„Und wie geht‘s vom Kopf her?“

Zum ersten Mal seit Monaten ich nun wieder Arzttermine wahrnehmen. Nach einem Zahnarzttermin stand am Freitag, den 3.11. nun der Allgemeinmediziner auf dem Plan. Neben den Vorsorgeuntersuchungen, die ich eigentlich in den Semesterferien im August längst erledigt haben wollte, soll es bei diesem Termin auch um die Beantragung einer Kur gehen.

Es dauert eine Weile, bis das Gespräch mit der Oberstabsärztin in Gang kommt. Ich muss begründen, warum ich eine jährliche Blutuntersuchung machen lassen will und warum ich bereits im Alter von 38 Termine zur Darmkrebsvorsorge mache.

Irgendwann dann die Frage „Und wie geht‘s vom Kopf her?“. Ich bin irritiert. Alle äußeren Merkmale sind vorhanden. Rechts und links ein Ohr, halbwegs symetrisch platziert. Auch die Nase sitzt zwischen den Augen und oberhalb des Mundes. Ich bleibe kooperativ und gehe davon aus, dass die Ärztin nach dem Stand der Behandlung beim Psychotraumazentrum fragt.

Schon eingangs betonte sie, es ginge ihr um offene Kommunikation. „Sie können mich hier auch mal anschreien. Wir müssen nicht einer Meinung sein.“ Mir ist auch drei Tage nach dem Gespräch nicht klar, was sie sich von „anschreien“ verspricht. Ich neige eher zu Sachlichkeit und betont ruhiger Kommunikation.

Wir klären auch die wichtige Statusfrage. Bin ich Berufssoldat, Reservist oder Zeitsoldat. Ich erkläre, dass ich versorgungsrechtlich derzeit in der sogenannten Schutzzeit bin. Ein offizielles Dienstzeitende gibt es daher nicht – nur die Obergrenze von 5 Jahren, die die Schutzzeit maximal dauern darf. Davon sind nun seit dem 15.03.2015 – Stand heute – nun 966 Tage vergangen … also nur ein wenig mehr, als die Hälfte der Zeit, die mir zur Verfügung steht für die gesundheitliche und berufliche Rehabilitation.

„Bei der Kur muss ich noch einmal Rücksprache halten.“

Kuren gibt es bei der Bundeswehr aus zwei Gründen. Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit und präventiv zum Erhalt der Einsatzfähigkeit. Für Irritation scheint weiterhin zu sorgen, dass ich offen angebe, mir keinen Dienst bei der Bundeswehr mehr vorstellen zu können. Das liegt wesentlich an den Erfahrungen, die ich am 27.09.2008 und in den Tagen danach gemacht habe. Zusätzlich dazu dann auch am Schweigen der Verantwortlichen.

Die Ärztin erklärt mir, welchen Maßstab sie bei einem Kurantrag anzulegen hat. Naiv wie ich bin ging ich davon aus, dass ich über die Notwendigkeit mit dem Facharzt des Psychotraumazentrums hinreichend reflektiert habe und dass auch die Einbindung in die weiteren Therapiemaßnahmen (ambulante EMDR ab März 2018) geklärt ist.

Nach jetzigem Stand muss ich davon ausgehen, dass mit Abschluss der Masterarbeit etwa nächstes Jahr um diese Zeit auch die Schutzzeit endet. Mein behandelnder Arzt im Psychotraumazentrum hält es für angemessen nach Abschluss des Masterstudiums eine Belastungserprobung zu machen – also einen Einarbeitungsphase an einem Arbeitsplatz mit Rückfalloption. „Es bringt ja nichts, wenn Sie wenige Wochen nach Ende des Studiums dann wieder mit Problemen hier vorstellig werden müssen.“.

Ruhig höre ich mir die Begründung der Ärztin an, warum Sie bei der Bewilligung der Kur an diesem Tag Hindernisse sieht.
„Wissen Sie, wir dürfen Kuren im letzten Jahr der Dienstzeit nicht einfach so bewilligen. Das ist ja schließlich eine Investition ins Personal, die sich ja auch für die Bundeswehr rechnen muss.“ Da müsse ich Verständnis haben, meint die Ärztin. Ich entgegne, dass es aus gutem Grund kein festgelegtes Dienstzeitende gibt, da ich aufgrund einer Einsatzschädigung versorgt werde.

Die Ärztin will dazu nun nochmal Rücksprache mit dem Facharzt halten. Zielsicher pickt sie aus den zwei Optionen, die ich als Kurkliniken ausgewählt habe (Malente in Schleswig Holstein und Möhnesee) die Klinik aus, in die häufig Soldaten geschickt werden. Ich entgegne nochmal, dass es mir sowohl bei der Kurklinik, als auch bei der psychotherapeutischen Begleitung ab März darum geht, ein möglichst ziviles Umfeld zu haben. Eine Ansicht, die auch der Therapeut im Psychotraumazentrum mitträgt.

Interessenkonflikt

Vorschriften, Richtlinien, Weisungen – ich habe Verständnis dafür, dass die Oberstabsärztin ihren Dienst nach den Vorgaben verrichtet, die ihr so gemacht werden. Vorgaben, die allerdings darauf abzielen die Behandlungskosten zu drücken, sollten indes dringend hinterfragt werden.

Ich schildere ihr, dass ich nach meinem zweiten Einsatz in Afghanistan um eine Präventivkur gebeten habe. Anlass war auch der mit 36 von 40 Punkten recht hohe Wert, den eine Befragung zu psychischem Stress nach der Rückkehr aus dem Einsatz ergeben hat. Die Ärztin in Koblenz lehnte eine Präventivkur 2008 mit der Begründung ab, dass zu viele Soldaten aus unserem Bataillon eine solche Kur in Anspruch genommen hätten und deswegen keine Präventivkuren mehr bewilligt würden.

Abstrus bleibt auch, dass ich trotz anerkannter Einsatzschädigung nun angeblich nach den gleichen Kriterien behandelt werden soll, wie aktive Zeitsoldaten. Und selbst für diese wäre eine solche Regelung abstrus: wenn fachärztlich ein Kurbedarf befürwortet wird, dann sollte es egal sein, ob das zwei Jahre oder zwei Monate vor Ende der Dienstzeit ansteht.

Papier ist geduldig

Die Oberstabsärztin bat nach Durchsicht der Gesundheitsakte darum, ich möge über 2014 erfolgte Therapiemaßnahmen noch Abschlussberichte nachreichen. Es würde ihr bei der Beurteilung generell helfen.

2014 habe ich in einer sehr schwierigen Phase ein Coaching in Anspruch genommen. Damals endete das Dienstverhältnis. Ich hatte keinen Zugang zu einer bezahlbaren Krankenversicherung. Die Einsatzschädigung war noch nicht anerkannt, ich war noch ohne Berufs- / Studienabschluss und hing völlig in der Luft. In dieser Zeit habe ich dann begonnen mit Hilfe einer Heilpraktikerin die Trauma Release Exercise zu erlernen. Eine Methode zur Stressbewältigung, die die Bundeswehr mittlerweile selbst anbietet und u.a. vom Standortpfarrer in Berlin Mitte durchführen lässt.

In den vergangenen zwei Jahren gab es weder im Psychotraumazentrum, noch im SanBereich Wedding die Forderung nach einem Abschlussbericht. Auch nicht nach Übernahme in die Schutzzeit, als die Bundeswehr die Kosten aus den Maßnahmen nachträglich erstattete. Mit dem Abstand von mehr als zwei Jahren nun Abschlussberichte einzufordern zeugt aus meiner Sicht davon, dass es kein Konzept gibt, wie mit Einsatzgeschädigten wirklich zu verfahren ist.

Konzeptlosigkeit

Aus meiner Sicht wäre es ratsam, die Federführung bei der Dokumentation des Behandlungsverlaufes in die Hände einer neutralen Instanz, wie z.B. dem Sozialdienst zu legen, der Rücksprache mit der Facharztebene hält und fachärtzlich befürwortete Maßnahmen dann durch den Truppenarzt umsetzen lässt. Umsetzen, aber nicht entscheiden.

Es ist perfide, dass der Schädiger den Behandlungsumfang so beinflussen kann oder immer wieder impliziert, die Behandlung der Einsatzschädigung müsse das Ziel haben, dass am Ende wieder ein funktionsfähiger Soldat dabei herauskommt. Die Pflicht zur Fürsorge besteht über das Ende der Dienstzeit hinaus.

Gesprächsatmosphäre

Das erste Gespräch mit der Ärztin dauerte rund eine Stunde. Ich weiß nicht, was sie auf Basis der vorangegangenen Kommunikation rund um den Arztwechsel für eine Person erwartet hat. Ich habe ihr deutlich gesagt, wie sich das Erlebnis mit dem letzten Arzt ausgewirkt hat und warum ich letztlich den Wehrbeauftragten und das Büro des Beauftragten für Einsatzschädigung involviert habe.

Statt der geforderten Abschlussberichte der Behandlungen aus 2014, werde ich den Verlaufsbericht aus der Onlineschreibtherapie in meine Akte geben. Das ist zielführender.

Die Ärtzin fragte dann auch, was ich nach Abschluss des Studiums machen würde. Ich schilderte, dass ich irgendwie im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder dem Journalismus Fuß fassen muss. Schließlich kann ich nichts anderes. Darauf meinte die Oberstabsärztin: „Das ist aber schon sehr stressig. Kommen sie damit klar? Wäre es nicht besser ein Buch zu schreiben?“

Klärungsbedarf

In den letzten zweieinhalb Jahren hat sich einiges getan. Nicht nur der Bachelorabschluss, sondern auch das fortgeschrittene Masterstudium kann ich auf der Haben-Seite verbuchen. Die journalistische Arbeit am NSA-Untersuchungsausschuss zählt ebenso dazu, wie die Praktika im Rahmen des Studiums. Doch gab es leider auch immer wieder Rückschläge, die mir Grenzen aufgezeigt haben. In den nächsten Monaten muss sich aus meiner Sicht vor allem klären, in wie weit die Schädigung mich dauerhaft einschränken wird und was ich tun kann, um die Folgen halbwegs abzufedern.

Zu klären wäre auch, ob meine Berufsunfähigkeitsversicherung greift und eine eventuelle dauerhafte Einschränkung zumindest ansatzweise kompensieren kann.

Auszug aus dem Verlaufsbericht der Onlineschreibtherapie

Herr Daniel Lücking, geb. am xx.xx.xxxx wohnhaft in Berlin, nahm vom 06.12.2016 bis zum 17.05.2017 an einer Onlineintervention zur Reduktion der posttraumatischen Belastungssymptomatik teil (https://therapie.ptzbw.org/content/).

1. Rahmenbedingungen

Die Intervention wurde durchgeführt im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeitsprüfung der Intervention für die Zielgruppe der Bundeswehrsoldaten. Die Studie wird durchgeführt am Bundeswehrkrankenhaus Berlin unter Aufsicht von OFA XXX und in Kooperation mit der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Prof. Dr. Christine Knaevelsrud.

1.1 Ablauf und Studiendiagnostik

Die Teilnehmer werden nach Anmeldung zunächst in einem telefonischen Kurzscreening zur Symptomatik befragt und geben ihre Symptombelastung auf einer Checkliste für Posttraumatische Symptome (PCL) an. Sie erklären sich einverstanden mit der zufälligen Zuteilung zu einem der beiden Interventionsstränge (Onlineintervention beginnt sofort oder nach einer
Wartezeit von 6 Wochen).

Vor Beginn der Onlineintervention erfolgt eine (bzw. für die Teilnehmer der Wartegruppe
zwei) zweitägige Aufnahmeuntersuchung(en) am Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Diese Untersuchung wird von Kolleginnen und Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Prof. Knaevelsrud durchgeführt. Sie sind Master-PsychologInnen und speziell für die Durchführung wissenschaftlicher Studieninterviews und –untersuchungen ausgebildet. Es erfolgt auch eine ärztliche Abklärung des Vorhandenseins posttraumatischer Belastungssymptome und möglicher Suizidalität.

Eine weitere Untersuchung wird unmittelbar nach Abschluss der Onlineintervention durchgeführt. Ein letzter Termin einer Live-Untersuchung erfolgt drei Monate nach Abschluss der Onlineintervention.

1.2 Online-Schreib-Intervention

Die Onlineintervention basiert auf geprüften und bereits in anderen internationalen Studien als wirksam evaluierten Grundsätzen onlinetherapeutischer und verhaltenstherapeutischer Interventionen.
In der Onlineintervention sind über ca. sechs Wochen hinweg 10 Schreibaufträge zu absolvieren. Der Teilnehmer erhält nach erledigten Schreibaufträgen jeweils eine schriftliche Rückmeldung durch seine Bezugstherapeutin und eine Anleitung zur Fortsetzung des Schreibens. Die Onlineintervention besteht aus festen Bausteinen, die für alle Teilnehmer identisch sind: Zunächst erfolgt eine biographische Einordnung der traumatischen Erlebnisse, dann folgt eine Expositionsphase, in der sich der Teilnehmer mit den Erinnerungen, Intrusionen und anderen Symptomen auseinandersetzt. In der Abschlussphase werden Möglichkeiten der Neubewertung und des Aufbaus anderer Perspektiven auf die Geschehnisse erarbeitet.

2. Diagnostik und Verlauf

2.1 Status bei Aufnahme

Herr Lücking erfüllte zum Zeitpunkt der Aufnahme 4 von 7 Kriterien der
Clinician-Administered PTSD-Scale for DSM-V (CAPS):
– [Trauma Kriterium]
– [Wiedererleben]
– [Zeitkriterium]
– [Klinisch bedeutsames Leiden]

2.2 Status bei der Nachuntersuchung

Herr Lücking hat die auf sechs Wochen angelegte Onlineintervention vollständig absolviert. In der Nachuntersuchung drei Monate nach Ende der Schreibintervention erfüllte Herr Lücking 6 von 7 Kriterien der Clinician-Administered PTSD-Scale for DSM-V (CAPS), d.h. 2 Kriterien mehr als zum Aufnahmezeitpunkt:
– [Trauma Kriterium]
– [Wiedererleben]
– [Vermeidung]
– [Symptome erhöhten Arousals]
– [Zeitkriterium]
– [Klinisch bedeutsames Leiden]
Es ist zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung von einer gegenüber dem Beginn verschlechterten Symptomatik auszugehen.

3. Weiterbehandlung / Primärbehandlung

Herr Lücking ist nach Abschluss der Onlineintervention primärärztlich bei seinem Truppenarzt weiterhin angebunden. Um ein Fortbestehen/eine Verschlechterung der Symptomatik zu verhindern
werden geeignete Anschlussbehandlungen intern geklärt.

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Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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Solidarität? Fehlanzeige – Ein Rant!

Mitunter weiß ich nicht, warum ich es mit antue in Soldatengruppen bei Facebook zu sein. In einer Diskussion unter einer Vortragsankündigung zum Thema posttraumatische Belastungserkrankung fand sich wieder ein „Held“ – geschätzt im Alter von 60 plus, der irgendwann einmal Starfighterpilot der Bundeswehr gewesen ist und gab folgendes zum Thema PTBS zum Besten:

Zitat 1: Kenne das, habe schon einmal einen Bericht darüber gesehen und Betroffene gehört. Trotzdem fehlt mir dafür jedes Verständnis. 12 Jahre Afghanistan mit etwas über 50 Toten, dabei 34 bei Kampfhandlungen. Ich verstehe die „Kriegszitterer“ des 1. Weltkiegs, die nach monatelangen Stellungskämpfen fertig waren. So einer hätte bestimmt „Urlaub“ in Afghanistan beantragt und sich dabei pudelwohl gefühlt….

Zitat 2: Was glauben Sie, wieviele „ärztlich festgestellte“ (psychische) Erkrankungen es heute gibt, die man früher als Lappalie bezeichnet hätte? Heute macnt man doch aus allem und jedem eine „Erkrankung“ … Ich wundere mich nur darüber, dass es so etwas bei einem „Krieg“ mit ca. 2.8 im Gefecht Gefallenen pro Jahr überhaupt geben kann. Wie soll das bei einem „richtigen“ Krieg aussehen?

Zitat 3:Ich habe in dem von mir erwähnten Bericht eben nur Soldaten gesehen, die vom Einsatz in Afghanistan „traumatisiert“ waren. Dafür fehlt mir jedes Verständnis, bei dieser minimalen Gefahrenlage. Bei Kriegszitterern des 1. Weltkriegs verstehe ich so etwas, nach 3 Tagen Trommelfeuer und dann Sturmangriff. Vielleicht habe ich noch eine andere Mentalität als diese weichgespülte Generation heute. Vielleicht sollte man psychologische Methoden einführen, um PTBS-Gefährdete von vornherein vom Dienst in der Bundeswehr auszuschließen….

Zitatgeber, wie dieser Ex-Starfighter-Pilot sind nicht selten. Das liegt zum einen an den gängigen Erklärungsmodellen in den Medien, die bevorzugt Beiträge nach der Formel „Soldat + Gefechts-/Anschlagsszenario = PTBS“ bauen. Ein weiterer Effekt ist, dass viele Betroffene, die durchaus traumatisiert und hilfebedürftig sind, sich in diesem Szenario nicht wiederfinden und in der Folge keine Hilfe suchen.

Die einseitige Darstellung ist darüber hinaus für all diejenigen ein Hohn, die unter einer PTBS leiden, aber keine Soldat_innen sind.

Zum Risiko an PTBS zu erkanken, schreibt das Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ :

Über die Hälfte aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss an ein traumatisches Erlebnis an einer PTBS zu erkranken, ist unter anderem abhängig von der Art des Traumas. Grundsätzlich ist das Risiko bei durch Menschen hervorgerufenen Traumatisierungen besonders hoch: Nach Vergewaltigung, anderen Gewaltverbrechen und Kriegstraumata erkranken bis zu einem Drittel der Betroffenen an einer PTBS. Naturkatastrophen, Brände, Chemie- oder Verkehrsunfälle und akute körperliche Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Krebserkrankung) können ebenfalls eine Posttraumatische Belastungsstörung auslösen, das relative Risiko liegt in solchen Fällen jedoch deutlich niedriger. Über alle Trauma-Arten gemittelt, erkranken etwa 10% aller von einem Trauma Betroffenen an einer PTBS. Die Lebenszeitprävalenz, d.h. die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, liegt weltweit bei etwa 8%.


Nur ein blöder Kommentar?

Leider ist die Art des Aufrechnens, die der Ex-Starfighter-Pilot betreibt nicht nur unter den scheinbar allwissenden Facebookkommentatoren verbreitet. Mir begegneten auch ein Arzt sowie zahlreiche Ex-Soldaten, die nach dem Muster „Das ist doch gar nichts – mir ist xy passiert – ich bin nicht traumatisiert.“

Über die Motive für solche Äußerungen lässt sich keine valide Aussage treffen. Persönlich gehe ich aber mittlerweile davon aus, dass diese Art der Ignoranz ein unbewusster Schutzmechanismus dieser Menschen ist, um sich nicht näher damit zu befassen, dass es trotz allem Leistungswillen Ereignisse im Leben gibt, die auch sie nicht kontrollieren können. Kürzlich schilderte ein Soldat, der derzeit in der Schutzzeit im Tagesdienst bei der Bundeswehr ist, dass es keinerlei sinnvolle Einbindung in den Dienst gäbe, er seine Zeit dort quasi absitzen würde und das „die Gesunden“ mit Kommentaren, wie „Was machen denn die Psychos hier?“ auf ihn und andere Betroffenen reagieren würden.

Weder Facebookgruppen voll heroischer Kämpfer, noch ein Umfeld, das von „Psychos“ redet, sind für Betroffene förderlich, wenn es darum geht, mit der Erkrankung zurecht zu kommen. Die Behandlung einer solchen Erkankung ist fordernd und langwierig:

Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer traumafokussierenden Psychotherapie, falls erforderlich mit medikamentöser Unterstützung. Ziel ist es, in einem Gesamtbehandlungsplan

– dem Betroffenen zu helfen, Kontrolle über seine ungewollt auftretenden Erinnerungen zu erlangen,
– Begleitsymptome wie Angst und Depressivität, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme usw. abzubauen,
– den Betroffenen dabei zu unterstützen, das Trauma als Teil der Lebensgeschichte zu integrieren und neuen Sinn im
Leben zu finden, und
– sein psychosoziales Funktionsniveau zu verbessern und insbesondere die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz – PTBS – Therapie


Früher gab es das nicht!

(in diesem Abschnitt des Artikels wird es nun ironisch bis zynisch)

Ja, ja, heutzutage wird alles mögliche behandelt, was früher nicht behandelt wurde. Gegen kaputte Knie und Hüften gibt es aufwendige, teure Operationen nach denen die Menschen wieder am Leben teilhaben können. Oma und Opa saßen damals halt irgendwann mit den kaputten Knochen nur noch zu Hause. Früher, da starben die Menschen auf einfach. Heute gibt es so neumodischen Kram, wie Chemotherapie, die Menschen in den 40ern oder noch früher es ermöglicht ein Leben bis ins hohe Alter zu führen.
Und diese PTBS, die hatte früher auch keiner. Gut, die Kriegsrückkehrer, die nicht mehr klar kamen waren halt Alkoholiker, Schreier oder Murmler, die man einfach gemieden hat oder in Heimen weggeschlossen, wo anschließend nur noch Personal die Tür zur geschlossenen Station bewacht hat.Gut, wer Pech hatte, hatte so einen Menschen direkt bei sich zu Haus. Vielleicht als sadistischen Vater, der seine Kinder quälte und damit auch gleich die Folgegeneration traumatisierte. Aber hey: Hauptsache, dem Ex-Starfighterpiloten gehts gut und er darf sich in seinem heroischen Selbstbild sonnen. Dem hat man dann halt ein Bier und einen Schnaps hingestellt und ihn brabbeln lassen, wenn seine Weltsicht mal wieder zu krude wurde. Aber heute gibt es leider Facebook.

Hintergrund:

In die Gruppe aus der die Unterhaltungsanteile stammen geriet ich nach dem letzten TV-Auftritt. Neben (Ex-)Soldaten sind auch Medienschaffende in der Gruppe vertreten, die sich im weitesten Sinne für das Thema Bundeswehr interessieren.

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… und es geht eben auch anders

Nach der letzten negativen Erfahrung (siehe „Staatsbürger“- & „Einbestellt“-Text wurden die Tage und Wochen wieder ziemlich unerträglich. Ich schaffte es zwar überwiegend, die Außentermine aufrecht zu erhalten und fiel auch nicht aus dem gerade erst gestarteten Schlagzeugunterricht. Rettend war auch ein ohnehin geplantes Wochenende in Frankreich, was für Abstand sorgte.

Doch es ändert nichts an der zersetzenden Wirkung, die dieser einzelne Termin am 15.11. entfaltet. Es gab Tage, an denen nichts mehr ging. Erschöpfung – Angst – Hoffnungslosigkeit – getriggert durch die impliziten Drohungen des Arztes am 15.11.2016. „Ich will ihnen nur zeigen, wie sich das entwickeln kann“ – das ist kein Disclaimer für Aussagen, wie „Onlinetherapie ? Das ist doch nur ein Mittel, sich der Kontrolle durch den Dienstherrn zu entziehen.“ oder „Wenn Sie eben als Eremit leben wollen – bitte – aber dafür muss die Bundeswehr ja nicht zahlen.“ Das ich die Behandlung mit Antidepressiva ablehne und mich lediglich über Verhaltenstherapie an einen besseren Umgang mit den Depressionen heranarbeite, ist eine mögliche Entscheidung und vor allem: meine Entscheidung.

Anders, als noch vor drei Jahren war ich nach der Provokation am 15.11. immerhin in der Lage soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, statt mich komplett zurückzuziehen. Kompletter Rückzug – das war in der Vergangenheit das sprichwörtliche Anstarren der Wand, das mit Mangelernährung und Rückzug aus nahezu allen sozialen Aktivitäten einherging. Nein – das suche ich mir nicht aus. Nein – das passiert nicht freiwillig. Das ist schlicht die Reaktion auf Verhalten, wie „Bossing“, „Mobbing“ oder unqualifiziert geäußerte und gegen mich durchgesetzte Kritik. Ich habe all das schon einmal ertragen müssen. Es führte damals in lebensgefährliche Situationen und sorgt bis heute dafür, dass ich psychisch und physisch mit der gleichen Anspannung reagiere – selbst dann, wenn es gar nicht mehr zu einer Lebensgefahr führt.

Für die simplen Verwaltungsgemüter, die anzweifeln, was ich hier beschreibe, empfehle ich einen perfiden Selbsttest nach Pawlow-Muster:

1. Sie – der Zweifler – beauftragen bitte nun den Kollegen vom Schreibtisch gegenüber, zunächst ein Weihnachtsglöckchen zu läuten und ihnen dann mit einem Hammer auf eine Fingerkuppe zu schlagen. So fest, wie es nur geht. Ja, das tut weh. Aber das ist ja nur einmal. Halten Sie sicher aus.

2. Wiederholen Sie die unter 1 beschrieben Prozedur mit den verbliebenen neun Fingern. „Glöckchen – Hammer – Finger“

3. Sollten Sie wirklich nach 10 Fingern immernoch auf dem Stand sein, dass sie nicht schon beim Erklingen des Glöckchens schreiend und in Panik das Büro verlassen: sie haben ja auch noch 10 Zehen am Fuß.

4. Beobachten Sie in den kommenden Jahren selbst, wie sie auf ein erklingendes Glöckchen reagieren.

Das ich auf dem Therapieweg längst nicht am Ende bin, habe ich im Laufe des Jahres längst selbst bemerkt. Oft waren es stressige Phasen im Studium, in denen ich zunächst versuchte, alle Leistungen zu 100% zu erfüllen. Im Ergebnis stand eine Art Erschöpfungsdepression. In zwei Praktikas konnte ich mich in Chefsituationen beobachten, erfahren, was es mit mir macht und auch hier wieder Gegenmaßnahmen treffen. Leider ist es weiterhin nicht so, dass nach solchen Erfahrungen einfach ein erholsames Wochenende reicht, um am nächsten Montag wieder unbefangen am Arbeitsplatz zu erscheinen. Konzentration und Kreativität – beides immanent wichtig für meinen Beruf – verlieren und die Kraft geht in Wachsamkeit, Vermeidung und Anspannung.

Wie es besser geht

Am Dienstag ging es darum, mich auf die Teilnahme an der Online-Schreib-Therapie vorzubereiten. Diese Studie führt das Psychotrauma-Zentrum der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Psychologen der FU-Berlin durch. In einem Eingangstelefonat und einer Vorerhebung wird zunächst geprüft, welche Bereiche für den Patienten derzeit relevant sind und welche problematischen Ereignisse gesehen werden.

Es kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, mit denen die Auswirkungen von Stress erfasst werden. Neben einer Eyetracking-Sitzung, in der die Reaktion auf mögliche Traumaauslöser beobachtet wird, wird mittels Haar- und Speichelproben die Entwicklung des Kortisolwertes beobachet. „Kortisol-Analysen im Haar geben einen Hinweis auf chronischen Stress.“, heißt es im Infoblatt, das den Patienten ausgehändigt wird. Die Haarprobe wird zum Anfang der Studie genommen, Speichelproben am Anfang, während und nach der Studie. Hinzu kommt die Herzratenmessung während der Schreibaufgaben. So viel zum Argument des Arztes vom 15.11.2016, der urteilte, dass eine Online-Schreibtherapie ja auch nur ein Weg sei, sich der Kontrolle des Dienstherrn zu entziehen.

Mir steht es – wie allen anderen Teilnehmern der Studie, egal ob aktiver Soldat oder bereits zivilorientierter Verwaltungsfall – frei, ob das Ergebnis der Onlineschreibtherapie in Form eines Abschlussberichtes Teil der Krankenakte wird.

Ich kann nicht sagen, ob es schlichtweg daran lag, dass ich von einem zivilen Psychologen durch den gestrigen Tag begleitet wurde, aber die Atmosphäre empfand ich als konstruktiv und zielorientiert – kein zu den Anschuldigungen am 15.11.2016 oder dem in „Befund – lesen bei Strafe verboten“ beschriebenen Termin im Oktober 2015.

In den kommenden Tagen muss ich insgesamt 12 Speichelproben zu festgesetzten Zeiten sammeln. Ab Samstag steht mir dann das Login auf dem Therapie-Server zur Verfügung. Insgesamt sollen zwei Texte pro Woche entstehen, die – so die Zusicherung des Psychologen – nur kurze Zeit auf den abgesicherten Servern verbleiben und zeitnah nach der Antwort des Therapeuten wieder gelöscht werden. Die Antwort auf die Texte soll mich innerhalb von etwa einem Werktag erreichen.

Nach den ersten Schreibaufgaben werde ich entscheiden, wie viel ich anteilig davon öffentlich mache oder ob ich nur „über“ den Verlauf der Therapie schreiben werde.

Notwendigkeit

Mir war klar, dass es noch belastende Anteile gibt, die mein Leben beeinflussen. In Praktika und im Studium setze ich mich gezielt diesen Situationen aus und komme zunehmend besser damit zurecht. Zumindest, wenn es darum geht, auf Stress zu reagieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Rückschläge, wie der Termin am 15.11.2016 irritieren und werfen mich zurück. Statt mich mit der Semesterplanung des Wintersemesters, sowie den Aufgaben in den Kursen zu befassen, lag ein Großteil der Aufmerksamkeit darauf, was der 15.11.2016 ausgelöst hat und wie ich verhindere, dass die Folgen mein soziales Umfeld belasten und teilweise auch wieder zerstören. Doch anders, als 2013 gibt es nun Menschen, die mich auf dem Weg unterstützen. Dafür bin ich dankbar.

Schwupps… Chefsache

Es waren mehr als nur gemischte Gefühle beim Weg heute in die Julius Leber Kaserne. Was würde mich erwarten?

„Schutzzeit“ – nicht nur neu für mich, sondern auch für (überwiegend) alle Beteiligten, denen ich heute auf den verschiedenen Stationen begegnet bin. Neben den Regularien der Einstellung und den übliche schriftlichen Belehrungen über korrektes Verhalten war vor allem der Arzttermin und die Station beim Berufsförderungsdienst fordernd.

Zum direkten Ansprechpartner erklärte sich der Chef des Stabes, der sich eine gute Dreiviertelstunde einen Eindruck von mir und meiner Zielsetzung zur Nutzung der Schutzzeit machen konnte.
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(unredacted) Entwarnung? Schutzzeit erreicht?

Heute erfolgte der Anruf vom zuständigen Bearbeiter, der nun die weiteren Verwaltungsschritte einleitet, um mich in die sogenannte Schutzzeit einzustellen. Mir liegt weiterhin nichts Schriftliches vor, aber er kündigte an, die entsprechenden Unterlagen auch vorab per eMail zu übersenden. Angeblicher Einstellungstermin in die Schutzzeit: 16.03.2015

Schutzzeit – was ist das ?

In erster Linie ist es die Zeit, die für die Regeneration, Therapie und berufliche Qualifikation nötig ist. Mir wurde zugesichert, nur dann in „Dienst“ genommen zu werden, wenn ich dass entweder explizit wünsche oder wenn ich gerade nicht in einer beruflichen Qualifikationsmaßname stecke.

Da ich mir kaum eine Konstellation innerhalb der militärischen Strukturen vorstellen kann, die sich förderlich auf meine Gesundheit auswirkt, werde ich die Zeit effektiv nutzen oder gegebenen Falles um eine Krankschreibung bitten.

Stressbilanz

Im Rahmen der Therapiestunden kamen wir heute auf die Belastungen der letzten zwei Jahre zu sprechen:

April 2013
– Diagnose einsatzbedingte Erkrankung
– Beginn der Auseinandersetzung mit den Krankheitssymptomen
– Antragstellung Wehrdienstbeschädigungsverfahren
– Aufarbeitung 27.09.2008 mit Linksfraktion Bundestag

Juni 2013
– Existenzdruck – HARTZ4-Absturz drohte nach Fehlberatung durch Sozialdienst
– Versuch 1 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)
– Versuch 2 eine stationäre Therapie anzutreten (abgebrochen wegen Falschinfos Bundeswehrarzt)

Juli 2013
– Antritt Stationäre Therapie – Lernprogramm: „Depressionen, dein Leben und Du“
(Entlastung ab August 2013 durch Verlängerung der Förderzeit aufgrund von Erkrankung)

Dezember 2013

– Drohkulisse „Adlongespräch Dezember 2013“
– Themenverbot „Afghanistan“ durch damalige Redaktion,
– spürbare Reduzierung von Aufgaben in der Redaktion

Februar 2014
– Aussprache und Jobverlust Redaktionsjob wegen angeblicher „Befangenheit“

April / Mai 2014
– Jobsuche (Job 1) und Einarbeitung Piratenfraktion
– Therapieabbruch Gesprächstherapie
– Existenzdruck – Krankenversicherung & offenes Wehrdienstbeschädigungsvefahren

Juni 2014
– Scheidung
– Jobsuche (Job2) und Einarbeitung
– Auskunft über Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens gegenüber meinem Anwalt wird verweigert („Es wird auch nicht schneller, wenn sie hier anrufen)

September 2014

– Druck vom Unterhaltssicherungsamt (Bewerbungszwang, Abbruch des Studiums drohte)

Dezember 2014

– Jobverlust Job 1 „Piratenfraktion“ mangels Leistungsfähigkeit
– Scheitern des Versuches, an fehlender Kursleistung Studium zu arbeiten

All das wurde dadurch begleitet, dass ich mittels eines Studienkredites der Kreditanstalt für Wiederaufbau dafür sorge getragen habe, weiterhin Unterhalt für die Kinder zahlen zu können oder zumindest im Notfall die Miete für meine Wohnung aufbringen zu können. Dabei steigt der Schuldenstand und ich habe letztlich die Privatinsolvenz riskiert.

In den vorangegangenen drei Jahren nahmen die Depressionen zu, die Ehe scheiterte und der Druck aus „Abschluss schaffen müssen“ und Reaktionen auf Vorfälle in Afghanistan wurde immer größer. Es wurde ab Anfang 2010 immer schwieriger – auslösendes Moment war die steigende Zahl an Vorfällen in Afghanistan, bei denen deutsche Soldaten getötet wurden.

„Nur“ 2 Jahre für ein WDB-Verfahren?

Mir sind keine Statistiken über die Anzahl offener Wehrdienstbeschädigungsverfahren bekannt. Angesichts der Umstrukturierungsmaßnahmen (Bundeswehr übernimmt derzeit die Fälle der Landesversorgungsämter) dürfte es vermutlich auch keinen wirklichen Überblick darüber geben, wie viele Ex-Soldaten momentan um ihre Existenz kämpfen und zwischen Gutachtern und Ämtern zerrieben werden.

Ich landete nur deswegen nicht in HARTZ4, weil ich durch einen anonymen Hinweisgeber im Juli 2013 zunächst von der Möglichkeit der Verlängerung der Förderzeit aufgrund der Erkrankung erfahren habe.

Ohne den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung wäre ich an diese Informationen nicht gekommen. Auch die von mir immer wieder herangezogene Unterstützungs-Instanz des Wehrbeaufragten wirkte sich positiv aus.

Nach der öffentlich gemachten Fehlberatung durch den Sozialdienst (Mai 2013) erhielt ich eine Intensivst-Einführung in alle Optionen, die ich noch aus der Berufsförderungsphase hätte ziehen können. Inklusive eines möglichen Einarbeitungszuschuss wurde alles aufgezeigt, was an Anspruch möglich gewesen wäre.

Im Juli / August 2014 wird erneut der PTBS-Beauftragte auf mich aufmerksam, nachdem nun der/die Fallmanager/in des Bund Deutscher Veteranen auf mich aufmerksam geworden ist. Kontakte zum BDV exisitierten zwar seit 2013 – aber wirklich „warm“ wurde ich mit dem Verein nicht.

Die Öffentlichkeit, die ich mit meinem Blog versuchte herzustellen wurde nicht wirklich unterstützt. Mir hätte es gereicht, wenn Beiträge meines Blogs z.B. via Facebook weiterverbreitet worden wären. Gerade ein Beitrag schaffte es in den Blog des BDV.

Auch seitens des Anwalts war wenig Elan erkennbar. Nachdem ich über ein Jahr nach der Antragsstellung im Juni 2014 wohl zur Karteileiche wurde, konnte auf Nachfrage des Anwaltes nicht einmal ein Bearbeitungsstand oder Forderungen zur Mitwirkung an mich in Erfahrung gebracht werden. Die Akte sei unterwegs – nachfragen würde das auch nicht beschleunigen. Erste Spuren der Akte gab es dann Ende Juli 2014. Abhilfe schuf der Wehrbeauftragte.

Im Rahmen des Existenzdrucks wollte ich von dieser Instanz auch wissen, was von der Kritik zu halten ist, die ich am System Bundeswehr seit Jahren übte. Das „dumpfe Gefühl“ das ich an einigen Stellen ausgebremst werde hatte sich seit dem Themenverbot und Jobverlust deutlich verstärkt.

Rückmeldung zu dieser Anfrage: bis heute keine.

Mehr Druck erzeugte dann der PTBS-Beauftragte ab September 2014, erreichte eine zeitnahe Begutachtung und einen zügigen Abschuss des Verfahrens binnen dann doch 22 Monaten bis zur Anerkennung der Einsatzschädigung und 23,5 Monate nach Diagnose die Einstellung in die Schutzzeit.

Öffentlicher Druck als Mittel zu schnellen Anerkennung der WDB ?

Es waren 11 Tage, die ich nach der Diagnose am 3. April 2013 überlegte, bevor ich mich entschloss, die Aufarbeitung öffentlich durch das Blog zu begleiten. Aus den Schilderungen von Andreas Timmermann Levanas und Robert Sedlatzek-Müller wusste ich, was im Laufe der kommenden Jahre auf mich zu kommen würde.

Jeder Soldat der schweigt läuft Gefahr am ausgestreckten Arm der Verwaltung abzurutschen. Insbesondere, wenn der Einsatzunfall erst im Laufe des WDB-Verfahrens festgestellt werden. An der Feststellung der „Kausalität“ hat die Bundeswehr wenig Interesse. Ich sah nach meiner Entlassung aus der stationären Therapie um den 10. August 2013 erst wieder am 10. November 2014 einen Bundeswehrarzt, der an einem Gutachten arbeitete.

Was zwischen diesen Terminen mit meiner Akte lief werde ich wohl nicht erfahren. Vermutlich wäre auch heute noch keine weitere Bearbeitung erfolgt, wenn ich nicht ab Juli 2014 eskaliert hätte.

Hilfreicher, als die Gesprächstherapie, die zwischen Juni 2013 und Mai 2014 gelaufen ist, war die Zusammenarbeit mit Medienmachern hier in Berlin (zB. Kieke Ma-Film oder Hyperbole-TV mit „Frag ein Klischee – Frag einen Soldaten“). Ich wurde mir in den Interviews über vieles bewusst, was vorher stets unausgesprochen blieb.

Das ich zu alldem in der Lage war interpretieren manche Kritiker als „der hat doch gar nichts“. Andere Menschen zeigen sich beeindruckt, sagen deutlich, dass sie das nicht könnten oder schlichtweg für sich nicht wollen.

Auch mir fiel es über Jahre schwer, die Probleme überhaupt zu erkennen, sie mir einzugestehen. Der Druck das Studium abschließen zu müssen verschob den Zeitpunkt des „Hilfe suchens“ von Juli 2012 (Gespräch mit Studiengangsleitung) auf März 2013, als ich mit Angriff auf die Seele Kontakt aufgenommen habe.

Die öffentliche Aufarbeitung muss jedem Betroffenen selbst überlassen sein. Das es in meinem Fall positiv ausging verdanke ich rund 10 Jahren Erfahrung in der Medienarbeit, Grundkenntnissen im Bereich der Psychologie und einem Überblick über das Medium Online, dass ich für diese Aufarbeitung nutzte.

Facebook und Twitter waren aber nicht nur hilfreich. Bedrohungen und das ständige „In-Frage-Stellen“ spielten dabei eine gefährliche Rolle. Wer sich der Mechanismen dieser Medien nicht bewusst ist, geht unter. Auch meine Durchhaltefähigkeit war zuletzt nicht mehr gegeben. Zwischen Ende Dezember 2014 und Anfang Februar 2015 schaltete ich meinen Facebook-Account temporär ab. Ein Mittel, das auch in den kommenden Monaten häufiger zur Anwendung kommen wird.

Sich so öffentlich zu Verhalten kann ich nicht jedem empfehlen – für mich war es der Weg den inneren Druck loszuwerden, an dem ich sonst zerbrochen wäre.

Tun, was gut tut

Ein wichtiger Aspekt war auch die Distanzierung von dem Schweigen, das mir über den 27.09.2008 auferlegt worden ist. Mit offenen Briefen und Videos hatte ich es aus eigener Kraft versucht. Dem wurde mit Schweigen begegnet. Das Urteil anderer zu den Inhalten direkt mit zu bekommen half mehr, als die Therapiesitzungen des vorangegangenen Jahres.

Weder die Bundeswehrärzte wollten über den 27.09.2008 en Detail reden, noch hatte die Therapeutin genügend politisches Interesse, um zu erkennen, welche Probleme mir dieser Tag bereitete. Auch den Aspekt des „einem Vorgesetzen und seiner dummen Willkür ausgeliefert seins im folgneden kurz „eVusdWas“ konnte sie nicht wirklich begegnen.

„eVusdWas“ war und ist ein Problem. Ich bin weiterhin kaum in der Lage autoritäre Einflüsse auf mein Leben zuzulassen. Je größer der Eingriff, desto heftiger meine Reaktion. Immerhin funktioniere ich derzeit im Job und komme Stück-für-Stück auch mit Vorgesetzenreaktionen zu recht. In wieweit ich das im Rahmen der Bachelorarbeit aushalten kann, kann ich derzeit nicht sagen.

In begrenztem Rahmen war ich in den letzten Monaten in der Lage in „Job 2“ zu funktionieren und Weisungen zu akzeptieren. Das erforderte viel Überwindung. In „Job 1“ habe ich das nicht bewerkstelligt.

Finanziell überleben

Vereinzelte Hilfszahlungen (Januar 2014 und Q4/2014) wurden durch Stiftungen aus dem Umfeld der Bundeswehr geleistet. Meist zu Zeitpunkten, an denen ich aus eigener Kraft nur noch in der Lage war, den Grundunterhalt für mich aufzubringen.

Die Finanzspritze im Januar 2014 nutzte ich unter anderem, um die Zeit ohne Job und Einkommen daraus bis Mai 2014 zu überbrücken. Gleichzeitig schaffte ich Computer, Videokamera, Software und Audioaufnahmegerät für eine freie journalistische Tätigkeit an. Doch neben Therapie und dem Druck, den das nicht abgeschlossene Studium auf mich ausübt agierte ich nicht wirklich.

Die finanzielle Unterstützung zwischen Oktober 2014 und Ende Januar 2015 nutzte ich zunächst, um die Arbeitszeit im Oktober, November und Dezember zugunsten von Therapie- und Coachingmaßnahmen zu reduzieren. Die Kosten dafür konnte ich ebenfalls nur aufgrund der finanziellen Unterstützung tragen.

Zwischen Ende Mai 2014, als die Maßnahme „Gesprächstherapie“ scheiterte und Ende September 2014 hatte ich wegen der diffusen Krankenversicherungssituation keine neue Therapie begonnen.

Mit der finanziellen Unterstützung während der Schutzzeit bin ich nun in der Lage den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen sowie auch den Studienkredit abzutragen, der ursprünglich mal für 6 bis 8 Monate geplant war, nun aber seit über zwei Jahren läuft.
Ironie: die Bundeswehr lehnte die finanzielle Förderung meines Bachelor-Abschlussprojektes ab und veranlasste mich dazu, das über den Studienkredit lösen zu wollen. Noch vor der ersten Zahlung kamen jedoch die WAZ-Leak zu den Afghanistanpapieren, warfen mich in die Einsatzerlebnisse zurück und hielten mich bis zur Veröffentlichung im Tagesspiegel am 7. Oktober 2014 im Rahmen der „Afghanistan-Connection“ in ihren Bann.

Dieser Kredit war in den letzten sechs Monaten neben Job 2 das finanzielle Rückgrat und im August 2013 zumindest die Gewissheit, dass ich die Wohnung nicht verlieren würde. Ich war nach Abschluss der stationären Therapie kaum in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen.

Struktur schaffen

Zwischen September 2013 und Dezember 2013 nutzte ich einen 100-Tage-Protest, um mich täglich eine Stunde dazu aufzuraffen, das Haus zu verlassen. Neben dem damaligen Redaktionsjob, der mich mit rund 2 Stunden forderte war das die einzige Maßnahme, die für einen geregelten Tagesablauf sorgte. Mehr war nach der stationären Therapie nicht drin.

Im Juni 2014 nahm ich das Thema NSA-Untersuchungsausschuss auf, um journalistisch aktiv zu bleiben und in einen Arbeitsrhythmus für die Bachelorarbeit zu gelangen. Die drei bis vier Sitzungs- und Arbeitstage, sowie der Besuch von Veranstaltungen, die mit dem Thema zu tun haben konnte ich im Oktober und November gut bewältigen.

Neben Job 2, der zur Grundsicherung unerlässlich ist war ich zumindest in diesem Bereich auch intellektuell gefordert und belastbar.

2 Jahre und das Studium immer noch nicht fertig?

In den vergangenen zwei Jahren hatte ich zwei Gespräche mit meinem Professor, wie die letzten Leistungen zu erbringen sind und wie die Bachelorarbeit angegangen werden kann. Doch neben der Therapiemaßnahmen und dem beschriebenen Einflussfaktoren schaffte ich es nicht – wie angeraten – mich einfach sechs bis acht Wochen voll auf die Bachelorarbeit zu konzentrieren.

Die finanzielle Grundversorgung wackelte im Mai / Juni 2013 (krankheitsbedingte Verlängerung Förderzeit erst ab August 2013) , Februar 2014 (Jobverlust Redaktionsjob – Folgejob April 2014), Juni 2014 (Unklare Einkommenslage und Krankenversicherung) und zuletzt heftig im Januar / Februar 2015.

Der Existenzdruck wirft mich aus der Bahn. Leider immer noch. Aber glücklicherweise nicht mehr so heftig, wie zuvor.

Im Juni 2013 war ich zeitweise nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen, lag zitternd und teilnahmslos auf dem Sofa, wenn die Anspannung zu groß wurde. In der Phase der letzten sechs Wochen hielt ich meine Kräfte für den „Job 2“ zurück, der nun der einzige Job ist.

Das Einkommen reicht mit dem Studienkredit für das eigene Überleben. Verzichte ich auf die Zahlung der Krankenversicherung kann ich sogar Unterhalt zahlen. Tragfähig? Nein. Raum für Therapie und Coaching lässt diese Situation ebenso wenig, wie für den geordneten Abschluss des Bachelorstudiums.

Im Januar und Februar 2015 zog ich mich erneut extrem auch von meinem Freundeskreis zurück, um unter dem Druck zu funktionieren. Druck und Funktionieren, dass bedeutete in dieser Zeit die Körperhygiene aufrecht zu erhalten, mit gewaschenen Klamotten rechtzeitig das Haus zu verlassen, um dann zuverlässig zu arbeiten, statt heulend am PC zusammenzubrechen.

Tränendrüse ?

Es geht mir nicht um Mitleid. Mehrfach hörte ich in letzter Zeit, dass Menschen sich schon mit einzelnen Aspekten (z.B. unsicherere Jobsituation) gefordert zeigten. Bis Ende Januar 2015 wackelte nicht nur mein Einkommen, sondern auch der Zugang zur Krankenversicherung. Das ganze ohne Perspektive, weil der Studienabschluss fehlt, eine Therapie mangels Aussicht auf Geld und ohne Anerkennung der Einsatzschädigung nicht mehr zu bezahlen war und zeitgleich Forderungen an mich gestellt wurden, die für einen gesunden Menschen mit Berufsabschluss gedacht sind.

Die vergangenen zwei Jahre, in denen ich mit der Aufarbeitung der Einsätze einen gewaltigen Schritt voran gekommen bin, war die Arbeit an einer tragfähigen Existenz nicht möglich. Auf dem Weg der Behandlung ist zumindest die kognitive Erfassung der belastenden Ereignisse abgeschlossen.

Im Rahmen der laufenden Traumatherapie lerne ich derzeit mit Hilfe von Körperübungen die Auswirkungen des Stresses in den Griff zu bekommen und auch körperlich die Balance zu finden, die ich in Bezug auf die Einsatzzeit erreicht habe.

Wichtig wird auch, wieder Selbstvertrauen in die eigene Arbeit zu erlangen. Den Verlust des Redaktionsjobs im Februar 2014, der bis heute nicht schlüssig erklärt wurde kann ich nur noch als Mobbing deuten.

Inhalte wurden nicht gewünscht, nicht mitgetragen und dann mit „Du bist befangen“ negiert, ohne, dass ich überhaupt auf eine Veröffentlichung bestanden hätte. Präventiv mit Themenverbot belegt zu werden war zu viel.

Ausblick

Im Telefongespräch eröffnete mir der Bearbeiter heute, dass die Einstellung in die Schutzzeit zum 16.03.2015 nicht mit der Teilnahme am militärischen Dienst verbunden ist, solange ich mich in beruflichen Qualifikationsmaßnahmen befinde.

Nach dem Abschluss der Bachelorarbeit werde ich ein Masterstudium aufnehmen. Die Qualifikationshöhe ist nach 12 Jahren Dienstzeit in der Offizierlaufbahn vorgesehen.

Parallel laufen Therapie und Coachingmaßnahmen. Sollte die Bundeswehr die heiltherapeutische Methode nicht unterstützen, die mich seit September 2014 sehr gut voran bringt, ist zumindest mit der verlässlichen Zahlung des Gehalts gesichert, dass ich die Therapie fortsetzen kann.

Diesen Weg werde ich selbstbestimmt gehen – so, wie die letzten zwei Jahre ebenfalls. Auf die Launen des Apparates lasse ich mich nicht ein.

Ziel

In wie weit ich die Stressreaktionen im Bereich von autoritär induziertem oder existenzbedrohendem Stress in den Griff bekomme, kann ich derzeit nicht absehen. Ich entwickele langsam ein Bewusstsein für die Auswirkungen und für hilfreiche Gegenmaßnahmen. Präventiv, wie auch in den Fällen, in denen ich wieder zu lange unter Stress gestanden habe. In den kommenden fünf Jahren gilt es, Reserven aufzufüllen, die sich derzeit anfühlen, als seien sie nicht mehr existent.

Frohe Weihnachten

Mein Sozialversicherungspflichtiger Job endet zum 31.12.2014. Die
Probezeit wird nicht zum festen Arbeitsverhältnis. Oh Wunder – ich war nicht in der Lage 2 Jobs, Therapie, Coaching, Bachelorarbeit und Vater sein unter einen Hut zu bringen

Ergo bin ich nun am 01.01.2015 an dem Stand, der mir schon am 01.09.2014 drohte. Über den Stand des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens habe ich keine Unterlagen – laut den Äußerungen des Arztes in Hamburg sieht er das einsatzbedingt bei der Erkrankung als gesichert an.

Ich habe ab dem 1.1.kein Geld für Therapie & Coaching ab diesem Termin, da ich dann 275 Euro für die private Krankenversicherung aufbringen muss.

Ich erwirtschafte auch mit dem Studienkredit nicht genug Geld, um
Unterhalt zahlen zu können – ergo kann mich das Amt zwingen auch das Studium abzubrechen.

Update: 01.12.2014 22:36 Uhr
… und dann noch von Pharmakonzernen mitgelesen werden, sobald ein Artikel online geht … ^^
Merck

Wieder einmal Danke sagen & die nächsten Wochen ordnen

Heute ging die Unterstützungszahlung auf meinem Konto ein. Das Bundeswehr-Sozialwerk hat eine weitere Zahlung für Dezember 2014 zugesagt. Die Unterstützung wurde notwendig, weil ich derzeit immernoch weitgehend untherapiert auf den Abschluss des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens warte.

Überweisungs-Gutschrift
Bundeswehr-Sozialwerk e.V
Zuschus aus der Aktion Sorg
enkinder in Bundeswehrfamil
ien

Neben der Notwendigkeit, das Studium abzuschließen – wobei mir jeglicher autoritärer Eingriff in meine Arbeit immer noch große Probleme bereitet – arbeite ich in zwei Jobs und schaffe es mit der Unterstützungsleistung auf ein angemessenes Einkommen, dass die Zahlung von Unterhalt zulässt.

Seit Anfang Oktober 2014 wende ich Zeit (& Geld) für ein Coaching auf, das mich durch die Phase der Bachelorarbeit begleiten soll. Gleichzeitig startete ich eine Traumatherapie, mit deren Hilfe die körperlichen Auswirkungen der stressbedingten Erkrankung abgebaut werden sollen.

Da es derzeit kein Verfahren gibt, dass Ex-Soldaten, die in der Verwaltungsmühle hängen, werde ich weitere Anträge stellen müssen.

Verwaltungsmühle Wehrdienstbeschädigung

Länder und Bund rangelten seit Jahren um die Zuständigkeiten in der Veteranenversorgung. Waren nach altem Recht noch die Landesämter zuständig, wechselt derzeit die Verantwortlichkeit auf die Bundesebene. Nötig wurde dieser Schritt, wie mir eine sachkundige Quelle kürzlich schilderte, weil es gravierende Unterschiede in der Anerkennung von Schädigungshöhe zwischen den einzelnen Bundesländern gab.

Noch im September – Monat 17 der Bearbeitung meiner Wehrdienstbeschädigung – äußerte der PTBS-Beauftragte General von Heimendahl im persönlichen Gespräch: „Es hätte nicht passieren dürfen, dass ihre Übergangsgebührnisse auslaufen, bevor das Wehrdienstbeschädigungsverfahren abgeschlossen ist.“

Aktive Soldaten dürfen mit einem laufenden Verfahren nicht entlassen werden – Übergangsgebührnisempfänger mit identischem Verfahrensstand haben diesen Entlassungsschutz nicht und über den Versorgungsstand von Ex-Soldaten, die bereits vollends im Zivilleben angekommen waren, lässt sich nur mutmaßen.

Genesungsstand

Nachdem meine Therapeutin, die ich eigens wegen der Behandlungsmethode EMDR gewählt hatte offenbar voll darauf versteifte, ich sei wegen einer „anankastischen Persönlichkeitsstruktur“ (a.k.a. besserwisserisches Ar…lo..) in Behandlung brach ich die Gesprächstherapie im Mai ab.

Interessant – in dem Onlineverzeichnis, in dem ich auf sie aufmerksam wurde führt sie diese Qualifikation, auf ihrer eigenen Homepage jedoch nicht. Ebenso existiert auch kein Eintrag im EMDRIA. Vorsicht also mit Online-Verzeichnissen – ich habe es leider zu spät bemerkt.

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In den letzten 14 Monaten nach Ende der stationären Therapie im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin hatte ich hauptsächlich damit zu tun, die Auswirkungen der Depression im Alltag zu begreifen und in den Griff zu bekommen. Der Therapieabbruch im Mai, sowie die Probleme eine bezahlbare Krankenversicherung zu bekommen, die mich von Juli bis September unter großen Druck setzten, haben mich viel Kraft gekostet.

Erholung

Es dauerte bis zum 6. Oktober, bis erste Entlastungseffekt spürbar wurden und die Zusagen aus dem Büro des PTBS-Beauftragten sich bewahrheiteten. Ob es der sinkende Stresslevel, die fortschreitende Traumatherapie (TRE – Trauma Release Exercise) oder schlichtweg ein Virus waren – rund 14 Tage verbrachte ich im Oktober mit einer deutlich spürbaren Erkältung. So schwach habe ich mich körperlich seit mehr als 3 Jahren nicht mehr gefühlt. 14 bis 16 Stunden Schlaf pro Tag waren möglich.

Überraschend konnte der Studienkredit der KfW-Bank reaktiviert werden und wurde rückwirkend für ein Semester ausgezahlt. Ich entschied mich darauf hin, das Geschenk als solches auch für mich zu nutzen und flog für eine Woche in den Urlaub nach Schottland. Meine erste längerer Reise nach der Rom-Reise, die ich mit dem Rucksack im April 2011 machte.

Notwendig. Auch hier bemerke ich, dass ich deutlich länger und besser schlafe – eine Auswirkung, die seit Beginn der Traumatherapie sehr deutlich spürbar ist

Edinburgh

Kommende Stressoren

In der nächsten Woche steht zu Wochenbeginn die Untersuchung im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg an. Länger, als einen Tag ambulant lasse ich nicht zu. Das hat mehrere Gründe.

Zunächst muss ich den Arbeitsverpflichtungen in Berlin regelmäßig nachkommmen. Daran ändern auch Zahlungen aus Hilfsfonds und Stiftungen nichts, denn diese waren nur für September 2014 bis Dezember 2014 gesichert.

Gravierender aber ist, dass das herumrühren in Krankheitssyptomatiken mittlerweile nicht mehr zu dem Weg passt, auf dem ich mich befinde. Ich arbeite aktiv an der Genesung, soll aber – so verlangt es der Verwaltungsweg – nun begutachtet werden, was mehr der Diagnose und dem herumrühren in Krankheitssyptomatiken ähnelt als dem herausarbeiten aus der Krankheit. Die Verwaltungsformalien sind vor allem eines: kontraproduktiv.

Ende der kommenden Woche steht dann ein Gespräch mit meinem Studiengangsleiter an, wie der Abschluss des Studiums und die Bachelorarbeit vonstatten gehen kann.

Bachelorarbeit, Vollzeit-arbeiten-müssen, zeitgleich in Traumatherapie und massig lästiger Schriftverkehr mit Ämtern und möglichen Hilfe-Stellen – das Programm der nächsten Wochen…

Erzählt mir also nichts von lauem Lenz oder dass ein Urlaub ja wohl eine Frechheit sei …

Trauma und ein Blatt Papier

Im Therapiegespräch gestern redeten wir kurz darüber, wie und ob Entlastungen aus der Therapie spürbar werden. Dabei reflektierte ich die Entlastungen, die sich in den letzen Wochen ergeben haben. Die finanziellen Hilfen, die in den letzten Wochen zugesagt wurden wirken sich nun auch endlich positiv aus.

Warum erst jetzt?

Hilfszusagen zu erhalten ist nur ein Aspekt. Ob sich diese real auswirken und vor allen Dingen wann, kann ich erst in dem Moment beurteilen, wenn sie mich erreichen.

Neben der Zusage bis zum Jahresende monatlich 1200 Euro an Grundeinkommen zu ermöglichen wurde auch angekündigt, die Kosten für Therapie und Coaching zu übernehmen. Eigentlich ja Anlass zur Freude und ein Grund, die Arbeit in anderen Jobs zu reduzieren?

Zunächst:

Auch gegenüber meinen beiden anderen Arbeitgebern darf ich nicht unzuverlässig werden, denn was ab Januar 2015 an Möglichkeiten zur Verfügung steht, kann ich nicht abschätzen. Bis die Hilfszusagen für September und Oktober verfügbar waren, dauerte es bis zum 08.10.2014 und der Arbeitsplan war bereits bis zum 19.10.2014 verabredet.

Am 13.10.2014 erreichte mich die Hilfszusage für November und Dezember 2014. Die Arbeitsplanzusagen waren dann bereits bis zum 26.10.2014 getroffen. Es ist also nicht der pessimistische Blick, der mit Depressionen einhergeht, der dazu führt dass sich die Entlastungen erst langsam auswirken.

Es ist so kompliziert, wie mit einem Blatt Papier: es dauert nur Sekunden, um die glatte Oberfläche so sehr zu zerknüllen, dass es danach eine vielfach längere Zeit braucht, um das Blatt wieder zu glätten. Und ohne Spuren geht auch das nicht vonstatten.

Spuren der letzten Jahre

Mit dem Einzug der Schweigepflichtentbindungen wird die Arbeit für alle Beteiligten nicht einfacher. Der Anlass zur Skepsis gegenüber all den Strukturen, die nun scheinbar Hilfe anbieten, ist in den letzten 18 Monaten seit der Diagnose stetig gewachsen.

Zu meinem Blickwinkel:

1. Ich habe eine offenkundig als Menschenrechtsverletzung einstufbare
Begebenheit kritisiert, die das Ministerium schlichtweg ignorieren WILL.

(Ich hatte jahrelang auf rechtmäßiges, ethisch einwandfreies Handeln der Bundeswehr vertraut)

2. Ich habe seltsame Falschinformationen zum Therapieverlauf im
Bundeswehrkrankenhaus Berlin erhalten, die mich zunächst davon abhielten, mich dort behandeln zu lassen.

(Ich vertraute darauf, dort eine unabhängige und hilfe-orientierte Behandlung
zu erhalten).

3. Ich wurde durch Inhaber von Truppenausweis & Dienstposten in
einem Bundesministerium unter Druck gesetzt – bedroht trifft es exakt.

(dem Typen hab ich allerdings von Anfang an nicht vertraut)

4. Ein Major / Oberstleutnant im Generalstab hat Stunde & Tage
aufgewendet, mich bei Facebook gegenüber meiner Leserschaft zu diskreditieren, als krank darzustellen und mich in der Wahrnehmung anderer als Links-Extremist zu „brandmarken“.

(auch diesem scheinbaren Zufallskontakt konnte ich nicht vertrauen)

5. Wenige Wochen vor den Snowden-Enthüllungen gibt mir ein Zufallskontakt aus Leserkreisen bei Facebook in einem nur wenige Postings andauernden Austausch den Hinweis „… hier wird alles überprüft du sicher genau so … bleib mutig.“

6.
Innerhalb (m)einer Redaktion erhielt ich ein Themenverbot, das durch
NICHTS begründet ist.

(Hier starb jegliche Illusion, die ich mir über eine unabhängige Presse
machen konnte / jemals gemacht habe).

All das waren Begebenheiten, die Vertrauen zerstört haben. Manche davon kann ich als Methode klassifizieren, die als Social Engineering bekannt ist. Andere wiederum lassen sich nur schwer erklären.
Insbesondere, wenn es um das Verhalten von Autoritäten geht, wird es lange dauern, bis in diesem Bereich die Knicke und Falten wieder geglättet sind. Mancher Riss dürfte wohl auch nicht mehr zu beheben sein.

WDB-Termin vorgeschlagen

Beim Öffnen des Briefkastens erwartete mich nun der Termin zur Begutachtung im Rahmen des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens.

Hier die Zeitlinie meines Antrags:

Mai 2013:

Antrag erstmals ans Versorgungsamt Berlin gestellt – kurz darauf Weiterleitungsbescheid an Wehrbereichsverwaltung Süd (WBV Süd)

Juni / Juli 2013:
Zwischenbescheid der Weiterleitung von WBV Süd an WBV West – Unterlagen waren erneut auszufüllen

August 2013:

keine Nachricht

September 2013

keine Nachricht

Oktober 2013

keine Nachricht

November 2013
keine Nachricht

Dezember 2013

keine Nachricht

Januar 2014

keine Nachricht

Februar 2014

keine Nachricht

März 2014

keine Nachricht

April 2014

keine Nachricht

Mai 2014

keine Nachricht

Juni 2014
Anwalt fragt nach Sachstand bei WBV West
Antwort sinngemäß: „Rufen Sie hier nicht an – damit machen Sie es auch nicht schneller und schon gar nicht besser.“

Juli 2014

keine Nachricht

28.07.2014 hakt dann das Bundesamt für Personalmanagement beim Bundeswehrkrankenhaus nach

August 2014

keine Nachricht

September 2014

keine Nachricht

Oktober 2014

06.10.2014: das Bundeswehrkrankenhaus schlägt den 18.12.2014 als Termin vor.

Sorry, aber in der Woche habe ich speziell am Donnerstag keine Zeit.

Weitere Bearbeitungsdauer

Der PTBS-Beauftragte geht davon aus, dass es ab dem Begutachtungstermin nocheinmal rund 2 bis 3 Monate dauern wird, bis ein Ergebnis da ist.

Seit 1. September habe ich ein Problem, denn meine Versorgung lief aus. Krankengeld stehe mir – so die Aussage der Rechtsberaterin beim PTBS-Beauftragen – wegen dem offenen Verfahren derzeit nicht zu.

Mit einem Termin im Januar 2015 dürfte ich bis zum Abschluss des Gutachtens an die Zwei-Jahres-Grenze kommen.

So sieht die Fürsorge von Frau von der Leyen aus.