Schweigepflichtentbindung & aktueller Stand 09.07.2015

Sehr geehrter Herr Oberamtsrat XXX ,

aufgrund des Poststreiks erreichte mich erst heute die Eingangsbestätigung sowie das Formular zur Schweigepflichtentbindung.

Mittlerweile erreichte mich telefonisch die Information, dass die Bundeswehr einen Teil der Kosten tragen will.

Konkret geht es um den Zeitraum September 2014 bis März 2015. Die Kosten für März 2015 bis Juni 2015 habe ich vorfinanziert.

Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass der von mir gewählte und erfolgreich laufende Behandlungsweg nicht in die Regularien der Wehrverwaltung passt und zugunsten eines Bundeswehr-Behandlungsweg ersetzt werden soll.

Für mich würde das konkret bedeuten in der Behandlung zurückgeworfen zu werden. Ich habe Vertrauen zu den Personen, die mich derzeit in der Behandlung begleiten. Eine Wehrpsychiatrischen Begutachtung stellt all das in Frage.

Sollte ich dazu genötigt werden, den von der Bundeswehr-Verwaltung vorgeshenen Behandlungsweg zu gehen, dann ist all das mit erneuten Belastungen verbunden.

Hinzu kommt, dass ich nach den Erfahrungen im Juni 2013 (siehe dazu auch andere Eingaben – Falschinformationen durch Arzt im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin zum Behandlungsablauf der stationären Behandlung) wenig Vertrauen in die Unabhängigkeit der Bundeswehrärzte im BWK in Berlin habe.

Anbei erhalten Sie die Schweigepflichtentbindung. Bitte lassen Sie mich wissen, ob das per Fax ausreichend ist.

Mir geht es nicht um „Ärger machen“. Aber ich lasse mich nicht in der Behandlung / Genesung durch Verwaltungsformalien zurückwerfen. Durch die zwischenzeitliche Entlassung aus dem System Bundeswehr war ich bei der Gestaltung des Therapieweges auf mich gestellt.

Eine erneute Wehrpsychiatrische Begutachtung ist für mich mit großem Stress verbunden. Schon jetzt wirkt sich die gesamte Kommunikation rund um diesen Fall absolut negativ auf mein Befinden aus.

Um es plastisch zu formulieren:

Stellen Sie sich einen offenen Beinbruch vor, der mit Titanschrauben gerichtet und versorgt wurde. Nun kommt eine Verwaltungsinstanz an, sagt, Titan zahlen wir nicht. Lassen sie sich eben Eisenschrauben einsetzen. Dann zahlen wir.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Lücking

… einfach nur noch leer

Bachelorarbeit:

Meine größte Sorge der letzten Monate war, irgendwie fit genug zu werden, um die Bachelorarbeit hinzubekommen. Die Auflage war, diese binnen 6 Wochen zu schreiben und abzugeben. Aufgrund der Vorgeschichte eine sehr schwierige Herausforderung.

Letzlich habe ich im Mai und Juni alles daran gesetzt und meine Belastbarkeit erprobt. Kontinuierliche Arbeit an Themen – insbesondere in der zweiten Junihälfte ziemlich arbeitsintensive Sitzungstage. Gut: gefallen wird das niemandem haben, denn es ging um den NSA-Untersuchungsausschuss.

Parallel entstand dazu ein Exposé für die Bachelorarbeit. Der vorgegebene Zeitrahmen: 6 Wochen. Die Planungen waren noch so zeitgerecht, dass ich pünktlich zum Wintersemester 2015/2016 mit einem Masterstudium hätte beginnen können.

Für die geplante Bearbeitungsdauer habe ich einen Arbeitsplatz in einer Bürogemeinschaft angemietet, um deutlich Arbeit von Privatleben trennen zu können. Die Aussicht, die Bachelorarbeit 6 Wochen intensiv von zu Haus aus zu schreiben? Besser nicht.

Mitte Juni war das Exposé eingereicht.

Ende Juni nun ein Gerichtsurteil, dass die bisherige Praxis meiner Hochschule als „nicht-rechtens“ ansieht und einen Zeitraum von 3 Monaten diktiert, den ich frühestens ab dem 15. September beginnen darf.

Ergo: kein Studium im Anschluss an das Bachelorstudium, denn der Studiengang Kulturjournalismus beginnt zum Wintersemester.

Für mich ergibt sich daraus der ZWANG nach dem Bachelorstudium tagsüber in die Kaserne einrücken zu müssen und Zeit abzusitzen. Ich soll in dem beruflichen Umfeld quasi verwahrt werden, was mich krank gemacht hat. Das ganze nennt sich auch noch Schutzzeit.

Einen zivilen Weg hat die Bundeswehr nicht parat. Ich kann allerdings auch kündigen. Und lande dann in HARTZ4.

Begutachtung und Therapie

Meine Therapiemethode funktioniert. Es besteht ein Vertrauensverhältnis zur Therapeutin und der Trainerin. Nun soll ich in ein wehrpsychiatrisches Gutachten gezwungen werden, um mir einen Therapieweg zu diktieren, der der Bundeswehr genehmer ist. Vermutlich irgendwas mit Pillen und Sport. Das geht bei denen immer.

Eine seit über 9 Monaten positiv funktionierende Therapie wird hinterfragt, bei der ich Stück für Stück leistungsfähiger wurde. Diktiert durch einen Verwaltungsbeamten aus der Ebene des Verteidigungsministeriums, der über keine ärztliche Kompetenz verfügt, verwaltet durch einen Arzt, der nach eigenem Bekunden keine Erfahrungen im Bereich der Psychologie hat.

Aussichten

Sagt ihr es mir… 🙁

Schutzzeit und das seltsame Verständnis der Bundeswehrverwaltung

Nachdem ich nun eine Weile nichts mehr geschrieben habe, geht es nun direkt wieder hoch her.

Positives vorweg

In den Monaten April, Mai und Juni habe ich eine gute Entwicklungsphase zu verzeichnen. Ende April nahm ich Kontakt zu meinem Professor auf und leitet ein, dass die Bachelorarbeit in die Bearbeitungsphase gehen kann und der Abschluss des Studiums Bachelor Onlinejournalismus in greifbare Nähe rückt.

Die Bewerbung für den Masterstudiengang Kulturjournalismus ist ebenfalls auf dem Weg und in Kürze muss ich mich dem Aufnahmeverfahren stellen.

Meine Berichterstattung rund um den NSA-Untersuchungsausschuss habe ich ebenfalls im Mai und Juni ausweiten können. Statt nur an den Sitzungen teilzunehmen, waren nun immer öfter auch die Vorbesprechungen der einzelnen Fraktionen auf meinem Terminkalender.

Seit Mai habe ich als „ständiger Gast mit Fragerecht“ auch den Bereich Bundespressekonferenz zum Teil meiner Arbeit gemacht. Insgesamt also auf dem Weg zu einem Berufsbild „Hauptstadtjournalist“ oder „Parlamentsberichterstatter“.

Im Juni kam dann noch eine Kooperation mit zwei jungen Journalisten hinzu, die zum Themenbereich NSA-Untersuchungsausschuss nun einen regelmäßigen Podcast anbieten. Hier konnte (und kann auch weiterhin) ich als Gast auftreten und in einer Runde die Tagesergebnisse der jeweiligen Ausschusssitzungen diskutieren.

Ich habe darüber hinaus nun auch einen Arbeitsplatz in einer Bürogemeinschaft (Neu-Berlinerisch: „Coworking-Space“) bezogen, um nicht auf Dauer Arbeit, Erholung und Freizeit auf gerade einmal 20 Quadratmetern in der Ein-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung unterzubringen.

Die Kosten dafür sind zwar merklich, stehen aber in keinem Vergleich zum Aufwand der Wohnungssuche nach einer Wohnung mit Extraarbeitszimmer. Ein weitere Vorteil der Bürogemeinschaft: ich arbeite im Umfeld anderer Menschen, kann mich austauschen und knüpfe neue Kontakte.

All das erfolgte nicht nur parallel zur Traumatherapie, sondern auch mit der Begleitung meiner Trainerin (Neu-Berlinerisch: „Coach“), die Sozialpädagogin und Psychologin ist. SIE weiß, was sie tut. Soweit so gut.

Wo Licht ist …

… ist auch irgendwo die Verwaltungsebene.

Seit meiner Wiedereinstellung in die Bundeswehr war klar, dass ich mich noch wegen der Übernahme der Therapiekosten mit dem Dienstherrn auseinander setzen musste. In den ersten sechs Wochen verzichtete ich jedoch zunächst darauf, diese Schritte zu gehen.

Es galt auch zunächst das Finanzchaos zu ordnen, dass nach der Entlassung und den Problemen mit der Krankenversicherung entstanden war. Alles keine leichten Wege.

Anfang Mai bemerkte ich, dass ich weiterhin die Therapiekosten vorfinanzierte (zw. 200 und 400 Euro monatlich). Da ich mich auch an das Abtragen des KfW-Kredites machen muss, der 2014 verhinderte, dass ich auf der Straße landete oder weiteren Druck vom Unterhaltsamt bekam, wurde es auch Zeit, die Therapiekosten von der Bundeswehr erstatten zu lassen.

Ich ahnte, dass das schwierig werden könnte, war jedoch hoffnungsvoll, denn meine Traumaheiltherapeutin konnte in Erfahrung bringen, dass die Berceli-Methode, nach der wir bereits seit September 2014 erfolgreich arbeiten, wohl auch bei der Bundeswehr eingeführt werden soll. So äußerte sich zumindest der Bundeswehrtraumaexperte Peter Zimmermann aus dem Bundeswehrkrankenhaus in Berlin ihr gegenüber, als sie ihm diese Therapiemethode vorstellte.

Verwaltungsdenke versus Genesungswunsch

Ich bat den Sozialdienst der Bundeswehr zu klären, wohin ich die Rechnungen zwecks Erstattung schicken kann und welche Schritte notwendig sind. Meine Beraterin steuerte umgehend alles notwendige ein. Und danach passierte … sechs Wochen lang erst einmal nichts.

Keine eMail von Verantwortlichen aus der Bearbeitungskette. Kein Anruf, der bis auf meinen Telefonapparat durchgedrungen wäre(Mailbox vorhanden, Parallelanruf immer auf Festnetz und Handy sichergestellt, jeder Anruf wird mir in die eMail-Box gemeldet, jede Nachricht dort gespeichert).

Da ich mich ab Juli voll und ganz auf die Bachelorarbeit konzentrieren wollte, statt frustrierenden Verwaltungskram zu erledigen meldete ich mich um den 21. Juni erneut beim Sozialdienst und meine Bearbeiterin konnte bis zum 24. Juni 2015 auch keine Lösung erreichen.

Meine Frage „Wo soll ich mich melden ?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.
Meine Frage „Wo kann ich Rechnungen einreichen ?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.
Meine Frage „Wer ist zuständig? Wer braucht was von mir?“ – binnen sechs Wochen nicht zu beantworten.

Nun blieb wieder einmal als Ausweg nur die Eskalation. Und ich bin es so Leid immer um mich schlagen und treten zu müssen, damit sich überhaupt etwas bewegt.

Ich sendete am Freitag, den 26.06.2015 um 11:31 Uhr eine eMail an die Stellen Wehrbeauftragter, PTBS-Beauftragter und den Sozialdienst. Bisher fehlt mir die Eingangsbestätigung des Wehrbeauftragten – hängt vermutlich in der Post – aber die Reaktionen zeigen mir deutlich, dass es am Montag, den 29.06.2015 wohl eine Intervention gegeben hat, denn es meldete sich gegen 15:51 Uhr jemand aus der Bearbeitungskette.

Der Allgemeinmediziner, der aufgrund der Hierarchie nun Ansprechpartner ist aber nach eigenem bekunden im Bereich Trauma und Psychologie keine Erfahrungen hat meldete sich per eMail. Ich mache ihm ausdrücklich keinen Vorwurf. Er hat die notwendige Ausbildung nicht und ist nur derjenige, der meinen Fall quasi zu verwalten hat.

Email vom 29.06.2015 – 15:51 Uhr

Sehr geehrter Herr Lücking,

leider war es unserer Heilfürsorge bisher nicht möglich Sie zu erreichen. Wir haben für Ihre Abrechnung der Therapiesitzungen eine zuständige Kostenstelle gefunden. Hierfür müssten Sie sich bitte nächste Woche mit Herrn Stabsunteroffizier XXX in Verbindung setzen. Die Durchwahl ist  ***. Des weiteren benötige ich für weitere Therapiemaßnahmen und Kostenzusagen ein Vorstellung in der FU VI BWK Berlin mit Wehrpsychiatrischer Begutachtung. Dies haben wir bereits damals persönlich besprochen. Ebenso wollten Sie mir Gesundheitsunterlagen aus den letzten Jahren zukommen lassen. Ich weiß das Sie mit ihrem Studium, Ihrem Job und den familiären Verpflichtungen ausgelastet sind und wenig Zeit für die Zuarbeit haben. Ich kann aber meinerseits nur mit den entsprechenden Unterlagen etwas für Sie erreichen. Sie können mich gerne unter der *** anrufen oder Sie senden mir Ihre Handynummer zu und ich rufe zurück.

Mit freundlichen Grüßen

Sechs Wochen Bearbeitungsdauer für diese Erkenntnis plus die Implikation im Anfangssatz, ich sei für die Heilfürsorge bisher nicht zu erreichen gewesen.

Ich halte zu dem Vorwurf fest, dass ich auf jeden Telefonanruf mit eingeblendeter Nummer reagieren kann, mein Anrufbeantworter zuverlässig reagiert und alle Anrufversuche per eMail an mich weiterleitet, alle Nachrichten ebenfalls.

Ich halte auch fest, dass ich nicht in Besitz von Unterlagen aus den letzten Jahren bin. Ich habe keinen Zugriff auf meine Gesundheitsakte und die Kopien, die ich erhalten habe sind allesamt als Originale in den Händen DER Bundeswehr, die mich nun dazu auffordert, IHR die Unterlagen nun zukommen zu lassen.

Ich halte weiterhin fest, dass ich mit dem verwaltenden Arzt darüber gesprochen habe und er mir sagte, dass natürlich das Traumazentrum in Berlin als Fachinstanz mitreden muss. Alles akzeptabel.

Was ich nicht akzeptieren kann ist, dass ich mich nun in der Bearbeitungsphase der Bachelorarbeit auch noch mal eben schnell einer Wehrpsychiatrischen Begutachtung aussetzen soll.

Meinen Behandlungsweg habe ich bei der letzten Begutachtung im November 2014 im Bundeswehrkrankenhaus geschildert und auch dort zu Protokoll gegeben, dass die Ergebnisse gut sind.

Daran hatte sich bis Mai 2015 nichts geändert. Auch nicht bis Juni 2015. Leider kann ich mir mittlerweile nur noch die Vorfinanzierung des Coachings leisten – nicht aber die Traumatherapie. Ich habe es bisher noch nicht geschafft, die Berceli-Übungen als Routine in meinen Alltag zu integrieren. Ebenso ist das Gespräch und die Reflektion mit der Therapeutin ein wichtiger Anteil der Sitzungen.

Herausforderungen Bachelorarbeit

Als sei all das nicht genug wackelt nun der Zeitplan der Bachelorarbeit, denn eine Entwicklung an der Hochschule legt nun nahe statt der geplanten sechs Wochen nun volle zwölf Wochen nutzen zu MÜSSEN. Das bedeutet nun voraussichtlich ein weiteres Semester Onlinejournalismus bzw. die Überschneidung des Beginns Masterstudium mit dem offiziellen Abschluss des Bachelors.

Die nächste Auseinandersetzung mit dem Berufsförderungsdienst ist vorprogrammiert und ich werde aufgrund dieser Entwicklungen wohl entweder – um den Zeitplan zu halten – das Master-Studium zeitgerecht mit 500 Euro monatlich selbst finanzieren müssen oder ein volles Jahr verlieren. Inklusive dem Zwang in der Zeit in der ich keine Berufsförderungsmaßnahme absolvieren kann in der Kaserne „einzusitzen“.

Ich nenne es bewusst „einsitzen“, denn ich will mich schnellst möglich vom Schädiger wegentwickeln und hätte durch die Schutzzeit auch die Möglichkeit.Erneute Tätigkeiten im Bundeswehrumfeld sind da nicht sinnvoll. Auch nicht, von 9 bis 17 Uhr in der Kaserne zu hocken – was auch immer für Aufgaben ich da verrichten sollte: es geht nicht.

Aber es gibt wohl sinnvoll strukturiertes Handeln und parallel gibt es eine Verwaltung, die Hürden aufbaut, wo es nicht notwendig wäre.

Sinnvoll? Kompetent?

Auffällig ist, dass in der Kommunikation vor allem ein Mitarbeiter aus dem Büro des PTBS-Beauftragten darauf drängt, dass ich mich in die Wehrpsychiatrische Begutachtung begebe. Den Vorschlag, die Begutachtung nach Aktenlage und der ausführlichen Befragung aus November 2014 vorzunehmen lehnte er ab. Nicht nur, dass nicht absehbar ist, zu welchem Termin das Bundeswehrkrankenhaus eine solche Begutachtung mal eben vornehmen kann.

Belastend ist vor allem die Aussicht, dass der Therapieweg, den ich seit September 2014 ERFOLGREICH gehe nicht akzeptiert, in Frage gestellt, abgelehnt oder zu Gunsten der Bundeswehrlösung beendet wird.

Die Qualifikation des Mitarbeiters scheint in der Hauptsache auf Verwaltungsjuristerei zu liegen, nicht aber annähernd im Bereich, dass er beurteilen könnte, was hier gerade passiert.

Bildlich gesprochen wird der Schorf angehoben um mal zu sehen, ob es noch unten drunter blutet. Die Bundeswehrinstanzen haben ein seltsames Verständnis von „Schutzzeit“.

An meine Leser:

Ja, es wäre lieb gewesen dieses Video voran zu stellen. Im Kern drücken die beiden Gallier aus, was seit Jahren offenkundig ist: Verwaltungshandeln und Realität haben nur sehr begrenzte Schnittmengen.

Wie geht es für mich weiter

Mit einer minimal positiven Nachricht kann ich nun den Beitrag abschließen. Für den Zeitraum September 2014 bis zur Wiedereinstellung in die Schutzzeit am 16. März 2015 ist man nun wohl bereit, die Kosten zu erstatten. Die Aussicht, dass die Behandlung danach nicht anerkannt wird ist groß. Mehr, als ich in diesem Beitrag hier geschildert habe könnte ich auch in einer Wehrpsychiatrischen Begutachtung (a.k.a. „Mal den Schorf anheben und gucken obs noch blutet“) nicht an Informationen geben. Die

Ich habe mich dazu entschieden während der Bachelorarbeit zumindest das Coaching weiter laufen zu lassen und auf die Traumatherapie zunächst aus Kostengründen zu verzichten. Nachdem ich in den letzen Monaten fleißig Rechnungen in Richtung der Krankenkasse und was sonst so liegen blieb, bezahle ich nun lieber die Miete für den Arbeitsplatz, der während der Bachelorarbeit einfach notwendig ist, weil sonst kein Platz für Ruhe und Erholung bleibt.

Ich sehne den Tag herbei, an dem ich finanziell und gesundheitlich wieder so stabil bin, um das Kündigungsschreiben formulieren und absenden zu können. Im März war das Ziel, maximal drei bis vier Jahre der Schutzzeit zu nutzen. Auseinandersetzungen um elementare Aspekte der Behandlung, wie in diesem Fall helfen dabei nicht.

Eure Kommentare bitte wegen der Sicherheitseinstellungen hier im Blog an die eMail-Adresse

141219_eMail

 

… oder auf der Facebook-Seite:

Ich hab es so satt, dass immer und immer wieder eine Eskalation über den Wehrbeauftragten und andere Instanzen erfolgen…

Posted by Wir.Dienten.Deutschland on Montag, 6. Juli 2015

Diskussionen

Internetdiskussionen sollte man auf Dauer nicht zu sehr an sich heran lassen. Ich kann mich bei der Diskussion rund um das Video „Frag ein Klische – Frag einen Soldaten“ gerade nicht so recht entscheiden, was mich mehr bedrückt. Die indirekt angedrohte Gewalt oder die Vorstellung, dass freie Meinungsäußerung den Effekt haben könnte, dass Menschen „um die Ecke gebracht“ werden.

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Gedenken

Heute ist der 4.Jahrestag eines grausamen Anschlags. Ich sehe, wie der Toten gedacht wird. Ich sehe, wie der betroffene General in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt wird (Bericht bei DBwV). Aber es bleibt unerwähnt, was aus einer Überlebenden wurde. Ihre Geschichte könnt ihr in diesem Beitrag hören:

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Ich bin Soraya in meinen Einsätzen nur wenige Male begegnet – aber ihr Wirken war an so vielen Stellen spürbar – egal, ob sie gerade im Land war oder nicht. Sie hat ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen. In meinem ersten Einsatz in Afghanistan 2005 begegnete sie mir nicht persönlich – doch jeden Tag fiel der Blick auf die Vogelvoliere, vor der immer wieder Soldaten standen und sich eine „Auszeit“ gönnten.

Die Idee dazu hatte Soraya und als ich 2005 fragte, woher die im Lager doch zunächst recht seltsam anmutende Zoo-Atmossphäre her kam, begegnete mir zum ersten Mal ihr Name.

2122

In meinem zweiten Einsatz war sie in der Sprachmittlergruppe eingesetzt. Sie half mir, eine Kontrollübersetzung anzufertigen, um einen meiner Mitarbeiter zu entlasten, dem zu Unrecht vorgeworfen wurde, er habe einen Bericht nachlässig angefertigt.

In den ersten Meldungen rund um das Attentat 2011 hieß es, dass eine 56-jährige Sprachmittlerin schwer verletzt worden sei. Ich habe sofort befürchet, dass es sich um Soraya handelt.

 

Der Diskussionsbeitrag auf der Facebook-Seite vom DBwV:

Vierter Jahrestag des Anschlags auf Markus Kneip Ein Bundeswehr-General, der im Einsatz schwer verwundet wurde – das hatte es vorher noch nicht gegeben.

Posted by Deutscher BundeswehrVerband (DBwV) on Mittwoch, 27. Mai 2015

Drones – Eyes from a distance

Am Freitag und Samstag konnte ich in Berlin an einer Veranstaltung zum Thema Drohnen teilnehmen. Neben Aktivisten und Menschenrechtsanwälten war auch der ehemalige Drohnen-Pilot Brandon Bryant Podiumsgast.

Für mich ist die Teilnahme an solchen Veranstaltungen immer noch ein Mix aus Entlastung und Belastung. Eine Entlastung erlebe ich vor allem in den Momenten, in denen klar wird, dass das Verschweigen von zivilen Opfern offenbar Teil der Kriegsführung ist. Das hat mich nicht nur rund um den 27.09.2008 belastet, sondern auch beim Lesen der Afghan Warlogs – US-Berichte, die Wikileaks verfügbar machte – in denen Tote nicht erwähnt werden, die aber Teil der Meldungen waren, als ich vor Ort war. Nicht nur das Verschweigen von zivilen Beteiligten sondern auch die aktive Vernichtung von Beweisen für die Taten der internationalen Truppen ist wohl Teil der Taktik im Anti-Terror-Kampf.

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Den Weg gehen …

Mit den ersten Sonnenstunden des Jahres tut sich auch einiges in meinem Garten. Die Deutschlandflaggen auf den Ärmeln der Einsatz-T-Shirts verblassen zusehends. Unter der Blumenerde und den Wurzeln der Weide verrotten Uniformen. Stück für Stück kann die aktive Militärzeit in den Hintergrund treten.

Seit Beginn der Aufarbeitung hat sich einiges getan. Das Jahr 2014 war geprägt von zahlreichen Videointerviews, Fotoaktionen und eben auch Aktion, meine Einsatzkiste zu bepflanzen. Schritte auf einem Weg, der immer stark geprägt sein wird, aber zusehends weniger meines Alltags bestimmt.

In einem der künftigen Beiträge werde ich zusammenfassen, was an symbolischen Aktionen Teil des Weges im vergangenen Jahr war, zur Stärkung beigetragen und ein weiter gehen überhaupt erst möglich gemacht hat. Einige Elemente (Video & Pflanzaktion 2014) sind auch in diesem Beitrag bereits enthalten.

Wochenupdate

Seit einigen Tagen lässt der Druck nach, der in den letzten Monaten auf mir lastete. Ich merke, dass Optimismus möglich wird, der vor wenigen Tage und Wochen noch nicht möglich gewesen wäre.

Seit dem Gespräch mit dem Berufsförderungsdienst am 27.03.2015 ist klar, dass die Förderung eines Masterstudiums übernommen wird. Mit der am 26.03.2015 eingetroffenen Gehaltszahlung konnte ich nun die Rechnungen der Therapie- und Coachingmaßnahmen bezahlen.

In diesem Bereich muss ich derzeit noch in Vorkasse gehen, bis die zuständigen Stellen fachlich anerkennen, dass die Kosten für meinen Therapieweg übernommen werden. Auch hier ist noch einiges an Papierkram vor mir, den ich hoffentlich bis nach Ostern langsam abarbeiten kann.

Neuer Fokus

Dringend und drängend wird die Bewerbung für den Masterstudienplatz und natürlich der Abschluss des Bachelorstudiums. Es tut gut, eine Perspektive zu haben, die vorher schlichtweg nicht existierte.

In dieser Woche war ich ausnahmsweise mal ausschließlich redaktionell und an Themen unterwegs. Neben der LiMA-Konferenz stand der NSA-Ausschuss auf dem Plan, der mit 9 Stunden wieder sehr fordernd war. Auch im Bereich IT-Themen kam ich voran. Die Woche schließt mit der Seminarteilnahme beim Arbeitskreis Darmstädter Signal.

Doch bei allem Optimismus: vieles ist noch im argen und nicht in der Waage.

Druck – EntlastungZiele

Der Termin am Freitag zum Berufsförderungsdienst lies mich zunächst schlecht schlafen. Ich rechne immer noch damit, dass Instanzen, die ich in den vergangenen Jahren stark kritisiert habe noch Repressalien auf Lager haben und zur Anwendung bringen könnten.

Doch anders als zu befürchten: ich werde an der Deutlichkeit meiner Worte nichts einschränken.

Der Plan ist, schnellst möglich die Schulden der letzten beiden Jahre abzubauen und nach Abschluss des Masterstudiums sowie einer ausreichenden Arbeitserprobung das Diennstverhältnis „Schutzzeit“ zu kündigen, um die Abhängigkeit los zu werden, in der ich mich derzeit befinde.

Wie der Wehrbeauftragte mein WDB-Verfahren sieht

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Ergänzung:

Es fehlt die Information, dass der erste Antrag (13. Mai 2013) bei der WBV-Süd zunächst eintraf und dann an die WBV-West unvollständig weitergeleitet wurde. Ich musste erneut alle Hergänge der Schädgigung schildern. Es dauerte gut 4 Wochen, bis ich das hin bekommen habe.

Nüchtern heißt es auch in diesem Schreiben: es dauert so lange, wie es dauert. Was in der Zwischenzeit den Bach runter geht: dem Verwaltungsbeamten fordert niemand ab, sich darum Gedanken zu machen.

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Führe zu „erheblichen Such- und Erkennungsdienstlichen Maßnahmen“. Hier bescheinigt der Wehrbeauftragte, dass die Bundeswehr nicht in der Lage ist, mit ehemaligen Soldaten Kontakt zu halten bzw. gezielt wieder aufzunehmen. Gründe dafür gibt es mehrere – ja nach Laufbahn der Zeugen:

Fall 1: Zeuge = (aktiver) Berufssoldat

Der Ermittlungsaufwand bezieht sich dabei auf die Personalakten. Sofern die Namen eindeutig sind, sollte es zu keinen Problemen kommen. Fehlt dem Antragsteller Personenkennziffer (hat niemand von anderen parat) muss das Personalamt anhand von Einsatzzeitraum zurückermitteln, um welchen z.B. „Oberfeldwebel Peter Müller“ (Phantasiename) es sich beim Zeugen handelt. Einmal gefunden muss nur noch herausgefunden werden, ob der Soldat auch an dem Standort eingesetzt ist, der in der Personalakte steht UND nicht gerade irgendwo hin abkommandiert ODER erneut im Einsatz ist.

Potential: wenige Wochen bis ein Quartal, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 2 : Zeuge = ehemaliger Zeitsoldat

Hier beginnen die Probleme. Ausscheidende Zeitsoldaten haben die Wahl, wie mit ihrem Personaldatensatz umgegangen wird. Wer sich als „Reservist“ betätigt ist aufgefordert, jeden Umzug zu melden und stets für einen korrekten Datensatz bei der Bundeswehr zu sorgen.

Wer die Bundeswehr ohne Bedürfnis nach irgendeinem späteren Kontakt verlässt, der verschwindet vom Radar. Damit die Bundeswehr gezielt Kontakt aufnehmen kann, ist eine Ermittlung durch die Einwohnermeldeämter erforderlich. Wer nach der Bundeswehrzeit mehrfach umzieht und die Meldungen korrekt vollzieht dürfte schnell aufzufinden sein. Wer schlampt, viele wechselnde Wohnorte hat oder gar ins Ausland umzieht, wird zum Fallstrick für den geschädigten Soldaten.

Potential: wenige Wochen bis mehrere Monate, bis der Zeuge erreicht wird.

Bearbeitungszeit: beginnt ab erreichen des Zeugen

Fall 3: Zeuge = ???

Zeugen, die aus anderen Systemen stammen und mit der Bundeswehr zusammenarbeiten potenzieren die Bearbeitungszeiten der Anfragen. Denkbar sind Polizisten, die im Einsatzland kooperiert haben. Denkbar sind auch Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes oder ziviler Firmen, die Zeugen der Schädigung wurden.

Als hochgradig problematisch würde ich Zeugen bewerten, die z.B. mit einer Tarnidentität beim Bundesnachrichtendienst arbeiten, als Soldaten auftreten und möglicherweise aufgrund ihrer Tätigkeit im Einsatzland  nie wieder mit dem Namen in Deutschland unterwegs sind, mit dem sie im Einsatz gegenüber dem Geschädigten aufgetreten sind.

Wie viele Ebenen sind notwendig, um durch Schutzmaßnahmen durchzudringen oder an den Punkt zu gelangen, dass die Ermittlungen als „erfolglos“ und „in dubio pro“ Antragsteller eingestellt werden?

Die Folgen der Geheimhaltung muss der geschädigte Antragsteller ausbaden. Allein schon deswegen muss ab Diagnose einer einsatzbedingten Erkrankung oder nur der Vermutung eine entsprechende Absicherung greifen.

Manko in der Veteranenerfassung

Eine direkte Kontaktaufnahme mit ehemaligen Einsatzsoldaten ist auch 2015 nicht gezielt möglich, weil es keinen offiziellen Datensatz gibt, der die Ex-Soldaten für die Bundeswehr erreichbar macht.

Selbst als Reservisten sind die Datenbestände z.B. zwischen Besoldungsstelle und der ehemaligen Kreiswehrersatzamts-Sturktur nicht deckungsgleich. 2014 scheiterte ein Kriegsdienstverweigerungsantrag, weil ein mit Berliner Adresse abgesendeter Antrag im Nirvana ehemaliger Adressen versandete. Dabei bestand zu zahlreichen Bundeswehrstellen – inklusive Besoldung – noch Kontakt und ein aktueller Datensatz.

Klar und deutlich: werden gehäuft Fälle von Gesundheitsbelastungen gemeldet, die auf  ein bestimmtes zurückliegendes Kontingent – z.B. durch belastete Farben – zurückgehen, müsste die Bundeswehr die öffentlichen Medien kontaktieren oder eben wieder monatelang ermitteln, um belastete Ex-Soldaten zu informieren. Der Wehrbeauftrage mahnt seit Jahren – das BMVg verbrennt lieber Geld in Drohnen, statt auf Vorsorge beim Ex-Personal die notwendige Fürsorge walten zu lassen.

Wahnvorstellungen eines Kranken? Nein.

In meiner Tätigkeit in Afghanistan war ich im täglichen Kontakt mit afghanischen Mitarbeitern, hatte ein Massenmedium zu verantworten, mit dem ich jederzeit durch Fehler ein kaum wiedergutzumachendes Chaos hätte anrichten können. Ich muss davon ausgehen, dass

1. meine Arbeit permanent im Monitoring durch den BND gewesen ist,
2. meine Arbeit permanent im Monitoring durch die NATO gewesen ist (Stichwort: „Deutscher General entschuldigt sich für Islamkarrikaturen“),
3. einzelne Kontakte regelmäßig mit Tarnidentitäten oder „Legenden“ mit mir im Gespräch waren.

Ich habe mittlerweile mehrere Gespräche identifiziert, die mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Mitarbeiter von Diensten geführt wurden. Einfach nur zum Zweck, einen Eindruck zu bekommen, woran ich arbeite, wie ich ticke und was von mir zu erwarten / zu befürchten ist.

Ständig Gedanken daran verlieren – nein. Aber zwischenzeitlich resümieren, wo Ansatzpunkte waren, mir die Probleme zu bereiten, die in den letzten Jahren aufgetreten sind: ja. Und immer drauf hoffen, dass sich das in den nächsten Jahren niemand erneut erdreisten wird.

Gespräche mit dem Lücking auf dem kleinen Dienstweg anstoßen: forget it. Don’t even think to continue that shit.

 

 

wpid-20150322_090126-1.jpgMitteilungen über den Verlauf habe es nur wenige gegeben. Der Bearbeiter geht hier nonchalant darüber hinweg, dass mein damaliger Anwalt in Monat 12 ohne Rückmeldung über das Verfahren eine Anfrage stellte und abgewiesen wurde. „Das würde auch nichts beschleunigen und man habe genug zu tun!“ war die Antwort der offenkundig überlasteten Bearbeiter.

Erst mit der Eingabe an den Wehrbeauftragten kam ab Monat 14 wieder Bewegung in meinen Fall. Mich dafür permanent öffentlich aufstellen und äußern zu müssen war eine weitere Belastung.

Konstruktiv? Kann ich!

Angesichts der Nachteile, die aus den o.g. Prozessen entstehen kann von einem Schutz geschädigter Antragsteller nicht die Rede sein.

Weder die Unterbesetzung der Verwaltung, noch „Besonderheiten“ (bewusst) intransparenter Verfahren oder schlecht verwalteter Datensätze sind durch die erkrankten Personen zu verantworten. Die Folgen daraus machen krank, chronifizieren oder führen zum Totalzusammenbruch des Antragstellers oder der jeweiligen sozialen- und wirtschaftlichen Strukturen.

Um diese gravierenden Versäumnisse der letzten Jahrzehnte auszuräumen, braucht es vertretbare Bearbeitungszeiten der Anträge und parallel eine Absicherung der Antragsteller während des Verfahrens. Aktive Soldaten habe diese Probleme nicht – ehemalige Soldaten kollidieren mit zivilen Versorgungsroutinen.

Soldaten, die noch in der beruflichen Förderung nach der Dienstzeit sind und ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben riskieren ihre Existenz.