdienstbeschädigungsverfahren, denn eigentlich hatte ich den Studienkredit 2012 aufgenommen mit der Absicht nur 6 Monate in Anspruch zu nehmen. Dank der langen Verfahrensdauer wurden nun aber 24 Monate daraus.

Anyway: es ist nur Geld.

Diagnose

Immerhin: es sind im Profil „keine klinisch relevanten Dysfunktionalitäten abgebildet“.

Noch dazu sei ich „vorsichtig, kritisch, misstrauisch,nachtragend“. Ja, liebe Bundeswehr, wenn das mal nicht an euch und eurem Therapiekonzept liegt. Und hey: nur, weil ihr das als Paranoia verstanden wissen wollt, heißt das eindeutig NICHT, das sie NICHT hinter mir her sind ( <- ich sollte solche Witze echt nicht machen - die verstehen eh nur Twitterer.) Und danke auch für "energisch, zielstrebig, ehrgeizig" - das mochtet ihr ja laut meinen Beurteilungen schon während meiner Dienstzeit und habt es immer positiv hervorgehoben. Interessant, dass das Adjektiv "gewissenhaft" bei euch in psychometrischen Befunden auftaucht. Erhöhte Werte auf einer Subskala legen nahe, ich sei "eigenwillig bis unkonventionell, originell und exzentrisch". BÄMM!!!! Danke dafür, aber interpretiert es doch nicht in Richtung Shizophrenie. Gute Basis für den Journalismus. Und hey: wenn mir nach tanzen durch Berlin ist, dann tue ich das. Lachflash galore – Funfact am Rande

Ich zitiere den ersten Satz aus dem Abschnitt „Befund“:

„Sportliche, trendbewusste Person, schwarz gehaltene legere Freizeitbekleidung, Gepflegter, mittellanger Haarschnitt.“

Ich lache hart und bin zugleich froh, dass ein Mensch, der während seiner Arbeitszeit zu 70 bis 80 Prozent von Personen in jeglicher Art von Uniform und Jogginganzugkombination umgeben ist mich trendbewusst nennt.

„Wiedervorstellung bei Bedarf“ – danke, ich hatte reichlich!

Ich lege weiterhin keinen Wert auf die Institution Bundeswehr. Dennoch bin ich auf den Ausgleich der Nachteile angewiesen, die durch zu wenig Qualifikation und zu viele Einsätze in zu kurzer Zeit enstanden sind. Die Wehrdienstbeschädigung ist anerkannt und ich werde es nicht hinnehmen schlechter qualifiziert auszuscheiden, als das zu Beginn meiner Bundeswehrzeit mal vorgesehen war.

Deutlich aber wird wiedereinmal, dass das Nachsorgekonzept in wesentlichen Punkten weiterhin hakt. Dazu zählt auch, dass die Behandlung im Rahmen der „Freien Heilfürsorge“ – also quasi bundeswehrintern erfolgt. Der „Geschädigte“ muss sich also mit dem „Schädiger“ auseinandersetzen, wenn es um die Genesung geht.

Das ist ein Abhängigkeits- und Zwangverhältnis, das die Therapie immer wieder bremst und so nur noch mehr Kosten über eine längere Zeit entstehen lässt. Warum wird die Schutzzeit nicht in ein zivil-beamtliches Verhältsnis eingegliedert, bei dem der Geschädigte die Wahl hat, sich rein zivil behandeln zu lassen? Ja, auch dort würde die TRE-Methode derzeit nicht bezahlt. Aber es gäbe wenigstens Ärzte ohne die Bundeswehr-Schere im Kopf.

Die „Geschädigten“ sind übrigens Menschen, wie ich. Menschen, die unter psychischen, seelischen oder moralischen Nachwirkungen der Dienstzeit leiden. Den Menschen wurde Fürsorge als selbstverständlich zugesichert, und als es darauf ankam, mussten sie sich diese Fürsorge erstreiten oder erhielten sie schlichtweg nicht.

Es sind Menschen, die teilweise bei Eintritt in ihren Beruf über wesentliche Aspekte des Dienstes überhaupt nicht oder nur unzureichend informiert wurden und mangels Erfahrung im und mit dem System nicht absehen konnten, welche Konsequenzen das haben würde.

Menschen, die auf seelischer und moralischer Ebene damit zu kämpfen haben, dass die Genfer Konvention für den Umgang mit Kriegsgefangenen zwar als wesentliche Leitlinie in allen Ausbildungen geschildert wird, aber letztendlich in den rechtlichen Konstrukten der internationalen Einsätze bis zur Unkenntlichkeit gebeugt wird. Wie erklärt ihr es mir sonst, dass aus Unterlagen an den Verteidigungsausschuss die Angaben zu Gefangennahmen verschwinden ?

Viele Menschen draußen haben die Taktik der Anwerber längst durchschaut, protestieren gegen den Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen und gegen die Praxis, das die Notlage von Menschen ausgenutzt wird und berufliche Versprechungen, wie „Bundeswehr – nicht jeder bei uns trägt Uniform“ gemacht werden. Formal ist der Spruch korrekt – aber sagt bitte auch dazu: „Bundeswehr – mit der Genfer Konvention nehmen wir es auch nicht immer so genau“.

Schwupps… Chefsache

Es waren mehr als nur gemischte Gefühle beim Weg heute in die Julius Leber Kaserne. Was würde mich erwarten?

„Schutzzeit“ – nicht nur neu für mich, sondern auch für (überwiegend) alle Beteiligten, denen ich heute auf den verschiedenen Stationen begegnet bin. Neben den Regularien der Einstellung und den übliche schriftlichen Belehrungen über korrektes Verhalten war vor allem der Arzttermin und die Station beim Berufsförderungsdienst fordernd.

Zum direkten Ansprechpartner erklärte sich der Chef des Stabes, der sich eine gute Dreiviertelstunde einen Eindruck von mir und meiner Zielsetzung zur Nutzung der Schutzzeit machen konnte.
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(unredacted) Entwarnung? Schutzzeit erreicht?

Heute erfolgte der Anruf vom zuständigen Bearbeiter, der nun die weiteren Verwaltungsschritte einleitet, um mich in die sogenannte Schutzzeit einzustellen. Mir liegt weiterhin nichts Schriftliches vor, aber er kündigte an, die entsprechenden Unterlagen auch vorab per eMail zu übersenden. Angeblicher Einstellungstermin in die Schutzzeit: 16.03.2015

Schutzzeit – was ist das ?

In erster Linie ist es die Zeit, die für die Regeneration, Therapie und berufliche Qualifikation nötig ist. Mir wurde zugesichert, nur dann in „Dienst“ genommen zu werden, wenn ich dass entweder explizit wünsche oder wenn ich gerade nicht in einer beruflichen Qualifikationsmaßname stecke.

Da ich mir kaum eine Konstellation innerhalb der militärischen Strukturen vorstellen kann, die sich förderlich auf meine Gesundheit auswirkt, werde ich die Zeit effektiv nutzen oder gegebenen Falles um eine Krankschreibung bitten.

Stressbilanz

Im Rahmen der Therapiestunden kamen wir heute auf die Belastungen der letzten zwei Jahre zu sprechen:

April 2013
– Diagnose einsatzbedingte Erkrankung
– Beginn der Auseinandersetzung mit den Krankheitssymptomen
– Antragstellung Wehrdienstbeschädigungsverfahren
– Aufarbeitung 27.09.2008 mit Linksfraktion Bundestag

Juni 2013
– Existenzdruck – HARTZ4-Absturz drohte nach Fehlberatung durch Sozialdienst
– Versuch 1 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)
– Versuch 2 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)

Juli 2013
– Antritt Stationäre Therapie – Lernprogramm: „Depressionen, dein Leben und Du“
(Entlastung ab August 2013 durch Verlängerung der Förderzeit aufgrund von Erkrankung)

Dezember 2013

– Drohkulisse „Adlongespräch Dezember 2013“
– Themenverbot „Afghanistan“ durch damalige Redaktion,
– spürbare Reduzierung von Aufgaben in der Redaktion

Februar 2014
– Aussprache und Jobverlust Redaktionsjob wegen angeblicher „Befangenheit“

April / Mai 2014
– Jobsuche (Job 1) und Einarbeitung Piratenfraktion
– Therapieabbruch Gesprächstherapie
– Existenzdruck – Krankenversicherung & offenes Wehrdienstbeschädigungsvefahren

Juni 2014
– Scheidung
– Jobsuche (Job2) und Einarbeitung
– Auskunft über Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens gegenüber meinem Anwalt wird verweigert („Es wird auch nicht schneller, wenn sie hier anrufen)

September 2014

– Druck vom Unterhaltssicherungsamt (Bewerbungszwang, Abbruch des Studiums drohte)

Dezember 2014

– Jobverlust Job 1 „Piratenfraktion“ mangels Leistungsfähigkeit
– Scheitern des Versuches, an fehlender Kursleistung Studium zu arbeiten

All das wurde dadurch begleitet, dass ich mittels eines Studienkredites der Kreditanstalt für Wiederaufbau dafür sorge getragen habe, weiterhin Unterhalt für die Kinder zahlen zu können oder zumindest im Notfall die Miete für meine Wohnung aufbringen zu können. Dabei steigt der Schuldenstand und ich habe letztlich die Privatinsolvenz riskiert.

In den vorangegangenen drei Jahren nahmen die Depressionen zu, die Ehe scheiterte und der Druck aus „Abschluss schaffen müssen“ und Reaktionen auf Vorfälle in Afghanistan wurde immer größer. Es wurde ab Anfang 2010 immer schwieriger – auslösendes Moment war die steigende Zahl an Vorfällen in Afghanistan, bei denen deutsche Soldaten getötet wurden.

„Nur“ 2 Jahre für ein WDB-Verfahren?

Mir sind keine Statistiken über die Anzahl offener Wehrdienstbeschädigungsverfahren bekannt. Angesichts der Umstrukturierungsmaßnahmen (Bundeswehr übernimmt derzeit die Fälle der Landesversorgungsämter) dürfte es vermutlich auch keinen wirklichen Überblick darüber geben, wie viele Ex-Soldaten momentan um ihre Existenz kämpfen und zwischen Gutachtern und Ämtern zerrieben werden.

Ich landete nur deswegen nicht in HARTZ4, weil ich durch einen anonymen Hinweisgeber im Juli 2013 zunächst von der Möglichkeit der Verlängerung der Förderzeit aufgrund der Erkrankung erfahren habe.

Ohne den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung wäre ich an diese Informationen nicht gekommen. Auch die von mir immer wieder herangezogene Unterstützungs-Instanz des Wehrbeaufragten wirkte sich positiv aus.

Nach der öffentlich gemachten Fehlberatung durch den Sozialdienst (Mai 2013) erhielt ich eine Intensivst-Einführung in alle Optionen, die ich noch aus der Berufsförderungsphase hätte ziehen können. Inklusive eines möglichen Einarbeitungszuschuss wurde alles aufgezeigt, was an Anspruch möglich gewesen wäre.

Im Juli / August 2014 wird erneut der PTBS-Beauftragte auf mich aufmerksam, nachdem nun der/die Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen auf mich aufmerksam geworden ist. Kontakte zum BDV exisitierten zwar seit 2013 – aber wirklich „warm“ wurde ich mit dem Verein nicht.

Die Öffentlichkeit, die ich mit meinem Blog versuchte herzustellen wurde nicht wirklich unterstützt. Mir hätte es gereicht, wenn Beiträge meines Blogs z.B. via Facebook weiterverbreitet worden wären. Gerade ein Beitrag schaffte es in den Blog des BDV.

Auch seitens des Anwalts war wenig Elan erkennbar. Nachdem ich über ein Jahr nach der Antragsstellung im Juni 2014 wohl zur Karteileiche wurde, konnte auf Nachfrage des Anwaltes nicht einmal ein Bearbeitungsstand oder Forderungen zur Mitwirkung an mich in Erfahrung gebracht werden. Die Akte sei unterwegs – nachfragen würde das auch nicht beschleunigen. Erste Spuren der Akte gab es dann Ende Juli 2014. Abhilfe schuf der Wehrbeauftragte.

Im Rahmen des Existenzdrucks wollte ich von dieser Instanz auch wissen, was von der Kritik zu halten ist, die ich am System Bundeswehr seit Jahren übte. Das „dumpfe Gefühl“ das ich an einigen Stellen ausgebremst werde hatte sich seit dem Themenverbot und Jobverlust deutlich verstärkt.

Rückmeldung zu dieser Anfrage: bis heute keine.

Mehr Druck erzeugte dann der PTBS-Beauftragte ab September 2014, erreichte eine zeitnahe Begutachtung und einen zügigen Abschuss des Verfahrens binnen dann doch 22 Monaten bis zur Anerkennung der Einsatzschädigung und 23,5 Monate nach Diagnose die Einstellung in die Schutzzeit.

Öffentlicher Druck als Mittel zu schnellen Anerkennung der WDB ?

Es waren 11 Tage, die ich nach der Diagnose am 3. April 2013 überlegte, bevor ich mich entschloss, die Aufarbeitung öffentlich durch das Blog zu begleiten. Aus den Schilderungen von Andreas Timmermann Levanas und Robert Sedlatzek-Müller wusste ich, was im Laufe der kommenden Jahre auf mich zu kommen würde.

Jeder Soldat der schweigt läuft Gefahr am ausgestreckten Arm der Verwaltung abzurutschen. Insbesondere, wenn der Einsatzunfall erst im Laufe des WDB-Verfahrens festgestellt werden. An der Feststellung der „Kausalität“ hat die Bundeswehr wenig Interesse. Ich sah nach meiner Entlassung aus der stationären Therapie um den 10. August 2013 erst wieder am 10. November 2014 einen Bundeswehrarzt, der an einem Gutachten arbeitete.

Was zwischen diesen Terminen mit meiner Akte lief werde ich wohl nicht erfahren. Vermutlich wäre auch heute noch keine weitere Bearbeitung erfolgt, wenn ich nicht ab Juli 2014 eskaliert hätte.

Hilfreicher, als die Gesprächstherapie, die zwischen Juni 2013 und Mai 2014 gelaufen ist, war die Zusammenarbeit mit Medienmachern hier in Berlin (zB. Kieke Ma-Film oder Hyperbole-TV mit „Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten“). Ich wurde mir in den Interviews über vieles bewusst, was vorher stets unausgesprochen blieb.

Das ich zu alldem in der Lage war interpretieren manche Kritiker als „der hat doch gar nichts“. Andere Menschen zeigen sich beeindruckt, sagen deutlich, dass sie das nicht könnten oder schlichtweg für sich nicht wollen.

Auch mir fiel es über Jahre schwer, die Probleme überhaupt zu erkennen, sie mir einzugestehen. Der Druck das Studium abschließen zu müssen verschob den Zeitpunkt des „Hilfe suchens“ von Juli 2012 (Gespräch mit Studiengangsleitung) auf März 2013, als ich mit Angriff auf die Seele Kontakt aufgenommen habe.

Die öffentliche Aufarbeitung muss jedem Betroffenen selbst überlassen sein. Das es in meinem Fall positiv ausging verdanke ich rund 10 Jahren Erfahrung in der Medienarbeit, Grundkenntnissen im Bereich der Psychologie und einem Überblick über das Medium Online, dass ich für diese Aufarbeitung nutzte.

Facebook und Twitter waren aber nicht nur hilfreich. Bedrohungen und das ständige „In-Frage-Stellen“ spielten dabei eine gefährliche Rolle. Wer sich der Mechanismen dieser Medien nicht bewusst ist, geht unter. Auch meine Durchhaltefähigkeit war zuletzt nicht mehr gegeben. Zwischen Ende Dezember 2014 und Anfang Februar 2015 schaltete ich meinen Facebook-Account temporär ab. Ein Mittel, das auch in den kommenden Monaten häufiger zur Anwendung kommen wird.

Sich so öffentlich zu Verhalten kann ich nicht jedem empfehlen – für mich war es der Weg den inneren Druck loszuwerden, an dem ich sonst zerbrochen wäre.

Tun, was gut tut

Ein wichtiger Aspekt war auch die Distanzierung von dem Schweigen, das mir über den 27.09.2008 auferlegt worden ist. Mit offenen Briefen und Videos hatte ich es aus eigener Kraft versucht. Dem wurde mit Schweigen begegnet. Das Urteil anderer zu den Inhalten direkt mit zu bekommen half mehr, als die Therapiesitzungen des vorangegangenen Jahres.

Weder die Bundeswehrärzte wollten über den 27.09.2008 en Detail reden, noch hatte die Therapeutin genügend politisches Interesse, um zu erkennen, welche Probleme mir dieser Tag bereitete. Auch den Aspekt des „einem Vorgesetzen und seiner dummen Willkür ausgeliefert seins im folgneden kurz „eVusdWas“ konnte sie nicht wirklich begegnen.

„eVusdWas“ war und ist ein Problem. Ich bin weiterhin kaum in der Lage autoritäre Einflüsse auf mein Leben zuzulassen. Je größer der Eingriff, desto heftiger meine Reaktion. Immerhin funktioniere ich derzeit im Job und komme Stück-für-Stück auch mit Vorgesetzenreaktionen zu recht. In wieweit ich das im Rahmen der Bachelorarbeit aushalten kann, kann ich derzeit nicht sagen.

In begrenztem Rahmen war ich in den letzten Monaten in der Lage in „Job 2“ zu funktionieren und Weisungen zu akzeptieren. Das erforderte viel Überwindung. In „Job 1“ habe ich das nicht bewerkstelligt.

Finanziell überleben

Vereinzelte Hilfszahlungen (Januar 2014 und Q4/2014) wurden durch Stiftungen aus dem Umfeld der Bundeswehr geleistet. Meist zu Zeitpunkten, an denen ich aus eigener Kraft nur noch in der Lage war, den Grundunterhalt für mich aufzubringen.

Die Finanzspritze im Januar 2014 nutzte ich unter anderem, um die Zeit ohne Job und Einkommen daraus bis Mai 2014 zu überbrücken. Gleichzeitig schaffte ich Computer, Videokamera, Software und Audioaufnahmegerät für eine freie journalistische Tätigkeit an. Doch neben Therapie und dem Druck, den das nicht abgeschlossene Studium auf mich ausübt agierte ich nicht wirklich.

Die finanzielle Unterstützung zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2015 nutzte ich zunächst, um die Arbeitszeit im Oktober, November und Dezember zugunsten von Therapie- und Coachingmaßnahmen zu reduzieren. Die Kosten dafür konnte ich ebenfalls nur aufgrund der finanziellen Unterstützung tragen.

Zwischen Ende Mai 2014, als die Maßnahme „Gesprächstherapie“ scheiterte und Ende September 2014 hatte ich wegen der diffusen Krankenversicherungssituation keine neue Therapie begonnen.

Mit der finanziellen Unterstützung während der Schutzzeit bin ich nun in der Lage den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen sowie auch den Studienkredit abzutragen, der ursprünglich mal für 6 bis 8 Monate geplant war, nun aber seit über zwei Jahren läuft.
Ironie: die Bundeswehr lehnte die finanzielle Förderung meines Bachelor-Abschlussprojektes ab und veranlasste mich dazu, das über den Studienkredit lösen zu wollen. Noch vor der ersten Zahlung kamen jedoch die WAZ-Leak zu den Afghanistanpapieren, warfen mich in die Einsatzerlebnisse zurück und hielten mich bis zur Veröffentlichung im Tagesspiegel am 7. Oktober 2014 im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ in ihren Bann.

Dieser Kredit war in den letzten sechs Monaten neben Job 2 das finanzielle Rückgrat und im August 2013 zumindest die Gewissheit, dass ich die Wohnung nicht verlieren würde. Ich war nach Abschluss der stationären Therapie kaum in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen.

Struktur schaffen

Zwischen September 2013 und Dezember 2013 nutzte ich einen 100-Tage-Protest, um mich täglich eine Stunde dazu aufzuraffen, das Haus zu verlassen. Neben dem damaligen Redaktionsjob, der mich mit rund 2 Stunden forderte war das die einzige Maßnahme, die für einen geregelten Tagesablauf sorgte. Mehr war nach der stationären Therapie nicht drin.

Im Juni 2014 nahm ich das Thema NSA-Untersuchungsausschuss auf, um journalistisch aktiv zu bleiben und in einen Arbeitsrhythmus für die Bachelorarbeit zu gelangen. Die drei bis vier Sitzungs- und Arbeitstage, sowie der Besuch von Veranstaltungen, die mit dem Thema zu tun haben konnte ich im Oktober und November gut bewältigen.

Neben Job 2, der zur Grundsicherung unerlässlich ist war ich zumindest in diesem Bereich auch intellektuell gefordert und belastbar.

2 Jahre und das Studium immer noch nicht fertig?

In den vergangenen zwei Jahren hatte ich zwei Gespräche mit meinem Professor, wie die letzten Leistungen zu erbringen sind und wie die Bachelorarbeit angegangen werden kann. Doch neben der Therapiemaßnahmen und dem beschriebenen Einflussfaktoren schaffte ich es nicht – wie angeraten – mich einfach sechs bis acht Wochen voll auf die Bachelorarbeit zu konzentrieren.

Die finanzielle Grundversorgung wackelte im Mai / Juni 2013 (krankheitsbedingte Verlängerung Förderzeit erst ab August 2013) , Februar 2014 (Jobverlust Redaktionsjob – Folgejob April 2014), Juni 2014 (Unklare Einkommenslage und Krankenversicherung) und zuletzt heftig im Januar / Februar 2015.

Der Existenzdruck wirft mich aus der Bahn. Leider immer noch. Aber glücklicherweise nicht mehr so heftig, wie zuvor.

Im Juni 2013 war ich zeitweise nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, lag zitternd und teilnahmslos auf dem Sofa, wenn die Anspannung zu groß wurde. In der Phase der letzten sechs Wochen hielt ich meine Kräfte für den „Job 2“ zurück, der nun der einzige Job ist.

Das Einkommen reicht mit dem Studienkredit für das eigene Überleben. Verzichte ich auf die Zahlung der Krankenversicherung kann ich sogar Unterhalt zahlen. Tragfähig? Nein. Raum für Therapie und Coaching lässt diese Situation ebenso wenig, wie für den geordneten Abschluss des Bachelorstudiums.

Im Januar und Februar 2015 zog ich mich erneut extrem auch von meinem Freundeskreis zurück, um unter dem Druck zu funktionieren. Druck und Funktionieren, dass bedeutete in dieser Zeit die Körperhygiene aufrecht zu erhalten, mit gewaschenen Klamotten rechtzeitig das Haus zu verlassen, um dann zuverlässig zu arbeiten, statt heulend am PC zusammenzubrechen.

Tränendrüse ?

Es geht mir nicht um Mitleid. Mehrfach hörte ich in letzter Zeit, dass Menschen sich schon mit einzelnen Aspekten (z.B. unsicherere Jobsituation) gefordert zeigten. Bis Ende Januar 2015 wackelte nicht nur mein Einkommen, sondern auch der Zugang zur Krankenversicherung. Das ganze ohne Perspektive, weil der Studienabschluss fehlt, eine Therapie mangels Aussicht auf Geld und ohne Anerkennung der Einsatzschädigung nicht mehr zu bezahlen war und zeitgleich Forderungen an mich gestellt wurden, die für einen gesunden Menschen mit Berufsabschluss gedacht sind.

Die vergangenen zwei Jahre, in denen ich mit der Aufarbeitung der Einsätze einen gewaltigen Schritt voran gekommen bin, war die Arbeit an einer tragfähigen Existenz nicht möglich. Auf dem Weg der Behandlung ist zumindest die kognitive Erfassung der belastenden Ereignisse abgeschlossen.

Im Rahmen der laufenden Traumatherapie lerne ich derzeit mit Hilfe von Körperübungen die Auswirkungen des Stresses in den Griff zu bekommen und auch körperlich die Balance zu finden, die ich in Bezug auf die Einsatzzeit erreicht habe.

Wichtig wird auch, wieder Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu erlangen. Den Verlust des Redaktionsjobs im Februar 2014, der bis heute nicht schlüssig erklärt wurde kann ich nur noch als Mobbing deuten.

Inhalte wurden nicht gewünscht, nicht mitgetragen und dann mit „Du bist befangen“ negiert, ohne, dass ich überhaupt auf eine Veröffentlichung bestanden hätte. Präventiv mit Themenverbot belegt zu werden war zu viel.

Ausblick

Im Telefongespräch eröffnete mir der Bearbeiter heute, dass die Einstellung in die Schutzzeit zum 16.03.2015 nicht mit der Teilnahme am militärischen Dienst verbunden ist, solange ich mich in beruflichen Qualifikationsmaßnahmen befinde.

Nach dem Abschluss der Bachelorarbeit werde ich ein Masterstudium aufnehmen. Die Qualifikationshöhe ist nach 12 Jahren Dienstzeit in der Offizierlaufbahn vorgesehen.

Parallel laufen Therapie und Coachingmaßnahmen. Sollte die Bundeswehr die heiltherapeutische Methode nicht unterstützen, die mich seit September 2014 sehr gut voran bringt, ist zumindest mit der verlässlichen Zahlung des Gehalts gesichert, dass ich die Therapie fortsetzen kann.

Diesen Weg werde ich selbstbestimmt gehen – so, wie die letzten zwei Jahre ebenfalls. Auf die Launen des Apparates lasse ich mich nicht ein.

Ziel

In wie weit ich die Stressreaktionen im Bereich von autoritär induziertem oder existenzbedrohendem Stress in den Griff bekomme, kann ich derzeit nicht absehen. Ich entwickele langsam ein Bewusstsein für die Auswirkungen und für hilfreiche Gegenmaßnahmen. Präventiv, wie auch in den Fällen, in denen ich wieder zu lange unter Stress gestanden habe. In den kommenden fünf Jahren gilt es, Reserven aufzufüllen, die sich derzeit anfühlen, als seien sie nicht mehr existent.

Trigger Tage – Therapie & Coaching unterbrochen

In den letzten beiden Tagen musste ich eine Entscheidung treffen. Das Verfahren um die Wehrdienstbeschädiung läuft immernoch. Auch, wenn mir der Arzt im Bundeswehrkrankenhaus (mündlich) mitteilte, dass er den Einsatzbezug der Erkrankung als gegeben sieht: bis dato ist keine Reha und keine Kostenübernahme der Behandlungskosten gesichert.

Auf Druck des Büros des PTBS-Beauftragten erhielt ich nun am 06.01.2015 den Zwischenbescheid, dass die Weiterleitung meines Falles an die nächste Abteilung erfolgte. Die telefonische Rücksprache heute hat ergeben, dass die nächste Instanz nun drei Monate Zeit hat, ein Folgegutachten zu verfassen. Ausgang: ungewiss.

Entscheidungen

Durch den Jobverlust zu Ende Dezember muss ich spätestens zum Ende Januar eine neue Konstellation für die Krankenversicheurng anmelden. Freiwillig gesetzlich oder Privat: beides wird mich rund 180 bis 250 Euo kosten. Die derzeitigen Einnahmen reichen nicht aus, um Unterhalt in vollem Umfang zu zahlen. Gleiches gilt für die Therapiekosten und die Kosten für das Coaching.

Um wenigstens die Forderungen des Unterhaltssicherungsamtes bedienen zu können (360 Euro monatlich) bin ich nun gezwungen, Therapie und Coaching abzubrechen. Dispo und Reserven sollten für etwa 3 Monate ausreichen, um den Terror des Unterhaltssicherungsamtes abzuwehren. Zahle ich nicht, wird Druck auf mich ausgeübt jeden nur zumutbaren Job anzunehmen, um Unterhalt zu erwirtschaften.

Das kann auch dazu führen, dass die Fortsetzung des Studiums „nicht gestattet“ wird. All das wegen einer Erkrankung, die seit

April 2013 seitens der Bundeswehr diagnostiziert wurde,
Juli 2013 durch die Bundeswehr als behandlungsbedürftig bestätigt wurde,
November 2014 durch einen Bundeswehrarzt als einsatzbedingt eingestuft wurde.

Durch Unterhaltsforderungen und das noch anzuschließende Studium kann ich nicht genügend Zeit für Therapiemaßnahmen aufwenden. Die stressbedingte Erkrankung, die eigentlich eine Reduzierung des Stresspegels erfordern würde wird durch immer neuen zusätzlichen Stress durch

– Nullkommunikation von Bundeswehr / Wehrbeauftragten / PTBS-Beauftragten / Fallmanagerin
– keine verlässlichen Aussagen zur Kostenübernahme
– Ungewissheit, wie die nun neu laufende Begutachtung durch die nächste Fachabteilung ausgehen wird
– keine verlässliche Darstellung, wie das WDB-Verfahren nun überhaupt organisiert ist (neues System seit 2015)

schlichtweg erschwert.

Reale Folgen

Ich schlafe kaum noch, erholsam schon gar nicht und die Konzentration leidet stark unter dem Druck. Vergessen Passwörter / Passwortsystematiken machen mir die redaktionelle Arbeit derzeit sehr schwer. Ich esse unregelmäßig – wenn überhaupt. Ich ziehe mich stark von Freunden und Familie zurück, habe den Kopf nicht mehr frei um an einem normalen Alltagsleben teilzunehmen. Maßnahmen zur Stressreduzierung (Entspannungsübungen) greifen kaum noch – seit dieser Woche gefühlt nicht mehr.

Ich merke, das mich die seit Monaten andauernde Anspannung immer mehr auslaugt. Gut gemeinte Ratschläge, doch „mal zu entspannen“ oder „das Arbeitspensum zu reduzieren“ lassen ausser Acht, was die Existenzbedrohung bewirkt.

Ich konnte durch die Unterstützung zwischen September und Dezember einen guten Rythmus bei Therapie und Coaching erreichen. Dennoch waren die Belastungen von zwei Jobs und dem abzuschließendem Studium zu hoch. Die Leistungen in dem Job, der Krankenversicherung und rund 300 Euro Einkommen sicherte blieben hinter den Erwartungen zurück und ich wurde im Januar verständlicherweise nicht weiterbeschäftigt.

So gut der Urlaub im Oktober tat – und der war dringend notwendig – die fehlenden Einnahmen im Oktober und November machen sich bemerkbar. Auch der Dezember bringt weniger Geld, da ich zwischen Weihnachten und Neujahr die Kinder zu Gast hatte.

Ich weiß nicht, wie und wem ich noch deutlich machen muss, dass ich eine VERLÄSSlICHE Entlastung und eine VERLÄSSLICH Perspektive für die NOTWENDIGE Therapie und den Abschluss meines Studiums brauche.

Ich habe keine Zeit, auf die schlecht organisierten und unterbesetzen Verwaltungmühlen zu warten, die mit Schwung mal eine halbe Milliarde an die Wand fahren, aber nicht in der Lage sind genügend Ärzte und Gutachter zu organiseren, um die Veteranen des Afghanistankrieges zu versorgen. Ich kann nur erahnen, wie vielen Ex-Soldaten / Veteranen das genau so geht.

Jobsuche?

In der derzeitigen Lage kann ich kaum in einen neuen Job einsteigen oder zwei bis drei Mini-Jobs bewältigen, wenn es schon schwer genug fällt, überhaupt in einem Job zuverlässig zu sein.

Kein Mensch bei Verstand käme auf den Gedanken, einen Patienten mit kaum verheiltem offenen Beinbruch mal eben den Gips runter zu reißen und einen Marathon laufen zu lassen – ein Verständnis zu psychischen und stressbedingten Erkrankungen scheint es indess nicht zu geben.

Jahresbilanz 2014: Flickschusterei & Redeverbot

Die Bundeswehr lässt sich weiterhin Zeit mit der Abwägung der Einsatzschädigung und WDB-Bearbeitung. 18 Monate gelten als schnell – bei mir sind es nun 20 seit Diagnose – 19 seit Antragsstellung.
Ich muss nun entscheiden, ob ich die Therapie & das Coaching – beides sehr gut laufende Maßnahmen – im Januar auf Dispo fortführe.
Die Jobsituation wurde prekär, da ich nicht dauerhaft 2 Jobs, Studium, Therapie und Bachelor-Arbeit auf die Reihe bekam.

Ohne besonnenes Vorgehen, hätte ich längst meinen Zweitversuch verpatzt. Zu kümmern scheint das niemanden mehr – Funkstille seit 10.11.2014 – mal wieder. Der Arzt im Bundeswehrkrankenhaus sicherte Abschluss des Gutachtens bis 23.11. zu. Erschwerend kommt hinzu, dass wieder einmal Umstrukturierungsmaßnahmen stattfinden, für die offenbar die Akten von sämtlichen Landesämtern in Düsseldorf zentralisiert werden. Folgen für Antragssteller: für die Bürokraten offenbar nicht relevant.

Mir widerstrebt es, diesem offenbar chronisch organisations-unfähigen System irgendein Vertrauen entgegen zu bringen. Ich werde in Antragsformalitäten bei Stiftungen gezwungen, die dazu führen, dass Stress- und Sorgen wachsen, statt einen positiven Verlauf der Coaching- und Therapiemaßnahmen zu stützen.

Moralisch entlastet – doch wie entlastet wirklich?

Ich bin froh, im vergangenen Jahr die Lügen der Meldekette „Einsatz – Verteidigungsministerium – Parlament“ enttarnt zu haben. Auch, wenn noch nicht klar ist, an welcher Stelle da Verantwortung wegbefohlen und durch oportunisitische Lügenmeldungen ersetzt wurde: den Leugnern und Ignoraten die mich in den Monaten seit Mai 2013 als die kleine Anfrage zum Thema online ging immer wieder attackieren, kann ich nun zeigen, was so unvorstellbar schein. Lest es – ignoriert es – leugnet weiter eure Verantwortung.

Vertrauen verlangt!

Doch vom gleichen Organisationsbereich (umgangssprachlich: „Laden“) hängt die Bearbeitung meiner Wehrdienstbeschädigung ab. Unterschiedliche Hilfsstellen mit klangvollem Namen, wie „PTBS-Beauftragter“ oder „Lotsen“ sollen im Verfahren helfen. Doch was können die tun, wenn eine Verwaltung nicht mal einen Ablauf für das Verfahren als schematische Darstellung präsentieren und Minstestbearbeitungszeiten aufzeigen kann.

Keine Forderungen aufzustellen , heißt für das System auch, keine Verbindlichkeiten einzugehen, die es selbst erfüllen muss. Ob sich 14 oder 18 oder 24 Monate zeit gelassen wird, spielt für die Beamten im Apparat keine Rolle – das draußen die Gesundheit einzelner Menschen und ganzer Familien leidet, kümmert nicht. Zu sehr beschäftig ist man damit, eine halbe Milliarde an Drohnenprogramm zu verpulvern, statt sich um die Aufarbeitung der Schädigungen der eigenen Mitarbeiter zu kümmern.

Als Feuerwehr sollen PTBS-Beauftragter und Lotsen agieren – doch mehr als hinter den verschlungen, überfordertern und nachlässig organisierten Wegen herzuforschen können auch die nicht.

Als Betroffener soll ich Vollmachten einräumen. Für Wege, die nichteinmal sagen, warum heute „ein Tag Begutachtung“ ausreicht – morgen aber plötzlich fünf Tage notwendig sind – und ein Schreiben an den Wehrbeauftragten später wieder nur ein Tag.

Wer es offen anspricht wird auch 2014 mundtot gemacht. Beiträge teilen auf Seiten des Deutschen Bundeswehr Verbandes, dem es angeblich um seine Mitglieder geht? Ich wurde nach der Afghanistan-Connection-Berichterstattung für Kommentare auf den Verbandsseiten bei Facebook gesperrt. Bloß keine Links teilen, die andere Soldaten nachdenklich machen könnten.

Ist das die Freiheit (in der Meinungsäußerung) die ich am Hindukush verteidigen sollte? Oder ging es nur darum den Boden für einen Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes zu bereiten, der sich mit peinlichen Selbstlobtexten in der Verbandszeitschrift an die Spitze des Verandes argumentierte und im getreuen Geheul mit der Ministerin mindestens monatlich im ZDF absülzt?

Worte zur Versorgungssituation erwarten Veteranen vom Bundeswehrverband vergebens. Im TV geht es nur darum zu bekräftigen, wie dringend doch Drohnen notwendig sind. Kritische Veteranen wurden über die letzen Jahre auf Podien und in Der Kommunikation durch Kriegsbefürworter ausgetauscht. Podien anlässlich „Operation Heimkehr“ werden mit ehemaligen Presseoffizieren besetzt, die Werbung für das Ansehen des Soldatenberufs machen und einem Wehrbeauftragten durchgehen lassen, dass er postulieren kann, es habe sich viel in der Veteranenversorgung verbessert.

Wer über Gefechte schwafelt wird hofiert – wer Versäumnisse des Systems aufzeigt muss darauf hoffen, dass einzelne Stiftungen abfedern, was an realen Problemen existiert.

Realität nicht erwünscht. Versäumnisse beim Namen zu nennen? Noch viel weniger.

WDB-Termin vorgeschlagen

Beim Öffnen des Briefkastens erwartete mich nun der Termin zur Begutachtung im Rahmen des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens.

Hier die Zeitlinie meines Antrags:

Mai 2013:

Antrag erstmals ans Versorgungsamt Berlin gestellt – kurz darauf Weiterleitungsbescheid an Wehrbereichsverwaltung Süd (WBV Süd)

Juni / Juli 2013:
Zwischenbescheid der Weiterleitung von WBV Süd an WBV West – Unterlagen waren erneut auszufüllen

August 2013:

keine Nachricht

September 2013

keine Nachricht

Oktober 2013

keine Nachricht

November 2013
keine Nachricht

Dezember 2013

keine Nachricht

Januar 2014

keine Nachricht

Februar 2014

keine Nachricht

März 2014

keine Nachricht

April 2014

keine Nachricht

Mai 2014

keine Nachricht

Juni 2014
Anwalt fragt nach Sachstand bei WBV West
Antwort sinngemäß: „Rufen Sie hier nicht an – damit machen Sie es auch nicht schneller und schon gar nicht besser.“

Juli 2014

keine Nachricht

28.07.2014 hakt dann das Bundesamt für Personalmanagement beim Bundeswehrkrankenhaus nach

August 2014

keine Nachricht

September 2014

keine Nachricht

Oktober 2014

06.10.2014: das Bundeswehrkrankenhaus schlägt den 18.12.2014 als Termin vor.

Sorry, aber in der Woche habe ich speziell am Donnerstag keine Zeit.

Weitere Bearbeitungsdauer

Der PTBS-Beauftragte geht davon aus, dass es ab dem Begutachtungstermin nocheinmal rund 2 bis 3 Monate dauern wird, bis ein Ergebnis da ist.

Seit 1. September habe ich ein Problem, denn meine Versorgung lief aus. Krankengeld stehe mir – so die Aussage der Rechtsberaterin beim PTBS-Beauftragen – wegen dem offenen Verfahren derzeit nicht zu.

Mit einem Termin im Januar 2015 dürfte ich bis zum Abschluss des Gutachtens an die Zwei-Jahres-Grenze kommen.

So sieht die Fürsorge von Frau von der Leyen aus.

27.09.2008 ? Haben Sie da was überlesen, Frau Regierungsdirektorin?

Zugegeben: meine Eingaben an den Wehrbeauftragten haben über die Jahre in ihrer Form einen starken Wandel angenommen. Proportional mit der Zunahme von ausweichenden Antworten oder „gar keinen Handlungen“ nahmen Bissigkeit und Polemik zu.

140728_Wehrbeauftragter

Das sollte jedoch nicht vom Lesen abhalten. Auch in der neuerlichen Anfrage vom 28.07.2014 bat ich erneut um Klärung – nicht nicht nur in Bezug auf die Wehrdienstbeschädigung, sondern auch zu den Vorfällen aus dem letzten Einsatz (27.09.2008). „Geflissentlich ignoriert“ ist wieder einmal die treffende Zusammenfassung.

Mehr noch: auch in dem Verfahren der Wehrdienstbeschädigung will sich die Regierungsdirektorin offenbar nicht durch unnötige Nachfragen in Handlungszwänge begeben.

„Soweit Sie beklagen, nicht über einzelne Schritte der Bearbeitung unterrichtet worden zu sein, kann ich hierzu keine Aussage machen. Grundsätzlich folgt jedes WDB-Verfahren einem bestimmten festgelegten Ablauf. Dabei sind auch regelmäßige Sachstandsinformationen an den Antragssteller vorgesehen.“


Verzögerungen leider nicht vermeidbar

Die stellvertretende Kraft des „Anwalts der Soldaten“ stellt sich offenkundig eher auf die Seite der Bundeswehrverwaltung, als auf die Seite des betroffenen Soldaten.

Ich muss da als Betroffener wohl schon mal Verständnis haben, dass, wenn ein neues Bundesamt eingerichtet wird, es da zu Verzögerungen kommen kann.

Als Dreist empfinde ich, dass sie darüber hinweg geht, dass in dem Fall seit über einem Jahr keine Benachrichtigung an mich ergangen ist und künftige Verzögerungen gleich auf meine Kappe schreibt. Wie kann mich auch all das nur belasten? Soll ich halt warten. Irgendwo ist ja im Prozess irgendwann eine Nachricht vorgesehen. Im übrigen ist all das nicht vermeidbar…

Ja, Frau Hetzel, ich hab da weitere Fragen und Klärungsbedarf:

1. Wann gingen seit Übersendungen des WDB-Antrags im Juli 2013 Benachrichtigungen durch die bearbeitenden Stellen an mich – oder – wie zuletzt geschehen an den Vertretungsberechtigten Anwalt Arnd Steinmeyer?

https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/2013/07/formularterror-vs-therapie-genesung/

2. Wie ist der „bestimmte festgelegte Ablauf“ des WDB-Verfahrens? WO ist dieser einsehbar und an welchen Punkten sieht dieser Ablauf Zwischeninformation vor?

3. Wie sieht der Wehrbeauftragte die Einsatzlast in meinem Fall sowie die nicht eingehaltenen Ruhezeiten zwischen den Einsätzen?

Bundeswehrzeit. Unten: Kalkulation unter Einhaltung der 4 / 20 Regel

Bundeswehrzeit. Unten: Kalkulation unter Einhaltung der 4 / 20 Regel

Zur Erinnerung: im gezeigten Verlauf lehnte ich 2006/7 einen Einsatz im März 2007 sowie im Juli 2007 aus Rücksicht auf meine Familie ab. Kuraufenthalte wurden 2006 „eher nicht mehr gewährt“ – intern sprach man damals davon, es habe wohl zu viele Anträge gegeben.

4. Thema 27.09.2008

Ich weise erneut darauf hin, dass das Parlament durch die unvollständigen, irreführenden Darstellungen der Bundeswehr zum 27.09.2008 in seiner Kontrollpflicht nicht nur eingeschränkt, sondern umgangen worden ist. Wer trägt für das Zustandekommen der Falschmeldungen durch die Bundeswehr die Verantwortung?

Pressemeldung, Unterrichtung des Parlaments geben nur einen Bruchteil der Vorfälle wieder. Durch die Antwort auf die Kleine Anfrage 17/13821 wird deutlich, wie viele weitere Informationen den Parlamentariern zunächst nicht mitgeteilt worden sind. Dr. Gregor Gysi spricht von Vertuschung von Kampfhandlungen – in Kenntnis der damaligen Vorfälle vor Ort kann ich dieses so nur unterstreichen.

Ich ersuche daher ein letztes Mal darum, dass die Antwort auf die kleine Anfrage öffentlich gemacht wird, sowie der Vorfall zum Gegenstand einer untersuchung gemacht wird. Entweder durch den Wehrbeauftragten oder durch den Verteidigungsausschuss. Auch in diesem Verfahren bitte ich um einen Beleg, dass der Wehrbeauftragte oder der Verteidigungsausschuss in diesem Fall aktiv geworden ist und das Zustandekommen der Falschmeldungen rund um den 27.09.2008 geprüft hat.

Ihr Schreiben vom 7.8.2014

Werte Frau Hetzel, liebe Bundeswehrverwaltung: über ein Jahr lang ging bei mir keine Information zum Sachstand ein und dann kommt eine derart rotzige, pampige Antwort, ICH solle nicht für weitere Verzögerungen sorgen und den Termin im Bundeswehrkrankenhaus wahrnehmen ?

Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass ich nicht erscheinen werde. Ich werde nicht erneut alles hinterfragen, durchleuchten, auseinandernehmen und in Frage stellen lassen, durch das ich im letzten Jahr in einer stationären und einer ambulanten Therapie gegangen bin. Ich werde nicht erneut riskieren, dass mich die Belastung dieser Ereignisse einholt oder das Bundeswehrstellen so reagieren, wie Sie, Frau Hetzel, es in ihrem Schreiben getan haben.

Mit Autos versteht ihr es, oder?

Wo ist die Akte? Stand letzte Woche war die Aussage: „Akte ist in Hamburg.“ In dieser Woche ist sie nun „auf dem Weg“ dahin. Ich würde vorschlagen, Frau von der Leyen lässt den gesamten Aktenbestand mal an das Internetversandhaus Amazon überstellen. Die kennen sich mit Ablagesystemen aus und liefern unter 24 Stunden deutschlandweit.

Es bleibt beim Sachstand der letzten Woche: nur Hören-Sagen darüber, wie der Sachstand des WDB-Verfahrens ist. Nach über einem Jahr. Wer tut was, wann, wo und zu welchem Zweck? Irgendwie scheinen solche grundsätzlichen Aussagen nicht möglich zu sein, sobald man „Antragsteller“ ist – als Soldat undenkbar, sich zu irgendeinem Zeitpunkt über diese grundsätzlichen Dinge nicht im klaren zu sein.

Frage mich, wo die Akten so zwischenzeitlich versickern. Stehen die rum? Fahren die auf einer LKW-Pritsche im Kreis?

Frage mich, welcher Vorgesetzter seit Jahren die Meldungen von Mitarbeitern unbearbeitet lässt, dass offenbar zu wenige Mitarbeiter vorhanden sind, um die steigende Zahl an Fällen zu bearbeiten. Leute nehmen schaden aus ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr und müssen dann in die Antragbearbeitung bei genau der Instanz, die den Schaden verursacht hat.

In der realen Welt

Akten und Papier sind so schwer verständlich und die Not dahinter kaum nachvollziehbar. Für Deutsche empfiehlt sich dann immer die Übertragung in die Welt des Autos. Das ist deren liebstes Kind und mobilisiert sofort das notwendige Maß an emotionaler Intelligenz, um nachzuvllziehen, was da gerade schief läuft.

Stellt euch also vor, ihr reklamiert eine verpfuschte Reparatur bei eurer Werkstatt. Die Werkstatt stellt euer Auto dann erst mal auf den Hof und sagt: „Kaputt ist was. Schauen wir mal, was es ist. Lassen sie das Auto mal da.“

Ihr lasst es dort stehen und wartet drauf. Irgendwann – so nach einem Jahr – ist dieses Auto weg, verschwunden und nicht auffindbar. Ihr habt nichts von eurem Auto gehört.

Nachfragen des Anwalts werden von überlastetem Werkstattpersonal am Telefon mit „Das macht es nicht besser, wenn sie hier ständig nachfragen.“ gekontert. Wie könnt ihr auch nur auf die Idee kommen nachzufragen?

Und in dem Moment wo dem Autobesitzer dann der Kragen platzt und er sagt: „Lass uns das jetzt mal beenden und einen Gutachter einschalten!“ sagt die Werkstatt, die euer Auto verpfuscht hat: „Klar: hier ist unsere Liste von Gutachtern. Wir schicken das Auto dann zu denen – wenn wir es gefunden haben. Das ist gerade zwischen Sankt Augustin, Düsseldorf und Hamburg unterwegs. Oder sonst wo. Zwischendurch war es vielleicht auch schon in München. Wer weiß das schon so genau. Seit wann? Keine Ahnung. Wann es ankommt? Also bitte, Sie fragen ja schon wieder.“

Euer Auto wird derweil in den unterschiedlichen Filialen der Werkstattkette mal hier, mal dort abgestellt, rumgereicht und – irgendwie fühlt es sich so an – versteckt, vergessen und ignoriert.

Blöd nur, dass es für erkrankte Menschen keine Alternative gibt. Autofahrer können ja mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren (und leiden dabei schon Höllenqualen).

Leider ist diese abstruse Bild die Realtität in der Bearbeitung einer Wehrdienstbeschädigung. Strukturen, bei denen ich langsam den Selbstzweck der Verschleppung unterstellen muss. Ziel: bloß nicht effektiv arbeiten, damit die Kosten, die für die geschädigten Soldaten aus einem Einsatzjahr anfallen bitte erst über zwei oder drei Jahre fällig werden.

Kosten, die offenbar nicht bedacht wurden und die niemand gegenfinanzieren kann oder will – lieber 500 Millionen Euro in einem Drohnenprojekt versenken. Personalverantwortung – ja, das Personal hat Verantwortung. Bloß halt nicht für andere. Und schon gar nicht für Geschädigte oder das eigene Handeln.

Vorgegebene Schutzzeiten zwischen den Einsätzen ignorieren – vor den Folgen dann die Augen verschließen und behaupten: „Selbst Schuld, das du das gemacht hast, was von dir verlangt wurde.“

Beweislastumkehr in Wehrdienstbeschädigungsverfahren

Unternehmer kennen Begehungen ihres Betriebes, wenn es darum geht die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften nachzuweisen. Da muss alles passen, Fehler müssen abgestellt werden und sind schnellst möglich zu beseitigen.

Ihr führt ein Restaurant und erfüllt die Hygienevorschriften nicht ? Das Ordnungsamt schließt euch sofort den Laden, wenn eure Gäste nach dem Besuch eures Restaurants eine Salmonellenvergiftung erleiden.

Für die Bundeswehr und Versorgungsämter hinggegen gilt all das offenbar nicht. Zeitvorgaben? Nein. Schließlich haben diese Ämter viel zu tun und können nicht vorhersehen, wann sie die konkrete Arbeit erledigen.

Perfide: die Bundeswehr meldet selbst ansteigende Fallzahlen von PTBS, Wehrdienstbeschädigungen und ähnlichem. Das entspricht in etwa, wenn ihr bei der Restaurantbegehung dem Lebensmittelkontrolleur auch noch stolz präsentiert, wie flauschig der Schimmel auf euren Speisen wuchert und ihm anschließend auf die Schulter klopft und sagt: „Nächstes Jahr haben wir das bestimmt behoben. Da hat sich ja auch im letzten Jahr vieles getan. Es schimmelt nur noch in zwei von drei Kühlschränken.“

Seit April 2013 schimmele ich in diesem System vor mich hin. Einsatzbedingte Anpassungsstörung und Depressionen diagnostiziert, daraufhin im Bundeswehrkrankenhaus behandelt worden und mit der Aufforderung zur weiteren ambulanten Behandlung überwiesen. Fehlberatungen, verschwiegene Hilfen, keine Rückmeldungen über den Sachstand.

Hackt es eigentlich bei euch?

Ihr seid über ein Jahr nicht in der Lage auch nur ansatzweise nachzuweisen, dass die Schädigung nicht aus dem Einsatz kommt, lasst die Entscheidung aber in der Schwebe. Was steht am Ende des Verfahrens? Behandlungen, Medikamentierung (lehne ich weiterhin ab), weitere Behandlungen und Zwischendiagnosen um dann mit einem „Gutacher“ zu dem Schluss zu kommen: „Ach, nee, war doch nicht einsatzbedingt?“

Gebt mir einfach eine Krankenverischerung. Eine, die dauerhaft besteht, egal in welchem Arbeitsverhältnis ich gerade stehe oder ob ich keines habe. Lasst mich aus eurer Verwaltungs-Idiotie heraus. Die Arbeit für euer System wird mehr und ihr reduziert auch bei der Bundeswehrverwaltung die Zahl der Mitarbeiter.

Klar – dann dauern Verfahren eben 18 Monate und mehr. Juckt doch euch Reformer nicht. Ihr verheizt Soldaten in den Einsätzen und verhöhnt die, die dann Schaden nehmen.

Was hilft ?

Mittlerweile habe ich es irgendwie geschaft Einkommen zu generieren, so dass ich zum 1.9. nicht auf dem HARTZ4-Amt vorstellig werden muss. Rund 800 Euro müssen reichen. Leider ist davon noch keine Krankenversicherung bezahlt. Was die korrekte Versteuerung angeht muss ich noch das Finanzamt befragen.

Das löst leider noch nichts – für Unterhaltszahlungen reicht das nicht aus. Daher wird es Druck vom Unterhaltssicherungsamt geben. Dieses wird mir dann ab September 20 bis 30 Bewerbungen monatlich abverlangen.

Das Studium endet wohl, denn ich kann weder ein weiteres Semester finanzieren, noch es irgendwie aushalten eine Bachelorarbeit zu schreiben. Autorität, die über mein Leben richtet, eingrifft oder deren Willkür ich ausgesetzt bin? DAS ist DERZEIT immernoch nicht möglich.

Ich arbeite in dem Umfang, der derzeit möglich ist. So, wie ich halbwegs klar komme.

Der 27.09.2008 ist weiterhin nicht bewältigt. Durch die Einstufung des Antwortschreibens gelte ich weiter als Skandaleur, der haltlose Behauptungen in die Welt setzt.

DREI Meldungen der Bundeswehr – keine entspricht der anderen – und erkennbar wird, dass den Abgeordneten des Parlaments verschwiegen wird (werden soll?) , was vor Ort passiert. Erklärungen des Ministeriums dazu? NULL. Mehr als peinlich berührtes Schweigen gibt es nicht. Klärt das! Vielleicht geht das ja schneller, als ein Wehrdienstbeschädigungsverfahren.