Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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Wo ist meine G-Akte?

Ja, das hätte fast ein halbes Jahr ohne besondere Vorkommnisse werden können. Doch heute klingelt zur Nachmittagszeit das Telefon. Derzeit sucht die Koordinierungsstelle Einsatzgeschädigte oder eine andere personalbearbeitende Stelle meine Gesundheitsakte – kurz G-Akte. Keine Angabe zum Anlass der Suche – ich vermute irgendeine Routine.

Anders, als zunächst vermutet, befindet sich die Akte nicht im SanBereich der Julius-Leber-Kaserne. Nach dem unangenehmen Zusammentreffen im November hatte ich auf anraten meines betreuenden Arztes im Psychotraumazentrum veranlasst, dass meine Akte an den SanBereich Mitte übersendet wird. Damit hätte ich für alle Arztbesuche nur noch das Bundeswehrkrankenhaus als Anlaufstelle.

Laut eMail-Verkehr sollte die Akte auf dem Weg sein. Doch die Aussage des SanBereiches Julius-Leber ist,ich hätte die Akte „am Mann“.Um nachvollziehbar zu machen, dass das nicht der Fall ist, habe ich nun gewühlt und eMails kopiert, die Auskunft zum Anlass des Aktentransfers geben.

Dabei stieß ich auf die mir kürzlich zugesandte Kopie meiner Akte. Ich hatte im Mai darum gebeten und im Juni ging mir die Akte auch zu. Darin auch das Schreiben zum Arztbesuch um 15.11.2016, bei dem ich massiv unter Druck gesetzt wurde. Das Schreiben ist – wie erwartet – gespickt mit Formulierungen, die mich als „therapieunwillig“ und „ärztlich nicht führbar“ erscheinen lassen.

Status: der Soldat ist freigestellt zum Studium, gibt an „… ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder für die Bundeswehr
tätig zu werden…“

Immerhin treffend, denn ich bin nur noch Teil des Regulierungsapparates der Bundeswehr, weil ich durch den Dienst eine gesundheitliche Schädigung erlitten habe, die ich jetzt aufarbeite.

Herr Oberleutnant Lücking ist als Patient nicht führbar. Er macht die Vorgabe, dass bei ihm ine „moralische Verletzung“ anzuerkennen ist.

Interessante Auslegung meiner Antwort auf die Frage, ob ich weiteren Behandlungsbedarf sehe. Ich beschrieb, dass ich gewisse Aspekte auf Stress zurückführe, andere aber wohl eher in den Bereich einer moralischen Verletzung liegen. Eine Einschätzung, die einer der behandelnden Ärzte auch 2013 schon äußerte.

Die in …Berlin und Hamburg angebotenen Therapien der Fachärzte lehnte er ab.

Auch das entspricht nicht der Wahrheit. Seit der Diagnose im April 2013 habe ich

– einen vierwöchigen Stationären Aufenthalt in Berlin und
– eine einjährige ambulante Therapie

absolviert. Ich lehnte lediglich die medikamentöse Behandlung ab und entschied mich für einen verhaltenstherapeutischen Ansatz.

Abgelehnt habe ich lediglich die „Trauma-Release-Exercise“-Methode, die mir die Bundeswehr nur beim „Standortpfarrer“ genehmigen wollte. Zuvor hatte ich über ein halbes Jahr eine sehr gute zivile Therapeutin, die dann aber nicht mehr von der Bundeswehr bezahlt wurde. Begründung: nicht erstattungsfähig. Seltsam nur, dass die Methode vom „Standortpfarrer“ angeboten wird – also durchaus im Repertoire des Dienstherrn eine Bedeutung hat. Dass ich mit einem neuen Therapeuten quasi wieder bei Null hätte anfangen müssen – kümmert offenbar niemanden. Dass ich damit auch Kapazitäten belegen würde, von denen die Bundeswehr, wie an vielen Stellen nachlesbar, schlichtweg zu wenige hat: kümmert offenbar auch niemanden.

Einlassen würde er sich eventuell auf eine … Online-Therapie.

Im Gespräch am 15.11.2016 versuchte ich dem Arzt klar zu machen, dass ich mit dem Psychotraumazentrum in Verbindung stehe und ein geeigneter Termin für die Teilnahme an der Onlineschreibtherapie-Studie gesucht wird. Auf der fachlichen Ebene liefen also Absprachen. Meine ausdrückliche Bereitschaft zur Teilnahme habe ich ebenfalls deutlich gemacht. Quittiert wurde es Seiten des Arztes mit: „Onlineschreibtherapie? Das ist doch nur eine weitere Möglichkeit sich dem Dienstherrn zu entziehen.“

Eine Behandlungsmethode, die vom Dienstherrn angeboten wird und bei der der Soldat die Option hat – vom Dienstherrn ausdrücklich gewährt – selbst zu entscheiden, ob der Befund hinterher in der G-Akte landet. Eingerichtet wurde diese Wahloption, damit mehr Soldaten Hilfe in Anspruch nehmen, ohne Auswirkungen auf ihre Karriere zu fürchten.

Da für mich ohnehin keine Karriere in Frage kommt, gebe ich eine Kopie des Abschlussbefundes, auf den ich derzeit warte, sehr gerne auch in die Akte.

Als Truppenarzt habe ich den Eindruck einer Vermeidungsstrategie, sehe keine Motivation zu einer Behandlung.

Nachdem ich im Sommer letzten Jahres wieder mit deutlichen Stressreaktionen zu kämpfen hatte, stand ich im regelmäßigen Kontakt zu Sozialdienst, Berufsförderungsdienst und Psychotraumazentrum der Bundeswehr. Ein Truppenarzt, der meinen Fall nicht kennt überfliegt meine Akte binnen 5 Minuten, macht mich danach 15 Minuten fertig und stempelt mich als „nicht führbar“ ab.

Eröffnung der Truppenärztlichen Stellungnahme

Der wirklich unverschämte Aspekt ist, dass mir dieses Schreiben nie zur Kenntnis gegeben wurde. Es nahm vom SanBereich Wedding direkt den Weg zum Sanitätskommando nach Diez. Das Schreiben ist voll von nachteiligen Behauptungen gegen mich, die nicht zutreffend sind. Ich kann nicht beweisen, was der Truppenarzt gesagt hat – der Truppenarzt aber kann in seinem Schreiben alles behaupten, was mir zum Nachteil gereicht.

Seltsam ist, dass bis zu diesem Zeitpunkt JEDER Befund des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin und in Hamburg selbstverständlich in Kopie auch an mich gegangen ist. Auch normale ärztliche Begutachtungen – sogenannte BA 90/5 – bei denen es um dienstlich angeordnete Untersuchungen für z.B. Einsatztauglichkeit geht, haben ein vorgesehenes Feld, in dem der Soldat quittieren muss, den Befund erhalten und erklärt bekommen zu haben. Zusätzlich erhält der Soldat die Möglichkeit eine Stellungnahme abzugeben.

Nun stehe ich ob der derzeit nicht (sofort) auffindbaren Akte sogleich im Verdacht, diese im Besitz zu haben, weil nicht ordnungsgemäß im Verantwortungsbereich desselben Truppenarztes nachgehalten wurde, dass meine Akte von Postleitzahl 13405 nach Postleitzahl 10115 transferiert wurde.

Wegen der Art der Aktenführung („Truppenärztliche Stellungnahme) sowie dem derzeit nicht nachvollziehbaren Verbleib meiner G-Akte habe ich heute Beschwerde beim Wehrbeauftragen eingereicht.

Ich will erreichen, dass alle betroffenen Soldaten, die in einem Versorgungsverfahren der Bundeswehr hängen mit einer 100%-Kopie ihrer Akte ausgestattet werden und jeden Befund verpflichtend auch als Kopie erhalten müssen.

Ich erlebte bereits im Juni 2014, dass keine der beteiligten Bundeswehrstellen etwas zum Verbleib von Akten aus meinem Versorgungsverfahren sagen konnten. Meinem Anwalt wurde damals am Telefon gesagt „Wir wissen nicht, wo die Akte ist. Wenn Sie hier anrufen machen Sie es nicht besser – eher schlimmer.“ Zum Zeitpunkt des Anrufes hatte es seit einem Jahr keine Benachrichtigung zum Stand des Verfahrens gegeben.

Es ist übel, dass Ärzte das Vertrauensverhältnis, das Patienten immer annehmen derartig ausnutzen. Logische Konsequenz aus diesem Verhalten wäre, zu jedem Arztbesuch entweder eine_n Zeug_in mitzunehmen oder alles im Video oder Audio festzuhalten, was gesprochen wird.

Mich halten diese Erfahrungen derzeit davon ab, Vorsorge- und Routineuntersuchungen anzugehen, die in meinem Alter angemessen werden. Ich kann mir nicht sicher sein, dass nicht erneut Druck ausgeübt wird. Bei meiner Bänderverletzung im Januar überlegte ich sogar vor dem Besuch der Notaufnahme, ob ich nicht besser darauf verzichte.

Ich hoffe darauf, dass der Wehrbeauftragte in diesem Fall Abhilfe schaffen kann. Verpflichtende Kopien über alle Befunde und Stellungnahmen für die betroffenen Soldaten sollten eine Bundeswehr vor keine unüberwindbare Herausforderung stellen, die ansonsten jeden Vorgang routinemäßig in mindestens 3 bis 6 Ausfertigungen dokumentiert, bei dem sich die Möglichkeit ergibt, einem Soldaten hinterher ein Fehlverhalten anzulasten. Bloß umgekehrt wollen es manche Stellen wohl nicht haben. Soviel zum Thema „Tapferkeit“ und „Fürsorgepflicht“ des Dienstherren.

… und es geht eben auch anders

Nach der letzten negativen Erfahrung (siehe „Staatsbürger“- & „Einbestellt“-Text wurden die Tage und Wochen wieder ziemlich unerträglich. Ich schaffte es zwar überwiegend, die Außentermine aufrecht zu erhalten und fiel auch nicht aus dem gerade erst gestarteten Schlagzeugunterricht. Rettend war auch ein ohnehin geplantes Wochenende in Frankreich, was für Abstand sorgte.

Doch es ändert nichts an der zersetzenden Wirkung, die dieser einzelne Termin am 15.11. entfaltet. Es gab Tage, an denen nichts mehr ging. Erschöpfung – Angst – Hoffnungslosigkeit – getriggert durch die impliziten Drohungen des Arztes am 15.11.2016. „Ich will ihnen nur zeigen, wie sich das entwickeln kann“ – das ist kein Disclaimer für Aussagen, wie „Onlinetherapie ? Das ist doch nur ein Mittel, sich der Kontrolle durch den Dienstherrn zu entziehen.“ oder „Wenn Sie eben als Eremit leben wollen – bitte – aber dafür muss die Bundeswehr ja nicht zahlen.“ Das ich die Behandlung mit Antidepressiva ablehne und mich lediglich über Verhaltenstherapie an einen besseren Umgang mit den Depressionen heranarbeite, ist eine mögliche Entscheidung und vor allem: meine Entscheidung.

Anders, als noch vor drei Jahren war ich nach der Provokation am 15.11. immerhin in der Lage soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, statt mich komplett zurückzuziehen. Kompletter Rückzug – das war in der Vergangenheit das sprichwörtliche Anstarren der Wand, das mit Mangelernährung und Rückzug aus nahezu allen sozialen Aktivitäten einherging. Nein – das suche ich mir nicht aus. Nein – das passiert nicht freiwillig. Das ist schlicht die Reaktion auf Verhalten, wie „Bossing“, „Mobbing“ oder unqualifiziert geäußerte und gegen mich durchgesetzte Kritik. Ich habe all das schon einmal ertragen müssen. Es führte damals in lebensgefährliche Situationen und sorgt bis heute dafür, dass ich psychisch und physisch mit der gleichen Anspannung reagiere – selbst dann, wenn es gar nicht mehr zu einer Lebensgefahr führt.

Für die simplen Verwaltungsgemüter, die anzweifeln, was ich hier beschreibe, empfehle ich einen perfiden Selbsttest nach Pawlow-Muster:

1. Sie – der Zweifler – beauftragen bitte nun den Kollegen vom Schreibtisch gegenüber, zunächst ein Weihnachtsglöckchen zu läuten und ihnen dann mit einem Hammer auf eine Fingerkuppe zu schlagen. So fest, wie es nur geht. Ja, das tut weh. Aber das ist ja nur einmal. Halten Sie sicher aus.

2. Wiederholen Sie die unter 1 beschrieben Prozedur mit den verbliebenen neun Fingern. „Glöckchen – Hammer – Finger“

3. Sollten Sie wirklich nach 10 Fingern immernoch auf dem Stand sein, dass sie nicht schon beim Erklingen des Glöckchens schreiend und in Panik das Büro verlassen: sie haben ja auch noch 10 Zehen am Fuß.

4. Beobachten Sie in den kommenden Jahren selbst, wie sie auf ein erklingendes Glöckchen reagieren.

Das ich auf dem Therapieweg längst nicht am Ende bin, habe ich im Laufe des Jahres längst selbst bemerkt. Oft waren es stressige Phasen im Studium, in denen ich zunächst versuchte, alle Leistungen zu 100% zu erfüllen. Im Ergebnis stand eine Art Erschöpfungsdepression. In zwei Praktikas konnte ich mich in Chefsituationen beobachten, erfahren, was es mit mir macht und auch hier wieder Gegenmaßnahmen treffen. Leider ist es weiterhin nicht so, dass nach solchen Erfahrungen einfach ein erholsames Wochenende reicht, um am nächsten Montag wieder unbefangen am Arbeitsplatz zu erscheinen. Konzentration und Kreativität – beides immanent wichtig für meinen Beruf – verlieren und die Kraft geht in Wachsamkeit, Vermeidung und Anspannung.

Wie es besser geht

Am Dienstag ging es darum, mich auf die Teilnahme an der Online-Schreib-Therapie vorzubereiten. Diese Studie führt das Psychotrauma-Zentrum der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Psychologen der FU-Berlin durch. In einem Eingangstelefonat und einer Vorerhebung wird zunächst geprüft, welche Bereiche für den Patienten derzeit relevant sind und welche problematischen Ereignisse gesehen werden.

Es kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, mit denen die Auswirkungen von Stress erfasst werden. Neben einer Eyetracking-Sitzung, in der die Reaktion auf mögliche Traumaauslöser beobachtet wird, wird mittels Haar- und Speichelproben die Entwicklung des Kortisolwertes beobachet. „Kortisol-Analysen im Haar geben einen Hinweis auf chronischen Stress.“, heißt es im Infoblatt, das den Patienten ausgehändigt wird. Die Haarprobe wird zum Anfang der Studie genommen, Speichelproben am Anfang, während und nach der Studie. Hinzu kommt die Herzratenmessung während der Schreibaufgaben. So viel zum Argument des Arztes vom 15.11.2016, der urteilte, dass eine Online-Schreibtherapie ja auch nur ein Weg sei, sich der Kontrolle des Dienstherrn zu entziehen.

Mir steht es – wie allen anderen Teilnehmern der Studie, egal ob aktiver Soldat oder bereits zivilorientierter Verwaltungsfall – frei, ob das Ergebnis der Onlineschreibtherapie in Form eines Abschlussberichtes Teil der Krankenakte wird.

Ich kann nicht sagen, ob es schlichtweg daran lag, dass ich von einem zivilen Psychologen durch den gestrigen Tag begleitet wurde, aber die Atmosphäre empfand ich als konstruktiv und zielorientiert – kein zu den Anschuldigungen am 15.11.2016 oder dem in „Befund – lesen bei Strafe verboten“ beschriebenen Termin im Oktober 2015.

In den kommenden Tagen muss ich insgesamt 12 Speichelproben zu festgesetzten Zeiten sammeln. Ab Samstag steht mir dann das Login auf dem Therapie-Server zur Verfügung. Insgesamt sollen zwei Texte pro Woche entstehen, die – so die Zusicherung des Psychologen – nur kurze Zeit auf den abgesicherten Servern verbleiben und zeitnah nach der Antwort des Therapeuten wieder gelöscht werden. Die Antwort auf die Texte soll mich innerhalb von etwa einem Werktag erreichen.

Nach den ersten Schreibaufgaben werde ich entscheiden, wie viel ich anteilig davon öffentlich mache oder ob ich nur „über“ den Verlauf der Therapie schreiben werde.

Notwendigkeit

Mir war klar, dass es noch belastende Anteile gibt, die mein Leben beeinflussen. In Praktika und im Studium setze ich mich gezielt diesen Situationen aus und komme zunehmend besser damit zurecht. Zumindest, wenn es darum geht, auf Stress zu reagieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Rückschläge, wie der Termin am 15.11.2016 irritieren und werfen mich zurück. Statt mich mit der Semesterplanung des Wintersemesters, sowie den Aufgaben in den Kursen zu befassen, lag ein Großteil der Aufmerksamkeit darauf, was der 15.11.2016 ausgelöst hat und wie ich verhindere, dass die Folgen mein soziales Umfeld belasten und teilweise auch wieder zerstören. Doch anders, als 2013 gibt es nun Menschen, die mich auf dem Weg unterstützen. Dafür bin ich dankbar.

Befund – lesen bei Strafe verboten!

Am Mittwoch fand einer erneute Begutachtung statt. Angekündigter Zweck war, über die Kostenübernahme der Trauma-Release-Exercise (TRE) Klarheit zu bekommen. Diese Klarheit ist nun da. Nichts wird übernommen.

Zunächst ging es in ein kurzes Arztgespräch. Ich schilderte, wie ich über die Kombination aus Coaching und TRE-Methode zu einer besseren Stresswahrnehmung und einem besseren Stressmanagement gekommen bin und das in der Lage war, zu Coach und Therapeutin ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Autoritätspersonen waren nach den Erfahrungen im zweiten Einsatz ein wesentliches Problem für mich, da ich durch die Einspannung in die Hierarchie in mindestens zwei Fällen in ziemlich gefährliche Situationen geraten bin.

Mein kleines Problem mit Hierarchie

Zunächst war es schlechte Kommunikation zwischen meinem Vorgesetzten und dem Herrn vom Auswärtigen Amt dazu gekommen, dass ich zu einer Tagestour aufbrach, die als „Hilfsgüterübergabe“ in der Nähe des Camps angekündigt wurde. Ich rechnete nicht damit, mich ohne Kommunikationsmittel im Laufe des Tages rund 180 Kilometer vom Lager zu entfernen.

Unterwegs, ohne die vorgeschriebene Sicherungskomponente von mehreren Soldaten und Fahrzeugen – quasi auf dem Präsentierteller als einziger Uniformträger. Mitten in einer Hilfsgüterübergabe an mehrere hundert Menschen und später dann zu einem TV-Termin des ZDF, ungesichert zu Fuß über die Trampelpfade in einer afghanischen Ortschaft.

Nicht nur mir hat dieser Tag zugesetzt. Ich sprach meinen damaligen Vorgesetzten kurz beim „Tag der offenen Tür des Bundeswehr“ im August in Berlin. Er beschrieb, dass auch bei ihm der Eindruck entstanden war, die Hilfsgüterübergabe würde in der Nähe vom Camp stattfinden.

Ich bemerkte zu spät – an einem Punkt, wo umkehren keine Option mehr war – dass wir uns mehrere Stunden weit entfernt vom Lager aufhalten würden. Das Problem daran: verwaltungstechnisch wäre mir das als Verstoß gegen die Vorschriften, als Dienstvergehen oder ähnliches ausgelegt worden. Für meine Familie hätte das bedeutet, dass keine Absicherung da gewesen wäre.

Das ich auf Basis der Erfahrungen massive Probleme mit Studenten und Dozenten im Studium Onlinejournalismus, sowie auch Vorgesetzten in einer Redaktion hatte, kann ich beim Doc kaum erläutern. Letztlich ging es soweit, dass ich über fast zwei Jahre nicht in der Lage war in die Bachelorarbeit einzusteigen, um nicht einem Professor – Autoritätsperson – ausgeliefert zu sein.

Der Doc macht im Oktober 2015 daraus, es gäbe „Hinweise auf eine formale Denkstörung in Form eines Haftens an vermeintlichen Fehlern anderer“. Nein, lieber Doc – ich halte nur kein unkooperatives, autoritäres Verhalten mehr aus, was mich dazu bewegen soll Dinge zu tun, von denen ich weiß, sie sind falsch.

In der Wahrnehmung des Docs hatte ich während der Phase der Depression „wohl so eine Art Schreibblockade“. Autorität ist für mich noch heute ein Problem – insbesondere, wenn sich inkompetente Menschen über ihre höhere Position in der Hierarchie definieren und nicht mehr auf Augenhöhe reden wollen.

Das war wohl mit ein Grund dafür, warum ich in den Schritten der Behandlung außerhalb der Bundeswehr überhaupt wieder in der Lage war, Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Nicht nur in Coaching und TRE-Therapie, die mich wesentlich entlastet haben. Auch im Umgang mit Kollegen entlang des Untersuchungsausschusses, den ich seit anderthalb Jahren begleite klappt konstruktives Arbeiten auf Augenhöhe. Dünkelbehaftete Divas (jederlei Geschlechts) ausgenommen, die es auch dort gibt…

Der Doc interpretiert es als „rücksichtsloses Verhalten“, wie dem Befund zu entnehmen ist, den ich selbstverständlich wider der Androhung auf dem Kuvert:

„Arztsache – Nur durch den Arzt oder sein beauftragtes Hilfspersonal zu öffnen. Unbefugtes Öffnen kann strafrechtlich verfolgt werden (§§ 020 StGB)“

geöffnet und gelesen habe. Es geht um mich. Und Vertrauen in das, was in Bundeswehreinrichtungen passiert, kann ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr aufbauen. Punkt.


„Ich würde mich ja stundenlang mit ihnen über Politik unterhalten, aber ….“

Über die Erlebnisse rund um den Angriff auf das Camp Marmal und die Falschmeldungen an das Parlament, in denen vor allem Angaben über Festnahme und Verbleib der Kriegsgefangenen fehlen, mag auch er nicht reden. Genau das erlebe ich nun zum wiederholten mal. Im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg war das anders.

Zum Aspekt, dass ich am Abend des 27.09.2008 die Personendurchsuchung auf der Fahrbahn am Lagereingang sah, den Gefangenen sah und wenige Tage später erfahren musste, dass dieser nach Übergabe an die afghanischen Polizei getötet wurde, kommen wir im Gespräch nicht. Weder inhaltlich, noch, was das emotional mit mir gemacht hat. Immerhin: die Gefangennahmen können seit der Veröffentlichung von „Afghanistan-Connection“ nicht mehr geleugnet werden.

Testung, Timing und Fragenbatterie

Schon im Vorgespräch wurde mir angekündigt, das die TRE-Methode nicht finanziert werden würde. Nicht möglich nach den gängigen Vorschriften und Vergütungsregeln. Danach erfolgte eine erneute Testung über rund 300 Fragen zum aktuellen Befinden. Tolles Timing. Im Abschlussgespräch erhielt ich noch einmal den Hinweis, die Methode wäre nicht anerkannt und könne daher nicht bezahlt werden.


Soweit, so gut – und dann wirds schräg

TRE als Methode ist nicht erstattungsfähig. Machen Sie doch TRE. Ja, wer an dieser Stelle nun einen Knoten in den Kopf bekommt – ich löse den nun gleich auf.

Der Doc bot mir an, ich könne ab Dezember bei einem Pfarrer, der im Trauamzentrum tätig werden wird dann auch TRE machen. Das die Methode kurz vor der Einführung in das Traumazentrum steht ist begrüßenswert. Ich habe sie als sehr hilfreich empfunden und würde auch gern noch mindestens ein weiteres Jahr unter Anleitung diese Übungen machen, bei denen ich auch mit der Therapeutin gezielt in den Austausch über Stressoren und mein Stressmangement gehen kann.

Doch das sieht das Konzept der Bundeswehr nicht vor. Ich gelte entweder als gesund und darf zur beruflichen Rehabilitation (Studium Kulturjournalismus) schreiten. Oder ich bin „krank“ und darf TRE und anderes in Anspruch nehmen.

Am Ende des Termins erhalte ich erneut das „TRE mit Pfarrer-In-House-Angebot“. Ich erkläre ruhig und bestimmt, dass ich ein Vertrauensverhältnis zur Therapeutin aufgebaut habe, über Monate gute Erfolge in der Therapie hatte und – vor die Wahl gestellt – lieber gänzlich auf TRE und Therapeutin zu verzichten, als mit einem neuen Therapeuten bei Null anzufangen und wieder über wesentliche Aspekte, die in den letzten Monaten mehr und mehr in den Hintergrund rücken konnten auf ein Neues reden muss.

Aber sicher war auch das wieder rücksichtslos von mir.

Finanzierung

TRE- und Coaching schlugen mit rund 400 Euro im Monat zu buche. Mit dem Coaching war ich nach 11 von geplanten 10 Sitzungen gut aufgebaut. Mittlerweile habe ich – wenn auch etwas holperig – die Bachelorarbeit abgeschlossen (und hoffentlich auch bestanden). Dennoch: der Aspekt der Reflexion mit einer Therapeutin, ob ich genug tue, wenn es um Stressmangement geht, wäre immernoch hilfreich. Mehr, als zwei Sitzungen pro Monat würde ich nicht mehr in Anspruch nehmen.

Ja, ich habe zwar die Phase der Bachelorarbeit seit Juni 2015 ohne TRE-Begleitung absolviert – gut hat es sich aber nicht angefühlt. Aber besser weiterhin keine begleitete TRE, als umgeben von Uniformträgern in den Einrichtungen der Bundeswehr.

Dran wäre auch, dass ich den Studienkredit abbaue, der dafür gesorgt hat, dass ich in der Phase der „Anerkennung und Feststellung der Wehrdienstbeschädigung“ nicht in HARTZ4 und damit ohne Abschluss aus dem Studium gekickt wurde.Der Teilzeitjob in einem Callcenter konnte zusammen mit dem Kredit gewährleisten, dass ich auch nicht vom Unterhaltssicherungsamt zum Abbruch des Studiums genötigt wurde. Es ist ein Wunder, dass ich diese Phase ausgehalten und regelmäßig die Unterhaltszahlungen für meine Kinder zusammengebracht habe.

Mit zusätzlichen 250 Euro Therapiekosten kann ich nicht beginnen, den Studienkredit abzutragen und werde nach Ende des Studiums Kulturjournalismus wohl als „gesund“ mit Schulden starten. Schulden aus dem Wehrdienstbeschädigungsverfahren, denn eigentlich hatte ich den Studienkredit 2012 aufgenommen mit der Absicht nur 6 Monate in Anspruch zu nehmen. Dank der langen Verfahrensdauer wurden nun aber 24 Monate daraus.

Anyway: es ist nur Geld.

Diagnose

Immerhin: es sind im Profil „keine klinisch relevanten Dysfunktionalitäten abgebildet“.

Noch dazu sei ich „vorsichtig, kritisch, misstrauisch,nachtragend“. Ja, liebe Bundeswehr, wenn das mal nicht an euch und eurem Therapiekonzept liegt. Und hey: nur, weil ihr das als Paranoia verstanden wissen wollt, heißt das eindeutig NICHT, das sie NICHT hinter mir her sind ( <- ich sollte solche Witze echt nicht machen - die verstehen eh nur Twitterer.) Und danke auch für "energisch, zielstrebig, ehrgeizig" - das mochtet ihr ja laut meinen Beurteilungen schon während meiner Dienstzeit und habt es immer positiv hervorgehoben. Interessant, dass das Adjektiv "gewissenhaft" bei euch in psychometrischen Befunden auftaucht. Erhöhte Werte auf einer Subskala legen nahe, ich sei "eigenwillig bis unkonventionell, originell und exzentrisch". BÄMM!!!! Danke dafür, aber interpretiert es doch nicht in Richtung Shizophrenie. Gute Basis für den Journalismus. Und hey: wenn mir nach tanzen durch Berlin ist, dann tue ich das. Lachflash galore – Funfact am Rande

Ich zitiere den ersten Satz aus dem Abschnitt „Befund“:

„Sportliche, trendbewusste Person, schwarz gehaltene legere Freizeitbekleidung, Gepflegter, mittellanger Haarschnitt.“

Ich lache hart und bin zugleich froh, dass ein Mensch, der während seiner Arbeitszeit zu 70 bis 80 Prozent von Personen in jeglicher Art von Uniform und Jogginganzugkombination umgeben ist mich trendbewusst nennt.

„Wiedervorstellung bei Bedarf“ – danke, ich hatte reichlich!

Ich lege weiterhin keinen Wert auf die Institution Bundeswehr. Dennoch bin ich auf den Ausgleich der Nachteile angewiesen, die durch zu wenig Qualifikation und zu viele Einsätze in zu kurzer Zeit enstanden sind. Die Wehrdienstbeschädigung ist anerkannt und ich werde es nicht hinnehmen schlechter qualifiziert auszuscheiden, als das zu Beginn meiner Bundeswehrzeit mal vorgesehen war.

Deutlich aber wird wiedereinmal, dass das Nachsorgekonzept in wesentlichen Punkten weiterhin hakt. Dazu zählt auch, dass die Behandlung im Rahmen der „Freien Heilfürsorge“ – also quasi bundeswehrintern erfolgt. Der „Geschädigte“ muss sich also mit dem „Schädiger“ auseinandersetzen, wenn es um die Genesung geht.

Das ist ein Abhängigkeits- und Zwangverhältnis, das die Therapie immer wieder bremst und so nur noch mehr Kosten über eine längere Zeit entstehen lässt. Warum wird die Schutzzeit nicht in ein zivil-beamtliches Verhältsnis eingegliedert, bei dem der Geschädigte die Wahl hat, sich rein zivil behandeln zu lassen? Ja, auch dort würde die TRE-Methode derzeit nicht bezahlt. Aber es gäbe wenigstens Ärzte ohne die Bundeswehr-Schere im Kopf.

Die „Geschädigten“ sind übrigens Menschen, wie ich. Menschen, die unter psychischen, seelischen oder moralischen Nachwirkungen der Dienstzeit leiden. Den Menschen wurde Fürsorge als selbstverständlich zugesichert, und als es darauf ankam, mussten sie sich diese Fürsorge erstreiten oder erhielten sie schlichtweg nicht.

Es sind Menschen, die teilweise bei Eintritt in ihren Beruf über wesentliche Aspekte des Dienstes überhaupt nicht oder nur unzureichend informiert wurden und mangels Erfahrung im und mit dem System nicht absehen konnten, welche Konsequenzen das haben würde.

Menschen, die auf seelischer und moralischer Ebene damit zu kämpfen haben, dass die Genfer Konvention für den Umgang mit Kriegsgefangenen zwar als wesentliche Leitlinie in allen Ausbildungen geschildert wird, aber letztendlich in den rechtlichen Konstrukten der internationalen Einsätze bis zur Unkenntlichkeit gebeugt wird. Wie erklärt ihr es mir sonst, dass aus Unterlagen an den Verteidigungsausschuss die Angaben zu Gefangennahmen verschwinden ?

Viele Menschen draußen haben die Taktik der Anwerber längst durchschaut, protestieren gegen den Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen und gegen die Praxis, das die Notlage von Menschen ausgenutzt wird und berufliche Versprechungen, wie „Bundeswehr – nicht jeder bei uns trägt Uniform“ gemacht werden. Formal ist der Spruch korrekt – aber sagt bitte auch dazu: „Bundeswehr – mit der Genfer Konvention nehmen wir es auch nicht immer so genau“.

Es könnte … so einfach sein …

…ist es aber nicht!

Seit dem 27.04.2015 habe ich wieder einmal ein paar sehr einfach Fragen gestellt.

Wo kann ich die Therapierechnungen einreichen?
Welche Schritte sind notwendig, um die Therapiekosten erstattet zu bekommen?

Wohl gemerkt: die Bundeswehr hat viel zu wenig Kapazitäten und sucht auch 2015 nach geeigneten Psychiatern und Therapeuten, um der steigenden Zahl an belasteten Soldaten Herr zu werden. Aber behandeln sollen eben nur die Ärzte, die unter Bundeswehrkonditionen unter Vertrag sind – andere Wege gehen oder zivile Heiltherapeuten finanzieren? Offenbar für die Verwaltung undenkbar.

Seit der ersten Maiwoche hatte der Sozialdienst meine Unterlagen und kümmerte sich nach Kräften.

Seit dem 26.06.2015 ist der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages eingeschaltet.

Immerhin:

Am 29.06.2015 erste Lebenszeichen von einem Arzt aus der Bearbeitungskette.
Am 03.07.2015 ein Eingangsbescheid, das die Schreiben aus dem Mai am 26.06.2015 eingegangen sind. Datum: identisch mit der Eingabe beim Wehrbeauftragten.
Zwischenzeitlich die Info, das zumindest von September 2014 bis März 2015 die Kosten übernommen werden. Zumindest mündlich: schriftlich liegt mir noch nichts vor.

Absolut daneben:

Keine Kostenübernahme der laufenden Therapie, bevor ich nicht zu einer weiteren wehrpsychologischen Begutachtung im Bundeswehrkrankenhaus war.

Die Begutachtung wird zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt eingefordert. Ich habe in den nächsten Wochen die Bachelorarbeit zu schreiben, die nun wie geplant laufen kann, nachdem sich die Studiengangsleitung nochmal bezüglich des Bearbeitungszeitraums schütteln und prüfen musste.

Nun fordert der Schädiger Bundeswehr ein über meinen Therapieweg bestimmen zu können und setzt eine Untersuchung an, die hochgradig belastend ist und bei der ich vor, während und auch Tage nach dem Prozedere mit mir und den Erinnerungen zu kämpfen habe. Es geht mir in solchen Zeiten nicht nur psychisch schlecht sondern eben auch körperlich.

Andere Optionen ohne Belastung für mich, wie zum Beispiel die Einholung eines Therapiestands z.B. bei meiner Therapeutin wurden nicht vorgeschlagen.

Die Realität der kommenden Wochen:

Da ich die Rechnungen von März bis Juni in der Annahme, das der Therapieweg durch die Bundeswehr gezahlt wird allesamt beglichen habe, stehe ich nun finanziell mit dem Rücken zur Wand und kann nicht weitere zwei Monate eine Therapie, die zwar hilft ins Blaue hinein vorfinanzieren, ohne Gewissheit, ob die Kosten erstattet werden.

Die Termine bei meiner Traumatherapeutin wahrzunehmen wäre hilfreich – aber es ist nicht möglich.

Der Schädiger bestimmt, wie meine Genesung und Therapie abzulaufen hat und belegt ein ums weitere Mal, dass nicht das Patientenwohl und der Behandlungserfolg im Vordergrund stehen, sondern irgendwelche Verwaltungsformalien.

Nachdem ich in dieser Woche einer Menschenrechts-Organisation ein Interview zu meinem Fall und zu anderen Aspekten mit Bezug zu diesem Thema gegeben habe merke ich deutlich, dass ich solche Belastungen in den nächsten Wochen besser vermeide, um nicht in Depressionen und Isolation zu enden. Dem Interviewer selbst ist kein Vorwurf daraus zu machen. Da ich Interviewsituationen deutlich entspannter begegne, als „ärztlichen Begutachtungen durch den Schädiger“ ist der erwartbare Effekt einer wehrpsychologischen Begutachtung sicherlich nicht positiv.

Da in dieser Woche neben einem Gespräch mit meinem Professor der Start der Bachelorarbeit ansteht und ein Bewerbungsgespräch für den Masterstudiengang ab Oktober läuft, werde ich nun einen deutlichen Schlussstrich unter das Verwaltungsmobbing ziehen. Wahrscheinlich werde ich den Studienkredit wieder aktiveren müssen und daraus dann die Behandlungskosten für die FUNKTIONIERENDE TRAUMABEHANDLUNG selbst tragen, statt mich im Halbjahresrythmus durch verwaltungsinduzierte Wehrpsychologische Untersuchungen zurückwerfen zu lassen. Seltsame Auffassungen von „Schutzzeit“…

Lieber gesund und verschuldet, als unter dem Diktat des Schädigers krank gehalten!

Wir können alles. Außer alles.

Wir können alles. Außer alles.

Aktuelle Mail an Wehrbeauftrager, PTBS-Beauftragter, Sozialdienst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es sind weitere 8 Tage ohne eine Regelung für die Therapiekostenerstattung zwischen März und Juli vergangen.

Da ich mittlerweile die Bestätigung der Hochschule habe, dass ich meine Bachelorarbeit nun doch im Juli und August schreiben und abschließen kann, liegt der Fokus nun voll auf dieser Arbeit.

Warum insbesondere dem PTBS-Beauftragten-Büro die Empathie zu fehlen scheint, was ein wehrpsychologische Begutachtung zum jetztigen Zeitpunkt für negative Auswirkungen auf meine Leistungsfähigkeit hat / haben kann, kann ich nicht verstehen.

Warum es nicht ausreichen soll oder möglich ist,  eine Auskunft bei der Therapeutin zum Stand der Behandlung einzuholen (Name und Anschrift ist ihnen bekannt) konnte und wollte bisher niemand erklären.

Wie im aktuellen Blogartikel angekündigt, werde ich mich dieser Form der Zersetzung nicht weiter aussetzen und in den nächsten Tagen das Studiendarlehen reaktivieren, um die Behandlungskosten selbst zu tragen.

https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/2015/07/es-koennte-so-einfach-sein/

Lieber gesund und verschuldet, als unter dem Diktat des Schädigers krank gehalten!

Es ist mir unverständlich, wie die Organisation Bundeswehr einerseits klagt, es seien nicht genug qualifizierte Traumatherapeuten verfügbar, aber gleichzeitig eine gut laufende, sinnvolle Therapie durch Wehrpsychiatrische Untersuchungen torpedieren will.

Ich kann zum derzeitigen Stand nur festhalten, dass ich derzeit einen Finanzierungsbedarf von rund 400 bis 500 Euro monatlich im Bereich der Therapie habe. Je eine Sitzung Coaching oder Traumatherapie im wöchentlichen Wechsel – ein Rythmus, der sich an sich sehr gut bewährt hatte.

Ich bleibe weiterhin dabei, dass ich keiner Medikamentierung durch die Bundeswehr zustimme. Den Nebenwirkungen von Psychopharmaka setze ich mich nicht aus. Es ist auch unnötig, da die derzeitige Therapiekonstellation in Verbindung mit dem Medikament Laif 900 für mich gut funktioniert.

All das im Abstand von wenigen Monaten immer wieder aufs neue Bescheinigen oder in Frage stellen zu sollen läuft dem Therapieerfolg zuwider. Eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen besteht unter diesen Umständen nicht und war auch in den Wochen davor kaum gegeben.

Ich bitte das Büro des Wehrbeauftragten darum auf eine Zusicherung hin zu arbeiten, das ich
– in der Wahl des Therapeuten frei bleibe
– die Kosten der Therapie getragen werden
– und wehrpsychiatrische Untersuchungen allenfalls in einem zumutbaren Zeitraum stattfinden.

Meine Letzte Untersuchung war im November 2014 und ich habe damals dem begutachtenden Arzt ausführlich auch über die Art und den Verlauf der Therapie berichtet.

Ich werde das über Monate aufgebaute Vertrauensverhältnis zur Traumatherapeutin nicht zugungsten des „Wunschbehandlungsplans der Bundeswehr“ über den Haufen werfen.

Aus Rücksicht auf die laufende berufliche Eingliederung bzw. das Studium bitte ich darum, dass die Termine zu Begutachtungen maximal einen Tag in Anspruch nehmen und bevorzugt in Berlin oder in Hamburg stattfinden.

Ich bitte darüber hinaus darum, dass ein klarer Anspruch an Art und Umfang der geforderten Mitwirkung meinerseits definiert wird. Dieser besteht bisher nicht, außer dem „Quasi-Befehl“,  das die Verwaltungsinstanz aus dem Büro des PTBS-Beauftragten auf einer Begutachtung besteht.

In jedem Fall:

Nach jetzigem Stand schließe ich die Bachelorarbeit mit der mündlichen Verteidigung voraussichtlich im September ab. Daher stehe ich frühestens ab Oktober 2015 für einen Begutachtungstermin zur Verfügung.

Ich würde mir Wünschen, dass alle Stellen lösungsorientiert agieren und akzeptieren, dass ich nicht einfach eine gut laufende und funktionierende Therapie abbreche, weil irgendeine Verwaltungsvorschrift erst Monate nach Beginn der Therapie auf mich angewendet wird.

Gruß
Daniel Lücking

Schutzzeit und das seltsame Verständnis der Bundeswehrverwaltung

Nachdem ich nun eine Weile nichts mehr geschrieben habe, geht es nun direkt wieder hoch her.

Positives vorweg

In den Monaten April, Mai und Juni habe ich eine gute Entwicklungsphase zu verzeichnen. Ende April nahm ich Kontakt zu meinem Professor auf und leitet ein, dass die Bachelorarbeit in die Bearbeitungsphase gehen kann und der Abschluss des Studiums Bachelor Onlinejournalismus in greifbare Nähe rückt.

Die Bewerbung für den Masterstudiengang Kulturjournalismus ist ebenfalls auf dem Weg und in Kürze muss ich mich dem Aufnahmeverfahren stellen.

Meine Berichterstattung rund um den NSA-Untersuchungsausschuss habe ich ebenfalls im Mai und Juni ausweiten können. Statt nur an den Sitzungen teilzunehmen, waren nun immer öfter auch die Vorbesprechungen der einzelnen Fraktionen auf meinem Terminkalender.

Seit Mai habe ich als „ständiger Gast mit Fragerecht“ auch den Bereich Bundespressekonferenz zum Teil meiner Arbeit gemacht. Insgesamt also auf dem Weg zu einem Berufsbild „Hauptstadtjournalist“ oder „Parlamentsberichterstatter“.

Im Juni kam dann noch eine Kooperation mit zwei jungen Journalisten hinzu, die zum Themenbereich NSA-Untersuchungsausschuss nun einen regelmäßigen Podcast anbieten. Hier konnte (und kann auch weiterhin) ich als Gast auftreten und in einer Runde die Tagesergebnisse der jeweiligen Ausschusssitzungen diskutieren.

Ich habe darüber hinaus nun auch einen Arbeitsplatz in einer Bürogemeinschaft (Neu-Berlinerisch: „Coworking-Space“) bezogen, um nicht auf Dauer Arbeit, Erholung und Freizeit auf gerade einmal 20 Quadratmetern in der Ein-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung unterzubringen.

Die Kosten dafür sind zwar merklich, stehen aber in keinem Vergleich zum Aufwand der Wohnungssuche nach einer Wohnung mit Extraarbeitszimmer. Ein weitere Vorteil der Bürogemeinschaft: ich arbeite im Umfeld anderer Menschen, kann mich austauschen und knüpfe neue Kontakte.

All das erfolgte nicht nur parallel zur Traumatherapie, sondern auch mit der Begleitung meiner Trainerin (Neu-Berlinerisch: „Coach“), die Sozialpädagogin und Psychologin ist. SIE weiß, was sie tut. Soweit so gut.

Wo Licht ist …

… ist auch irgendwo die Verwaltungsebene.

Seit meiner Wiedereinstellung in die Bundeswehr war klar, dass ich mich noch wegen der Übernahme der Therapiekosten mit dem Dienstherrn auseinander setzen musste. In den ersten sechs Wochen verzichtete ich jedoch zunächst darauf, diese Schritte zu gehen.

Es galt auch zunächst das Finanzchaos zu ordnen, dass nach der Entlassung und den Problemen mit der Krankenversicherung entstanden war. Alles keine leichten Wege.

Anfang Mai bemerkte ich, dass ich weiterhin die Therapiekosten vorfinanzierte (zw. 200 und 400 Euro monatlich). Da ich mich auch an das Abtragen des KfW-Kredites machen muss, der 2014 verhinderte, dass ich auf der Straße landete oder weiteren Druck vom Unterhaltsamt bekam, wurde es auch Zeit, die Therapiekosten von der Bundeswehr erstatten zu lassen.

Ich ahnte, dass das schwierig werden könnte, war jedoch hoffnungsvoll, denn meine Traumaheiltherapeutin konnte in Erfahrung bringen, dass die Berceli-Methode, nach der wir bereits seit September 2014 erfolgreich arbeiten, wohl auch bei der Bundeswehr eingeführt werden soll. So äußerte sich zumindest der Bundeswehrtraumaexperte Peter Zimmermann aus dem Bundeswehrkrankenhaus in Berlin ihr gegenüber, als sie ihm diese Therapiemethode vorstellte.

Verwaltungsdenke versus Genesungswunsch

Ich bat den Sozialdienst der Bundeswehr zu klären, wohin ich die Rechnungen zwecks Erstattung schicken kann und welche Schritte notwendig sind. Meine Beraterin steuerte umgehend alles notwendige ein. Und danach passierte … sechs Wochen lang erst einmal nichts.

Keine eMail von Verantwortlichen aus der Bearbeitungskette. Kein Anruf, der bis auf meinen Telefonapparat durchgedrungen wäre(Mailbox vorhanden, Parallelanruf immer auf Festnetz und Handy sichergestellt, jeder Anruf wird mir in die eMail-Box gemeldet, jede Nachricht dort gespeichert).

Da ich mich ab Juli voll und ganz auf die Bachelorarbeit konzentrieren wollte, statt frustrierenden Verwaltungskram zu erledigen meldete ich mich um den 21. Juni erneut beim Sozialdienst und meine Bearbeiterin konnte bis zum 24. Juni 2015 auch keine Lösung erreichen.

Meine Frage „Wo soll ich mich melden ?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.
Meine Frage „Wo kann ich Rechnungen einreichen ?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.
Meine Frage „Wer ist zuständig? Wer braucht was von mir?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.

Nun blieb wieder einmal als Ausweg nur die Eskalation. Und ich bin es so Leid immer um mich schlagen und treten zu müssen, damit sich überhaupt etwas bewegt.

Ich sendete am Freitag, den 26.06.2015 um 11:31 Uhr eine eMail an die Stellen Wehrbeauftragter, PTBS-Beauftragter und den Sozialdienst. Bisher fehlt mir die Eingangsbestätigung des Wehrbeauftragten – hängt vermutlich in der Post – aber die Reaktionen zeigen mir deutlich, dass es am Montag, den 29.06.2015 wohl eine Intervention gegeben hat, denn es meldete sich gegen 15:51 Uhr jemand aus der Bearbeitungskette.

Der Allgemeinmediziner, der aufgrund der Hierarchie nun Ansprechpartner ist aber nach eigenem bekunden im Bereich Trauma und Psychologie keine Erfahrungen hat meldete sich per eMail. Ich mache ihm ausdrücklich keinen Vorwurf. Er hat die notwendige Ausbildung nicht und ist nur derjenige, der meinen Fall quasi zu verwalten hat.

Email vom 29.06.2015 – 15:51 Uhr

Sehr geehrter Herr Lücking,

leider war es unserer Heilfürsorge bisher nicht möglich Sie zu erreichen. Wir haben für Ihre Abrechnung der Therapiesitzungen eine zuständige Kostenstelle gefunden. Hierfür müssten Sie sich bitte nächste Woche mit Herrn Stabsunteroffizier XXX in Verbindung setzen. Die Durchwahl ist  ***. Des weiteren benötige ich für weitere Therapiemaßnahmen und Kostenzusagen ein Vorstellung in der FU VI BWK Berlin mit Wehrpsychiatrischer Begutachtung. Dies haben wir bereits damals persönlich besprochen. Ebenso wollten Sie mir Gesundheitsunterlagen aus den letzten Jahren zukommen lassen. Ich weiß das Sie mit ihrem Studium, Ihrem Job und den familiären Verpflichtungen ausgelastet sind und wenig Zeit für die Zuarbeit haben. Ich kann aber meinerseits nur mit den entsprechenden Unterlagen etwas für Sie erreichen. Sie können mich gerne unter der *** anrufen oder Sie senden mir Ihre Handynummer zu und ich rufe zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Sechs Wochen Bearbeitungsdauer für diese Erkenntnis plus die Implikation im Anfangssatz, ich sei für die Heilfürsorge bisher nicht zu erreichen gewesen.

Ich halte zu dem Vorwurf fest, dass ich auf jeden Telefonanruf mit eingeblendeter Nummer reagieren kann, mein Anrufbeantworter zuverlässig reagiert und alle Anrufversuche per eMail an mich weiterleitet, alle Nachrichten ebenfalls.

Ich halte auch fest, dass ich nicht in Besitz von Unterlagen aus den letzten Jahren bin. Ich habe keinen Zugriff auf meine Gesundheitsakte und die Kopien, die ich erhalten habe sind allesamt als Originale in den Händen DER Bundeswehr, die mich nun dazu auffordert, IHR die Unterlagen nun zukommen zu lassen.

Ich halte weiterhin fest, dass ich mit dem verwaltenden Arzt darüber gesprochen habe und er mir sagte, dass natürlich das Traumazentrum in Berlin als Fachinstanz mitreden muss. Alles akzeptabel.

Was ich nicht akzeptieren kann ist, dass ich mich nun in der Bearbeitungsphase der Bachelorarbeit auch noch mal eben schnell einer Wehrpsychiatrischen Begutachtung aussetzen soll.

Meinen Behandlungsweg habe ich bei der letzten Begutachtung im November 2014 im Bundeswehrkrankenhaus geschildert und auch dort zu Protokoll gegeben, dass die Ergebnisse gut sind.

Daran hatte sich bis Mai 2015 nichts geändert. Auch nicht bis Juni 2015. Leider kann ich mir mittlerweile nur noch die Vorfinanzierung des Coachings leisten – nicht aber die Traumatherapie. Ich habe es bisher noch nicht geschafft, die Berceli-Übungen als Routine in meinen Alltag zu integrieren. Ebenso ist das Gespräch und die Reflektion mit der Therapeutin ein wichtiger Anteil der Sitzungen.

Herausforderungen Bachelorarbeit

Als sei all das nicht genug wackelt nun der Zeitplan der Bachelorarbeit, denn eine Entwicklung an der Hochschule legt nun nahe statt der geplanten sechs Wochen nun volle zwölf Wochen nutzen zu MÜSSEN. Das bedeutet nun voraussichtlich ein weiteres Semester Onlinejournalismus bzw. die Überschneidung des Beginns Masterstudium mit dem offiziellen Abschluss des Bachelors.

Die nächste Auseinandersetzung mit dem Berufsförderungsdienst ist vorprogrammiert und ich werde aufgrund dieser Entwicklungen wohl entweder – um den Zeitplan zu halten – das Master-Studium zeitgerecht mit 500 Euro monatlich selbst finanzieren müssen oder ein volles Jahr verlieren. Inklusive dem Zwang in der Zeit in der ich keine Berufsförderungsmaßnahme absolvieren kann in der Kaserne „einzusitzen“.

Ich nenne es bewusst „einsitzen“, denn ich will mich schnellst möglich vom Schädiger wegentwickeln und hätte durch die Schutzzeit auch die Möglichkeit.Erneute Tätigkeiten im Bundeswehrumfeld sind da nicht sinnvoll. Auch nicht, von 9 bis 17 Uhr in der Kaserne zu hocken – was auch immer für Aufgaben ich da verrichten sollte: es geht nicht.

Aber es gibt wohl sinnvoll strukturiertes Handeln und parallel gibt es eine Verwaltung, die Hürden aufbaut, wo es nicht notwendig wäre.

Sinnvoll? Kompetent?

Auffällig ist, dass in der Kommunikation vor allem ein Mitarbeiter aus dem Büro des PTBS-Beauftragten darauf drängt, dass ich mich in die Wehrpsychiatrische Begutachtung begebe. Den Vorschlag, die Begutachtung nach Aktenlage und der ausführlichen Befragung aus November 2014 vorzunehmen lehnte er ab. Nicht nur, dass nicht absehbar ist, zu welchem Termin das Bundeswehrkrankenhaus eine solche Begutachtung mal eben vornehmen kann.

Belastend ist vor allem die Aussicht, dass der Therapieweg, den ich seit September 2014 ERFOLGREICH gehe nicht akzeptiert, in Frage gestellt, abgelehnt oder zu Gunsten der Bundeswehrlösung beendet wird.

Die Qualifikation des Mitarbeiters scheint in der Hauptsache auf Verwaltungsjuristerei zu liegen, nicht aber annähernd im Bereich, dass er beurteilen könnte, was hier gerade passiert.

Bildlich gesprochen wird der Schorf angehoben um mal zu sehen, ob es noch unten drunter blutet. Die Bundeswehrinstanzen haben ein seltsames Verständnis von „Schutzzeit“.

An meine Leser:

Ja, es wäre lieb gewesen dieses Video voran zu stellen. Im Kern drücken die beiden Gallier aus, was seit Jahren offenkundig ist: Verwaltungshandeln und Realität haben nur sehr begrenzte Schnittmengen.

Wie geht es für mich weiter

Mit einer minimal positiven Nachricht kann ich nun den Beitrag abschließen. Für den Zeitraum September 2014 bis zur Wiedereinstellung in die Schutzzeit am 16. März 2015 ist man nun wohl bereit, die Kosten zu erstatten. Die Aussicht, dass die Behandlung danach nicht anerkannt wird ist groß. Mehr, als ich in diesem Beitrag hier geschildert habe könnte ich auch in einer Wehrpsychiatrischen Begutachtung (a.k.a. „Mal den Schorf anheben und gucken obs noch blutet“) nicht an Informationen geben. Die

Ich habe mich dazu entschieden während der Bachelorarbeit zumindest das Coaching weiter laufen zu lassen und auf die Traumatherapie zunächst aus Kostengründen zu verzichten. Nachdem ich in den letzen Monaten fleißig Rechnungen in Richtung der Krankenkasse und was sonst so liegen blieb, bezahle ich nun lieber die Miete für den Arbeitsplatz, der während der Bachelorarbeit einfach notwendig ist, weil sonst kein Platz für Ruhe und Erholung bleibt.

Ich sehne den Tag herbei, an dem ich finanziell und gesundheitlich wieder so stabil bin, um das Kündigungsschreiben formulieren und absenden zu können. Im März war das Ziel, maximal drei bis vier Jahre der Schutzzeit zu nutzen. Auseinandersetzungen um elementare Aspekte der Behandlung, wie in diesem Fall helfen dabei nicht.

Eure Kommentare bitte wegen der Sicherheitseinstellungen hier im Blog an die eMail-Adresse

141219_eMail

 

… oder auf der Facebook-Seite:

Ich hab es so satt, dass immer und immer wieder eine Eskalation über den Wehrbeauftragten und andere Instanzen erfolgen…

Posted by Wir.Dienten.Deutschland on Montag, 6. Juli 2015

Die Bundeswehr, der Journalismus und ich

Im Jahr 2010 habe ich begonnen das fortzusetzen, was ich in Anteilen schon zu Bundeswehrzeiten (zw. 2002 und 2008) getan habe. Die Arbeit in den Medien war dort bestenfalls PR-Arbeit und auf jeden Fall eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten, die der Dienstherr sich wünschte.

Mein Schritt in den Journalismus und die Entscheidung Onlinejournalismus zu studieren war davon geprägt, dass ich im September 2008 zum Schweigen verdonnert worden bin – ein Schweigen, das erst im Mai 2013 gänzlich brach. Der Bruch war ein Teil der Aufarbeitung, die ich in den letzten zwei Jahren ein gutes Stück voran gebracht habe.

Naiv – anders kann ich meinen Glauben daran nicht nennen, dass eine effektive Kontrolle des Parlamentes verhindert, dass die Bundeswehr ihr Handeln im Ausland vertuschen kann. In den Dienst eines Kämpferkultes habe ich mich nie gestellt. Auch nicht „Ja“ dazu gesagt über den Umgang mit Kriegsgefangenen zu schweigen oder mich der kritischen Frage nach ihrem Verbleib willentlich zu verschließen.

Diese Dinge dennoch erleben und durchleben zu müssen hat mich – neben einigen anderen Erfahrungen – geschädigt, traumatisiert und erkranken lassen. Der Friedensaktivist und Wehrmachtsdeserteur Ludwig Baumann hat in seinem Buch „Niemals gegen das Gewissen“ eindrucksvoll beschrieben, welchen inneren Kampf, welche Zerissenheit die Folgen eines aufgezwungenen Handelns gegen das Gewissen bedeuten.

Defacto wurde mit dem Grundgesetz bei der Gründung der Bundesrepublik und der späteren Neuaufstellung einer Deutschen Armee ein Anspruch formuliert, dass solches Handeln gegen das Gewissen nie wieder vom Staat auferlegt werden darf. Doch es ist viel grau zwischen dem eindeutigen Schwarz und dem eindeutigen Weiß. Mich selbst darin wiederzufinden, damit auseinander setzen und mich letztlich neu vor mir selbst rechtfertigen zu müssen hat viel Kraft gekostet.

Es wäre unnötig gewesen, hätte es diese Lügen nicht gegeben.

Zum 16.03.2015 trete ich in eine sogenannte Schutzzeit ein. Ein Bundesdienstverhältnis, finanziert aus dem Einzeplan 14 – also dem Wehretat. Ziel dieser Schutzzeit ist es, mir Raum für gesundheitliche Rehabilitation und berufliche Eingliederung zu geben. An meinem Berufsziel hat sich nichts geändert.

Im Rahmen dieser Schutzzeit ist die Bundeswehr in der Pflicht, die beruflichen Qualifikationsmaßnahmen zu finanzieren und für meinen Lebensunterhalt zu sorgen, damit mir im Gegenzug Zeit und Raum bleibt, die gesundheitlichen Folgen aufzuarbeiten, die die letzten Jahre hinterlassen haben.

Formal jedoch gibt es ein Problem: ich unterliege dem Soldatengesetz, gelte als militärischer Vorgesetzter, denn ich bin in eine Hierarchie eingegliedert, die Dienstgrade definiert. Dazu zählen dann gewisse Verschwiegenheits- und Zurückhaltungspflichten in dienstlichen Belangen. Formalkorrekt ist jede Äußerung, die ich zu Bundeswehrthemen ab dem 16.03.2015 mache angreifbar.

Ich muss davon ausgehen, dass es Kräfte in den Reihen der Armee gibt, die darauf setzen werden oder durch „dezente Hinweise“ darauf drängen könnten, ich solle mich zu gewissen Themen nicht äußern.

Nun denn – ich werde es darauf ankommen lassen, denn ich bin nicht Teil des militärischen Apparates und nur zum Zwecke der beruflichen Qualifikation und gesundheitlichen Rehabilitation auf der Payroll.

Die Sorge der letzten Jahre um Genesung und darum, wie ich meine Familie ernähren kann weicht nun der Sorge, welche Repressalien mit der „Schutzzeit“ einher gehen. Wird versucht werden, auf meine laufende Therapie Einfluss zu nehmen? Werde ich – wie schon 2013 geschehen – zur Einnahme von Medikamenten gedrängt oder durch bewusste Falschinformationen über Art und Ablauf von Therapiemaßnahmen getäuscht?

Ich bin entschlossen, positiv und optimistisch zu bleiben. Doch letztlich werde ich keine Eingriffe in meine Autonomie mehr dulden, die politisch oder durch Militärinteressen motiviert sind.

Nötigen Falles erstreite ich mir das Recht auf eine Krankenversicherungslösung, die ohne die militärisch geprägte „Freie Heilfürsorge“ auskommt oder werde mich gänzlich frei finanzieren, wenn es um gesundheitliche Belange geht.

In den letzten zwei Jahren habe ich aufgrund der Kosten für Lebensführung, Therapie und Unterhaltsverpflichtungen Schulden aufgebaut, die ohne die Erkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen nicht entstanden werden. Diese werde ich im Laufe der Schutzzeit auch abbauen können.

Journalistisch werde ich in Bezug auf den Umgang mit mir weiter so öffentlich Verfahren, wie ich das im Blog „Wir-Dienten-Deutschland.de“ bisher getan habe. Demokratie und das Recht auf freie Meinungsäußerung dürften damit kein Problem haben – wenn sich die Bundeswehr dazu als inkompatibel beweisen will, bin ich der Institution dabei gerne behilflich.

Journalistisch werde ich weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr, die Rüstungs- und Verteidigungspolitik sowie die damit verknüpften Auswüchse im Blick haben, begleiten und mich kritisch betätigen. Wenn es mir da mit unter an Sachlichkeit mangelt oder die Wut ein schlechter Berater sein möchte, gibt es immer noch das Mittel der Satire – so denn es bei den Entwicklungen entlang der Baustellen der Truppe überhaupt noch Bedarf an Überzeichnung gibt.

Journalistisch wird mein Engagement weiterhin antifaschistisch sein und wie in den Jahren zuvor ohne Gewalt gegen Personen oder Sachen auskommen.

Friedenspolitisch lehne ich Drohnen ebenso ab, wie die derzeitige deutsche Einbindung in das NATO-Bündnis, in dem nationale Alleingänge, die in Afghanistan und Pakistan für mich jegliches Maß verloren haben – so denn jemals maßvoll gehandelt wurde.

Der Apparat wird damit leben müssen einen scharfen Gegner auf der eigenen Payroll zu haben, ohne Einfluss ausüben zu können – es wird eine spannende Schutzzeit.

Wiedereinstellung schriftlich – es kann besser werden

Ein bisschen weiter, als bis zum Schnittbild in den 17:00 Uhr-Nachrichten (‪#‎NSAUA‬) muss ich es noch bringen, in diesem Journalismus. In den nächsten fünf bis acht Jahren habe ich nun zumindest die Möglichkeit.

Heute traf nach massivem Druck durch Öffentlichkeit und aus aus Kreisen der Politik nun endlich die schriftliche Bestätigung ein, dass die Schutzzeit am 16.03.2015 beginnt.

Meine Hauptaufgaben sind ab 16.03.2015 wieder der Abschluss des Studiums, sowie die Therapiemaßnahmen. Die normale Qualifikationshöhe für einen Bundeswehroffizier ist „Master-Abschluss“. Diesen werde ich anstreben.

Zeitgleich ist der Bundeswehr zu empfehlen, meine journalistische Arbeit nicht zu kompromittieren oder gar einschränken zu wollen. Der ‪#‎NSA‬-Untersuchungsausschuss wird ebenso Thema bleiben, die die Bereiche Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Meine klare Positionierung gegen die Drohnenpolitik sowie die Aktivitäten im Bereich Whistleblower-Netzwerk e.V. , Darmstädter Signal e.V. und Veron
werden bleiben.

150305_NSAUA

Förderlich ? Alles andere als …

Erneut ist eine Woche vergangen, ohne Rechtssicherheit zu haben.

Klar ist:

Ich habe eine einsatzbedingte Schädigung – 30% – und erhalte eine monatliche Beschädigtenrente i.H.v. 129 Euro. Diese trifft auch ein. Laut telefonischer Vorabmeldung des zuständigen Bearbeiters soll eine Einstellung in die Schutzzeit erfolgen. Ich habe derzeit nichts schriftlich bestätigt bekommen. Weder per eMail, noch per Post.

10Minunten

Entlastung?

Derzeit hoffe ich darauf, dass die Zusage des 16.3.2015 verlässlich ist. Genau sagen kann ich das wohl erst am 17.03.2015 – das ist wohl der Grad an Zuverlässigkeit, der auf Basis meiner Erfahrungen angebracht ist. Auch, wenn sich erste Gedanken mit der Schutzzeit, dem Abschluss des Studiums und den dann folgenden Schritten befassen: ich verbiete mir Optimismus.

Vorabmitteilungen sind nicht bindend – die Inhalte von Telefonaten nicht belegbar und ob Unterlagen an meine richtige Adresse in Berlin gesendete werden oder an irgendeine der ehemaligen Adressen ist auch nicht verlässlich.

Auch der NDR hat es durchblickt und hat den heimlichen Werbefilm der Bundeswehr veröffentlicht mit einem Motto, was es auf dem Punkt bringt. Vom Gegenteil lasse ich mich gerne überzeugen … aber da fehlt noch einiges…

Wir können alles. Außer alles.

Wir können alles. Außer alles.

Attraktivität, Bundeswehr und Kameradschaft

Es passiert das, was absehbar war. Aktive und ehemalige Soldaten, sowie deren Angehörige, die sich durch mein Hinterfragen von Einsatzvorfällen in ihrer Welt offenbar empfindlich gestört fühlen gehen mich an.

Teilweise sind es Ehemalige, die nicht einmal offen legen wollen, was sie bei der Bundeswehr mal getan haben.

Teilweise stehen diese Menschen unter dem Eindruck von getöteten Soldaten aus dem direkten Umfeld und scheinen daher keinerlei Interesse mehr an Mitgefühl oder einem rechts-konformen Verhalten (Stichwort Genfer Konvention) gegenüber afghanischen Gefangenen zu haben.

Mit Veteranen jammern ist in Ordnung – Menschenrechtsverletzungen kritisieren ist unerwünscht.

Meine Abkehr von der Bundeswehr war und ist die richtige Entscheidung – dass nun die Therapie und Eingliederung finanziert werden muss ist im Rahmen der Fürsorgeverpflichtung.

Es ist definitiv aber kein Grund, weshalb ich auf Knien danken müsste.

Es ist auch kein Schweigegeld, was die Forderung an mich rechtfertigt die Klappe über Missstände zu halten.

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