Wasserstandsmeldung

Seit nunmehr 1,5 Jahren läuft die sogenannte Schutzzeit, in der mein Lebensunterhalt gesichert ist und eine Krankenversorgung durch die „Freie Heilfürsorge“ gewährleistet ist.

In dieser Zeit war ich in der Lage einen Berufsabschluss (Bachelor) zu erlangen und ich kann nun im Rahmen der vorgesehenen Rehazeit das Masterstudium absolvieren. All das vollfinanziert und zunächst unter scheinbar idealen Bedingungen.

Licht und Schatten

Winter_2

Im letzten Jahr gab es mit dem Abschluss des Bachelors eine deutliche Entlastung zu verzeichnen. Auch die Nominierung des Podcast-Projektes zum NSA-Untersuchungsausschuss für den Grimme-Online-Award war ein tolles Erlebnis.

Neben dem Masterstudium war ich zu mehreren Gelegenheit als Redner zu Bundeswehr- und Antikriegsthemen auf Podien und Veranstaltungen der Linksfraktion unterwegs und fand ein halbwegs zumutbares Maß an Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Negativ fallen allerdings immer wieder platzende Termine ins Gewicht.

Zu zwei Gelegenheiten war ich als Redner in Schulklassen eingeladen. Schulen, an denen zuvor Jugendoffiziere der Bundeswehr gewesen sind und an denen es von Seiten der Eltern und Schüler den Wunsch gab, dass auch jemand zu Wort kommt, der die andere Seite des Dienstes und der Sicherheits- und Außenpolitik erläutert. Beide Termine kamen leider nicht zu Stande.

In Fall 1 war es eine 7:9-Entscheidung im Elterngremium und im anderen Fall wurde kurzfristig wenige Tage vor dem abgesprochenen Termin von Seiten der Schulleitung abgesagt – eventuell ist ein weiterer Versuch in den nächsten Monaten möglich.

Therapie und Genesung

Mit Einstieg in die Schutzzeit wurde mir auferlegt, mich entweder in die Hände von Bundeswehrtherapeuten zu begeben oder die Therapiemaßnahmen selbst zu tragen. Die Klärung der angestrebten Kostenübernahme zog sich – bundeswehrtypisch – wieder über Monate hin und gipfelte in einer Begutachtung, die angeblich notwendig gewesen sei und die mit den Worten begann: „Ja, die Therapiemethode wird nicht übernommen – so viel ist klar.“

Gegenstand der Trauma-Release-Exercise-Sitzungen (TRE) war eine Kombination aus Therapeutengespräch und Übungen zur Tiefenentspannung. Die Methode selbst ist zwar prinzipiell auch allein ausführbar, jedoch entfällt dann das Therapeutengespräch und die Reflexion über Stressoren und belastende Themen.

Das Angebot, die TRE-Übungen mit einem Bundeswehrpfarrer in Räumlichkeiten der Bundeswehr durchzuführen, statt mit der Therapeutin, mit der bereits eine Vertrauensebene bestand, lehnte ich ab.

Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich nun auf mich selbst gestellt. Das Maximum an Medikamenten, das ich bereit war zuzulassen war hochdosiertes Johanniskraut (LAIV 900). Damit lösen sich – für mich – keine Probleme. Immerhin wurden die Auswirkungen der Depressionen abgemildert. Seit Dezember 2015 ist auch das LAIV 900 abgesetzt.

Immer wieder bemerke ich, dass ich in Stressphasen absacke. Zum Semesterende im Januar / Februar 2016 war wieder eine dieser Phasen, die mich für zwei bis drei Wochen sehr stark einschränkte und es erforderte viel Kraft, den Tagesablauf halbwegs aufrecht zu erhalten.

Eine ähnliche Phase ergab sich im Mai/Juni 2016. Der Stresslevel in einem ingesamt überplanten und zeitlich deutlich kürzeren Sommersemester forderte seinen Tribut und brachte zumindest die Erkenntnis, dass eine Kur sinnvoll ist, die aber vermutlich nicht vor April 2017 möglich wird.

Grund dafür ist, dass ich ein Urlaubssemester an der Hochschule einlegen muss, was unweigerlich dazu führt, dass ich in der Zeit, in der ich nicht in einer Kurmaßnahme bin zum Dienst in die Kaserne erscheinen müsste. Etwas, das mir nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr möglich ist. Weder in Zivilkleidung, noch und ganz besonders nicht in Uniform.

Dringend erforderlich ist aber nicht nur die Kur. Eine Ruhephase ohne Studienverpflichtungen oder Existenzkampf gab es in den letzten 4 Jahren nicht. Ebenso wichtig, wie die Kur ist eine sinnvolle Beschäftigung für den Rest des Urlaubssemesters. In der nächsten Woche kann ich hoffentlich mit dem zuständigen Berater ein geeignetes Konzept ausarbeiten.

Umgang mit Stress

Egal, ob emotionaler Stress oder Arbeitsstress – mit zunehmender Belastung gerate ich wieder im Tagesablauf aus dem Tritt. Die Ernährung wird unregelmäßig und ungesund, die Schlafphasen unregelmäßiger und ausgedehnter. Routineaufgaben im Haushalt werden belanglos. Auch, wenn das Gefühl von „Ich funktioniere nicht“ an Bedeutung verloren hat, mündet es im Gegensatz zu den Jahren 2013/2014 nicht mehr in Verzweiflung. Symptome, wie Anhedonie bestimmen den Alltag. Ich ziehe mich weitestgehend von sozialen Aktivitäten zurück, was insbesondere mein nächstes Umfeld belastet.

Camp KUNDUZ 2006 - Innenstadt - Lehmmauer - Blech- und Sperrholzbuden.

Camp KUNDUZ 2006 – Innenstadt – Lehmmauer – Blech- und Sperrholzbuden.

Die Erinnerung an die Einsätze und die traumatisierenden Erfahrungen hat in diesen Phasen weiterhin mehr Raum, als ich das will. Manche Handlungsmuster aus der Zeit der Depression in 2013/2014 kehren wieder zurück und fressen sich in mein Leben. Mitunter sind die Stresserlebnisse aus den Einsatzzeiten Teil der nächtlichen Träume und sorgen für eine verminderte Qualität des Schlafes.

Rückschritt

Mittlerweile liegen die Einsätze mit den traumatisierenden Erlebnissen mindestens 8 bis 16 Jahre zurück. Die Hochstressphase, die zur Trauamtisierung führte (Afghanistan-Zeit) spielte sich vor 11 bis 8 Jahren zwischen 2005 und 2008 ab. Diese Erlebnisse fressen sich meist dann wieder in mein Leben,wenn Stress in Beruf, Beziehung und Alltag überhand gewinnt.

Dass ich mein Masterstudium nicht in der Regelstudienzeit abschließen werde, ist absehbar. Dass ich es nicht zwingend muss, ist eine große Entlastung. Die Frage aber ist, wieviel davon ganz verschwinden wird und was letztlich bleibt.

In den nächsten Wochen stehen das Beratungsgespräch „Urlaubssemester“, sowie die Kontaktaufnahme mit den leider notwendigen Bundeswehrärzten an, um eine Kur auf den Weg zu bringen. Das bedeutet dann – leider – wieder die Auseinandersetzung mit Bundeswehrstrukturen.

Bundeswehrstrukturen

Im Oktober 2015 fand die letzte Begutachtung statt. Im Therapeutengespräch erwähnte ich belastende Aspekte, mit denen ich im Alltag immer wieder konfrontiert bin. Die Reaktion des Bw-Arztes: „Seien sie nicht so nachtragend.“

Mit der zuständigen Dienststelle, die mich als Personalangelegenheit zu verwalten hat (mehr will ich auch nicht), gab es Mitte August auch ein kurzes Gespräch. Der Personalverantwortliche wollte zunächst wissen, wie ich klar komme und wo eventuell Unterstützung nötig ist.

Die freundliche und hilfsbereite Haltung dort war nicht belastend. Der Hinweis darauf, ich solle keine militärischen Geheimnisse preisgeben wurde zwei bis drei Mal zwanglos und pflichtbewusst eingestreut.

An die Kritiker

Positiv ist, dass das Mobbing aus Bundeswehrkreisen, das vom Reservisten bis hin zum Generalanwärter in den letzten Jahren immer wieder abstruse Intensitäten annahm mittlerweile nicht mehr sichtbar zu verzeichnen ist. Grund dafür dürfte auch mein Rückzug aus Facebook sein.

Mein Umgang mit Bundeswehrthemen sorgte bisher für keinerlei Anlass mich dienstrechtlich zu belangen, wie es auf dem Papier möglich wäre. Telefonanrufe beim zuständigen Chef des Stabes können sich daher all diejenigen sparen, die Kritik an der Bundeswehr nicht aushalten und argumentieren „Er wird versorgt – er soll die Klappe halten.“

Da ich keinen Zugang zu Dienstgeheimnissen habe und vom militärischen Dienst freigestellt bin, verhalte ich mich in allen Belangen rund um das Thema Bundeswehr, wie es für einen Journalisten angemessen ist. Das schließt Kritik mit ein und ist in Zeiten von schillernder Bundeswehrwerbung und hunderten von Jugendoffiziersbesuchen in Schulen mehr als nötig. Keine Bezahlung der Welt wird mich davon abhalten. Das trenne ich deutlich voneinander.

28,53 Euro

Das ist exakt der Betrag der mir bis zum nächsten regulären Geldeingang am 10. Februar bleibt (Korrektur: ich vergesse den Kfw Kredit.Die 600 Euro, um die meine Schulden monatlich steigen). Schlecht gerechnet? Nein. Nur vertraut auf das, was aus Richtung der ehrenamtlich für die Bundeswehr agierende Person „Fallmanager/in“ nun bleibt. Ich habe Rechnungen beglichen und Unterhalt gezahlt, weil ich mich auf die Zusage „500 Euro sind unterwegs“ verlassen habe. Die Bundeswehr legt ihre Fürsorgepflicht in die Hände von ehrenamtlich arbeitenden Personen aus dem Umfeld des „Bund Deutscher Veteranen“.

Ist es fahrlässig zu vertrauen? Offenbar ja. Auch auf die Aussage „Wiedereinstellung in die Schutzzeit zur Reha im Januar“ habe ich mich verlassen. Null Kommunikation diese Woche. Keine Reaktion auf meine eMail von gestern Abend – kein Anruf, kein Fax, keine eMail. Den 2-Sekunden-Anruf auf dem AB ohne Absenderrufnummer kann ich leider nicht zurückverfolgen. Am 29.01.2015 bin ich aufgrund der redaktionellen Arbeit am NSA-Untersuchungsausschuss telefonisch nicht erreichbar. Mittlerweile sitze ich dort und lenke mich von den Problemen des Tages ab. Wenigstens dort kann ich journalistisch arbeiten und an einem anderen Thema, als am eigenen Existenzdesaster.

Tagesablauf

Mein Tag sieht derzeit so aus, dass ich nach einer Doppelschicht nach Hause komme, nichts vorfinde und mir den Rest des Tages alles abverlangen muss, ruhig zu bleiben, trotzdem zu schlafen und am nächsten Tag statt zu resignieren erneut zur Arbeit zu erscheinen.

Nach außen hin höflich und freundlich 8 Stunden Telefonate führen und mich wegen unerwünschter Anrufe beschimpfen zu lassen. Freundliche, aufgeschlossene Menschen nehmen sich 10 Minuten für die freiwilligen Umfragen Zeit – manchen kann ich nicht mal von der Freiwilligkeit erzählen, da ich sofort mit „Kein Interesse“ oder unhöflichen anderen Statements eingedeckt werde.

Aber weil ich irgendwie gerade noch so funktioniere meint man wohl, man könne sich Zeit lassen bei der Einhaltung …


Gründe? Es ist mal wieder alles neu ^^

Verwaltung ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter rauf und runter zu organisieren, neu aufzustellen, zu verlegen und umziehen zu lassen sorgt vor allem für eines: sie kann nicht effektiv arbeiten. Ich vermute hinter all dem nur noch eine bis zur absoluten Ineffizienz auf „Schwarze Null“ optimierte Struktur. Die zerstört nur leider das eigene Personal oder diejenigen, für die sie eigentlich tätig sein sollte.

Heute lehnte ich die Intervention eines Mitglied des Bundestags ab – sagte noch: „Warten wir bis Februar.“ Ich lege es nun in ihre Hand – wenn Sie tätig werden wollen: gern.

NULL Kommunikation: weich kochen scheint die Devise 2015

Eingaben an den Wehrbeauftragten: keine Rückmeldung.

eMails an den PTBS-Beauftragten: keine Rückmeldung.

Einziger Kanal, der halbwegs offen scheint ist ein semi-offizieller Kontakt zu(r) Fallmanager(in) aus einem Verein, der keine rechtsverbindlichen Aussagen treffen kann.

Aktuelle Lage:

Derzeit verlasse ich das Haus nur noch, um den Job aufzusuchen, der die Wohnung sichert. Freundschaften leiden. Therapie und Coaching müssen ruhen, da ich weder das Geld habe, diese weiter zu bezahlen, noch im jetzigen Zustand Forderungen/Zielen wie „zur Ruhe kommen“ (Therapie), noch den Zielsetzungen des Coachings nachkommen kann. Was nützen Pläne, wenn keine Planbarkeit möglich ist ?

Ich brauche dringend eine Auszeit, müsste mich krank melden, um zu regenerieren oder das Arbeitspensum runter zu fahren. Stattdessen steigt der Druck von Tag zu Tag. Während der Arbeit versuche ich das zu überspielen, lenke mich in den Wartezeiten zwischen den Anrufen mit Twitter ab.

Ich versuche weiterhin Kontakte zu knüpfen, mich im Journalismus hier vor Ort zu vernetzen und das für die Bachelorarbeit wichtige Thema auch nächste Woche wieder zu begleiten.

Existenzbedrohender Stress

Keine Lösung für Fortsetzung der Therapie, Lebensunterhalt und Unterhaltszahlungen – nach außen hin funktionieren und versuchen, die Menschen in meiner Umgebung nicht zu sehr zu belasten. Ich verstehe die freakig anmutenden Menschen, die manche nur als „durchgeknallt“ beäugen, wenn sie ihre existenziellen Probleme hier auf Berlins Straßen aus sich herausschreien oder scheinbar wirr brabbelnd durch Straßen, Parks und S-Bahnen ziehen.

Ich brauche die Reha, was das Arbeitsumfeld angeht. Leistungen im Job erbringen und davon Leben können, statt ignoriert und isoliert zu werden.

Ich brauche die Reha, was die Therapie & Coachingmaßnahmen angeht. In Ruhe kommen um die anstehenden Schritte zum Studiumsabschluss gehen zu können.

Doch was kommt sind Druck, Isolation. Gestern rekapitulierte ich mit einer Kollegin, die sich für die letzten zwei Jahre interessierte, was Adlongespräch (Dez 2013), Drohungen via Facebook (Dez 2013, Februar 2014), Themenverbot Afghanistan (Dez 2013) kommentarlose Beendigung des Redaktionsjobs (Feb 2014), die Aufarbeitung der Afghanistanvorfälle (2013 + Feb 2014, Mai 2014, Okt 2014) an Stress bedeutet. Stress, den ich meist verdränge, um weiter zu funktionieren. Stress, der irgendwann körperlich wird und vermutlich einfach zum Zusammenbruch führt.

Nervende Technik

Technische Fehlfunktionen meiner IT – es nervt einfach nur noch. Teilweise Hardwarebedingt. Teilweise ist mein wichtigster verbliebener öffentlicher Kanal Twitter davon betroffen. 150117_Twitter_DM

Ein Fehler, der bisher nur mit „exakt eins User“ aufgetreten ist und wohl auf Seiten von Twitter liegt. Kommt nicht vor auf der Handy-App. Tritt auf im Safari-Browser, Firefox (Linux) und im Tor-Browser auf meinem Tails-System. Heute war erstmals die gesamte DM-Kommunikation kurzzeitig. Wieviel reale Reichweite ich mit dem Account überhaupt noch habe, welche Follower & User sich eingeschlichen haben, die besser auszusperren wären – alles Fragen, die mich fast zum Löschen des Accounts bringen.

Besser dran ohne Technik?

NEIN – das würde mich nicht entlasten, auch, wenn das seitens des / der Fallmanager(in)s immer mal wieder im Gespräch vorgeschlagen wurde. „Zieh dich von Facebook zurück“ … „arbeite nicht“ … und all das natürlich immer „gut gemeint“, denn ich soll mich ja ganz auf Genesung und Therapie konzentrieren.

Das ich das längst tat und gut voran kam – nicht in ihrer / seiner Vorstellungswelt vorhanden.

Ohne die Rückendeckung einer Redaktion und ohne regelmäßige Veröffentlichungen schreitet die Zersetzung der letzten Jahre nur noch weiter fort. Ich habe längst mir Reha und Einarbeitung begonnen. Im Oktober, November 2014 hätte ich sogar von einem guten Rythmus gesprochen, in den ich mich langsam einfinden konnte – Fortschritte dieser Monate sind nahezu dahin.

Ich brauche ein verbindliches, verlässliches Umfeld für die Regeneration – nicht das, was derzeit angestellt wird.