Sorge – vielleicht der Kern meiner PTBS

In dem ein oder anderen Posting klang ja bereits an, dass ich in meinen Afghanistaneinsätzen nicht nur Personalverantwortung für deutsche Soldaten, sondern auch für afghanische Mitarbeiter hatte. Ein Zwiespalt, den ich seit der Bekanntgabe des Abzugsdatums der NATO aushalten muss dürfte einer der wesentlichen  – wenn nicht gar DER – auslösende Faktor für meine Probleme sein. Die intensive Zusammenarbeit in meinen Einsätzen war prägend. Schon damals bedeutet die Kooperation mit den ISAF-Truppen eine Gefährdung – doch das wird sich mit dem (Teil-)Abzug, der bereits begonnen hat weiter verschärfen.

 Nacht der langen Messer

Eine Siegerjustiz ist mehr als wahrscheinlich und viele ehemalige Mitarbeiter fürchten zu recht um ihr Leben, denn die Sicherheitssysteme im Land tragen bisher nicht. Wie instabil und prekär die Lage in Afghanistan derzeit ist, verschweigt die Bundesregierung offenbar sehr gern. Rund 10.000 afghanische Polizisten starben letztes Jahr – Menschen, die mit der afghanischen Armee einen Beitrag zu Sicherheit und Stabilität im Lande gewährleisten sollen. Sollte die Phoenix-Diskussion dazu noch online verfügbar werden, verlinke ich und weise gesondert darauf hin.
Schon jetzt haben afghanische Flüchtlinge ein Problem mit Asylanträgen in Deutschland.

Humanität? Ein Fremdwort

Nicht nur, dass viele Asylverfahren für Afghanen ausgesetzt sind. Von den bisher 27 Anträgen wurde nur ein Fall anerkannt. Betroffen sind rund 1.500 Afghanen und ihre Familien. Diesen Mangel an Humanität begründet die deutsche Bundesregierung damit, das man verhindern wolle, dass intelligente und ohne Frage qualifizierte Afghanen das Land verlassen. Zynisch, denn auch wenn die Afghanen bei Abzug der Truppen noch leben sollten ist ihre Position in der Gesellschaft als ehemaliger Kollaborateur mehr als schwach. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten sind nicht gefragt.

Zwiespalt

Ich breche – mit einem mehr als unguten Gefühl – nun mein Schweigen – und suche Unterstützung, um die Bundesregierung davon zu überzeugen, ein unkompliziertes, wohlwollendes und schnelles Asylverfahren für ehemalige Mitarbeiter der deutschen ISAF-Kräfte eingeräumt wird. Ich schäme mich für dieses Land und die Uniform, die ich getragen habe, wenn wir diesen absehbaren Genozid zulassen.

Den Umgang der Bundesregierung mit dem Thema zu sehen widert mich an. Es ist ein weiterer Aspekt, warum ich meine Einsatzzeiten nicht abschließen kann – und es ist derjenige, den ich am ehesten bereit bin zu akzeptieren. Wer käme schon auf die Idee, die Menschlichkeit „weg-therapieren“ zu lassen.

Wer immer bereit ist, zu unterstützen möge sich melden!

Schaut gut aus – ist aber Scheiße

In gewisser Weise war es ein Selbsttest. Menschenmengen und Gedränge halte ich nicht gut  aus – zumindest, wenn die Menge zum Stehen kommt. Das Mitlaufen in einem Demonstrationszug oder auch Enge in der fahrenden Bahn halte ich ohne Probleme aus.

Nach einem entspannten Vor- und Nachmittag lief der Rückweg zunächst in gemächlichem Wandertempo ab. Von Rummelsburg über Kreuzberg und Mtte zurück nach Wedding war das  Ziel. Ich hatte nicht bedacht, das die Oranienstraße heute „etwas“ voller sein könnte.

Scheinbar die Ruhe selbst

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Dröhnende Musik von den Bühnen – drängelnde, langsam schiebende Menschen – Rauch von den Grills am Straßenrand. Ich wirke ruhig – bin hoch konzentriert und suche einen Weg durch die Masse. Immer wieder totaler Stillstand – oft kein Weiterkommen.

Das mich die Situation stresst bemerke ich zunächst nicht. Es ist etwa ein Kilometer durch die Oranienstraße über den Oranienplatz bis zum Moritzplatz. Ein Gebiet in dem ich mich eigentlich bereits auskenne und auch zu Fuß unterwegs war.  Kurz vor dem Moritzplatz ist das Gedränge ausgestanden.
Ich verliere trotzdem die Orientierung.  Die Gedanken kreisen – ein Gefühl der Beklemmung macht sich breit. Ich versuche dem erst durch ein paar Twitter Nachrichten zu begegnen. Nach gut 2 Kilometern Umweg, die ich erst jetzt wirklich bemerke  muss ich mir irgendwie Luft machen.

Was hilft muss noch lange nicht gut sein

Musik dröhnt in den Ohren – ich setze zum Laufschritt an. DIe letzten vier Kilometer bis nach Haus. Die positive Wirkung kenne ich bereits – aber eigentlich sollte ich  mir einen solchen Gewaltakt gegen mich und meinen Körper verbieten.
Appetit habe ich heute kaum gehabt . Kaffee und zwei Wurstbrötchen am Vormittag sind eigentlich keine Grundlage für die etwa 9 km/h auf die ich jetzt beschleunige. Im Vergleich zu den sonst gut 10 bis 11 km/h eigentlich kein Problem. Mit meiner Laufmontur aber vermutlich eine höhere Belastung, die jetzt einfach sein muss.

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Auf Dauer also weder klug, noch gesund – im Moment aber ein gutes Gegenmittel, um die kreisenden Gedanken in den Griff zu bekommen.

Missstände und Regeln

Dinge an die Öffentlichkeit bringen kann sehr schnell auch taktisch relevant werden. In meinem letzten ISAF-Einsatz im September 2008 tat sich dieser Zwiespalt wieder sehr deutlich auf.

Sanitätsausbildung

Im Rahmen einer Weiterbildung lernen wir, wie man Infusionen setzt, frischen unsere Fähigkeiten in der Herz-Lungen-Wiederbelebung auf. Diese Kenntnisse trainieren Soldaten regelmäßiger, als andere. Auch nach meiner Bundeswehr-Zeit frische ich dieses Wissen regelmäßig beim Deutschen Roten Kreuz auf.

Wir verbringen einen Tag bei den Sanitätern. Als Abschluss der Übung zeigt uns der Sanitäter den in Masar-e-Sharif stationierten Rettungshubschrauber. „Der Hubschrauber ist quasi wie ein Rettungswagen in Deutschland ausgestattet. Wir können x-Patienten versorgen. “ (genaue Anzahl lasse ich aussen vor).

Wir sind mit der Präsentation fast durch, als er – fast beiläufig erwähnt: „Und einmal in der Woche darf für 90 Minuten nichts passieren.“ Ich werde stutzig, muss aber auch nicht lange nachfragen. „Wir haben derzeit nur diesen einen Satz an Ausrüstung und wenn der Hubschrauber in die Wartung geht, dann müssen wir in den anderen Hubschrauber umrüsten. Das soll 90 Minuten dauern – wir sind aber gut und schaffen es in etwas mehr als 45 Minuten.“

„Und was passiert, wenn genau dann etwas passiert?“, frage ich ungläubig.

„Naja,“ meint der Sanitäter.“ Wir sind ja nicht allein hier. Dann übernehmen die Amerikaner eben den Verwundetentransport. Die müssen uns ja so wie so unterstützen, wenn es um MedEvac (Medical Evacuation)  in Gefechtssituationen geht.“

Irgendwie lässt mich diese Information doch recht hilflos zurück. Was, wenn die Amerikaner vor der Wahl stehen deutsche Soldaten und amerikanische Soldaten versorgen zu müssen. Das eine grundlegende Fähigkeit, wie die Evakuierung der eigenen verletzten Soldaten nicht in deutscher Hand ist missfällt mir. Die nun folgenden Worte können daran auch nichts ändern.

„In Kürze wird es etwas besser werden“, fährt der Sanitäter fort. „Dann bekommen wir einen zweiten Hubschrauber, der für MedEvac bereit steht.“ Klasse, denke ich und frage nach, ob auch genügend Sanitätspersonal für die doppelte Anzahl an Rettungshubschrauberbesatzungen verfügbar ist.

„Nein, nein, nicht die doppelte Anzahl. Wir teilen den Satz und können dann jeweils die Hälfte an Patienten in je einem Hubschrauber transportieren,“ schildert der Sanitäter.

Mit den Großen pinkeln gehen, aber die Hose nicht auf bekommen!

Das sich dieses Unzulänglichkeiten durch alle Einsätze ziehen müssen Soldaten offenbar aushalten. In jedem der vorangegangenen drei Einsätze begegneten mir solche Dinge, die mit einem simplen „Ist halt so“ – Kurzform „Isso“ – hinzunehmen waren.

Das Perverse an diesen Missständen ist aber, dass sie scheinbar niemand zu verantworten hat.  In dieser Hierarchie schaffen es offenbar viele, die auflaufenden Mängel zu verstecken, zu kaschieren oder aber nicht dafür verantwortlich gemacht zu werden.

Gleichzeitig bauen – vermutlich dieselben – Instanzen aber ein Drohsystem aus Vorschriften auf, die disziplinar scharf geahndet werden. Je länger Soldaten in Auslandseinsätzen unterwegs sind, desto immuner werden sie gegen Vorschriftenbalast, der aus Deutschland mitgeschleppt wird. Aber es wird auch bizarr, wenn diese Ansichten aufeinander treffen.

Abnutzungserscheinungen

Der tägliche Dienst im Einsatz erreicht ohne große Mühe das Volumen einer 80 Stunden Woche. Der Rahmendienst beginnt um 8 Uhr morgens und endet um 20 Uhr. Sport und Essen inklusive – es geht aber auch mal länger. Ich habe teilweise auch die späten Abendstunden oder eben die Zeit morgens genutzt, um in Ruhe und abseits des Tagestroubels zu arbeiten. Etwas, dass ich bis heute nicht ablegen kann.

Freitags, teilweise auch Sonntags stand Low-Ops auf dem Plan – also ein „halber Tag“ frei. Unser Dienst begann defacto 4 Stunden später. Im Medienbetrieb war so wie so das Radioprogramm das Maß.

Wenn gegen Ende des Kontingent-Zeitraums dann neues und altes Kontingent aufeinander treffen reibt sich einiges. Wer vier bis fünf Monate ohne echte Freizeit, ohne echtes Wochenende im Job verbracht hat – dazu noch teilweise lebensbedrohliche Situationen auszuhalten hatte, ist mit gewissen Abnutzungserscheinungen versehen.

Es ist im Februar 2008 als neue Soldaten den Stab bevölkern. Ich bin morgens unterwegs vom Wohncontainer ins Büro. Gegen die Minustemperaturen nutze ich mittlerweile eine olivfarbene Fliesjacke. Der dienstlich gelieferte stepdeckenartige Kälteschutz ist nicht winddicht – die Nutzung nur mit dem Parka vorgesehen und eine echte Bewegungsfreiheit hat man mit dieser dienstlich gelieferten Fehlbeschaffung so wie so nicht.

„Oberleutnant, nehmen Sie die Hände aus der Jacke! Wie laufen Sie überhaupt rum? Hören Sie zu, wenn ich mit ihnen Rede!“

Wir haben Minusgrade, der Wind pfeift. Ein paar Erkältungssymptome haben mich seit einigen Tagen im Griff – ich ignoriere sie, soweit möglich. Meine Hände sind in den letzten Tagen durch den Frost ein wenig aufgeplatzt und ich habe sie in den Taschen vergraben. Für den Oberstleutnant nicht auszuhalten.

Da ich seine erste Ansprache bereits überhört hatte, steht er entsprechend geladen vor mir. Seine strahlende Uniform sagt mir sofort: „TAPSI“ – Total Ahnungslose Person Sucht Information. Ein Neuankömmling, dessen Uniform noch nicht durch die afghanischen Waschsalons um gut 30 Prozent ihrer Farbwerte beraubt ist.

„Bla bla Bla … Offizier … Bla Bla Vorbild …Bla Anzugsordnung “ lasse ich mir seine Belehrungen an den Kopf schmettern. Derweil mache ich mir über zwei bis drei Dinge meine Gedanken. Im Vordergrund wünsche ich ihm an den Hals, bald mit wesentlichen Dingen des Afghanistaneinsatzes konfrontiert zu werden.

Seinen hochroten Kopf könnte ich mir fast mit der Kälte erklären und der Tatsache, dass er diesen – für ihn unhaltbaren – Missstand eines Obereutnants mit einer nicht-dienstlich-gelieferten Jacke und Händen in den Taschen abstellen muss.

Als ich mir diesen Menschen da so anschaue fällt mir auf, dass auch seine Anzugsordnung zu wünschen übrig lässt. Offenbar ist er so gut gegen die Kälte abgehärtet, dass er sich selbst „Sommer“ befohlen hat und trotz Minusgraden ohne Kälteschutz, ohne Parka, dafür aber mit hochgekrempelten Armen unterwegs ist.  Ein echter Burner, könnte man sagen.

Mir fallen Teile meiner Sanitätsausbildung ein und das Alkohol ja das Kälteempfinden negativ beeinflusst. Die Folgefrage stelle ich besser nur mir – aber wie genau er es mit der zwei Dosen Bier Regelung am Vorabend genommen hat interessiert mich auch nicht. Ich schließe meine Taschen mit den Reißverschlüssen, denke mir meinen Teil und trolle mich um die nächste Ecke, wo dann meine Hände wieder in die Taschen wandern. Keine Zeit für so einen Scheiß.

Regelkonformes Verhalten

Mittlerweile habe ich mehrfach gehört, dass einige Veteranen der Meinung seien, sich nicht an Regeln halten zu müssen oder das Regeln im Alltag nicht für sie gelten würden. Die Probleme, die das mit sich bringt sind sehr schnell gefährlich. Egal, ob im Straßenverkehr oder anderen Angelegenheiten: unangepasstes Verhalten.

Zu erkennen, dass die Grundlage dafür in den Einsätzen gelegt wurde entlastet mich und erklärt mir einige meiner Verhaltensweisen und den teilweise entspannten Umgang mit Regeln, Konventionen und vermeintlichen Ordnungen, die ich reflexartig hinterfrage.

Zu Kontingentbeginn gab es für den neuen Kommandeur oft erst einmal kein größeres Problem, als ein ordentlich aufgesetztes Barett und der korrekte Sitz der Uniformhose. Das wurde dann auch gern als erste Aufgabe an die Feldjäger weiter gegeben, die mit der Überwachung der Höchstgeschwindigkeit im Lager offenbar noch nicht genug ausgelastet waren (auch, wenn das teilweise noch sinnvoll ist).

Noch heute sorgt jede Art von Reglementierung – und das ist wohl eines der prägenden Überbleibsel aus den Einsätzen – bei mir dafür, dass ich hinterfrage, den Sinn suche und teilweise sehr deutlich ablehne, wenn sich kein Sinn finden lässt.
Während der Rest der Gesellschaft – insbesondere, wenn er beim Verteidigungsministerium oder dem Berufsförderungsdienst aktiv ist – Regeln befolgt, ecke ich an, suche nach Wegen, Auswegen oder aber einer weiten Auslegung dieser Regeln.

Doch dieser Weg ist nur der Obrigkeit erlaubt – nicht denen, die zu folgen haben.

 

 

Den Schwung nutzen

Es waren gut 11 Tage, in denen ich einen neuen Einblick in die letzen 12 Jahre gewonnen habe. Das Schreiben hat geholfen – ich habe das in dieser Form bisher nicht gemacht. Nicht öffentlich und nicht privat. Vor allem aber nicht mit dem Blickwinkel, dass ich einer der PTBS-Soldaten sein könnte, über deren Situation ich viel gelesen habe, mich aber nie darin wiedererkannte – oder erkennen wollte.

Kraft – Gewinn und Verlust

Die Auseinandersetzung kostet mich momentan ebenso viel Kraft, wie sie mir einbringt. Das Schreiben gleicht immer mal wieder einem Marathon – nur ohne Ruhephase im Anschluss. Wenn ich schlafe, träume ich anders als zuvor. Gefühle und Erfahrungen scheinen sich einen anderen Weg zu suchen.

Ich versuche, diese aktive Phase auszunutzen und schließe Dinge ab, die mit in die Belastung herein spielen oder aber der wesentliche Teil der Belastung sind. Nachdem die Rückmeldungen aus dem Büro Hoff (FDP) und aus dem Büro Buchholz (DieLinke) eingetroffen sind, war es wie ein aufatmen. Den 27.09.2008 kann ich mittlerweile als Wendepunkt bezeichnen – nur, wie tief der ging war mir bisher nicht bewusst.

Werte, Normen, Lebensplanung

Es ist der Tag, an dem ich eine Berufssoldatenkarriere für mich gänzlich abgehakt habe. Doch dass es damit nicht getan war zeigten mir die folgenden Wochen, Monate und Jahre auf. Nur das Problem in Worte zu fassen war bisher nicht möglich. Seit dem 27.09.2008 Continue reading

Reaktionen

Seit dem Start des Blogs erreichten mich einige Anrufe, viel Nachrichten und vor allem viel Zuspruch. Einiges führt auch weg von dem Soldaten-Bezug und zeigt,dass der offene Umgang mit Krisen und das „von der Seele schreiben“ hilfreich sein kann. Während wir mit einem gebrochenen, verdrehten Arm ganz selbstverständlich ins Krankenhaus laufen, ist das bei seelischen Verletzungen noch nicht etabliert.

Schräge Blicke von anderen oder gar die Aufforderung „Ich will das nicht wissen – hör auf, darüber zu schreiben“ lassen es wie ein Zeichen von Schwäche wirken. Im Umfeld sollen wir möglichst unbelastet und lustig – aber auf keinen Fall so erscheinen, wie wir wirklich sind. Verkleiden für ein Bewerbungsfoto – Lächeln, wenn uns nicht danach ist – Masken über Masken, die uns auf das Funktionieren reduzieren sollen.

Mittlerweile kamen auch weitere Kontakte zu (Ex-)Soldaten zustande, die in der gleichen Situation sind. Mein alltägliches Umfeld kann viele Aspekte und Sichtweisem, die aus der Soldatenkultur heraus entstanden sind einfach nicht nachvollziehen. Das macht es um so wichtiger, damit offen umzugehen und Kontakte zu denjenigen zu halten, denen man nicht 15 bis 30 Minuten erklären muss, woher der eigene Blickwinkel kommt.

Mit Einverständnis veröffentliche ich auch Reaktionen, die mich im privaten Postfach erreichen. Hier ist eine davon: Continue reading

Klarheit

Nur wenige Tage vor Ende meines letzten Auslandseinsatzes kam es zu diesem Raketenangriff auf das Lager in Masar-e-Sharif. Der Eindruck, dass an der Darstellung der Ereignisse manipuliert wurde macht sich breit, setzt sich bei mir fest und ist mit den Veröffentlichungen der WAZ-Gruppe 2012 noch einmal undurchsichtiger geworden. Mindestestens drei Versionen dieses Tages existieren – warum wesentliche Teile der deutschen Presse und den Mitgliedern des Bundestages vorenthalten werden, möchte ich durch eine Anfrage an die FDP, Grünen- und Linksfraktion geklärt haben.

Meine Anfrage ist unterwegs. Was nun kommen wird, weiß ich nicht. Ich habe ein ungutes Gefühl, mit diesen Inhalten an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch immer mehr Offiziere verweigerten in den letzen Jahren den Kriegsdienst – im Letzen Jahr mehr als doppelt so viele, wie im Vorjahr. Ihre Motivationen kenne ich nicht – aber auch für mich kommt ein Auslandseinsatz für die Bundeswehr nicht mehr in Frage.

Ich weiß nicht, ob es noch länger erlaubt sein kann, über Vorfälle und Diskrepanzen, wie diese zu schweigen.

Ein Tag- Viele offene Fragen



Es ist der 27. September 2008. Mein Nachfolger ist bereits eingetroffen und wir sind unterwegs zum Mittag essen. Zwei Detonationen lassen uns kurz stoppen. „Da üben wohl die Mörser.“, meint mein Nachfolger. „Kann ich mir nicht vorstellen – beim letzten Mal wurde das vorher angekündigt.“sage ich.
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Befreiungsschlag

Seit etwa 8 Uhr heute morgen habe ich ununterbrochen geschrieben. Auf den Seiten „ISAF 1“ und „ISAF 2“ schildere ich, was sich in Afghanistan zugetragen hat. In den nächsten Tagen folgen noch ergänzende Seiten für „KFOR“ und den „ISAF 3“.

Es ist der Versuch, diesen Mist los zu werden – obwohl ich gleichzeitig weiß, dass mich diese Lebensabschnitte wohl nie ganz loslassen werden. All das, was ich gepostet habe bezieht sich auf vergangene Einsätze und sollte keine Auswirkungen mehr auf die Truppe haben. Insofern dürfte es sich auch nicht um einen Verstoß gegen meine Verschwiegenheitspflicht als ehemaliger Vorgesetzter handeln. Und selbst wenn: es wäre mir egal. Ich habe zu lange das in mir vergraben, was mich belastet hat.

Das einzige, was noch sichtbar war, waren die Auswirkungen und Reaktionen – nicht aber das „WIE es dazu kam“ und das „WOVON ich mich befreien“ will.

Danke für die Unterstützung bis hier her – wie es nun weiter geht und ob es Reaktionen darauf geben wird, bleibt abzuwarten.

Die unter ISAF 1, ISAF 2 und Auswirkungen geschriebenen Texte sind unredigiert. Ob und wann ich diese nocheinmal Korrektur lesen werde weiß ich noch nicht.

Ich musste mir einfach Luft machen – jetzt gehe ich an dieselbige und versuche durchzuatmen.

Über die Freiwilligkeit des Dienstes und der Einsätze

Es ist 1997 als der Musterungsbescheid eintrifft. Auf dem Kreiswehrersatzamt wird meine gesundheitliche Tauglichkeit geprüft und auf Stufe 2 gesetzt.
Der nächste Weg führt unmittelbar zum Wehrdienstberater – fester Bestandteil des Prozedere, wie mir scheint.
„Sie machen Abitur, sie müssen Offizier werden!“ Ich lehne dankend ab und sage, dass ich mir erst einmal die Bundeswehr anschauen will und mich allenfalls aus dem Wehrdienst heraus entscheiden kann. Trotz Soldaten in der Familie: viel weiß ich über die Bundeswehr bis dahin nicht. „Es wäre schön, wenn ich heimatnah einen Dienst absolvieren dürfte.“
Woher will der Typ eigentlich wissen, dass ich mit meinen 18 Jahren zur Menschenführung tauge? Mein Abitur ist nicht besonders – ich arbeitete schon zwei Jahre nebenbei und finanziere mir den Führerschein und den üblichen Schnickschnack in diesem Alter.

„Transportsoldat 1998 /1999“

Der Einberufungsbescheid kommt. Zuerst soll ich nach Augustdorf – kurze Zeit später ein Änderungsbescheid – 1. September 1998 ist Dienstanstritt in der Lipperland-Kaserne in Lipperbruch bei Lippstadt. Mittlerweile kannte ich über den Freund meiner Schwester in etwa Continue reading