Protest gegen US-Africom im Stuttgart

In Stuttgart betreibt die US-Armee seit Jahrzehnten eine Militäreinrichtung, die als Kommandobehörde für Europa fungiert. Seit 2007 ist in den Kelley-Barracks darüber hinaus das US-Africom untergebracht. Über US-Africom werden die Operationen in afrikanischen Ländern, wie Somalia gesteuert.

Basis für die Drohnenangriffe sind oft nur die Daten aus der Mobilfunknutzung der Menschen, die mit Drohnen beschossen werden. Daten, die oft fehlerhaft und nicht eindeutig sind. Daten, die auch von deutschen Geheimdiensten, wie dem Bundesnachrichtendienst BND oder dem Bundesamt für Verfassungsschutz BfV an die US-Dienste weitergeleitet werden. Eine Garantie dafür, dass die Daten für den Drohnenkrieg genutzt werden gibt es nicht. Von deutscher Seite aus begnügen sich die zuständigen Bearbeiter im Verfassungsschutz, dass sie schreiben „Nur zur Nachrichtendienstlichen Verwendung“.

Trifft eine Drohne dann doch einmal den Inhaber einer Rufnummer, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz weitergeleitet wurde, so lautet die Hausmeinung, man sie nicht unmittelbar, allenfalls mittelbar beteiligt.

Drohnenraketen, die immer wieder auch unschuldige Zivilisten treffen. In Afghanistan, Pakistan, Somalia, Jemen und vielen anderen Ländern der Welt. Drohnentötungen, die mehr Menschen gegen uns aufbringen, als wirkliche Gefährder zu töten.

Nach rund drei Jahren Arbeit am Thema IT-Sicherheit und Überwachungstechnologie, sowie auch meiner Arbeit an den Hintergründen der US-Militäreinsätze nach 9/11, ist meine Haltung zu diesen Einsätzen klar. Zum Jahrestag des Endes des zweiten Weltkriegs am 8.5.2016 protestierte ich daher gemeinsam mit rund 300 Friedensaktivisten gegen die US-Militäreinrichtung, gegen ihren Auftrag und gegen die Methoden, mit denen der angebliche Krieg gegen den Terror geführt wird.

Ausdrücklich nicht protestiere ich gegen amerikanische Bürger, die auf das Verhalten ihrer Regierung ebenso wenig Einfluss haben, wie die meisten Deutschen auf das Kanzleramt oder die meisten Afghanen auf die korrupten Politiker in ihrem Land.

 Bericht auf den Seiten der Stuttgarter Nachrichten

Redebeitrag: „Wir haben da etwas vergessen“

Willy Brandt brachte es auf den Punkt: „Vom deutschem Boden darf nie
wieder Krieg ausgehen.“
Aber mit der Wiedervereinigung haben wir einen notwendigen Schritt
verpasst, den wir dringender denn je nachholen müssen.
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Gedenken

Heute ist der 4.Jahrestag eines grausamen Anschlags. Ich sehe, wie der Toten gedacht wird. Ich sehe, wie der betroffene General in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird (Bericht bei DBwV). Aber es bleibt unerwähnt, was aus einer Überlebenden wurde. Ihre Geschichte könnt ihr in diesem Beitrag hören:

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Ich bin Soraya in meinen Einsätzen nur wenige Male begegnet – aber ihr Wirken war an so vielen Stellen spürbar – egal, ob sie gerade im Land war oder nicht. Sie hat ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen. In meinem ersten Einsatz in Afghanistan 2005 begegnete sie mir nicht persönlich – doch jeden Tag fiel der Blick auf die Vogelvoliere, vor der immer wieder Soldaten standen und sich eine „Auszeit“ gönnten.

Die Idee dazu hatte Soraya und als ich 2005 fragte, woher die im Lager doch zunächst recht seltsam anmutende Zoo-Atmossphäre her kam, begegnete mir zum ersten Mal ihr Name.

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In meinem zweiten Einsatz war sie in der Sprachmittlergruppe eingesetzt. Sie half mir, eine Kontrollübersetzung anzufertigen, um einen meiner Mitarbeiter zu entlasten, dem zu Unrecht vorgeworfen wurde, er habe einen Bericht nachlässig angefertigt.

In den ersten Meldungen rund um das Attentat 2011 hieß es, dass eine 56-jährige Sprachmittlerin schwer verletzt worden sei. Ich habe sofort befürchet, dass es sich um Soraya handelt.

 

Der Diskussionsbeitrag auf der Facebook-Seite vom DBwV:

Vierter Jahrestag des Anschlags auf Markus Kneip Ein Bundeswehr-General, der im Einsatz schwer verwundet wurde – das hatte es vorher noch nicht gegeben.

Posted by Deutscher BundeswehrVerband (DBwV) on Mittwoch, 27. Mai 2015

Drones – Eyes from a distance

Am Freitag und Samstag konnte ich in Berlin an einer Veranstaltung zum Thema Drohnen teilnehmen. Neben Aktivisten und Menschenrechtsanwälten war auch der ehemalige Drohnen-Pilot Brandon Bryant Podiumsgast.

Für mich ist die Teilnahme an solchen Veranstaltungen immer noch ein Mix aus Entlastung und Belastung. Eine Entlastung erlebe ich vor allem in den Momenten, in denen klar wird, dass das Verschweigen von zivilen Opfern offenbar Teil der Kriegsführung ist. Das hat mich nicht nur rund um den 27.09.2008 belastet, sondern auch beim Lesen der Afghan Warlogs – US-Berichte, die Wikileaks verfügbar machte – in denen Tote nicht erwähnt werden, die aber Teil der Meldungen waren, als ich vor Ort war. Nicht nur das Verschweigen von zivilen Beteiligten sondern auch die aktive Vernichtung von Beweisen für die Taten der internationalen Truppen ist wohl Teil der Taktik im Anti-Terror-Kampf.

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Förderlich ? Alles andere als …

Erneut ist eine Woche vergangen, ohne Rechtssicherheit zu haben.

Klar ist:

Ich habe eine einsatzbedingte Schädigung – 30% – und erhalte eine monatliche Beschädigtenrente i.H.v. 129 Euro. Diese trifft auch ein. Laut telefonischer Vorabmeldung des zuständigen Bearbeiters soll eine Einstellung in die Schutzzeit erfolgen. Ich habe derzeit nichts schriftlich bestätigt bekommen. Weder per eMail, noch per Post.

10Minunten

Entlastung?

Derzeit hoffe ich darauf, dass die Zusage des 16.3.2015 verlässlich ist. Genau sagen kann ich das wohl erst am 17.03.2015 – das ist wohl der Grad an Zuverlässigkeit, der auf Basis meiner Erfahrungen angebracht ist. Auch, wenn sich erste Gedanken mit der Schutzzeit, dem Abschluss des Studiums und den dann folgenden Schritten befassen: ich verbiete mir Optimismus.

Vorabmitteilungen sind nicht bindend – die Inhalte von Telefonaten nicht belegbar und ob Unterlagen an meine richtige Adresse in Berlin gesendete werden oder an irgendeine der ehemaligen Adressen ist auch nicht verlässlich.

Auch der NDR hat es durchblickt und hat den heimlichen Werbefilm der Bundeswehr veröffentlicht mit einem Motto, was es auf dem Punkt bringt. Vom Gegenteil lasse ich mich gerne überzeugen … aber da fehlt noch einiges…

Wir können alles. Außer alles.

Wir können alles. Außer alles.

Zu weit ? Ja und nein.

Ich ging zu weit – die letzten Tage machten mir deutlich, wie weit ich gegangen bin und das es schon längst zu weit war. Im Umgang mit der Bundeswehr? Nein. Im Umgang mit mir.

Seit ich im Juni 2014 wieder unter Existenzdruck geraten bin, habe ich alles versucht, diesen zu reduzieren. Was im August 2014 noch zu zahlreichen Blogeinträgen führte, sorgte im Januar / Februar 2015 mit dem erneut ähnlich hohen Druck für einen Rückzug. Einen Rückzug von Freunden und Kontakten – einen Rückzug in die eigenen vier Wände, in denen ich eigentlich nicht sein wollte.

„Funktionieren, um nicht weiter abzurutschen“ – ich arbeite Schicht um Schicht – bemerke immer öfter, wie ich stressbedingt die Konzentration verliere. Schlaf zwischen den Arbeitsschichten – die Tage spielen sich auf der Arbeit und dem Pendelweg ab. Zu Haus angekommen fehlt die Kraft für alles andere.

Vereinzelt „setze“ ich mir Termine, die ich mir als Arbeits- oder Recherchetreffen verkaufen muss. Die Motivation, einfach nur auszugehen fehlte zuletzt ganz. Ich zwinge mich, maximal 4 bis 5 Tage pro Woche zu arbeiten (Telefonjob & NSAUA) – meistens werden 6 daraus und es fällt schwer, den siebten Tag sinnvoll zu füllen. Körperlich fühle ich mich oft schlecht – der Eindruck nach Außen: scheint zu stimmen.

Wie immer in den Phasen, erreichte mich auch dieses mal das Statement aus meinem Umfeld: „Siehst gut aus!“

Bilanz

Mit der angekündigten Rückzahlung von 22 Monaten Beschädigtenrente, die nach der Anerkennung der Schädigung zum Monatswechsel in Aussicht standen, schaffe ich nach einer fast 8-wöchigen Pause nun, das Coaching wieder aufzunehmen. Auch die Traumatherapie hatte ich Anfang Januar 2015 aussetzen müssen.

Die Entspannungsübungen in den 90-minütigen Sitzungen schaffte ich nun auch unter Anleitung nicht mehr. Ziel sollte es sein, diese Übungen in den Alltag zu integrieren – zuletzt gelang mir das im November während des Schottlandurlaubs Ende Oktober / Anfang November 2014.

Die dritte Februar-Woche nun hatte einen Rhythmus, der wieder Coaching und Therapie enthielt, denn ich konnte gewährleisten, die Rechnungen auch spätestens zum Monatswechsel begleichen zu können. Ohne diese Sicherheit, hätte ich keine weiteren Sitzungen in Anspruch genommen.

Zuletzt trug der Verdienst meine Lebenshaltungskosten nicht. Der KfW-Kredit (600 Euro) sicherte die Mietzahlung – der Dispo trug die erste Welle an Abbuchungen und mit Eingang des Geldes aus meiner Tätigkeit als Telefoninterviewer, war zumindest um den 10. des Monats eine weitere kurze Welle an Zahlungen möglich.

In der Priorität achte ich darauf, primär mit den Unterhaltsleistungen an das Unterhalts-sicherungsamt nicht mehr, als einen Monat in Rückstand zu geraten. Ich zahle nach Düsseldorfer Tabelle rund 540 Euro Unterhalt – das entsprechende Einkommen existierte 2015 nur unter Zuhilfenahme des Kredits. Die Kosten für die private Krankenversicherung schiebe ich vor mir her – rechne ich die Monate Januar und Februar auf einem 100%-Privatversicherten-Tarif ab, dann stehen noch einmal rund 300 Euro Nachzahlung an.

Druck – Termine – Symptome

Die Erschöpfungsanzeichen waren vielfältig. Schmerzen in der Brust sicherlich nur durch die Verspannungen aus der sitzenden Tätigkeit zu erklären. Andere Optionen ignorierte ich und weigerte mich vorsichtshalber größere körperliche Belastungen zuzulassen. Zu unsicher angesichts meines Status in der Krankenversicherung.

Ein- und Durchschlafprobleme, unruhiger Schlaf und Konzentrationsprobleme am Tag – ich merke, wie ich im Januar von Tag zu Tag abbaue, ziehe mich aus dem Sozialleben zurück, weil die Kraft fehlt und „funktionieren am Arbeitsplatz“ ansteht.

Mindestens in einer Januarsitzung des #NSAUA gelingt mir das funktionieren nicht mehr – ich gehe mehrere Stunden vor Sitzungsende – schreibe keinen Artikel … oder erst verspätet? … und belasse es bei der dürftigen Livetwitterberichterstattung.

Am ersten Februar ist es der Magen, der mich einen Arbeitstag in meinem Telefoninterviewerjob kostet.

Vorausgegangen war Ende Januar die Veröffentlichung des Jahresbericht des Wehrbeauftragten (27.01.2015) und das Verstreichen des Termins, dass bis Ende Januar die Wehrdienstbeschädigung anerkannt bzw. die Wiedereinstellung in die Schutzzeit veranlasst sei.

Irgendwann am dritten Februar erreicht mich das Schreiben und die Bestätigung, das die Wehrdienstbeschädigung anerkannt wurde (datiert auf den 30.01. – eine eMail vorab zu senden wurde verweigert).

Gegenmaßnahmen der letzten Tage

Freitag
Mit einem unguten Gefühl im Bauch nehme ich das Coaching und die Therapiesitzungen wieder auf – kündige an, dass die Bezahlung der Rechnungen davon abhängen, ob die Rentennachzahlung zum Monatswechsel eintrifft. Die Skepsis ist permanenter Begleiter. Meine Therapeutin meint:

„Wiedereinstellung in die Schutzzeit ab März – na, das ist doch ein Grund aufzuatmen und zur Freude.“

Ich entgegne, dass ich im Dezember 2014 die informelle Ankündigung hatte, es würde im Januar geschehen – Termin verstrichen. Ich entgegene, dass ich im Januar die Ankündigung hatte, es würde bis zur Mitte des Februar geschehen und nun mit „Ende nächster Woche – Düsseldorf (Sitz der Personalbearbeitenden Stelle) ist eben Karnevallshochburg“ schon so viele Anlässe zum „Aufatmen“ hatte, dass es mir nun an „Luft“ fehlt und ich vermeiden will, in Schnappatmung zu verfallen.

Samstag
Um am Sonntag zu funktionieren brauche ich Reserven. Das war mehr als spürbar in den Tagen davor. Ich mache das nötigste in der Wohnung und breche zum Frühstück auf. Die 200 Euro, die den Rest des Monats tragen sollen müssen das zwangsweise hergeben. Am Ende des Tages sind 50 davon ausgegeben – es ist mir egal, ob es unvernünftig ist. Auch 150 würden irgendwie reichen. Zwei Bücher mehr im Schrank – Freunde beim Kaffee getroffen und gut drei Stunden Spaziergang in der sonnigen Kälte sind das, was ich an Ausgleich hinbekomme. Den Rest des Tages verbringe ich zu Haus – es ist eine andere Erschöpfung, als die der letzten Wochen.

Sonntag
Der Arbeitstag läuft zunächst gut. Sonnenschein und Kollegengespräch auf dem Weg zur Schicht. Ruhepausen, während ich auf die Gespräche warte und Zeit, im Buch zu lesen, das ich tagszuvor gekauft habe. Gegen 16 Uhr dann der Stresspeak. Ich gerate an eine cholerische Person, die weder indirekt, noch mit direkter Ansprache zu bremsen ist. Auch die vorgesetzte Ebene gerät heftig mit der Person aneinander – es liegt wohl definitiv nicht an mir.

Der Rest des Tages läuft unter der Anspannung, wieder an diese oder eine ähnliche Person geraten zu können. Akute Stressanzeichen, wie zitternde Hände, Unkonzentriertheit und Übelkeit bleiben eine gute Stunde. Direkt nach dem Gespräch hatte ich zwar per Debriefing an die vorgesetzte Ebene weitergereicht – doch die kurze Pause danach reichte nicht aus, um den Stresspegel abzubauen.

Egal ob die Arbeit passte – der Stress ist auch in den Abendstunden noch nicht verraucht, als ich längst daheim bin.

Montag
Gegen 9 Uhr fange ich an, mich um die notwendige Kommunikation in Richtung Krankenkasse kümmern zu wollen. Beitragstechnisch bin ich zwar ausgeglichen und auf Stand – der Vertrag muss aber noch umgearbeitet werden. In welche Richtung (100% Privat oder 30% Privat / 70% Beihilfe) kann ich nicht sagen – eine Entscheidung im schwebenden Wiedereinstellungsverfahren würde die Richtung vorgeben.
Gegen 10 Uhr werfe ich einen Blick auf mein Konto und sehe, dass meiner Bitte, den Überweisungstermin von März auf Februar vorzuziehen offenbar geglückt ist. Das erste Drittel der Zahlung füllte den Dispokredit auf, der bis zum Anschlag ausgereizt war.

Ich überweise Restunterhalt für Januar, sowie den vollen Unterhalt für Februar, begleiche Rechnungen und stoppe, nachdem das zweite Drittel der Rückzahlung in weniger als einer Stunde verpuffte. Was mache ich hier gerade?

Ich erinnere mich an den Tipp eines Freundes aus dem Dezember, der das Liquidrom empfohlen hat. Ein Spa am Anhalter Bahnhof. Ich frage per eMail eine Hot-Stone-Massage an, mache mich gegen Mittag auf den Weg. Unterwegs erinnere ich mich noch rechtzeitig an den Redaktionstermin, fertige den Wochenrückblick an, sage aber die Teilnahme an der Telefonkonferenz am Abend ab.

Nach dem Spa-Besuch schaue ich kurz auf einen Teller Bolognese in meinem zweiten Wohnzimmer vorbei – falle gegen 22 Uhr vor Erschöpfung ins Bett.

Dienstag
Vor Beginn der Arbeitsschicht und dem verlassen des Hauses um 8 Uhr schaffe ich erstmals seit drei Wochen wieder ein Frühstück, dass nicht aus „ich greife und esse etwas auf dem Weg“ besteht. Sauna und Massage des Vortags zeigen Wirkung – ich fühle mich, wie eine Mischung aus Gummi-Mensch und knarrender Holdiele, schaffe die Arbeitszeit ohne Komplikationen, wenn auch nicht ohne Anstrengung. Dennoch: die Konzentration ist besser, als in den Tagen zuvor.

Gegen 16:30 Uhr nutze ich die verbleibende Stunde Tageslicht, lege mehrer Kilometer zu Fuß durch Berlin zurück und ende in meinem zweiten Wohnzimmer. Livemusik – eine Mischung aus Blues und Jazz. Das letzte Drittel des Buches ist erreicht – Freunde treffen ein. Auch, wenn mir gerade wenig nach Konversation ist und ich diesen Text verfasse: es tut gut, wieder zum festen Termin teil meines gewohnten sozialen Umfeldes zu sein. Zum ersten Mal seit mehr als vier Wochen.

Long Way

Es erfordert Planung und Reflektion, damit ich im Gleichgewicht bleibe – daran hatte ich mich ja bereits gewöhnt. Das ich dazu in der Lage bin stelle ich regelmäßig in den Coachingsitzungen fest, die ich absolviere. Doch die Planbarkeit wurde seit Juni letzten Jahres immer wieder durch Existenzkampf und die Gefährdung durch die unklare Krankenversicherungssituation torpediert.

Die Diagnose ist seit nunmehr 22 Monaten ein Teil, den ich in mein Leben integrieren muss – dabei helfen mir Freunde, Coach und Therapeutin gleichermaßen. Aber sie alle können die Leistungsfähigkeit nicht ausgleichen, die mir momentan für einen Abschluss des Studiums fehlt und auch nicht die finanzielle Absicherung so gestalten, dass ich Raum für die Genesungsphase und Rehabilitation habe.

Zugang zu Krankengeld? Bis zum Verfahrensabschluss nicht vorhanden. Eine Lücke, die durch den Schädiger selbst entstanden ist – und nur durch massiven öffentlichen Druck meinerseits in den letzten Monaten an allen Ecken und Enden geflickt wurde.

Ich Danke all denjenigen, die mich in dieser Zeit unterstützt haben. Freunde, Therapeutin, Coach – Fallmanager/in, Leser. Auch das Engagement von Bundestagsabgeordneten und deren Mitarbeiter unterschiedlicher Fraktionen, das Einwirken auf das Büro des Wehrbeauftragten und die nicht-etablierten Instanzen, die die Bundeswehr im Rahmen der Fürsorge bereithalten sollte – deren Effektivität aber längst nicht erreicht ist.

Druck bleibt

Ungeklärt ist, wie genau sich die Rehazeit gestalten wird, die derzeit eingesteuert werden soll.

Ungeklärt ist, ob ich während dieser Zeit für die Zuarbeit zum Thema 27.09.2008 disziplinar und / oder strafrechtlich belangt werde.

Ungeklärt ist, ob diese Zuarbeit (oder die gesamten Blogaktivitäten) vom Militärischen Abschirmdienst zum Anlass genommen wird, die Einstellung in die Schutzzeit zu verhindern.

141007_ZitatLink zum Download bei Afghanistan-Connection.de

Jahresbericht über einen unfähigen Verein

Blick in die Medien: keine Rede von Ex-Soldaten, deren Therapiebedarf und die fehlende bis schlecht organisierte Hilfe. Warum auch: die üblichen Verdächtigen können medial im Sinne der Wirtschaft nach Investitionen und Material jammern. Fürsorge kostet nur und nur dauermedikamentierte Veteranen bringen Geld ein.

Ende November verlor ich den Job, der mir Kankenversicherung und Sozialversicherung sicherte. Kein Sachstand zum Stand des Wehrbeschädigungsverfahrens und selbst das Büro des Wehrbeauftragten reagiert nicht mehr auf eMails in meinem Fall.

Über einen inoffiziellen Kanal wird kommuniziert, ich würde einen positiven Bescheid erhalten und noch im Januar in die Schutzzeit eingestellt. Ein Bundesdienstverhältnis, um Raum für Therapie und Rehabilitation zu schaffen.

Da der Kanal aus dem diese Information stammt aus dem gleichen Umfeld kommt, in dem ich immer wieder auch auf Drohungen stieß und in denen politisch linksorientierte Menschen nicht nur abgelehnt, sondern ggfs auch bedroht werden, kann ich mich auf nichts verlassen.

Das Hinterfragen einer „Vertuschungsaktion in Afghanistan“ wird nun offenbar mit „Lass ihn zappeln“ sanktioniert.

Seitens des Wehrbeauftragten erfolgt keine Reaktion mehr auf eMails.

Der PTBS-Beauftragte meldet sich ebenfalls nicht.

Zugesagte finanzielle Unterstützung trifft nicht ein – dafür aber Rechnungen, die ich davon begleichen soll.

Die Therapie musste ich deshalb zunächst abbrechen.


Plan B ? Eher Plan N oder später

Ich muss davon ausgehen, dass ich Falschinformationen erhalte, wenn sich Zusagen nicht bewahrheiten und immer nur Entschuldigungen und Aufschübe kommen, statt verlässliche, rechtsverbindliche Aussagen. Krank reicht offenbar nicht – der Zusammenbruch scheint gewollt.

Den Stress exponentiell zu erhöhen – das ist es, was seit Tagen passiert – führt dann irgendwann zum totalen Zusammenbruch und gäbe der Bundeswehr die Möglichkeit, mich zur Einnahme von Psychopharmaka zu nötigen… Wohl das eigentliche Ziel und die Auffassung von „Fürsorge“ …

Jede Stunde, die ich derzeit vertröstet und beschwichtigt werde verschlimmert den Stress. Ich schlafe kaum, esse wenig, schaffe es selten bis überwiegend gar nicht am sozialen Leben teilzunehmen. Sorgen teilen? Mit wem? Es reicht, wenn ich überlastet bin und ich kann nicht noch mein Umfeld weiter belasten.

Ich muss also nun davon ausgehen, dass für Februar folgender Stand existiert:

1. keine finanziellen Rücklagen für zeitgerechtes überweisen von Rechnungen oder Unterhalt

2. weiterhin kein Raum für Therapie & Coaching .

Der Arbeitsplan der folgenden Tage musste heute angesagt werden und die kommenden 10 Tage sind dicht.

Mittwoch 28/1: Doppelschicht Telefoninterview-Job
Donnerstag 29/1: NSA-Aussschuss
Freitag 30/1 : Ämterbegleitung als Sprachmittler und Vorbereitung München
Samstag: 31/1 Doppelschicht Telefoninterview-Job
Sonntag: 1/2 Anreise München
Montag: 2/2 Vortrag Schulklasse „Anspruch und Realität: Bundeswehrwerbung meets Realität – was ist am Fürsorgeversprechen dran ?“
& Rückreise München
Dienstag: 3/2 Doppelschicht Telefoninterview-Job
Mittwoch: 4/2 Doppelschicht Telefoninterview-Job
Donnerstag: 5/2 NSA-Ausschuss
Freitag: 6/2 frei?
Samstag: 7/2 Doppelschicht Telefoninterview-Job
Sonntag: 8/2 Doppelschicht Telefoninterview-Job

Warum so ein Programm? Um wenigstens 1000 Euro im März zur Verfügung zu haben.

Was bleibt auf der Strecke? Studium, Therapie und Sozialleben.

Entspann mal ? Fahr mal runter? Mach mal einen Tag Pause? Warum tust du dir das an?

Die Antwort ist schnell und einfach: weil der Jahresbericht des Wehrbeauftragten 2014 nur die Spitze des Eisbergs ist.

22 Monate nach der Diagnose existieren weder Kostenplan, noch eine rechtsverbindliche Zusage der Kostenübernahme aus einer Schädigung, die ich durch eine Überlastung durch genau den Dienstherrn erlitten habe, der damals drei Einsätze (11 Monate in 33 Monaten) zuließ, dem ich im gleichen Zeitraum noch zwei weitere Einsätze absagen musste, in die ich geschickt werden sollte. Ein „gesunder Rythmus“ sei 4 Monate Einsatz 20 Monate Dienst im Inland.

Ich lese von Kuren, die der Wehrbauftragte fordert und von der Einbeziehung der Familie in die Therpie – alles nette Maßnahmen, die Menschen, wie mich um Jahre zu spät oder überhaupt nicht erreichen.

Jede öffentliche Äußerung klingt zynisch, weil der Eisberg von unterhalb der Wasserlinie noch bedrohlicher aussieht, als die Spitze, die man bereit ist einzugestehen.

Ich verstehe diejenigen, die angesichts dieser chronischen Organisationsträgheit, nicht-vorhandenen Terminfähigkeit und gleichzeitig bi-gottem bestehen auf Einhalten von Vorschriften und Regelungen nur noch sagen: WEIT WEG VON DER BUNDESWEHR!

Ergänzung 28/01/2015 – 19:30 Uhr :

Die Frage, warum ich den angekündigten Zusagen nicht vertrauen kann ist nur dann eindeutig beantwortet, wenn folgendes Hintergrundwissen vorhanden ist:

1. Ich habe seitens der Ursula von der Leyen, Angela Merkel und Johannes Gauck bis heute keine Reaktion auf diesen Sachverhalt. Dank der Veröffentlichung des VS-Dokumentes durch MDR-Fakt und im Tagesspiegel ist nun aber klar, dass das Statement, was sie verweigern nur unangenehm ausfallen kann und die Einschätzung der Vertuschung stützt, die Gregor Gysi schon traf.

Meiner mehrfach geäußerten (zunächst Bitte – jetzt) Forderung um Überprüfung des Sachverhaltes 27.09.2008 wollte im BMVg, Kanzerlamt und Bundespräsidialamt offenbar niemand nachkommen. Wie blind ist der Verteidigungsausschuss – wie blind will er sich präsentieren dürfen – wie unwissend will man dort sein, wenn auf die offengelegte Meldepraxis, nicht reagiert wird?

2. Im Rahmen des mehrfach verlinkten „Adlon-Gesprächs“ hatte ich Kontakt zu einem Bundesbeamten, der gleichzeitig auch Reservist ist und mir in einem mehr als unangenehmen Gespräch von möglichen Sanktionen aus den „mächtigen Kreisen“ berichtete. Ich solle mich nicht anlegen, schließlich wolle ich doch keine Kaderakte erhalten …

Zunächst offline

In den nächsten Tagen bin ich überwiegend offline. Das schließt wahrscheinlich auch eMail ein. TV und Twitter bleiben aus. Nicht nur der Druck was die Existenzsicherung angeht nahm stetig zu. Mit den Vorfällen in Paris und den Diskussionen, die auf Twitter und im TV geführt werden komme ich kaum noch klar. Die Verknüpfung zu den Vorfällen im ISAF-Einsatz während der Islamkarrikaturen ist zu stark.

Fremdenfeindlichkeit, Populismus, Anti-Islamäußerungen – dieser Gesellschaft beim Durchdrehen zuzuschauen ist nichts, was ich momentan ertrage.

Hoffe, ich bin bis zur nächsten NSA-Ausschussitzung wieder fit.

Unguided Missile

Die Trigger-Ereignisse der letzten Tage lassen mich wieder verstärkt an Themen arbeiten, die gerade eigentlich weder dran sind, noch dran sein sollten. Doch mit der immer wieder unterstellten „Befangenheit“ hat das nichts zu tun.

Unguided Missile: ever since!

Mit meinem Handeln stand ich erstmals im Februar 2006 im absoluten Konflikt mit „den Interessen anderer“. Ich kann nicht genau sagen, was die genauen Hintergründe waren, aber offensichtlich fand ich schon damals Worte, die in irgendeiner Weise einen „irgendwo“ geplanten Ablauf störten.

Nachdem bereits die halbe muslimische Welt in Aufruhr war und Menschen starben, schwappte die Welle der Proteste dann auch nach Afghanistan. Der damals verantwortliche General Bernd Kiesheyer hatte die Intention, das zu stoppen und vor allem Tote unter den Soldaten zu vermeiden.

Seine Forderung an die OpInfo-Einheit, der ich angehörte und die neben einer Zeitung, Flugblättern und Lautsprecherwagen auch meinen Radiosender mit rund 900.000 Hörern im Norden Afghanistans betrieb war deutlich: Verluste und Ausschreitungen vermeiden.

Wie? Das wusste zunächst auch ich nicht. In erster Linie wollte ich vermeiden mögliche Linien oder Statements der deutschen Bundesregierung zu der Thematik zu verkomplizieren oder diesen zu widersprechen. Ich frage meinen vorgesetzten Oberstleutnant zunächst nach einem Statement der Bundesregierung oder des auswärtigen Amtes zu den Islamkarrikaturen.

„Da gibt es nichts.“ war seine knappe Antwort. „Wie sieht es mit dem Einsatzführungskommando oder der Bundeswehr allgemein aus?“ Der Blick in sein Gesicht nahm die Antwort schon fast vorweg: „Da gibt es nichts. Da wird auch nichts kommen. Das müssen wir wohl vor Ort regeln.“

Erfahrung

Zu diesem Zeitpunkt habe ich an Qualifikation einen 6-wöchigen Lehrgang, der sich mit „Journalismus allgemein“ befasst hat. Ich habe gelernt, wie Beiträge mit Originaltönen produziert werden, habe bei einem Radiosender der Bundeswehr (Radio Andernach) drei Wochen mitgearbeitet und hatte 3 Wochen „Training on the Job“ als Chefredekteur eines Radiosenders mit 8 festen Redakteuren und einem Korrespondentennetz aus damals 15 Redakteuren.

Örtliche Radiostationen übernahmen in einem System von Re-Broadcast-Stationen wöchentlich ein einstündiges Programm der ISAF in ihre Programme. Führungserfahrung in der Leitung des Senders: gut 6 Wochen nachdem mein Vorgänger den Heimflug angetreten hatte.

Die Forderung nun: „Machen Sie Radio so, dass keine Soldaten zu schaden kommen.“

Nachdem wir uns beraten haben, kam folgender Radiobeitrag zustande. Der Text kann veröffentlicht werden, da dieser ja bereits „Live On Air“ quasi für alle Afghanen und sonstigen Stellen zugänglich war:

Als General Kiesheyer, Kommandeur und verantwortlich für die ISAF-Truppen im Norden Afghanistans von dem Vorfall in der internationalen Presse erfuhr, äußerte er, dass er es persönlich bedauert, das die veröffentlichten Bilder das religiöse Empfinden der Muslime weltweit und besonders der ehrbaren Menschen im Norden Afghanistans so tief verletzt hat.
Er stellte klar, das die ISAF-Truppen im Norden die Religion der Menschen respektieren. Er betonte das ISAF den Glauben der Menschen respektiert, egal, welcher Religion sie sich zugehörig fühlen.Er hofft, dass der Prozess der Zusammenarbeit und des Wiederaufbaus durch diese Vorfälle nicht Schaden nimmt und das die Freundschaft zwischen ISAF und den Menschen im Norden nicht darunter leiden wird.

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General Kiesheyer bestand im persönlichen Gespräch mit mir darauf, das ich das Wort “persönlich” einfüge. Seine erkennbare Intention war, Nachfragen und Ärger auf seine Person zu zentrieren.

Und die Nachfragen kamen

Wenige Tage nach dem wir das Statement quasi täglich an allen stündlichen und halbstündlichen Nachrichtensendungen angefügt, sowie per CD im gesamten erreichbaren Norden Afghanistans verbreitet hatten klingelten die Telefone heiß.

Verteidigungsministerium, Einsatzführungskommando, Auswärtiges Amt – kaum eine Instanz, die nicht direkt nach dem Statement schrie. Ich erfuhr später, dass offenbar ein amerikanischer Soldat von seinem Sprachmittler übersetzt bekommen hatte: “Ein deutscher General hat sich für die Islamkarrikaturen entschuldigt.”

Die Information wanderte von Afghanistan nach Belgien ins NATO-Hauptquartier SHAPE und von dort in den Bundestag – wie mir mein Vorgesetzter sagte, in den Verteidigungsausschuss.

Später schilderte er mir, ich wäre als “unguided missile” bezeichnet worden, die schleunigst wieder eingefangen werden müsse.

Wie groß war die Angst?

Als ich im September 2006 einen Vortrag zum Thema “Lebenbedingungen im Camp” vor Angehörigen halte, werde ich angesprochen, doch den gleichen Vortrag in Rahmen einer Veranstaltung in Ahrweiler zu halten. Die Ankündigung der Veranstaltung hing auch für einige Zeit im Verteidigungsministerium in Bonn am Schwarzen Brett.

Mein Arbeitstitel “Die Akte Kunduz” war unbewusst gewählt. Ich hatte schlichtweg mehrere Einsätze absolviert und für jeden dieser Einsätze gab es immer eine Einsatzakte. Die Symbolik “Akte – abheften – ablegen” gefiel mir damals gut.

Wenige Tage vor dem Vortrag reagiert zunächst mein Kompaniechef “panisch”, was ich denn da für einen Vortrag halten wolle. Der Bataillonskommandeur sei vom Kommandeur der Truppengattung aufgefordert worden, das in Erfahrung zu bringen. Ich solle mich melden und den Vortrag erläutern.

In dem mehr als nur harmlosen Vortrag schildere ich die Lebensbedingungen vor Ort und vor allem, was psychisch Entlastung geschaffen hat. Nicht nur die offiziell verbotene Tierhaltung im Camp, die ich in allen Einsätzen erlebt habe, sondern auch der “Karnevall in Kunduz”, den wir wenige Tage nach einem schweren Anschlag feiern. “Wir müssen das Ventil ein wenig öffnen – die Anspannung nach den Karrikaturen, Meymaneh und dem Anschlag ist einfach zu groß!”, meinte mein damaliger Vorgesetzter.

Am 22.02.2006 gab es erstmals seit der Stationierung von Bundeswehrtruppen in Kunduz einen Anschlag in der Innenstadt, bei dem Soldaten das Ziel waren. Einer wurde schwer verletzt und traumatisiert. In der afghanischen Bevölkerung gab es nicht nur Verletzte, sondern auch Tote. Schon deswegen obliegt es mir, den Redakeuren zu erklären, was der seltsame Brauch “Karnevall” zu bedeuten hat. Sie geben diese Information an die afghanischen Mitarbeiter in den anderen Bereichen des Camps weiter.

Damit erscheint dann – hoffentlich – der Umzug nicht ganz so fremd und unangebracht, den wir durch das Camp veranstalten. Für den Stresslevel wichtig – schon wenige Tage später gibt es wieder Anschläge. Die Drohungen Handgranaten könnten über die Lagermauern fliegen und den ominösen “weißen Toyota mit Sprengsatz” nehmen alle längst nur noch unterbewusst wahr, zur Kenntnis und quasi als “Normalzustand”.

Auswirkungen auf mich

Meine Belastungsstörung trat damals noch nicht zu Tage. Doch Aspekte, wie Kasernierung in mäßig gesicherten Lagern, Aufstände oder Angriffe finden sich im Kosovoeinsatz, wie auch in ISAF 1 und 3. Die Depressionen, unter denen ich zwischen 2008 und 2013 massiv litt waren verknüpft mit ISAF 1, den Islamkarrikaturen und dem Beinaheverlust des Camps in Meymaneh, für das wir quasi sämtliche Krisen-PR-Stellungnahmen schon formuliert hatten.

Ich wusste seither, wie Medienarbeit unverzeihlich Fehler im Umgang mit Massenkommunikationsmitteln sein können. Und das sie Menschenleben kosten können. Während ISAF 2 dann einen unerfahrenen Chef erleben zu müssen, der Fachfehler um Fachfehler begeht und mittels Autorität und Dienstgrad auch gegen mich durchsetzte hat weiteren Schaden angerichtet.

Angst auch 2013 ?

Es dauert nur wenige Tage, bis der Artikel über den Afghanistan-Einsatz 2005/2006 mit den Ereignissen rund um die Karrikaturen erkennbar häufig geklickt wird und auch an allen anderen Artikeln eine IP-Adresse immer wieder auftaucht.

Dänisches Aussenministerium

Dänisches Aussenministerium

Erst auf direkte Ansprache der Dänischen Botschaft im Laufe des Jahres endet der immer wiederkehrende Zugriff der IP-Adresse aus dem dänischen Aussenministerium in Kopenhagen.


Geplante Unruhen – aber von wem?

Im Januar 2014 treffe ich den dänischen Whistleblower Anders Kaergaard. Der ehemalige Offizier wurde durch seine Einsätze im IRAK traumatisiert und ging ebenfalls 2013 an die Öffentlichkeit.

Wir hatten sogleich eine besondere Gesprächsebene. Seine Militärzeit verbrachte er in einer vergleichbaren Einheit, wie auch ich. Medienarbeit fürs Militär – Psychological Operations.

Er beschrieb mir vor allem die Unterschiede der dänischen PsyOps im Vergleich zur Deutschen OpfInfoTruppe. Die Stellen der Dänen seien, so Kaergaard, nicht nur im Militär, sondern auch beim Geheimdienst verortet.

Der zweite wesentliche Unterschied sei, so schildert Kaergaard, dass das dänsische Militär nicht nur die Zielgruppe Einsatzbevölkerung mit Informationen versorgt, sondern das auch in Richtung der einheimischen Bevölkerung Informationskampagnen gefahren würden. Die Inhalte der Kampagnen orientierten sich dabei am Nutzen, der gegenüber der jeweiligen Zielgruppe erlangt werden solle. Kaergaard schildert, dass das vorallem dazu genutzt werde, um schwere Vorfälle in Einsatzgebieten gegenüber der Bevölkerung herunter zu spielen.

Ich entgegne, dass ich nur eine Zielgruppe – die Bevölkerung im Einsatz – mit Informationen versorgen durfte und das es ein striktes Verbot gegeben habe, mit Informationen auf die eigene Bevölkerung zu “wirken”.

Wir lachen beide, als wir unsere Wahrnehmungen austauschen – es ist ein bitteres Lachen.

Berichterstattung 2006 in der Rhein-Zeitung durch Bernd Kiesheyer

Ich übernehme diese Artikel, die damals im Einsatz entstanden, aber kein „OpInfo-Werk“ sind. Mal gespannt, ob und wie lange es geduldet wird, dass diese Artikel hier in Kopie angefügt sind:

Ich habe zwei Artikel aufbewahrt, die der damals kommandierende General in der Rhein-Zeitung veröffentlichen durfte. Ich trage die Darstellungen mit und auch den Optimismus, der in Bezug auf künftige Zusammenarbeit mitschwingt. Das es dazu nicht kam und das mit den Karikaturen, die insgesamt vier Mal veröffentlicht wurden die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit noch mehr geschädigt, wenn nicht gar zerstört wurde, bedauere ich sehr.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 18.02.2006, Seite 2.

Geplante Unruhen in Afghanistan

Extremisten nutzen Empörung wegen der Mohammed-Karikaturen aus
Die Unruhen wegen den dänischen Mohammed-Karikaturen haben auch Afghanistan ergriffen. Die Soldaten der internationalen Schutztruppe (Isaf) wurden in eine heikle Lage gebracht. Militärverantwortliche gehen davon aus, dass die gewalttätigen Proteste gezielt geschürt wurden.
 Von Brigadegeneral
Bernd Kiesheyer
KUNDUS. Die Unruhen der vergangenen zwei Wochen hier in Afghanistan sind noch nicht ganz überstanden. Überall im Land brachen Proteste und Demonstrationen aus. Die Menschen demonstrierten ihrer Meinung nach gegen Gotteslästerung und Verunglimpfung des Propheten Mohammed.
Anlass waren die erneuten Veröffentlichungen der Karikaturen des Propheten Mohammed in verschiedenen Ländern Europas. Der Zorn richtete sich hauptsächlich gegen Dänemark und Norwegen. Wir waren von der Heftigkeit des Protestes und der damit verbundenen Gewalt überrascht. Stets begannen die Proteste und Demonstrationen nach dem Morgengebet in der Nähe der Moscheen. Zuerst nur lautstark, dann jedoch, wenn die friedlichen Teilnehmer abzogen, kamen die gewaltbereiten Demonstranten. Stets war es das gleiche Schema. Es schien alles gut vorbereitet zu sein. So war uns rasch klar, Anlass und Ursache der Demonstrationen waren nicht unbedingt identisch.
Sehr viele Afghanen waren ehrlich empört über die Karikaturen. Sie waren in ihrem religiösen Empfinden wahrhaftig getroffen. Das Argument der Pressefreiheit wurde von ihnen weder verstanden noch akzeptiert.
Die Wellen der Gewalt waren durch die Veröffentlichungen in keinem Falle gerechtfertigt. Da in der Vergangenheit jedoch nicht oder nur wenig darüber berichtet wurde, nahmen die Afghanen an, es seien aktuelle Fälle. Die Mullahs ließen sie häufig in diesem Glauben. Ein sehr großer Anteil der Menschen hier in Afghanistan besteht noch aus Analphabeten. Sie sind leicht zu beeinflussen.
Wir hatten in Feyzababad, Taloqan, Pol-e-Khumri und Meymana gewalttätige Unruhen zu bestehen. In Kunduz, Mazar-e-Sharif, Sari Pul, Sheberghan und Aibak verliefen die Demonstrationen ohne größere Komplikationen. Dort wirkten die verantwortlichen Politiker und Mullahs beruhigend auf die Menschen ein. In den anderen Städten und Provinzen kam es teilweise zu heftigen Gewaltausbrüchen, die zunächst von der örtlichen Polizei und von den Gouverneuren ignoriert wurden. Erst nach heftigen Protesten durch die PRT Kommandeure und durch mich schritt man zögerlich ein. Das Schlimmste konnte dann jedoch noch abgewendet werden. Nur in Meymana, bei unseren norwegischen Kameraden, eskalierte die Gewalt so schnell, dass uns allen rasch klar wurde: Hier war von langer Hand geplant worden.
Wir zögerten nicht, unsere QRF (Quick-Reaction-Force) aus Mazar-e-Sharif mit Hubschraubern und Transportflugzeugen zu verlegen. In kurzer Zeit hatten wir unsere Verstärkung vor Ort. Nun ist die Lage im Norden wieder einigermaßen ruhig, jedoch nicht stabil. Sechs unserer norwegischen Kameraden wurden erheblich verletzt. Das verlorene Vertrauen wiegt sehr schwer. Das NOR PRT wurde recht schwer zerstört. Die Angehörigen des PRT Meymana wurden mit Steinen, Brandflaschen und Handgranaten eingedeckt. Sie wurden mit Gewehren, Pistolen und Panzerfäusten angegriffen. Ein Wunder, dass nicht mehr geschehen ist. Bewundernswert ist, wie sie sich gehalten haben. Sie verteidigten sich mit Gummigeschossen, Tränengas und CS. Mit ihren scharfen Waffen schossen sie nur Warnschüsse in Richtung der Angreifer. Sie wussten, wir lassen sie nicht im Stich!
Nach dem Einfliegen der Verstärkung flog ich selbst nach Meymana. Ich bestellte den Gouverneur, den Polizeichef, den Bürgermeister und die Mullahs ins PRT ein. Sie räumten ein, das Ausmaß der Demonstration unterschätzt zu haben und entschuldigten sich. Rasch wurde deutlich, dass auch hier üble Hintermänner ihre Fäden gezogen hatten. Die lokalen „Powerbroker“ des Nordwestens hatten ihre Hände im Spiel. Sie wollten unsere norwegischen Kameraden abstrafen; dafür, dass sie ihnen bei illegalen Geschäften in die Quere gekommen sind.
Die Gewaltwelle ist möglicherweise in Verbindung mit dem afghanischen Nachbarstaat Iran zu sehen, der ins Visier der internationalen Gemeinschaft geraten ist, besonders ins Visier der USA und der europäischen Staaten. Das würde erklären, warum erst so spät, aber zum „richtigen Zeitpunkt“ die wütenden Proteste der islamischen Welt erfolgten.
Noch haben wir es hier in Afghanistan nicht überstanden. Aber uns ist klar, wir werden unseren Auftrag erfüllen. Die Mehrheit der Menschen will in Frieden und Freiheit leben. Sie sehen in uns die Garanten ihrer Menschenrechte. Wir dürfen sie nicht enttäuschen!
 Der deutsche Brigadegeneral Bernd Kiesheyer ist als Regional-Koordinator-Nord für den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten Afghanistans verantwortlich.

Rheinzeitung, 24.02.2006
Mühsamer Weg zum Rechtsstaat
Brigadegeneral Kiesheyer: Afghanische Kriminelle hemmen Wiederaufbau
Im Norden Afghanistans spielt Deutschland eine zentrale Rolle. Brigadegeneral Bernd Kiesheyer, von 1988 bis 1991 Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 342 in Kob-lenz, koordiniert den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten. Sein Sitz ist in der Provinzhauptstadt Kunduz. Über den Einsatz als Regional Area Coordinator (RAC) hat Bundeswehr-General Kiesheyer eine Art persönliches Einsatztagebuch geführt. Wir dokumentieren Auszüge.
KUNDUZ. Januar 2006: Der Winter hat uns hier im Norden Afghanistans fest im Griff. Schnee, Frost und die ganze Palette von unschönen Witterungsbegleiterscheinungen, wie glatte und rutschige Straßen und eingefrorene Rohre in unserem Feldlager. Morgens ist der Gang zum Sanitärcontainer schon eine echte Herausforderung.
Die Anforderungen an unsere Kraftfahrer werden auf eine Bewährungsprobe gestellt. So sind wir in den vergangenen fünf Tagen mehr als 1400 Kilometer durch den Norden des Landes gefahren. Von Kunduz über Pol-e-Khumri (Baghlan) nach Aibak (Samangan), weiter nach Mazar-e-Sharif. Von dort nach Sari Pul, zurück nach Sherberghan (Jawzjan) und Mazar-e-Sharif. Übernachtungen im Camp Marmal, bevor es dann zurück nach Kunduz ging. Trotz des Winters gilt es, die Gouverneure der Provinzen des Nordens zu besuchen. Bei der rasch wechselnden Witterung bleibt nur die Fahrt mit dem Auto. Sie ist zwar mit einem höheren Risiko verbunden, aber wenn ein Flug nicht möglich ist, bleibt keine andere Wahl. Unsere gepanzerten Fahrzeuge bieten schon einen guten Schutz und ausreichenden Komfort.
Jedoch ist Wachsamkeit geboten. Unsere „Close Protection Teams“ (CPT) arbeiten sehr präzise, und auch ich muss mich in die besonderen Schutzverfahren mit einbringen. Man wächst zusammen. Ich muss mich daran gewöhnen, nie alleine zu sein. Selbst der Gang zur Toilette wird dezent begleitet. Diese besonderen Umstände kann man über einen langen Zeitraum nur erfolgreich ertragen, wenn die Chemie, die Kameradschaft stimmt. Wir sind ein Team, wir gehen durch Dick und Dünn – mit kalkuliertem Risiko. Jeder steht für den anderen ein. Mein CPT und ich sind zu einer engen, verschworenen Gemeinschaft zusammen gewachsen. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das CPT ist sechs Mann stark, dazu mein Adjutant. Er rundet unsere kleine Kampf-, Einsatzgemeinschaft ab. Bis zum letzten Einsatztag werden wir so zusammenarbeiten.
Während der Fahrt durch den Nordwesten Afghanis-tans traf ich mit vier Provinzgouverneuren, den Polizeichefs und den Leitern der Provinzsicherheitsdienste zusammen. Es wird vermutet, dass selbst einige afghanische Regierungs- und Verwaltungsverantwortliche in den Drogenanbau und Drogenschmuggel verwickelt sind. Dazu kommen noch Waffenschiebereien und Korruption. Dennoch müssen wir mit ihnen kooperieren.
Wir müssen sie in Verantwortung bringen. Wir müssen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Wir müssen dem Recht Geltung verschaffen. Jetzt, nachdem die gewählten Parlamente damit beginnen, Gesetze zu erlassen, wächst das Unrechtsbewusstsein bei den offiziellen Vertretern der Staatsgewalt, die zuvor selbst bestimmen konnten, was Recht war und was nicht. Diese Zeit ist abgelaufen, das wissen sie. Es war deutlich in den Gesprächen zu merken. Wenn ich sie mit ihrem vermuteten Fehlverhalten konfrontierte, wichen sie aus, versuchten Verantwortung umzuschichten und zeigten Unsicherheiten. Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg! Ein Polizeichef versuchte sogar, mit einer „getürkten“ Schau von beschlagnahmten Waffen – die alle Museumsreife hatten – Eindruck zu schinden.
Zurzeit treiben westlich von Mazar-e-Sharif einige kriminelle Banden ihr Unwesen, die Lkw und Reisende überfallen. Das führte dazu, dass Isaf-Kräfte gemeinsam mit afghanischer Polizei und dem afghanischen Militär Konvois bilden mussten, um Angehörigen der internationalen Gemeinschaft Schutz und Sicherheit zu geben. Selbst Mekka-Pilger wurden beraubt. Die kriminellen Banden nahmen ihnen ihr mühsam erspartes Reisegeld ab. Wenn man weiß, dass diese armen Pilger teilweise während ihres ganzen bisherigen Lebens gespart hatten, um, wie es sich traditionsgemäß für einen Moslem gehört, einmal nach Mekka zu reisen, dann erkennt man die Tragik dieser Verbrechen.
Jedenfalls ist es den vereinten Sicherheitskräften gelungen, weitgehend wieder Sicherheit in der Region herzustellen. Doch die Lage ist nach wie vor instabil.
Vor wenigen Tagen wurden niederländische Soldaten trotz hoher Wachsamkeit von einer Straßenbombe getroffen, die Taliban-Kämpfer gelegt hatten. Gott sei“s gedankt, die Soldaten sind mit dem Leben davon gekommen. Wenn man sich den getroffenen Geländewagen anschaut, erscheint es wie ein Wunder. Dennoch, die internationalen Soldaten dürfen sich nicht in ihre geschützten Räume zurückziehen und so den Feinden der positiven afghanischen Entwicklung das Feld überlassen. Die überwältigende Mehrheit der afghanischen Bevölkerung will die Hilfe der internationalen Gemeinschaft und betrachtet uns als willkommene Helfer und Gäste.
Die Hauptstörer des afghanischen Wiederaufbauprozesses finden wir in den Reihen der organisierten Kriminalität. In Afghanistan herrschte lange Zeit Anarchie. Das bot den Warlords und Drogenbaronen den Freiraum, den sie für ihre Machenschaften benötigten. Das wird nun langsam anders werden. Nur, es bedarf Zeit, viel Zeit! Haben wir also Geduld und die Kraft, diese Aufgabe zu lösen.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 24.02.2006, Seite 2.

Informations-Besuch in Kunduz: EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner bei Brigadegeneral Kiesheyer.   Foto: Bundesheer

Mit Autos versteht ihr es, oder?

Wo ist die Akte? Stand letzte Woche war die Aussage: „Akte ist in Hamburg.“ In dieser Woche ist sie nun „auf dem Weg“ dahin. Ich würde vorschlagen, Frau von der Leyen lässt den gesamten Aktenbestand mal an das Internetversandhaus Amazon überstellen. Die kennen sich mit Ablagesystemen aus und liefern unter 24 Stunden deutschlandweit.

Es bleibt beim Sachstand der letzten Woche: nur Hören-Sagen darüber, wie der Sachstand des WDB-Verfahrens ist. Nach über einem Jahr. Wer tut was, wann, wo und zu welchem Zweck? Irgendwie scheinen solche grundsätzlichen Aussagen nicht möglich zu sein, sobald man „Antragsteller“ ist – als Soldat undenkbar, sich zu irgendeinem Zeitpunkt über diese grundsätzlichen Dinge nicht im klaren zu sein.

Frage mich, wo die Akten so zwischenzeitlich versickern. Stehen die rum? Fahren die auf einer LKW-Pritsche im Kreis?

Frage mich, welcher Vorgesetzter seit Jahren die Meldungen von Mitarbeitern unbearbeitet lässt, dass offenbar zu wenige Mitarbeiter vorhanden sind, um die steigende Zahl an Fällen zu bearbeiten. Leute nehmen schaden aus ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr und müssen dann in die Antragbearbeitung bei genau der Instanz, die den Schaden verursacht hat.

In der realen Welt

Akten und Papier sind so schwer verständlich und die Not dahinter kaum nachvollziehbar. Für Deutsche empfiehlt sich dann immer die Übertragung in die Welt des Autos. Das ist deren liebstes Kind und mobilisiert sofort das notwendige Maß an emotionaler Intelligenz, um nachzuvllziehen, was da gerade schief läuft.

Stellt euch also vor, ihr reklamiert eine verpfuschte Reparatur bei eurer Werkstatt. Die Werkstatt stellt euer Auto dann erst mal auf den Hof und sagt: „Kaputt ist was. Schauen wir mal, was es ist. Lassen sie das Auto mal da.“

Ihr lasst es dort stehen und wartet drauf. Irgendwann – so nach einem Jahr – ist dieses Auto weg, verschwunden und nicht auffindbar. Ihr habt nichts von eurem Auto gehört.

Nachfragen des Anwalts werden von überlastetem Werkstattpersonal am Telefon mit „Das macht es nicht besser, wenn sie hier ständig nachfragen.“ gekontert. Wie könnt ihr auch nur auf die Idee kommen nachzufragen?

Und in dem Moment wo dem Autobesitzer dann der Kragen platzt und er sagt: „Lass uns das jetzt mal beenden und einen Gutachter einschalten!“ sagt die Werkstatt, die euer Auto verpfuscht hat: „Klar: hier ist unsere Liste von Gutachtern. Wir schicken das Auto dann zu denen – wenn wir es gefunden haben. Das ist gerade zwischen Sankt Augustin, Düsseldorf und Hamburg unterwegs. Oder sonst wo. Zwischendurch war es vielleicht auch schon in München. Wer weiß das schon so genau. Seit wann? Keine Ahnung. Wann es ankommt? Also bitte, Sie fragen ja schon wieder.“

Euer Auto wird derweil in den unterschiedlichen Filialen der Werkstattkette mal hier, mal dort abgestellt, rumgereicht und – irgendwie fühlt es sich so an – versteckt, vergessen und ignoriert.

Blöd nur, dass es für erkrankte Menschen keine Alternative gibt. Autofahrer können ja mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren (und leiden dabei schon Höllenqualen).

Leider ist diese abstruse Bild die Realtität in der Bearbeitung einer Wehrdienstbeschädigung. Strukturen, bei denen ich langsam den Selbstzweck der Verschleppung unterstellen muss. Ziel: bloß nicht effektiv arbeiten, damit die Kosten, die für die geschädigten Soldaten aus einem Einsatzjahr anfallen bitte erst über zwei oder drei Jahre fällig werden.

Kosten, die offenbar nicht bedacht wurden und die niemand gegenfinanzieren kann oder will – lieber 500 Millionen Euro in einem Drohnenprojekt versenken. Personalverantwortung – ja, das Personal hat Verantwortung. Bloß halt nicht für andere. Und schon gar nicht für Geschädigte oder das eigene Handeln.

Vorgegebene Schutzzeiten zwischen den Einsätzen ignorieren – vor den Folgen dann die Augen verschließen und behaupten: „Selbst Schuld, das du das gemacht hast, was von dir verlangt wurde.“

Beweislastumkehr in Wehrdienstbeschädigungsverfahren

Unternehmer kennen Begehungen ihres Betriebes, wenn es darum geht die Einhaltung von Unfallverhütungsvorschriften nachzuweisen. Da muss alles passen, Fehler müssen abgestellt werden und sind schnellst möglich zu beseitigen.

Ihr führt ein Restaurant und erfüllt die Hygienevorschriften nicht ? Das Ordnungsamt schließt euch sofort den Laden, wenn eure Gäste nach dem Besuch eures Restaurants eine Salmonellenvergiftung erleiden.

Für die Bundeswehr und Versorgungsämter hinggegen gilt all das offenbar nicht. Zeitvorgaben? Nein. Schließlich haben diese Ämter viel zu tun und können nicht vorhersehen, wann sie die konkrete Arbeit erledigen.

Perfide: die Bundeswehr meldet selbst ansteigende Fallzahlen von PTBS, Wehrdienstbeschädigungen und ähnlichem. Das entspricht in etwa, wenn ihr bei der Restaurantbegehung dem Lebensmittelkontrolleur auch noch stolz präsentiert, wie flauschig der Schimmel auf euren Speisen wuchert und ihm anschließend auf die Schulter klopft und sagt: „Nächstes Jahr haben wir das bestimmt behoben. Da hat sich ja auch im letzten Jahr vieles getan. Es schimmelt nur noch in zwei von drei Kühlschränken.“

Seit April 2013 schimmele ich in diesem System vor mich hin. Einsatzbedingte Anpassungsstörung und Depressionen diagnostiziert, daraufhin im Bundeswehrkrankenhaus behandelt worden und mit der Aufforderung zur weiteren ambulanten Behandlung überwiesen. Fehlberatungen, verschwiegene Hilfen, keine Rückmeldungen über den Sachstand.

Hackt es eigentlich bei euch?

Ihr seid über ein Jahr nicht in der Lage auch nur ansatzweise nachzuweisen, dass die Schädigung nicht aus dem Einsatz kommt, lasst die Entscheidung aber in der Schwebe. Was steht am Ende des Verfahrens? Behandlungen, Medikamentierung (lehne ich weiterhin ab), weitere Behandlungen und Zwischendiagnosen um dann mit einem „Gutacher“ zu dem Schluss zu kommen: „Ach, nee, war doch nicht einsatzbedingt?“

Gebt mir einfach eine Krankenverischerung. Eine, die dauerhaft besteht, egal in welchem Arbeitsverhältnis ich gerade stehe oder ob ich keines habe. Lasst mich aus eurer Verwaltungs-Idiotie heraus. Die Arbeit für euer System wird mehr und ihr reduziert auch bei der Bundeswehrverwaltung die Zahl der Mitarbeiter.

Klar – dann dauern Verfahren eben 18 Monate und mehr. Juckt doch euch Reformer nicht. Ihr verheizt Soldaten in den Einsätzen und verhöhnt die, die dann Schaden nehmen.

Was hilft ?

Mittlerweile habe ich es irgendwie geschaft Einkommen zu generieren, so dass ich zum 1.9. nicht auf dem HARTZ4-Amt vorstellig werden muss. Rund 800 Euro müssen reichen. Leider ist davon noch keine Krankenversicherung bezahlt. Was die korrekte Versteuerung angeht muss ich noch das Finanzamt befragen.

Das löst leider noch nichts – für Unterhaltszahlungen reicht das nicht aus. Daher wird es Druck vom Unterhaltssicherungsamt geben. Dieses wird mir dann ab September 20 bis 30 Bewerbungen monatlich abverlangen.

Das Studium endet wohl, denn ich kann weder ein weiteres Semester finanzieren, noch es irgendwie aushalten eine Bachelorarbeit zu schreiben. Autorität, die über mein Leben richtet, eingrifft oder deren Willkür ich ausgesetzt bin? DAS ist DERZEIT immernoch nicht möglich.

Ich arbeite in dem Umfang, der derzeit möglich ist. So, wie ich halbwegs klar komme.

Der 27.09.2008 ist weiterhin nicht bewältigt. Durch die Einstufung des Antwortschreibens gelte ich weiter als Skandaleur, der haltlose Behauptungen in die Welt setzt.

DREI Meldungen der Bundeswehr – keine entspricht der anderen – und erkennbar wird, dass den Abgeordneten des Parlaments verschwiegen wird (werden soll?) , was vor Ort passiert. Erklärungen des Ministeriums dazu? NULL. Mehr als peinlich berührtes Schweigen gibt es nicht. Klärt das! Vielleicht geht das ja schneller, als ein Wehrdienstbeschädigungsverfahren.