Protest gegen US-Africom im Stuttgart

In Stuttgart betreibt die US-Armee seit Jahrzehnten eine Militäreinrichtung, die als Kommandobehörde für Europa fungiert. Seit 2007 ist in den Kelley-Barracks darüber hinaus das US-Africom untergebracht. Über US-Africom werden die Operationen in afrikanischen Ländern, wie Somalia gesteuert.

Basis für die Drohnenangriffe sind oft nur die Daten aus der Mobilfunknutzung der Menschen, die mit Drohnen beschossen werden. Daten, die oft fehlerhaft und nicht eindeutig sind. Daten, die auch von deutschen Geheimdiensten, wie dem Bundesnachrichtendienst BND oder dem Bundesamt für Verfassungsschutz BfV an die US-Dienste weitergeleitet werden. Eine Garantie dafür, dass die Daten für den Drohnenkrieg genutzt werden gibt es nicht. Von deutscher Seite aus begnügen sich die zuständigen Bearbeiter im Verfassungsschutz, dass sie schreiben „Nur zur Nachrichtendienstlichen Verwendung“.

Trifft eine Drohne dann doch einmal den Inhaber einer Rufnummer, die vom Bundesamt für Verfassungsschutz weitergeleitet wurde, so lautet die Hausmeinung, man sie nicht unmittelbar, allenfalls mittelbar beteiligt.

Drohnenraketen, die immer wieder auch unschuldige Zivilisten treffen. In Afghanistan, Pakistan, Somalia, Jemen und vielen anderen Ländern der Welt. Drohnentötungen, die mehr Menschen gegen uns aufbringen, als wirkliche Gefährder zu töten.

Nach rund drei Jahren Arbeit am Thema IT-Sicherheit und Überwachungstechnologie, sowie auch meiner Arbeit an den Hintergründen der US-Militäreinsätze nach 9/11, ist meine Haltung zu diesen Einsätzen klar. Zum Jahrestag des Endes des zweiten Weltkriegs am 8.5.2016 protestierte ich daher gemeinsam mit rund 300 Friedensaktivisten gegen die US-Militäreinrichtung, gegen ihren Auftrag und gegen die Methoden, mit denen der angebliche Krieg gegen den Terror geführt wird.

Ausdrücklich nicht protestiere ich gegen amerikanische Bürger, die auf das Verhalten ihrer Regierung ebenso wenig Einfluss haben, wie die meisten Deutschen auf das Kanzleramt oder die meisten Afghanen auf die korrupten Politiker in ihrem Land.

 Bericht auf den Seiten der Stuttgarter Nachrichten

Redebeitrag: „Wir haben da etwas vergessen“

Willy Brandt brachte es auf den Punkt: „Vom deutschem Boden darf nie
wieder Krieg ausgehen.“
Aber mit der Wiedervereinigung haben wir einen notwendigen Schritt
verpasst, den wir dringender denn je nachholen müssen.
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#hollerkaputt & kranke Versicherungen: wenn es ohne Geld nicht mehr geht

Seit gut zwei Tagen ist das Video von Claudius Holler online. Selbständig – in einer schwierigen Lage und ohne den Schutz einer Krankenversicherung. Exakt in dem Moment, in dem er darauf am meisten angewiesen ist. „Krebs ist ein Arschloch“ – korrekt festgestellt. Doch nicht nur Krebs. Die Welle der Solidarität wird immer wieder von einer Reihe an Individuen gebrochen, denen Mitgefühl offenbar ebenso fremd ist, wie das Verständnis dafür, wie schnell Abrutschen in prekäre soziale Lebenslagen wirklich geht.

#Hollerkaputt holt derzeit ein Stück meiner eigenen Erfahrungen wieder hoch.

Juni 2014

Bereits seit 15 Monaten arbeite ich auf, was aus der Bundeswehr-Einsatzzeit zurückgeblieben ist. Nicht nur Krebs ist ein Arschloch. Depressionen haben mein Leben in der Zange und mich an einen gefährlichen existenzbedrohenden Punkt gebracht. Das Chaos brach über mich in der Endphase meines Studiums herein. Es fehlt eine Hausarbeit und die Bachelorarbeit, um einen Studienabschluss zu haben.

Ich bin damals 35 Jahre alt – habe 10 Jahre Berufserfahrung in einem Beruf, der im Zivilleben nicht einmal als Berufsabschluss gilt. Offizier. Ich kann organisieren, führen, verwalten, einen Radiosender leiten und habe Krisenkommunikation in einem Kriegsgebiet gemacht. Alles nichts wert, denn ein Universiätsabschluss fehlt. Als Journalist ohne Studium ist das automatisch auch ein Nachteil, wenn ich Leistungen aus der Künstlersozialkasse in Anspruch nehmen müsste. Auch hier wird im Fall der Fälle differenziert. Die Bedürftigkeit entscheidet darüber, ob ein Mensch Unterstützung erhält – der Berufs- oder Studienabschluss über die Höhe.

Mein damaliges Einkommen beträgt 1675 Euro. 450 Euro davon stammen aus einem Nebenjob bei den Piraten. Der Rest sind Zahlungen, die die Bundeswehr noch leisten muss. Ablaufdatum 01.08.2014. Davon zahle ich 600 Euro Unterhalt, denn ich habe zwei Kinder aus meiner geschiedenen Ehe zu versorgen.

Damit der Unterhalt in jedem Fall läuft erreicht die Zahlung meine Ex-Frau über den Umweg des „Unterhaltssicherungsamtes“. Es war absehbar, dass die Lage ab September 2014 schwierig werden würde.

Gesund werden und bleiben bei Existenzdruck

Meine Therapie verläuft nicht gut. Je mehr der Existenz-Druck zunimmt, desto weniger kann ich mich um das kümmern, was dran ist. Auch in dem Job bei der Piratenfraktion fehlt es mir an Konzentration. Wollen ist nicht das Problem. Die Depressionen nehmen zu. Wenn die Zahlungen zum 01.08.2014 wegfallen, dann sind nur 450 Euro sicher. Ohne Krankenversicherung. Ich finde einen Job, der noch einmal zwischen 600 und 900 Euro monatlich einbringt. Der Haken: dieser Job ist Sozialversicherungsfrei. Willkommen in der sogenannten Scheinselbständigkeit. Mir ist das in diesem Moment längst egal. Ich kann den Job irgendwie bewältigen, auch wenn bei Schichtbeginn nie ganz klar ist, wie lange und ob ich überhaupt durchhalten kann.

Aus der vorangegangenen Bundeswehrzeit bin ich im Juni 2014 zu 30% privatversichert und zu 70% durch die Beihilfe des Bundes abgesichert. Ich suche nach einer bezahlbaren Krankenversicherung. Unternehme ich nichts, dann bin ich ab dem 01.09.2014 mit monatlichen Kosten von 300 Euro zu 100% Privatpatient.

Obwohl mit 1050 bis 1350 Euro real erzielbaren Einnahmen ausgestattet, beginnt für mich der freie Fall durch die Ebenen des Sozialsystems.

Das Unterhaltssicherungsamt macht Druck. Treffen die Zahlungen nicht regelmäßig ein, kann mich dieses Amt zu 30 Bewerbungen auf zumutbare Jobs verpflichten. Zumutbar ist, was genug Einkünfte generiert. Eigentlich müsste ich mich um Therapie und die Erkrankung kümmern. Eigentlich ist ein Studium abzuschließen, um überhaupt Aussicht zu haben einen halbwegs bezahlten Job zu erlangen. Stattdessen jobbe ich, um nicht finanziell abzusaufen.

Ich frage bei der freiwillig gesetzlichen Krankenversicherung an. Meine Jobkonstellation wird nicht akzeptiert. Sicher trägt auch die laufende Therapie dazu bei, dass ich nicht auf der Wunschliste für neue Mitglieder stehe. Einen Anspruch auf Aufnahme habe ich nicht, denn ich habe in den letzten Jahren nicht mindestens 12 Monate in einer gesetzlichen Krankenversicherung verbracht. Seit 1998 war die „Freie Heilfürsorge der Bundeswehr“ meine Krankenversicherung. Nebenbei unterhielt ich pflichtgemäß eine private Anwartschaftsversicherung – eine Art Mini-Krankenversicherung, um als dauerhaft versichert zu gelten und bei Eintritt in die normale Krankenversicherungswelt mit dem Gesundheitsstatus eines 20-Jährigen, statt den Zipperlein und Unzulänglichkeiten eines 35-Jährigen beurteilt zu werden.

Es bleibt also bei Einkommen – aber keine Krankenversicherung. „Geh doch in HARTZ4 – da wird die Versicherung übernommen und du hast Zeit für Therapie.Die müssen dich aufnehmen.“ – gut gemeinte Ratschläge bekomme ich in dieser Zeit zu Hauf. HARTZ4 und die rettende Krankenversicherung hätte ich nur für den Preis bekommen, dass ich mein Studium abbreche. Gift für die Depression. Gift für die gerade wiederkommende Arbeitsfähigkeit. Willkommen in der Perspektivlosigkeit für den Rest ihres Lebens.

Um nicht vollends zu kapitulieren setze ich mir ein journalistisches Thema, verfolge es und bin zumindest an 2 bis 3 Tagen im Monat dabei an meinem Ziel zu arbeiten, den Bachelor Onlinejournalismus abzuschließen. Meine Leistungen im 450 Eurojob werden schlechter. Irgendwie bewältige ich den anderen Job. Keine Lösung auf Dauer, denn ich sacke immer mehr ab.

Ratlose Gesichter

Irgendwann in dieser Zeit schaltet sich das Fallmanagement einer Hilfsorganisation für einsatzgeschädigte Bundeswehrsoldaten ein. „Ich brauche eine bezahlbare Krankenversicherung – mehr will ich gar nicht.“ Mit Elan spielt sich dieser Mensch durch die gleichen Strukturen, an denen ich bereits verzweifelt bin. Das Ergebnis:

– Krankenversicherung nur mit HARTZ4

– HARTZ4 nur mit Abbruch des Studium

– Studium nur, wenn Unterhalt für die Kinder gezahlt wird.

Danke Deutschland.

Das Fallmanagement nimmt Kontakt zum Verteidigungsministerium auf. Dort setzt sich die zuständige Abteilung für einsatzgeschädigte Bundeswehrsoldaten mit meinem Fall auseinander. Meine Einsatzschädigung ist bis dahin weder in der Höhe, noch überhaupt anerkannt. Dafür kreisen der Antrag und die Gutachten seit nunmehr 15 Monaten im Verwaltungsorbit. Destination unknown. Aussage über die Dauer des Verfahrens (gegenüber meinem Anwalt): „Wenn sie hier anrufen geht es auch nicht schneller. Eher im Gegenteil“.

Notlösung: Schulden aufbauen

Anfang September 2014: Ich habe wenig Geld und brauche Ruhe vor dem Unterhaltssicherungsamt, das mich jederzeit zum Abbruch des Studiums zwingen kann. Die Piraten wandeln meinen 450 Eurojob in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis um. Statt 450 Euro habe ich nun 300 Euro aus diesem Job – aber bin für eine kurze Zeit gesetzlich krankenversichert. Ich arbeite so viel es geht im Callcenterjob. Um das Unterhaltssicherungsamt auf Distanz halten zu können und nicht zum Abbruch des Studiums gezwungen zu werden reaktiviere ich einen KfW-Studienkredit. Der Schuldenstand steigt – aber ich bleibe handlungsfähig und mit einer Zukunftsperspektive ausgestattet.

Mit dem Studium komme ich nicht weiter – die Leistungen im Piratenjob sind mies. Aber den Kopf halte ich über Wasser.

Wenn nur noch Geld hilft

Nach mehreren Wochen sitze ich Anfang September 2014 im Verteidigungsministerium vor dem zuständigen General für einsatzgeschädigte Soldaten. Zwei Rechtsberater flankieren den Mann. Man habe geprüft. Ich könne nur in der privaten Krankenversicherung bleiben, die mich mindestens 300 Euro monatlich kosten würde. Ich hätte keinen Anspruch auf Krankengeld. Ein Anspruch auf studentische Versicherung besteht wegen der Altersgrenze nicht. Kompliziert sei die Lage zusätzlich auch noch, weil das laufende Schädigungsverfahren bei jeder Krankenkasse kritisch gesehen werden würde. Man erkennt die Aussichtslosigkeit der Lage an.

Am Ende angelangt: ich habe es selbst versucht und bin gescheitert. Das Fallmanagement hat es versucht und ist gescheitert. Das Team des Bundeswehrgenerals hat es versucht und ist gescheitert. Das Sozialsystem sah für mich nur noch vor: nach unten durchreichen. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Der General geht letztlich den Weg über Stiftungen und organisiert für die kommenden Monate eine finanzielle Unterstützung.

Dies ist keine Lösung, die im Sozialsystem zur Verfügung steht. Es ist eine Lösung, die genau da ansetzt, wo das Sozialsystem versagt. Prozesse, die jeder für sich angeblich helfen und die Solidargemeinschaft absichern sollen, die aber durch die Kombination der Systeme in ihrer Summe dafür sorgen, dass Menschen die Hilfe brauchen einen Knüppel in den Rücken geknallt bekommen. Alle Bedingungen zu erfüllen ist einfach nicht drin. Das mag sich niemand vorstellen, der es nicht erlebt hat. Ich wünsche es auch niemandem. Besonders nicht dem Holler, der jetzt gerade nur seine Gesundheit im Kopf haben sollte.

Unbeschwert ist anders

In den letzten drei Monaten gab es einige positive Entwicklungen. Über zu viel Privates mag ich nicht mehr schreiben – aber wo es mit Aspekten der Erkrankung zu tun hat, landet es in diesem Blog. Die wohl positivste Entwicklung war, dass ich Anfang Dezember die Laif 900 – Medikation abgesetzt habe und zunächst auch gut zurecht kam. Nicht nur durch den Abschluss des Bachelorstudiums gab es positive Impulse.

Winter_2Doch mit zunehmenden negativen Entwicklungen / Herausforderungen (Familiär, Arbeitsbelastung zum Semesterende) spürte ich Ende Januar / Anfang Februar deutlich, wie ich wieder an meine Grenzen kam. Hinzu kam eine deutlich belastende Semesterthematik, die ich jedoch halbwegs in den Griff bekam. Auch wenn das Gegensteuern derzeit klappt: die sozialen Kontakte leiden, da ich mich immer wieder mal zurückziehe oder das Aufrechterhalten sozialer Kontakte wieder schwerer fällt.

Insgesamt kostet alles mehr Kraft, was aber angesichts der Herausforderungen (privat) auch nicht verwunderlich ist. Noch leidet der Job darunter nicht. Im Monat März läuft eine Praktikumsphase im Rahmen meines Studiums.

TRE / Reflektion mit Therapeutin

Therapeutische Begleitung ist derzeit nicht möglich. Wie schon im Oktober letzten Jahres durchgefochten, ist für mich derzeit keine unabhängige Maßnahme vorgesehen. Im Rahmen der „Schutzzeit“ in der ich mich aktuell befindet unterliege ich der freien Heilfürsorge durch die Bundeswehr. Der Schädiger bestimmt den Art, Umfang und Durchführung der Therapie. Freie Arztwahl? Nicht möglich. Ich muss nehmen, wer gerade da ist. Vertrauensbasis? Schwer belastet.

Die TRE-Methode, die 2014 / 2015 eine gute Begleitung war würde allenfalls unter Leitung des Standortpfarrers gewährt – nicht aber mit meiner unabhängigen Therapeutin.

Wetterlage: Mal heiter, meist wolkig

In den notwendigen Kontexten funktioniere ich überwiegend überzeugend. Komfortabel für mich? Wen kümmert das. Einige Projekte sind für die nächsten Monate auf den Weg gebracht – Immerhin das. Einschränkungen: deutlich spürbar. Aufpassen ist weiterhin angesagt.

Interview GEW / Terre des Hommes

Kürzlich gab ich der Kinderhilfsorganisation „Terre des Hommes“ ein Interview. Die Kurzversion ist in den Druck gegangen – die Langversion ist noch nicht online, kommt aber sicher bald.

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Kritik an der Rekrutierung von Minderjährigen, die bereits im Alter von 17 Jahren mit der Erlaubnis ihrer Eltern in die Bundeswehr eintreten dürfen wird auch vom Darmstädter Signal geäußert.

dfg-vk.de – PDF-Version GEW „Ich wurde verheizt“


Aktuelle Situation

Die Bundeswehr muss in meinem Fall seit Anerkennung der Schädigung im März 2015 für Lebenunterhalt und Rehamaßnahmen aufkommen. Ich arbeite mich derzeit Stück für Stück zurück auf ein normales Leistungsniveau. An den Auswirkungen auf Kinder und Familie ändert das jedoch ebenso wenig, wie daran, dass aus den zwei Jahren bis die Schädigung anerkannt wurde, Schulden zurückgeblieben sind.

Befund – lesen bei Strafe verboten!

Am Mittwoch fand einer erneute Begutachtung statt. Angekündigter Zweck war, über die Kostenübernahme der Trauma-Release-Exercise (TRE) Klarheit zu bekommen. Diese Klarheit ist nun da. Nichts wird übernommen.

Zunächst ging es in ein kurzes Arztgespräch. Ich schilderte, wie ich über die Kombination aus Coaching und TRE-Methode zu einer besseren Stresswahrnehmung und einem besseren Stressmanagement gekommen bin und das in der Lage war, zu Coach und Therapeutin ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Autoritätspersonen waren nach den Erfahrungen im zweiten Einsatz ein wesentliches Problem für mich, da ich durch die Einspannung in die Hierarchie in mindestens zwei Fällen in ziemlich gefährliche Situationen geraten bin.

Mein kleines Problem mit Hierarchie

Zunächst war es schlechte Kommunikation zwischen meinem Vorgesetzten und dem Herrn vom Auswärtigen Amt dazu gekommen, dass ich zu einer Tagestour aufbrach, die als „Hilfsgüterübergabe“ in der Nähe des Camps angekündigt wurde. Ich rechnete nicht damit, mich ohne Kommunikationsmittel im Laufe des Tages rund 180 Kilometer vom Lager zu entfernen.

Unterwegs, ohne die vorgeschriebene Sicherungskomponente von mehreren Soldaten und Fahrzeugen – quasi auf dem Präsentierteller als einziger Uniformträger. Mitten in einer Hilfsgüterübergabe an mehrere hundert Menschen und später dann zu einem TV-Termin des ZDF, ungesichert zu Fuß über die Trampelpfade in einer afghanischen Ortschaft.

Nicht nur mir hat dieser Tag zugesetzt. Ich sprach meinen damaligen Vorgesetzten kurz beim „Tag der offenen Tür des Bundeswehr“ im August in Berlin. Er beschrieb, dass auch bei ihm der Eindruck entstanden war, die Hilfsgüterübergabe würde in der Nähe vom Camp stattfinden.

Ich bemerkte zu spät – an einem Punkt, wo umkehren keine Option mehr war – dass wir uns mehrere Stunden weit entfernt vom Lager aufhalten würden. Das Problem daran: verwaltungstechnisch wäre mir das als Verstoß gegen die Vorschriften, als Dienstvergehen oder ähnliches ausgelegt worden. Für meine Familie hätte das bedeutet, dass keine Absicherung da gewesen wäre.

Das ich auf Basis der Erfahrungen massive Probleme mit Studenten und Dozenten im Studium Onlinejournalismus, sowie auch Vorgesetzten in einer Redaktion hatte, kann ich beim Doc kaum erläutern. Letztlich ging es soweit, dass ich über fast zwei Jahre nicht in der Lage war in die Bachelorarbeit einzusteigen, um nicht einem Professor – Autoritätsperson – ausgeliefert zu sein.

Der Doc macht im Oktober 2015 daraus, es gäbe „Hinweise auf eine formale Denkstörung in Form eines Haftens an vermeintlichen Fehlern anderer“. Nein, lieber Doc – ich halte nur kein unkooperatives, autoritäres Verhalten mehr aus, was mich dazu bewegen soll Dinge zu tun, von denen ich weiß, sie sind falsch.

In der Wahrnehmung des Docs hatte ich während der Phase der Depression „wohl so eine Art Schreibblockade“. Autorität ist für mich noch heute ein Problem – insbesondere, wenn sich inkompetente Menschen über ihre höhere Position in der Hierarchie definieren und nicht mehr auf Augenhöhe reden wollen.

Das war wohl mit ein Grund dafür, warum ich in den Schritten der Behandlung außerhalb der Bundeswehr überhaupt wieder in der Lage war, Vertrauen zu Menschen aufzubauen. Nicht nur in Coaching und TRE-Therapie, die mich wesentlich entlastet haben. Auch im Umgang mit Kollegen entlang des Untersuchungsausschusses, den ich seit anderthalb Jahren begleite klappt konstruktives Arbeiten auf Augenhöhe. Dünkelbehaftete Divas (jederlei Geschlechts) ausgenommen, die es auch dort gibt…

Der Doc interpretiert es als „rücksichtsloses Verhalten“, wie dem Befund zu entnehmen ist, den ich selbstverständlich wider der Androhung auf dem Kuvert:

„Arztsache – Nur durch den Arzt oder sein beauftragtes Hilfspersonal zu öffnen. Unbefugtes Öffnen kann strafrechtlich verfolgt werden (§§ 020 StGB)“

geöffnet und gelesen habe. Es geht um mich. Und Vertrauen in das, was in Bundeswehreinrichtungen passiert, kann ich nach den Erfahrungen der letzten Jahre nicht mehr aufbauen. Punkt.


„Ich würde mich ja stundenlang mit ihnen über Politik unterhalten, aber ….“

Über die Erlebnisse rund um den Angriff auf das Camp Marmal und die Falschmeldungen an das Parlament, in denen vor allem Angaben über Festnahme und Verbleib der Kriegsgefangenen fehlen, mag auch er nicht reden. Genau das erlebe ich nun zum wiederholten mal. Im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg war das anders.

Zum Aspekt, dass ich am Abend des 27.09.2008 die Personendurchsuchung auf der Fahrbahn am Lagereingang sah, den Gefangenen sah und wenige Tage später erfahren musste, dass dieser nach Übergabe an die afghanischen Polizei getötet wurde, kommen wir im Gespräch nicht. Weder inhaltlich, noch, was das emotional mit mir gemacht hat. Immerhin: die Gefangennahmen können seit der Veröffentlichung von „Afghanistan-Connection“ nicht mehr geleugnet werden.

Testung, Timing und Fragenbatterie

Schon im Vorgespräch wurde mir angekündigt, das die TRE-Methode nicht finanziert werden würde. Nicht möglich nach den gängigen Vorschriften und Vergütungsregeln. Danach erfolgte eine erneute Testung über rund 300 Fragen zum aktuellen Befinden. Tolles Timing. Im Abschlussgespräch erhielt ich noch einmal den Hinweis, die Methode wäre nicht anerkannt und könne daher nicht bezahlt werden.


Soweit, so gut – und dann wirds schräg

TRE als Methode ist nicht erstattungsfähig. Machen Sie doch TRE. Ja, wer an dieser Stelle nun einen Knoten in den Kopf bekommt – ich löse den nun gleich auf.

Der Doc bot mir an, ich könne ab Dezember bei einem Pfarrer, der im Trauamzentrum tätig werden wird dann auch TRE machen. Das die Methode kurz vor der Einführung in das Traumazentrum steht ist begrüßenswert. Ich habe sie als sehr hilfreich empfunden und würde auch gern noch mindestens ein weiteres Jahr unter Anleitung diese Übungen machen, bei denen ich auch mit der Therapeutin gezielt in den Austausch über Stressoren und mein Stressmangement gehen kann.

Doch das sieht das Konzept der Bundeswehr nicht vor. Ich gelte entweder als gesund und darf zur beruflichen Rehabilitation (Studium Kulturjournalismus) schreiten. Oder ich bin „krank“ und darf TRE und anderes in Anspruch nehmen.

Am Ende des Termins erhalte ich erneut das „TRE mit Pfarrer-In-House-Angebot“. Ich erkläre ruhig und bestimmt, dass ich ein Vertrauensverhältnis zur Therapeutin aufgebaut habe, über Monate gute Erfolge in der Therapie hatte und – vor die Wahl gestellt – lieber gänzlich auf TRE und Therapeutin zu verzichten, als mit einem neuen Therapeuten bei Null anzufangen und wieder über wesentliche Aspekte, die in den letzten Monaten mehr und mehr in den Hintergrund rücken konnten auf ein Neues reden muss.

Aber sicher war auch das wieder rücksichtslos von mir.

Finanzierung

TRE- und Coaching schlugen mit rund 400 Euro im Monat zu buche. Mit dem Coaching war ich nach 11 von geplanten 10 Sitzungen gut aufgebaut. Mittlerweile habe ich – wenn auch etwas holperig – die Bachelorarbeit abgeschlossen (und hoffentlich auch bestanden). Dennoch: der Aspekt der Reflexion mit einer Therapeutin, ob ich genug tue, wenn es um Stressmangement geht, wäre immernoch hilfreich. Mehr, als zwei Sitzungen pro Monat würde ich nicht mehr in Anspruch nehmen.

Ja, ich habe zwar die Phase der Bachelorarbeit seit Juni 2015 ohne TRE-Begleitung absolviert – gut hat es sich aber nicht angefühlt. Aber besser weiterhin keine begleitete TRE, als umgeben von Uniformträgern in den Einrichtungen der Bundeswehr.

Dran wäre auch, dass ich den Studienkredit abbaue, der dafür gesorgt hat, dass ich in der Phase der „Anerkennung und Feststellung der Wehrdienstbeschädigung“ nicht in HARTZ4 und damit ohne Abschluss aus dem Studium gekickt wurde.Der Teilzeitjob in einem Callcenter konnte zusammen mit dem Kredit gewährleisten, dass ich auch nicht vom Unterhaltssicherungsamt zum Abbruch des Studiums genötigt wurde. Es ist ein Wunder, dass ich diese Phase ausgehalten und regelmäßig die Unterhaltszahlungen für meine Kinder zusammengebracht habe.

Mit zusätzlichen 250 Euro Therapiekosten kann ich nicht beginnen, den Studienkredit abzutragen und werde nach Ende des Studiums Kulturjournalismus wohl als „gesund“ mit Schulden starten. Schulden aus dem Wehrdienstbeschädigungsverfahren, denn eigentlich hatte ich den Studienkredit 2012 aufgenommen mit der Absicht nur 6 Monate in Anspruch zu nehmen. Dank der langen Verfahrensdauer wurden nun aber 24 Monate daraus.

Anyway: es ist nur Geld.

Diagnose

Immerhin: es sind im Profil „keine klinisch relevanten Dysfunktionalitäten abgebildet“.

Noch dazu sei ich „vorsichtig, kritisch, misstrauisch,nachtragend“. Ja, liebe Bundeswehr, wenn das mal nicht an euch und eurem Therapiekonzept liegt. Und hey: nur, weil ihr das als Paranoia verstanden wissen wollt, heißt das eindeutig NICHT, das sie NICHT hinter mir her sind ( <- ich sollte solche Witze echt nicht machen - die verstehen eh nur Twitterer.) Und danke auch für "energisch, zielstrebig, ehrgeizig" - das mochtet ihr ja laut meinen Beurteilungen schon während meiner Dienstzeit und habt es immer positiv hervorgehoben. Interessant, dass das Adjektiv "gewissenhaft" bei euch in psychometrischen Befunden auftaucht. Erhöhte Werte auf einer Subskala legen nahe, ich sei "eigenwillig bis unkonventionell, originell und exzentrisch". BÄMM!!!! Danke dafür, aber interpretiert es doch nicht in Richtung Shizophrenie. Gute Basis für den Journalismus. Und hey: wenn mir nach tanzen durch Berlin ist, dann tue ich das. Lachflash galore – Funfact am Rande

Ich zitiere den ersten Satz aus dem Abschnitt „Befund“:

„Sportliche, trendbewusste Person, schwarz gehaltene legere Freizeitbekleidung, Gepflegter, mittellanger Haarschnitt.“

Ich lache hart und bin zugleich froh, dass ein Mensch, der während seiner Arbeitszeit zu 70 bis 80 Prozent von Personen in jeglicher Art von Uniform und Jogginganzugkombination umgeben ist mich trendbewusst nennt.

„Wiedervorstellung bei Bedarf“ – danke, ich hatte reichlich!

Ich lege weiterhin keinen Wert auf die Institution Bundeswehr. Dennoch bin ich auf den Ausgleich der Nachteile angewiesen, die durch zu wenig Qualifikation und zu viele Einsätze in zu kurzer Zeit enstanden sind. Die Wehrdienstbeschädigung ist anerkannt und ich werde es nicht hinnehmen schlechter qualifiziert auszuscheiden, als das zu Beginn meiner Bundeswehrzeit mal vorgesehen war.

Deutlich aber wird wiedereinmal, dass das Nachsorgekonzept in wesentlichen Punkten weiterhin hakt. Dazu zählt auch, dass die Behandlung im Rahmen der „Freien Heilfürsorge“ – also quasi bundeswehrintern erfolgt. Der „Geschädigte“ muss sich also mit dem „Schädiger“ auseinandersetzen, wenn es um die Genesung geht.

Das ist ein Abhängigkeits- und Zwangverhältnis, das die Therapie immer wieder bremst und so nur noch mehr Kosten über eine längere Zeit entstehen lässt. Warum wird die Schutzzeit nicht in ein zivil-beamtliches Verhältsnis eingegliedert, bei dem der Geschädigte die Wahl hat, sich rein zivil behandeln zu lassen? Ja, auch dort würde die TRE-Methode derzeit nicht bezahlt. Aber es gäbe wenigstens Ärzte ohne die Bundeswehr-Schere im Kopf.

Die „Geschädigten“ sind übrigens Menschen, wie ich. Menschen, die unter psychischen, seelischen oder moralischen Nachwirkungen der Dienstzeit leiden. Den Menschen wurde Fürsorge als selbstverständlich zugesichert, und als es darauf ankam, mussten sie sich diese Fürsorge erstreiten oder erhielten sie schlichtweg nicht.

Es sind Menschen, die teilweise bei Eintritt in ihren Beruf über wesentliche Aspekte des Dienstes überhaupt nicht oder nur unzureichend informiert wurden und mangels Erfahrung im und mit dem System nicht absehen konnten, welche Konsequenzen das haben würde.

Menschen, die auf seelischer und moralischer Ebene damit zu kämpfen haben, dass die Genfer Konvention für den Umgang mit Kriegsgefangenen zwar als wesentliche Leitlinie in allen Ausbildungen geschildert wird, aber letztendlich in den rechtlichen Konstrukten der internationalen Einsätze bis zur Unkenntlichkeit gebeugt wird. Wie erklärt ihr es mir sonst, dass aus Unterlagen an den Verteidigungsausschuss die Angaben zu Gefangennahmen verschwinden ?

Viele Menschen draußen haben die Taktik der Anwerber längst durchschaut, protestieren gegen den Einsatz von Jugendoffizieren an Schulen und gegen die Praxis, das die Notlage von Menschen ausgenutzt wird und berufliche Versprechungen, wie „Bundeswehr – nicht jeder bei uns trägt Uniform“ gemacht werden. Formal ist der Spruch korrekt – aber sagt bitte auch dazu: „Bundeswehr – mit der Genfer Konvention nehmen wir es auch nicht immer so genau“.

Danke, Herr von Bülow!

In Redaktionen spricht man schon mal von „Pietätshalde“. Gemeint ist die Schublade oder der Dateiordner mit vorbereiteten Nachrufen, die nur noch grob ergänzt werden müssen, für den Fall, dass eine bekannte Person dann doch verstorben ist. Der falsche Knopf zur falschen Zeit lässt da schon einmal jemanden zu früh aus dem Leben scheiden. Zumindest presseöffentlich.

Die Rechte an diesem Bild gehören der dpa. Sie dürfen die auch behalten. Ich möchte nur die Anzeige zeigen.

Die Rechte an diesem Bild gehören der dpa. Sie dürfen Sie auch behalten. Ich möchte nur die Anzeige zeigen.


Es ist selten, dass ein Redakteur zwei Mal einen Nachruf auf ein und dieselbe Person verfasst. Aber, Herr von Bülow, am vergangenen Samstag war es dann doch nötig. Die Universität der Künste hatte zum Auswahlgespräch eingeladen. Es geht um einen Masterstudienplatz im Fach Kulturjournalismus.

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Aktueller Schriftverkehr – Reißleine!

Morgen beginnt die Bearbeitungszeit meiner Bachelorarbeit. Da im aktuellen Fall seit Monaten erst keine Reaktion. Danke an den Wehrbeauftragten für Wiederbelebung der Kommunikation des San-Bereich durch meine Eingabe und ihre Intervention am 26.06.2015. Das aktuelle Begehr der Bundeswehr (wer auch immer das sein mag) ist, mich zu einer wehrpsychiatrischen Begutachtung einzuladen, um meine seit Monaten gut und erfolgreich laufende Therapie zu hinterfragen. All das zu einem Zeitpunkt, an dem ich wegen dem Abschluss meiner Bachelorarbeit, die konzipiert und verbindlich angemeldet ist und ab morgen zu bearbeiten ist.

Was hat er denn?

Ich habe nach meiner Teilnahme an Auslandseinsätzen in Afghanistan mit wenig Ausbildung, dafür aber punktuell sehr großer Belastung und all das über einen längeren Zeitraum mit immer wieder auch lebensgefährlichen Situationen mit einer Stresserkrankung zu tun. Nach einer traumatischen Erfahrung habe ich eine Stresserkrankung. Im Englischen mit „Post-Traumatic-Stress-Disorder“ übersetzt. Im deutschen Terminus wird aber aus der „Disorder“, die sich auch mit „Erkrankung“ übersetzen ließe eine „Störung“. Ein nicht gerade positiv besetztes Wort..

Während also ein Bürojob mit einem sozial-inkompetenten Chef und kontinuierlicher Arbeitsüberlastung zu einer gesellschaftlich anerkannten Stresserkrankung „Burnout“ führen kann, habe ich eine amtlich anerkannt „Störung“.  Eine Störung, hervorgerufen durch
– die lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen in Afghanistan („Islamkarrikaturen 2006“, Anschläge, erhebliche Bedrohungslage) und
– einen sozial-inkompetenten, englischsprachlich  und auch sonst fachlich unqualifizierten Chef,der sicherheitsrelevante Informationen erst nicht verstand, dann schlecht vermitteln konnte
und uns damit aber auf den Weg schickte (wir stellten leider erst dann fest, was er uns verschwieg,wenn es schon zu spät war)

Der Begriff „Störung“ bestimmt auch den Umgang, den Teile der Verwaltungsebene mir gegenüber pflegen. Der Mann ist gestört.

Es lebe die Leistungsgesellschaft

Das ich immernoch ohne Berufsabschuss bin hat für mich derzeit erhebiche Nachteile. Ohne ein Studium gelte ich zum Beispiel in der Künstlersozialkasse nicht als Akademiker, sonder als Studienabbrecher oder unstudiert. Im Krankheits- oder Versorgungsfall sind das erhebliche finanzielle Nachteile.

Mein erlernter Beruf „Offizier“ ist nur dann von Relevanz, wenn ein entsprechendes Studium abgeschlossen wurde. Und das ist nach nunmehr 7 Jahren dringend mal notwendig. Studium 1 – Informationsmanagement (2 Jahre) – habe ich abgebrochen, da ich am Wohnort studierend den Spagat zwischen Studium und Familie nicht hinbekommen habe. Studium 2 – Onlinejournalismus – verlief trotz scheiternder Ehe, Trennung und der sich immer weiter verschärfenden Depressions- und PTBS-Problematik bis 2012 absolut im Zeitplan und erfolgreich (Notenstand 1,5). Neben Aufarbeitung und Therapie in 2013 und 2014 bin ich seit Mitte 2014 wieder auf dem Weg arbeitsfähig zu werden. Rückschritte gab es immer dann, wenn ich mich lange Zeit um nichts anderes kümmern konnte, als darum z.B. eine bezahlbare Krankenversicherung zu haben. Alles hier im Blog nachzulesen – den Exkurs tue ich mir  heute nicht an.

Die mir selbst gesetzte Belastungsprobe im Zeitraum Mai / Juni hat mich dann auch bestärkt, letztlich in die Bachelorarbeit einzutreten und mich auch für das Folgestudium zu bewerben.

Derzeit habe ich eine – für mich positiv laufende – Therapieform gefunden.

Ob der „Schädiger Bundeswehr“ diese Therapieform weiter tragen wird: ungewiss.

Das der „Schädiger Bundeswehr“ einen eigenen Therapieweg diktiert: davon ist auszugehen.

Anbei der aktuelle Schriftverkehr – es ging heute morgen wieder eine Reaktion von Seiten des Sozialdiensts ein. In der Konsequenz werde ich – als Schutzmaßnahme während der Bachelorarbeitsphase – von diesem Verwaltungsvorgang zurückziehen. Da mir die finanziellen Reserven fehlen muss ich die kommenden Wochen in der Hochstressphase ohne therapeutische Begleitung auskommen. Diese Phase habe ich nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr – zuletzt dauerte die Phase von Dezember 2014 bis Ende Januar 2015. Ich hatte damals doch glatt gewagt, nach einem Sachstand zu fragen, als eine angekündige Zeitlinie zunächst nicht gehalten wurde und auf Nachfrage dann mehrfach nach hinten wanderte.

Verwaltungs-Folge-Schädigung – ist das eigentlich mittlerweile eine anerkannte Krankheitsdiagnose?

Anbei der heutige Schriftverkehr. Auf Seiten des Sozialdienstes versuchen Mitarbeiter derzeit ihr Bestes, die beteiligten Stellen zum nachdenken anzuregen. Die Frage bleibt, warum eine laufende Therapie zu einem echt kritischen Zeitpunkt hinterfragt und durch belastende Untersuchungen die positiven Entwicklungen gefährdet werden.  Doch vor September wird es darauf keine Antwort geben. Ich breche aus Gründen des Selbstschutzes heute mit Ansage die Kommunikation in diesem Fall zunächst ab.

 

Sehr geehrte [Sozialdienst Bundeswehr ]XXX,

dann ändert sich am Problem weiterhin nichts. Ich muss demnach durch die Bachelorarbeit ohne therapeutische Begleitung und die Sanität besteht weiterhin auf einer Begutachtung, bevor irgendwelche Kosten übernommen werden.

Der offizielle Bearbeitungszeitraum der Bachelorarbeit beginnt morgen. Bitte sehen Sie mir nach, dass ich ab diesem Zeitraum:

1. eMails mit „…@Bundeswehr.org“ ungelesen löschen werde
2. keine Telefongespräche mit Bundeswehrstellen führen werde
3. Post ungeöffnet lassen werde.

Was zwischen Ende April und fast Ende Juli nicht sinnvoll zu lösen war, wird sich kaum in den kommenden Wochen lösen lassen.

Ich lasse den erfolgreich verlaufenden Therapieweg nicht in Frage stellen – es wäre an der Zeit, diesbezüglich auch mal eine Einschätzung einer fachlich kompetenten Stelle (Nicht SanBereich, Allgemeinmediziner XXX, nicht Büro PTBS-Beauftragter, Verwaltungsbeamter XXX- vermutlich Leiter Traumastation, BwK) einzuholen.

„Pillen und Sport“ sind kein Option und auf Basis einer Wehrpsychiatrischen Begutachtung nun einen erfolgreich laufenden Therapieweg einzustellen kommt nicht in Frage.

Und selbst wenn die Bundeswehr mittlerweile andere Wege gehen sollte: ich setze mich nicht dem Stress aus, erneut ein Vertrauensverhältnis zu einem neuen Therapeuten aufzubauen, alles bei Null zu starten oder in Kauf zu nehmen, dass die behandelnden Ärzte wieder nach Gusto und Verfügbarkeit  der Bundeswehr wechseln, versetzt werden oder wegen „Reformen“ an anderer Stelle verfügbar sind.

Bitte lassen Sie mich im Laufe des Tages wissen, in wie weit eine Schweigepflichtentbindung gegenüber den durchführenden Personen Therapie & Coaching notwendig ist, damit eine Sachstand über den bisherigen Therapieverlauf angefragt werden kann, ohne mich dem erneuten Stress einer Begutachtung auszusetzen.

Generell rege ich an, diese Begutachtungen im Jahresabstand oder bei Problemen in der Therapie anzusetzen und nicht, weil es gerade im Rahmen eines Verwaltungsschritts ein Begehren gibt.

Ich danke ihnen an dieser Stelle für ihre Vermittlungsversuche

Gruß

Daniel Lücking

Am 21.07.2015 um 09:19 schrieb [Person SozialDienst]XXX@bundeswehr.org:

Sehr geehrter Herr Lücking,

nach Rücksprache mit dem Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Referat I 2.3.4, [Person]  XXX bearbeitet XXX Ihre Anträge auf Heil- und Krankenbehandlung (Erstattung der Therapie- und Coachingkosten bis zur Wiedereinstellung in das Wehrdienstverhältnis der besonderen Art).
Diese Bearbeitung ist noch nicht abgeschlossen.

Ggf. wird sich XXX hinsichtlich der Erstattungsfähigkeit Ihrer Coachingkosten mit Ihnen in Verbindung setzen.

Ab Ihrer Wiedereinstellung in die Bundeswehr (seit 16.03.2015) liegt die Erstattung von Behandlungskosten wieder im Bereich der Heilfürsorge und muss mit dem Truppenarzt hinsichtlich des eingeschlagenen Therapieweges wie bereits ausführlich thematisiert im Zuständigkeitsbereich des Sanitätsversorgungszentrum der Bundeswehr Berlin-Wedding entschieden werden.
Sowohl der OSA XXX als auch [Verwaltungsbeamter PTBS-Beauftragter] XXX  haben sich hierzu bereits mit Ihnen ausgetauscht und das Verfahren erläutert. Neue Informationen liegen mir hierzu nicht vor.

Ich selbst habe auf dieses Verfahren leider keine Einflussmöglichkeit und kann Ihr Anliegen nur immer wieder an die entsprechenden Stellen weiterleiten und bei der Koordinierung unterstützen. Dies habe ich seit 16.03.2015 versucht und Sie darüber auch regelmäßig informiert.

Ihre Mail vom 16.07.2015 werde ich entsprechend des medizinischen Inhaltes an das SanVersZ Berlin, XXX OSA XXX  mit der Bitte um Prüfung weiterleiten.

Hinsichtlich Ihres Studienabschlusses und dem daran anschließenden Masterstudiums stehen Sie bereits mit dem BFD-Berater XXXX in Kontakt.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag


Sozialdienst Julius-Leber-Kaserne Berlin
_______________________________
BwDLZ Berlin

Von:        
An:        wehrbeauftragter@bundestag.de, BMVgBeauftrPTBS@BMVg.BUND.DE, 
Kopie:        
Datum:        16.07.2015 17:12
Betreff:        Aktuelle Eingabe und weiter Verlauf der Therapie


Sehr geehrte Damen und Herren,

es sind weitere 8 Tage ohne eine Regelung für die Therapiekostenerstattung zwischen März und Juli vergangen.

Da ich mittlerweile die Bestätigung der Hochschule habe, dass ich meine Bachelorarbeit nun doch im Juli und August schreiben und abschließen kann, liegt der Fokus nun voll auf dieser Arbeit.

Warum insbesondere dem PTBS-Beauftragten-Büro die Empathie zu fehlen scheint, was ein wehrpsychologische Begutachtung zum jetztigen Zeitpunkt für negative Auswirkungen auf meine Leistungsfähigkeit hat / haben kann, kann ich nicht verstehen.

Warum es nicht ausreichen soll oder möglich ist,  eine Auskunft bei der Therapeutin zum Stand der Behandlung einzuholen (Name und Anschrift ist ihnen bekannt) konnte und wollte bisher niemand erklären.

Wie im aktuellen Blogartikel angekündigt, werde ich mich dieser Form der Zersetzung nicht weiter aussetzen und in den nächsten Tagen das Studiendarlehen reaktivieren, um die Behandlungskosten selbst zu tragen.

https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/2015/07/es-koennte-so-einfach-sein/

Lieber gesund und verschuldet, als unter dem Diktat des Schädigers krank gehalten!

Es ist mir unverständlich, wie die Organisation Bundeswehr einerseits klagt, es seien nicht genug qualifizierte Traumatherapeuten verfügbar, aber gleichzeitig eine gut laufende, sinnvolle Therapie durch Wehrpsychiatrische Untersuchungen torpedieren will.

Ich kann zum derzeitigen Stand nur festhalten, dass ich derzeit einen Finanzierungsbedarf von rund 400 bis 500 Euro monatlich im Bereich der Therapie habe. Je eine Sitzung Coaching oder Traumatherapie im wöchentlichen Wechsel – ein Rythmus, der sich an sich sehr gut bewährt hatte.

Ich bleibe weiterhin dabei, dass ich keiner Medikamentierung durch die Bundeswehr zustimme. Den Nebenwirkungen von Psychopharmaka setze ich mich nicht aus. Es ist auch unnötig, da die derzeitige Therapiekonstellation in Verbindung mit dem Medikament Laif 900 für mich gut funktioniert.

All das im Abstand von wenigen Monaten immer wieder aufs neue Bescheinigen oder in Frage stellen zu sollen läuft dem Therapieerfolg zuwider. Eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen besteht unter diesen Umständen nicht und war auch in den Wochen davor kaum gegeben.

Ich bitte das Büro des Wehrbeauftragten darum auf eine Zusicherung hin zu arbeiten, das ich
– in der Wahl des Therapeuten frei bleibe
– die Kosten der Therapie getragen werden
– und wehrpsychiatrische Untersuchungen allenfalls in einem zumutbaren Zeitraum stattfinden.

Meine Letzte Untersuchung war im November 2014 und ich habe damals dem begutachtenden Arzt ausführlich auch über die Art und den Verlauf der Therapie berichtet.

Ich werde das über Monate aufgebaute Vertrauensverhältnis zur Traumatherapeutin nicht zugungsten des „Wunschbehandlungsplans der Bundeswehr“ über den Haufen werfen.

Aus Rücksicht auf die laufende berufliche Eingliederung bzw. das Studium bitte ich darum, dass die Termine zu Begutachtungen maximal einen Tag in Anspruch nehmen und bevorzugt in Berlin oder in Hamburg stattfinden.

Ich bitte darüber hinaus darum, dass ein klarer Anspruch an Art und Umfang der geforderten Mitwirkung meinerseits definiert wird. Dieser besteht bisher nicht, außer dem „Quasi-Befehl“,  das die Verwaltungsinstanz aus dem Büro des PTBS-Beauftragten auf einer Begutachtung besteht.

In jedem Fall:

Nach jetzigem Stand schließe ich die Bachelorarbeit mit der mündlichen Verteidigung voraussichtlich im September ab. Daher stehe ich frühestens ab Oktober 2015 für einen Begutachtungstermin zur Verfügung.

Ich würde mir Wünschen, dass alle Stellen lösungsorientiert agieren und akzeptieren, dass ich nicht einfach eine gut laufende und funktionierende Therapie abbreche, weil irgendeine Verwaltungsvorschrift erst Monate nach Beginn der Therapie auf mich angewendet wird.

Gruß
Daniel Lücking

 

Informant? Gefährder? Mobbing?

Es gibt Zufälle. Und manchmal glaube ich sogar an Zufall. Anlass für diesen Text ist etwas, bei dem ich nicht an Zufall glaube.

150717_ThomasGlose

Tweet im Postfach

Durch den öffentlichen Umgang mit meiner Einsatzschädigung unter http://www-wir-dienten-deutschland.de ist einiges über mich nachlesbar. Das wird auch so bleiben, denn solange mein Lebensunterhalt durch die Bundeswehr weiterfinanziert werden muss, habe ich als Journalist auch ein Glaubwürdigkeitsproblem. Darüber hinaus stehe ich hinter der Auffassung der Freischreiber (Berufsverband freier Journalisten) und mache mögliche Verwicklungen von journalistischer Arbeit und Honoraren transparent.

Freischreiber

Freischreiber zum Thema Unabhängigkeit

Ich hatte in den letzten Jahren mit der Anerkennung einer Stresserkrankung zu tun. Seit der Diagnose und Therapie in 2013 arbeite ich mich Stück für Stück wieder in meinen Beruf und auch in den Abschluss meines ersten Studiums (Bachelor). Die Bachelorarbeit steht in den nächsten Tagen und Wochen auf dem Programm. Der Ballast aus der Bundeswehrzeit ist da alles andere als hilfreich. Die größte Heraussforderung ist mein Stressmanagement und war der Umgang mit Depressionen.

In den rund 2 Jahren nach der Diagnose ist mir zumindest gelungen, die Anzeichen und Auswirkungen von Depressionen zu verstehen sowie durch die notwendige Achtsamkeit sehr bewusst mit Tiefs und Erschöpfung umzugehen. Derzeit begleitet mich ein Coach, mit dem ich regelmäßig meine Pläne und Zielsetzungen reflektiere und ich arbeite mit einer Traumatherapeutin zusammen, um regelmäßig Stressabbau unter qualifizierte Anleitung zu betreiben (siehe dazu TRE-Methode).

Ich bin einer der zahlreichen Menschen, die nach einem Knick im Lebensweg, einem Burnout oder der Mid-Life-Crisis auf diese Instrumente der angeleiteten Entspannung oder therapeutischen Begleitung angewiesen sind. Nach Kriegs- und Krisengebietserfahrung ist das auch kaum verwunderlich. Hipper wäre natürlich zu sagen „Ich gehe den Weg der Zen-Buddhisten“ oder von einem „Streben nach mehr Work-Live-Balance“ zu sprechen.

Ich sag es ganz offen: der Staatsdiensts zwischen 1998 und 2010 hat mich krank gemacht. Die Phase, bis der Schädiger zu seiner Verantwortung stand hat zu Schulden geführt, ohne deren Aufnahme ich als HARTZ4-Versorgungsfall und ohne Berufsabschluss geendet wäre. Und aus all dem arbeite ich mich gerade wieder heraus.

Seit Mai 2014 bin ich erstmals wieder an journalistischen Themen aktiv und belaste mich sehr bewußt, sehr gezielt und Stück für Stück mehr.

Meine Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsausschuss war und ist dabei nicht nur Belastungserprobung sondern auch eine Stütze, den sie zeigt mir, wie arbeitsfähig ich bin. Von der Begleitung einzelner Sitzungstage über die Teilnahme an den Pressegesprächen der Fraktionen bis hin zur Teilnahme an der Regierungspressekonferenz.

Gehaltssituation & Bundeswehrbezug

Es ist für manche schwer nachvollziehbar, dass ich derzeit ein volles Bundeswehrgehalt (Besoldungsgruppe A10) beziehe und sogar eine Ausbildungsförderung erhalte, mich aber dennoch hochgradig bundeswehrkritisch äußere. Ich setze mich damit einem großen Druck aus, denn durch die „Schutzzeit“ stehe ich in einem Rechtsverhältnis, das dem Soldatengesetz unterliegt und es kann jederzeit zu Druck aus dem „Apparat Bundeswehr“ kommen.

Das kann aus Richtung der Vorgesetztenebene kommen, wenn meine Äußerungen einem Egomanen in die Quere kommmen, der dann die Hierarchie zum Einsatz bringt und mich unter Druck setzt. Das wäre zwar wider den Unternehmensrichtlinien (Grundsätze der Inneren Führung), hält aber viele Machtmenschen innerhalb des Systems nicht ab, Menschen gezielt zu zerstören.

Das kann aber auch interne Gruppendynamik der „Treuen Diener“ sein, die aus einem falsch verstandenen Berufsbild heraus zwar Missstände wahrnehmen, aber diese nie äußern würden, weil sie es als Treue-Bruch verstehen würden. Die Gruppe der „Treuen Diener“ hat dabei immer wieder eine Schnittmenge mit der Gruppe der „Wehrmachts-Fans“, der „Kämpfer-Ethos-Fans“ sowie – plain and simple der Gruppe „rechtskonservativer Arschlöcher“.

Alles nicht rechtmäßig, aber doch nachvollziehbare und (internet-)öffentlich belegte Erfahrungen. Das zeigen zahlreiche Fälle der vergangenen Jahre, in den Gewissensentscheidungen von aktiven Soldaten nicht respektiert wurden und in kürzester Zeit zu Mobbing innerhalb der Bundeswehr-Hierarchie führten. Kritiker (z.B. Andreas Timmermann Levanas) wurden durch ärztliche Gutachten bis zur Dienstunfähigkeit malträtiert, weil sie es wagten, Kritik zu äußern.

Eindrucksvoll dargestellt ist das zum Beispiel rund um Phil Klever in diesem Video:

In vielen dieser Fälle müssen Schlichter tätig werden, die ein wenig (Beauftragter für PTBS- und Einsatzgeschädigte Soldaten) oder gänzlich ausserhalb der Hierarchie (Wehrbeauftragter) stehen. Und diese Schlichter haben viel zu tun. Kommen Sie nicht zum Einsatz, leiden die betroffenen Soldaten unter Repressalien von aggressiven Vorgesetzen oder unter den Auswirkungen einer überforderten Verwaltung, die durch permanente Umstrukturierung, personelle Unterbesetzung oder finanzielle Auflagen nicht in der Lage ist, Anträge zeitgerecht oder im Sinne der Soldaten abzuarbeiten. Alles regelmäßig nachzulesen im Jahresbericht des Wehrbeauftragten und keine Erfindung meinerseits.

Insofern kann ich über all das auch kritisch schreiben. Auch, wenn es die PR-Abteilung der Bundeswehr zum kotzen bringt, die das Hochglanzbild der Werbung aufrecht erhalten will, über das jeder Soldat nur den Kopf schütteln kann, der die Missstände im Alltag wahrnimmt oder an unteschiedlichsten Stellen auszubaden hat.


Motivation für diesen Beitrag

Es sind ein paar Tweets, die nicht einmal lange online sind, mich aber dennoch erreichen (sollen). Sie werden bei Twitter scheinbar sofort wieder gelöscht. Die Nachricht und der Inhalt landen dennoch in meinem Postfach und sind in der Welt:

150718_ThomasGlose_2

Screenshot aus eMail-Eingang

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Tweet im Postfach – unmittelbar nach senden & Fav durch User wieder gelöscht

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Antwort an User @TGLBerlin – mittlerweile wurde der Account gänzlich gelöscht.

Der User ist so schnell verschwunden, wie er sich ein Profil verschafft und provoziert hat. Zunächst wählte der User einen Namen aus meinem Blog, der mit meinem aktuellen Streitfall verbunden ist. Derzeit brennt rund um die Übernahme der Kosten für die Therapie wieder einmal die Hütte und ich werde wohl die sinnvolle therapeutische Begleitung weiterhin aus eigener Tasche finanzieren müssen.

Um an den Namen eines der Bearbeiter zu gelangen muss mindestens bis Januar 2015 im Blog zurückgelesen werden. Also schon einmal Aufwand.

Don’t feed the trolls

Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Durch meine Zugehörigkeit zur Piratenpartei in 2013 / 2014 sowie meine anti-faschistische Positionierung landete mein Twitter-Account auch in der Erfassung einer offenbar rechts-motivierten IT-Crew, die automatisiert die Tweets von unliebsamen Menschen screenshottet. Ganz abgesehen davon, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit ob meiner journalisitischen Themenwahl im Fokus der „OSINT-Sammler“ stehe: „Open Source Intelligence“ – die Informationssammlung aus offenen Quellen.

Aktionen, wie diese bringen mich in Bedrängnis, denn es könnte unterstellt werden, ich sei selbst der Initiator. Bin ich aber nicht. An Abenden vor Auswahlgesprächen für meinen Masterstudiengang habe ich definitiv anderes zu tun, als mich mit diesem Müll zu befassen.

Denkbar wäre unter Umständen ein Informant, der auf diesem Wege versucht Kontakt aufzunehmen. Diesem Personenkreis sei gesagt, dass es ob der automatisierten Screenshot-Erfassung der mein Twitter-Account unterliegt (und anderer Mitleser) ein insgesamt eher unüberlegter Weg ist, mich erreichen zu wollen. So ziemlich das Letzte, was ich tun würde ist, mich auf diesem Weg zu einem Treffen zu verabreden.

Effekte auf mich

Nein, ich werde nicht davon abrücken Ross und Reiter zu benennen, wenn es um Kommuniktation mit Behörden, wie der Bundeswehr geht.

Nein, ich werde meine Twitter-Aktivitäten auch bei Mobbing-Attacken nicht einstellen.

Nein, ich werde weder politisch, noch journalistisch irgendetwas an meinen Positionen ändern, nur weil Druck ausgeübt wird.

Ja, sowas kostet Zeit.

Ja, es erzeugt Druck (aber das gehört wohl dazu).

Ich kann nur appelieren, sich keine Späße in dieser Hinsicht zu erlauben. In den letzten Jahren hatte ich wegen meinem transparenten Umgang mit der Einsatzschädigung deutlichste Drohungen aus dem rechtsradikalen Millieu und mein Beruf „Journalist“ im Medium „Online“ macht es nicht leicht, sich dem zu entziehen. Ich habe mir nunmal ein Medium mit Rückkanal ausgesucht, auch, wenn mir ein Radio oder Fernsehsender mit der klassischen „Wir senden – ihr empfangt“-Aufstellung wohl deutlich weniger Stress bereiten würde, als solche blöden Aktionen, wie die aus den letzten drei Stunden.

Aber: gut, dass wir mal drüber geredet haben ^^

Es könnte … so einfach sein …

…ist es aber nicht!

Seit dem 27.04.2015 habe ich wieder einmal ein paar sehr einfach Fragen gestellt.

Wo kann ich die Therapierechnungen einreichen?
Welche Schritte sind notwendig, um die Therapiekosten erstattet zu bekommen?

Wohl gemerkt: die Bundeswehr hat viel zu wenig Kapazitäten und sucht auch 2015 nach geeigneten Psychiatern und Therapeuten, um der steigenden Zahl an belasteten Soldaten Herr zu werden. Aber behandeln sollen eben nur die Ärzte, die unter Bundeswehrkonditionen unter Vertrag sind – andere Wege gehen oder zivile Heiltherapeuten finanzieren? Offenbar für die Verwaltung undenkbar.

Seit der ersten Maiwoche hatte der Sozialdienst meine Unterlagen und kümmerte sich nach Kräften.

Seit dem 26.06.2015 ist der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages eingeschaltet.

Immerhin:

Am 29.06.2015 erste Lebenszeichen von einem Arzt aus der Bearbeitungskette.
Am 03.07.2015 ein Eingangsbescheid, das die Schreiben aus dem Mai am 26.06.2015 eingegangen sind. Datum: identisch mit der Eingabe beim Wehrbeauftragten.
Zwischenzeitlich die Info, das zumindest von September 2014 bis März 2015 die Kosten übernommen werden. Zumindest mündlich: schriftlich liegt mir noch nichts vor.

Absolut daneben:

Keine Kostenübernahme der laufenden Therapie, bevor ich nicht zu einer weiteren wehrpsychologischen Begutachtung im Bundeswehrkrankenhaus war.

Die Begutachtung wird zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt eingefordert. Ich habe in den nächsten Wochen die Bachelorarbeit zu schreiben, die nun wie geplant laufen kann, nachdem sich die Studiengangsleitung nochmal bezüglich des Bearbeitungszeitraums schütteln und prüfen musste.

Nun fordert der Schädiger Bundeswehr ein über meinen Therapieweg bestimmen zu können und setzt eine Untersuchung an, die hochgradig belastend ist und bei der ich vor, während und auch Tage nach dem Prozedere mit mir und den Erinnerungen zu kämpfen habe. Es geht mir in solchen Zeiten nicht nur psychisch schlecht sondern eben auch körperlich.

Andere Optionen ohne Belastung für mich, wie zum Beispiel die Einholung eines Therapiestands z.B. bei meiner Therapeutin wurden nicht vorgeschlagen.

Die Realität der kommenden Wochen:

Da ich die Rechnungen von März bis Juni in der Annahme, das der Therapieweg durch die Bundeswehr gezahlt wird allesamt beglichen habe, stehe ich nun finanziell mit dem Rücken zur Wand und kann nicht weitere zwei Monate eine Therapie, die zwar hilft ins Blaue hinein vorfinanzieren, ohne Gewissheit, ob die Kosten erstattet werden.

Die Termine bei meiner Traumatherapeutin wahrzunehmen wäre hilfreich – aber es ist nicht möglich.

Der Schädiger bestimmt, wie meine Genesung und Therapie abzulaufen hat und belegt ein ums weitere Mal, dass nicht das Patientenwohl und der Behandlungserfolg im Vordergrund stehen, sondern irgendwelche Verwaltungsformalien.

Nachdem ich in dieser Woche einer Menschenrechts-Organisation ein Interview zu meinem Fall und zu anderen Aspekten mit Bezug zu diesem Thema gegeben habe merke ich deutlich, dass ich solche Belastungen in den nächsten Wochen besser vermeide, um nicht in Depressionen und Isolation zu enden. Dem Interviewer selbst ist kein Vorwurf daraus zu machen. Da ich Interviewsituationen deutlich entspannter begegne, als „ärztlichen Begutachtungen durch den Schädiger“ ist der erwartbare Effekt einer wehrpsychologischen Begutachtung sicherlich nicht positiv.

Da in dieser Woche neben einem Gespräch mit meinem Professor der Start der Bachelorarbeit ansteht und ein Bewerbungsgespräch für den Masterstudiengang ab Oktober läuft, werde ich nun einen deutlichen Schlussstrich unter das Verwaltungsmobbing ziehen. Wahrscheinlich werde ich den Studienkredit wieder aktiveren müssen und daraus dann die Behandlungskosten für die FUNKTIONIERENDE TRAUMABEHANDLUNG selbst tragen, statt mich im Halbjahresrythmus durch verwaltungsinduzierte Wehrpsychologische Untersuchungen zurückwerfen zu lassen. Seltsame Auffassungen von „Schutzzeit“…

Lieber gesund und verschuldet, als unter dem Diktat des Schädigers krank gehalten!

Wir können alles. Außer alles.

Wir können alles. Außer alles.

Aktuelle Mail an Wehrbeauftrager, PTBS-Beauftragter, Sozialdienst:

Sehr geehrte Damen und Herren,

es sind weitere 8 Tage ohne eine Regelung für die Therapiekostenerstattung zwischen März und Juli vergangen.

Da ich mittlerweile die Bestätigung der Hochschule habe, dass ich meine Bachelorarbeit nun doch im Juli und August schreiben und abschließen kann, liegt der Fokus nun voll auf dieser Arbeit.

Warum insbesondere dem PTBS-Beauftragten-Büro die Empathie zu fehlen scheint, was ein wehrpsychologische Begutachtung zum jetztigen Zeitpunkt für negative Auswirkungen auf meine Leistungsfähigkeit hat / haben kann, kann ich nicht verstehen.

Warum es nicht ausreichen soll oder möglich ist,  eine Auskunft bei der Therapeutin zum Stand der Behandlung einzuholen (Name und Anschrift ist ihnen bekannt) konnte und wollte bisher niemand erklären.

Wie im aktuellen Blogartikel angekündigt, werde ich mich dieser Form der Zersetzung nicht weiter aussetzen und in den nächsten Tagen das Studiendarlehen reaktivieren, um die Behandlungskosten selbst zu tragen.

https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/2015/07/es-koennte-so-einfach-sein/

Lieber gesund und verschuldet, als unter dem Diktat des Schädigers krank gehalten!

Es ist mir unverständlich, wie die Organisation Bundeswehr einerseits klagt, es seien nicht genug qualifizierte Traumatherapeuten verfügbar, aber gleichzeitig eine gut laufende, sinnvolle Therapie durch Wehrpsychiatrische Untersuchungen torpedieren will.

Ich kann zum derzeitigen Stand nur festhalten, dass ich derzeit einen Finanzierungsbedarf von rund 400 bis 500 Euro monatlich im Bereich der Therapie habe. Je eine Sitzung Coaching oder Traumatherapie im wöchentlichen Wechsel – ein Rythmus, der sich an sich sehr gut bewährt hatte.

Ich bleibe weiterhin dabei, dass ich keiner Medikamentierung durch die Bundeswehr zustimme. Den Nebenwirkungen von Psychopharmaka setze ich mich nicht aus. Es ist auch unnötig, da die derzeitige Therapiekonstellation in Verbindung mit dem Medikament Laif 900 für mich gut funktioniert.

All das im Abstand von wenigen Monaten immer wieder aufs neue Bescheinigen oder in Frage stellen zu sollen läuft dem Therapieerfolg zuwider. Eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen besteht unter diesen Umständen nicht und war auch in den Wochen davor kaum gegeben.

Ich bitte das Büro des Wehrbeauftragten darum auf eine Zusicherung hin zu arbeiten, das ich
– in der Wahl des Therapeuten frei bleibe
– die Kosten der Therapie getragen werden
– und wehrpsychiatrische Untersuchungen allenfalls in einem zumutbaren Zeitraum stattfinden.

Meine Letzte Untersuchung war im November 2014 und ich habe damals dem begutachtenden Arzt ausführlich auch über die Art und den Verlauf der Therapie berichtet.

Ich werde das über Monate aufgebaute Vertrauensverhältnis zur Traumatherapeutin nicht zugungsten des „Wunschbehandlungsplans der Bundeswehr“ über den Haufen werfen.

Aus Rücksicht auf die laufende berufliche Eingliederung bzw. das Studium bitte ich darum, dass die Termine zu Begutachtungen maximal einen Tag in Anspruch nehmen und bevorzugt in Berlin oder in Hamburg stattfinden.

Ich bitte darüber hinaus darum, dass ein klarer Anspruch an Art und Umfang der geforderten Mitwirkung meinerseits definiert wird. Dieser besteht bisher nicht, außer dem „Quasi-Befehl“,  das die Verwaltungsinstanz aus dem Büro des PTBS-Beauftragten auf einer Begutachtung besteht.

In jedem Fall:

Nach jetzigem Stand schließe ich die Bachelorarbeit mit der mündlichen Verteidigung voraussichtlich im September ab. Daher stehe ich frühestens ab Oktober 2015 für einen Begutachtungstermin zur Verfügung.

Ich würde mir Wünschen, dass alle Stellen lösungsorientiert agieren und akzeptieren, dass ich nicht einfach eine gut laufende und funktionierende Therapie abbreche, weil irgendeine Verwaltungsvorschrift erst Monate nach Beginn der Therapie auf mich angewendet wird.

Gruß
Daniel Lücking