Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten

„Ärztlich nicht führbar“

Nach dem am vergangenen Dienstag (15.11.2016) erkennbar Druck aufgebaut wurde, ich sei weder therapiewillig, noch kooperativ und „ärztlich führbar“ nahm ich Kontakt zum Psychotraumazentrum auf. Zuletzt mailten wir am 19.10. und verblieben, dass ich zum März 2017 in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert werden könne. Nun beginnt die Onlineschreibtherapie bereits mit der Begutachtung am 6.12.2016. Neben den Arztgesprächen steht ein Schlaf-EEG, eine Blutentnahme und die Abgabe einer „zwei Zentimeter Haarprobe“ auf dem Programm.

Warum überhaupt Therapie

Nachdem im April 2013 die Einsatzschädigung diagnostiziert wurde und ich erneut mit Depressionen zu kämpfen hatte, folgten zwei mehr als anstrengende Jahre. Nicht nur die Therapie, sondern auch der vierwöchige stationäre Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus, den ich mittlerweile rückblickend „Depressionen, dein Leben und du – kommt klar miteinander“ nenne, kosteten viel Kraft. Via Social Media, aber auch in direkten Gesprächen wurde ich für den offenen Umgang mit der Erkrankung, aber erst recht wegen dem Einblick, den ich in die Therapie und den Umgang der Bundeswehr mit mir gebe, unter Druck gesetzt. Teils mit plumper Drohung, wie im Adlongespräch dokumentiert – teils mit Mobbing via Facebook.

Das Blog war von Anfang an Selbstschutz, der sich schnell bewährt hat. Falschinformationen über die Versorgungslage, die ich vom Sozialdienst der Bundeswehr erhielt, konnten durch anonyme Hinweise, die eingegangen sind, entschärft werden.

Ruhe kehrte erst im März 2015 ein, als die Schädigung anerkannt war und die Versorgung gesichert war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Therapie-Methode TRE- Trauma Release Exercise erlernt und durchlaufen und war erstmals seit Jahren wieder in der Lage, die Auswirkungen von Stress zu bemerken, bevor sie wieder in lange Phasen der Depression führen.

Tendenziell versuche ich weiterhin viel zu lange, einfach nur zu funktionieren, den Stress auszuhalten und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Die Kompetenz Gegenmaßnahmen zu treffen, ist hart erarbeitete und fehlte vor 2013 ganz.

Phasen mit besonderer Belastung gab es immer wieder. Ende Januar 2016 häuften sich die Termine und Aufgabenstellungen zum Ende des Wintersemesters – im Ergebnis zog ich mich zurück, versuchte, so gut, wie möglich dem ganzen gerecht zu werden. Mit 28 von 31 Leistungspunkten schaffe ich es, nahezu 100% des geplanten Studienprogramms abzuschließen.

Im Laufe des Mai 2016 sind es erneut die Auswirkungen von Stress, die für eine Verschärfung der Symptome sorgen. Zu viele Aufgaben im Studium, wie die zeitgleiche Arbeit an mehreren Themen – kaum eine Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen. Nahezu tägliche Präsenz in Kursen – 5 bis 7 Zeitstunden – sowie im Anschluss die Arbeit an den Kursaufgaben. Jede einzelne Aufgabe für sich zu bewältigen – in der Summe und Kombination der Termine aber irgendwann zu viel.

Nicht nur mir geht es so. Kommilitonen sind ebenfalls unter Druck – Jahrgänge vor uns schildern, es sei ein Phänomen, dass regelmäßig im Sommersemester auftrete. Drei Monate gefüllt mit einem Pensum, dass im Wintersemester auf vier Monate verteilt ist. Mein persönliches „irgendwann zu viel“ bemerke ich jedoch erst, als bereits die Beziehung zu meiner damaligen Freundin leidet und massiv Schaden nimmt. Funktionieren im Studium geht zu Lasten normaler Aktivitäten. Fehlende Freizeit erhöht die Anspannung, vermindert die Qualität der Arbeitsergebnisse, sorgt für Enttäuschung, Erschöpfung, Depression.

Am Ende des Semesters stehe ich im Studium bei 45 von 60 Leistungspunkten, die zu diesem Zeitpunkt erreicht sein sollten. Aber immerhin nicht mitten in einer Depression, aus der ich nicht raus komme.
Im Laufe des Semesters reduzierte ich, priorisierte auf Kurse, die machbar waren und verlor auch die Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsauschuss nicht aus den Augen, die – nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung – auch auf die Studienleistungen angerechnet werden wird (Hospitanz).
Zumindest in Arbeitsbelangen schaffe ich es, eine Balance zwischen Selbst- und Fremdbestimmung hinzubekommen.
Dass diese Situation nicht ideal ist, ist mir schnell klar. Es kostet massiv Kraft und die Auswirkungen gehen zu Lasten des Privatlebens. Ich nehme Kontakt zum Berufsförderungsdienst auf, der für die Verwaltung meines Studiums zuständig ist. Das Studium gilt als Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation im Rahmen der Schutzzeit. Ich hoffe darauf, dass ich das Sommersemester 2017 als Urlaubssemester nutzen darf, um eine Kur in diesem Zeitraum zu machen.
Die Bearbeiter versichern mir, niemand erwarte, dass ich das Studium in der Regelstudienzeit abschließe. Der Grad der Schädigung, den ich aufgrund der Depressionen / Anpassungstörung habe, liegt bei 30%. Das letzte halbe Jahr zeigt mir, wie sehr das leider weiterhin zutrifft.

Bereits seit Juni besteht wieder Kontakt zum Psychotraumazentrum. Etwa zur gleichen Zeit, als ich Kontakt zum Berufsförderungsdienst wegen dem Urlaubssemester aufgenommen habe, meldet sich eine der Ärztinnen telefonisch mit dem Therapieangebot. Da ich im Oktober 2016 und Februar / März 2017 bereits die Zusagen für Praktika im Rahmen des Studiums habe, erscheint mir der Einstieg in die Therapie jedoch erst für April 2017 als sinnvoll. Therapie und Kur ließen in dem Semester dann wenig Raum für Präsenzveranstaltungen an der Hochschule – Studienleistungen wären aber immerhin noch im Rahmen von Hausarbeiten möglich.

Nun kommt es anders

Der Unterton des Arztgespräches am vergangen Dienstag und die abwehrende Haltung gegenüber der „Online-Schreib-Therapie“, die der Verwalter zeigt, machen wieder einmal deutlich, wo das System krankt. Verwaltende Stellen üben Druck aus – eine Rücksprache mit der Fachebene erfolgt erst, nachdem Druck auf den Patienten ausgeübt wurde. Von den Angeboten der Fachebene hält die verwaltende Stelle indes wenig, wie der Gesprächsverlauf deutlich machte.

Bereits 2013 äußerte der Leiter des Psychotraumazentrums Dr. Zimmermann, dass in meinem Fall Anzeichen für eine „Moralische Verletzung“ vorhanden seien. Moralische Verletzungen treffen z.B. Menschen, die gezwungen werden, gegen ihre Grundwerte zu handeln oder gesellschaftliche Tabus (z.B. das Töten von Menschen oder das sterbenlassen von Ertrinkenden) zu brechen. Vielfach ähneln die Symptome dann einer PTBS und gehen mit Depressionen einher.

Der verwaltenden Arzt kennt den Begriff „Moralische Verletzung“ nicht – schon ein Blick in die DBwV-Zeitung vom August 2016, die in seinem Wartezimmer ausliegt hätte geholfen. Dort ist ein langes Interview mit dem Leiter des Psychotraumazentrums zu genau dieser Thematik.

Der verwaltende Arzt ist damit beschäftigt, meine Behandlungsakte auf Indikatoren für mangelnde Kooperationswilligkeit zu durchforsten. Dass ich mich für den verhaltenstherapeutischen Ansatz entschieden habe, statt für die Einnahme von Psychopharmaka, wird zum Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die TRE-Methode, die ich über 6 Monate mit einer Heiltherapeutin erlernt und durchgeführt habe nur mit dieser fortsetzen will, statt mit einem von der Bundeswehr gestellten „Standortpfarrer, der die TRE-Methode jetzt auch anbietet“ – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die Onlineschreibttherapie ins Frühjahr legen will, in eine Zeit mit mehr Tageslicht, weil ich fürchte, die Reflektionen und Fragestellungen könnten wieder zu Depressionen führen – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Ich schildere dem „Verwalter“, dass die Auswirkungen von Stress, wie ich sie in den letzten Monaten beobachten konnte leider immer auch mit Rückzug und Anhedonie einher gehen. Methoden der MBSR Mindfulness-Based Stress Reduction habe ich im Psychotraumazentrum erlernt – auch die TRE-Methode hat Schnittmengen – und wende sie an. Sie lindern zumindest manche der Symptome. Der „Verwalter“ meint: „Wenn Sie als Eremit leben wollen, dann können sie das ja gerne tun. Aber dafür sollte ja die Bundeswehr nicht zahlen müssen.“

Der Verwalter vergleicht mich mit einer „magersüchtigen Frau“, die ärztlich auch nur das zuließe, was dem Hauptziel „abnehmen“ nicht zuwider liefe. Auch auf solche Patientinnen trifft zu: „ärztlich nicht führbar“.

Therapiezeitpunkt

Nach Rücksprache mit der betreuenden Ärztin des Psychotraumazentrums werde ich nun zum 6. Dezember in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert. Der Zeitpunkt ist das Resultat des Gespräches am Dienstag, um zumindest den Vorwurf zu entkräften, ich sei nicht therapiewillig.

Der Zeitpunkt der Schreibtherapie fällt damit in den Zeitraum, indem ich drei meiner vier Auslandseinsätze absolvierte. Die Eskalation in Mazedonien 2000/2001, die uns zur Aufgabe und Abbau des umkämpften Camps zwang. Die Medienarbeit in Afghanistan 2005/2006, als die „Karrikaturen“ für Demonstrationen und Angriffe auf Camps mit einem Beinahme-Totalverlust des Camps in Meymaneh führte. Afghanistan 2007/2008 – ein Einsatz der mit dem Begriff „Chefkalation“ gut zusammengefasst ist und der neben drei Monaten hochgradig stressiger Arbeit rund um einen fachlich und englischsprachlich wenig kompetenten Chef mindestens zwei lebensgefährliche Situationen mit sich brachte. Diese Erlebnisse sorgen bis heute dafür, dass ich bei autoritären, cholerischen Chefs und Teamleitern unter Druck gerate und nur flache Hierarchien halbwegs ertrage.

Ich habe längst verstanden und analysiert, was diese Einsätze in mir verändert haben und welche Grenzerfahrungen das mit sich brachte. Ich ging davon aus, mit der Schutzzeit, die bis zu 5 Jahre dauern darf nun Raum zu haben, um mit all dem umgehen zu lernen. Ich vermeide die Situationen nicht, stelle mich in Praktika auch wieder Chefsituationen und schaue, was für mich geht, was ich um welchen Preis aushalten kann und was nicht.

Für den Verwalter aber zählt das nicht. Er hat im Kopf, was er auch im Arztgespräch schildert. „Es gibt Leute, die können für die Bundeswehr keinen Handschlag tun, aber bauen nebenbei eine Hundzucht in Brandenburg auf. Das ist ein Fulltimejob.“

Seine Denkweise macht deutlich, dass jeder Fortschritt, den ich im Rahmen des Studiums und entlang der journalistischen Projekte erzielt habe als Indiz dafür betrachtet werden kann, ich würde das System für meine Zwecke ausnutzen.

Dass ich in Zeiten der Überlastung und Depression mit den Auswirkungen allein bin, keinen Text auf die Reihe bekomme, sieht der „Verwalter“ nicht. Dass der Antrieb für Artikel wie diesen schlichtweg Angst ist – Angst, ausgelöst durch Anschuldigungen und den Druck des Verwalters selbst – wird zum Indiz für Leistungsfähigkeit, die ich der Bundeswehr, frecherweise vorenthalten würde gewertet.

Schalte ich einen Anwalt oder den Wehrbeauftragten ein, dann bin ich wieder „ärztlich nicht führbar“.

Die gleichen „Verwalter“ kenne ich aus der aktiven Dienstzeit. Sie schrieben tauglich für Einsätze. Sie werteten Belastungsbögen nach den Einsätzen aus. Sie lehnten Präventivkuren nach Einsätzen ab, weil „das schon zu viele in letzter Zeit in Anspruch genommen haben“.

Effekte

Seit dem 15.11. muss ich wieder mehr Kraft für eigentlich Alltägliches aufwenden. Es kostet Kraft, die Termine wahrzunehmen, die anstehen. Es kostet Kraft, Freunde zu treffen, weil ich nicht schon wieder „der mit Problemen“ sein will. Das ich dennoch nicht auf Ablehnung treffe ist ein großes Glück. Es kostet Kraft, mit den Gedanken nicht ständig bei der Drohkulisse zu landen, die am 15.11. aufgebaut wurde – und doch ist es manchmal nicht zu vermeiden. Es kostet Kraft, all das auszuhalten in dem Wissen, dass ich keine Aussicht darauf habe spontan in einen vollbezahlten Job einzusteigen, der Raum lässt für die Aufarbeitung, die immernoch andauert. Es kostet Kraft, weiter zu machen, wenn jeder kleine Fortschritt potentiell vom „Verwalter“ gegen mich gedeutet wird.

Wo immer möglich äußere ich mich als Journalist mit der gebotenen Objektivität und Fairness zu Bundeswehrthemen. Dass der Eindruck bleibt, ich würde kein gutes Haar an der Bundeswehr lassen liegt wohl eher daran, dass die PR nur „gute Haare“ präsentiert und seit jeher Sachverhalte im Sinne der eigenen Imagekampagnen schönfärbt. Doch für die „Verwalter“ ist es nicht auszuhalten, dass ein kritischer Journalist über die Bundeswehr berichtet.

Den Anteilen, die mit der moralischen Verletzung einher gehen, setzte ich in den letzten Jahren politische Arbeit entgegen. Ich sprach auf Demonstrationen gegen Krieg und Militärisierung und berichtete auf Podien über die Einsatzerfahrungen. Es ist nicht auszuhalten, das die Person auf Demonstrationen und Podien als „Friedensaktivist“ tätig ist und gleichzeitig aus dem Verteidigungsetat bezahlt wird. Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten.

Der „Verwalter“ drückt es am 15.11.2016 etwas anders aus. „Sie können sich gerne weiterhin so verhalten. Dann kann man hinterher über Sie sagen, Sie waren konsequent bis zum Schluss.“

In diesem Verfahren erhalte ich wieder einmal keine Kopien der Verwaltungsschreiben, die Anlass der Befragungen sind. Ich erhalte auch keine Kopien der Antworten, die der „Verwalter“ an KdoRegSanUstg G 3.2.2 sendet. Der „Verwalter“, der die Anfrage bearbeitet bildet sich seinen Eindruck aus dem nichteinmal dreißigminütigen Gespräch, überfliegt dabei kurz das letzte ärztliche Gutachten aus Oktober 2015 und urteilt.

Ich habe also die Wahl, mir einen solchen Umgang gefallen zu lassen oder ohne Versorgung für mich und meine Kinder, ohne Raum für Therapie und Regeneration da zu stehen.

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Diskussionen

Internetdiskussionen sollte man auf Dauer nicht zu sehr an sich heran lassen. Ich kann mich bei der Diskussion rund um das Video „Frag ein Klische – Frag einen Soldaten“ gerade nicht so recht entscheiden, was mich mehr bedrückt. Die indirekt angedrohte Gewalt oder die Vorstellung, dass freie Meinungsäußerung den Effekt haben könnte, dass Menschen „um die Ecke gebracht“ werden.

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Dear „WhoeverYouAre“ – Lieber „WerAuchImmer“ – Kære „Hvem endnu mere“

I don’t know what it is that makes you reading my blog. Maybe it is personal interest – but you read way to intense as my protocols showed me last year.

Maybe you or your government fears, what I might write about the four attempts to ignite and escalate the sitation in the islamic world with publishing disgusting caricatures.

Whatever – I will not block your feed reader. But at least: show some respect to a veteran, who has to cope with the effects of beeing in the middle of that shitstorm, your misguided „jyllands posten“ created.

Publishing obviously insulting caricatures that must lead to riots and attacks against international forces in islamic countries – in September 2005, January 2006, in the End of 2007 and even a fourth time – has nothing to do with freedom of press.

The shit you created caused incidents like this: Wikileaks – Afghan War Diaries AFG20060207n267

Quelle: Wikileaks Afghan War Diaries

Sound not that intense? Well, maybe due to not mentioning that some of the protestors died, because they did not throw the grenades properly. Maybe, because no one mentions in that shiny little report, how close they got ISAF to loose the camp?

This is, what it looks like in the German Papers:

I saw the video – I now see the lies that are forwarded to our politicians. Not only on this incident but also on others.

This is, what causes „Combat Stress“ or PTSD! Veterans are not weak humans that accidentially chose the wrong job and now have problems dealing with it. We are the ones who witnessed the lies you to to politicians, to the public.

German Version:

Ich weiß nicht, warum Sie meinen Blog lesen. Möglicherweise ist es ein rein persönliches Interesse – aber wie meine Protokolle zeigen haben Sie es dafür auch im letzten Jahr ein bisschen zu intensiv gelesen.

Vielleicht lesen Sie es deshalb so intensiv, weil sie oder ihre Regierung damit rechnen, dass ich noch mehr über die vier Versuche schreibe,bei denen mit der Veröffentlichung der widerlichen Islamkarikaturen die islamische Welt entzündet und Lage vor Ort eskaliert werden sollte.

Wie auch immer: ich werde ihre IP-Adresse nicht blocken. Aber zeigen Sie wenigstens etwas Respekt gegenüber einem Veteranen, der vor Ort in der Mitte des Shitstorms stand, den ihre irregeleitete Zeitung Jyylands Posten verursacht hat.

Es hat nichts mit Pressefreiheit zu tun Karikaturen zu veröffentlichen, die einzig und allein provozieren sollen – und das mindestens im September 2005, Januar 2006, Ende 2007 und ein viertes Mal taten.

Dieser Scheiß verursachte Dinge, wie dieses: Wikileaks – Afghan War Diaries AFG20060207n267

Quelle: Wikileaks Afghan War Diaries

Kingt gar nicht so schlimm? Vermutlich, weil „vergessen“ wurde die Toten unter den Protestierenden zu erwähnen, die ihre Granaten nicht richtig warfen. Vermutlich, weil nicht erwähnt wurde, wie kurz davor ISAF stand, dieses Camp zu verlieren.

Ich sah das Video. Ich sehe jetzt, mit welchen Lügen die Politik über die wahren Vorkommnisse vor Ort getäuscht werden.

Das sind die Vorkommnisse, die zu „Combat Stress“ oder Posttraumatischen Belastungsströrungen führen. Wir sind keine schwachen Menschen, die dummerweise den falschen Job gewählt haben und nun Probleme haben, damit zu recht zu kommen.

Wir sind die Zeugen der Lügen, die Politikern und der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Danske udgave :

Jeg ved ikke hvorfor du læser min blog. Måske er det en rent personlig interesse – men hvordan for at vise mine logfiler , du har det også læse i det sidste år er det en lidt for intens.

Dansk Udenrigsministeriet
Dansk Udenrigsministeriet

Kendte IP-adresse dukker
Kendte IP-adresse dukker

Måske det er derfor, du læser det så intenst , fordi de eller deres regering forventer, at jeg skrive mere om de fire forsøg, hvor betændte den islamiske verden med udgivelsen af ​​ulækkert Islam tegnefilm og situationen på stedet , bør eskaleret .

Anyway, jeg vil ikke blokere deres IP-adresse. Men i det mindste vise lidt respekt for en veteran, der var på stedet i midten af lort Storms at deres misforståede avis Jyylands har forårsaget poster.

Det har at udgive noget at gøre med pressefrihed tegnefilm , der udelukkende og provokere alene – og så gjorde det mindste i september 2005 , januar 2006 slutningen af ​​2007 og en fjerde gang .

Det lort ting forårsaget , som dette: Wikileaks – Afghan War Diaries AFG20060207n267

Kilde: Wikileaks Afghan War Diaries

Kingt ikke så slemt? Sandsynligvis fordi “ glemte“ at nævne de døde var blandt de demonstranter, der ikke smider deres granater ordentligt. Sandsynligvis fordi det ikke blev nævnt , hvor tæt ISAF stod til at miste denne lejr.

Jeg så videoen. Jeg ser nu , hvad der ligger politik vildledes om de sande hændelser på stedet.

Det er de begivenheder, der fører til “ Combat Stress “ eller posttraumatisk Belastungsströrungen . Vi er ikke svage mennesker, der har tåbeligt valgt det forkerte job , og nu har problemer så rigtigt at komme.

Vi er vidner til de løgne , at politikere og præsenteres for offentligheden.

Offener Brief – Fortsetzung

Seit dem 03.03.2014 sind per Einschreiben vom 28.02.2014 auch der offene Brief an Gregor Gysi und Ursula von der Leyen zugestellt.

Nachdem in der letzten Woche der Eingangsbescheid seitens des Büros des Wehrbeauftragten eingetroffen ist, wurde ich heute gebeten zu konkretisieren, in wie weit ich eine Verletzung meiner persönlichen Rechte geltend machen wolle.

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Hier meine Antwort an den zuständigen Bearbeiter:

Sehr geehrter Herr Günther,

vielen Dank für ihre Nachfrage. Ich werde weiter im Stil des offenen Briefes verfahren und habe ihre Antwort bereits in https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog dem interessierten Publikum verfügbar gemacht.

In den Tagen vom 19.02.2014 bis zum 21.02.2014 haben sich rund 5000 Nutzer bei etwa 15.000 Zugriffen auf die Seite für das Thema interessiert. Jeder 10. bekundete durch Rückmeldungen, wie ein „Facebook-Like“ oder in Kommentaren zum Artikel Interesse am Thema.

Ich bitte sie darum auch das im Auge zu behalten.

Zum Aspekt der persönlichen Betroffenheit:

Als Soldat und Offizier stand ich im Dienst des Parlaments sowie des deutschen Volkes. Rund um den 27.09.2008 musste ich nun feststellen, dass die bundeswehrinterne Weiterleitung von Meldungen eher dem Stille-Post-Prinzip gleicht, als eine Grundlage für die Entscheidung über Fortgang und Zielrichtung des Einsatzes.

Die unvollständige Darstellung der Ereignisse des Tages kann ich auf folgenden Gründen nicht hinnehmen:

§ 8 Eintreten für die demokratische Grundordnung
Der Soldat muss die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes anerkennen und durch sein gesamtes Verhalten für ihre Erhaltung eintreten.

Ich kann nicht erkennen, dass es im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung ist, Parlamentariern ein unvollständiges und gleichzeitig irreführendes Bild vom Einsatz zu vermitteln.

Bereits die Abweichungen zwischen Pressemeldung und „Unterrichtung des Parlaments“ in der das Feuergefecht fehlte, das am 27.09.2008 stattgefunden hat verharmlost das Geschehen.

Ich wurde Augenzeuge, dass mindestens ein Angreifer im Rahmen der Personenüberprüfung am Abend des 27.09.2008 im Eingangsbereich des Lagers Masar-e-Sharif durch deutsche Sicherheitskräfte in Gewahrsam war.

Ein korrekter Umgang mit dieser Information hätte mindestens die Weitergabe an das Parlament erfordert. In der Unterrichtung des Parlaments ist das nicht erwähnt.

Wie sollen Parlamentarier nachvollziehen, ob Sicherheits- und Rechtsstrukturen in Afghanistan tragfähig sind und der Einsatz weiter gehen muss, wenn Sachverhalte, wie der Angriff eines Bundeswehrlagers nur in Bruchstücken dokumentiert werden.

Als ich Art und Umfang des Angriffes in den Tagen nach dem 27.09.2008 hinterfragte und um Klärung bat, warum schon die Pressemeldung vom 27. / 28.09.2008 erheblich von dem abweicht, was vor Ort stattfand, teilte mir ein Vorgesetzter nach Rücksprache in der morgendlichen Stabsbesprechung mit: „Es hat sich so zugetragen, wie es in der Pressemeldung steht. Punkt.“

Welche dieser Meldungen stimmt nun? Die an die Presse mit Feuergefecht? Oder die an das Parlament ohne Feuergefecht?

Warum ist das temporäre Festhalten von Angreifern in keiner der beiden Meldungen enthalten?

Wie ist die Darstellung der Situation in der Antwort auf die kleine Anfrage der Linkspartei zu werten?

Laut § 10 „Pflichten des Vorgesetzten“ gilt unter anderem:

(4) Er darf Befehle nur zu dienstlichen Zwecken und nur unter Beachtung der Regeln des Völkerrechts, der Gesetze und der Dienstvorschriften erteilen.

Kann eine unvollständige Meldung im Sinne der Dienstvorschriften sein? Ist es ein Verstoß gegen das Völkerrecht, wenn Angreifer in ein bekanntermaßen nicht nach westlichen Maßstäben und Menschenrechten agierendes Rechtssystem übergeben werden?

Welcher Soldat hat gegen § 13 verstoßen und mir unwahr mitgeteilt, es habe sich so zugetragen, wie es in der Pressemeldung steht?

§ 13 Wahrheit
(1) Der Soldat muss in dienstlichen Angelegenheiten die Wahrheit sagen.

Ich ersuche Sie , Herr Günther, Pressemeldung, Unterrichtung des Parlaments sowie die Antwort auf die kleine Anfrage diesbezüglich zu untersuchen.

Auf all diese Fragen benötige ich Antworten, die ich auch öffentlich wiedergeben kann. Ich brauche die Gewissheit mich nicht durch Unterlassung eines Kriegsverbrechens schuldig gemacht zu haben.

Derzeit gelte ich gegenüber Freunden, Bekannten und auch aktiven, wie ehemaligen Kollegen und Soldaten als jemand, der etwas aufbauscht, was nicht stattgefunden habe.

Ich gelte als Nestbeschmutzer, wenn ich sage: „Es gab Falschmeldungen am 27.09.2008.“

Ich gelte als jemand, der etwas aufbauscht, wenn ich äußere, dass ich durch die beiden deutlich hörbaren Explosionen auf dem Weg zum Mittagessen auf den Angriff aufmerksam wurde, während in der Unterrichtung des Parlaments behauptet wird, die Geschosse wären nicht detoniert.

Ich gelte als „befangen“ oder „traumatisiert“ – de facto nicht objektiv, wenn ich ein anderes Geschehen äußere, als in der Pressemeldung wiedergegeben.

All das trägt zu meiner Traumatisierung bei und macht es mir unmöglich, diese Phase meines Lebens abzuschließen.

Je länger dieser Blog existiert, desto mehr Soldaten werden auf mich aufmerksam, melden sich und schildern mir ähnliche Begebenheiten, die mich veranlassen zumindest auf dem zu beharren, was derzeit bereits in Schriftform durch die Bundeswehrführung belegt werden musste.

Darüber hinaus bitte ich Sie, Herr Günther, mir mitzuteilen, ob sie mittlerweile Einblick in die Antwort der Bundeswehr auf die kleine Anfrage nehmen konnten.

Wie Sie nun hoffentlich besser nachvollziehen können: ich bin in meinen persönlichen Rechten betroffen. Sei es in meinen Rechten als Staatsbürger, der von seinen Ministerien einen wahrhaftigen Umgang mit den gewählten Repräsentanten erwarten kann oder auch in meinen Rechten als Soldat, nach denen ich nur rechtmäßige Befehle befolgen durfte und nach denen ich auch nicht belogen werden durfte.

Mit freundlichen Grüßen
Daniel Lücking

Offener Brief: Umgang mit Angreifern in Afghanistan

Sehr geehrter Herr Königshaus,
sehr geehrte Frau von der Leyen,
sehr geehrter Herr Gysi,

ich wende mich mit diesem offenen Brief an Sie, um eine Begebenheit aufzuarbeiten, die seit nunmehr viereinhalb Jahren in mir gärt und die einen wesentlichen Teil meiner Traumatisierung ausmacht, die ich während meiner Afghanistaneinsätze erfuhr.

Ich bin der Auffassung, dass es sich bei dem, was ich in Afghanistan erlebte mindestens um einen Vorfall handelt, der hinterfragt und innerhalb des gesamten Parlaments diskutiert werden muss. Die Beurteilung, ob eine Verletzung von Menschen-, Kriegs- oder Völkerrechten vorliegt obliegt nicht mir. Die moralische Verpflichtung diese Frage zu stellen , fühle ich hingegen schon.

Weder in der Pressemeldung zum 27.09.2008, noch in der Unterrichtung des Parlaments sind die Verhaftungen geschildert, die vor Ort stattgefunden haben und die ich der Bundestagsfraktion „Die Linke“ zur Kenntnis brachte. In der kleinen Anfrage vom 12.06.2013 ist der Sachverhalt der bis dato nicht öffentlich gemachten Verhaftungen ausführlich dargelegt.

Ergänzung 28.02.2014: Screenshots der durch die Bundeswehr bekanntgegebenen Informationen zum 27.09.2008. In der Meldung an das Parlament ist das Feuergefecht nicht erwähnt. Ein Feuergefecht ist jedoch kein routinemäßiger Teil einer „Aufklärung“sfahrt. Mindestens 2 Detonationen habe ich gehört, als ich auf dem Weg zum Essen war.

ScreenShotBundeswehrde

ScreenshotUDP

Die kleine Anfrage wurde im Rahmen der Parlamentsroutine durch die Bundeswehr beantwortet – die Antwort jedoch eingestuft. Das Hinterfragen durch die Bundestagsfraktion Die Linke, warum die Antwort eingestuft und damit nicht öffentlich zugänglich ist, wurde durch das Verteidigungsministerium abgewiegelt. Das Dokument ist derzeit eingestuft und nicht freigegeben. Die Befristung galt bis zum Ende der 17. Wahlperiode.

Daraus ergibt sich, dass sich nur ein äußerst begrenzter Personenkreis innerhalb des Parlaments mit den Inhalten befassen kann. Gleichzeitig sind aber alle Parlamentarier gefordert, über die Verlängerung und Ausweitung von Bundeswehreinsätzen zu entscheiden.

Für die Öffentlichkeit gilt weiterhin die unvollständige und in meinen Augen irreführende Darstellung die hier und hier verfügbar sind.

Persönliche Auswirkungen:

Seitdem mir bewusst wurde, dass die Verhaftungen und die später mir gegenüber geäußerten Tötungen nicht der Beurteilung und Diskussion durch das deutsche Parlament zugänglich sind, steht für mich das gesamte deutsche ISAF-Engagement und auch jedes weitere Engagement im Ausland in Frage.

In Frage deshalb, weil ich als Offizier immer davon ausgegangen bin, dass Deutschland seine Truppe erst nach ausreichender Erörterung und Beurteilung der Lage in den Einsatz schickt und auch durch kontinuierliche Beobachtung der Einsätze Sorge trägt, dass die Rechtmäßigkeit gewahrt ist.

Je mehr Eindrücke ich aber von der Parlamentsarbeit erhalte, je mehr betroffene Soldaten ich spreche und je mehr Kontakt ich zu einzelnen Parlamentariern und deren Mitarbeitern habe, desto mehr bröckelt mein Bild von einem Einsatz der Armee, der auf einem breiten, abgewogenen und gut durchdachten Konsens beruht und durch eine angemessene und permanente Reflexion begleitet wird.

Seit ich mit der öffentlichen Aufarbeitung der traumatisierenden Aspekte meiner drei Afghanistaneinsätze, des Kosovoeinsatzes und des Bundeswehrdienstes generell begonnen habe, führte ich zahlreiche Gespräche mit aktiven und ehemaligen Soldaten und deren Angehörigen.

Insbesondere die steigende Zahl von traumatisierten Soldaten macht es für mich erforderlich, diese öffentliche Auseinandersetzung zu suchen und zu hinterfragen, was mich und vermutlich viele der traumatisierten Soldaten belastet: wie rechtmäßig ist unser Handeln in Afghanistan, sowie derzeit und künftig in Mali, Somalia, dem Sudan und den zahlreichen anderen Ländern dieser Welt?

In meinem persönlichen Erleben der Situation vor Ort stecken jedoch nicht nur Fragen. Entlang meiner Aufarbeitung begegneten mir Angehörige und Freunde von Soldaten, die der Meinung waren, der traumatisierte Ex-Soldat übertreibe in seinen Darstellungen.

Auf meine Frage entgegnete man mir sinngemäß in einem Fall: „Wir haben das geprüft, was er erzählt. Er übertreibt. Die Berichte auf der Bundeswehrseite geben ein anderes Bild ab.“

In Kenntnis, wie wenig die Darstellung meiner Erlebnisse rund um den 27.09.2008 in Masar-e-Sahrif mit den Angaben im Presse-Bereich auf Bundeswehr.de und in der Unterrichtung des Parlaments in der UdP vom xx.xx.2008 übereinstimmt, versuche ich den Angehörigen zu vermitteln, dass sie den Angaben des Soldaten vertrauen sollen.

Die Diskrepanz zwischen den öffentlich zugänglichen Meldungen rund um den 27.09.2008 und den Schilderungen meiner Erlebnisse vor Ort ist dabei aber so groß, dass ich nicht in der Lage bin Erklärungen zu geben.

Einsatz-Soldaten zeigen Verständnis, können nachvollziehen, worüber ich spreche. Angehörige, Freunde, Bekannte und auch Soldaten ohne Einsatzerfahrung hingegen wollen blind an die öffentlich zugänglichen Meldungen glauben.

Für traumatisierte Ex-Soldaten ist das eine Belastung. Sie rufen in Veteranenverbänden und Initiativen nach mehr Anerkennung für den Soldatenberuf. Vielleicht, weil das auferlegte Schweigen nicht gebrochen werden soll, weil sich der Bruch anfühlt, wie ein Verrat und weil der Verrat in der Gesellschaft nicht gern gesehen ist.
Wer dennoch redet, wird mit Kritik und Auseinandersetzungen überhäuft, die von aktiven und ehemaligen Soldaten, wie auch von Reservisten ausgeht, die sich das Erlebte nicht vorstellen können, wollen oder diese Sichtweise schlichtweg nicht dulden.

Für mich ist es unmöglich, mich aus dem Trauma zu lösen oder heraus zu bewegen, denn ich bin mit den Auswirkungen alltäglich konfrontiert. Mein Misstrauen gegenüber den öffentlich zugänglichen Meldungen , Verlautbarungen und Darstellungen ist für mein Umfeld nicht nachvollziehbar.

Alte, neue und bestehende Lügen

Niemand versteht, dass ich eine Willensbekundung für eine familienfreundlichere Bundeswehr, in der Soldaten vier Monate in die Einsätze gehen und danach zwanzig Monate im Inland Dienst leisten, nicht ernst nehmen kann.

Meine Erfahrungen belegen etwas anderes. Diese grundsätzliche Regel wurde mir gegenüber nie angewendet – ich kann nicht einmal sagen, dass sie mir bekannt war. Für mich und die zukünftigen Äußerungen von Frau von der Leyen bedeutet das, dass ich ihr keinen Glauben schenken kann, wenn es an einem konkreten Zahlenmaterial mangelt, das bis zum einzelnen Soldaten nachweist, dass ein besonnener Einsatz der Kräfte Vorrang hat gegenüber schlichter Bündniserfüllung.

Kein Redaktionsleiter will verstehen oder zulassen, dass ich Recherchen nicht auf der Ebene „privilegierte Quelle Bundesministerium“ belassen kann oder aber Zweifel aus der Praxiserfahrung nähre, die kein Soldat bestätigen will, die aber dennoch näher an der Realität sind, als das, was die offiziellen Meldungen an Presse und Parlament in Form von Pressemitteilungen und Unterrichtung des Parlaments darstellen.

In der Antwort auf die kleine Anfrage der Linkspartei vom 12.06.2013 steckt für mich, wie auch für viele andere traumatisierte Soldaten eine Erklärung. Die Antwort macht deutlich, welchen Zwiespalt wir aushalten müssen und warum es Presse und Medienvertretern möglich ist, mit dem Argument von journalistischer Sorgfaltspflicht und dem Fehlen einer zweiten und „unabhängigen“ Quelle zu argumentieren.

Soldaten erlebten Verhaftungen und weitaus schlimmere Vorfälle, die dem Parlament und der Öffentlichkeit nicht geschildert wurden.

Ich blickte in das Gesicht eines durch die Bundeswehr verhafteten Afghanen. Kurze Zeit später schilderte mir der landeskundliche Berater, die Person sei an die Polizei übergeben worden und der Gouverneur habe in der Folge sichergestellt, dass die Angreifer soetwas nie wieder tun würden. Das eindeutige Handzeichen und die Aussage, der Angreifer „wurde einen Kopf kürzer gemacht“ lassen für mich Zweifel aufkommen, dass ein fairer und angemessener Prozess stattgefunden hat.

Die Zweifel reichen weiter und zerfressen mein Leben. Wie viele dieser Situationen haben sich ereignet? Wie viele dieser Situationen wurden verschwiegen? Habe ich solchen Handlungen zugearbeitet?

Gibt es überhaupt eine Grundlage für den Einsatz, wenn wir ein Unrecht, das am 11. September 2001 in Amerika begangen wurde heran ziehen und unter diesem Deckmantel weiteres und noch größeres Unrecht begehen?
Ich gehe davon aus, dass ich mit diesen Fragen und diesem Zwiespalt nicht allein dastehe. Alarmierende Zahlen über Selbstmorde unter Einsatzsoldaten in Amerika und Groß Britannien sind bereits erfasst – mit welchen seelischen Problemen hatten sie zu kämpfen?

Das Gesicht des verhafteten Afghanen begleitet mich seit nunmehr viereinhalb Jahren. Die Gesichter von hoffnungsvollen Kindern, skeptischen Jugendlichen und desillusionieren Erwachsenen und hasserfüllten Angreifern lastet die deutsche Politik ihren Soldaten auf, während der Bevölkerung nur von Brunnen, Schulen für die Afghanen und den Opfern der Gefallenen deutschen Soldaten berichtet wird.

Herr Königshaus, Frau von der Leyen und Herr Gysi: beenden Sie diese Lügen und schaffen Sie mit der Veröffentlichung der Antwort auf die kleine Anfrage vom 12.06.2013 einen Präzedenzfall auf den traumatisierte Soldaten verweisen und sagen können:

„Das sind Erlebnisse, die mir in ähnlicher Weise passiert sind. Ich erwarte nicht, dass die Bevölkerung diese Erlebnisse nachvollziehen kann. Ich erwarte nicht, dass Ihr die Gedanken und Gefühle versteht, die sie in mir auslösen.
Doch ich erwarte zu recht, dass ein Volk, in dessen Namen ich diese Dinge erleben musste und für den Rest meines Lebens aushalten muss es respektiert, dass ich keine künftigen Einsätze unterstützen kann, wenn nicht für mehr Nachhaltigkeit Sorge getragen wird oder unter für mich nicht nachvollziehbaren Bedingungen zum Zwecke der Erfüllung der Bündnisverpflichtung über fragwürdige Drohnenangriffe, Gefängnisse und Folter hinweggesehen wird.

Und ich erwarte, dass mir jeder Parlamentarier Rede und Antwort stehen kann, warum er oder sie mit einem Ja für Einsätze in aller Welt votiert hat.“

Ich persönlich erwarte, dass meine Stimme und die der kritischen Veteranen einen Raum und Gehör in den Mainstream-Medien erhält.

Als Teil der Darstellung in den Medien und als berechtigte Äußerung, anstatt mit dem Argument: „Du bist befangen – über Afghanistan und den Einsatz solltest du keine Artikel verfassen“ abgetan oder in Medien des linken Spektrums gedrängt wird.

Ich wurde mittlerweile oft eingebremst, wenn ich berichten wollte – egal ob in etablierten Medien, in der Zusammenarbeit mit freien Redakteuren oder auch in meiner Arbeit als Blogger und Journalist. Teilweise werde ich eingebremst, bevor ich berichten kann oder es überhaupt in Erwägung ziehe.

Dieser Einsatz wird mich mein Leben lang beschäftigen – wird immer Raum in Anspruch nehmen und Fragen aufwerfen. Bitte sorgen Sie dafür, dass diese Fragen Gehör finden und einen berechtigten, gleichwertigen Platz in den Medien finden anstatt mit dem Verweis auf „Befangenheit“ weg argumentiert zu werden.

Im Rahmen der Kleinen Anfrage hatte ich mir Antworten und Erkärungen erhofft. Nicht ein Vertreter des Verteidigungsministeriums hielt es für notwendig, das unvollständige und irreführende Meldewesen der Bundeswehr mir gegenüber zu rechtfertigen oder zu begründen. Ich gebe diese Frage nun aus der Hand und in die Verantwortung von Medien, sowie die eines jeden Bloggers und Journalisten, der sich des Themas annehmen will.

Mit der Bitte um Prüfung und Freigabe der Antwort

Gegen die Stille, gegen das Schweigen

Bevor ich mich jetzt gleich erneut ins Bundeswehrkrankenhaus begebe veröffentliche ich den Entwurf der kleinen Anfrage. Die Fragen, die in diesem Dokument gestellt werden sind die, die mich seit Wochen- und Monaten belasten. In den nächsten Tagen müsste die Anfrage dann auch im vollen Wortlaut auf den Seiten der Linken erscheinen.

Update 05.06.2013
Nachdem ich am 04.06. die Aufnahme im Krankenhaus abgebrochen hatte, war heute morgen der Platz nicht mehr verfügbar. Ein neuer Termin ist für den 10.Juli vereinbart. Mein Problem bei der stationären Behandlung: es erinnert mich an die Unterbringungssituation in den Einsätzen. Insbesondere an den Wochenenden ohne Therapieprogramm oder Anwendungen wird mir das zusetzen. Soldaten dürfen auf eigene Gefahr das Krankenhausumfeld verlassen – zivile Patienten nicht. Ab dem 10. Juli muss ich irgendwie damit zu recht kommen.

Warum erst 2013

Ich habe mir lange Zeit immer wieder gesagt, es gäbe eine militärische Notwendigkeit, manche Dinge zu verschweigen. Lange habe ich darüber geschwiegen, weil es letztlich auf den Aussagen zweier Soldaten beruht, die ich nicht schriftlich habe. Erst mit der Veröffentlichung der WAZ konnte ich einen Einblick in die Abläufe im Bundestag bekommen. Je mehr Abgeordnete schildern, dass es innerhalb des Bundestages an einer kontinuierlich geführten sicherheitspolitischen Debatte fehlt, desto belastender wird und wurde dieser Tag für mich.

Die Fragen, die offen sind sind die Fragen, an denen ich sonst kaputt gehe. Antworten habe ich bisher keine erhalten. Ob diese überhaupt noch zu beantworten sind – ob den Abläufen im Einsatzführungskommando, der Kommunikation der Bundesregierung überhaupt noch zu trauen ist, ist fraglich.

Die Anfrage im Volltext auf den Seiten der Linken Bundestagsfraktion.

Die kleine Anfrage im Entwurf:

Deutscher Bundestag Drucksache 17/
17. Wahlperiode

Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christine Buchholz, xxx und der Fraktion DIE LINKE.

Diskrepanz zwischen Unterrichtung des Parlaments und Vorfällen in Afghanistan

Wöchentlich werden die Abgeordneten des deutschen Bundestags über die Lage in den Einsatzgebieten der Bundeswehr durch das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) unterrichtet. Diese „Unterrichtungen des Parlamentes“ (UdP) werden in Abstimmung mit dem Auswärtigen Amt erstellt und den Abgeordneten der zuständigen Fachausschüsse zugeleitet. Sie bilden eine wichtige Grundlage in den parlamentarischen Debatten um die Verlängerung von Mandaten, in deren Rahmen die Auslandseinsätze der Bundeswehr stattfinden. Viele Abgeordnete verlassen sich auf eine ehrliche und genaue Darstellung in den UdP, um die Entwicklung der militärischen Konfrontationen in den Einsatzländern und das Ausmaß der Gefahren abschätzen zu können, denen die entsandten Soldatinnen und Soldaten infolge von Parlamentsbeschlüssen ausgesetzt sind.

In der UdP 40/08 (Redaktionsschluss 1.10.2008) berichtete das BMVg über einen Angriff auf das Camp Marmal. Dabei handelt es sich um das größte Feldlager der Bundeswehr in Afghanistan mit einigen Tausend Soldaten aus verschiedenen Ländern. Es liegt in Nähe der afghanischen Stadt Masar-e-Sharif, hat eine Größe von 2 km2 und beherbergte zum Zeit des Angriffs den Stab der deutschen Streitkräfte in Afghanistan, das Regionalkommando Nord (Regional Command North – RC N) der International Security Assistance Force (ISAF). Im Lager befanden sich darüberhinaus die Kräfte der Quick Reaction Force (QRF) und das norwegische Camp Nidaros.

In der UdP 40/08 war zum genannten Angriff folgendes zu lesen:

Anmerkung :
Verfahrenstechnische Gründe innerhalb der Bundestagsverwaltung sorgen dafür, dass der Text an dieser Stelle nicht öffentlich sein darf. Deswegen nimmt die offizielle Veröffentlichung der Anfrage noch einige Zeit in Anspruch. Eine Formalie, wegen der man mir vermutlich auch an die Karre fahren wird, weil die UdP ja offiziell VS-NfD eingestuft ist und somit nicht offen zitiert werden darf.
Offen verfügbar ist hingegen dieser Wortgleiche Screenshot aus den WAZ-Veröffentlichungen:

Screenshot WAZ-Leak

Diese Darstellung weicht erheblich von jener eines damals im Camp Marmal befindlichen Offiziers ab. In seinem öffentlich zugänglichen Blog https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/ beschreibt der damalige Oberleutnant Daniel Lücking, dass er bereits zur Mittagszeit des 27. September 2008 auf dem Weg zur Lagerkantine zwei heftige Detonationen vernehmen konnte. Etwa eine Viertelstunde später wurde Alarm ausgelöst, der erst am nächsten Tag gegen 8 Uhr aufgehoben wurde. Einheiten der Schutzkompanie seien durch das Lager gefahren und hätten über Lautsprecher die Soldaten aufgefordert, in den Containern zu bleiben. In der Folge kam es zu einem Stunden währenden Feuergefechts in Hörweite zum Lager, das erst am Abend endete. Nach Angaben Lückings konnte man auch Flugzeuge hören. Er vermutet, dass es sich dabei um Luftunterstützung durch NATO-Verbündete handelte.

Lücking beschreibt ferner, dass er von einem Kameraden aus der Stabsabteilung in der Folge erfuhr, dass insgesamt acht Raketen im Lager eingeschlagen seien. Nicht alle seien detoniert, aber „sehr präzise abgefeuert worden“. Es habe sich nicht um altes Material gehandelt, sondern um moderne Raketen. Als mögliche Ziele kamen das Betriebsstofflager oder der norwegische Teil des Lagers in Frage – einen Tag vor Besuch der norwegischen Verteidigungsministerin.
Desweiteren berichtet Lücking, dass er selbst Zeuge der Verhaftung eines Afghanen am Lagereingang wurde. Der genannte Kamerad aus der Stabsabteilung berichtete ihm von der Verhaftung von insgesamt drei Afghanen, die an die mit der NATO verbündeten afghanischen Kräfte übergeben worden seien.
Lücking beschreibt in seinem Blog, wie er seinen Abteilungsleiter am Tag nach den Angriffen um Aufklärung über die Diskrepanz zwischen der offiziellen Darstellung und den realen Vorgängen im Camp bat, dieser nach der Stabsbesprechung jedoch nachdrücklich auf die offizielle Darstellung verwies. Ihm sei der Eindruck vermittelt worden, dass Nachfragen nicht erwünscht waren.
Wenige Tage nach dem Vorfall bestätigte (informierte Person XXX) gegenüber Lücking in einem persönlichen Gespräch, dass es Festnahmen gegeben habe. Lücking zitiert ihn mit den Worten: „Keine Sorge, dass machen die Drei nie wieder. Die Aktion war nicht mit dem Gouverneur der Provinz Balkh angestimmt. Die sind jetzt einen Kopf kürzer.“

Wir fragen die Bundesregierung:

1. Welche Eintragungen weisen die in Masar-e-Sharif durch die ISAF-Kräfte geführten Logbücher der Operationszentrale (OPZ) zu diesem Vorfall auf?

1a. Wie viele Raketen schlugen gemäß dieser Logbücher am 27.9.2008 im Camp Marmal ein?

1b. Wie viele dieser Raketen sind gemäß dieser Logbücher detoniert?

1c. Welcher Raketentyp wurde gefunden bzw. wird vermutet?

1d. Welche Eintragungen weisen die ISAF-Logbücher zur durchgeführten Luftunterstützung auf? Handelte es sich um
Aufklärungsflugzeuge?
1e. Was ist über die Herkunft der Angreifer bekannt? Handelte es sich nach Einschätzungen der
Bundeswehrführung um einen Green-on-Blue-Vorfall?

1f. Wie viele Personen wurden im Zusammenhang mit dem Angriff durch die Bundeswehr festgenommen?

1g. Wann erfolgte die Übergabe laut ISAF-Logbücher der Festgenommenen an die afghanischen Kräfte?

1h. Welche Einheiten haben laut ISAF-Logbücher die Festnahme durchgeführt?

1i. Wie lange dauerte das Feuergefecht am 27.09.2008 ?

1j. Wie viele der Opposing Militant Forces wurden laut ISAF-Logbücher bei dem Feuergefecht verletzt oder
getötet?

1k. Wann wurde der Alarm im Lager aufgehoben?

2. Was über das weitere Schicksal der am 27.09.2008 festgenommenen Afghanen bekannt?

3. Welche Vorschriften galten am 27.09.2008 für die Festnahme und Überstellung von Afghanen für die Bundeswehrkräfte?
4. Gibt es weitere relevante Vorkommnisse oder spätere Erkenntnisse im Zusammenhang mit dem geschilderten Angriff des 27.09.2008, die das BMVg in der UdP 40/08 nicht aufgeführt hat?

5. Wie viele Raketenangriffe hat es seit dem genannten Vorfall auf das Camp Marmal gegeben? (Bitte Zeitpunkt und Zahl der jeweiligen Raketentreffer im Camp aufführen)

Berlin, den

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

„Hast du dir das genehmigen lassen?“

Ein bisschen musste ich schmunzeln, als mir gestern die Frage zu dem PTBS-Blog gestellt wurde: „Hast du dir das von der Bundeswehr genehmigen lassen?“ Es zeigt mir aber, dass ich noch etwas grundsätzliches zu meinen Blog-Arbeiten der vergangenen drei Jahre sagen muss.

Missverständnis: „Payroll – ja. Abhängig – nein!“

Meine Entscheidung in den Journalismus zu gehen fiel mit dem Karfreitagsgefecht 2010 zusammen. Ich habe es schlichtweg nicht mehr ertrage können, dass die Bevölkerung ein Bild von den Bundeswehreinsätzen präsentiert bekommt, das gravierend von meinem Erleben vor Ort abweicht und – wohlwollend benannt – unvollständig ist.

Seit 2010 festigte sich bei mir immer mehr der Eindruck, dass es nicht nur unvollständig ist, sondern gezielt manipuliert ist. Journalisten tragen zu diesem Bild erheblich bei. Überwiegend ungewollt wirken sie im Sinne der Bundeswehrführung mit, dass ein Bild zustande kommt, dass an der Realität vorbei geht.

Stück für Stück habe ich seit 2010 versucht, meine Linie zu finden und in meinem Blogprojekt „Medienkonsument“ immer wieder Bundeswehrthemen aufgegriffen. Ein gewisses Misstrauen schlug mir immer entgegen.

Schon meine Tätigkeit als Teil der Truppe für Operative Information legte nahe, dass meine Informationen nicht objektiv seien. Diejenigen die die OpInfo – international auch PsyOp genannt – mit düsteren Propaganda-Zeiten verbunden haben waren und sind mir gegenüber kritisch bis misstrauisch. Verständlich. Mittlerweile sage ich, dass meine journalistische Arbeit in den Bundeswehreinsätzen durchaus journalistisch und kritisch war – aber eben nur PR im Sinne der Einsatzführung produzieren durfte.

Dennoch: seit ich Online-Journalismus in Dieburg studiere nehme ich kein Blatt mehr vor den Mund, greife an, grätsche dazwischen und wo immer ich es für notwendig halte verpasse ich dem Ministerium die Tritte, die notwendig sind. Das hat Folgen.

Auswirkungen, wenn man das Holodeck programmieren will

Meine Kritik an den Einsätzen und der medialen Darstellung verhallt leider all zu oft ungehört. Nicht zuletzt, weil es überwiegend schwer verständlich ist, warum ich die Bundeswehr kritisiere – aber mich dennoch für Soldaten einsetze.

Den Soldaten muss ich selten erklären, dass „Arbeitsebene Truppe“ etwas völlig anderes ist, als die Ebene „Verteidigungsministerium“.

Für die Star Trek Fans wird es verständlich, wenn ich den Arbeitsalltag als real – das Ministerium aber als „Holodeck“ bezeichne: einen abgeschlossenen Raum mit konstruierter Realität.

Das Holodeck agiert und lässt sich von außen kaum beeinflussen. Soll sich innerhalb des Holodecks etwas ändern muss aufwändigste Programmierarbeit geleistet werden – Fehlfunktionen sind an der Tagesordnung und es dauert lange, bis etwas anfängt zu funktionieren. Die Programmierarbeit nennt das Holodeck meistens „Bundeswehrreform“ und lässt in vielen Aspekten nur wenig Realität zu.

Spürbar wurde es für mich, als ich im Oktober 2012 anfing, mein Bachelor-Projekt zu planen. Ich orientierte mich dabei an Projekten vergangener Jahrgänge und setzte auf mein noch nicht ausgeschöpftes Budget, das ich für mein Projekt verwenden wollte.

Dabei stieß ich auf Vorschriften, die es unmöglich machten, dieses Projekt zu verwirklichen. Ich bin nicht der erste Soldat, der das feststellt – aber mit meiner Entscheidung, diesen Kampf öffentlich via Facebook zu führen mutet ich dem Holodeck offenbar zu viel zu.

Die Bundeswehr-Werbung, die in Kampagnen, wie „Wir dienen Deutschland“ praktiziert wird verschweigt, das die Berufsförderung an keine festen Grenzen gebunden ist. Auch, wenn in der Vergangenheit maximale Fördersummen kommuniziert wurden: der einzelne Soldat erhält nur so wenig von diesem Geld, wie es die Haushaltslage zulässt.

Als ich diese Aspekte über die provokante Facebook-Seite „Wir dienten Deutschland“ kundtat musste es auf wenig Gegenliebe stoßen. Die Auswirkungen wurden schon bald konkret.

Seit Dezember 2012 plante ich eine Wehrübung bei der Luftlandebrigade in Saarlouis durchzuführen. Seitens der Personalabteilung wurde alles in die Wege geleitet – meine Einberufung für eine 5-tägige Wehrübung war bereits zugestellt. Ziel war, den Dienstposten eines Presseoffiziers kennen zu lernen und regelmäßig den Dienstpostenhinhaber zu vertreten, wenn dieser lehrgangs- oder urlaubsbedingt abwesend ist.

Auf Anordnung, die offenbar aus Kreisen des Ministeriums kam musste diese Wehrübung nur eine Woche vor Beginn wieder aufgehoben werden. Die Personalabteilung entschuldigte sich – konnte auch die Beweggründe nicht nachvollziehen. Fakt: das Holodeck traut mir nicht mehr über den Weg.

Staatsfeind?

Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich mich in Richtung „Links“ orientiere und das ich bundeswehrkritisch bin. Nicht nur, wenn es um die Darstellung der Auslandseinsätze in den Medien geht.

Ich kritisiere offen, wenn des Bundesministerium nach eigenen Auswahlkriterien agiert und Journalisten willkürlich von einer Berichterstattung über die Auslandseinsätze fernhält. Viele Journalisten-Kollegen wissen: das Ministerium informiert nur diejenigen, die sich durch eine wenig kritische bis bundeswehrfreundliche Berichterstattung auszeichnen.

Das Vorgehen mag ich für zivile Unternehmen noch hinnehmen. Ich denke mir für gewöhnlich „Arschloch“, gehe darüber hinweg und berichte nicht weiter über solche Unternehmen.

Gleiches gilt für Ministerien, wie das Aigner-Verbraucherministerium, dass sich mit der Öffentlichkeitsarbeit der Gallionsfigur nur all zu gerne in der Lächerlichkeit von 10-Punkte-Plänen präsentiert.

Spätestens aber beim Verteidigungsministerium hört der Spaß auf.

History Repeating

Zu Zeiten des dritten Reiches wurde die Presse aktiv manipuliert und durch das Propaganda-Ministerium zensiert. Ich erkenne immer weniger Unterschiede zum heutigen Verteidigungsministerium, das nach eigenem Belieben Journalisten unterstützt oder aussperrt.

Journalistenkollegen berichten von einer „No-Flight-List“. Wer auf dieser „Liste“ steht wird von der Bundeswehr nicht mit in Einsatzländer genommen. Ohne ein etabliertes Medium im Rücken verwehrt die Bundeswehr Journalisten Mitflüge und den Zugang ins Lager. Wer als freier Journalist unabhängig über das Ministerium berichten will, dass mit Waffengewalt in Einsatzländern agiert muss also viel Geld mitbringen und riskiert immer wieder mangelnde Objektivität vorgeworfen zu bekommen, wenn das Ministerium nicht gehört wird.

Bedrückend ist, dass ich viele junge Journalisten-Kollegen erlebe, die sagen: „Naja, ist doch klar. Das Ministerium will keine schlechte Presse.“ und damit das Thema abhaken. Auch hier wird deutlich, dass nur finanzielle Unabhängigkeit gewährleistet, kritischen Journalismus zu betreiben.

Meine Linie

Ich werde damit leben müssen, dass ich in meinen Artikeln angreifbar bleibe. Informationen, die mir zunächst fehlen können nach der Veröffentlichung gezielt durch die Bundeswehr gestreut werden und lassen mich in meiner Arbeit dann „inkompetent“ wirken.

Andere Journalisten dürfen mit der Bundeswehr reisen – als freier Journalist ist das für mich nicht möglich und ich bin auf Sekundärquellen angewiesen. Gleichzeitig kann es sich kaum eine Redaktion leisten, das Bundeswehrthema kritisch zu begleiten und dem Ministerium die Stirn zu bieten.

Das erlebt gerade die WAZ-Gruppe. Das Verteidigungsministerium klagt wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung – hält sich aber gleichzeitig nicht immer Auskunftspflichten nach dem Informationsfreiheitsgesetz oder nach den Pressegesetzen.

Mit meiner Entscheidung, dieses Ministerium anzugehen schade ich mir vermutlich selbst. Meinen Therapieplatz für die PTBS-Behandlung und die Aufnahme in die Schutzfrist sehe ich gefährdet. Die Schutzfrist ist die Weiterbeschäftigung durch die Bundeswehr solange die Therapie einer einsatzbedingten Erkrankung dauert. So sehr ich es hasse – ich brauche die Fachkompetenz des Bundeswehr und die Zeit, die Einsatz- und Kriegserlebnisse aufzuarbeiten.

Zwei Herzen schlagen in meiner Brust: das, des Soldaten und das des Journalisten.

Missstände und Regeln

Dinge an die Öffentlichkeit bringen kann sehr schnell auch taktisch relevant werden. In meinem letzten ISAF-Einsatz im September 2008 tat sich dieser Zwiespalt wieder sehr deutlich auf.

Sanitätsausbildung

Im Rahmen einer Weiterbildung lernen wir, wie man Infusionen setzt, frischen unsere Fähigkeiten in der Herz-Lungen-Wiederbelebung auf. Diese Kenntnisse trainieren Soldaten regelmäßiger, als andere. Auch nach meiner Bundeswehr-Zeit frische ich dieses Wissen regelmäßig beim Deutschen Roten Kreuz auf.

Wir verbringen einen Tag bei den Sanitätern. Als Abschluss der Übung zeigt uns der Sanitäter den in Masar-e-Sharif stationierten Rettungshubschrauber. „Der Hubschrauber ist quasi wie ein Rettungswagen in Deutschland ausgestattet. Wir können x-Patienten versorgen. “ (genaue Anzahl lasse ich aussen vor).

Wir sind mit der Präsentation fast durch, als er – fast beiläufig erwähnt: „Und einmal in der Woche darf für 90 Minuten nichts passieren.“ Ich werde stutzig, muss aber auch nicht lange nachfragen. „Wir haben derzeit nur diesen einen Satz an Ausrüstung und wenn der Hubschrauber in die Wartung geht, dann müssen wir in den anderen Hubschrauber umrüsten. Das soll 90 Minuten dauern – wir sind aber gut und schaffen es in etwas mehr als 45 Minuten.“

„Und was passiert, wenn genau dann etwas passiert?“, frage ich ungläubig.

„Naja,“ meint der Sanitäter.“ Wir sind ja nicht allein hier. Dann übernehmen die Amerikaner eben den Verwundetentransport. Die müssen uns ja so wie so unterstützen, wenn es um MedEvac (Medical Evacuation)  in Gefechtssituationen geht.“

Irgendwie lässt mich diese Information doch recht hilflos zurück. Was, wenn die Amerikaner vor der Wahl stehen deutsche Soldaten und amerikanische Soldaten versorgen zu müssen. Das eine grundlegende Fähigkeit, wie die Evakuierung der eigenen verletzten Soldaten nicht in deutscher Hand ist missfällt mir. Die nun folgenden Worte können daran auch nichts ändern.

„In Kürze wird es etwas besser werden“, fährt der Sanitäter fort. „Dann bekommen wir einen zweiten Hubschrauber, der für MedEvac bereit steht.“ Klasse, denke ich und frage nach, ob auch genügend Sanitätspersonal für die doppelte Anzahl an Rettungshubschrauberbesatzungen verfügbar ist.

„Nein, nein, nicht die doppelte Anzahl. Wir teilen den Satz und können dann jeweils die Hälfte an Patienten in je einem Hubschrauber transportieren,“ schildert der Sanitäter.

Mit den Großen pinkeln gehen, aber die Hose nicht auf bekommen!

Das sich dieses Unzulänglichkeiten durch alle Einsätze ziehen müssen Soldaten offenbar aushalten. In jedem der vorangegangenen drei Einsätze begegneten mir solche Dinge, die mit einem simplen „Ist halt so“ – Kurzform „Isso“ – hinzunehmen waren.

Das Perverse an diesen Missständen ist aber, dass sie scheinbar niemand zu verantworten hat.  In dieser Hierarchie schaffen es offenbar viele, die auflaufenden Mängel zu verstecken, zu kaschieren oder aber nicht dafür verantwortlich gemacht zu werden.

Gleichzeitig bauen – vermutlich dieselben – Instanzen aber ein Drohsystem aus Vorschriften auf, die disziplinar scharf geahndet werden. Je länger Soldaten in Auslandseinsätzen unterwegs sind, desto immuner werden sie gegen Vorschriftenbalast, der aus Deutschland mitgeschleppt wird. Aber es wird auch bizarr, wenn diese Ansichten aufeinander treffen.

Abnutzungserscheinungen

Der tägliche Dienst im Einsatz erreicht ohne große Mühe das Volumen einer 80 Stunden Woche. Der Rahmendienst beginnt um 8 Uhr morgens und endet um 20 Uhr. Sport und Essen inklusive – es geht aber auch mal länger. Ich habe teilweise auch die späten Abendstunden oder eben die Zeit morgens genutzt, um in Ruhe und abseits des Tagestroubels zu arbeiten. Etwas, dass ich bis heute nicht ablegen kann.

Freitags, teilweise auch Sonntags stand Low-Ops auf dem Plan – also ein „halber Tag“ frei. Unser Dienst begann defacto 4 Stunden später. Im Medienbetrieb war so wie so das Radioprogramm das Maß.

Wenn gegen Ende des Kontingent-Zeitraums dann neues und altes Kontingent aufeinander treffen reibt sich einiges. Wer vier bis fünf Monate ohne echte Freizeit, ohne echtes Wochenende im Job verbracht hat – dazu noch teilweise lebensbedrohliche Situationen auszuhalten hatte, ist mit gewissen Abnutzungserscheinungen versehen.

Es ist im Februar 2008 als neue Soldaten den Stab bevölkern. Ich bin morgens unterwegs vom Wohncontainer ins Büro. Gegen die Minustemperaturen nutze ich mittlerweile eine olivfarbene Fliesjacke. Der dienstlich gelieferte stepdeckenartige Kälteschutz ist nicht winddicht – die Nutzung nur mit dem Parka vorgesehen und eine echte Bewegungsfreiheit hat man mit dieser dienstlich gelieferten Fehlbeschaffung so wie so nicht.

„Oberleutnant, nehmen Sie die Hände aus der Jacke! Wie laufen Sie überhaupt rum? Hören Sie zu, wenn ich mit ihnen Rede!“

Wir haben Minusgrade, der Wind pfeift. Ein paar Erkältungssymptome haben mich seit einigen Tagen im Griff – ich ignoriere sie, soweit möglich. Meine Hände sind in den letzten Tagen durch den Frost ein wenig aufgeplatzt und ich habe sie in den Taschen vergraben. Für den Oberstleutnant nicht auszuhalten.

Da ich seine erste Ansprache bereits überhört hatte, steht er entsprechend geladen vor mir. Seine strahlende Uniform sagt mir sofort: „TAPSI“ – Total Ahnungslose Person Sucht Information. Ein Neuankömmling, dessen Uniform noch nicht durch die afghanischen Waschsalons um gut 30 Prozent ihrer Farbwerte beraubt ist.

„Bla bla Bla … Offizier … Bla Bla Vorbild …Bla Anzugsordnung “ lasse ich mir seine Belehrungen an den Kopf schmettern. Derweil mache ich mir über zwei bis drei Dinge meine Gedanken. Im Vordergrund wünsche ich ihm an den Hals, bald mit wesentlichen Dingen des Afghanistaneinsatzes konfrontiert zu werden.

Seinen hochroten Kopf könnte ich mir fast mit der Kälte erklären und der Tatsache, dass er diesen – für ihn unhaltbaren – Missstand eines Obereutnants mit einer nicht-dienstlich-gelieferten Jacke und Händen in den Taschen abstellen muss.

Als ich mir diesen Menschen da so anschaue fällt mir auf, dass auch seine Anzugsordnung zu wünschen übrig lässt. Offenbar ist er so gut gegen die Kälte abgehärtet, dass er sich selbst „Sommer“ befohlen hat und trotz Minusgraden ohne Kälteschutz, ohne Parka, dafür aber mit hochgekrempelten Armen unterwegs ist.  Ein echter Burner, könnte man sagen.

Mir fallen Teile meiner Sanitätsausbildung ein und das Alkohol ja das Kälteempfinden negativ beeinflusst. Die Folgefrage stelle ich besser nur mir – aber wie genau er es mit der zwei Dosen Bier Regelung am Vorabend genommen hat interessiert mich auch nicht. Ich schließe meine Taschen mit den Reißverschlüssen, denke mir meinen Teil und trolle mich um die nächste Ecke, wo dann meine Hände wieder in die Taschen wandern. Keine Zeit für so einen Scheiß.

Regelkonformes Verhalten

Mittlerweile habe ich mehrfach gehört, dass einige Veteranen der Meinung seien, sich nicht an Regeln halten zu müssen oder das Regeln im Alltag nicht für sie gelten würden. Die Probleme, die das mit sich bringt sind sehr schnell gefährlich. Egal, ob im Straßenverkehr oder anderen Angelegenheiten: unangepasstes Verhalten.

Zu erkennen, dass die Grundlage dafür in den Einsätzen gelegt wurde entlastet mich und erklärt mir einige meiner Verhaltensweisen und den teilweise entspannten Umgang mit Regeln, Konventionen und vermeintlichen Ordnungen, die ich reflexartig hinterfrage.

Zu Kontingentbeginn gab es für den neuen Kommandeur oft erst einmal kein größeres Problem, als ein ordentlich aufgesetztes Barett und der korrekte Sitz der Uniformhose. Das wurde dann auch gern als erste Aufgabe an die Feldjäger weiter gegeben, die mit der Überwachung der Höchstgeschwindigkeit im Lager offenbar noch nicht genug ausgelastet waren (auch, wenn das teilweise noch sinnvoll ist).

Noch heute sorgt jede Art von Reglementierung – und das ist wohl eines der prägenden Überbleibsel aus den Einsätzen – bei mir dafür, dass ich hinterfrage, den Sinn suche und teilweise sehr deutlich ablehne, wenn sich kein Sinn finden lässt.
Während der Rest der Gesellschaft – insbesondere, wenn er beim Verteidigungsministerium oder dem Berufsförderungsdienst aktiv ist – Regeln befolgt, ecke ich an, suche nach Wegen, Auswegen oder aber einer weiten Auslegung dieser Regeln.

Doch dieser Weg ist nur der Obrigkeit erlaubt – nicht denen, die zu folgen haben.

 

 

Über die Freiwilligkeit des Dienstes und der Einsätze

Es ist 1997 als der Musterungsbescheid eintrifft. Auf dem Kreiswehrersatzamt wird meine gesundheitliche Tauglichkeit geprüft und auf Stufe 2 gesetzt.
Der nächste Weg führt unmittelbar zum Wehrdienstberater – fester Bestandteil des Prozedere, wie mir scheint.
„Sie machen Abitur, sie müssen Offizier werden!“ Ich lehne dankend ab und sage, dass ich mir erst einmal die Bundeswehr anschauen will und mich allenfalls aus dem Wehrdienst heraus entscheiden kann. Trotz Soldaten in der Familie: viel weiß ich über die Bundeswehr bis dahin nicht. „Es wäre schön, wenn ich heimatnah einen Dienst absolvieren dürfte.“
Woher will der Typ eigentlich wissen, dass ich mit meinen 18 Jahren zur Menschenführung tauge? Mein Abitur ist nicht besonders – ich arbeitete schon zwei Jahre nebenbei und finanziere mir den Führerschein und den üblichen Schnickschnack in diesem Alter.

„Transportsoldat 1998 /1999“

Der Einberufungsbescheid kommt. Zuerst soll ich nach Augustdorf – kurze Zeit später ein Änderungsbescheid – 1. September 1998 ist Dienstanstritt in der Lipperland-Kaserne in Lipperbruch bei Lippstadt. Mittlerweile kannte ich über den Freund meiner Schwester in etwa Continue reading