Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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2017 – Leben mit Depression

Ein bisschen Reflexion – ein bisschen Zwischenbilanz. Der Anlass war ein guter Artikel und ein gutes Gespräch in dieser Woche.

Im November wurde durch ein übergriffiges Arztgespräch der vorzeitige Schritt in die Onlineschreibtherapie nötig. Der Arzt unterstellte, ich wäre ärztlich nicht führbar und würde ohnehin nur simulieren. Zwischen Dezember und Anfang Februar fand dann die Schreibtherapie statt, die mich weiter brachte, aber auch massiv Kraft kostete.

Worte finden

Via Twitter stieß ich heute auf einen Text in The Independent, den ich hier einfüge (please do not blame me for copyrights & understand this as a comment on the text).

In dieser Woche kam es wieder zu einem Gespräch mit jemanden, der auch von Trauma und Depression betroffen ist. Mittlerweile habe ich genug Worte, um zu beschreiben, was passiert und wie ich es verstehe. Oft kann ich aber nicht beschreiben, wie es sich anfühlt. Aber der Text am Ende trifft es sehr gut.

Ich denke, dass die Analogie zu einem Beinbruch, die ich in Bezug auf Trauma schon verwendet habe auch ziemlich treffend das Leben mit Depressionen beschreiben kann. Eine leichte Depression ist vielleicht ein blauer Fleck oder eine Prellung am Schienenbein. Lästig. Dauert auch eine Weile – geht aber wieder weg.

Ein Beinbruch kann glatt laufen und geht auch nach einigen Wochen wieder weg. Manche Menschen neigen dazu, sich öfter mal etwas zu brechen. Doch es gibt auch schwere Unfälle, bei denen ein Bein kompliziert bricht oder zerschmettert wird. Das, was mir passiert ist – und sich seit Jahren mal stärker, mal weniger stark bemerkbar gemacht hat, wird wohl bleiben. Ich rechne nicht mehr damit, dass ich Marathon laufen werde oder Wettkämpfe gewinnen kann. Im Alltag muss ich planen und im Auge behalten, was ich mir zugemutet habe und wann Belastungen zu viel waren.

Stressphase

Neben dem Ende des Studiums und dem Ende der Berichterstattung aus dem NSA-Untersuchungsausschuss kam noch ein Therapiegespräch in der letzten Woche hinzu. Diese Gespräche sind immer so, wie bei einer verkrusteten Wunde, an der rumgekratzt wird oder wo jemand den Schorf mal eben anhebt, um zu sehen, ob sich darunter wieder Haut gebildet hat. Immerhin: im Therapiegespräch läuft das behutsam ab und nicht, wie beim Arztgespräch im November, so einfach mal an einem verkrusteten Pflaster gerissen wurde.

Der Start ins Praktikum lief gut und die Aufgaben und der Kontakt zum Team machen Spaß. Für manches im Haushalt fehlt die Kraft. Noch immer sind Leistungen für dieses Semester offen, die ich gerne abschließen würde. Doch Priorität hat nun erst einmal das Praktikum, das ich diese Woche begonnen habe. Ich fühle mich wohl in dem Umfeld.

Prioritäten

Alles erfüllen zu wollen, ist utopisch. Der Haushalt muss hinten anstehen. Solange die Wäsche regelmäßig in sauberem Zustand da ist, ist genug erreicht. Ob das Geschirr 3 oder 5 Tage ungespült bleibt, macht im 1-Personen Haushalt wenig aus. Doch Menschen in die Wohnung einladen wäre derzeit nicht angebracht. Aber Berlin hält da ja Möglichkeiten vor.

Wichtiger ist, neben dem Praktikum nun anderes nicht aus den Augen zu verlieren. Freunde und Menschen außerhalb der Arbeit treffen. Leider zählt das immer noch zu den Dingen, die ich aktiv einplanen muss. Das Bedürfnis sollte einfach da sein – ist es aber nur selten. Ich sollte nicht auf einem Level kalkulieren müssen, das mit „ohne soziale Kontakte fühlst du dich irgendwann mies – geh raus!“ beschrieben werden kann.

Mitunter fehlt die Konzentration. Ein abgesprochenes Treffen oder etwas zeitlich fest geplantes vergessen – so etwas kommt derzeit wieder vor, aber nimmt keine Überhand.

Trigger

Belastend ist derzeit das Thema „Abschiebungen nach Afghanistan“. Die Ignoranz von Innenminister „Terrorthomas“ de Maizière gegenüber Journalisten, Menschenrechtsorganisationen und gesundem Menschenverstand ist unerträglich.

Auch die Aussagen von Peter Altmaier und Kanzlerin Angela Merkel im NSA-Untersuchungsausschuss zum Thema Drohnensteuerung via Rammstein waren an Zynismus nicht zu überbieten. Menschen würden aus so vielen Gründen sterben, da müsse man bei Drohnen nicht unbedingt handeln. Sinngemäß war die Haltung sehr nah an den Äußerungen von de Maizière in dieser Woche, die 11.000 getöteten afghanischen Zivilisten seien ja nicht direktes Ziel der Taliban gewesen.

Ein paar technische Auffälligkeiten, die meine Kommunikationswege betreffen sorgten ebenfalls für „Anspannung“. Zwar ist der Effekt, den ich beobachten konnte relativ logisch zu erklären. Doch sorgt das wieder für eine unangenehme Präsenz der Erfahrung „Adlongespräch“, bei der mir ein Beamter mit Reservistenausweis den warnenden Hinweis gab, ich solle aufhören zu publizieren, denn schließlich wolle ich ja keine Kaderakte haben, die all das enthielte, was ich online so täte, plus das, was man hinzu erfinden könne.

Auf ein privates und persönliches Telefonat ohne jeden dienstlichen Bezug folgte in engem zeitlichen Zusammenhang ein Twitterecho, das wieder einmal Zufall sein kann. Vermutlich hat ein Algorithmus das Speichern der Telefonnummer auf meinem Handy zum Anlass genommen mal einen Tweet in die Timeline von Person 2 zu spülen.

Was im nächsten Tweet scherzhaft wirkt, wird mir immer mehr zum Bedürfnis. Rückzug, Kontaktabbruch. Neuanfang. Ich kann mir weiterhin nicht sicher sein, dass die Drohung „Kaderakte“ nicht wahr gemacht wurde. Twitter bleibt leider – wie einst mein Facebook-Account – Einfallstor für Manipulation und Mobbing. Doch mich von dort zurückzuziehen hieße, erneut ein Stück Teilnahme am öffentlichen Leben aufzugeben und einen Publikationskanal zu verlieren. Letztlich auch ein beruflicher Rückschritt.

Entlastung

Für das dritte Quartal versuche ich einen Kuraufenthalt bewilligt zu bekommen. Leider heißt das, dass ich ich unweigerlich wohl wieder auf den Arzt vom November treffen werde. Freie Arztwahl habe ich nicht. Seitens des leitenden Psychologen des Psychotraumazentrums ist zwar Unterstützung zugesagt. Doch was hilft das, wenn im Arzt-Patienten-Gespräch wieder allerhand Drohungen und Demütigungen ausgesprochen werden können.

Absehbar werde ich in den Osterferien Zeit mit einem meiner Söhne verbringen können. Auch das baut auf, denn das ist viel zu selten der Fall.

Um Abstand zu gewinnen hatte ich ja bereits in 2014 die verbliebenen Ausrüstungsgegenstände und Uniformen „umgewidmet“. Sie rotten seit bald 3 Jahren in der Blumenerde und in diesem Jahr werden dann auch wieder Tomatenpflanzen darauf wachsen.

2015: Wachstum

Näher zu planen ist noch ein Ziel, dass ich in einer der letzten Onlineschreibtherapie-Sitzungen zum Ausdruck gebracht habe. In einem Brief an mich selbst sollte ich reflektieren, in welchem Ausmaß ich das Erlebte und die Konsequenzen für mein weiteres Leben daraus akzeptiert habe. Ich schrieb:

Die Zeit in Uniform ist vorbei – das ziehst du seit einigen Jahren sehr konsequent durch. Sei es die Einsatzkiste mit den letzten Uniformresten, die jetzt auf der Terrasse steht und mit genügend Blumenerde gefüllt ist, um auch im nächsten Jahr wieder Tomaten darauf wachsen zu lassen. Lass dir für die Ausgehuniformen, die noch im Keller liegen etwas ähnliches einfallen. Sie brennen bestimmt sehr gut oder ergeben mit ein paar Modifikationen eine nette Weste.

Eine Unterstützerin, die mit traumatisierten US-Veteranen in Karlsruhe arbeitet berichtete mir davon, dass die Veteranen ihre Uniformen geschreddert und eine Leinwand daraus gemacht haben, auf der sie dann Bilder malten. Mir erscheint der Aspekt „Feuer“ sehr geeignet, aber ich habe derzeit weder den geeigneten Platz, noch die Vorstellung, wer alles mit dabei sein sollte.

Ich gehe davon aus, dass eine Verbrennung der Uniformen vor dem Reichstag nicht akzeptiert würde – angesichts meiner Erfahrungen rund um den 27.09.2008 und die fragwürdige parlamentarische Kontrolle der Einsätze wäre das allerdings mein Wunschort für diese Aktion.

Was erhalten bleibt, ist der Helm. Den Helm kaufte ich im August 2013 und er begleitete mich durch den 100-Tage-Protest vor der US- und GB-Botschaft hier in Berlin.

Unschlüssig bin ich, was ich mit dem verbliebenen Paar Einsatzstiefel und den Einsatzmedaillen mache, die immernoch hier liegen. Sie stammen aus einem der Pakete, die ich im Mai 2014 an den damaligen Bundespräsidenten Gauck, Kanzlerin Merkel, IBUK von der Leyen und das Haus der Geschichte in Bonn sendete. Meiner expliziten Bitte, mir das Paket nicht zurückzusenden kam das Büro Gauck nur bedingt nach. Die DVD mit meinem Video und Unterlagen zum 27.09.2008 behielt das Büro. Stiefel und Medaillen kamen zurück.

Was bleibt

Die Worte in dem Independent-Artikel sind nicht meine – aber die Beschreibungen von Lucia beschreiben treffend, wie mein Alltag sehr häufig aussieht.

Full-Text in The Independent

Lucia* is 26. She grew up in London and works as a freelance copywriter. She was diagnosed with depression aged 21, but had suffered for years prior.

„I find a good metaphor for depression that I have used to explain to people close to me, is kind of like being permanently hungover. You get up and feel like crap, you can’t be bothered to do your make up or find clean clothes because it takes all the effort you are physically capable of just to force yourself to leave the house. You consider calling in sick, but you need the money and you agreed to work this shift and you can’t let your workplace down.

You get to work, and people ask if you’re ok. “I’m fine.” You say. “I’m kind tired. Maybe I’m getting sick.”

You can’t tell them you’re hungover, because being hungover is not a valid excuse in the workplace. Being depressed is not a valid excuse in the workplace.

„The hangover comes in waves. At some points your fine and think great, the alcohol is out of my system. I’ll be fine now. But then half an hour later your feel ill again, your head hurts, your body is moving slowly, and you can’t concentrate on the task you’re doing.

“Maybe you should eat something?” someone suggests, but the canteen is too far away and you’re behind on your work, you need to catch up with everyone else so you don’t get fired. Like when people tell you to try exercise to help with depression, but the gym is too much effort, there’s no way you can make it there and still have enough willpower to do something as simple shower, or do food shopping, or pay your phone bill.

„Besides, eating something might well make you feel better, but it might just make you throw up. The gym might well make you feel better, or your substandard attempt at exercise might just end in abject failure and you’ll just hate yourself for not being able to do what everyone else seems to do with no problem.

„You go through the day, avoiding talking to people more than strictly necessary because oh god, your head hurts, and trying to pretend you’re not hungover – trying to pretend you’re not depressed – hiding it from your colleagues, is exhausting. You can’t wait to be finished with the day, to go home, to your bed and not have to act like you’re ok anymore, but the day is dragging. And you still haven’t done enough work. You’re definitely going to get fired if you keep on like this but you wonder “is that so bad? At Least I wouldn’t have to pretend I’m OK.”

„Eventually, the day is over and you’re in bed, ready to sleep, but all that coffee you had trying to keep yourself functional all day decides now is the time to kick in, and sleep isn’t coming. Where was this burst of mental energy all day when you needed it?! You toss and turn and try to numb your racing mind with Netflix and a cheeky bottle of something, and eventually, you start to nod off. You hope, as you begin to drift into a restless sleep, that you’ll wake up feeling better tomorrow, but you’re scared that you won’t. You’re beginning to think you’ll feel like this forever, and you’re not sure you want to keep trying. But you’re falling asleep now, so you don’t bother worrying. You’ll deal with the worry tomorrow. Once you’ve made it through the day again.“

… und es geht eben auch anders

Nach der letzten negativen Erfahrung (siehe „Staatsbürger“- & „Einbestellt“-Text wurden die Tage und Wochen wieder ziemlich unerträglich. Ich schaffte es zwar überwiegend, die Außentermine aufrecht zu erhalten und fiel auch nicht aus dem gerade erst gestarteten Schlagzeugunterricht. Rettend war auch ein ohnehin geplantes Wochenende in Frankreich, was für Abstand sorgte.

Doch es ändert nichts an der zersetzenden Wirkung, die dieser einzelne Termin am 15.11. entfaltet. Es gab Tage, an denen nichts mehr ging. Erschöpfung – Angst – Hoffnungslosigkeit – getriggert durch die impliziten Drohungen des Arztes am 15.11.2016. „Ich will ihnen nur zeigen, wie sich das entwickeln kann“ – das ist kein Disclaimer für Aussagen, wie „Onlinetherapie ? Das ist doch nur ein Mittel, sich der Kontrolle durch den Dienstherrn zu entziehen.“ oder „Wenn Sie eben als Eremit leben wollen – bitte – aber dafür muss die Bundeswehr ja nicht zahlen.“ Das ich die Behandlung mit Antidepressiva ablehne und mich lediglich über Verhaltenstherapie an einen besseren Umgang mit den Depressionen heranarbeite, ist eine mögliche Entscheidung und vor allem: meine Entscheidung.

Anders, als noch vor drei Jahren war ich nach der Provokation am 15.11. immerhin in der Lage soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, statt mich komplett zurückzuziehen. Kompletter Rückzug – das war in der Vergangenheit das sprichwörtliche Anstarren der Wand, das mit Mangelernährung und Rückzug aus nahezu allen sozialen Aktivitäten einherging. Nein – das suche ich mir nicht aus. Nein – das passiert nicht freiwillig. Das ist schlicht die Reaktion auf Verhalten, wie „Bossing“, „Mobbing“ oder unqualifiziert geäußerte und gegen mich durchgesetzte Kritik. Ich habe all das schon einmal ertragen müssen. Es führte damals in lebensgefährliche Situationen und sorgt bis heute dafür, dass ich psychisch und physisch mit der gleichen Anspannung reagiere – selbst dann, wenn es gar nicht mehr zu einer Lebensgefahr führt.

Für die simplen Verwaltungsgemüter, die anzweifeln, was ich hier beschreibe, empfehle ich einen perfiden Selbsttest nach Pawlow-Muster:

1. Sie – der Zweifler – beauftragen bitte nun den Kollegen vom Schreibtisch gegenüber, zunächst ein Weihnachtsglöckchen zu läuten und ihnen dann mit einem Hammer auf eine Fingerkuppe zu schlagen. So fest, wie es nur geht. Ja, das tut weh. Aber das ist ja nur einmal. Halten Sie sicher aus.

2. Wiederholen Sie die unter 1 beschrieben Prozedur mit den verbliebenen neun Fingern. „Glöckchen – Hammer – Finger“

3. Sollten Sie wirklich nach 10 Fingern immernoch auf dem Stand sein, dass sie nicht schon beim Erklingen des Glöckchens schreiend und in Panik das Büro verlassen: sie haben ja auch noch 10 Zehen am Fuß.

4. Beobachten Sie in den kommenden Jahren selbst, wie sie auf ein erklingendes Glöckchen reagieren.

Das ich auf dem Therapieweg längst nicht am Ende bin, habe ich im Laufe des Jahres längst selbst bemerkt. Oft waren es stressige Phasen im Studium, in denen ich zunächst versuchte, alle Leistungen zu 100% zu erfüllen. Im Ergebnis stand eine Art Erschöpfungsdepression. In zwei Praktikas konnte ich mich in Chefsituationen beobachten, erfahren, was es mit mir macht und auch hier wieder Gegenmaßnahmen treffen. Leider ist es weiterhin nicht so, dass nach solchen Erfahrungen einfach ein erholsames Wochenende reicht, um am nächsten Montag wieder unbefangen am Arbeitsplatz zu erscheinen. Konzentration und Kreativität – beides immanent wichtig für meinen Beruf – verlieren und die Kraft geht in Wachsamkeit, Vermeidung und Anspannung.

Wie es besser geht

Am Dienstag ging es darum, mich auf die Teilnahme an der Online-Schreib-Therapie vorzubereiten. Diese Studie führt das Psychotrauma-Zentrum der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Psychologen der FU-Berlin durch. In einem Eingangstelefonat und einer Vorerhebung wird zunächst geprüft, welche Bereiche für den Patienten derzeit relevant sind und welche problematischen Ereignisse gesehen werden.

Es kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, mit denen die Auswirkungen von Stress erfasst werden. Neben einer Eyetracking-Sitzung, in der die Reaktion auf mögliche Traumaauslöser beobachtet wird, wird mittels Haar- und Speichelproben die Entwicklung des Kortisolwertes beobachet. „Kortisol-Analysen im Haar geben einen Hinweis auf chronischen Stress.“, heißt es im Infoblatt, das den Patienten ausgehändigt wird. Die Haarprobe wird zum Anfang der Studie genommen, Speichelproben am Anfang, während und nach der Studie. Hinzu kommt die Herzratenmessung während der Schreibaufgaben. So viel zum Argument des Arztes vom 15.11.2016, der urteilte, dass eine Online-Schreibtherapie ja auch nur ein Weg sei, sich der Kontrolle des Dienstherrn zu entziehen.

Mir steht es – wie allen anderen Teilnehmern der Studie, egal ob aktiver Soldat oder bereits zivilorientierter Verwaltungsfall – frei, ob das Ergebnis der Onlineschreibtherapie in Form eines Abschlussberichtes Teil der Krankenakte wird.

Ich kann nicht sagen, ob es schlichtweg daran lag, dass ich von einem zivilen Psychologen durch den gestrigen Tag begleitet wurde, aber die Atmosphäre empfand ich als konstruktiv und zielorientiert – kein zu den Anschuldigungen am 15.11.2016 oder dem in „Befund – lesen bei Strafe verboten“ beschriebenen Termin im Oktober 2015.

In den kommenden Tagen muss ich insgesamt 12 Speichelproben zu festgesetzten Zeiten sammeln. Ab Samstag steht mir dann das Login auf dem Therapie-Server zur Verfügung. Insgesamt sollen zwei Texte pro Woche entstehen, die – so die Zusicherung des Psychologen – nur kurze Zeit auf den abgesicherten Servern verbleiben und zeitnah nach der Antwort des Therapeuten wieder gelöscht werden. Die Antwort auf die Texte soll mich innerhalb von etwa einem Werktag erreichen.

Nach den ersten Schreibaufgaben werde ich entscheiden, wie viel ich anteilig davon öffentlich mache oder ob ich nur „über“ den Verlauf der Therapie schreiben werde.

Notwendigkeit

Mir war klar, dass es noch belastende Anteile gibt, die mein Leben beeinflussen. In Praktika und im Studium setze ich mich gezielt diesen Situationen aus und komme zunehmend besser damit zurecht. Zumindest, wenn es darum geht, auf Stress zu reagieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Rückschläge, wie der Termin am 15.11.2016 irritieren und werfen mich zurück. Statt mich mit der Semesterplanung des Wintersemesters, sowie den Aufgaben in den Kursen zu befassen, lag ein Großteil der Aufmerksamkeit darauf, was der 15.11.2016 ausgelöst hat und wie ich verhindere, dass die Folgen mein soziales Umfeld belasten und teilweise auch wieder zerstören. Doch anders, als 2013 gibt es nun Menschen, die mich auf dem Weg unterstützen. Dafür bin ich dankbar.

Trauma und ein Blatt Papier

Im Therapiegespräch gestern redeten wir kurz darüber, wie und ob Entlastungen aus der Therapie spürbar werden. Dabei reflektierte ich die Entlastungen, die sich in den letzen Wochen ergeben haben. Die finanziellen Hilfen, die in den letzten Wochen zugesagt wurden wirken sich nun auch endlich positiv aus.

Warum erst jetzt?

Hilfszusagen zu erhalten ist nur ein Aspekt. Ob sich diese real auswirken und vor allen Dingen wann, kann ich erst in dem Moment beurteilen, wenn sie mich erreichen.

Neben der Zusage bis zum Jahresende monatlich 1200 Euro an Grundeinkommen zu ermöglichen wurde auch angekündigt, die Kosten für Therapie und Coaching zu übernehmen. Eigentlich ja Anlass zur Freude und ein Grund, die Arbeit in anderen Jobs zu reduzieren?

Zunächst:

Auch gegenüber meinen beiden anderen Arbeitgebern darf ich nicht unzuverlässig werden, denn was ab Januar 2015 an Möglichkeiten zur Verfügung steht, kann ich nicht abschätzen. Bis die Hilfszusagen für September und Oktober verfügbar waren, dauerte es bis zum 08.10.2014 und der Arbeitsplan war bereits bis zum 19.10.2014 verabredet.

Am 13.10.2014 erreichte mich die Hilfszusage für November und Dezember 2014. Die Arbeitsplanzusagen waren dann bereits bis zum 26.10.2014 getroffen. Es ist also nicht der pessimistische Blick, der mit Depressionen einhergeht, der dazu führt dass sich die Entlastungen erst langsam auswirken.

Es ist so kompliziert, wie mit einem Blatt Papier: es dauert nur Sekunden, um die glatte Oberfläche so sehr zu zerknüllen, dass es danach eine vielfach längere Zeit braucht, um das Blatt wieder zu glätten. Und ohne Spuren geht auch das nicht vonstatten.

Spuren der letzten Jahre

Mit dem Einzug der Schweigepflichtentbindungen wird die Arbeit für alle Beteiligten nicht einfacher. Der Anlass zur Skepsis gegenüber all den Strukturen, die nun scheinbar Hilfe anbieten, ist in den letzten 18 Monaten seit der Diagnose stetig gewachsen.

Zu meinem Blickwinkel:

1. Ich habe eine offenkundig als Menschenrechtsverletzung einstufbare
Begebenheit kritisiert, die das Ministerium schlichtweg ignorieren WILL.

(Ich hatte jahrelang auf rechtmäßiges, ethisch einwandfreies Handeln der Bundeswehr vertraut)

2. Ich habe seltsame Falschinformationen zum Therapieverlauf im
Bundeswehrkrankenhaus Berlin erhalten, die mich zunächst davon abhielten, mich dort behandeln zu lassen.

(Ich vertraute darauf, dort eine unabhängige und hilfe-orientierte Behandlung
zu erhalten).

3. Ich wurde durch Inhaber von Truppenausweis & Dienstposten in
einem Bundesministerium unter Druck gesetzt – bedroht trifft es exakt.

(dem Typen hab ich allerdings von Anfang an nicht vertraut)

4. Ein Major / Oberstleutnant im Generalstab hat Stunde & Tage
aufgewendet, mich bei Facebook gegenüber meiner Leserschaft zu diskreditieren, als krank darzustellen und mich in der Wahrnehmung anderer als Links-Extremist zu „brandmarken“.

(auch diesem scheinbaren Zufallskontakt konnte ich nicht vertrauen)

5. Wenige Wochen vor den Snowden-Enthüllungen gibt mir ein Zufallskontakt aus Leserkreisen bei Facebook in einem nur wenige Postings andauernden Austausch den Hinweis „… hier wird alles überprüft du sicher genau so … bleib mutig.“

6.
Innerhalb (m)einer Redaktion erhielt ich ein Themenverbot, das durch
NICHTS begründet ist.

(Hier starb jegliche Illusion, die ich mir über eine unabhängige Presse
machen konnte / jemals gemacht habe).

All das waren Begebenheiten, die Vertrauen zerstört haben. Manche davon kann ich als Methode klassifizieren, die als Social Engineering bekannt ist. Andere wiederum lassen sich nur schwer erklären.
Insbesondere, wenn es um das Verhalten von Autoritäten geht, wird es lange dauern, bis in diesem Bereich die Knicke und Falten wieder geglättet sind. Mancher Riss dürfte wohl auch nicht mehr zu beheben sein.

Transparenz: Geldeingang

Zum 6.10. wird mein Konto einen Geldeingang von 2600 Euro verzeichnen können. Das Geld wurde auf die Initiative des „Beauftragten für PTBS- und einsatzgeschädigte Soldaten der Bundeswehr“ zur Verfügung gestellt.

In einem rund zweieinhalbstündigen Gespräch am 10.09.2014 schilderte ich die derzeit prekäre finanzielle Situation, die aufgrund des nicht abgeschlossenen Berufsschadensausgleichverfahrens (mil.: Wehrdienstbeschädigung), der momentan laufenden Therapie und der Notwendigkeit den Studiumsabschluss zu erlangen. All das steht im Konflikt mit den Unterhaltsverpflichtungen gegenüber meinen Kindern, sowie versicherungsrechtlichen Besonderheiten meines Werdegangs bzw. der derzeitigen Jobsituation.

Anspruchshaltung

Während aktive Soldaten mit einem laufenden Wehrdienstbeschädigungsverfahren derzeit nicht vor Beendigung des Verfahrens entlassen werden dürfen, ist diese Art von Rücksichtnahme für Ex-Soldaten, die noch in der Berufsförderung nach der Dienstzeit stecken nicht vorgesehen. Ebenso gibt es für ehemalige Soldaten, deren Einsatzschädigung erst im Status „Zivilist“ zu Tage tritt nicht vorgesehen.

Die Erkrankung selbst unterscheidet sich nicht – die Einsatzerlebnisse unterscheiden sich nicht – die Versorgungslage reicht hingegen von einem vollen Gehalt eines aktiven Soldaten bis hin zu einem Abrutschen in HARTZ4.

Problematisch an meiner Situation mit dem momentan nicht abgeschlossenem Verfahren um den Berufsschadensausgleich war auch, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anspruch auf Versorgungskrankengeld habe.

Heinz Volland Stiftung

Die Übergabe des Geldes war einzig an eine Zusage geknüpft, die Begutachtung im Rahmen des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens vornehmen zu lassen. Selbst den für mich problematischen Gutachter-Prozess im Bundeswehrkrankenhaus hätte ggfs. durch einen zivilen Gutachter durchführen lassen. Mir kam es lediglich darauf an, in Hamburg nicht wieder in Einsatzcontainern untergebracht zu sein. Offenbar ist die Adresse in Hamburg derart überlaufen, dass zu dieser Lösung gegriffen wurde.

Heinz Volland selbst war bis in die 1980er-Jahre Soldat, zuletzt als Vorsitzender des deutschen Bundeswehrverbandes. Auf Wikipedia wird das Zitat des Militärhistorikers Bruno Thoß aus dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt (<- dubiose Schnittstelle zum BND und anderen Diensten) verwendet:

„Ein unauffälliger, äußerst zäher Gesprächspartner, der es routiniert versteht, Parlamentarier unter Erfolgsdruck zu setzen und deren Arbeitsergebnisse dann ausschließlich an die eigene Fahne zu heften. Abgeordneten läßt er keinerlei Chance einer Teilhabe.“

Danke dafür.

Distanzierung:

Unterhaltsverpflichtungen, nicht abgeschlossenes Studium, Kosten für Therapie, Coaching und Lebensführung machen es derzeit notwendig, diese Hilfe anzunehmen. Eine Identifikation mit den Zielen der Bundeswehr, der derzeitigen Kriegspolitik (Neusprech: „Mehr Verantwortung übernehmen“) oder möglichen Hintergründen über die Spender des Geldes gehen damit nicht einher. Für mich gilt, dass ich nach dem Verursacherprinzip der Erkrankung und der im Gesetz festgeschriebenen Fürsorgepflicht urteile und mich für die Unterstützung bedanke, die ich auch in den kommenden Monaten noch benötigen werde.

Immerhin kann ich meinen eigenen Lebensunterhalt derzeit stemmen. Um nicht unter den Druck des Unterhaltssicherungsamtes zu geraten und dann ohne Rücksicht auf Therapie sowie den notwendigen Aufarbeitungsprozess jeden zumutbaren Job annehmen zu müssen, bin ich derzeit auf solche Unterstützung angewiesen.

An meiner kritischen Berichterstattung zu Versäumnissen und Unzulänglichkeiten rund um die Bundeswehr wird diese finanzielle Unterstützung nichts ändern. Einflussnahmen auf meine journalistische Arbeit dürfen gerne versucht werden – sie werden ähnlich scheitern, wie dieser peinliche Versuch am 03.12.2013.

Ich hoffe, dass mit der nun ebenfalls möglichen Therapie ein geordneter Einstieg in den Journalistenberuf möglich wird.

Wenn ein Kommentar ein eigener Beitrag werden muss…

Ein halbwegs anonymer User aus Süddeutschland kommentierte gerade:

An welchen Faktoren könnte man verwundbare Persönlichkeiten bereits bei der Personalauswahl erkennen und daruch verhindern, dass sie überhaupt erst in den Einsatz gelangen und dort zur Belastung für ihre Kameraden werden?

An welchen Faktoren könnte man umgekehrt Persönlichkeiten erkennen, die zumindest eine gefechtsferne Stabsverwendung durchhalten, ohne diese als unzumutbare Härte zu empfinden?

Ich mag mich an einem Karsamstag nicht in wüsten Beschimpfungen ergehen – aber mir kocht die Galle gerade echt hoch. Zunächst, weil in diesen Zeilen wieder eine Mentalität auftaucht, die der Verwaltung zu eigens ist: das Problem wird grundsätzlich auf der anderen Seite des Schreibtisches, nicht aber im System gesucht.

Traumatisierte Soldaten sind in den Augen vieler Bundeswehr-Verantwortlichen offenbar „zu schwach“ oder „nicht geeignet“ gewesen, den Soldatenalltag auszuhalten.

Traumtänzer in Eichenlaub

Es war bei der Vorstellung der Bundeswehrreform in Koblenz, als mir zwei dieser Traumtänzer in Eichenlaub begegneten. Obgleich sie nur verkaufen sollten, was beschlossen war: die lockeren Sprüche zeugten damals eher von Realitätsverweigerung (vermutlich befohlener Maßen) als von der Bereitschaft, sich kritisch mit dem Einsatz befassen zu wollen.

Im März 2012 (2011?) wurde ehemaligen Offizieren präsentiert, was die Armee im Einsatz so leisten sollte. Der Major und der Oberstleutnant ratterten ihr Programm runter und präsentierten eine Personalstärke für den Teilbereich HEER, in der 4 Monate Einsatz – 20 Monate Inlandsdienst für einen Zwei-Jahres-Turnus quasi ohne Probleme durchzuhalten waren. Dieser Turnus wurde auch von Frau von der Leyen wenige Tage nach Amtsantritt als „Standard“ verkauft. 4 Monate Einsatz – 20 Monate Inlandsdienst.

Doch schon die rund 50 ehemaligen Offiziere, denen die Struktur vorgestellt wurde bemerkten, dass die Rechnung ohne die „Heeresflieger“ gemacht wurde. Einer der anwesenden bemerkte korrekt und schnell: „Dafür reichen die Kapazitäten bei den Heeresfliegern doch gar nicht aus – die müssen doch doppelt so oft in die Einsätze gehen, wenn Sie das so durchziehen wollen.“

Darauf angesprochen hieß es von Seiten der Eichenlaub-Träger lapidar: „Die Heeresflieger sind dann ja auch bei der Luftwaffe. Das ist dann nicht mehr unser Problem.“

„Nicht mehr unser Problem …“


Eine Haltung, die viele Stabsoffiziere (=Eichenlaubträger) aus der Verwaltung offenbar übernehmen ist die strikte Prüfung nach Zuständigkeit. Sich prinzipiell erst einmal nicht zuständig zu fühlen ist dabei eine Grundhaltung, die sehr hilfreich ist. Die unglückliche Verquickung, das höher rangige Vorgesetzte auch immer „unter ihnen“ in der Hierarchie nach dem „Verantwortlichen“ suchen, treibt viele in die Erkenntniss: „Entscheide ich etwas, kann es verkehrt sein. Entscheide ich nichts, dann ist es zumindest nicht verkehrt und kann nicht sanktioniert werden. Wenn ich entscheide, dann nur, wenn ich irgendjemandem anderen einen Fehler nachweisen kann.“

So geht leider der Verwaltungsapparat auch mit den Soldaten um, die traumatisiert aus Einsätzen zurückkehren:

„Blick auf den betroffene Soldaten. Fehlersuche dort.“ statt den Blick auf die Verantwortlichen zu werfen, die in der Hierarchie über dem Soldaten standen.

Warum gibt es keinen Index, der belegt, wie die Einatzlast pro Soldat in Spezial-Verwendungen ausschaut?

Warum gibt es keinen individuellen Belastungsindex, der Ausbildung für den Einsatzdienstposten, Einsatzhäufigkeit und Einsatzintensität in ein aussagekräftiges Verhältnis rückt?

Warum müssen die Personalentsender nicht nachweise, das bei Soldaten die Schutzzeiten eingehalten wurden – traumatisierte Soldaten aber in einer respekt- und würdelosen Verwaltungsschikane nachweisen, dass ihre Traumatisierung aus der Überlastung durch den Dienstherrn resultiert?

Menschen, wie der Kommentator schreien nach einer Armee und nach Soldaten, die die Überlastung der letzten Jahre nach dem Motto „Klagt nicht – kämpft“ stillschweigend ertragen. Die Intention ist klar: auch künftig besteht kein Interesse daran, irgendetwas an dem Zustand zu ändern, in dem die Armee sich derzeit befindet: Krieg.

Reaktionen: Leser und Leserbriefe

Immer wieder erreichen mich Schilderungen von Ex-Soldaten, die ihre Einsatzerlebnisse beschreiben, Missstände, die ich sah bestätigen oder eigenen Erfahrungen mitteilen.

Heute kam ich dazu Peter* zu Antworten, der sich vor fast vier Wochen meldete. Seine Schilderungen sind authentisch und haben Parallelen zu meinen Erlebnissen. Er schilderte mir unter anderem, wie er bei einer Balkanmission während einer Patrouillenfahrt Minderjährige Kinder zum Sex angeboten bekam.

Ähnliches erlebte ich in Mazedonien, als ich als Kraftfahrer im Auto blieb, während andere Soldaten kurz auf dem Markt waren.

Hier meine Antwort an Peter* :

Lieber Peter,

zunächst einmal Danke für deine Mail, auch, wenn ich Zeit für das beantworten brauche.

Was dich beschäftigt ist mir in vielen Aspekten vertraut. Ich erinnere mich an eine Situation, wo ein Kind in Mazedonien vor mir stand und mir deutliche Angebote machte.

Das irritiert, widert an und ich mag mir nicht vorstellen, was aus dem Kind geworden ist. Noch dazu, wie oft das Angebot vermutlich nicht abgelehnt wurde.

Was mich nach den Einsätzen am meisten belastet hat war, das mir zu viele Leute in meinem Umfeld mit der Haltung begegnen: „Ist vorbei – mach weiter.“

Ich denke, mit den entsprechenden Impulsen, die Ende 2012 überhand gewonnen haben musste ich die Aufarbeitung beginnen. Vorher hatte ich immer wieder mit Depressionen zu kämpfen und war nahezu nicht funktionsfähig, wenn wieder in Afghanistan Soldaten starben.

Nachdem ich nun weiß, wie sehr das mit dem ersten Einsatz, den Karikaturen und der Überforderung zu tun hatte, kann ich damit besser umgehen. Zumindest hoffe ich das.

Aber zu dir:

Du beschreibst sehr gut und sehr plastisch, was deinen Dienst ausgemacht hat. Das es bei dir sofort wieder präsent ist, bemerke ich deutlich.

Du solltest auf dich acht geben und dir – wenn nötig – frühzeitig Hilfe durch einen Therapeuten suchen. Deine Einsätze liegen eine ganze Zeit zurück – die Erfahrung wird dir auch niemand mehr nehmen.

Aber frag dich, ob du es für dich abgeschlossen hast und ob du einen gesunden Umgang für dich und deine Familie hast. Niemand kann von einer Ehefrau oder Freundin erwarten all das nachzuvollziehen, was uns da verändert hat.

Mir helfen hier in Berlin Fotoprojekte, das Schreiben, Interviews und viele, viele Gespräche jenseits der Therapie das Thema zu ordnen und in den Griff zu kriegen. Ich merke aber, es dauert und kostet viel, viel Zeit.

Ich kann dich daher nur bestärken, dich rechtzeitig und mit weniger Leidensdruck in eine Therapie zu begeben – falls du fühlst oder den Eindruck hast, das das nötig ist.

Ich selbst habe lange, vielleicht zu lange gewartet, bis vieles schon behandlungsbedürftig war, was ich – aber da kann ich nur mutmaßen – mit normalen Ruhephasen zwischen den Einsätzen vielleicht selber in den Griff bekommen hätte.

Wie auch immer du entscheidest, was auch immer du für nötig erachtest: es gibt viele, die noch aufarbeiten müssen, was wir da erlebt haben.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft.

*Name geändert

Offener Brief – Fortsetzung

Seit dem 03.03.2014 sind per Einschreiben vom 28.02.2014 auch der offene Brief an Gregor Gysi und Ursula von der Leyen zugestellt.

Nachdem in der letzten Woche der Eingangsbescheid seitens des Büros des Wehrbeauftragten eingetroffen ist, wurde ich heute gebeten zu konkretisieren, in wie weit ich eine Verletzung meiner persönlichen Rechte geltend machen wolle.

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Hier meine Antwort an den zuständigen Bearbeiter:

Sehr geehrter Herr Günther,

vielen Dank für ihre Nachfrage. Ich werde weiter im Stil des offenen Briefes verfahren und habe ihre Antwort bereits in https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog dem interessierten Publikum verfügbar gemacht.

In den Tagen vom 19.02.2014 bis zum 21.02.2014 haben sich rund 5000 Nutzer bei etwa 15.000 Zugriffen auf die Seite für das Thema interessiert. Jeder 10. bekundete durch Rückmeldungen, wie ein „Facebook-Like“ oder in Kommentaren zum Artikel Interesse am Thema.

Ich bitte sie darum auch das im Auge zu behalten.

Zum Aspekt der persönlichen Betroffenheit:

Als Soldat und Offizier stand ich im Dienst des Parlaments sowie des deutschen Volkes. Rund um den 27.09.2008 musste ich nun feststellen, dass die bundeswehrinterne Weiterleitung von Meldungen eher dem Stille-Post-Prinzip gleicht, als eine Grundlage für die Entscheidung über Fortgang und Zielrichtung des Einsatzes.

Die unvollständige Darstellung der Ereignisse des Tages kann ich auf folgenden Gründen nicht hinnehmen:

§ 8 Eintreten für die demokratische Grundordnung
Der Soldat muss die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes anerkennen und durch sein gesamtes Verhalten für ihre Erhaltung eintreten.

Ich kann nicht erkennen, dass es im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung ist, Parlamentariern ein unvollständiges und gleichzeitig irreführendes Bild vom Einsatz zu vermitteln.

Bereits die Abweichungen zwischen Pressemeldung und „Unterrichtung des Parlaments“ in der das Feuergefecht fehlte, das am 27.09.2008 stattgefunden hat verharmlost das Geschehen.

Ich wurde Augenzeuge, dass mindestens ein Angreifer im Rahmen der Personenüberprüfung am Abend des 27.09.2008 im Eingangsbereich des Lagers Masar-e-Sharif durch deutsche Sicherheitskräfte in Gewahrsam war.

Ein korrekter Umgang mit dieser Information hätte mindestens die Weitergabe an das Parlament erfordert. In der Unterrichtung des Parlaments ist das nicht erwähnt.

Wie sollen Parlamentarier nachvollziehen, ob Sicherheits- und Rechtsstrukturen in Afghanistan tragfähig sind und der Einsatz weiter gehen muss, wenn Sachverhalte, wie der Angriff eines Bundeswehrlagers nur in Bruchstücken dokumentiert werden.

Als ich Art und Umfang des Angriffes in den Tagen nach dem 27.09.2008 hinterfragte und um Klärung bat, warum schon die Pressemeldung vom 27. / 28.09.2008 erheblich von dem abweicht, was vor Ort stattfand, teilte mir ein Vorgesetzter nach Rücksprache in der morgendlichen Stabsbesprechung mit: „Es hat sich so zugetragen, wie es in der Pressemeldung steht. Punkt.“

Welche dieser Meldungen stimmt nun? Die an die Presse mit Feuergefecht? Oder die an das Parlament ohne Feuergefecht?

Warum ist das temporäre Festhalten von Angreifern in keiner der beiden Meldungen enthalten?

Wie ist die Darstellung der Situation in der Antwort auf die kleine Anfrage der Linkspartei zu werten?

Laut § 10 „Pflichten des Vorgesetzten“ gilt unter anderem:

(4) Er darf Befehle nur zu dienstlichen Zwecken und nur unter Beachtung der Regeln des Völkerrechts, der Gesetze und der Dienstvorschriften erteilen.

Kann eine unvollständige Meldung im Sinne der Dienstvorschriften sein? Ist es ein Verstoß gegen das Völkerrecht, wenn Angreifer in ein bekanntermaßen nicht nach westlichen Maßstäben und Menschenrechten agierendes Rechtssystem übergeben werden?

Welcher Soldat hat gegen § 13 verstoßen und mir unwahr mitgeteilt, es habe sich so zugetragen, wie es in der Pressemeldung steht?

§ 13 Wahrheit
(1) Der Soldat muss in dienstlichen Angelegenheiten die Wahrheit sagen.

Ich ersuche Sie , Herr Günther, Pressemeldung, Unterrichtung des Parlaments sowie die Antwort auf die kleine Anfrage diesbezüglich zu untersuchen.

Auf all diese Fragen benötige ich Antworten, die ich auch öffentlich wiedergeben kann. Ich brauche die Gewissheit mich nicht durch Unterlassung eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht zu haben.

Derzeit gelte ich gegenüber Freunden, Bekannten und auch aktiven, wie ehemaligen Kollegen und Soldaten als jemand, der etwas aufbauscht, was nicht stattgefunden habe.

Ich gelte als Nestbeschmutzer, wenn ich sage: „Es gab Falschmeldungen am 27.09.2008.“

Ich gelte als jemand, der etwas aufbauscht, wenn ich äußere, dass ich durch die beiden deutlich hörbaren Explosionen auf dem Weg zum Mittagessen auf den Angriff aufmerksam wurde, während in der Unterrichtung des Parlaments behauptet wird, die Geschosse wären nicht detoniert.

Ich gelte als „befangen“ oder „traumatisiert“ – de facto nicht objektiv, wenn ich ein anderes Geschehen äußere, als in der Pressemeldung wiedergegeben.

All das trägt zu meiner Traumatisierung bei und macht es mir unmöglich, diese Phase meines Lebens abzuschließen.

Je länger dieser Blog existiert, desto mehr Soldaten werden auf mich aufmerksam, melden sich und schildern mir ähnliche Begebenheiten, die mich veranlassen zumindest auf dem zu beharren, was derzeit bereits in Schriftform durch die Bundeswehrführung belegt werden musste.

Darüber hinaus bitte ich Sie, Herr Günther, mir mitzuteilen, ob sie mittlerweile Einblick in die Antwort der Bundeswehr auf die kleine Anfrage nehmen konnten.

Wie Sie nun hoffentlich besser nachvollziehen können: ich bin in meinen persönlichen Rechten betroffen. Sei es in meinen Rechten als Staatsbürger, der von seinen Ministerien einen wahrhaftigen Umgang mit den gewählten Repräsentanten erwarten kann oder auch in meinen Rechten als Soldat, nach denen ich nur rechtmäßige Befehle befolgen durfte und nach denen ich auch nicht belogen werden durfte.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Lücking

Das „Adlon“-Gespräch – warum die Pause nötig war

Nach nur wenigen Artikeln über den Fortgang der Therapie greife ich das Thema Trauma nun wieder auf. Die Aufarbeitung läuft anders, als 2013 – aber nicht weniger intensiv. Kritikern, die mir vorhalten: „Geh studieren und such dir eine Arbeit!“ kann ich derzeit nur mit meinem Assistenten begegnen. Manche habe ich auch schlichtweg aus dem Freundeskreis entfernt.

Kritik aus Reihen der Einsatzgeschädigten

Die Schlagzahl der Artikel hier hat sich ein wenig reduziert. Vereinzelt kam Kritik auf „Ja, Ja, die finanzielle Situation ist gesichert – schon hast du kein Interesse mehr am Thema!“ Diese Einschätzung ist schlichtweg falsch. Die Aufarbeitung der Erlebnisse kostet Kraft und Energie, die nicht immer gleichmäßig vorhanden ist – nicht zuletzt, wenn Druck auf mich ausgeübt wird.

Meine Konzentrationsfähigkeit schwankt sehr stark und die Rahmenbedingungen, um zu schreiben und Texte zu entwickeln sind nicht immer vorhanden. Schreiben – noch dazu wenn es einen Menschen selbst betrifft – ist kein Wasserhahn, den man aufdreht und schon fließen die Worte.

Das Thema verliere ich aber nicht aus den Augen. Weder für mich, noch für andere.

Adlon-Gespräch: Die eigene Strategie: „Ich mache weiter!“

In einem Phoenix-Interview habe ich thematisiert, wie ich derzeit meine Arbeit schützen muss. Über den Ablauf des „Adlon-Gespräch“ gebe ich im Text dann Auskunft.

Im Dezember griff mich ein „Regierungsmitarbeiter“ während meines Protests auf der Straße vor der britischen Botschaft ab und lud mich ein: „Da kann ja mal der eine Reservist dem anderen einen Kaffee ausgeben.“

In dem rund dreistündigen Kaffeegespräch drehte er mit mir eine kleine Runde durch die politischen Strukturen Berlins und gab mir einen intimen Einblick in die Arbeitsabläufe und mit welchen Kräften ich mich da derzeit anlegen würde.

Er riet mir, Facebook, Twitter und Blogaktivitäten einzustellen und war auch der Auffassung, dass das Thema meiner Bachelorarbeit nicht von allgemeinem öffentlichen Interesse sei.

Er: „Sie wollen doch keine „Kaderakte“ haben.“
Ich: „Was ist denn eine Kaderakte?
Er: „Da steht alles drin, was sie online so machen. Und noch das, was man so dazu erfinden kann.“

Schon zum Selbstschutz kündigte ich an, dass ich nicht etwa Islamkarrikaturen, Trauma oder Menschenrechtsverletzungen im Auslandseinsatz thematisieren würde, sondern Journalisten einen Überblick über notwendige Schutzmaßnahmen für die redaktionelle Arbeit geben will.

Im Gespräch zückte der Regierungsmitarbeiter irgendwann seinen Truppenausweis und meinte:

„Das Ziel muss doch sein, dass sie wieder so etwas bekommen.“ Ich entgegnete, dass er sich gar nicht vorstellen könne, wie sehr ich NICHT mehr Teil der militärischen Hierarchie sein will:

„Das einzige, was ich mir in Bezug auf eine Tätigkeit beim Bund noch vorstellen könnte wäre, im Büro des Wehrbeauftragten die Verfehlungen der Truppe zu verfolgen.“

Ein Widerspruch in sich

Wo genau der „Regierungsmitarbeiter“ mit mir hin wollte kann ich nur mutmaßen. Zunächst bescheinigte er mir, dass ich zu intelligent für eine normale Bundeswehrlaufbahn sei :
„Sie nehmen zu viel wahr und hinterfragen das dann. Das hätte die Offizierbewerberprüfzentrale feststellen müssen und sie gar nicht zum Offizier zulassen sollen. Solche Leute sucht man dort eigentlich nicht.“

So recht passt es nicht zu seiner Aussage, ich müsse doch wieder einen Truppenausweis bekommen.

Ich nahm prompt die Auswahlkommission in Schutz. Mein Abiturzeugnis legt mit einem Durchschnitt von 3,5 in der Tat nahe, dass ich nicht das hellste Birnchen am Weihnachtsbaum wäre.

Trauma-Exkurs

Der Regierungsmitarbeiter war bereit, mir ein paar hilfreiche Hinweise zu geben, was meine Traumatisierung angeht. Offenbar geschichtlich bewandert begann er seine Trauma-Deutung mit den Kriegszitterern im ersten Weltkrieg und der Feststellung, das im zweiten Weltkrieg das Phänomen seltener aufgetreten ist.

Der Aspekt (Todes-)Angst und Lebensgefahr über einen längeren Zeitraum ausgesetzt zu sein spielt offenbar eine wichtige Rolle für das Trauma. In meinen Einsatzerlebnissen ist dies häufiger zu finden. Insbesondere die Lager-Situation habe ich nach den Erlebnissen in Tetovo als belastend empfunden.

Ein Camp in der Innenstadt – im Wissen, wo das in Tetovo geendet ist, war schon die Einfahrt in das alte Camp in Kunduz eine Einstimmung auf die bedrückenden Gefühle, die ich aus dem März 2001 kannte. Eine ehemalige Gärtnerei mit Lehmmauern im Bereich der Stadt – die Parallelen waren eindeutig und stießen mir sofort unangenehm auf.

Mit der Verschärfung im Januar 2006 wurde das Camp dann im Februar 2006 zum Präsentierteller, der wohl nur durch Glück nicht zum Mittelpunkt einer gewalttätigen Demonstration wurde, wie das Camp in Meymaneh, Frayab.

Kein Ausweichen möglich

Auch in den späteren Einsätzen waren die Situationen belastend, in denen es keine Möglichkeit gab, mich in Sicherheit zu bringen. Die beiden Fahrten zu denen ich mit wenig oder schlicht falschen Informationen aufgebrochen bin waren dabei ebenso belastend, wie die Einbindung in die militärische Hierarchie.

Wenn eine fachlich korrekte Entscheidung auf Basis von „Eichenlaub auf der Schulter“ negiert wird, dann nimmt es gleichermaßen den Raum, das Richtige zu tun, wie das Festsitzen in einem Jeep, der ungeschützt in eine nicht angekündigte Tagesfahrt unterwegs ist.

Provokation am laufenden Band

Der „Regierungsmitarbeiter“ unternahm immer wieder Versuche mich zu provozieren. Konservative Ansichten ertrage ich in der Regel – über schwulenfeindliche oder antisemitische Äußerungen, wie sie in dem Gespräch passierten kann ich nicht hinweg sehen.

Als sich der Mitarbeiter am Ende des Gespräch vor der US-Botschaft von mir verabschiedete, stand am Pariser Platz gerade der achtarmige Leuchter – ein jüdisches Symbol.

Regierungsmitarbeiter: „Das Ding kennen Sie, oder?“

Worauf er mit der Frage hinaus wollte, war mir zunächst nicht klar, aber ich sollte die Information gleich erhalten:

„Dieses Facebook – das ist auch von so einem Juden gemacht.“

In einem späteren Mailkontakt ergänzte der Regierungsmitarbeiter sein Profil noch um einige weitere Einschätzungen. Passend zu einer „Tornisterkarte“ von 1941 ( heute heißen solche Karten für Soldaten „Taschenkarten“) ordnete er in der Mail ein, dass er die Einwanderungspolitik der letzten 30 bis 40 Jahre für verfehlt halte.

140126-Mail_1

140126-Mail_2

Ich habe mich nach über einem Monat jetzt dazu entschlossen, diese Dinge öffentlich zu machen. Eigentlich kein guter Stil für einen Journalisten private Nachrichten zu veröffentlichen – aber wie bereits erwähnt: die antisemitischen Äußerungen aus dem Gespräch, wie auch die weiteren Provokationen nehme ich nicht hin.

Ich habe weitestgehend anonymisiert – Rückschlüsse auf die Person sollten nicht möglich sein. Dienstliche Nachteile dürften sich auch nicht ergeben – nach eigenem Bekunden ist der Verfasser der eMail kurz vor Ende seiner Dienstzeit und denkt auf einem Buch herum, dass weitere intime Blicke in die Berliner Regierungsarbeit gibt.

Na, da kann ja mal der eine „Noch-Reservist“ dem anderen „Reservisten“ doch einmal Starthilfe geben und Werbung machen für das, was da irgendwann kommt.

Trennen? Nicht möglich.

Immer wieder wurde ich auch von Kommentatoren aufgefordert, das Traumathema aus meiner Arbeit heraus zu nehmen. Ich denke, mit der Erfahrung, die ich gesammelt habe, ist das nicht möglich.

Ich muss davon ausgehen, dass Kritiker mir in Zukunft bei jeder möglichen Gelegenheit das Trauma vorhalten und Recherchen, Artikel und Äußerungen damit entkräften wollen. Diverse Facebook-Diskussionen nahmen bereits diesen Verlauf.

Das, was ich erlebt habe hat – neben all den belastenden Aspekten, die mein Leben stark beeinträchtigen (Depression, erhöhte Wachsamkeit, Unfähigkeit zu Vertrauen) auch ein paar Vorteile, die ich hoffentlich bald für mich nutzen kann.

Bis ich dazu in der Lage bin, bitte ich mein Umfeld um folgendes:

1. Wenn weitere Regierungsmitarbeiter mit mir Kontakt aufnehmen wollen dürfen Sie es gern tun. Ich unterhalte mich gern über die Traumaaspekte und über Missstände in der Bundeswehr – wir können Stunden damit verbringen, ohne dass später Details veröffentlich werden, wie ich es heute tat. Nehmen die Gespräche allerdings den Verlauf des Adlon-Gesprächs, dann ladet euren Mist bitte anderswo ab.

2. Freunde und Kollegen: redet mit mir. Zahlreiche Diskussionen finden statt. Die Anzeichen dafür sind da, werden mir teils absichtlich, teils unabsichtlich mitgeteilt. Mit mir selbst reden tun jedoch die wenigstens. Über mich reden: offenbar einige.

3. Vorgesetzte und Arbeitgeber
In diesem Bereich kann ich mir nur wünschen, dass Anrufe und Beeinflussungen der redaktionellen Arbeit öffentlich gemacht werden, wenn sie kommen.

Ich mache mir keine Illusionen, dass es viele Möglichkeiten gibt, mir das Leben schwer zu machen. Besonders im finanziellen Bereich bin ich weiterhin nicht stabil – werde es wohl auch mit der schwankenden Leistungsfähigkeit nicht immer sein.