Selbstschutz

Bisher bin ich mit den Gedanken und Hintergründen in diesem Blog schonungslos offen umgegangen. Die letzten Wochen jedoch haben gezeigt, dass durch den Druck des Gesprächs vom 15.11.2016 sich einige Symptomatiken wieder verstärkt haben. Für die Phase der Schreibtherapie habe ich mich dazu entschlossen, dieses Blog passwortgeschützt zu betreiben und bitte interessierte Leser darum, sich unter der rechts oben gelisteten eMail oder jeweils am Blogartikel kurz namentlich anzumelden.

Vielen Dank und eine frohe Weihnachtszeit!

… und es geht eben auch anders

Nach der letzten negativen Erfahrung (siehe „Staatsbürger“- & „Einbestellt“-Text wurden die Tage und Wochen wieder ziemlich unerträglich. Ich schaffte es zwar überwiegend, die Außentermine aufrecht zu erhalten und fiel auch nicht aus dem gerade erst gestarteten Schlagzeugunterricht. Rettend war auch ein ohnehin geplantes Wochenende in Frankreich, was für Abstand sorgte.

Doch es ändert nichts an der zersetzenden Wirkung, die dieser einzelne Termin am 15.11. entfaltet. Es gab Tage, an denen nichts mehr ging. Erschöpfung – Angst – Hoffnungslosigkeit – getriggert durch die impliziten Drohungen des Arztes am 15.11.2016. „Ich will ihnen nur zeigen, wie sich das entwickeln kann“ – das ist kein Disclaimer für Aussagen, wie „Onlinetherapie ? Das ist doch nur ein Mittel, sich der Kontrolle durch den Dienstherrn zu entziehen.“ oder „Wenn Sie eben als Eremit leben wollen – bitte – aber dafür muss die Bundeswehr ja nicht zahlen.“ Das ich die Behandlung mit Antidepressiva ablehne und mich lediglich über Verhaltenstherapie an einen besseren Umgang mit den Depressionen heranarbeite, ist eine mögliche Entscheidung und vor allem: meine Entscheidung.

Anders, als noch vor drei Jahren war ich nach der Provokation am 15.11. immerhin in der Lage soziale Kontakte aufrecht zu erhalten, statt mich komplett zurückzuziehen. Kompletter Rückzug – das war in der Vergangenheit das sprichwörtliche Anstarren der Wand, das mit Mangelernährung und Rückzug aus nahezu allen sozialen Aktivitäten einherging. Nein – das suche ich mir nicht aus. Nein – das passiert nicht freiwillig. Das ist schlicht die Reaktion auf Verhalten, wie „Bossing“, „Mobbing“ oder unqualifiziert geäußerte und gegen mich durchgesetzte Kritik. Ich habe all das schon einmal ertragen müssen. Es führte damals in lebensgefährliche Situationen und sorgt bis heute dafür, dass ich psychisch und physisch mit der gleichen Anspannung reagiere – selbst dann, wenn es gar nicht mehr zu einer Lebensgefahr führt.

Für die simplen Verwaltungsgemüter, die anzweifeln, was ich hier beschreibe, empfehle ich einen perfiden Selbsttest nach Pawlow-Muster:

1. Sie – der Zweifler – beauftragen bitte nun den Kollegen vom Schreibtisch gegenüber, zunächst ein Weihnachtsglöckchen zu läuten und ihnen dann mit einem Hammer auf eine Fingerkuppe zu schlagen. So fest, wie es nur geht. Ja, das tut weh. Aber das ist ja nur einmal. Halten Sie sicher aus.

2. Wiederholen Sie die unter 1 beschrieben Prozedur mit den verbliebenen neun Fingern. „Glöckchen – Hammer – Finger“

3. Sollten Sie wirklich nach 10 Fingern immernoch auf dem Stand sein, dass sie nicht schon beim Erklingen des Glöckchens schreiend und in Panik das Büro verlassen: sie haben ja auch noch 10 Zehen am Fuß.

4. Beobachten Sie in den kommenden Jahren selbst, wie sie auf ein erklingendes Glöckchen reagieren.

Das ich auf dem Therapieweg längst nicht am Ende bin, habe ich im Laufe des Jahres längst selbst bemerkt. Oft waren es stressige Phasen im Studium, in denen ich zunächst versuchte, alle Leistungen zu 100% zu erfüllen. Im Ergebnis stand eine Art Erschöpfungsdepression. In zwei Praktikas konnte ich mich in Chefsituationen beobachten, erfahren, was es mit mir macht und auch hier wieder Gegenmaßnahmen treffen. Leider ist es weiterhin nicht so, dass nach solchen Erfahrungen einfach ein erholsames Wochenende reicht, um am nächsten Montag wieder unbefangen am Arbeitsplatz zu erscheinen. Konzentration und Kreativität – beides immanent wichtig für meinen Beruf – verlieren und die Kraft geht in Wachsamkeit, Vermeidung und Anspannung.

Wie es besser geht

Am Dienstag ging es darum, mich auf die Teilnahme an der Online-Schreib-Therapie vorzubereiten. Diese Studie führt das Psychotrauma-Zentrum der Bundeswehr gemeinsam mit zivilen Psychologen der FU-Berlin durch. In einem Eingangstelefonat und einer Vorerhebung wird zunächst geprüft, welche Bereiche für den Patienten derzeit relevant sind und welche problematischen Ereignisse gesehen werden.

Es kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, mit denen die Auswirkungen von Stress erfasst werden. Neben einer Eyetracking-Sitzung, in der die Reaktion auf mögliche Traumaauslöser beobachtet wird, wird mittels Haar- und Speichelproben die Entwicklung des Kortisolwertes beobachet. „Kortisol-Analysen im Haar geben einen Hinweis auf chronischen Stress.“, heißt es im Infoblatt, das den Patienten ausgehändigt wird. Die Haarprobe wird zum Anfang der Studie genommen, Speichelproben am Anfang, während und nach der Studie. Hinzu kommt die Herzratenmessung während der Schreibaufgaben. So viel zum Argument des Arztes vom 15.11.2016, der urteilte, dass eine Online-Schreibtherapie ja auch nur ein Weg sei, sich der Kontrolle des Dienstherrn zu entziehen.

Mir steht es – wie allen anderen Teilnehmern der Studie, egal ob aktiver Soldat oder bereits zivilorientierter Verwaltungsfall – frei, ob das Ergebnis der Onlineschreibtherapie in Form eines Abschlussberichtes Teil der Krankenakte wird.

Ich kann nicht sagen, ob es schlichtweg daran lag, dass ich von einem zivilen Psychologen durch den gestrigen Tag begleitet wurde, aber die Atmosphäre empfand ich als konstruktiv und zielorientiert – kein zu den Anschuldigungen am 15.11.2016 oder dem in „Befund – lesen bei Strafe verboten“ beschriebenen Termin im Oktober 2015.

In den kommenden Tagen muss ich insgesamt 12 Speichelproben zu festgesetzten Zeiten sammeln. Ab Samstag steht mir dann das Login auf dem Therapie-Server zur Verfügung. Insgesamt sollen zwei Texte pro Woche entstehen, die – so die Zusicherung des Psychologen – nur kurze Zeit auf den abgesicherten Servern verbleiben und zeitnah nach der Antwort des Therapeuten wieder gelöscht werden. Die Antwort auf die Texte soll mich innerhalb von etwa einem Werktag erreichen.

Nach den ersten Schreibaufgaben werde ich entscheiden, wie viel ich anteilig davon öffentlich mache oder ob ich nur „über“ den Verlauf der Therapie schreiben werde.

Notwendigkeit

Mir war klar, dass es noch belastende Anteile gibt, die mein Leben beeinflussen. In Praktika und im Studium setze ich mich gezielt diesen Situationen aus und komme zunehmend besser damit zurecht. Zumindest, wenn es darum geht, auf Stress zu reagieren und Gegenmaßnahmen zu treffen. Rückschläge, wie der Termin am 15.11.2016 irritieren und werfen mich zurück. Statt mich mit der Semesterplanung des Wintersemesters, sowie den Aufgaben in den Kursen zu befassen, lag ein Großteil der Aufmerksamkeit darauf, was der 15.11.2016 ausgelöst hat und wie ich verhindere, dass die Folgen mein soziales Umfeld belasten und teilweise auch wieder zerstören. Doch anders, als 2013 gibt es nun Menschen, die mich auf dem Weg unterstützen. Dafür bin ich dankbar.

Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten

„Ärztlich nicht führbar“

Nach dem am vergangenen Dienstag (15.11.2016) erkennbar Druck aufgebaut wurde, ich sei weder therapiewillig, noch kooperativ und „ärztlich führbar“ nahm ich Kontakt zum Psychotraumazentrum auf. Zuletzt mailten wir am 19.10. und verblieben, dass ich zum März 2017 in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert werden könne. Nun beginnt die Onlineschreibtherapie bereits mit der Begutachtung am 6.12.2016. Neben den Arztgesprächen steht ein Schlaf-EEG, eine Blutentnahme und die Abgabe einer „zwei Zentimeter Haarprobe“ auf dem Programm.

Warum überhaupt Therapie

Nachdem im April 2013 die Einsatzschädigung diagnostiziert wurde und ich erneut mit Depressionen zu kämpfen hatte, folgten zwei mehr als anstrengende Jahre. Nicht nur die Therapie, sondern auch der vierwöchige stationäre Aufenthalt im Bundeswehrkrankenhaus, den ich mittlerweile rückblickend „Depressionen, dein Leben und du – kommt klar miteinander“ nenne, kosteten viel Kraft. Via Social Media, aber auch in direkten Gesprächen wurde ich für den offenen Umgang mit der Erkrankung, aber erst recht wegen dem Einblick, den ich in die Therapie und den Umgang der Bundeswehr mit mir gebe, unter Druck gesetzt. Teils mit plumper Drohung, wie im Adlongespräch dokumentiert – teils mit Mobbing via Facebook.

Das Blog war von Anfang an Selbstschutz, der sich schnell bewährt hat. Falschinformationen über die Versorgungslage, die ich vom Sozialdienst der Bundeswehr erhielt, konnten durch anonyme Hinweise, die eingegangen sind, entschärft werden.

Ruhe kehrte erst im März 2015 ein, als die Schädigung anerkannt war und die Versorgung gesichert war. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Therapie-Methode TRE- Trauma Release Exercise erlernt und durchlaufen und war erstmals seit Jahren wieder in der Lage, die Auswirkungen von Stress zu bemerken, bevor sie wieder in lange Phasen der Depression führen.

Tendenziell versuche ich weiterhin viel zu lange, einfach nur zu funktionieren, den Stress auszuhalten und entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen. Die Kompetenz Gegenmaßnahmen zu treffen, ist hart erarbeitete und fehlte vor 2013 ganz.

Phasen mit besonderer Belastung gab es immer wieder. Ende Januar 2016 häuften sich die Termine und Aufgabenstellungen zum Ende des Wintersemesters – im Ergebnis zog ich mich zurück, versuchte, so gut, wie möglich dem ganzen gerecht zu werden. Mit 28 von 31 Leistungspunkten schaffe ich es, nahezu 100% des geplanten Studienprogramms abzuschließen.

Im Laufe des Mai 2016 sind es erneut die Auswirkungen von Stress, die für eine Verschärfung der Symptome sorgen. Zu viele Aufgaben im Studium, wie die zeitgleiche Arbeit an mehreren Themen – kaum eine Möglichkeit, Ausgleich zu schaffen. Nahezu tägliche Präsenz in Kursen – 5 bis 7 Zeitstunden – sowie im Anschluss die Arbeit an den Kursaufgaben. Jede einzelne Aufgabe für sich zu bewältigen – in der Summe und Kombination der Termine aber irgendwann zu viel.

Nicht nur mir geht es so. Kommilitonen sind ebenfalls unter Druck – Jahrgänge vor uns schildern, es sei ein Phänomen, dass regelmäßig im Sommersemester auftrete. Drei Monate gefüllt mit einem Pensum, dass im Wintersemester auf vier Monate verteilt ist. Mein persönliches „irgendwann zu viel“ bemerke ich jedoch erst, als bereits die Beziehung zu meiner damaligen Freundin leidet und massiv Schaden nimmt. Funktionieren im Studium geht zu Lasten normaler Aktivitäten. Fehlende Freizeit erhöht die Anspannung, vermindert die Qualität der Arbeitsergebnisse, sorgt für Enttäuschung, Erschöpfung, Depression.

Am Ende des Semesters stehe ich im Studium bei 45 von 60 Leistungspunkten, die zu diesem Zeitpunkt erreicht sein sollten. Aber immerhin nicht mitten in einer Depression, aus der ich nicht raus komme.
Im Laufe des Semesters reduzierte ich, priorisierte auf Kurse, die machbar waren und verlor auch die Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsauschuss nicht aus den Augen, die – nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung – auch auf die Studienleistungen angerechnet werden wird (Hospitanz).
Zumindest in Arbeitsbelangen schaffe ich es, eine Balance zwischen Selbst- und Fremdbestimmung hinzubekommen.
Dass diese Situation nicht ideal ist, ist mir schnell klar. Es kostet massiv Kraft und die Auswirkungen gehen zu Lasten des Privatlebens. Ich nehme Kontakt zum Berufsförderungsdienst auf, der für die Verwaltung meines Studiums zuständig ist. Das Studium gilt als Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation im Rahmen der Schutzzeit. Ich hoffe darauf, dass ich das Sommersemester 2017 als Urlaubssemester nutzen darf, um eine Kur in diesem Zeitraum zu machen.
Die Bearbeiter versichern mir, niemand erwarte, dass ich das Studium in der Regelstudienzeit abschließe. Der Grad der Schädigung, den ich aufgrund der Depressionen / Anpassungstörung habe, liegt bei 30%. Das letzte halbe Jahr zeigt mir, wie sehr das leider weiterhin zutrifft.

Bereits seit Juni besteht wieder Kontakt zum Psychotraumazentrum. Etwa zur gleichen Zeit, als ich Kontakt zum Berufsförderungsdienst wegen dem Urlaubssemester aufgenommen habe, meldet sich eine der Ärztinnen telefonisch mit dem Therapieangebot. Da ich im Oktober 2016 und Februar / März 2017 bereits die Zusagen für Praktika im Rahmen des Studiums habe, erscheint mir der Einstieg in die Therapie jedoch erst für April 2017 als sinnvoll. Therapie und Kur ließen in dem Semester dann wenig Raum für Präsenzveranstaltungen an der Hochschule – Studienleistungen wären aber immerhin noch im Rahmen von Hausarbeiten möglich.

Nun kommt es anders

Der Unterton des Arztgespräches am vergangen Dienstag und die abwehrende Haltung gegenüber der „Online-Schreib-Therapie“, die der Verwalter zeigt, machen wieder einmal deutlich, wo das System krankt. Verwaltende Stellen üben Druck aus – eine Rücksprache mit der Fachebene erfolgt erst, nachdem Druck auf den Patienten ausgeübt wurde. Von den Angeboten der Fachebene hält die verwaltende Stelle indes wenig, wie der Gesprächsverlauf deutlich machte.

Bereits 2013 äußerte der Leiter des Psychotraumazentrums Dr. Zimmermann, dass in meinem Fall Anzeichen für eine „Moralische Verletzung“ vorhanden seien. Moralische Verletzungen treffen z.B. Menschen, die gezwungen werden, gegen ihre Grundwerte zu handeln oder gesellschaftliche Tabus (z.B. das Töten von Menschen oder das sterbenlassen von Ertrinkenden) zu brechen. Vielfach ähneln die Symptome dann einer PTBS und gehen mit Depressionen einher.

Der verwaltenden Arzt kennt den Begriff „Moralische Verletzung“ nicht – schon ein Blick in die DBwV-Zeitung vom August 2016, die in seinem Wartezimmer ausliegt hätte geholfen. Dort ist ein langes Interview mit dem Leiter des Psychotraumazentrums zu genau dieser Thematik.

Der verwaltende Arzt ist damit beschäftigt, meine Behandlungsakte auf Indikatoren für mangelnde Kooperationswilligkeit zu durchforsten. Dass ich mich für den verhaltenstherapeutischen Ansatz entschieden habe, statt für die Einnahme von Psychopharmaka, wird zum Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die TRE-Methode, die ich über 6 Monate mit einer Heiltherapeutin erlernt und durchgeführt habe nur mit dieser fortsetzen will, statt mit einem von der Bundeswehr gestellten „Standortpfarrer, der die TRE-Methode jetzt auch anbietet“ – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Das ich die Onlineschreibttherapie ins Frühjahr legen will, in eine Zeit mit mehr Tageslicht, weil ich fürchte, die Reflektionen und Fragestellungen könnten wieder zu Depressionen führen – Indiz für „ärztlich nicht führbar“.

Ich schildere dem „Verwalter“, dass die Auswirkungen von Stress, wie ich sie in den letzten Monaten beobachten konnte leider immer auch mit Rückzug und Anhedonie einher gehen. Methoden der MBSR Mindfulness-Based Stress Reduction habe ich im Psychotraumazentrum erlernt – auch die TRE-Methode hat Schnittmengen – und wende sie an. Sie lindern zumindest manche der Symptome. Der „Verwalter“ meint: „Wenn Sie als Eremit leben wollen, dann können sie das ja gerne tun. Aber dafür sollte ja die Bundeswehr nicht zahlen müssen.“

Der Verwalter vergleicht mich mit einer „magersüchtigen Frau“, die ärztlich auch nur das zuließe, was dem Hauptziel „abnehmen“ nicht zuwider liefe. Auch auf solche Patientinnen trifft zu: „ärztlich nicht führbar“.

Therapiezeitpunkt

Nach Rücksprache mit der betreuenden Ärztin des Psychotraumazentrums werde ich nun zum 6. Dezember in einen Durchgang der Online-Schreibtherapie eingesteuert. Der Zeitpunkt ist das Resultat des Gespräches am Dienstag, um zumindest den Vorwurf zu entkräften, ich sei nicht therapiewillig.

Der Zeitpunkt der Schreibtherapie fällt damit in den Zeitraum, indem ich drei meiner vier Auslandseinsätze absolvierte. Die Eskalation in Mazedonien 2000/2001, die uns zur Aufgabe und Abbau des umkämpften Camps zwang. Die Medienarbeit in Afghanistan 2005/2006, als die „Karrikaturen“ für Demonstrationen und Angriffe auf Camps mit einem Beinahme-Totalverlust des Camps in Meymaneh führte. Afghanistan 2007/2008 – ein Einsatz der mit dem Begriff „Chefkalation“ gut zusammengefasst ist und der neben drei Monaten hochgradig stressiger Arbeit rund um einen fachlich und englischsprachlich wenig kompetenten Chef mindestens zwei lebensgefährliche Situationen mit sich brachte. Diese Erlebnisse sorgen bis heute dafür, dass ich bei autoritären, cholerischen Chefs und Teamleitern unter Druck gerate und nur flache Hierarchien halbwegs ertrage.

Ich habe längst verstanden und analysiert, was diese Einsätze in mir verändert haben und welche Grenzerfahrungen das mit sich brachte. Ich ging davon aus, mit der Schutzzeit, die bis zu 5 Jahre dauern darf nun Raum zu haben, um mit all dem umgehen zu lernen. Ich vermeide die Situationen nicht, stelle mich in Praktika auch wieder Chefsituationen und schaue, was für mich geht, was ich um welchen Preis aushalten kann und was nicht.

Für den Verwalter aber zählt das nicht. Er hat im Kopf, was er auch im Arztgespräch schildert. „Es gibt Leute, die können für die Bundeswehr keinen Handschlag tun, aber bauen nebenbei eine Hundzucht in Brandenburg auf. Das ist ein Fulltimejob.“

Seine Denkweise macht deutlich, dass jeder Fortschritt, den ich im Rahmen des Studiums und entlang der journalistischen Projekte erzielt habe als Indiz dafür betrachtet werden kann, ich würde das System für meine Zwecke ausnutzen.

Dass ich in Zeiten der Überlastung und Depression mit den Auswirkungen allein bin, keinen Text auf die Reihe bekomme, sieht der „Verwalter“ nicht. Dass der Antrieb für Artikel wie diesen schlichtweg Angst ist – Angst, ausgelöst durch Anschuldigungen und den Druck des Verwalters selbst – wird zum Indiz für Leistungsfähigkeit, die ich der Bundeswehr, frecherweise vorenthalten würde gewertet.

Schalte ich einen Anwalt oder den Wehrbeauftragten ein, dann bin ich wieder „ärztlich nicht führbar“.

Die gleichen „Verwalter“ kenne ich aus der aktiven Dienstzeit. Sie schrieben tauglich für Einsätze. Sie werteten Belastungsbögen nach den Einsätzen aus. Sie lehnten Präventivkuren nach Einsätzen ab, weil „das schon zu viele in letzter Zeit in Anspruch genommen haben“.

Effekte

Seit dem 15.11. muss ich wieder mehr Kraft für eigentlich Alltägliches aufwenden. Es kostet Kraft, die Termine wahrzunehmen, die anstehen. Es kostet Kraft, Freunde zu treffen, weil ich nicht schon wieder „der mit Problemen“ sein will. Das ich dennoch nicht auf Ablehnung treffe ist ein großes Glück. Es kostet Kraft, mit den Gedanken nicht ständig bei der Drohkulisse zu landen, die am 15.11. aufgebaut wurde – und doch ist es manchmal nicht zu vermeiden. Es kostet Kraft, all das auszuhalten in dem Wissen, dass ich keine Aussicht darauf habe spontan in einen vollbezahlten Job einzusteigen, der Raum lässt für die Aufarbeitung, die immernoch andauert. Es kostet Kraft, weiter zu machen, wenn jeder kleine Fortschritt potentiell vom „Verwalter“ gegen mich gedeutet wird.

Wo immer möglich äußere ich mich als Journalist mit der gebotenen Objektivität und Fairness zu Bundeswehrthemen. Dass der Eindruck bleibt, ich würde kein gutes Haar an der Bundeswehr lassen liegt wohl eher daran, dass die PR nur „gute Haare“ präsentiert und seit jeher Sachverhalte im Sinne der eigenen Imagekampagnen schönfärbt. Doch für die „Verwalter“ ist es nicht auszuhalten, dass ein kritischer Journalist über die Bundeswehr berichtet.

Den Anteilen, die mit der moralischen Verletzung einher gehen, setzte ich in den letzten Jahren politische Arbeit entgegen. Ich sprach auf Demonstrationen gegen Krieg und Militärisierung und berichtete auf Podien über die Einsatzerfahrungen. Es ist nicht auszuhalten, das die Person auf Demonstrationen und Podien als „Friedensaktivist“ tätig ist und gleichzeitig aus dem Verteidigungsetat bezahlt wird. Wer als Staatsbürger mal in Uniform steckte, der soll hinterher die Klappe halten.

Der „Verwalter“ drückt es am 15.11.2016 etwas anders aus. „Sie können sich gerne weiterhin so verhalten. Dann kann man hinterher über Sie sagen, Sie waren konsequent bis zum Schluss.“

In diesem Verfahren erhalte ich wieder einmal keine Kopien der Verwaltungsschreiben, die Anlass der Befragungen sind. Ich erhalte auch keine Kopien der Antworten, die der „Verwalter“ an KdoRegSanUstg G 3.2.2 sendet. Der „Verwalter“, der die Anfrage bearbeitet bildet sich seinen Eindruck aus dem nichteinmal dreißigminütigen Gespräch, überfliegt dabei kurz das letzte ärztliche Gutachten aus Oktober 2015 und urteilt.

Ich habe also die Wahl, mir einen solchen Umgang gefallen zu lassen oder ohne Versorgung für mich und meine Kinder, ohne Raum für Therapie und Regeneration da zu stehen.

einladungsbrief_t1_luecking_161206

flyer_onlinetherapie-ptbs-bw_160331_final

patienteninfo_onlinetherapie-bwk_2016

Bescheid eingetroffen

Am 03.02.2015 traf nun der Bescheid über die „Beschädigtenversorgung nach dem Soldatenversorgungsgesetz (SVG)“ein.

Als einsatzbedingt wurde eine „Psychoreaktive Störung“ anerkannt. Als nicht einsatzbedingt gilt die „Akzentuierung von Persönlichkeitszügen“. Damit sind die Charakterzüge gemeint, die in Bundeswehr-Beurteilungen (werde ich noch bei Gelegenheit zitieren) lobend hervorgehoben wurden und seit Diagnosestellung als „ananchastische Persönlichkeitsstruktur“ dargestellt wurden.

Der Grad der Schädigung liegt bis auf weiteres bei 30 % und gilt ab dem Zeitpunkt der Diagnose 03. April 2013. Demnach erhalte ich eine Grundrente von 129 Euro monatlich.

Wie die weiteren Schritte nun sind, ist noch nicht klar.

Das Schreiben ging übrigens ohne Zustellungsbescheid / Postzustellungsurkunde ein.

Momentan ist mir das alles jedoch ziemlich egal, denn es bewirkt noch keine Entlastung von den Problemen, die gerade anliegen. Dennoch kann ich vor diesem Hintergrund die Therapie und das Coaching zur nächsten Woche wieder aufnehmen, da ich davon ausgehen kann, irgendwann in den nächsten vier bis sechs Wochen auch die anfallenden Rechnungen begleichen zu können.

Die weitere Entwicklung werde ich hier im Blog ebenso offen dokumentieren, wie ich das bisher tat. Aus sachkundiger Quelle in ähnlichem Status wurden mir Situationen geschildert, in denen offenbar auf einen „weniger öffentlichen Umgang“ gedrungen wurde. Namen, Dienstgrade und Funktion werde ich selbstverständlich offenlegen, sollte ein entsprechender Einfluss ausgeübt werden.

Uniform tragen – nein. Das findet nicht statt. Notfalls per ärztlicher Entbindung von der Pflicht. Übrigens bewahre ich die mir als „Reservisten-Ausstattung“ überlassenen Ausrüstungsgegenstände immer noch auf.

2_Luecking_Daniel

1_Luecking_Daniel

3_Luecking_Daniel

4_Luecking_Daniel

5_Luecking_Daniel

Mindestens ein paar Stiefeln befindet sich vor Ort (Bundespräsidialamt hat es zurückgesendet). Ein weiteres Paar befindet sich im Kanzleramt. Das dritte Paar Stiefeln verweilt im Bundesverteidigungsministerium. Um Paar Nummer vier in der Obhut des Haus der Geschichte in Bonn werde ich mich dann in Kürze noch einmal kümmern. Der Erklärtext zu Einsatzmedaille, Stiefelpaar und übersendeter DVD geht dann in die Afghanistansammlung als entleihbares Exponat ein.

image

140603-Gauck_1

image

140603-Gauck_2

These boots are made for walking – and that’s just what they’ll do … nur eben ohne mich.

Oder wie es in Propaganda-Video der PSK-Truppe so schön hieß: „Der Westen – das sind Halbschuhe …“

Reset & Neustart ?!

Der letzte Mailkontakt mit Fallmanager/in hat ergeben, dass Post auf dem Weg ist. Zunächst wurde der Grad meiner Schädigung festgestellt. Unabhängig von der Prozentzahl: die derzeitigen Einschränkungen sind ein spürbarer Verlust an Lebensqualität.

Ich funktioniere – zumindest für den notwendigen Grundbetrieb, was den Job angeht, der mir die Wohnung erhält. Doch das war es dann auch schon fast. Ausgehen und Spaß daran haben ? Gabs nun schon länger nicht mehr. Derzeit trickse ich mich mit Kennenlern- bzw. Jobterminen aus und treffe Kollegen, Interviewpartner oder Parlamentarier. Darüber hinaus unterstütze ich als Sprachmittler bei Ämtergängen unterwegs. Das gibt mir die Illusion von aktiv und/oder nützlich sein – aber es ist eine Überwindung.

Im Job versuche ich möglichst freundlich aufzutreten. Weder Kollegen, noch Vorgesetzte können etwas für meine derzeitige Lage. Doch derart zu funktionieren kostet massiv Kraft. Zu Haus bleibt viel liegen. Obgleich ich es nicht will: nach dem Tagesprogramm fehlt die Kraft. Ich lenke mich im Netz ab, verfolge Themen online oder am TV, blogge mitunter – doch wirklich Freizeit genießen oder mich in meiner Wohnung wohlfühlen?

Numbing

Dieses dumpfe Gefühl war in den letzten Wochen immer wieder mit Ausrissen in Richtung miserabel gespickt. Die ersten Stunden im Job waren durchaus kritisch, was das durchstehen der Schicht angeht. Immer die Hoffnung, nicht abgelenkt zu werden und mit den Gedanken dann an den Existenzproblemen zu hängen, die sich seit Anfang Dezember schneller summierten, als ich dagegen angehen konnte. Positive Gefühle zulassen ? Öffnet doch nur die Option, dass auch negative Gefühle wieder überhand gewinnen. Im „durchstehen“ und „aushalten“ war ich in den letzten Jahren definitiv mehr gefordert, als im „genießen“, „wohlfühlen“ und „entspannen“.

Dass das dringend aufhören muss, sagt mir mittlerweile mein Magen ganz deutlich. Wie ich all das gestalte und dahin komme: Großes Fragezeichen mit drei Ausrufezeichen dahinter.

Mehr Bewegung – also mehr, als nur zwischen den Arbeitsstätten hin und her – ist dringend dran. Die überwiegend sitzende Tätigkeit, die abends durch die couch-enden Tätigkeit ersetzt wird, läuft dem Konzept „Bewegung“ deutlich zuwider. Schwimmen dürfte die erste Maßnahme werden. Laufen ist nach dem Glatteissturz aus Januar 2014 erst bei einwandfreiem Untergrund dran. Ebenso Radfahren. Mit der Wiedereinstellung in die Schutzzeit ist frühestens ab März 2015 zum ersten Mal seit August 2013 genügend Geld für ein Fitnesstudioabo da. Und vor allem die Zeit.

So denn der „Sponsor“ (von Dienstherr spreche ich nicht mehr) mitspielt, würde ich ein Urlaubssemester einlegen und mich neben den vier bis fünf Tagen im Monat, die der NSA-Untersuchungsausschuss einnimmt, erst einmal nur mit einem Sport-und Ernährungprogramm befassen, um körperlich fitter zu werden. Im letzten halben Jahr habe ich körperlich merklich abgebaut.

Mit den Hilfszahungen im Oktober / November hatte ich den Rücken soweit frei, dass ich mehr auf die Ernährung geachtet habe. Die Qualität meiner Ernährung war in dieser Zeit deutlich besser, als im Dezember und Januar. Das „wach- & funktionierend halten“ mit Kaffee quittiert mir mein Ruhepuls merklich. Und das nicht positiv.

Therapie und Coachingsitzungen sind definitiv weiterhin nötig – aber angesichts des guten Weges, den ich zwischen September und Dezember in dieser Angelegenheit bereits eingeschlagen hatte werde ich die Oranisation selbst übernehmen. Das Vertrauen in die Bundeswehrärzte ist nach den Erfahrungen im stationären Aufenthalt nicht unbedingt positiv. Überhaupt ist „freie Heilfürsorge“ nichts, worauf ich besonders scharf bin.

Dienstlich?

Bis dato wurde mir geschildert, dass die Schutzzeit zwar mit gewissen Dienstpflichten einhergeht, im wesentlichen aber die Genesung, Rehabilitation und Eingliederung im Vordergrund steht. Welche Position der Dienstherr vorschlägt wird – gelinde gesagt – spannend.

Es gibt Dinge, die gehen nicht mehr und werden auch nicht mehr gehen. Dazu zählt positiv Werbung für die Bundeswehr zu machen. Morgen gebe ich erstmals eine Doppelstunde als Gast an einer Schule. Ziel ist es, die andere Seite der Bundeswehr-Personalwerbungsmedaille zu zeigen. Es reicht dazu fast schon aus, den Jahresbericht des Wehrbeauftragten wörtlich vorzulesen – 4.500 Beschwerden bei 185.000 Soldaten … joa .. das ist ’ne Hausmarke.

Tätigkeiten, die ich mir vorstellen kann ist die Ausarbeitung eines Regenerationskonzeptes für ehemalige Soldaten. Zunächst am eigenen Beispiel.

Eine deutliche Absage habe ich bereits in Richtung jeglicher Form von „Gammeldienst und Beschäftigungstherapie“ erteilt, sowie auch einer Verwendung abseits des Wohnortes Berlin. Durch die Auswirkungen der häufigen Einsatzbeschickung und das Zerbrechen der Familiensituation schlugen die ersten Schritte, in Koblenz ein soziales Umfeld aufzubauen eindeutig fehl.

Seit der Diagnose 2013 hatte ich bereits gute Fortschritte gemacht und habe hier in Berlin zum ersten Mal seit Jahren wieder Freunde mit gleichen Interessen. Obgleich ich seit Wochen nur wenig von mir sehen lasse…

Im Sinne einer erfolgreichen Rehamaßnahme sollte es also der Ort „Berlin“ bleiben.

Ein weiters No-Go sind Waffen und Uniform. Das brachte ich schon bei Antragsstellung im Mai 2013 zum Ausdruck und sagte, dass ich eigentlich nicht wieder in die Bundeswehr zurück und größt-möglichen Abstand zu dererlei Organisationsform will. So geht es nicht allen traumatisierten Ex-Soldaten. Einige streben nach den gewohnten Strukturen, wollen gar Berufssoldat werden. Für mich undenkbar.

Die Fürsorge, zu der der „Sponsor“ (my firm formaly known as Bundeswehr = m.f.f.k.a.B.) per Gesetz verpflichtet ist, sollte in diesem Bereich „lernen“ und die Dienstposten, die für Reha-Fälle, wie mich geschaffen werden breiter streuen, als nur im Arbeitsbereich des Verteidigungsministeriums.

Vorteil: Kündigungsoption

Die wichtigste Entwicklung ist, dass mit der festgestellten Wehrdienstbeschädigung – wie genau sich das gestaltet wird ein Extrabeitrag – zunächst die Nachteile ausgeglichen werden, die durch die Erkrankung in der Krankenversicherung und dem Zugang dazu entstanden sind.

Das Dienstverhältnis sei – so wurde mir zugesichert – jederzeit kündbar. Das ich nicht schon im Januar unter HARTZ4-Niveau gerutscht bin verdanke ich dem Studienkredit, der mich seit Beginn der Aufarbeitung begleitet und den ich hoffentlich im Rahmen der Schutzzeit ebenso schnell abtragen kann, wie er sich aufbaute. Angesichts von 270 Euro Krankenversicherungsbeitrag (100% Privat, weil ich als entlassener Zeitsoldat keinen Anspruch auf Freiwillig Gesetzlich hatte) wäre ich ohne den Kredit aufgeschmissen gewesen. Spätestens nun im Februar hätte ich auch wieder zu 100 % privat versichert werden müssen, nachdem im Dezember der Arbeitsvertrag mit der gesetzlichen Versicherung noch nicht lang genug fortbestanden hatte, als dass ich Zugang zu einer 160 Euro teuren freiwilligen gesetzlichen Versicherung gehabt hätte.

Wir müssen uns nicht alles bei den Engländern abschauen – aber beim Krankenversicherungssystem bitte DRINGEND mal über den Kanal hinweg sehen und hier in Deutschland ähnlich handeln!

Schnell weg von der Bundeswehr – die Stoßrichtung habe ich immernoch. Jedoch nicht ohne mit der Therapie auf gutem Stand zu sein, einen verwertbaren, angemessenen Ausbildungsstand (Master!) zu haben und finanziell eigenständig ohne Schulden aus Therapie, Coaching und der chaotischen letzten Jahre zu haben.

Zuversicht

Angebracht wäre es – aber die Papiere sind weder unterschrieben, noch die Fallstricke und Konditionen offen gelegt … ach … ihr kennt mich ja … 😉 Insgesamt käme mir ein ruhiges 2015 sehr zu pass – die Stresspusteln des Januar reichen getrost für den Rest des Jahres.

Wieder einmal Danke sagen & die nächsten Wochen ordnen

Heute ging die Unterstützungszahlung auf meinem Konto ein. Das Bundeswehr-Sozialwerk hat eine weitere Zahlung für Dezember 2014 zugesagt. Die Unterstützung wurde notwendig, weil ich derzeit immernoch weitgehend untherapiert auf den Abschluss des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens warte.

Überweisungs-Gutschrift
Bundeswehr-Sozialwerk e.V
Zuschus aus der Aktion Sorg
enkinder in Bundeswehrfamil
ien

Neben der Notwendigkeit, das Studium abzuschließen – wobei mir jeglicher autoritärer Eingriff in meine Arbeit immer noch große Probleme bereitet – arbeite ich in zwei Jobs und schaffe es mit der Unterstützungsleistung auf ein angemessenes Einkommen, dass die Zahlung von Unterhalt zulässt.

Seit Anfang Oktober 2014 wende ich Zeit (& Geld) für ein Coaching auf, das mich durch die Phase der Bachelorarbeit begleiten soll. Gleichzeitig startete ich eine Traumatherapie, mit deren Hilfe die körperlichen Auswirkungen der stressbedingten Erkrankung abgebaut werden sollen.

Da es derzeit kein Verfahren gibt, dass Ex-Soldaten, die in der Verwaltungsmühle hängen, werde ich weitere Anträge stellen müssen.

Verwaltungsmühle Wehrdienstbeschädigung

Länder und Bund rangelten seit Jahren um die Zuständigkeiten in der Veteranenversorgung. Waren nach altem Recht noch die Landesämter zuständig, wechselt derzeit die Verantwortlichkeit auf die Bundesebene. Nötig wurde dieser Schritt, wie mir eine sachkundige Quelle kürzlich schilderte, weil es gravierende Unterschiede in der Anerkennung von Schädigungshöhe zwischen den einzelnen Bundesländern gab.

Noch im September – Monat 17 der Bearbeitung meiner Wehrdienstbeschädigung – äußerte der PTBS-Beauftragte General von Heimendahl im persönlichen Gespräch: „Es hätte nicht passieren dürfen, dass ihre Übergangsgebührnisse auslaufen, bevor das Wehrdienstbeschädigungsverfahren abgeschlossen ist.“

Aktive Soldaten dürfen mit einem laufenden Verfahren nicht entlassen werden – Übergangsgebührnisempfänger mit identischem Verfahrensstand haben diesen Entlassungsschutz nicht und über den Versorgungsstand von Ex-Soldaten, die bereits vollends im Zivilleben angekommen waren, lässt sich nur mutmaßen.

Genesungsstand

Nachdem meine Therapeutin, die ich eigens wegen der Behandlungsmethode EMDR gewählt hatte offenbar voll darauf versteifte, ich sei wegen einer „anankastischen Persönlichkeitsstruktur“ (a.k.a. besserwisserisches Ar…lo..) in Behandlung brach ich die Gesprächstherapie im Mai ab.

Interessant – in dem Onlineverzeichnis, in dem ich auf sie aufmerksam wurde führt sie diese Qualifikation, auf ihrer eigenen Homepage jedoch nicht. Ebenso existiert auch kein Eintrag im EMDRIA. Vorsicht also mit Online-Verzeichnissen – ich habe es leider zu spät bemerkt.

141103_Therpeutin_Fail

In den letzten 14 Monaten nach Ende der stationären Therapie im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin hatte ich hauptsächlich damit zu tun, die Auswirkungen der Depression im Alltag zu begreifen und in den Griff zu bekommen. Der Therapieabbruch im Mai, sowie die Probleme eine bezahlbare Krankenversicherung zu bekommen, die mich von Juli bis September unter großen Druck setzten, haben mich viel Kraft gekostet.

Erholung

Es dauerte bis zum 6. Oktober, bis erste Entlastungseffekt spürbar wurden und die Zusagen aus dem Büro des PTBS-Beauftragten sich bewahrheiteten. Ob es der sinkende Stresslevel, die fortschreitende Traumatherapie (TRE – Trauma Release Exercise) oder schlichtweg ein Virus waren – rund 14 Tage verbrachte ich im Oktober mit einer deutlich spürbaren Erkältung. So schwach habe ich mich körperlich seit mehr als 3 Jahren nicht mehr gefühlt. 14 bis 16 Stunden Schlaf pro Tag waren möglich.

Überraschend konnte der Studienkredit der KfW-Bank reaktiviert werden und wurde rückwirkend für ein Semester ausgezahlt. Ich entschied mich darauf hin, das Geschenk als solches auch für mich zu nutzen und flog für eine Woche in den Urlaub nach Schottland. Meine erste längerer Reise nach der Rom-Reise, die ich mit dem Rucksack im April 2011 machte.

Notwendig. Auch hier bemerke ich, dass ich deutlich länger und besser schlafe – eine Auswirkung, die seit Beginn der Traumatherapie sehr deutlich spürbar ist

Edinburgh

Kommende Stressoren

In der nächsten Woche steht zu Wochenbeginn die Untersuchung im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg an. Länger, als einen Tag ambulant lasse ich nicht zu. Das hat mehrere Gründe.

Zunächst muss ich den Arbeitsverpflichtungen in Berlin regelmäßig nachkommmen. Daran ändern auch Zahlungen aus Hilfsfonds und Stiftungen nichts, denn diese waren nur für September 2014 bis Dezember 2014 gesichert.

Gravierender aber ist, dass das herumrühren in Krankheitssyptomatiken mittlerweile nicht mehr zu dem Weg passt, auf dem ich mich befinde. Ich arbeite aktiv an der Genesung, soll aber – so verlangt es der Verwaltungsweg – nun begutachtet werden, was mehr der Diagnose und dem herumrühren in Krankheitssyptomatiken ähnelt als dem herausarbeiten aus der Krankheit. Die Verwaltungsformalien sind vor allem eines: kontraproduktiv.

Ende der kommenden Woche steht dann ein Gespräch mit meinem Studiengangsleiter an, wie der Abschluss des Studiums und die Bachelorarbeit vonstatten gehen kann.

Bachelorarbeit, Vollzeit-arbeiten-müssen, zeitgleich in Traumatherapie und massig lästiger Schriftverkehr mit Ämtern und möglichen Hilfe-Stellen – das Programm der nächsten Wochen…

Erzählt mir also nichts von lauem Lenz oder dass ein Urlaub ja wohl eine Frechheit sei …

Thema Therapeutisches Schreiben

Mir fällt rückblickend auf, das weder bei den Psychologen im Bundeswehrkrankenhaus, noch bei meiner Therapeutin auf meinen Blog eingegangen wurde.

Ich habe über das bloggen einen wesentlichen Teil der Ereignisse festgehalten, die dazu geführt haben, das ich z.B. unter Depressionen leide und als Auswirkung großen Drucks und lebensgefährlichen Situationen nun keine Autoritäten mehr akzeptieren kann bzw. lange aushalte. Das schließt leider auch ein übles Vermeidungsverhalten ein. Im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin setzte man bei der Ergotherapie auf den Umgang mit handwerklichen Materialien. Neben Holz und Specksteinbearbeitung entstanden auch Collagen und sogenannte Kratzbilder, bei denen aus einem beschichteten Material Zeichnungen gekratzt wurden.

Warum eigentlich keine Schreibtherapie?

Das Schreiben trug für mich dazu bei, das Geschehene in seinen Auswirkungen überhaupt zu verstehen. Einige traumatisierte Veteranen haben bereits Buchprojekte veröffentlicht, die ihre Einsatzerlebnisse schildern. Doch um mit einem Buchprojekt diese Zeit nun abschließen zu könne mangelt es derzeit an Zeit und Geld, weil der amtliche Zwang Unterhalt für die Kinder zu erwirtschaften dazu führt, das ich nicht einmal über einen längeren Zeitraum HARTZ4 beziehen darf. Nicht nur das HARTZ4-Amt würde auf Bewerbungen und der Teilnahmen an Maßnahmen bestehen, sondern auch das Unterhaltsamt.

Aber zurück zum Anliegen diese Beitrags:

Liebe traumatisierte Einsatzsoldaten: in wie weit habt ihr bei Bundeswehr-Psychologen das Angebot erhalten eure Erfahrungen in Textform zu konservieren und damit die Belastung aufzuarbeiten?

Gauck – Veterans for Peace Germany – Foundation: June 3rd 2014

(English Version below)

Soeben erreichte mich ein Päckchen. Es enthielt Einsatzmedaille und Stiefel. Die DVD mit der kleinen Anfrage und dem Video wurde einbehalten. Der handschriftliche Kommentar, das ich von „Bundesbediensteten mit Truppenausweis“ nicht mehr unter Druck gesetzt werden will war auf dem Umschlag, in dem die Hülle mit der DVD steckte.

Ich weiß nicht, wie ich mich damit fühlen soll. Kein erklärendes Anschreiben. Mein Adressaufkleber wurde wieder verwertet. Der Akt der Rückgabe sollte eigentlich meiner Entlastung dienen. Ich habe mich wohl zu keinem Zeitpunkt im Leben mehr verarscht gefühlt, als jetzt gerade.

„Soldat schweig! – deine Meinung zählt nicht.“

Update 16:00 Uhr

Gerade mit dem Leiter der Afghanistansammlung im Haus der Geschichte in Bonn telefoniert. Die Aufnahme der Einsatzstiefel mit der Medaille sowie dem Karton mit dem „Veterans For Peace“-Logo in die Sammlung wurde bestätigt.

Der Sammlungsleiter konnte nicht zusichern, dass das Exponat auch in den sichtbaren Teil der Ausstellung gelangt. Für den Online-Katalog und als Erklärung des Exponats darf ich nun die entsprechenden Hintergründe ausarbeiten.

Der Artikel kann dann später auch für Ausstellungen entliehen werden. Für mich ist das ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung. Auch das Schweigen von Frau Von der Leyen und Frau Merkel wird ein Thema in dem Text – ebenso die heute erfolgte Rücksendung der Stiefel durch den Bundespräsidenten.

140603-Gauck_1

140603-Gauck_2

image

image

image

English Version:

A few days ago I tried to go a step further in coping with my PTDS and the experiences I made during my last mission. I whitnessed, that the german press, as well as the german parliament does not get fully informed about what happens on mission in Afghanistan.

Mainly, on the incident I witnessed, all information on capturing attackers was neither given to the press, nor to german parliamentarians. No information on handing them over to the afghan police and later – refering to a high-ranking, definetly well informed source – being killed by a local power, that did not feel confident about the attackers action.

I picked up a strong symbolic act, performed by a lot of veterans in the US but refused to throw the medals, because this act is very unknown among german soldiers. I made a video, explained my case and the questions I have – mainly which independent commission controls army in treating prisoners of war and what happens to them, after handing them over to local authorities.

I returned my medals to the german president Joachim Gauck, to the german chancelor Angela Merkel and to the head of german DoD Ursula von der Leyen along with the boots I have worn on missions.

I expressed, that I as a journalist who I now am don’t want to be threatend any more for practising free speach, as done in december 2013 , when a Army-Reserve Guy contacted me, double-authenticated himself by showing his military identity-card and emailing me afterwards from an account, belonging to a german ministry other than defense.

Today a parcel arrived. It contained the medal and the boots. The presidential office kept the DVD with the video and information about the incident and the threat performed by the governmental worker.

No further explanation given. No letter. Nothing but disrespect. „Soldier shut up!“ is what I currently feel.

This is how the german president treats veterans. Hope, he is willing to face a new „Veterans for Peace Division“ which I now bring up in Germany.

I hpoe, that the american, as well as the britisch Veterans for peace organisations will support this action.

Berlin, June the 3rd 2014

Danke…

… zunächst an alle Leser, die seit Mai 2013 die Geschichte meiner Erkrankung hier im Blog mitverfolgt haben. Danke für die zahlreichen aufbauenden Wort und, dass ihr diese Situation ausgehalten habt. Das fiel mir selbst mehr als einmal schwer.

Das ich mit meiner Situation (erkrankter Ex-Soldat, in Ausbildung) in die normalen sozialen Auffangsysteme ALG1 / ALG2 oder Bafög nicht so recht reinpasse, wurde im laufe der Wochen deutlich.

Zu recht sahen sich einige Ämter nicht zuständig oder konnten meine Situation nicht wirklich einordnen. Zuständig ist und war der Dienstherr, der seiner Verpflichtung mit dem heute zugegangenen Bescheid nun auch nachkommt.

Ich bin nicht der erste Soldat, der innerhalb seiner Berufssförderungszeit erkrankt. Sicherlich bin ich auch nicht der erste Soldat mit einer einsatzbedingten Erkrankung, die die Lebensplanung über den Haufen wirft. Solange Bundeswehr und Versorgungsämter über langwierige Feststellungsverfahren das abrutschen einsatzgeschädigter Soldaten in HARTZ4 begünstigen, sehe ich die Mitarbeiter der Berufsförderungs- und Sozialdienste in der Pflicht, aktiv auf diese Paragraphen hinzuarbeiten, wenn Ex-Soldaten in diese Notlage geraten.

Für den zivilen Bereich: für mich gab es  weder einen Anspruch auf Krankengeld, noch Arbeitslosengeld 1.

Mein Dank gilt – in der Reihenfolge am Antragsweg entlang:

1. dem anonymen Hinweisgeber auf die Paragraphen 5 Abs 12 S.1  und 2 Soldatenversorgungsgesetz SVG (14.07.2013)

Ohne Sie / Dich wären in den kommenden 12 Monaten keine Gehaltszahlungen nach § 11 Abs. 4 SVG und gemäß der Ausführungsbestimmungen § 27 der AusfBest BföV Abs. 2 Nr. 1  möglich.

2. den Bund Deutscher Veteranen und deren Rechtsanwalt Arnd Steinmeyer (15.07.2013)

3. dem Berufsförderungsdienst hier in Berlin, der die Umsetzung einleitete. (25.07.2013)

4. dem Sozialdienst des Bundeswehrkrankenhauses Berlin. (seit Mai 2013, )

5. den Ärzten der FU6, die die notwendigen Atteste erstellten. (seit April 2013, besonders aber in der Attesterstellung heute / seit Abschluss des ersten Krankenhausaufenthalts).

6. dem Bundesamt für Personalmanagement in Köln, die den Bescheid heute auf den Weg brachten. (15.08.2013)

7. vorab schon dem Bundesverwaltungsamt in Düsseldorf, denen hoffentlich die verbleibenden 3 Arbeitstage bis zur Erstellung der Bezügeabrechnung ausreichen, um eine Zahlung zum 01.09.2013 zu ermöglichen.

Dieser Bescheid gibt mir die notwendige Ruhe, mich um die Therapie und um  die Aufarbeitung der Einsatzgeschehnisse zu kümmern. Seit Veröffentlichung der Afghanistanpapiere Ende November 2012 hatte ich mehr und mehr den Bezug zu meinem Studium verloren. Die Erlebnisse im September 2008 bahnten sich ihren Weg und sorgten dafür, dass ich im März 2013 – nachdem bereits fast 8 Wochen der Bearbeitungszeit meines Bachelorarbeitsthemas durch Depressionen verloren waren  – der Gang zum Bundeswehrkrankenhaus unvermeidbar war.

Mit der Partei „Die Linke“ habe ich mit der Aufarbeitung dieses Tages begonnen – einer von drei belastenden Konflikten aus den ISAF-Einsätzen ist damit auf dem Weg der Lösung.

Immer noch zu klären sind die Ereignisse rund um die Islamkarrikaturen 2006 sowie das problematische Verhältnis zu Vorgesetzten, dass durch insgesamt 3 lebensgefährliche Situationen im Einsatz 2007/2008 bis heute zu Problemen in meiner Zusammenarbeit mit Vorgesetzten führt.

Foto