Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten

„Ärztlich nicht führbar“

Nach dem am vergangenen Dienstag (15.11.2016) erkennbar Druck aufgebaut wurde, ich sei weder therapiewillig, noch kooperativ und „ärztlich führbar“ nahm ich Kontakt zum Psychotraumazentrum auf. Zuletzt mailten wir am 19.10. und verblieben, dass ich zum März 2017 in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert werden könne. Nun beginnt die Onlineschreibtherapie bereits mit der Begutachtung am 6.12.2016. Neben den Arztgesprächen steht ein Schlaf-EEG, eine Blutentnahme und die Abgabe einer „zwei Zentimeter Haarprobe“ auf dem Programm.

Warum überhaupt Therapie

Nachdem im April 2013 die Einsatzschädigung diagnostiziert wurde und ich erneut mit Depressionen zu kämpfen hatte, folgten zwei mehr als anstrengende Jahre. Nicht nur die Therapie, sondern auch der vierwöchige stationäre Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus, den ich mittlerweile rückblickend „Depressionen, dein Leben und du – kommt klar miteinander“ nenne, kosteten viel Kraft. Via Social Media, aber auch in direkten Gesprächen wurde ich für den offenen Umgang mit der Erkrankung, aber erst recht wegen dem Einblick, den ich in die Therapie und den Umgang der Bundeswehr mit mir gebe, unter Druck gesetzt. Teils mit plumper Drohung, wie im Adlongespräch dokumentiert – teils mit Mobbing via Facebook.

Das Blog war von Anfang an Selbstschutz, der sich schnell bewährt hat. Falschinformationen über die Versorgungslage, die ich vom Sozialdienst der Bundeswehr erhielt, konnten durch anonyme Hinweise, die eingegangen sind, entschärft werden.

Ruhe kehrte erst im März 2015 ein, als die Schädigung anerkannt war und die Versorgung gesichert war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Therapie-Methode TRE- Trauma Release Exercise erlernt und durchlaufen und war erstmals seit Jahren wieder in der Lage, die Auswirkungen von Stress zu bemerken, bevor sie wieder in lange Phasen der Depression führen.

Tendenziell versuche ich weiterhin viel zu lange, einfach nur zu funktionieren, den Stress auszuhalten und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Die Kompetenz Gegenmaßnahmen zu treffen, ist hart erarbeitete und fehlte vor 2013 ganz.

Phasen mit besonderer Belastung gab es immer wieder. Ende Januar 2016 häuften sich die Termine und Aufgabenstellungen zum Ende des Wintersemesters – im Ergebnis zog ich mich zurück, versuchte, so gut, wie möglich dem ganzen gerecht zu werden. Mit 28 von 31 Leistungspunkten schaffe ich es, nahezu 100% des geplanten Studienprogramms abzuschließen.

Im Laufe des Mai 2016 sind es erneut die Auswirkungen von Stress, die für eine Verschärfung der Symptome sorgen. Zu viele Aufgaben im Studium, wie die zeitgleiche Arbeit an mehreren Themen – kaum eine Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen. Nahezu tägliche Präsenz in Kursen – 5 bis 7 Zeitstunden – sowie im Anschluss die Arbeit an den Kursaufgaben. Jede einzelne Aufgabe für sich zu bewältigen – in der Summe und Kombination der Termine aber irgendwann zu viel.

Nicht nur mir geht es so. Kommilitonen sind ebenfalls unter Druck – Jahrgänge vor uns schildern, es sei ein Phänomen, dass regelmäßig im Sommersemester auftrete. Drei Monate gefüllt mit einem Pensum, dass im Wintersemester auf vier Monate verteilt ist. Mein persönliches „irgendwann zu viel“ bemerke ich jedoch erst, als bereits die Beziehung zu meiner damaligen Freundin leidet und massiv Schaden nimmt. Funktionieren im Studium geht zu Lasten normaler Aktivitäten. Fehlende Freizeit erhöht die Anspannung, vermindert die Qualität der Arbeitsergebnisse, sorgt für Enttäuschung, Erschöpfung, Depression.

Am Ende des Semesters stehe ich im Studium bei 45 von 60 Leistungspunkten, die zu diesem Zeitpunkt erreicht sein sollten. Aber immerhin nicht mitten in einer Depression, aus der ich nicht raus komme.
Im Laufe des Semesters reduzierte ich, priorisierte auf Kurse, die machbar waren und verlor auch die Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsauschuss nicht aus den Augen, die – nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung – auch auf die Studienleistungen angerechnet werden wird (Hospitanz).
Zumindest in Arbeitsbelangen schaffe ich es, eine Balance zwischen Selbst- und Fremdbestimmung hinzubekommen.
Dass diese Situation nicht ideal ist, ist mir schnell klar. Es kostet massiv Kraft und die Auswirkungen gehen zu Lasten des Privatlebens. Ich nehme Kontakt zum Berufsförderungsdienst auf, der für die Verwaltung meines Studiums zuständig ist. Das Studium gilt als Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation im Rahmen der Schutzzeit. Ich hoffe darauf, dass ich das Sommersemester 2017 als Urlaubssemester nutzen darf, um eine Kur in diesem Zeitraum zu machen.
Die Bearbeiter versichern mir, niemand erwarte, dass ich das Studium in der Regelstudienzeit abschließe. Der Grad der Schädigung, den ich aufgrund der Depressionen / Anpassungstörung habe, liegt bei 30%. Das letzte halbe Jahr zeigt mir, wie sehr das leider weiterhin zutrifft.

Bereits seit Juni besteht wieder Kontakt zum Psychotraumazentrum. Etwa zur gleichen Zeit, als ich Kontakt zum Berufsförderungsdienst wegen dem Urlaubssemester aufgenommen habe, meldet sich eine der Ärztinnen telefonisch mit dem Therapieangebot. Da ich im Oktober 2016 und Februar / März 2017 bereits die Zusagen für Praktika im Rahmen des Studiums habe, erscheint mir der Einstieg in die Therapie jedoch erst für April 2017 als sinnvoll. Therapie und Kur ließen in dem Semester dann wenig Raum für Präsenzveranstaltungen an der Hochschule – Studienleistungen wären aber immerhin noch im Rahmen von Hausarbeiten möglich.

Nun kommt es anders

Der Unterton des Arztgespräches am vergangen Dienstag und die abwehrende Haltung gegenüber der „Online-Schreib-Therapie“, die der Verwalter zeigt, machen wieder einmal deutlich, wo das System krankt. Verwaltende Stellen üben Druck aus – eine Rücksprache mit der Fachebene erfolgt erst, nachdem Druck auf den Patienten ausgeübt wurde. Von den Angeboten der Fachebene hält die verwaltende Stelle indes wenig, wie der Gesprächsverlauf deutlich machte.

Bereits 2013 äußerte der Leiter des Psychotraumazentrums Dr. Zimmermann, dass in meinem Fall Anzeichen für eine „Moralische Verletzung“ vorhanden seien. Moralische Verletzungen treffen z.B. Menschen, die gezwungen werden, gegen ihre Grundwerte zu handeln oder gesellschaftliche Tabus (z.B. das Töten von Menschen oder das sterbenlassen von Ertrinkenden) zu brechen. Vielfach ähneln die Symptome dann einer PTBS und gehen mit Depressionen einher.

Der verwaltenden Arzt kennt den Begriff „Moralische Verletzung“ nicht – schon ein Blick in die DBwV-Zeitung vom August 2016, die in seinem Wartezimmer ausliegt hätte geholfen. Dort ist ein langes Interview mit dem Leiter des Psychotraumazentrums zu genau dieser Thematik.

Der verwaltende Arzt ist damit beschäftigt, meine Behandlungsakte auf Indikatoren für mangelnde Kooperationswilligkeit zu durchforsten. Dass ich mich für den verhaltenstherapeutischen Ansatz entschieden habe, statt für die Einnahme von Psychopharmaka, wird zum Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die TRE-Methode, die ich über 6 Monate mit einer Heiltherapeutin erlernt und durchgeführt habe nur mit dieser fortsetzen will, statt mit einem von der Bundeswehr gestellten „Standortpfarrer, der die TRE-Methode jetzt auch anbietet“ – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die Onlineschreibttherapie ins Frühjahr legen will, in eine Zeit mit mehr Tageslicht, weil ich fürchte, die Reflektionen und Fragestellungen könnten wieder zu Depressionen führen – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Ich schildere dem „Verwalter“, dass die Auswirkungen von Stress, wie ich sie in den letzten Monaten beobachten konnte leider immer auch mit Rückzug und Anhedonie einher gehen. Methoden der MBSR Mindfulness-Based Stress Reduction habe ich im Psychotraumazentrum erlernt – auch die TRE-Methode hat Schnittmengen – und wende sie an. Sie lindern zumindest manche der Symptome. Der „Verwalter“ meint: „Wenn Sie als Eremit leben wollen, dann können sie das ja gerne tun. Aber dafür sollte ja die Bundeswehr nicht zahlen müssen.“

Der Verwalter vergleicht mich mit einer „magersüchtigen Frau“, die ärztlich auch nur das zuließe, was dem Hauptziel „abnehmen“ nicht zuwider liefe. Auch auf solche Patientinnen trifft zu: „ärztlich nicht führbar“.

Therapiezeitpunkt

Nach Rücksprache mit der betreuenden Ärztin des Psychotraumazentrums werde ich nun zum 6. Dezember in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert. Der Zeitpunkt ist das Resultat des Gespräches am Dienstag, um zumindest den Vorwurf zu entkräften, ich sei nicht therapiewillig.

Der Zeitpunkt der Schreibtherapie fällt damit in den Zeitraum, indem ich drei meiner vier Auslandseinsätze absolvierte. Die Eskalation in Mazedonien 2000/2001, die uns zur Aufgabe und Abbau des umkämpften Camps zwang. Die Medienarbeit in Afghanistan 2005/2006, als die „Karrikaturen“ für Demonstrationen und Angriffe auf Camps mit einem Beinahme-Totalverlust des Camps in Meymaneh führte. Afghanistan 2007/2008 – ein Einsatz der mit dem Begriff „Chefkalation“ gut zusammengefasst ist und der neben drei Monaten hochgradig stressiger Arbeit rund um einen fachlich und englischsprachlich wenig kompetenten Chef mindestens zwei lebensgefährliche Situationen mit sich brachte. Diese Erlebnisse sorgen bis heute dafür, dass ich bei autoritären, cholerischen Chefs und Teamleitern unter Druck gerate und nur flache Hierarchien halbwegs ertrage.

Ich habe längst verstanden und analysiert, was diese Einsätze in mir verändert haben und welche Grenzerfahrungen das mit sich brachte. Ich ging davon aus, mit der Schutzzeit, die bis zu 5 Jahre dauern darf nun Raum zu haben, um mit all dem umgehen zu lernen. Ich vermeide die Situationen nicht, stelle mich in Praktika auch wieder Chefsituationen und schaue, was für mich geht, was ich um welchen Preis aushalten kann und was nicht.

Für den Verwalter aber zählt das nicht. Er hat im Kopf, was er auch im Arztgespräch schildert. „Es gibt Leute, die können für die Bundeswehr keinen Handschlag tun, aber bauen nebenbei eine Hundzucht in Brandenburg auf. Das ist ein Fulltimejob.“

Seine Denkweise macht deutlich, dass jeder Fortschritt, den ich im Rahmen des Studiums und entlang der journalistischen Projekte erzielt habe als Indiz dafür betrachtet werden kann, ich würde das System für meine Zwecke ausnutzen.

Dass ich in Zeiten der Überlastung und Depression mit den Auswirkungen allein bin, keinen Text auf die Reihe bekomme, sieht der „Verwalter“ nicht. Dass der Antrieb für Artikel wie diesen schlichtweg Angst ist – Angst, ausgelöst durch Anschuldigungen und den Druck des Verwalters selbst – wird zum Indiz für Leistungsfähigkeit, die ich der Bundeswehr, frecherweise vorenthalten würde gewertet.

Schalte ich einen Anwalt oder den Wehrbeauftragten ein, dann bin ich wieder „ärztlich nicht führbar“.

Die gleichen „Verwalter“ kenne ich aus der aktiven Dienstzeit. Sie schrieben tauglich für Einsätze. Sie werteten Belastungsbögen nach den Einsätzen aus. Sie lehnten Präventivkuren nach Einsätzen ab, weil „das schon zu viele in letzter Zeit in Anspruch genommen haben“.

Effekte

Seit dem 15.11. muss ich wieder mehr Kraft für eigentlich Alltägliches aufwenden. Es kostet Kraft, die Termine wahrzunehmen, die anstehen. Es kostet Kraft, Freunde zu treffen, weil ich nicht schon wieder „der mit Problemen“ sein will. Das ich dennoch nicht auf Ablehnung treffe ist ein großes Glück. Es kostet Kraft, mit den Gedanken nicht ständig bei der Drohkulisse zu landen, die am 15.11. aufgebaut wurde – und doch ist es manchmal nicht zu vermeiden. Es kostet Kraft, all das auszuhalten in dem Wissen, dass ich keine Aussicht darauf habe spontan in einen vollbezahlten Job einzusteigen, der Raum lässt für die Aufarbeitung, die immernoch andauert. Es kostet Kraft, weiter zu machen, wenn jeder kleine Fortschritt potentiell vom „Verwalter“ gegen mich gedeutet wird.

Wo immer möglich äußere ich mich als Journalist mit der gebotenen Objektivität und Fairness zu Bundeswehrthemen. Dass der Eindruck bleibt, ich würde kein gutes Haar an der Bundeswehr lassen liegt wohl eher daran, dass die PR nur „gute Haare“ präsentiert und seit jeher Sachverhalte im Sinne der eigenen Imagekampagnen schönfärbt. Doch für die „Verwalter“ ist es nicht auszuhalten, dass ein kritischer Journalist über die Bundeswehr berichtet.

Den Anteilen, die mit der moralischen Verletzung einher gehen, setzte ich in den letzten Jahren politische Arbeit entgegen. Ich sprach auf Demonstrationen gegen Krieg und Militärisierung und berichtete auf Podien über die Einsatzerfahrungen. Es ist nicht auszuhalten, das die Person auf Demonstrationen und Podien als „Friedensaktivist“ tätig ist und gleichzeitig aus dem Verteidigungsetat bezahlt wird. Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten.

Der „Verwalter“ drückt es am 15.11.2016 etwas anders aus. „Sie können sich gerne weiterhin so verhalten. Dann kann man hinterher über Sie sagen, Sie waren konsequent bis zum Schluss.“

In diesem Verfahren erhalte ich wieder einmal keine Kopien der Verwaltungsschreiben, die Anlass der Befragungen sind. Ich erhalte auch keine Kopien der Antworten, die der „Verwalter“ an KdoRegSanUstg G 3.2.2 sendet. Der „Verwalter“, der die Anfrage bearbeitet bildet sich seinen Eindruck aus dem nichteinmal dreißigminütigen Gespräch, überfliegt dabei kurz das letzte ärztliche Gutachten aus Oktober 2015 und urteilt.

Ich habe also die Wahl, mir einen solchen Umgang gefallen zu lassen oder ohne Versorgung für mich und meine Kinder, ohne Raum für Therapie und Regeneration da zu stehen.

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Wochenupdate

Seit einigen Tagen lässt der Druck nach, der in den letzten Monaten auf mir lastete. Ich merke, dass Optimismus möglich wird, der vor wenigen Tage und Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.

Seit dem Gespräch mit dem Berufsförderungsdienst am 27.03.2015 ist klar, dass die Förderung eines Masterstudiums übernommen wird. Mit der am 26.03.2015 eingetroffenen Gehaltszahlung konnte ich nun die Rechnungen der Therapie- und Coachingmaßnahmen bezahlen.

In diesem Bereich muss ich derzeit noch in Vorkasse gehen, bis die zuständigen Stellen fachlich anerkennen, dass die Kosten für meinen Therapieweg übernommen werden. Auch hier ist noch einiges an Papierkram vor mir, den ich hoffentlich bis nach Ostern langsam abarbeiten kann.

Neuer Fokus

Dringend und drängend wird die Bewerbung für den Masterstudienplatz und natürlich der Abschluss des Bachelorstudiums. Es tut gut, eine Perspektive zu haben, die vorher schlichtweg nicht existierte.

In dieser Woche war ich ausnahmsweise mal ausschließlich redaktionell und an Themen unterwegs. Neben der LiMA-Konferenz stand der NSA-Ausschuss auf dem Plan, der mit 9 Stunden wieder sehr fordernd war. Auch im Bereich IT-Themen kam ich voran. Die Woche schließt mit der Seminarteilnahme beim Arbeitskreis Darmstädter Signal.

Doch bei allem Optimismus: vieles ist noch im argen und nicht in der Waage.

Druck – EntlastungZiele

Der Termin am Freitag zum Berufsförderungsdienst lies mich zunächst schlecht schlafen. Ich rechne immer noch damit, dass Instanzen, die ich in den vergangenen Jahren stark kritisiert habe noch Repressalien auf Lager haben und zur Anwendung bringen könnten.

Doch anders als zu befürchten: ich werde an der Deutlichkeit meiner Worte nichts einschränken.

Der Plan ist, schnellst möglich die Schulden der letzten beiden Jahre abzubauen und nach Abschluss des Masterstudiums sowie einer ausreichenden Arbeitserprobung das Diennstverhältnis „Schutzzeit“ zu kündigen, um die Abhängigkeit los zu werden, in der ich mich derzeit befinde.

Schwupps… Chefsache

Es waren mehr als nur gemischte Gefühle beim Weg heute in die Julius Leber Kaserne. Was würde mich erwarten?

„Schutzzeit“ – nicht nur neu für mich, sondern auch für (überwiegend) alle Beteiligten, denen ich heute auf den verschiedenen Stationen begegnet bin. Neben den Regularien der Einstellung und den übliche schriftlichen Belehrungen über korrektes Verhalten war vor allem der Arzttermin und die Station beim Berufsförderungsdienst fordernd.

Zum direkten Ansprechpartner erklärte sich der Chef des Stabes, der sich eine gute Dreiviertelstunde einen Eindruck von mir und meiner Zielsetzung zur Nutzung der Schutzzeit machen konnte.
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Zersetzung

Sehr geehrte *Bearbeiterin* ,

mit Datum vom 18.02.2015 ging mir heute am 19.02.2015 ihr Schreiben zu. Ich antworte im Volltext sowie im Stil eines offenen Briefes. Das wird etwas umfangreicher, damit auch Dritte diesen Brief inhaltlich verstehen können.

Im Juni 2014 wurde absehbar, dass meine finanzielle Situation schwierig werden würde und ich riet meiner Exfrau für die beiden gemeinsamen Kinder frühzeitig Leistungen nach dem Unterhaltsvorschussgesetz zu beantragen. Ziel war es, zumindest den fristgerechten und verlässlichen Eingang des Mindestunterhalts i.H.v. 360 Euro gewährleisten zu können.

Wie ihnen sicher bekannt leide ich an einer Stress-Erkrankung, die das Ergebnis einer Überlastung durch die Personalpolitik der Bundeswehr rund um den Afghanistaneinsatz ist. Ende Januar wurde nach massivem öffentlichen Druck und einer Verfahrensdauer von 22 Monaten nun der Grad der Schädigung mit 30% festgesetzt.

Fatal an der Situation ist, dass ich nach außen hin trotz größtem Stress scheinbar funktioniere. Wie ich das derzeit bewerkstellige verstehe ich selbst kaum. Das es nicht gesund ist und ich mich dabei auch nicht gesund fühle, wird schnell deutlich, wenn ich meinen derzeitigen Tagesablauf schildere.

Einschließlich Arbeitsweg bin ich derzeit täglich rund 10 Stunden außer Haus. Ich gebe mir größte Mühe im Job zuverlässig zu funktionieren, um zumindest meine Wohnung und die Lebenshaltungskosten sichern zu können. Der Kraftaufwand ist enorm und die Zeit zwischen den Arbeitsschichten ist geprägt von Niedergeschlagenheit, Erschöpfung und Schlaf, der kaum noch erholsam ist. Schon das rechtzeitige verlassen des Hauses wird zum Problem. Es ist ein Kraftaufwand, für saubere Kleidung und Körperhygiene zu sorgen, sowie mich regelmäßig zu ernähren.

5 Tage entfallen auf Job 1, ein Tag ist derzeit für die Therapiemaßnahmen reserviert. Und irgendwie kann ich ihnen auch nicht sagen, ob am siebten Tag irgendetwas stattfindet, was mich weiterbringt. Egal, ob in Bezug auf das Studium, was immer noch abzuschließen ist oder in Bezug auf Erholung, die dringend notwendig ist.

Die Rechnung aufmachen

Mit ihrem heutigen Schreiben fordern Sie von mir eine detaillierte Auseinandersetzung mit meiner derzeit sehr fragilen Finanzlage. Darüber hinaus soll ich bis zum 15. März einen Ämtergang absolvieren, um eine Unterhaltsurkunde zu erwirken.

Diese Urkunde ist wichtig in Fällen, in denen der Kindsvater nicht bereit ist zu zahlen und gibt der Kindsmutter die rechtliche Möglichkeit einer Kontopfändung. Sicherlich gibt es viele Fälle in denen das erforderlich ist. Ich zähle nicht dazu.

Hier der Einblick in meine Finanzen:

Derzeit bin ich freiberuflich tätig und schaffe es, mit dem oben beschriebenen Arbeitsaufwand einen Geldeingang zwischen 650 und 850 Euro monatlich zu erwirtschaften. Das liegt unterhalb des Existenzminimus.

Die Einkünfte aus der journalistischen Tätigkeit, die ich vom Berufsziel anstrebe, beschränken sich auf 100 bis 200 Euro. Das liegt derzeit hauptsächlich daran, dass mir der ermüdende Job und der Mangel an Raum für Therapie und Entlastung die Kraft raubt.

Im besten Fall sind also 1050 Euro verfügbar. Mir ist klar, dass das nicht reicht. Darum verschulde ich mich derzeit monatlich mit 650 Euro durch einen Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

Diese wachsende Verschuldung ignoriere ich.

In unregelmäßigen Abständen wurde ich zwischen Oktober 2014 und Januar 2015 durch die Zahlung von Geldern aus Stiftungen rund um die Bundeswehr unterstützt. Diese Zahlungen verrechnete ich sofort und leistete entsprechend der Gesamtsumme meiner Eingänge Unterhalt.

Gleichzeitig reduzierte ich aber auch die Arbeit in Job 1 auf rund 400 bis 500 Euro, um die freie Zeit für Therapie und eine Arbeit am Studienabschluss zu haben. Wegen der fehlenden Anerkennung der Erkrankung musste ich darüber hinaus auch Therapie & Coaching-Kosten von 400 bis 500 Euro monatlich aus den Unterstützungsleistungen finanzieren.

In einem zweiten Job, der zwischen September und Dezember monatlich 300 Euro einbrachte und Sozialversicherung, sowie Krankenversicherung gewährleistete konnte ich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr so zuverlässig bedienen. Der Job endete mit der letzten Zahlung im Januar 2015. Auch die Einnahmen aus diesem Job verrechnete ich nach Düsseldorfer Tabelle und zahlte in Richtung ihres Amtes, sowie in Richtung meiner Ex-Frau die entsprechende Unterhaltssumme aus.

Ihre Forderung

Bereits im September 2014 drohten Sie mir an, mich unter Bewerbungszwang zu setzen und eröffneten mir, ich hätte keinen Anspruch mehr darauf, ein Studium abzuschließen. Bitte rechnen Sie sich die Aussichten aus, die ein Abiturient mit Führerschein Klasse 3 hat, einen Job zu finden, der zu ausreichend Unterhaltszahlung führt. Das ist schon rein objektiv als wirtschaftlicher Unfug anzusehen.

Subjektiv – im Hinblick auf die bei mir bestehende Erkrankung – wäre ein Abbruch des Studiums fatal. Es ist nicht davon auszugehen, dass ich mit dem derzeitigen Stand der Erkrankung als Power-Walker bei Amazon oder Zalando oder in einer sonstigen Tätigkeit lange genug durchhalten würde, um Probezeiten zu überstehen.

Im Dezember 2014 und Januar 2015 war ich bereits im Job 1 zeitweise wackelig. Ich konnte zu Schichtbeginn gerade noch genug Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht heulend vor dem Computer zusammenzubrechen. Dieser Job verlangt mir nach außen ein freundliches, ruhiges Auftreten ab und ich muss mir mitunter trotz freundlicher Ansprache heftigste Pöbeleien anhören. Wie lange ich das noch durchhalte kann ich derzeit nicht absehen.

Ich weiß nicht, wie es sein würde, den Forderungen nachzukommen, die sie in ihrem Schreiben aufstellen. Mich in der geforderten Detailtiefe mit der problematischen wirtschaftlichen Situation auseinander zu setzen ist mir derzeit unmöglich.

Den Ämtergang vorzunehmen, mit dem das Pfändungs-Instrumentarium möglich und beschleunigt wird, dürfte sich ähnlich zersetzend auf meine derzeit mehr als angeschlagene Stabilität auswirken.

Was lähmt

Wie erwähnt wurde mittlerweile der Grad der Schädigung mit 30 % anerkannt. Das führt zu einer Rentenzahlung von monatlich 130 Euro, die ab März beginnt. Wie im Blog zu lesen erfolgte bereits die Nachzahlung für die vergangenen 22 Monate. Doch das Geld verschwand so schnell, wie es eintraf. Von den rund 3000 Euro musste zunächst der Dispo mit 1000 Euro ausgeglichen werden.

Danach veranlasste ich die Zahlungen von Unterhalt (siehe die von ihnen bescheinigten Eingänge & das ausgeglichene Konto, das sich kaum länger als 16 Tage im „Soll“ befunden haben dürfte. Die Zahlungen der Unterhaltsdifferenz an meine Ex-Frau für Januar und Februar habe ich ebenfalls veranlasst.

Im Februar wurde darüber hinaus der Semesterbeitrag fällig und weitere Rechnungen (Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung, Monatsticket usw.) habe ich ebenfalls vorgenommen. Eine Therapierechnung konnte ich ebenfalls noch begleichen.

Es besteht die Chance, zum Monatswechsel einmal nicht an den Rand des Dispos zu gelangen – leider aber wird das Einkommen aus Job 1 immer erst zum 10. des Monats überwiesen. Das macht das erste Monatsdrittel – sagen wir mal – abenteuerlich.

Nicht tragfähiges Konzept

Ja, dass das auf Dauer nicht funktioniert ist mir klar. Mit dem Jobverlust Ende Dezember 2014 wurde der Druck nochmal größer. Um nicht ganz zusammenzubrechen habe ich auf die Aufnahme eines Bewerbungsmarathons für „irgendeinen Job“ verzichtet.

Ich brauche Therapie, Ausgleich und Ruhe, statt den Druck einer Einarbeitungsphase.

Druck sollte ich mir auch nicht machen müssen, ob der bereits im DezemberNovember 2014 ärztlich getroffenen Einschätzung, dass die Schädigung einsatzbedingt ist, sollte zeitnah eine Einstellung in die Schutzzeit erfolgen.

Informell wurde mir diese Einstellung bis Ende Januar 2015 angekündigt. Doch da die Strukturen im Bereich der Veteranenversorgung so zuverlässig funktionieren, wie die Bestellvorgänge von Fluggerät, verstrich der Termin „Ende Januar“ ohne Rechtssicherheit für mich.

In einer weiteren informellen Ankündigung hieß es, bis „Mitte Februar 2015“ wären die Maßnahmen getroffen. Als ich um den 10. Februar 2015 anfragte, hieß es, es würde noch ein Papier fehlen. Dennoch sei nicht damit zu rechnen, dass sich im Laufe der zweiten Februar-Dekade etwas tun würde. Begründet wurde das damit, dass Düsseldorf (Sitz des zuständigen Personalamtes der Bundeswehr) eine Karnevals-Hochburg sei.

Mittlerweile stelle ich mich jedoch darauf ein, dass auch im März keine Wiedereinstellung erfolgt. Das ist so, wie beim Wehrgerät: nur weil es geliefert und verfügbar ist, heißt es nicht, dass es funktioniert.

Auf die Einstellung in die Schutzzeit darf ich mich derzeit leider nicht verlassen. Ich muss derzeit davon ausgehen, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) und andere Instanzen die Wiedereinstellung verhindern. Grund dafür ist, dass ich in den letzten zwei Jahren die Aufdeckung einer Falschmeldung vorangetrieben habe.

Die Vertuschung von Verstößen gegen Genfer Konventionen und die Zuarbeit der Bundeswehr zu Lynchmorden lässt sich nicht abschließend beweisen – aber das dem Parlament die Verhaftung von Angreifern sowie die wahre Intensität des Angriffs vom 27.09.2008 verschwiegen wurden ist mittlerweile öffentlich.

Ich gehe davon aus, dass derzeit meine Einstellung in die Schutzzeit durch die Akteure verhindert wird, die die Falschmeldungen an das Parlament über Jahre hinweg zugelassen haben.

Selbstschutz

Ließe ich es zur Erstellung der von ihnen geforderten Unterhaltsurkunde kommen, dann hätten Sie bzw. meine Ex-Frau das Instrument der Pfändung in der Hand. Derzeit leiste ich mehr Unterhalt, als ich aufgrund meiner finanziellen Situation leisten müsste. Wozu braucht es da also die Anerkennung ?

Gesetz dem Fall, dass ich im März oder April mit der Zahlung in Verzug geraten würde, gäbe es nichts zu pfänden. Ich wurde auch im Rahmen des Scheidungsverfahrens nicht dazu aufgefordert, eine entsprechende Urkunde zu liefern.

Auch seitens meiner Ex-Frau wird bzw. wurde kein Bedarf kommuniziert einen entsprechenden Titel gegen mich zu erwirken.

Zusammenfassung

Ich habe mich mittlerweile soweit auf funktionieren reduziert, dass ich Schreiben und Darstellungen, wie diese nahezu regungslos herunterschreibe. Für den Moment reduziert das sogar in gewisser weise den Stress, den ich kaum noch ertrage und den ich nur durch eine gesicherte Lebensführung dauerhaft reduzieren könnte.

Mein Professor rät mir, während der Dauer der Bachelorarbeitsphase ausschließlich an der Bachelorarbeit zu arbeiten. Ich habe derzeit weder finanziell, noch gesundheitlich die Reserven, um das zu bewerkstelligen.

Die Maßnahmen des Unterhaltssicherungsamtes zersetzen mich weiter. Ich kann ihnen nicht versprechen, dass ich künftige Schreiben überhaupt noch öffnen werde.

Sollte ich im März noch nicht wiedereingestellt sein, bin ich gezwungen statt des Unterhalts von 360 Euro eine volle Summe an privatem Krankenversicherungsbeitrag zu zahlen. Plus vermutlich die Rückrechnung einer vollen Privatversicherung von Januar 2015 und Februar 2015. Leider ist diese Priorisierung notwendig, denn eine Kündigung würde vermutlich dazu führen, dass ich nie wieder privat versichert werde (die Erkrankung gilt als 100%iger Ausschlussgrund).

Einen Anspruch auf freiwillig gesetzliche Versicherung habe ich mangels einer vorangegangenen mindestens zwölfmonatigen Mitgliedschaft in der gesetzlichen Versicherung nicht.

Einen sozialversicherungspflichtigen Job zu finden scheitert an meinem derzeitigen Gesamtzustand. Ich stehe nicht am Anfang einer neuen Tätigkeit und eines neuen Jobabschnitts – ich stehe davor, gänzlich arbeitsunfähig zusammenzubrechen.

Falls sie sich fragen, wie lange ich das noch durchhalten muss, wenden sie sich an folgende Adressen:

1. Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages
Bearbeiter: Hans-Dieter Nißler
Tel: 030 – 227 – 38100

2. Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr – da müssen Sie sich mal durchfragen. War ja Karneval. Und Düsseldorf – sie wissen ja.

Bitte sehen sie mir nach, dass ich schlichtweg nicht mehr anders kann, als mich in jeder Hinsicht öffentlich zu verhalten. Die Wirkung, die ihr Schreiben auf mich hatte ist, dass ich den morgigen Therapietag frei von Internetaktivitäten halten muss, um mich nicht noch weiteren negativen Effekten auszusetzen.

Ob Sie glauben, was ich schreibe ist mir mittlerweile egal. Auf welche Informationen sie setzen, liegt auch außerhalb meines Einflussbereiches.

Und falls sie oder irgendwelche Leser nun meinen: „Ach, schau, schreiben kann er, aber einen Ämtergang und ein Finanzformular ausfüllen klappt nicht“ dann ist ihnen auch nicht mehr zu helfen.

Danke fürs Gespräch…

Am 10.04.2014 folgte ich der Einladung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und erschien in Begleitung eines Vertreters der evangelischen Militärseelsorge zum Gespäch in der Abteilung „Beauftragter für Posttraumatische Belastungsstörungen und Einsatzgeschädigte“ (BfPBuE).

Die Einladung war eine Reaktion auf meinen
offenen Brief vom 19.02.2014. Leider blieb die Kernfrage in dem Brief nach dem Umgang mit den gefangen genommenen Angreifern und der fragwürdigen Informationspolitik der Bundeswehr weiter offen, so dass ich mich mit nahezu identischer Fragestellung am 31.03.2014 erneut an Frau von der Leyen wendete.

Auch im Büro des Wehrbeauftragten findet man es offenbar völlig in Ordnung, dass zunächst nur 20 Prozent der Vorkommnisse vor Ort an das Parlament gemeldet werden. Schließlich würde man im Fall von Nachfragen ja dann auch eine kleine Anfrage beantworten.

Die Schere im Kopf, das die Nachfrage ausbleibt, wenn nur das gemeldet wird was nicht zu Nachfragen führt scheint dem Mitarbeiter weder aufzufallen noch sonderlich peinlich zu sein.

Nette Gesprächsatmosphäre

Der Empfang verlief reibungslos. Die Wache war informiert, dass ich erscheinen würde. Im Raketentempo wurde ich abgefertigt. Der Mitarbeiter des BfPBuE holte uns auch vor dem Gebäude in der Stauffenbergstraße ab.
Das Gespräch führten wir also zu viert.

Schon eingangs des heutigen Gesprächs teilten mit die Mitarbeiter im Büro des BfPBuE mit, dass Sie weder auf den Fortgang meines Antrags auf Wehrdienstbeschädigung (WDB), noch auf die Wiedereinstellung einen Einfluss nehmen könnten. Diese Wiedereinstellung in die Schutzzeit beantragte ich im Mai 2013 auf anraten des Sozialdienstes der Bundeswehr.

Irgendwie passend, dachte ich. Dinge, um die es mir auch gar nicht geht können Leute nicht beeinflussen, die mir auch nicht auf Fragen antworten, die ich gestellt habe.

Nach meiner Vorstellung und Schilderung der Problemaspekte, wegen denen ich mich letztlich in Behandlung begeben habe wurde ich nach meinem aktuellen Befinden gefragt und was man für mich tun könnte.

Ich schilderte zunächst, dass ich derzeit immer wieder Tage habe, in denen Arbeiten kaum möglich ist und das es andere Tage gibt, an denen ich nahezu normal arbeite. Problematisch sind vor allem die Tage, die sich mit Aspekten der Traumatiserung verknüpfen und mich sehr viel Energie kosten oder an denen ich auch über meine Grenzen gehe. Die Therapie, die ich derzeit mache ist noch nicht abgeschlossen.

Ich schildere ehrlich, wie ich mich derzeit fühle.

„Ich stehe vor einem Berg und kann die Probleme immerhin genau benennen.“

Leider heißt das nicht, dass ich derzeit den Weg über den Berg sehe, geschweige denn gehen könnte.

Problem: Themensetzung und Konzentration

Es ist weiterhin so, dass ich an Themen, die Aspekte der Traumatisierung, Veteranen und Friedenspolitik relativ gut arbeiten kann. Leider neige ich bei diesen Themen dazu auch über die Grenzen meiner Kraft zu gehen. Ein wesentlicher Grund dafür, das ich Tage habe, an denen nichts geht.

Eine Konzentration auf andere Themen war mir in der letzten Zeit nahezu unmöglich. Seit dem Jobverlust im Februar war das aber auch nicht mehr nötig. Ich hoffe, dass mir das in meinem kommenden Job gelingen wird.

Problem: Akzeptanz des Themas

Mit der Aufarbeitung der Kernfrage „Wie groß ist er Umfang in dem die Bundeswehr den Afghanistaneinsatz gegenüber dem Parlament beschönigt?“ ecke ich an.

Im September 2013 bot ich die bisherigen Ergebnisse meinem letzten zivilen Arbeitgeber zur Nachrecherche an. Ich hatte mich schon zu Anfang meiner Tätigkeit dafür ausgesprochen keine Afghanistanthemen abzudecken, ohne das ein weiterer Redakteur als neutrale Instanz gegen prüft oder mitarbeitet.
Seitens des Redaktionsleiters erhielt ich das eingeforderte „erhalten“ und wusste nun zumindest, dass die ausbleibende Reaktion nichts mit einer eventuell nicht übertragenen eMail zu tun hatte.

Im Dezember 2013 kam dann – ohne weiteren konkreten Anlass – ein telefonischer Hinweis meines Redaktionsleiters, ich solle keine Afghanistanthemen eigenständig realisieren. Auf meine Frage, warum diese Ansage kommt erhielt ich keine Erklärung oder aktuellen Bezug. Er verknüpfte die Aufforderung noch nicht einmal mit der im September übermittelten Recherche.

Ich nutzte dann noch ein persönliches Gespräch im Februar 2014 für eine Nachfrage was es mit diesem Themenmaulkorb auf sich hat. Die Antwort:

„Du bist befangen. Ich schreibe ja als Fan auch nicht über meinen Verein.“

Eine inhaltliche Diskussion oder Erläuterung warum das Thema 27.09.2008 und Falschinformation des Bundestages abgelehnt wurde, fand nicht statt. Der Frage, warum die Bundeswehr massiv gegenüber dem Parlament beschönigt – zumindest im Fall 27.09.2008 sehr gut belegbar – wollte man sich offenbar nicht widmen.

Problem: Druck

Ich schilderte im Gespräch mit den Mitarbeitern des BfPBuE auch den Vorfall und den Druck, den ein „Bundesbediensteter mit Truppenausweis (nicht im BMVg angestellt)“ während des Adlongesprächs auf mich ausübte.

Die Drohung im Kern: „Hören Sie auf zu publizieren, sonst starten wir eine Schmutzkampagne!“. Der Bundesbedienstete sprach von einer Kaderakte, die mein Publikationsverhalten dokumentiere und durchaus auch Inhalte enthalten könne, die man notfalls auch erfinden würde.

Ich schilderte, das der Bundesbedienstete in „Stasi-Manier“ vorging. Der Mitarbeiter des BfPBuE regte sich daraufhin sichtlich auf und meinte, ich solle doch meine Wortwahl mal überdenken und nicht auf dieses Niveau gehen.

Ruhig schilderte ich ihm, dass die Klassifikation „Stasi-Manier“ nicht von mir stamme. Sie ist das sinngemäße Zitat einer Person, der ich den Ablauf des Gespräches schilderte und die dann „die Masche“ aus ihrem früheren Erleben zu DDR-Zeiten wiedererkannte. Die Art der Gesprächsanbahnung, die Atmossphäre, die ich beschrieben habe, Worte, wie „Kaderakte“ und nicht zuletzt die mehr und weniger offen ausgesprochenen Drohungen erinnerten den ehemaligen DDR-Bürger sehr an seine Begegnung damals.

Ich selbst verwende diese Klassifizierung nur mit Hinweis darauf, dass sie nicht von mir stammt.

Problem: Bachelorabschluss

Ich tue mich weiterhin schwer, die notwendige Abschlussarbeit anzugehen. Das hängt einerseits mit den bestehenden Konzentrationsproblemen zusammen, andererseits mit dem Thema, das ich mir gesetzt habe. Auch hier übte der „Bundesbedienstete“ Druck aus und erklärte mir sofort, das Thema würde niemanden interessieren. Ehrlicher wäre vermutlich gewesen zu sagen: „Verdammt, jetzt suchen Sie sich doch nicht NOCH EIN WEITERES Thema aus, das uns nicht passt!“

Gleichzeitig sehe ich derzeit aber auch keine Chance einen Weg in eine Festanstellung oder eine freie Tätigkeit im Journalismus zu finden. Zunächst, weil auf seltsame Weise meine Themen abgelehnt werden, wenn ich meine Recherchen zugänglich mache bzw. nur ein Thema äußere, was ich möglicherweise realisieren will.

Im Raum stehen aber auch die überzeugend präsentierten Drohungen des „Bundesbediensteten“. Das Thema, was ich abdecken würde wird also nicht zu Einnahmen führen und dafür zusätzlich noch Druck und Schwierigkeiten produzieren. Vom Thema abzulassen ist mir leider nicht möglich. Doch fehlt mir zum Aushalten des Themas leider auf Dauer die Kraft.

Problem: Therapie

Mit all dem im Gepäch soll ich nun „Ruhe finden“ und mich „auf die Therapie einlassen“. Immerhin gelingt mir noch das – aber die Aspekte, die meine Erkrankung ausmachen werden mich noch lange Zeit im Alltag begleiten und ich brauche erst einmal Situationen in denen ich mich bewähren kann.

Genau diese Situationen meide ich aber derzeit. Mir fehlt dazu weiterhin die Kraft. Bewerbungen und Bewerbungsgespräche sind für mich ein Horror. Sie sind eng mit den Chefsituationen verknüpft, die meine Belastung ausgelöst haben. Gleiches gilt, mich der Bachelorarbeit und der Beurteilung durch den zuständigen Professor zu stellen.

Hier meinte die anwesende Ärztin beim BfPBuE dann : „Ja, das ging uns doch allen so.“

Meine Anspannung wächst auch jetzt noch, wenn ich diese Worte höre. Nein, liebe Frau Doktor. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie bei jedem Vorgesetzten, Professor oder Chef bei gewissen Verhaltensweisen plötzlich eine vergleichbare Lebensbedrohung empfinden, wie das bei mir der Fall ist. Auch wenn ich weiß, warum ich so reagiere: einen Weg damit umzugehen habe ich derzeit nicht.

Für den Bereich Triggerthemen schlug sie vor, doch einfach ein anderes Thema zu wählen um den Druck heraus zu nehmen. Dazu kann ich dann nur sagen: „Fein. Dann ist mir leider die Arbeit egal und ich werde sie wohl nicht schreiben.“

Auch die Aufforderung, es sei an der Zeit, nach vorne zu schauen geht „am Bedarf vorbei“. Für mich ist es an der Zeit, das mal eine Antwort kommt. Gregor Gysi findet das auch und unterstützt mich bei dem Ansinnen, die Antwort auf die kleine Anfrage öffentlich zu bekommen.

Freie Berufswahl

Das ich mich 2010 dafür entschied in den Journalismus zu gehen war eine Notlösung, weil schon die Notlösung davor (Studium Informationsmanagement) im Zuge der zerbrechenden und immer komplizierter werdenden privaten Situation nicht funktionierte.

Mein eigentlicher Berufswunsch war 2008 kurz sehr deutlich erkennbar. Nach einem sechswöchigen Praktikum im Bildarchiv des Bundesarchiv in Koblenz suchte ich nach einer Möglichkeit mich zum Archivar ausbilden zu lassen.

Damals stand mir noch das volle Budget an Ausbildungsgeldern zur Verfügung. Um diesen Ausbildungsweg einzuschlagen hätte ich eine weitere Sprache nachweisen müssen. Gefordert waren Latein oder Französisch. Ein kleines Latinum hätte sich in einem Intensivkurs sehr schnell erarbeiten und nachweisen lassen.

Showstopper war in diesem Bereich dann aber wieder die Bundeswehr in Form des Berufsförderungsdienstes. Die Förderung einer Sprachausbildung – selbst mit dem Eingliederungsziel für den Archivdienst – sei (laut BFD-Berater in Koblenz) nicht möglich, denn man dürfe nach den Vorschriften keine Maßnahmen fördern, die nur der Persönlichkeitsbildung dienen würden.

Ausblick

Nachdem mein Blog zwar beim BfPBuE Anklang findet – bei anderen Bundesbediensteten aber eher Basis für Drohungen ist und für die Verbeitung in Massenmedien schlicht nicht spektakulär genug und vermutlich zu kopflastig ist, sagte ich dennoch zu, weiterhin fair und bei Fakten zu bleiben.

Das war in den letzten 97 Beiträgen immer mein Bestreben – und wird es auch in Zukunft sein.
Auf Dauer wird aber ein Schulterklopfen oder anerkennendes Nicken nicht ausreichen. Selbst wenn es aus dem Büro des BfPBuE kommt. Ähnliche Reaktionen hatte ich bereits beim Deutschen Bundeswehrverband und beim Reservistenverband.

Ein echtes Interesse an der Verbreitung der Fragen, die ich stelle und an den Unzulänglichkeiten, die ich dokumentiere scheint es aber nicht zu geben.

Weder auf Seiten des Deutschen Bundeswehrverbandes, den ich im letzten Jahr um eine Einstellung als Redakteur gebeten habe, um das Thema weiter führen zu können. Auch seitens des Reservistenverbandes sah man keine Möglichkeit.

Werte Vertreter der Verbände:

Nachdem Sie sich zur Jahresmitte 2013 ähnlich interessiert zeigten und im Fall des DBwV zum Gespräch luden wäre das jetzt doch mal eine gute Gelegenheit, das Blog in den Verbandspublikationen aufzugreifen.

Bitte sehen Sie es mir nach: zur Hofberichterstattung bin ich nicht mehr fähig. Falls ich das überhaupt je gewesen bin.

Beim Verlassen des Büros bat ich darum, Frau von der Leyen doch bitte an die Beantwortung des Briefes vom 31.03.2014 zu erinnern. Zwei der drei Briefe, die ich an ihre unterschiedlichen Adressen versendet habe wurden mittlerweile durch Bevollmächtigte abgeholt.

Das „Adlon“-Gespräch – warum die Pause nötig war

Nach nur wenigen Artikeln über den Fortgang der Therapie greife ich das Thema Trauma nun wieder auf. Die Aufarbeitung läuft anders, als 2013 – aber nicht weniger intensiv. Kritikern, die mir vorhalten: „Geh studieren und such dir eine Arbeit!“ kann ich derzeit nur mit meinem Assistenten begegnen. Manche habe ich auch schlichtweg aus dem Freundeskreis entfernt.

Kritik aus Reihen der Einsatzgeschädigten

Die Schlagzahl der Artikel hier hat sich ein wenig reduziert. Vereinzelt kam Kritik auf „Ja, Ja, die finanzielle Situation ist gesichert – schon hast du kein Interesse mehr am Thema!“ Diese Einschätzung ist schlichtweg falsch. Die Aufarbeitung der Erlebnisse kostet Kraft und Energie, die nicht immer gleichmäßig vorhanden ist – nicht zuletzt, wenn Druck auf mich ausgeübt wird.

Meine Konzentrationsfähigkeit schwankt sehr stark und die Rahmenbedingungen, um zu schreiben und Texte zu entwickeln sind nicht immer vorhanden. Schreiben – noch dazu wenn es einen Menschen selbst betrifft – ist kein Wasserhahn, den man aufdreht und schon fließen die Worte.

Das Thema verliere ich aber nicht aus den Augen. Weder für mich, noch für andere.

Adlon-Gespräch: Die eigene Strategie: „Ich mache weiter!“

In einem Phoenix-Interview habe ich thematisiert, wie ich derzeit meine Arbeit schützen muss. Über den Ablauf des „Adlon-Gespräch“ gebe ich im Text dann Auskunft.

Im Dezember griff mich ein „Regierungsmitarbeiter“ während meines Protests auf der Straße vor der britischen Botschaft ab und lud mich ein: „Da kann ja mal der eine Reservist dem anderen einen Kaffee ausgeben.“

In dem rund dreistündigen Kaffeegespräch drehte er mit mir eine kleine Runde durch die politischen Strukturen Berlins und gab mir einen intimen Einblick in die Arbeitsabläufe und mit welchen Kräften ich mich da derzeit anlegen würde.

Er riet mir, Facebook, Twitter und Blogaktivitäten einzustellen und war auch der Auffassung, dass das Thema meiner Bachelorarbeit nicht von allgemeinem öffentlichen Interesse sei.

Er: „Sie wollen doch keine „Kaderakte“ haben.“
Ich: „Was ist denn eine Kaderakte?
Er: „Da steht alles drin, was sie online so machen. Und noch das, was man so dazu erfinden kann.“

Schon zum Selbstschutz kündigte ich an, dass ich nicht etwa Islamkarrikaturen, Trauma oder Menschenrechtsverletzungen im Auslandseinsatz thematisieren würde, sondern Journalisten einen Überblick über notwendige Schutzmaßnahmen für die redaktionelle Arbeit geben will.

Im Gespräch zückte der Regierungsmitarbeiter irgendwann seinen Truppenausweis und meinte:

„Das Ziel muss doch sein, dass sie wieder so etwas bekommen.“ Ich entgegnete, dass er sich gar nicht vorstellen könne, wie sehr ich NICHT mehr Teil der militärischen Hierarchie sein will:

„Das einzige, was ich mir in Bezug auf eine Tätigkeit beim Bund noch vorstellen könnte wäre, im Büro des Wehrbeauftragten die Verfehlungen der Truppe zu verfolgen.“

Ein Widerspruch in sich

Wo genau der „Regierungsmitarbeiter“ mit mir hin wollte kann ich nur mutmaßen. Zunächst bescheinigte er mir, dass ich zu intelligent für eine normale Bundeswehrlaufbahn sei :
„Sie nehmen zu viel wahr und hinterfragen das dann. Das hätte die Offizierbewerberprüfzentrale feststellen müssen und sie gar nicht zum Offizier zulassen sollen. Solche Leute sucht man dort eigentlich nicht.“

So recht passt es nicht zu seiner Aussage, ich müsse doch wieder einen Truppenausweis bekommen.

Ich nahm prompt die Auswahlkommission in Schutz. Mein Abiturzeugnis legt mit einem Durchschnitt von 3,5 in der Tat nahe, dass ich nicht das hellste Birnchen am Weihnachtsbaum wäre.

Trauma-Exkurs

Der Regierungsmitarbeiter war bereit, mir ein paar hilfreiche Hinweise zu geben, was meine Traumatisierung angeht. Offenbar geschichtlich bewandert begann er seine Trauma-Deutung mit den Kriegszitterern im ersten Weltkrieg und der Feststellung, das im zweiten Weltkrieg das Phänomen seltener aufgetreten ist.

Der Aspekt (Todes-)Angst und Lebensgefahr über einen längeren Zeitraum ausgesetzt zu sein spielt offenbar eine wichtige Rolle für das Trauma. In meinen Einsatzerlebnissen ist dies häufiger zu finden. Insbesondere die Lager-Situation habe ich nach den Erlebnissen in Tetovo als belastend empfunden.

Ein Camp in der Innenstadt – im Wissen, wo das in Tetovo geendet ist, war schon die Einfahrt in das alte Camp in Kunduz eine Einstimmung auf die bedrückenden Gefühle, die ich aus dem März 2001 kannte. Eine ehemalige Gärtnerei mit Lehmmauern im Bereich der Stadt – die Parallelen waren eindeutig und stießen mir sofort unangenehm auf.

Mit der Verschärfung im Januar 2006 wurde das Camp dann im Februar 2006 zum Präsentierteller, der wohl nur durch Glück nicht zum Mittelpunkt einer gewalttätigen Demonstration wurde, wie das Camp in Meymaneh, Frayab.

Kein Ausweichen möglich

Auch in den späteren Einsätzen waren die Situationen belastend, in denen es keine Möglichkeit gab, mich in Sicherheit zu bringen. Die beiden Fahrten zu denen ich mit wenig oder schlicht falschen Informationen aufgebrochen bin waren dabei ebenso belastend, wie die Einbindung in die militärische Hierarchie.

Wenn eine fachlich korrekte Entscheidung auf Basis von „Eichenlaub auf der Schulter“ negiert wird, dann nimmt es gleichermaßen den Raum, das Richtige zu tun, wie das Festsitzen in einem Jeep, der ungeschützt in eine nicht angekündigte Tagesfahrt unterwegs ist.

Provokation am laufenden Band

Der „Regierungsmitarbeiter“ unternahm immer wieder Versuche mich zu provozieren. Konservative Ansichten ertrage ich in der Regel – über schwulenfeindliche oder antisemitische Äußerungen, wie sie in dem Gespräch passierten kann ich nicht hinweg sehen.

Als sich der Mitarbeiter am Ende des Gespräch vor der US-Botschaft von mir verabschiedete, stand am Pariser Platz gerade der achtarmige Leuchter – ein jüdisches Symbol.

Regierungsmitarbeiter: „Das Ding kennen Sie, oder?“

Worauf er mit der Frage hinaus wollte, war mir zunächst nicht klar, aber ich sollte die Information gleich erhalten:

„Dieses Facebook – das ist auch von so einem Juden gemacht.“

In einem späteren Mailkontakt ergänzte der Regierungsmitarbeiter sein Profil noch um einige weitere Einschätzungen. Passend zu einer „Tornisterkarte“ von 1941 ( heute heißen solche Karten für Soldaten „Taschenkarten“) ordnete er in der Mail ein, dass er die Einwanderungspolitik der letzten 30 bis 40 Jahre für verfehlt halte.

140126-Mail_1

140126-Mail_2

Ich habe mich nach über einem Monat jetzt dazu entschlossen, diese Dinge öffentlich zu machen. Eigentlich kein guter Stil für einen Journalisten private Nachrichten zu veröffentlichen – aber wie bereits erwähnt: die antisemitischen Äußerungen aus dem Gespräch, wie auch die weiteren Provokationen nehme ich nicht hin.

Ich habe weitestgehend anonymisiert – Rückschlüsse auf die Person sollten nicht möglich sein. Dienstliche Nachteile dürften sich auch nicht ergeben – nach eigenem Bekunden ist der Verfasser der eMail kurz vor Ende seiner Dienstzeit und denkt auf einem Buch herum, dass weitere intime Blicke in die Berliner Regierungsarbeit gibt.

Na, da kann ja mal der eine „Noch-Reservist“ dem anderen „Reservisten“ doch einmal Starthilfe geben und Werbung machen für das, was da irgendwann kommt.

Trennen? Nicht möglich.

Immer wieder wurde ich auch von Kommentatoren aufgefordert, das Traumathema aus meiner Arbeit heraus zu nehmen. Ich denke, mit der Erfahrung, die ich gesammelt habe, ist das nicht möglich.

Ich muss davon ausgehen, dass Kritiker mir in Zukunft bei jeder möglichen Gelegenheit das Trauma vorhalten und Recherchen, Artikel und Äußerungen damit entkräften wollen. Diverse Facebook-Diskussionen nahmen bereits diesen Verlauf.

Das, was ich erlebt habe hat – neben all den belastenden Aspekten, die mein Leben stark beeinträchtigen (Depression, erhöhte Wachsamkeit, Unfähigkeit zu Vertrauen) auch ein paar Vorteile, die ich hoffentlich bald für mich nutzen kann.

Bis ich dazu in der Lage bin, bitte ich mein Umfeld um folgendes:

1. Wenn weitere Regierungsmitarbeiter mit mir Kontakt aufnehmen wollen dürfen Sie es gern tun. Ich unterhalte mich gern über die Traumaaspekte und über Missstände in der Bundeswehr – wir können Stunden damit verbringen, ohne dass später Details veröffentlich werden, wie ich es heute tat. Nehmen die Gespräche allerdings den Verlauf des Adlon-Gesprächs, dann ladet euren Mist bitte anderswo ab.

2. Freunde und Kollegen: redet mit mir. Zahlreiche Diskussionen finden statt. Die Anzeichen dafür sind da, werden mir teils absichtlich, teils unabsichtlich mitgeteilt. Mit mir selbst reden tun jedoch die wenigstens. Über mich reden: offenbar einige.

3. Vorgesetzte und Arbeitgeber
In diesem Bereich kann ich mir nur wünschen, dass Anrufe und Beeinflussungen der redaktionellen Arbeit öffentlich gemacht werden, wenn sie kommen.

Ich mache mir keine Illusionen, dass es viele Möglichkeiten gibt, mir das Leben schwer zu machen. Besonders im finanziellen Bereich bin ich weiterhin nicht stabil – werde es wohl auch mit der schwankenden Leistungsfähigkeit nicht immer sein.