Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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Selbstschutz

Bisher bin ich mit den Gedanken und Hintergründen in diesem Blog schonungslos offen umgegangen. Die letzten Wochen jedoch haben gezeigt, dass durch den Druck des Gesprächs vom 15.11.2016 sich einige Symptomatiken wieder verstärkt haben. Für die Phase der Schreibtherapie habe ich mich dazu entschlossen, dieses Blog passwortgeschützt zu betreiben und bitte interessierte Leser darum, sich unter der rechts oben gelisteten eMail oder jeweils am Blogartikel kurz namentlich anzumelden.

Vielen Dank und eine frohe Weihnachtszeit!

Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten

„Ärztlich nicht führbar“

Nach dem am vergangenen Dienstag (15.11.2016) erkennbar Druck aufgebaut wurde, ich sei weder therapiewillig, noch kooperativ und „ärztlich führbar“ nahm ich Kontakt zum Psychotraumazentrum auf. Zuletzt mailten wir am 19.10. und verblieben, dass ich zum März 2017 in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert werden könne. Nun beginnt die Onlineschreibtherapie bereits mit der Begutachtung am 6.12.2016. Neben den Arztgesprächen steht ein Schlaf-EEG, eine Blutentnahme und die Abgabe einer „zwei Zentimeter Haarprobe“ auf dem Programm.

Warum überhaupt Therapie

Nachdem im April 2013 die Einsatzschädigung diagnostiziert wurde und ich erneut mit Depressionen zu kämpfen hatte, folgten zwei mehr als anstrengende Jahre. Nicht nur die Therapie, sondern auch der vierwöchige stationäre Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus, den ich mittlerweile rückblickend „Depressionen, dein Leben und du – kommt klar miteinander“ nenne, kosteten viel Kraft. Via Social Media, aber auch in direkten Gesprächen wurde ich für den offenen Umgang mit der Erkrankung, aber erst recht wegen dem Einblick, den ich in die Therapie und den Umgang der Bundeswehr mit mir gebe, unter Druck gesetzt. Teils mit plumper Drohung, wie im Adlongespräch dokumentiert – teils mit Mobbing via Facebook.

Das Blog war von Anfang an Selbstschutz, der sich schnell bewährt hat. Falschinformationen über die Versorgungslage, die ich vom Sozialdienst der Bundeswehr erhielt, konnten durch anonyme Hinweise, die eingegangen sind, entschärft werden.

Ruhe kehrte erst im März 2015 ein, als die Schädigung anerkannt war und die Versorgung gesichert war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Therapie-Methode TRE- Trauma Release Exercise erlernt und durchlaufen und war erstmals seit Jahren wieder in der Lage, die Auswirkungen von Stress zu bemerken, bevor sie wieder in lange Phasen der Depression führen.

Tendenziell versuche ich weiterhin viel zu lange, einfach nur zu funktionieren, den Stress auszuhalten und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Die Kompetenz Gegenmaßnahmen zu treffen, ist hart erarbeitete und fehlte vor 2013 ganz.

Phasen mit besonderer Belastung gab es immer wieder. Ende Januar 2016 häuften sich die Termine und Aufgabenstellungen zum Ende des Wintersemesters – im Ergebnis zog ich mich zurück, versuchte, so gut, wie möglich dem ganzen gerecht zu werden. Mit 28 von 31 Leistungspunkten schaffe ich es, nahezu 100% des geplanten Studienprogramms abzuschließen.

Im Laufe des Mai 2016 sind es erneut die Auswirkungen von Stress, die für eine Verschärfung der Symptome sorgen. Zu viele Aufgaben im Studium, wie die zeitgleiche Arbeit an mehreren Themen – kaum eine Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen. Nahezu tägliche Präsenz in Kursen – 5 bis 7 Zeitstunden – sowie im Anschluss die Arbeit an den Kursaufgaben. Jede einzelne Aufgabe für sich zu bewältigen – in der Summe und Kombination der Termine aber irgendwann zu viel.

Nicht nur mir geht es so. Kommilitonen sind ebenfalls unter Druck – Jahrgänge vor uns schildern, es sei ein Phänomen, dass regelmäßig im Sommersemester auftrete. Drei Monate gefüllt mit einem Pensum, dass im Wintersemester auf vier Monate verteilt ist. Mein persönliches „irgendwann zu viel“ bemerke ich jedoch erst, als bereits die Beziehung zu meiner damaligen Freundin leidet und massiv Schaden nimmt. Funktionieren im Studium geht zu Lasten normaler Aktivitäten. Fehlende Freizeit erhöht die Anspannung, vermindert die Qualität der Arbeitsergebnisse, sorgt für Enttäuschung, Erschöpfung, Depression.

Am Ende des Semesters stehe ich im Studium bei 45 von 60 Leistungspunkten, die zu diesem Zeitpunkt erreicht sein sollten. Aber immerhin nicht mitten in einer Depression, aus der ich nicht raus komme.
Im Laufe des Semesters reduzierte ich, priorisierte auf Kurse, die machbar waren und verlor auch die Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsauschuss nicht aus den Augen, die – nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung – auch auf die Studienleistungen angerechnet werden wird (Hospitanz).
Zumindest in Arbeitsbelangen schaffe ich es, eine Balance zwischen Selbst- und Fremdbestimmung hinzubekommen.
Dass diese Situation nicht ideal ist, ist mir schnell klar. Es kostet massiv Kraft und die Auswirkungen gehen zu Lasten des Privatlebens. Ich nehme Kontakt zum Berufsförderungsdienst auf, der für die Verwaltung meines Studiums zuständig ist. Das Studium gilt als Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation im Rahmen der Schutzzeit. Ich hoffe darauf, dass ich das Sommersemester 2017 als Urlaubssemester nutzen darf, um eine Kur in diesem Zeitraum zu machen.
Die Bearbeiter versichern mir, niemand erwarte, dass ich das Studium in der Regelstudienzeit abschließe. Der Grad der Schädigung, den ich aufgrund der Depressionen / Anpassungstörung habe, liegt bei 30%. Das letzte halbe Jahr zeigt mir, wie sehr das leider weiterhin zutrifft.

Bereits seit Juni besteht wieder Kontakt zum Psychotraumazentrum. Etwa zur gleichen Zeit, als ich Kontakt zum Berufsförderungsdienst wegen dem Urlaubssemester aufgenommen habe, meldet sich eine der Ärztinnen telefonisch mit dem Therapieangebot. Da ich im Oktober 2016 und Februar / März 2017 bereits die Zusagen für Praktika im Rahmen des Studiums habe, erscheint mir der Einstieg in die Therapie jedoch erst für April 2017 als sinnvoll. Therapie und Kur ließen in dem Semester dann wenig Raum für Präsenzveranstaltungen an der Hochschule – Studienleistungen wären aber immerhin noch im Rahmen von Hausarbeiten möglich.

Nun kommt es anders

Der Unterton des Arztgespräches am vergangen Dienstag und die abwehrende Haltung gegenüber der „Online-Schreib-Therapie“, die der Verwalter zeigt, machen wieder einmal deutlich, wo das System krankt. Verwaltende Stellen üben Druck aus – eine Rücksprache mit der Fachebene erfolgt erst, nachdem Druck auf den Patienten ausgeübt wurde. Von den Angeboten der Fachebene hält die verwaltende Stelle indes wenig, wie der Gesprächsverlauf deutlich machte.

Bereits 2013 äußerte der Leiter des Psychotraumazentrums Dr. Zimmermann, dass in meinem Fall Anzeichen für eine „Moralische Verletzung“ vorhanden seien. Moralische Verletzungen treffen z.B. Menschen, die gezwungen werden, gegen ihre Grundwerte zu handeln oder gesellschaftliche Tabus (z.B. das Töten von Menschen oder das sterbenlassen von Ertrinkenden) zu brechen. Vielfach ähneln die Symptome dann einer PTBS und gehen mit Depressionen einher.

Der verwaltenden Arzt kennt den Begriff „Moralische Verletzung“ nicht – schon ein Blick in die DBwV-Zeitung vom August 2016, die in seinem Wartezimmer ausliegt hätte geholfen. Dort ist ein langes Interview mit dem Leiter des Psychotraumazentrums zu genau dieser Thematik.

Der verwaltende Arzt ist damit beschäftigt, meine Behandlungsakte auf Indikatoren für mangelnde Kooperationswilligkeit zu durchforsten. Dass ich mich für den verhaltenstherapeutischen Ansatz entschieden habe, statt für die Einnahme von Psychopharmaka, wird zum Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die TRE-Methode, die ich über 6 Monate mit einer Heiltherapeutin erlernt und durchgeführt habe nur mit dieser fortsetzen will, statt mit einem von der Bundeswehr gestellten „Standortpfarrer, der die TRE-Methode jetzt auch anbietet“ – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die Onlineschreibttherapie ins Frühjahr legen will, in eine Zeit mit mehr Tageslicht, weil ich fürchte, die Reflektionen und Fragestellungen könnten wieder zu Depressionen führen – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Ich schildere dem „Verwalter“, dass die Auswirkungen von Stress, wie ich sie in den letzten Monaten beobachten konnte leider immer auch mit Rückzug und Anhedonie einher gehen. Methoden der MBSR Mindfulness-Based Stress Reduction habe ich im Psychotraumazentrum erlernt – auch die TRE-Methode hat Schnittmengen – und wende sie an. Sie lindern zumindest manche der Symptome. Der „Verwalter“ meint: „Wenn Sie als Eremit leben wollen, dann können sie das ja gerne tun. Aber dafür sollte ja die Bundeswehr nicht zahlen müssen.“

Der Verwalter vergleicht mich mit einer „magersüchtigen Frau“, die ärztlich auch nur das zuließe, was dem Hauptziel „abnehmen“ nicht zuwider liefe. Auch auf solche Patientinnen trifft zu: „ärztlich nicht führbar“.

Therapiezeitpunkt

Nach Rücksprache mit der betreuenden Ärztin des Psychotraumazentrums werde ich nun zum 6. Dezember in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert. Der Zeitpunkt ist das Resultat des Gespräches am Dienstag, um zumindest den Vorwurf zu entkräften, ich sei nicht therapiewillig.

Der Zeitpunkt der Schreibtherapie fällt damit in den Zeitraum, indem ich drei meiner vier Auslandseinsätze absolvierte. Die Eskalation in Mazedonien 2000/2001, die uns zur Aufgabe und Abbau des umkämpften Camps zwang. Die Medienarbeit in Afghanistan 2005/2006, als die „Karrikaturen“ für Demonstrationen und Angriffe auf Camps mit einem Beinahme-Totalverlust des Camps in Meymaneh führte. Afghanistan 2007/2008 – ein Einsatz der mit dem Begriff „Chefkalation“ gut zusammengefasst ist und der neben drei Monaten hochgradig stressiger Arbeit rund um einen fachlich und englischsprachlich wenig kompetenten Chef mindestens zwei lebensgefährliche Situationen mit sich brachte. Diese Erlebnisse sorgen bis heute dafür, dass ich bei autoritären, cholerischen Chefs und Teamleitern unter Druck gerate und nur flache Hierarchien halbwegs ertrage.

Ich habe längst verstanden und analysiert, was diese Einsätze in mir verändert haben und welche Grenzerfahrungen das mit sich brachte. Ich ging davon aus, mit der Schutzzeit, die bis zu 5 Jahre dauern darf nun Raum zu haben, um mit all dem umgehen zu lernen. Ich vermeide die Situationen nicht, stelle mich in Praktika auch wieder Chefsituationen und schaue, was für mich geht, was ich um welchen Preis aushalten kann und was nicht.

Für den Verwalter aber zählt das nicht. Er hat im Kopf, was er auch im Arztgespräch schildert. „Es gibt Leute, die können für die Bundeswehr keinen Handschlag tun, aber bauen nebenbei eine Hundzucht in Brandenburg auf. Das ist ein Fulltimejob.“

Seine Denkweise macht deutlich, dass jeder Fortschritt, den ich im Rahmen des Studiums und entlang der journalistischen Projekte erzielt habe als Indiz dafür betrachtet werden kann, ich würde das System für meine Zwecke ausnutzen.

Dass ich in Zeiten der Überlastung und Depression mit den Auswirkungen allein bin, keinen Text auf die Reihe bekomme, sieht der „Verwalter“ nicht. Dass der Antrieb für Artikel wie diesen schlichtweg Angst ist – Angst, ausgelöst durch Anschuldigungen und den Druck des Verwalters selbst – wird zum Indiz für Leistungsfähigkeit, die ich der Bundeswehr, frecherweise vorenthalten würde gewertet.

Schalte ich einen Anwalt oder den Wehrbeauftragten ein, dann bin ich wieder „ärztlich nicht führbar“.

Die gleichen „Verwalter“ kenne ich aus der aktiven Dienstzeit. Sie schrieben tauglich für Einsätze. Sie werteten Belastungsbögen nach den Einsätzen aus. Sie lehnten Präventivkuren nach Einsätzen ab, weil „das schon zu viele in letzter Zeit in Anspruch genommen haben“.

Effekte

Seit dem 15.11. muss ich wieder mehr Kraft für eigentlich Alltägliches aufwenden. Es kostet Kraft, die Termine wahrzunehmen, die anstehen. Es kostet Kraft, Freunde zu treffen, weil ich nicht schon wieder „der mit Problemen“ sein will. Das ich dennoch nicht auf Ablehnung treffe ist ein großes Glück. Es kostet Kraft, mit den Gedanken nicht ständig bei der Drohkulisse zu landen, die am 15.11. aufgebaut wurde – und doch ist es manchmal nicht zu vermeiden. Es kostet Kraft, all das auszuhalten in dem Wissen, dass ich keine Aussicht darauf habe spontan in einen vollbezahlten Job einzusteigen, der Raum lässt für die Aufarbeitung, die immernoch andauert. Es kostet Kraft, weiter zu machen, wenn jeder kleine Fortschritt potentiell vom „Verwalter“ gegen mich gedeutet wird.

Wo immer möglich äußere ich mich als Journalist mit der gebotenen Objektivität und Fairness zu Bundeswehrthemen. Dass der Eindruck bleibt, ich würde kein gutes Haar an der Bundeswehr lassen liegt wohl eher daran, dass die PR nur „gute Haare“ präsentiert und seit jeher Sachverhalte im Sinne der eigenen Imagekampagnen schönfärbt. Doch für die „Verwalter“ ist es nicht auszuhalten, dass ein kritischer Journalist über die Bundeswehr berichtet.

Den Anteilen, die mit der moralischen Verletzung einher gehen, setzte ich in den letzten Jahren politische Arbeit entgegen. Ich sprach auf Demonstrationen gegen Krieg und Militärisierung und berichtete auf Podien über die Einsatzerfahrungen. Es ist nicht auszuhalten, das die Person auf Demonstrationen und Podien als „Friedensaktivist“ tätig ist und gleichzeitig aus dem Verteidigungsetat bezahlt wird. Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten.

Der „Verwalter“ drückt es am 15.11.2016 etwas anders aus. „Sie können sich gerne weiterhin so verhalten. Dann kann man hinterher über Sie sagen, Sie waren konsequent bis zum Schluss.“

In diesem Verfahren erhalte ich wieder einmal keine Kopien der Verwaltungsschreiben, die Anlass der Befragungen sind. Ich erhalte auch keine Kopien der Antworten, die der „Verwalter“ an KdoRegSanUstg G 3.2.2 sendet. Der „Verwalter“, der die Anfrage bearbeitet bildet sich seinen Eindruck aus dem nichteinmal dreißigminütigen Gespräch, überfliegt dabei kurz das letzte ärztliche Gutachten aus Oktober 2015 und urteilt.

Ich habe also die Wahl, mir einen solchen Umgang gefallen zu lassen oder ohne Versorgung für mich und meine Kinder, ohne Raum für Therapie und Regeneration da zu stehen.

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Wochenupdate

Seit einigen Tagen lässt der Druck nach, der in den letzten Monaten auf mir lastete. Ich merke, dass Optimismus möglich wird, der vor wenigen Tage und Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.

Seit dem Gespräch mit dem Berufsförderungsdienst am 27.03.2015 ist klar, dass die Förderung eines Masterstudiums übernommen wird. Mit der am 26.03.2015 eingetroffenen Gehaltszahlung konnte ich nun die Rechnungen der Therapie- und Coachingmaßnahmen bezahlen.

In diesem Bereich muss ich derzeit noch in Vorkasse gehen, bis die zuständigen Stellen fachlich anerkennen, dass die Kosten für meinen Therapieweg übernommen werden. Auch hier ist noch einiges an Papierkram vor mir, den ich hoffentlich bis nach Ostern langsam abarbeiten kann.

Neuer Fokus

Dringend und drängend wird die Bewerbung für den Masterstudienplatz und natürlich der Abschluss des Bachelorstudiums. Es tut gut, eine Perspektive zu haben, die vorher schlichtweg nicht existierte.

In dieser Woche war ich ausnahmsweise mal ausschließlich redaktionell und an Themen unterwegs. Neben der LiMA-Konferenz stand der NSA-Ausschuss auf dem Plan, der mit 9 Stunden wieder sehr fordernd war. Auch im Bereich IT-Themen kam ich voran. Die Woche schließt mit der Seminarteilnahme beim Arbeitskreis Darmstädter Signal.

Doch bei allem Optimismus: vieles ist noch im argen und nicht in der Waage.

Druck – EntlastungZiele

Der Termin am Freitag zum Berufsförderungsdienst lies mich zunächst schlecht schlafen. Ich rechne immer noch damit, dass Instanzen, die ich in den vergangenen Jahren stark kritisiert habe noch Repressalien auf Lager haben und zur Anwendung bringen könnten.

Doch anders als zu befürchten: ich werde an der Deutlichkeit meiner Worte nichts einschränken.

Der Plan ist, schnellst möglich die Schulden der letzten beiden Jahre abzubauen und nach Abschluss des Masterstudiums sowie einer ausreichenden Arbeitserprobung das Diennstverhältnis „Schutzzeit“ zu kündigen, um die Abhängigkeit los zu werden, in der ich mich derzeit befinde.

Attraktivität, Bundeswehr und Kameradschaft

Es passiert das, was absehbar war. Aktive und ehemalige Soldaten, sowie deren Angehörige, die sich durch mein Hinterfragen von Einsatzvorfällen in ihrer Welt offenbar empfindlich gestört fühlen gehen mich an.

Teilweise sind es Ehemalige, die nicht einmal offen legen wollen, was sie bei der Bundeswehr mal getan haben.

Teilweise stehen diese Menschen unter dem Eindruck von getöteten Soldaten aus dem direkten Umfeld und scheinen daher keinerlei Interesse mehr an Mitgefühl oder einem rechts-konformen Verhalten (Stichwort Genfer Konvention) gegenüber afghanischen Gefangenen zu haben.

Mit Veteranen jammern ist in Ordnung – Menschenrechtsverletzungen kritisieren ist unerwünscht.

Meine Abkehr von der Bundeswehr war und ist die richtige Entscheidung – dass nun die Therapie und Eingliederung finanziert werden muss ist im Rahmen der Fürsorgeverpflichtung.

Es ist definitiv aber kein Grund, weshalb ich auf Knien danken müsste.

Es ist auch kein Schweigegeld, was die Forderung an mich rechtfertigt die Klappe über Missstände zu halten.

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(unredacted) Entwarnung? Schutzzeit erreicht?

Heute erfolgte der Anruf vom zuständigen Bearbeiter, der nun die weiteren Verwaltungsschritte einleitet, um mich in die sogenannte Schutzzeit einzustellen. Mir liegt weiterhin nichts Schriftliches vor, aber er kündigte an, die entsprechenden Unterlagen auch vorab per eMail zu übersenden. Angeblicher Einstellungstermin in die Schutzzeit: 16.03.2015

Schutzzeit – was ist das ?

In erster Linie ist es die Zeit, die für die Regeneration, Therapie und berufliche Qualifikation nötig ist. Mir wurde zugesichert, nur dann in „Dienst“ genommen zu werden, wenn ich dass entweder explizit wünsche oder wenn ich gerade nicht in einer beruflichen Qualifikationsmaßname stecke.

Da ich mir kaum eine Konstellation innerhalb der militärischen Strukturen vorstellen kann, die sich förderlich auf meine Gesundheit auswirkt, werde ich die Zeit effektiv nutzen oder gegebenen Falles um eine Krankschreibung bitten.

Stressbilanz

Im Rahmen der Therapiestunden kamen wir heute auf die Belastungen der letzten zwei Jahre zu sprechen:

April 2013
– Diagnose einsatzbedingte Erkrankung
– Beginn der Auseinandersetzung mit den Krankheitssymptomen
– Antragstellung Wehrdienstbeschädigungsverfahren
– Aufarbeitung 27.09.2008 mit Linksfraktion Bundestag

Juni 2013
– Existenzdruck – HARTZ4-Absturz drohte nach Fehlberatung durch Sozialdienst
– Versuch 1 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)
– Versuch 2 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)

Juli 2013
– Antritt Stationäre Therapie – Lernprogramm: „Depressionen, dein Leben und Du“
(Entlastung ab August 2013 durch Verlängerung der Förderzeit aufgrund von Erkrankung)

Dezember 2013

– Drohkulisse „Adlongespräch Dezember 2013“
– Themenverbot „Afghanistan“ durch damalige Redaktion,
– spürbare Reduzierung von Aufgaben in der Redaktion

Februar 2014
– Aussprache und Jobverlust Redaktionsjob wegen angeblicher „Befangenheit“

April / Mai 2014
– Jobsuche (Job 1) und Einarbeitung Piratenfraktion
– Therapieabbruch Gesprächstherapie
– Existenzdruck – Krankenversicherung & offenes Wehrdienstbeschädigungsvefahren

Juni 2014
– Scheidung
– Jobsuche (Job2) und Einarbeitung
– Auskunft über Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens gegenüber meinem Anwalt wird verweigert („Es wird auch nicht schneller, wenn sie hier anrufen)

September 2014

– Druck vom Unterhaltssicherungsamt (Bewerbungszwang, Abbruch des Studiums drohte)

Dezember 2014

– Jobverlust Job 1 „Piratenfraktion“ mangels Leistungsfähigkeit
– Scheitern des Versuches, an fehlender Kursleistung Studium zu arbeiten

All das wurde dadurch begleitet, dass ich mittels eines Studienkredites der Kreditanstalt für Wiederaufbau dafür sorge getragen habe, weiterhin Unterhalt für die Kinder zahlen zu können oder zumindest im Notfall die Miete für meine Wohnung aufbringen zu können. Dabei steigt der Schuldenstand und ich habe letztlich die Privatinsolvenz riskiert.

In den vorangegangenen drei Jahren nahmen die Depressionen zu, die Ehe scheiterte und der Druck aus „Abschluss schaffen müssen“ und Reaktionen auf Vorfälle in Afghanistan wurde immer größer. Es wurde ab Anfang 2010 immer schwieriger – auslösendes Moment war die steigende Zahl an Vorfällen in Afghanistan, bei denen deutsche Soldaten getötet wurden.

„Nur“ 2 Jahre für ein WDB-Verfahren?

Mir sind keine Statistiken über die Anzahl offener Wehrdienstbeschädigungsverfahren bekannt. Angesichts der Umstrukturierungsmaßnahmen (Bundeswehr übernimmt derzeit die Fälle der Landesversorgungsämter) dürfte es vermutlich auch keinen wirklichen Überblick darüber geben, wie viele Ex-Soldaten momentan um ihre Existenz kämpfen und zwischen Gutachtern und Ämtern zerrieben werden.

Ich landete nur deswegen nicht in HARTZ4, weil ich durch einen anonymen Hinweisgeber im Juli 2013 zunächst von der Möglichkeit der Verlängerung der Förderzeit aufgrund der Erkrankung erfahren habe.

Ohne den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung wäre ich an diese Informationen nicht gekommen. Auch die von mir immer wieder herangezogene Unterstützungs-Instanz des Wehrbeaufragten wirkte sich positiv aus.

Nach der öffentlich gemachten Fehlberatung durch den Sozialdienst (Mai 2013) erhielt ich eine Intensivst-Einführung in alle Optionen, die ich noch aus der Berufsförderungsphase hätte ziehen können. Inklusive eines möglichen Einarbeitungszuschuss wurde alles aufgezeigt, was an Anspruch möglich gewesen wäre.

Im Juli / August 2014 wird erneut der PTBS-Beauftragte auf mich aufmerksam, nachdem nun der/die Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen auf mich aufmerksam geworden ist. Kontakte zum BDV exisitierten zwar seit 2013 – aber wirklich „warm“ wurde ich mit dem Verein nicht.

Die Öffentlichkeit, die ich mit meinem Blog versuchte herzustellen wurde nicht wirklich unterstützt. Mir hätte es gereicht, wenn Beiträge meines Blogs z.B. via Facebook weiterverbreitet worden wären. Gerade ein Beitrag schaffte es in den Blog des BDV.

Auch seitens des Anwalts war wenig Elan erkennbar. Nachdem ich über ein Jahr nach der Antragsstellung im Juni 2014 wohl zur Karteileiche wurde, konnte auf Nachfrage des Anwaltes nicht einmal ein Bearbeitungsstand oder Forderungen zur Mitwirkung an mich in Erfahrung gebracht werden. Die Akte sei unterwegs – nachfragen würde das auch nicht beschleunigen. Erste Spuren der Akte gab es dann Ende Juli 2014. Abhilfe schuf der Wehrbeauftragte.

Im Rahmen des Existenzdrucks wollte ich von dieser Instanz auch wissen, was von der Kritik zu halten ist, die ich am System Bundeswehr seit Jahren übte. Das „dumpfe Gefühl“ das ich an einigen Stellen ausgebremst werde hatte sich seit dem Themenverbot und Jobverlust deutlich verstärkt.

Rückmeldung zu dieser Anfrage: bis heute keine.

Mehr Druck erzeugte dann der PTBS-Beauftragte ab September 2014, erreichte eine zeitnahe Begutachtung und einen zügigen Abschuss des Verfahrens binnen dann doch 22 Monaten bis zur Anerkennung der Einsatzschädigung und 23,5 Monate nach Diagnose die Einstellung in die Schutzzeit.

Öffentlicher Druck als Mittel zu schnellen Anerkennung der WDB ?

Es waren 11 Tage, die ich nach der Diagnose am 3. April 2013 überlegte, bevor ich mich entschloss, die Aufarbeitung öffentlich durch das Blog zu begleiten. Aus den Schilderungen von Andreas Timmermann Levanas und Robert Sedlatzek-Müller wusste ich, was im Laufe der kommenden Jahre auf mich zu kommen würde.

Jeder Soldat der schweigt läuft Gefahr am ausgestreckten Arm der Verwaltung abzurutschen. Insbesondere, wenn der Einsatzunfall erst im Laufe des WDB-Verfahrens festgestellt werden. An der Feststellung der „Kausalität“ hat die Bundeswehr wenig Interesse. Ich sah nach meiner Entlassung aus der stationären Therapie um den 10. August 2013 erst wieder am 10. November 2014 einen Bundeswehrarzt, der an einem Gutachten arbeitete.

Was zwischen diesen Terminen mit meiner Akte lief werde ich wohl nicht erfahren. Vermutlich wäre auch heute noch keine weitere Bearbeitung erfolgt, wenn ich nicht ab Juli 2014 eskaliert hätte.

Hilfreicher, als die Gesprächstherapie, die zwischen Juni 2013 und Mai 2014 gelaufen ist, war die Zusammenarbeit mit Medienmachern hier in Berlin (zB. Kieke Ma-Film oder Hyperbole-TV mit „Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten“). Ich wurde mir in den Interviews über vieles bewusst, was vorher stets unausgesprochen blieb.

Das ich zu alldem in der Lage war interpretieren manche Kritiker als „der hat doch gar nichts“. Andere Menschen zeigen sich beeindruckt, sagen deutlich, dass sie das nicht könnten oder schlichtweg für sich nicht wollen.

Auch mir fiel es über Jahre schwer, die Probleme überhaupt zu erkennen, sie mir einzugestehen. Der Druck das Studium abschließen zu müssen verschob den Zeitpunkt des „Hilfe suchens“ von Juli 2012 (Gespräch mit Studiengangsleitung) auf März 2013, als ich mit Angriff auf die Seele Kontakt aufgenommen habe.

Die öffentliche Aufarbeitung muss jedem Betroffenen selbst überlassen sein. Das es in meinem Fall positiv ausging verdanke ich rund 10 Jahren Erfahrung in der Medienarbeit, Grundkenntnissen im Bereich der Psychologie und einem Überblick über das Medium Online, dass ich für diese Aufarbeitung nutzte.

Facebook und Twitter waren aber nicht nur hilfreich. Bedrohungen und das ständige „In-Frage-Stellen“ spielten dabei eine gefährliche Rolle. Wer sich der Mechanismen dieser Medien nicht bewusst ist, geht unter. Auch meine Durchhaltefähigkeit war zuletzt nicht mehr gegeben. Zwischen Ende Dezember 2014 und Anfang Februar 2015 schaltete ich meinen Facebook-Account temporär ab. Ein Mittel, das auch in den kommenden Monaten häufiger zur Anwendung kommen wird.

Sich so öffentlich zu Verhalten kann ich nicht jedem empfehlen – für mich war es der Weg den inneren Druck loszuwerden, an dem ich sonst zerbrochen wäre.

Tun, was gut tut

Ein wichtiger Aspekt war auch die Distanzierung von dem Schweigen, das mir über den 27.09.2008 auferlegt worden ist. Mit offenen Briefen und Videos hatte ich es aus eigener Kraft versucht. Dem wurde mit Schweigen begegnet. Das Urteil anderer zu den Inhalten direkt mit zu bekommen half mehr, als die Therapiesitzungen des vorangegangenen Jahres.

Weder die Bundeswehrärzte wollten über den 27.09.2008 en Detail reden, noch hatte die Therapeutin genügend politisches Interesse, um zu erkennen, welche Probleme mir dieser Tag bereitete. Auch den Aspekt des „einem Vorgesetzen und seiner dummen Willkür ausgeliefert seins im folgneden kurz „eVusdWas“ konnte sie nicht wirklich begegnen.

„eVusdWas“ war und ist ein Problem. Ich bin weiterhin kaum in der Lage autoritäre Einflüsse auf mein Leben zuzulassen. Je größer der Eingriff, desto heftiger meine Reaktion. Immerhin funktioniere ich derzeit im Job und komme Stück-für-Stück auch mit Vorgesetzenreaktionen zu recht. In wieweit ich das im Rahmen der Bachelorarbeit aushalten kann, kann ich derzeit nicht sagen.

In begrenztem Rahmen war ich in den letzten Monaten in der Lage in „Job 2“ zu funktionieren und Weisungen zu akzeptieren. Das erforderte viel Überwindung. In „Job 1“ habe ich das nicht bewerkstelligt.

Finanziell überleben

Vereinzelte Hilfszahlungen (Januar 2014 und Q4/2014) wurden durch Stiftungen aus dem Umfeld der Bundeswehr geleistet. Meist zu Zeitpunkten, an denen ich aus eigener Kraft nur noch in der Lage war, den Grundunterhalt für mich aufzubringen.

Die Finanzspritze im Januar 2014 nutzte ich unter anderem, um die Zeit ohne Job und Einkommen daraus bis Mai 2014 zu überbrücken. Gleichzeitig schaffte ich Computer, Videokamera, Software und Audioaufnahmegerät für eine freie journalistische Tätigkeit an. Doch neben Therapie und dem Druck, den das nicht abgeschlossene Studium auf mich ausübt agierte ich nicht wirklich.

Die finanzielle Unterstützung zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2015 nutzte ich zunächst, um die Arbeitszeit im Oktober, November und Dezember zugunsten von Therapie- und Coachingmaßnahmen zu reduzieren. Die Kosten dafür konnte ich ebenfalls nur aufgrund der finanziellen Unterstützung tragen.

Zwischen Ende Mai 2014, als die Maßnahme „Gesprächstherapie“ scheiterte und Ende September 2014 hatte ich wegen der diffusen Krankenversicherungssituation keine neue Therapie begonnen.

Mit der finanziellen Unterstützung während der Schutzzeit bin ich nun in der Lage den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen sowie auch den Studienkredit abzutragen, der ursprünglich mal für 6 bis 8 Monate geplant war, nun aber seit über zwei Jahren läuft.
Ironie: die Bundeswehr lehnte die finanzielle Förderung meines Bachelor-Abschlussprojektes ab und veranlasste mich dazu, das über den Studienkredit lösen zu wollen. Noch vor der ersten Zahlung kamen jedoch die WAZ-Leak zu den Afghanistanpapieren, warfen mich in die Einsatzerlebnisse zurück und hielten mich bis zur Veröffentlichung im Tagesspiegel am 7. Oktober 2014 im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ in ihren Bann.

Dieser Kredit war in den letzten sechs Monaten neben Job 2 das finanzielle Rückgrat und im August 2013 zumindest die Gewissheit, dass ich die Wohnung nicht verlieren würde. Ich war nach Abschluss der stationären Therapie kaum in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen.

Struktur schaffen

Zwischen September 2013 und Dezember 2013 nutzte ich einen 100-Tage-Protest, um mich täglich eine Stunde dazu aufzuraffen, das Haus zu verlassen. Neben dem damaligen Redaktionsjob, der mich mit rund 2 Stunden forderte war das die einzige Maßnahme, die für einen geregelten Tagesablauf sorgte. Mehr war nach der stationären Therapie nicht drin.

Im Juni 2014 nahm ich das Thema NSA-Untersuchungsausschuss auf, um journalistisch aktiv zu bleiben und in einen Arbeitsrhythmus für die Bachelorarbeit zu gelangen. Die drei bis vier Sitzungs- und Arbeitstage, sowie der Besuch von Veranstaltungen, die mit dem Thema zu tun haben konnte ich im Oktober und November gut bewältigen.

Neben Job 2, der zur Grundsicherung unerlässlich ist war ich zumindest in diesem Bereich auch intellektuell gefordert und belastbar.

2 Jahre und das Studium immer noch nicht fertig?

In den vergangenen zwei Jahren hatte ich zwei Gespräche mit meinem Professor, wie die letzten Leistungen zu erbringen sind und wie die Bachelorarbeit angegangen werden kann. Doch neben der Therapiemaßnahmen und dem beschriebenen Einflussfaktoren schaffte ich es nicht – wie angeraten – mich einfach sechs bis acht Wochen voll auf die Bachelorarbeit zu konzentrieren.

Die finanzielle Grundversorgung wackelte im Mai / Juni 2013 (krankheitsbedingte Verlängerung Förderzeit erst ab August 2013) , Februar 2014 (Jobverlust Redaktionsjob – Folgejob April 2014), Juni 2014 (Unklare Einkommenslage und Krankenversicherung) und zuletzt heftig im Januar / Februar 2015.

Der Existenzdruck wirft mich aus der Bahn. Leider immer noch. Aber glücklicherweise nicht mehr so heftig, wie zuvor.

Im Juni 2013 war ich zeitweise nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, lag zitternd und teilnahmslos auf dem Sofa, wenn die Anspannung zu groß wurde. In der Phase der letzten sechs Wochen hielt ich meine Kräfte für den „Job 2“ zurück, der nun der einzige Job ist.

Das Einkommen reicht mit dem Studienkredit für das eigene Überleben. Verzichte ich auf die Zahlung der Krankenversicherung kann ich sogar Unterhalt zahlen. Tragfähig? Nein. Raum für Therapie und Coaching lässt diese Situation ebenso wenig, wie für den geordneten Abschluss des Bachelorstudiums.

Im Januar und Februar 2015 zog ich mich erneut extrem auch von meinem Freundeskreis zurück, um unter dem Druck zu funktionieren. Druck und Funktionieren, dass bedeutete in dieser Zeit die Körperhygiene aufrecht zu erhalten, mit gewaschenen Klamotten rechtzeitig das Haus zu verlassen, um dann zuverlässig zu arbeiten, statt heulend am PC zusammenzubrechen.

Tränendrüse ?

Es geht mir nicht um Mitleid. Mehrfach hörte ich in letzter Zeit, dass Menschen sich schon mit einzelnen Aspekten (z.B. unsicherere Jobsituation) gefordert zeigten. Bis Ende Januar 2015 wackelte nicht nur mein Einkommen, sondern auch der Zugang zur Krankenversicherung. Das ganze ohne Perspektive, weil der Studienabschluss fehlt, eine Therapie mangels Aussicht auf Geld und ohne Anerkennung der Einsatzschädigung nicht mehr zu bezahlen war und zeitgleich Forderungen an mich gestellt wurden, die für einen gesunden Menschen mit Berufsabschluss gedacht sind.

Die vergangenen zwei Jahre, in denen ich mit der Aufarbeitung der Einsätze einen gewaltigen Schritt voran gekommen bin, war die Arbeit an einer tragfähigen Existenz nicht möglich. Auf dem Weg der Behandlung ist zumindest die kognitive Erfassung der belastenden Ereignisse abgeschlossen.

Im Rahmen der laufenden Traumatherapie lerne ich derzeit mit Hilfe von Körperübungen die Auswirkungen des Stresses in den Griff zu bekommen und auch körperlich die Balance zu finden, die ich in Bezug auf die Einsatzzeit erreicht habe.

Wichtig wird auch, wieder Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu erlangen. Den Verlust des Redaktionsjobs im Februar 2014, der bis heute nicht schlüssig erklärt wurde kann ich nur noch als Mobbing deuten.

Inhalte wurden nicht gewünscht, nicht mitgetragen und dann mit „Du bist befangen“ negiert, ohne, dass ich überhaupt auf eine Veröffentlichung bestanden hätte. Präventiv mit Themenverbot belegt zu werden war zu viel.

Ausblick

Im Telefongespräch eröffnete mir der Bearbeiter heute, dass die Einstellung in die Schutzzeit zum 16.03.2015 nicht mit der Teilnahme am militärischen Dienst verbunden ist, solange ich mich in beruflichen Qualifikationsmaßnahmen befinde.

Nach dem Abschluss der Bachelorarbeit werde ich ein Masterstudium aufnehmen. Die Qualifikationshöhe ist nach 12 Jahren Dienstzeit in der Offizierlaufbahn vorgesehen.

Parallel laufen Therapie und Coachingmaßnahmen. Sollte die Bundeswehr die heiltherapeutische Methode nicht unterstützen, die mich seit September 2014 sehr gut voran bringt, ist zumindest mit der verlässlichen Zahlung des Gehalts gesichert, dass ich die Therapie fortsetzen kann.

Diesen Weg werde ich selbstbestimmt gehen – so, wie die letzten zwei Jahre ebenfalls. Auf die Launen des Apparates lasse ich mich nicht ein.

Ziel

In wie weit ich die Stressreaktionen im Bereich von autoritär induziertem oder existenzbedrohendem Stress in den Griff bekomme, kann ich derzeit nicht absehen. Ich entwickele langsam ein Bewusstsein für die Auswirkungen und für hilfreiche Gegenmaßnahmen. Präventiv, wie auch in den Fällen, in denen ich wieder zu lange unter Stress gestanden habe. In den kommenden fünf Jahren gilt es, Reserven aufzufüllen, die sich derzeit anfühlen, als seien sie nicht mehr existent.

Termin PTBS-Beauftragter: 10.09.2014

Seitens der/des Fallmanagers/in wurde mir nun ein Termin für das Gespräch mit dem Beauftragten General für Posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatzerkrankungen für den 10.09.2014 vorgegeben. Angeblich sei man bereit, einem zivilen Gutachterprozess zuzustimmen. Das ändert jedoch derzeit nichts an den konkret zu lösenden Problemen.

Im Laufe des Wochenendes traf ich eine Therapeutin, die sich mit der PTBS-Thematik bereits befasst hat und mit der ich in den nächsten Tagen dann Kontakt zwecks der Gestaltung einer Therapie aufnehmen werde. Die Auseinandersetzung und Therapie braucht Zeit und Aufmerksamkeit – wird damit erneut zu einer Belastung werden, wenn die Forderung nach einem Vollzeitjob und regelmäßigen Unterhaltszahlungen laut werden.

Parallel dazu soll das Studium abgeschlossen werden und zwei Jobs zuverlässig erfüllt werden. Ich habe deshalb bereits Kontakt mit einem Coach aufgenommen. In den nächsten Tagen planen wir in eine Auftaktcoaching, wie die Zusammenarbeit aussehen kann und wie die Begleitung im kommenden halben Jahr erfolgen kann.

Um all das zu bezahlen muss ich mich weiter verschulden und hoffe auf eine zeitnahe Reaktivierung des KfW-Studienkredites. Dank meines Versicherungsvertreters erhielt ich nun ein optimiertes Angebot und muss künftig 275 Euro für die Krankenversicherung berappen.

Bundeswehrbedingt musste ich mich in den letzten Jahren privat versichern. Das sorgt nun dafür – so die letzte Aussage eines der Krankenkassenberater – dass ich nicht in die gesetzliche / freiwillig gesetzliche Versicherung wechseln kann. Sollte das im Rahmen eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis irgendwann möglich werden, werde ich zwar in diese Versicherungsvarianten gelangen, muss aber für den Fall, dass ich als Selbständiger irgendwann mal wieder in die private Versicherung wechseln muss eine Anwartschaft unterhalten. Die Erkrankung gilt als 100%iger Ausschlussgrund bei der Aufnahme.

Dieser Nachteil sollte bei berufsbedingten Erkrankungen nicht entstehen dürfen. Ein Ausgleich erfolgt derzeit nicht – die Erkrankung ist seit nunmehr 17 Monaten konkret und ein Nachteil.

Für ehemalige Soldaten ist eine derartige Erkrankung, sowie die notwendige Regenerationsphase existenzgefährdend und mit finanziellem Abstieg verbunden.

Leaving Kuckucksnest

Zwischen dem 25.07.2013 und dem 13.08.2013 lief der erste Therapiedurchgang. Diagnostiziert wurde – so das Abschlussgespräch gestern mit der meiner Ärztin – eine „Einsatzbedingte chronifizierte Depression“. Sie schließt nicht aus, dass ebenfalls noch eine posttraumatische Belastungsstörung eine Rolle spielt, die derzeit durch die depressive Symptomatik überlagert wird.

„Und? Bist du jetzt geheilt?“

So schön das wäre, aber: nein. Und das merke ich selbst. In den vergangenen drei Wochen habe ich vor allem Entspannungstechniken gelernt und in Gesprächen die Mechanismen sortiert, die mich derzeit blockieren.

Wichtig war auch die Vorgänge einer Depression kennenzulernen anstatt diese, wie sonst nur zu durchleben. Wann bin ich wieder auf dem Weg in eine Depression? Wann muss ich Gegenmaßnahmen ergreifen? Müssen ggfs. Medikamente sein?

An den zu Grunde liegenden Problemen konnte in diesem ersten Durchgang kaum gearbeitet werden. Es reichte zum ordnen. Wie es weiter geht wird dann die ambulante Therapie zeigen.

Ergotherapie & Symbolik 

Handwerkliches Arbeiten sollte dem Kopf den nötigen Raum zu „verarbeiten“ geben. Ich entschied mich für die Arbeit mit Speckstein und hatte einen ziemlich großen Stein, aus dem ich etwas heraus arbeiten wollte.

Die Leiterin der Therapiegruppe meinte schon, ich solle mich davon überraschen lassen, was der Stein so alles zu erzählen hat oder für Herausforderungen mit sich bringt. Ohne es darauf angelegt zu haben ergab sich eine sehr schlüssige Symbolik.

Das war mal ein einzelner Stein – ein ziemlicher Brocken, den ich zunächst in drei Teile gearbeitet habe. Der Anhänger platzte irgendwann heraus – wurde in diesem ersten Therapiedurchgang fertig.

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Vor mir liegen noch „das Vorgesetzten-Problem“, die „Islamkarikaturen“ und der „27.09.2008“. Erlebnisse und Vorfälle, die mein Leben immer noch beeinflussen. Mehr als sie dürfen und vor allen Dingen mehr, als ich will.

Vom Gedanken schnell voran zu kommen musste ich mich verabschieden – der kleine Lernerfolg dieser Therapie.

Gestern morgen fiel der Anhänger von Nachttisch – die Macke habe ich bearbeitet und geglättet. Die Macke bleibt. Aber es ist mir Warnung genug, dass das alles noch recht zerbrechlich ist und dass ich weiter daran arbeiten muss.

Absicherung

„Da kann man aber auch gar nichts schön reden“ musste auch meine Ärztin ziemlich unumwunden eingestehen.  Die Anträge auf Verlängerung meines Berufsförderungszeitraumes und die Gewährung von Anwärterbezügen für weitere 12 Monate laufen seit einigen Wochen.

Niemand kann absehen, wann diese im Bundesamt für Personalmanagement bearbeitet und entschieden werden. Da im Rahmen der Bundeswehrreform schon Routine-Vorgänge, wie die Beihilfeauszahlung so nachhaltig verbockt wurden, dass eine Bugwelle von mehreren Monaten an Anträgen aufgelaufen ist, bin ich nicht optimistisch.

Weder mein Anwalt, noch die Bearbeiterin des Berufsförderungsdienstes können absehen, wann die „bisher namenlose Person“ im Bundesamt für Personalmanagement den Antrag bearbeitet.

Deadline & Konsequenzen

Zum 01.09.2013 kann ich  das Geld für die private Krankenversicherung nicht mehr aufbringen.  Das hat weitreichende Konsequenzen. Falle ich aus der privaten Krankenversicherung heraus, werde ich – so die Ankündigung meines Versicherungsberaters – auch nie mehr aufgenommen. Eine psychische Erkrankung ist ein Ausschlussgrund, der auch nicht durch erhöhte Beiträge aufgefangen werden kann.

Das bedeutet auch, dass ich keine selbständigen Tätigkeiten mehr aufnehmen kann bei denen ich mich privat versichern muss. Das betrifft leider auch Stellen im öffentlichen Dienst, bei denen eine Beihilfe nur zum Teil gewährt wird und der Rest durch eine private Krankenversicherung abzudecken ist.

Trotz Einschaltung des Wehrbeauftragten und meines Anwaltes: einen Ansprechpartner oder eine Zeitlinie gibt es in diesem Vorgang bisher nicht. Ob sich dafür überhaupt jemand zuständig fühlt oder das geduldige Papier / die eMail derzeit nur von einem Postfach in das nächste verschoben wird : Who knows.

Neustart

Das ärztliche Attest sieht mich noch bis Ende September „nicht studierfähig“. Die Zeit brauche ich zunächst, um einen Nebenjob zu finden, der auch zeitlich den Raum lässt, die Bachelorarbeit anzugehen.

In dieser Woche muss ich beginnen, alle laufenden finanziellen Verpflichtungen runter zu fahren und an die voraussichtlich verfügbaren 950 Euro des Monats September anzupassen.

Was aber weiterhin ein Problem sein wird, ist der Umgang mit „Vorgesetzen- und Chefsituationen“. Wie das mit welchem Professor auch immer funktionieren soll, weiß ich derzeit nicht. Wie ich die Bachelorarbeit wieder aufnehme ist ebenfalls im September zu klären.

Therapiebeginn – jetzt aber …

Irgendwann im Laufe des Wochenendes hat sich der Leidensdruck erhöht. Das es so nicht weiter ging wurde immer offensichtlicher. Eigentlich müsste ich Bewerbungen schreiben – kann und konnte mich dazu aber nicht durchringen.
Viel zu viel blieb liegen – kleinste Aufräumarbeiten in der Wohnung wurden immer mehr zur Last.

Wieder zu wenig Schlaf – wieder zu wenig (vernünftiges) Essen. Offenbar hat mich der Stress wieder zu sehr erfasst. Bei der Aufnahme heute wurde mein Gewicht gemessen – mit 76 Kilo bin ich deutlich unter den für mich normalen 78 bis 81 Kilo, wenn auch im normalen BMI-Bereich.

Trauer

Nach einem Versuch, am Sonntag stationär aufgenommen zu werden (immerhin war eine schnelle Aufnahme am heutigen Mittwoch möglich) erreichte mich am Montag Abend die Nachricht über den Unfalltod eines ehemaligen Soldaten.

Er war einer der wenigen Soldaten aus meiner aktiven Dienstzeit, zu denen ich noch regelmäßig Kontakt hatte – auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst. Sein Tod hat mich sehr getroffen – wir teilten ein ähnliches Hobby und wissen beide um das Gefühl, wie sich die Freiheit zwischen Himmel und Erde anfühlt. Wir wissen und wussten aber auch um die Risiken unseres Sports.

Dein Tod hat viele meiner Probleme relativiert – aber diese Probleme sind da und ich muss sie angehen, um nicht daran zu zerbrechen. Zu deiner Beerdigung werde ich nicht erscheinen können. Meine Gedanken sind trotzdem bei allen, die um dich trauern – besonders bei deiner Familie.

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