Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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Interessante Diskussion

Im Zuge dieser Diskussion erreichen mich Kommentare auf dem Nachrichten-Chat, die mir vorhalten, ich würde nicht arbeiten und mir das „Hobby“ Berichterstattung aus dem NSA-Untersuchungsausschuss leisten.

Der Hinweis, dass ich damit journalistisch arbeite und das das Thema Teil der Bachelorarbeit werden wird, wird ignoriert.

Ungeklärt ist weiterhin, in welchem Zusammenhang ein_e Kommentator_in sich hier äußert. Im Rahmen der beruflichen Vernetzung wir mir ein aktiver Bezug zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr angezeigt. Ich prüfe derzeit, was davon zu halten ist:

„Und nun bitte Klartext: warum ist ein aktives Arbeitsverhältnis zur Bundeswehrwerbung bei dir im XING-Profil gelistet ?“
 
 Die direkte Nachfrage führte bisher nur zu ausweichenden Antworten.

Wasserstandsmeldung

Was helfen würde:
1 Jahr voll auf mein Thema & die Bachelorarbeit konzentrieren können.

Was gerade nicht hilft:
Job 1 & Job 2 haben nichts mit meinem Thema zu tun – Therapie und Coaching fressen viel zusätzliche Zeit. Das stellen von Hilfsanträgen DRÄNGT in zweierlei Hinsicht. In erster Linie wäre der Papierkram zu bearbeiten – in zweiter Linie führt das wieder zur Auseinandersetzung auf einer Ebene mit dem Einsatzthema, die mir nicht gut tut und mich nicht weiter bringt. Es wirkt derzeit auf mich so, dass durch diese Abhängigkeit das Problem konserviert und zementiert wird.

Auf der Strecke bleibt:
Viel zu viel.

Jammern hilft nicht – wegschauen aber auch nicht!

Das Totschweigen von Belastungen allerdings auch nicht. Ende November jährt sich zum zweiten Mal die Veröffentlichung der Afghanistanpapiere der WAZ. Für mich bemerkenswert, denn ab diesem Zeitpunkt konnte ich die Aufarbeitung meiner Einsatzerlebnisse nicht weiter vor mir her schieben.

Die Auswirkungen hatten in den Jahren davor bereits dazu beigetragen, das meine Ehe zerbrach und ich im Studium immer mehr Probleme im Umgang mit Professoren und Kommilitonen bekommen habe. Ich bereue nicht, dass ich dem Impuls gefolgt bin und angefangen habe, aufzuarbeiten. Die sinnentstellenden und realitätsfernen Meldungen, die offenbar Grundlage dafür sind, dass Lageentwicklungen in Einsätzen von der Politik falsch eingeschätzt werden, sind nun offenkundig und zumindest in meinem Fall belegt.

Zahlreiche Rückmeldungen anderer Soldaten bestätigen mir, dass diese Wahrnehmung nicht nur meine persönliche Wahrnehmung ist. Im Gutachtergespräch am vergangenen Montag wurde mir erstmals bewusst, welche Zersetzung Ende des letzten Jahres betrieben wurde:

1. Drohungen

Anlässlich meines Protests gegen Überwachung tauchten in meinem Netzwerk auf Facebook – damals Hauptkanal für mich – immer wieder Gewaltandrohungen auf. Subtil bis offenkundig – zeitweise direkt, zeitweise durch Dritte an mich heran getragen. Gewaltvideos, in denen Personen in den Kopf geschossen wird – verknüpft mit Äußerungen zu meiner Person. Erkennbar für jeden, der wusste, dass ich angesprochen werden sollte – in der Sprachwahl so geschickt formuliert, dass die Äußerungen nicht justiziabel sind. Der Absender: Reservist.

2. Diffamierungen

Bis in den Februar hinein wurden meine Themen von mindestens einem hochrangigen Soldaten im aktiven Dienst begleitet, der nach eigenem Bekunden viel Zeit seines Urlaubs, aber keinesfalls Dienstzeit aufwendete, um sich – natürlich – aus rein persönlichem Interesse an den Diskussionen rund um die Themen zu beteiligen, die ich aufgeworfen habe.

Je tiefer ich recherchiere, desto öfter stelle ich fest, dass der Mann auf anderen auffällt, die an ähnlichen Themen arbeiten, wie ich damals. Der Absender: aktiver Soldat.

3. Zersetzung

Das oft erwähnte „Adlongespräch“ war einer der letzten Punkte, die mich dazu bewegten, das Bundeswehrkrankenhaus Berlin nicht mehr aufzusuchen. Aufforderungen, die publizistischen und journalistischen Tätigkeiten einzustellen waren direkt und einschüchternd. Auch in diesem Bereich nicht justiziabel, aber eindeutig im Grad der Bedrohung. Meine Onlineaktivitäten würden gesammelt, ausgewertet und gegebenen Falles durch Dinge ergänzt „die man hinzuerfinden kann“. Der Absender: Reservist im aktiven Beamtendienst in einem Bundesministerium.

4. Verunsicherung

Obwohl ich die Auswirkungen mit meiner damaligen Therapeutin besprach, sah sie mich auf einem guten Weg in der Therapie. Maß sie dem ganzen zu wenig Bedeutung bei? Konnte sie unterschätzen, was ein Themenverbot aus meiner damaligen Redaktion mit mir macht oder war ich schlichtweg schon so sehr in der Verteidigungshaltung? Emotionale Abkapselung, um dem externen Druck standzuhalten – das kannte ich bereits aus Einsatzzeiten.

Prioritäten setzen

Die soziale Isolation, in der ich in den Jahren zwischen 2008 und 2013 überwiegend gelebt habe konnte ich in den letzten Monaten aufbrechen. Berlin machte mir Verbesserungen in diesem Bereich sehr leicht – eine Provinzstadt mit überwiegend konservativer Ausrichtung hätte mich wohl über Jahre nicht voran gebracht. Das Engagement, das ich nun in zahlreichen Bereichen an den Tag bringt mich in der Aufarbeitung deutlich voran.

Irritationen einzelner Akteure, die in mindestens zwei meiner Kreise in den letzten Wochen aufgetreten sind wirken sich dennoch nicht negativ aus. Subtile, aber spürbare Aggitation finden statt. Doch mein Umfeld reagiert mit offenem Hinterfragen dieser Impulse, statt sich von mir zurückzuziehen, wie ich das im Social Media Kontext erleben musste.

Erfolge

Erstmals seit Jahren war mir ein Urlaub möglich, in dem ich im überwiegenden Teil der Zeit erholen konnte und das auch spürte. Schottland stand lange auf der Wunschliste und brachte eine spürbare Entlastung.

Seit vergangener Woche geht es auch mit dem Abschluss der Bachelorarbeit voran. Die klare Ausrichtung in der letzten Coaching-Sitzung half mir bei dem Gespräch mit Professor am vergangene Freitag. Die anschließende 31-Stunden-London-Reise zur Open Rights Conference brachte mich in Bezug auf die Bachelorarbeit ebenfalls voran.

Ausblick mittelfristig

Nur ein Kurs ist noch abzuschießen. Die Zeitplanung für die Kursleistung steht und im Rahmen der Bearbeitung werde ich hoffentlich das Selbstvertrauen generieren, was für die Bachelorarbeit notwendig ist.

Derzeit rät mir mein Professor während der sechswöchigen Bearbeitungszeit, die zeitlich im März / April 2015 liegen muss, komplett auf das Thema zu fixieren. Sinnvoll, was die Bachelorarbeit angeht – ob ich jedoch danach noch beide Jobs haben werde, wage ich zu bezweifeln. Am Ende wäre ich jedoch ein HARTZ4-Empfänger MIT Bachelorabschluss.

Auf Therapie und Coaching zu verzichten ist in diesem Zeitraum ebenfalls nicht möglich und da am Ende der Bachelorarbeit die Exmatrikulation (mit Abschluss) steht, müsste ich parallel noch Zeit für Bewerbungen aufwenden, um nicht aufgrund der Unterhaltsverpflichtungen von Ämtern direkt im Anschluss in eine Arbeitsätigkeit gezwungen zu werden, die nichts mit meinem Berufsabschluss zu tun hat. Rechtlich wäre das zulässig.

Ausblick langfristig

Die ursprüngliche Ausbildungshöhe „Masterabschluss“ wurde durch die Turbulenzen der letzten Jahre mittlerweile unerreichbar. Weiter studieren geht nur unter der Prämisse der regelmäßigen Unterhaltszahlung. Ergo müsste ich 80 bis 100 Stunden pro Woche arbeiten. Mich über zwei – realistisch sind eher drei – Jahre mit dem Studienkredit zu belasten ist nicht sinnvoll.

Ausblick Woche

Job 1 leidet, während ich den Artikel schreibe – doch ohne die Ordnung, die ich mit diesem Artikel in die Herausforderungen bringe, ist kein Start in die Woche möglich. Die Termine sind realistisch und strukturiert gesetzt – auch während des Coachings erfahre ich Bestätigung, dass ich in diesem Bereich keine Defizite habe.

Fazit:

Eine gute Basis,um ab Freitag dann mal wieder etwas zu sein, das ich seit Mai kaum war: Vater.

Wieder einmal Danke sagen & die nächsten Wochen ordnen

Heute ging die Unterstützungszahlung auf meinem Konto ein. Das Bundeswehr-Sozialwerk hat eine weitere Zahlung für Dezember 2014 zugesagt. Die Unterstützung wurde notwendig, weil ich derzeit immernoch weitgehend untherapiert auf den Abschluss des Wehrdienstbeschädigungsverfahrens warte.

Überweisungs-Gutschrift
Bundeswehr-Sozialwerk e.V
Zuschus aus der Aktion Sorg
enkinder in Bundeswehrfamil
ien

Neben der Notwendigkeit, das Studium abzuschließen – wobei mir jeglicher autoritärer Eingriff in meine Arbeit immer noch große Probleme bereitet – arbeite ich in zwei Jobs und schaffe es mit der Unterstützungsleistung auf ein angemessenes Einkommen, dass die Zahlung von Unterhalt zulässt.

Seit Anfang Oktober 2014 wende ich Zeit (& Geld) für ein Coaching auf, das mich durch die Phase der Bachelorarbeit begleiten soll. Gleichzeitig startete ich eine Traumatherapie, mit deren Hilfe die körperlichen Auswirkungen der stressbedingten Erkrankung abgebaut werden sollen.

Da es derzeit kein Verfahren gibt, dass Ex-Soldaten, die in der Verwaltungsmühle hängen, werde ich weitere Anträge stellen müssen.

Verwaltungsmühle Wehrdienstbeschädigung

Länder und Bund rangelten seit Jahren um die Zuständigkeiten in der Veteranenversorgung. Waren nach altem Recht noch die Landesämter zuständig, wechselt derzeit die Verantwortlichkeit auf die Bundesebene. Nötig wurde dieser Schritt, wie mir eine sachkundige Quelle kürzlich schilderte, weil es gravierende Unterschiede in der Anerkennung von Schädigungshöhe zwischen den einzelnen Bundesländern gab.

Noch im September – Monat 17 der Bearbeitung meiner Wehrdienstbeschädigung – äußerte der PTBS-Beauftragte General von Heimendahl im persönlichen Gespräch: „Es hätte nicht passieren dürfen, dass ihre Übergangsgebührnisse auslaufen, bevor das Wehrdienstbeschädigungsverfahren abgeschlossen ist.“

Aktive Soldaten dürfen mit einem laufenden Verfahren nicht entlassen werden – Übergangsgebührnisempfänger mit identischem Verfahrensstand haben diesen Entlassungsschutz nicht und über den Versorgungsstand von Ex-Soldaten, die bereits vollends im Zivilleben angekommen waren, lässt sich nur mutmaßen.

Genesungsstand

Nachdem meine Therapeutin, die ich eigens wegen der Behandlungsmethode EMDR gewählt hatte offenbar voll darauf versteifte, ich sei wegen einer „anankastischen Persönlichkeitsstruktur“ (a.k.a. besserwisserisches Ar…lo..) in Behandlung brach ich die Gesprächstherapie im Mai ab.

Interessant – in dem Onlineverzeichnis, in dem ich auf sie aufmerksam wurde führt sie diese Qualifikation, auf ihrer eigenen Homepage jedoch nicht. Ebenso existiert auch kein Eintrag im EMDRIA. Vorsicht also mit Online-Verzeichnissen – ich habe es leider zu spät bemerkt.

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In den letzten 14 Monaten nach Ende der stationären Therapie im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin hatte ich hauptsächlich damit zu tun, die Auswirkungen der Depression im Alltag zu begreifen und in den Griff zu bekommen. Der Therapieabbruch im Mai, sowie die Probleme eine bezahlbare Krankenversicherung zu bekommen, die mich von Juli bis September unter großen Druck setzten, haben mich viel Kraft gekostet.

Erholung

Es dauerte bis zum 6. Oktober, bis erste Entlastungseffekt spürbar wurden und die Zusagen aus dem Büro des PTBS-Beauftragten sich bewahrheiteten. Ob es der sinkende Stresslevel, die fortschreitende Traumatherapie (TRE – Trauma Release Exercise) oder schlichtweg ein Virus waren – rund 14 Tage verbrachte ich im Oktober mit einer deutlich spürbaren Erkältung. So schwach habe ich mich körperlich seit mehr als 3 Jahren nicht mehr gefühlt. 14 bis 16 Stunden Schlaf pro Tag waren möglich.

Überraschend konnte der Studienkredit der KfW-Bank reaktiviert werden und wurde rückwirkend für ein Semester ausgezahlt. Ich entschied mich darauf hin, das Geschenk als solches auch für mich zu nutzen und flog für eine Woche in den Urlaub nach Schottland. Meine erste längerer Reise nach der Rom-Reise, die ich mit dem Rucksack im April 2011 machte.

Notwendig. Auch hier bemerke ich, dass ich deutlich länger und besser schlafe – eine Auswirkung, die seit Beginn der Traumatherapie sehr deutlich spürbar ist

Edinburgh

Kommende Stressoren

In der nächsten Woche steht zu Wochenbeginn die Untersuchung im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg an. Länger, als einen Tag ambulant lasse ich nicht zu. Das hat mehrere Gründe.

Zunächst muss ich den Arbeitsverpflichtungen in Berlin regelmäßig nachkommmen. Daran ändern auch Zahlungen aus Hilfsfonds und Stiftungen nichts, denn diese waren nur für September 2014 bis Dezember 2014 gesichert.

Gravierender aber ist, dass das herumrühren in Krankheitssyptomatiken mittlerweile nicht mehr zu dem Weg passt, auf dem ich mich befinde. Ich arbeite aktiv an der Genesung, soll aber – so verlangt es der Verwaltungsweg – nun begutachtet werden, was mehr der Diagnose und dem herumrühren in Krankheitssyptomatiken ähnelt als dem herausarbeiten aus der Krankheit. Die Verwaltungsformalien sind vor allem eines: kontraproduktiv.

Ende der kommenden Woche steht dann ein Gespräch mit meinem Studiengangsleiter an, wie der Abschluss des Studiums und die Bachelorarbeit vonstatten gehen kann.

Bachelorarbeit, Vollzeit-arbeiten-müssen, zeitgleich in Traumatherapie und massig lästiger Schriftverkehr mit Ämtern und möglichen Hilfe-Stellen – das Programm der nächsten Wochen…

Erzählt mir also nichts von lauem Lenz oder dass ein Urlaub ja wohl eine Frechheit sei …

Fragen über Fragen – Persona non grata?

Im November 2012 schrieb ich meinen ersten ansatzweise kritischen Artikel zum Thema 27.09.2008. Enthüllungen enthielt dieser kurze Onlineartikel nicht – nur etwas Promotion für das WAZ-Leak. Leider ist der Artikel heute nur noch kostenpflichtig zu erreichen, sofern man bereits das Seitenaufruflimit erreicht hat, das die Rhein-Zeitung erst vor kurzem noch restriktiver handhabt.

Die WAZ hat auf Initiative von David Schraven eine mehrere Jahre umfassende Leaking-Platform zum Thema „Deutscher Afghanistaneinsatz“ aufgemacht. Schon am Tag der Veröffentlichung stößt mich mein Kollege in der Rhein-Zeitung darauf. Ich sehe die Schilderungen zum 27.09.2008 und bin entsetzt, wie wenig unsere Parlamentarier über diese Einsätze erfahren und wie weit weg die offiziellen Schilderungen in den jetzt zugänglichen „Unterrichtungen des Parlaments“ von dem abweichen, was ich vor Ort erlebte.

Wehrübung bei Luftlandebrigade 26 in Saarlouis

Im September 2012 hatte ich in Oldenburg beim Airborne Fit Run teilgenommen. Der Organisator des Geländelaufes im Stil der bekannten Tough-Mudder Events schlug mir vor, ich solle mich doch bei einem springenden Verband als Reservist betätigen. Das Hobby Fallschirmspringen hatte ich im Jahr 2011 / 2012 als guten Ausgleich entdeckt und hätte mir gut vorstellen können, auch in militärischem Umfeld diesen Sport zu betreiben.

Mein Ansinnen die Bachelorarbeit mit diesem Hobby zu verknüpfen wurde seitens des ehemaligen Dienstherrn – trotz immer noch ausreichend verfügbarer Mittel im Rahmen der Berufsförderung – abgelehnt.

Die Tätigkeit als Presseoffizier im Inland für die Luftlandebrigade 26 konnte nicht nur ich mir gut vorstellen. Auch der Dienstposteninhaber, den ich vertreten sollte war mehr als begeistert:

„Endlich jemand, der qualifiziert ist! Militärisch bringen Sie Medienerfahrung mit, studieren Onlinejournalismus: ich bekomme endlich einen Vertreter!“

Sinngemäß zitiert drücken die Sätze aus: der Job passt für mich!

Ich schicke eine eMail mit dem Link zum Artikel bei der Rhein-Zeitung und äußere die Befürchtung, das könne falsch aufgefasst werden. Der Presseoffizier antwortet, dass er kein Problem mit dem Artikel habe. Offenbar glaubt auch er an die parlamentarische Kontrolle, die defacto stattzufinden hat, aber offenbar unterwandert wird.

Telefonanruf:

„Herr Oberleutnant, hier Stabsfeldwebel XY … ich muss leider ihre Wehrübung absagen,“ höre ich am Telefon die bekannte Stimme des Personalfeldwebels aus Saarlouis. „Sie haben nicht den notwendigen Lehrgang für den Dienstposten.“

Verwundert entgegne ich:

„Wir hatten doch abgesprochen, dass ich eine 5-tägige Orientierungswehrübung mache, mir zunächst Dienstposten und Aufgaben anschaue und danach entscheide, ob ich die erforderlichen Lehrgänge für einen Reservisten und dauerhaften Vertreter des Presseoffiziers mache.“

Mit Druck in der Stimme kommt die klare, sachliche Ansage des Personalfeldwebels:

„Herr Oberleutnant: das weiß ich. Die Absprache haben Sie ja mit mir gemacht. Ich habe Anweisung von oben, diese Übung abzusagen. Die offizielle Begründung ist der fehlende Lehrgang. Tut mir Leid – ich muss die Wehrübung aufheben.“

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Rund 3 Arbeitstage vor Antritt der Wehrübung. Ich schreibe via Facebook nochmal meinen ehemaligen Kommandeur an und frage, ob er mal nachhaken kann, was da der Grund ist. Eine wirkliche Erklärung gibt es nicht. Schuld seien womöglich meine Onlineaktivitäten.

Ein paar Tage später schildert mein Cousin, der ebenfalls als Soldat unterwegs ist und gerade an einer Karriere im Umfeld des Kommando Spezialkräfte als Waffenmechaniker baut, er sei plötzlich umgeplant worden. Umgeplant heißt in diesem Fall die spontane Ablösung von einem bereits laufenden Einzelkämpferlehrgang und die Versetzung in eine Einheit, die in den kommenden zwei Jahren erst aufgebaut wird. Alles nur Zufall?

Negativliste

Was mich so unhaltbar macht ist online leicht nachzuvollziehen und eigentlich mit dem allem vereinbar, was ein Staatsbrüger in Uniform so tuen darf:

Domain https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog

Ende 2012 registriere ich die Domain „Wir-Dienten-Deutschland.de“ und führe dabei – ungewollt – die Unfähigkeit der Bundeswehr vor, wenn es um Öffentlichkeitsarbeit geht. Nur ein Buchstabe mehr öffnet das Tor, die groß angelegte „Wir.Dienen.Deutschland“ zu diskreditieren. Dilettantisch, sich die Domain nicht zu sichern, wenn die eigene heile Bundeswehr-Welt doch unter wir-dienen-deutschland.de präsentiert wird. Na gut …

Das Projekt „Wir.Dienten.Deutschland.“ startete ich zunächst nur auf Facebook mit folgendem Missionstatement:

Projekt im Aufbau: Werbeversprechen nicht eingehalten? Falsche Erwartungen geweckt? Absturz nach Ende der Dienstzeit, weil Feststellungsverfahren nicht abgeschlossen wurden?

Via Facebook sammele ich Fälle, die journalistisch aufzuarbeiten sind. Von langwierigen WDB-Verfahren über die Ablehnungsgründe für BFD-Maßnahmen bis hin zu fragwürdigen Anwerbungsversuchen.
Wichtig:
Alle eure Angaben müssen nachprüfbar sein – Beiträge, die offenkundig nur auf Shitstorming abzielen, jedoch nicht durch Schriftverkehr mit BFD, Gutachtern, Wehrbeauftragten oder anderen Stellen zu belegen sind, bitte nicht posten.

Ich zähle zu den Betroffenen. Zunächst musste ich aufgrund der häufigen Einsatzbeschickung rund 9.000 Euro an Maßnahmenbudget während der Dienstzeit verfallen lassen. Ich bemühte mich dabei schon früh darum, diese Budget zu nutzen. Zunächst besprach ich mit dem Berufsförderungsdienst (BfD) 2003 /2004 die Möglichkeit eines Fernstudiums zum Medienbetriebswirt. Dies wäre meinem Berufswunsch nahe gekommen und hätte zeitgleich noch Bezug zum militärischen Werdegang gehabt.

Der BfD will das aus unterschiedlichen Gründen allenfalls nur im Nachhinein aus dem Förderbudget finanzieren. Ich soll in Vorkasse gehen. Umzugbedingt hat meine Frau damals jedoch keinen Job. Mit einem Grad der Behinderung von 50% findet sie nach dem Umzug an meinen neuen Dienstort 2002 keinen Job. Von meinem Gehalt zahle ich daher noch einen Anteil von 150 Euro monatlich für ihre Krankenversicherung. Das Budget für die Vorfinanzierung eines Fernstudiums ist nicht da. Die Finanzierung durch den BfD würde nur bei Erfolg im Nachhinein übernommen werden.

Ich frage wegen Berufsorientierungspraktika an und bekomme die Aussage, dass es dafür noch zu früh sei.

2002 und 2003 verbringe ich auf Offizierlehrgängen – 2004 und 2005 als Gruppenführer, stellvertretender Zugführer und Zugführer in einer Grundausbildungseinheit. Körperlich fordernde 12 Stunden Arbeitstage sind die Regel – nicht die Ausnahme.

Im Oktober 2005 breche ich einen bereits begonnenen Sprachkurs Französisch nach 4 Wochen ab – der Einsatz im November geht nun einmal vor.

2006 ist nahezu unplanbar. Nach Rückkehr im März geht es unmittelbar zur NATO-Response-Force und nach Frankreich, später auf die Kapverdischen Inseln.

2007 breche ich eine Maßnahme im Juni ab. Meine Frau braucht Unterstützung mit unserem wenige Wochen alten zweiten Kind. Mein ältester Sohn ist nicht einmal drei Jahre alt.

Zwischen 2008 und 2010 studiere ich Informationsmangement, scheitere aber wegen der zusammenbrechenden Familiensituation. Meine (jetzt Ex) Frau kämpft mit den Auswirkungen der letzten Jahre. Einsatzstress erreicht auch Familienmitglieder – ein Thema, das der Bild-Zeitung 2014 nun auch auffällt. Rechtzeitig schon 22 Jahre nach Beginn der Auslandseinsätze und wohl kurz vor der heldenhaften – Ursula-rettet-die-Angehörigen-Maßnahme, mit der ich persönlich ab September 2014 rechne. Erzählt sich auch schöner, als der dann wohl aktuelle Kriegseinsatz im Irak oder anderen Ländern.

Heute – 2014 – halten mir angeblich gesunde aktive Soldaten vor, ich hätte meinen Berufsförderungsdienst nicht richtig genutzt und das Einsatzgeld verprasst.

Fakt ist: das Budget während der Dienstzeit ist nur bei normalem 4 Monate Einsatz – 20 Monate Dienst im Inland nutzbar.

Ich schaffe es 2008 noch ein Berufsorientierungspraktikum beim Bundesarchiv in Koblenz zu machen. Ich erhalte 4 Wochen Freistellung und hänge 2 Wochen Urlaubszeit dran. Den nötigen Sprachlehrgang, um mich für den Archivdienst zu bewerben bekomme ich nicht genehmigt. Der BfD fördere nur Gruppenmaßnahmen… die alte Leier an vorschriftenbasierten Ausreden um berechtigte Ansprüche abzuwenden.

Erst lange nach der PTBS-Diagnose verlinke ich die Domain auf meinen PTBS-Blog, füge auch das provokante Titelbild hinzu, das auf der re:publica 2013 entstanden ist.

Im Januar 2013 sind das meine einzigen Aktivitäten mit Militärbezug. In Berlin bin ich jedoch in Richtung typisch linker Themengebiete unterwegs. Für die Bundeswehröffentlichkeitsarbeit schon zu viel? Wovor haben die namenlosen Verantwortlichen „da oben“ eigentlich Angst?


Kritischer Medienkonsument

Zwischen 2010 und 2013 bin ich in meinem Blog Medienkonsument immer mal wieder kritisch am Thema Militär dran. Themen, wie die Schmierenkomödie um Karl Theodor zu Guttenberg kann ich nicht liegen lassen. Lästern ist aber nicht der einzige Grund.

Ich melde mich kritisch zu Wort, weil mir die selektive Pressearbeit der Bundeswehr ins Auge fällt. Ich lese Bücher und habe ziemlich schnell raus, welche Themen von der Bundeswehr gewünscht sind.

In einem Artikel stelle ich gegenüber, dass ein Bild-Redakteur, der fleißig darlegt, warum mehr Waffen und Ausrüstung nach Afghanistan müssen und welche Kräfte dringend aus dem Einsatzführungskommando entfernt werden müssen gern in der Hosentasche des Ministers mitreisen darf. Autor und Coautor schreiben anschließend ein derart umwerfendes Werk, dass der Minister sogar mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, um bei der Buchpräsentation auf dem Podium zu sitzen. Meine Rezension zu Ruhet in Frieden, Soldaten

Unbeliebt: Emotionen

Das Maximum an zulässiger Emotionsbekundung ist, den Gefallenen zu Gedenken. Mitgefühl mit der Bevölkerung in den Einsatzländern scheint hingegen nicht gern gesehen. Anders kann ich mir persönlich gewisse Entwicklungen nicht mehr erklären.

Dem Werk des Bild-Redakteur steht die Autorenleistung „Feldpost – Briefe Deutscher Soldaten aus Afghanistan“ gegenüber. Ein Team aus mehreren Redakteuren der Süddeutschen Zeitung beklagt im Vorwort die versagte Unterstützung durch die Presseabteilung der Bundeswehr. Zunächst zugesagte Unterstützung erfolgt nicht.

Das Buch ist authentisch, thematisiert auch, wie Soldaten den Umgang mit Afghanen sehen, erleben und mitfühlen.

Unbeliebt: die Arbeit mit Zahlen und Grafiken

Irgendwann platzt mir die Hutschnur – aber ich komme zu einer neuen Erkenntnis, was den Umgang mit Zahlen angeht. In einer frühen Phase der Traumatisierung setze ich mich noch für mehr Anerkennung für Soldaten ein. Der Bund Deuscher Veteranen bedient diese Linie derzeit ausgiebig – es ist schon länger nicht mehr meine Linie.

Mir fällt auf, dass die Bundeswehr mit einem Personalkörper von damals noch 250.000 Soldaten als unfähig wahrgenommen wird „die Paar Soldaten“ in die Einsätze zu schicken. Ich wundere mich sehr, weil ich aus eigenem Erleben weiß, dass viele Stellen im Einsatz kaum zu besetzen waren und die Soldaten, die ich in drei Einsätzen und dem NRF-Einsatz traf auch sehr oft die gleichen waren, wie aus vorangegangenen Einsätzen. Unterwegs im gleichen Rhythmus, wie ich zwischen 2005 und 2008.

Ich fange an die Zahlen zu betrachten, stelle fest, dass die Augenwischerei mit der Meldung der „Zahl aktuell im Einsatz befindlicher Soldaten beginnt“. 7.000 erscheint angesichts von 250.000 lächerlich. Würde die Bundeswehr das Modell 4 Monate Einsatz – 20 Monate Dienst im Inland aber konsequent umsetzen, so bräuchte es jährlich 21.000 Soldaten und für einen kompletten Umlauf 42.000 Soldaten.

Dinge wie diese fallen mir ins Auge – Dinge wie diese greife ich auf und wundere mich in deutlichen Worten, warum so schräg kommuniziert und gleichzeitig wegen zu wenig Anerkennung gejammert wird.

Unbeliebt? Na dann…

2013 begegne ich einem Journalistenkollegen, der den freundlichen Hinweis bekam, die grafische Darstellung der steigenden PTBS-Erkrankungen doch bitte als Tabelle – wie vom BMVg zur Verfügung gestellt – zu nutzen und von seinen Seiten zu entfernen. Sieht auch gar nicht schön aus, so ein ansteigender Graph.

Unbeliebt: Engagement für afghanische Ortskräfte

Die Uhr tickt. Wenn Ende des Jahres – in etwas mehr als 4 Monaten – die Masse der Truppen aus Afghanistan abzieht, wird es eng für die Verbliebenen der rund 1.700 Ortskräfte der Bundeswehr, die kein Asyl erhalten haben.

Dass die Asyl-Verfahren zu lange dauern ist in diesem Fall mit der Gefahr verbunden, dass die verbliebenen Ortkräfte dem nachrückenden Regime und lokalen Machthabern zum Opfer fallen. So erlebt in zahlreichen Konflikten – bisher sind es kaum 300, die Asyl in Deutschland erhielten.

Interviews zu dem Thema sind derzeit nicht gewünscht. Reinhold Robbe gab der Süddeutschen und dem verbandelten Onlineauftritt jetzt.de Anfang Juni 2014 ein Interview – schon nach vier Wochen verschwindet das Interview hinter der kostenpflichtigen Archiv-Paywall. Öffentlichkeit nicht erwünscht. „Es ist beschämend“ vom 10. Juni 2014 kann nicht mehr abgerufen werden.

Staatsbürger in Uniform?

Klar haben wir das Konzept noch– aber über Missstände soll auch Jahre danach bitte noch die Klappe gehalten werden. Viele Ex-Soldaten zensieren sich zunächst selbst, denn sie befürchten Auswirkungen auf die aktive Truppe.

Wer über die Bundeswehr redet, soll es bitte grundsätzlich mit dem Unterton tun, er/sie vermisse die Zeit, wäre gern wieder dort und Soldaten brauchen so wie so mehr Anerkennung. Wer das tut, der darf Bücher schreiben, spricht auf Podien und darf sich im öffentlich-rechtlichen TV zur Mittagszeit für die Unterstützung der feuchten Träume der Drohnenbeschaffungsabteilung im Ministerium stark machen.

Kritiker, wie ich haben hingegen seltsame Zufallsbegegnungen, bei denen ihnen nahegelegt wird doch das Publizieren einzustellen. Nonchalant wurde mir der Truppenausweis gezeigt und nahegelegt, dass ich selbst für Gründe, die ich nicht selbst online liefere Repressalien zu spüren bekommen könnte „…plus das, was man noch hinzu erfinden kann.“

Selbst Schuld

„Warum machst du den Mund auch auf? Kannst doch die Klappe halten“
„Bist doch freiwillig zur Bundeswehr gegangen.“
„ Netzbeschmutzer.“
„Zivilversager.“

Alles Kommentare, deren Unterton transportiert: Wir wollen es nicht hören. Klar – eine Armee, die solche Missstände aufweist und irgendwann mal mit Reserve-Kräften im Inland eingesetzt wird, die will sich niemand vorstellen.

An diesen Missständen als aktiver Soldat mitzuwirken, weil das Schweigen einfacher ist, als diese verfilzten Strukturen zu bekämpfen ist eine ungeheuerliche Vorstellung. Ignorance is bliss – ignorance is a choice!

Gründe, Gründe, Gründe

Sollten all diese Nennungen und Artikel Gründe dafür sein, dass ich 2013 nicht mehr als Presseoffizier eingesetzt werden kann? Lieber PTBS-Beauftragter, Lieber Wehrbeauftragter: auch dazu hätte ich gerne ihre Stellungnahme. En Detail und bis zum 29.08.2014. Das dürfte schnell gehen, denn eigentlich ist kein Grund enthalten, keine Äußerung, die mich inkompatibel zu den Grundsätzen dieser Armee macht.

Für möglich aber halte ich, dass in irgendeiner Art und Weise Dinge in das herein interpretiert werden. Für möglich halte ich auch, dass schlichtweg mein privates Umfeld überwacht wurde und in Kontakte, die ich in journalistischem Kontext bis 2013 hatte interpretiert wurde, dass ich so unhaltbar für die Armee bin.

Sollten jedoch Anteile meines Privatlebens ungefragt durch dienstliche Tätigkeiten falsch-interpretiert worden sein, sehe ich das als Eingriff in meine staatsbürgerlichen Rechte an.

Falls aber Missstände nicht aufgezeigt werden dürfen, äußern Sie bitte zu jedem dieser Beispiele, was daran so untragbar ist. Gern formuliere ich gemeinsam mit ihren Büros eine „Anleitung zum aufrechten Staatsbürger in Uniform“. Vielleicht gelte ich danach ja auch nicht mehr als „befangen“ und darf Themen, wie Afghanistan in einem journalistischen Umfeld begleiten … und könnte davon leben, statt Jobs auf seltsame Weise zu verlieren.

Ja, mir fallen Dinge und Seltsamkeiten in der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr auf. Ich bin auch schon gespannt auf die Ergebnisse von Anfragen, wie dieser hier:

Kleine Anfrage Linkspartei vom 06.08.2014 „Videoaufzeichnungen in Einsätzen der Bundeswehr“

Unguided Missile

Die Trigger-Ereignisse der letzten Tage lassen mich wieder verstärkt an Themen arbeiten, die gerade eigentlich weder dran sind, noch dran sein sollten. Doch mit der immer wieder unterstellten „Befangenheit“ hat das nichts zu tun.

Unguided Missile: ever since!

Mit meinem Handeln stand ich erstmals im Februar 2006 im absoluten Konflikt mit „den Interessen anderer“. Ich kann nicht genau sagen, was die genauen Hintergründe waren, aber offensichtlich fand ich schon damals Worte, die in irgendeiner Weise einen „irgendwo“ geplanten Ablauf störten.

Nachdem bereits die halbe muslimische Welt in Aufruhr war und Menschen starben, schwappte die Welle der Proteste dann auch nach Afghanistan. Der damals verantwortliche General Bernd Kiesheyer hatte die Intention, das zu stoppen und vor allem Tote unter den Soldaten zu vermeiden.

Seine Forderung an die OpInfo-Einheit, der ich angehörte und die neben einer Zeitung, Flugblättern und Lautsprecherwagen auch meinen Radiosender mit rund 900.000 Hörern im Norden Afghanistans betrieb war deutlich: Verluste und Ausschreitungen vermeiden.

Wie? Das wusste zunächst auch ich nicht. In erster Linie wollte ich vermeiden mögliche Linien oder Statements der deutschen Bundesregierung zu der Thematik zu verkomplizieren oder diesen zu widersprechen. Ich frage meinen vorgesetzten Oberstleutnant zunächst nach einem Statement der Bundesregierung oder des auswärtigen Amtes zu den Islamkarrikaturen.

„Da gibt es nichts.“ war seine knappe Antwort. „Wie sieht es mit dem Einsatzführungskommando oder der Bundeswehr allgemein aus?“ Der Blick in sein Gesicht nahm die Antwort schon fast vorweg: „Da gibt es nichts. Da wird auch nichts kommen. Das müssen wir wohl vor Ort regeln.“

Erfahrung

Zu diesem Zeitpunkt habe ich an Qualifikation einen 6-wöchigen Lehrgang, der sich mit „Journalismus allgemein“ befasst hat. Ich habe gelernt, wie Beiträge mit Originaltönen produziert werden, habe bei einem Radiosender der Bundeswehr (Radio Andernach) drei Wochen mitgearbeitet und hatte 3 Wochen „Training on the Job“ als Chefredekteur eines Radiosenders mit 8 festen Redakteuren und einem Korrespondentennetz aus damals 15 Redakteuren.

Örtliche Radiostationen übernahmen in einem System von Re-Broadcast-Stationen wöchentlich ein einstündiges Programm der ISAF in ihre Programme. Führungserfahrung in der Leitung des Senders: gut 6 Wochen nachdem mein Vorgänger den Heimflug angetreten hatte.

Die Forderung nun: „Machen Sie Radio so, dass keine Soldaten zu schaden kommen.“

Nachdem wir uns beraten haben, kam folgender Radiobeitrag zustande. Der Text kann veröffentlicht werden, da dieser ja bereits „Live On Air“ quasi für alle Afghanen und sonstigen Stellen zugänglich war:

Als General Kiesheyer, Kommandeur und verantwortlich für die ISAF-Truppen im Norden Afghanistans von dem Vorfall in der internationalen Presse erfuhr, äußerte er, dass er es persönlich bedauert, das die veröffentlichten Bilder das religiöse Empfinden der Muslime weltweit und besonders der ehrbaren Menschen im Norden Afghanistans so tief verletzt hat.
Er stellte klar, das die ISAF-Truppen im Norden die Religion der Menschen respektieren. Er betonte das ISAF den Glauben der Menschen respektiert, egal, welcher Religion sie sich zugehörig fühlen.Er hofft, dass der Prozess der Zusammenarbeit und des Wiederaufbaus durch diese Vorfälle nicht Schaden nimmt und das die Freundschaft zwischen ISAF und den Menschen im Norden nicht darunter leiden wird.

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General Kiesheyer bestand im persönlichen Gespräch mit mir darauf, das ich das Wort “persönlich” einfüge. Seine erkennbare Intention war, Nachfragen und Ärger auf seine Person zu zentrieren.

Und die Nachfragen kamen

Wenige Tage nach dem wir das Statement quasi täglich an allen stündlichen und halbstündlichen Nachrichtensendungen angefügt, sowie per CD im gesamten erreichbaren Norden Afghanistans verbreitet hatten klingelten die Telefone heiß.

Verteidigungsministerium, Einsatzführungskommando, Auswärtiges Amt – kaum eine Instanz, die nicht direkt nach dem Statement schrie. Ich erfuhr später, dass offenbar ein amerikanischer Soldat von seinem Sprachmittler übersetzt bekommen hatte: “Ein deutscher General hat sich für die Islamkarrikaturen entschuldigt.”

Die Information wanderte von Afghanistan nach Belgien ins NATO-Hauptquartier SHAPE und von dort in den Bundestag – wie mir mein Vorgesetzter sagte, in den Verteidigungsausschuss.

Später schilderte er mir, ich wäre als “unguided missile” bezeichnet worden, die schleunigst wieder eingefangen werden müsse.

Wie groß war die Angst?

Als ich im September 2006 einen Vortrag zum Thema “Lebenbedingungen im Camp” vor Angehörigen halte, werde ich angesprochen, doch den gleichen Vortrag in Rahmen einer Veranstaltung in Ahrweiler zu halten. Die Ankündigung der Veranstaltung hing auch für einige Zeit im Verteidigungsministerium in Bonn am Schwarzen Brett.

Mein Arbeitstitel “Die Akte Kunduz” war unbewusst gewählt. Ich hatte schlichtweg mehrere Einsätze absolviert und für jeden dieser Einsätze gab es immer eine Einsatzakte. Die Symbolik “Akte – abheften – ablegen” gefiel mir damals gut.

Wenige Tage vor dem Vortrag reagiert zunächst mein Kompaniechef “panisch”, was ich denn da für einen Vortrag halten wolle. Der Bataillonskommandeur sei vom Kommandeur der Truppengattung aufgefordert worden, das in Erfahrung zu bringen. Ich solle mich melden und den Vortrag erläutern.

In dem mehr als nur harmlosen Vortrag schildere ich die Lebensbedingungen vor Ort und vor allem, was psychisch Entlastung geschaffen hat. Nicht nur die offiziell verbotene Tierhaltung im Camp, die ich in allen Einsätzen erlebt habe, sondern auch der “Karnevall in Kunduz”, den wir wenige Tage nach einem schweren Anschlag feiern. “Wir müssen das Ventil ein wenig öffnen – die Anspannung nach den Karrikaturen, Meymaneh und dem Anschlag ist einfach zu groß!”, meinte mein damaliger Vorgesetzter.

Am 22.02.2006 gab es erstmals seit der Stationierung von Bundeswehrtruppen in Kunduz einen Anschlag in der Innenstadt, bei dem Soldaten das Ziel waren. Einer wurde schwer verletzt und traumatisiert. In der afghanischen Bevölkerung gab es nicht nur Verletzte, sondern auch Tote. Schon deswegen obliegt es mir, den Redakeuren zu erklären, was der seltsame Brauch “Karnevall” zu bedeuten hat. Sie geben diese Information an die afghanischen Mitarbeiter in den anderen Bereichen des Camps weiter.

Damit erscheint dann – hoffentlich – der Umzug nicht ganz so fremd und unangebracht, den wir durch das Camp veranstalten. Für den Stresslevel wichtig – schon wenige Tage später gibt es wieder Anschläge. Die Drohungen Handgranaten könnten über die Lagermauern fliegen und den ominösen “weißen Toyota mit Sprengsatz” nehmen alle längst nur noch unterbewusst wahr, zur Kenntnis und quasi als “Normalzustand”.

Auswirkungen auf mich

Meine Belastungsstörung trat damals noch nicht zu Tage. Doch Aspekte, wie Kasernierung in mäßig gesicherten Lagern, Aufstände oder Angriffe finden sich im Kosovoeinsatz, wie auch in ISAF 1 und 3. Die Depressionen, unter denen ich zwischen 2008 und 2013 massiv litt waren verknüpft mit ISAF 1, den Islamkarrikaturen und dem Beinaheverlust des Camps in Meymaneh, für das wir quasi sämtliche Krisen-PR-Stellungnahmen schon formuliert hatten.

Ich wusste seither, wie Medienarbeit unverzeihlich Fehler im Umgang mit Massenkommunikationsmitteln sein können. Und das sie Menschenleben kosten können. Während ISAF 2 dann einen unerfahrenen Chef erleben zu müssen, der Fachfehler um Fachfehler begeht und mittels Autorität und Dienstgrad auch gegen mich durchsetzte hat weiteren Schaden angerichtet.

Angst auch 2013 ?

Es dauert nur wenige Tage, bis der Artikel über den Afghanistan-Einsatz 2005/2006 mit den Ereignissen rund um die Karrikaturen erkennbar häufig geklickt wird und auch an allen anderen Artikeln eine IP-Adresse immer wieder auftaucht.

Dänisches Aussenministerium

Dänisches Aussenministerium

Erst auf direkte Ansprache der Dänischen Botschaft im Laufe des Jahres endet der immer wiederkehrende Zugriff der IP-Adresse aus dem dänischen Aussenministerium in Kopenhagen.


Geplante Unruhen – aber von wem?

Im Januar 2014 treffe ich den dänischen Whistleblower Anders Kaergaard. Der ehemalige Offizier wurde durch seine Einsätze im IRAK traumatisiert und ging ebenfalls 2013 an die Öffentlichkeit.

Wir hatten sogleich eine besondere Gesprächsebene. Seine Militärzeit verbrachte er in einer vergleichbaren Einheit, wie auch ich. Medienarbeit fürs Militär – Psychological Operations.

Er beschrieb mir vor allem die Unterschiede der dänischen PsyOps im Vergleich zur Deutschen OpfInfoTruppe. Die Stellen der Dänen seien, so Kaergaard, nicht nur im Militär, sondern auch beim Geheimdienst verortet.

Der zweite wesentliche Unterschied sei, so schildert Kaergaard, dass das dänsische Militär nicht nur die Zielgruppe Einsatzbevölkerung mit Informationen versorgt, sondern das auch in Richtung der einheimischen Bevölkerung Informationskampagnen gefahren würden. Die Inhalte der Kampagnen orientierten sich dabei am Nutzen, der gegenüber der jeweiligen Zielgruppe erlangt werden solle. Kaergaard schildert, dass das vorallem dazu genutzt werde, um schwere Vorfälle in Einsatzgebieten gegenüber der Bevölkerung herunter zu spielen.

Ich entgegne, dass ich nur eine Zielgruppe – die Bevölkerung im Einsatz – mit Informationen versorgen durfte und das es ein striktes Verbot gegeben habe, mit Informationen auf die eigene Bevölkerung zu “wirken”.

Wir lachen beide, als wir unsere Wahrnehmungen austauschen – es ist ein bitteres Lachen.

Berichterstattung 2006 in der Rhein-Zeitung durch Bernd Kiesheyer

Ich übernehme diese Artikel, die damals im Einsatz entstanden, aber kein „OpInfo-Werk“ sind. Mal gespannt, ob und wie lange es geduldet wird, dass diese Artikel hier in Kopie angefügt sind:

Ich habe zwei Artikel aufbewahrt, die der damals kommandierende General in der Rhein-Zeitung veröffentlichen durfte. Ich trage die Darstellungen mit und auch den Optimismus, der in Bezug auf künftige Zusammenarbeit mitschwingt. Das es dazu nicht kam und das mit den Karikaturen, die insgesamt vier Mal veröffentlicht wurden die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit noch mehr geschädigt, wenn nicht gar zerstört wurde, bedauere ich sehr.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 18.02.2006, Seite 2.

Geplante Unruhen in Afghanistan

Extremisten nutzen Empörung wegen der Mohammed-Karikaturen aus
Die Unruhen wegen den dänischen Mohammed-Karikaturen haben auch Afghanistan ergriffen. Die Soldaten der internationalen Schutztruppe (Isaf) wurden in eine heikle Lage gebracht. Militärverantwortliche gehen davon aus, dass die gewalttätigen Proteste gezielt geschürt wurden.
 Von Brigadegeneral
Bernd Kiesheyer
KUNDUS. Die Unruhen der vergangenen zwei Wochen hier in Afghanistan sind noch nicht ganz überstanden. Überall im Land brachen Proteste und Demonstrationen aus. Die Menschen demonstrierten ihrer Meinung nach gegen Gotteslästerung und Verunglimpfung des Propheten Mohammed.
Anlass waren die erneuten Veröffentlichungen der Karikaturen des Propheten Mohammed in verschiedenen Ländern Europas. Der Zorn richtete sich hauptsächlich gegen Dänemark und Norwegen. Wir waren von der Heftigkeit des Protestes und der damit verbundenen Gewalt überrascht. Stets begannen die Proteste und Demonstrationen nach dem Morgengebet in der Nähe der Moscheen. Zuerst nur lautstark, dann jedoch, wenn die friedlichen Teilnehmer abzogen, kamen die gewaltbereiten Demonstranten. Stets war es das gleiche Schema. Es schien alles gut vorbereitet zu sein. So war uns rasch klar, Anlass und Ursache der Demonstrationen waren nicht unbedingt identisch.
Sehr viele Afghanen waren ehrlich empört über die Karikaturen. Sie waren in ihrem religiösen Empfinden wahrhaftig getroffen. Das Argument der Pressefreiheit wurde von ihnen weder verstanden noch akzeptiert.
Die Wellen der Gewalt waren durch die Veröffentlichungen in keinem Falle gerechtfertigt. Da in der Vergangenheit jedoch nicht oder nur wenig darüber berichtet wurde, nahmen die Afghanen an, es seien aktuelle Fälle. Die Mullahs ließen sie häufig in diesem Glauben. Ein sehr großer Anteil der Menschen hier in Afghanistan besteht noch aus Analphabeten. Sie sind leicht zu beeinflussen.
Wir hatten in Feyzababad, Taloqan, Pol-e-Khumri und Meymana gewalttätige Unruhen zu bestehen. In Kunduz, Mazar-e-Sharif, Sari Pul, Sheberghan und Aibak verliefen die Demonstrationen ohne größere Komplikationen. Dort wirkten die verantwortlichen Politiker und Mullahs beruhigend auf die Menschen ein. In den anderen Städten und Provinzen kam es teilweise zu heftigen Gewaltausbrüchen, die zunächst von der örtlichen Polizei und von den Gouverneuren ignoriert wurden. Erst nach heftigen Protesten durch die PRT Kommandeure und durch mich schritt man zögerlich ein. Das Schlimmste konnte dann jedoch noch abgewendet werden. Nur in Meymana, bei unseren norwegischen Kameraden, eskalierte die Gewalt so schnell, dass uns allen rasch klar wurde: Hier war von langer Hand geplant worden.
Wir zögerten nicht, unsere QRF (Quick-Reaction-Force) aus Mazar-e-Sharif mit Hubschraubern und Transportflugzeugen zu verlegen. In kurzer Zeit hatten wir unsere Verstärkung vor Ort. Nun ist die Lage im Norden wieder einigermaßen ruhig, jedoch nicht stabil. Sechs unserer norwegischen Kameraden wurden erheblich verletzt. Das verlorene Vertrauen wiegt sehr schwer. Das NOR PRT wurde recht schwer zerstört. Die Angehörigen des PRT Meymana wurden mit Steinen, Brandflaschen und Handgranaten eingedeckt. Sie wurden mit Gewehren, Pistolen und Panzerfäusten angegriffen. Ein Wunder, dass nicht mehr geschehen ist. Bewundernswert ist, wie sie sich gehalten haben. Sie verteidigten sich mit Gummigeschossen, Tränengas und CS. Mit ihren scharfen Waffen schossen sie nur Warnschüsse in Richtung der Angreifer. Sie wussten, wir lassen sie nicht im Stich!
Nach dem Einfliegen der Verstärkung flog ich selbst nach Meymana. Ich bestellte den Gouverneur, den Polizeichef, den Bürgermeister und die Mullahs ins PRT ein. Sie räumten ein, das Ausmaß der Demonstration unterschätzt zu haben und entschuldigten sich. Rasch wurde deutlich, dass auch hier üble Hintermänner ihre Fäden gezogen hatten. Die lokalen „Powerbroker“ des Nordwestens hatten ihre Hände im Spiel. Sie wollten unsere norwegischen Kameraden abstrafen; dafür, dass sie ihnen bei illegalen Geschäften in die Quere gekommen sind.
Die Gewaltwelle ist möglicherweise in Verbindung mit dem afghanischen Nachbarstaat Iran zu sehen, der ins Visier der internationalen Gemeinschaft geraten ist, besonders ins Visier der USA und der europäischen Staaten. Das würde erklären, warum erst so spät, aber zum „richtigen Zeitpunkt“ die wütenden Proteste der islamischen Welt erfolgten.
Noch haben wir es hier in Afghanistan nicht überstanden. Aber uns ist klar, wir werden unseren Auftrag erfüllen. Die Mehrheit der Menschen will in Frieden und Freiheit leben. Sie sehen in uns die Garanten ihrer Menschenrechte. Wir dürfen sie nicht enttäuschen!
 Der deutsche Brigadegeneral Bernd Kiesheyer ist als Regional-Koordinator-Nord für den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten Afghanistans verantwortlich.

Rheinzeitung, 24.02.2006
Mühsamer Weg zum Rechtsstaat
Brigadegeneral Kiesheyer: Afghanische Kriminelle hemmen Wiederaufbau
Im Norden Afghanistans spielt Deutschland eine zentrale Rolle. Brigadegeneral Bernd Kiesheyer, von 1988 bis 1991 Kommandeur des Panzergrenadierbataillons 342 in Kob-lenz, koordiniert den Einsatz der internationalen Truppen im Nordosten. Sein Sitz ist in der Provinzhauptstadt Kunduz. Über den Einsatz als Regional Area Coordinator (RAC) hat Bundeswehr-General Kiesheyer eine Art persönliches Einsatztagebuch geführt. Wir dokumentieren Auszüge.
KUNDUZ. Januar 2006: Der Winter hat uns hier im Norden Afghanistans fest im Griff. Schnee, Frost und die ganze Palette von unschönen Witterungsbegleiterscheinungen, wie glatte und rutschige Straßen und eingefrorene Rohre in unserem Feldlager. Morgens ist der Gang zum Sanitärcontainer schon eine echte Herausforderung.
Die Anforderungen an unsere Kraftfahrer werden auf eine Bewährungsprobe gestellt. So sind wir in den vergangenen fünf Tagen mehr als 1400 Kilometer durch den Norden des Landes gefahren. Von Kunduz über Pol-e-Khumri (Baghlan) nach Aibak (Samangan), weiter nach Mazar-e-Sharif. Von dort nach Sari Pul, zurück nach Sherberghan (Jawzjan) und Mazar-e-Sharif. Übernachtungen im Camp Marmal, bevor es dann zurück nach Kunduz ging. Trotz des Winters gilt es, die Gouverneure der Provinzen des Nordens zu besuchen. Bei der rasch wechselnden Witterung bleibt nur die Fahrt mit dem Auto. Sie ist zwar mit einem höheren Risiko verbunden, aber wenn ein Flug nicht möglich ist, bleibt keine andere Wahl. Unsere gepanzerten Fahrzeuge bieten schon einen guten Schutz und ausreichenden Komfort.
Jedoch ist Wachsamkeit geboten. Unsere „Close Protection Teams“ (CPT) arbeiten sehr präzise, und auch ich muss mich in die besonderen Schutzverfahren mit einbringen. Man wächst zusammen. Ich muss mich daran gewöhnen, nie alleine zu sein. Selbst der Gang zur Toilette wird dezent begleitet. Diese besonderen Umstände kann man über einen langen Zeitraum nur erfolgreich ertragen, wenn die Chemie, die Kameradschaft stimmt. Wir sind ein Team, wir gehen durch Dick und Dünn – mit kalkuliertem Risiko. Jeder steht für den anderen ein. Mein CPT und ich sind zu einer engen, verschworenen Gemeinschaft zusammen gewachsen. Jeder kann sich auf den anderen verlassen. Das CPT ist sechs Mann stark, dazu mein Adjutant. Er rundet unsere kleine Kampf-, Einsatzgemeinschaft ab. Bis zum letzten Einsatztag werden wir so zusammenarbeiten.
Während der Fahrt durch den Nordwesten Afghanis-tans traf ich mit vier Provinzgouverneuren, den Polizeichefs und den Leitern der Provinzsicherheitsdienste zusammen. Es wird vermutet, dass selbst einige afghanische Regierungs- und Verwaltungsverantwortliche in den Drogenanbau und Drogenschmuggel verwickelt sind. Dazu kommen noch Waffenschiebereien und Korruption. Dennoch müssen wir mit ihnen kooperieren.
Wir müssen sie in Verantwortung bringen. Wir müssen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Wir müssen dem Recht Geltung verschaffen. Jetzt, nachdem die gewählten Parlamente damit beginnen, Gesetze zu erlassen, wächst das Unrechtsbewusstsein bei den offiziellen Vertretern der Staatsgewalt, die zuvor selbst bestimmen konnten, was Recht war und was nicht. Diese Zeit ist abgelaufen, das wissen sie. Es war deutlich in den Gesprächen zu merken. Wenn ich sie mit ihrem vermuteten Fehlverhalten konfrontierte, wichen sie aus, versuchten Verantwortung umzuschichten und zeigten Unsicherheiten. Wir sind offensichtlich auf dem richtigen Weg! Ein Polizeichef versuchte sogar, mit einer „getürkten“ Schau von beschlagnahmten Waffen – die alle Museumsreife hatten – Eindruck zu schinden.
Zurzeit treiben westlich von Mazar-e-Sharif einige kriminelle Banden ihr Unwesen, die Lkw und Reisende überfallen. Das führte dazu, dass Isaf-Kräfte gemeinsam mit afghanischer Polizei und dem afghanischen Militär Konvois bilden mussten, um Angehörigen der internationalen Gemeinschaft Schutz und Sicherheit zu geben. Selbst Mekka-Pilger wurden beraubt. Die kriminellen Banden nahmen ihnen ihr mühsam erspartes Reisegeld ab. Wenn man weiß, dass diese armen Pilger teilweise während ihres ganzen bisherigen Lebens gespart hatten, um, wie es sich traditionsgemäß für einen Moslem gehört, einmal nach Mekka zu reisen, dann erkennt man die Tragik dieser Verbrechen.
Jedenfalls ist es den vereinten Sicherheitskräften gelungen, weitgehend wieder Sicherheit in der Region herzustellen. Doch die Lage ist nach wie vor instabil.
Vor wenigen Tagen wurden niederländische Soldaten trotz hoher Wachsamkeit von einer Straßenbombe getroffen, die Taliban-Kämpfer gelegt hatten. Gott sei“s gedankt, die Soldaten sind mit dem Leben davon gekommen. Wenn man sich den getroffenen Geländewagen anschaut, erscheint es wie ein Wunder. Dennoch, die internationalen Soldaten dürfen sich nicht in ihre geschützten Räume zurückziehen und so den Feinden der positiven afghanischen Entwicklung das Feld überlassen. Die überwältigende Mehrheit der afghanischen Bevölkerung will die Hilfe der internationalen Gemeinschaft und betrachtet uns als willkommene Helfer und Gäste.
Die Hauptstörer des afghanischen Wiederaufbauprozesses finden wir in den Reihen der organisierten Kriminalität. In Afghanistan herrschte lange Zeit Anarchie. Das bot den Warlords und Drogenbaronen den Freiraum, den sie für ihre Machenschaften benötigten. Das wird nun langsam anders werden. Nur, es bedarf Zeit, viel Zeit! Haben wir also Geduld und die Kraft, diese Aufgabe zu lösen.

Rhein-Zeitung – Ausgabe Mayen vom 24.02.2006, Seite 2.

Informations-Besuch in Kunduz: EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner bei Brigadegeneral Kiesheyer.   Foto: Bundesheer

27.09.2008 ? Haben Sie da was überlesen, Frau Regierungsdirektorin?

Zugegeben: meine Eingaben an den Wehrbeauftragten haben über die Jahre in ihrer Form einen starken Wandel angenommen. Proportional mit der Zunahme von ausweichenden Antworten oder „gar keinen Handlungen“ nahmen Bissigkeit und Polemik zu.

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Das sollte jedoch nicht vom Lesen abhalten. Auch in der neuerlichen Anfrage vom 28.07.2014 bat ich erneut um Klärung – nicht nicht nur in Bezug auf die Wehrdienstbeschädigung, sondern auch zu den Vorfällen aus dem letzten Einsatz (27.09.2008). „Geflissentlich ignoriert“ ist wieder einmal die treffende Zusammenfassung.

Mehr noch: auch in dem Verfahren der Wehrdienstbeschädigung will sich die Regierungsdirektorin offenbar nicht durch unnötige Nachfragen in Handlungszwänge begeben.

„Soweit Sie beklagen, nicht über einzelne Schritte der Bearbeitung unterrichtet worden zu sein, kann ich hierzu keine Aussage machen. Grundsätzlich folgt jedes WDB-Verfahren einem bestimmten festgelegten Ablauf. Dabei sind auch regelmäßige Sachstandsinformationen an den Antragssteller vorgesehen.“


Verzögerungen leider nicht vermeidbar

Die stellvertretende Kraft des „Anwalts der Soldaten“ stellt sich offenkundig eher auf die Seite der Bundeswehrverwaltung, als auf die Seite des betroffenen Soldaten.

Ich muss da als Betroffener wohl schon mal Verständnis haben, dass, wenn ein neues Bundesamt eingerichtet wird, es da zu Verzögerungen kommen kann.

Als Dreist empfinde ich, dass sie darüber hinweg geht, dass in dem Fall seit über einem Jahr keine Benachrichtigung an mich ergangen ist und künftige Verzögerungen gleich auf meine Kappe schreibt. Wie kann mich auch all das nur belasten? Soll ich halt warten. Irgendwo ist ja im Prozess irgendwann eine Nachricht vorgesehen. Im übrigen ist all das nicht vermeidbar…

Ja, Frau Hetzel, ich hab da weitere Fragen und Klärungsbedarf:

1. Wann gingen seit Übersendungen des WDB-Antrags im Juli 2013 Benachrichtigungen durch die bearbeitenden Stellen an mich – oder – wie zuletzt geschehen an den Vertretungsberechtigten Anwalt Arnd Steinmeyer?

https://daniel-luecking.berlin/ptbsblog/2013/07/formularterror-vs-therapie-genesung/

2. Wie ist der „bestimmte festgelegte Ablauf“ des WDB-Verfahrens? WO ist dieser einsehbar und an welchen Punkten sieht dieser Ablauf Zwischeninformation vor?

3. Wie sieht der Wehrbeauftragte die Einsatzlast in meinem Fall sowie die nicht eingehaltenen Ruhezeiten zwischen den Einsätzen?

Bundeswehrzeit. Unten: Kalkulation unter Einhaltung der 4 / 20 Regel

Bundeswehrzeit. Unten: Kalkulation unter Einhaltung der 4 / 20 Regel

Zur Erinnerung: im gezeigten Verlauf lehnte ich 2006/7 einen Einsatz im März 2007 sowie im Juli 2007 aus Rücksicht auf meine Familie ab. Kuraufenthalte wurden 2006 „eher nicht mehr gewährt“ – intern sprach man damals davon, es habe wohl zu viele Anträge gegeben.

4. Thema 27.09.2008

Ich weise erneut darauf hin, dass das Parlament durch die unvollständigen, irreführenden Darstellungen der Bundeswehr zum 27.09.2008 in seiner Kontrollpflicht nicht nur eingeschränkt, sondern umgangen worden ist. Wer trägt für das Zustandekommen der Falschmeldungen durch die Bundeswehr die Verantwortung?

Pressemeldung, Unterrichtung des Parlaments geben nur einen Bruchteil der Vorfälle wieder. Durch die Antwort auf die Kleine Anfrage 17/13821 wird deutlich, wie viele weitere Informationen den Parlamentariern zunächst nicht mitgeteilt worden sind. Dr. Gregor Gysi spricht von Vertuschung von Kampfhandlungen – in Kenntnis der damaligen Vorfälle vor Ort kann ich dieses so nur unterstreichen.

Ich ersuche daher ein letztes Mal darum, dass die Antwort auf die kleine Anfrage öffentlich gemacht wird, sowie der Vorfall zum Gegenstand einer untersuchung gemacht wird. Entweder durch den Wehrbeauftragten oder durch den Verteidigungsausschuss. Auch in diesem Verfahren bitte ich um einen Beleg, dass der Wehrbeauftragte oder der Verteidigungsausschuss in diesem Fall aktiv geworden ist und das Zustandekommen der Falschmeldungen rund um den 27.09.2008 geprüft hat.

Ihr Schreiben vom 7.8.2014

Werte Frau Hetzel, liebe Bundeswehrverwaltung: über ein Jahr lang ging bei mir keine Information zum Sachstand ein und dann kommt eine derart rotzige, pampige Antwort, ICH solle nicht für weitere Verzögerungen sorgen und den Termin im Bundeswehrkrankenhaus wahrnehmen ?

Ich weise an dieser Stelle darauf hin, dass ich nicht erscheinen werde. Ich werde nicht erneut alles hinterfragen, durchleuchten, auseinandernehmen und in Frage stellen lassen, durch das ich im letzten Jahr in einer stationären und einer ambulanten Therapie gegangen bin. Ich werde nicht erneut riskieren, dass mich die Belastung dieser Ereignisse einholt oder das Bundeswehrstellen so reagieren, wie Sie, Frau Hetzel, es in ihrem Schreiben getan haben.

Nicht nach euren Regeln

Liebe (Mit-)Leser,
liebe/r Fallmanager/in,
werte Politiker,
Funktionspersonal des Bundesministerium der Verteidigung und angeschlossener Anstalten,

Staatsfeind wollte ich eigentlich nie werden. In den letzten zwei Jahren wurde ich jedoch wohl kontinuierlich in diese Richtung hin entwickelt. Entwickelt durch ein System, das Pflichten auferlegt, doch die eigenen Regeln lieber selektiv oder gar nicht befolgt. Nun soll ich im Rahmen einer Begutachtung erneut die belastenden Aspekte der Auslandseinsätze darlegen, damit das System über mich richten kann.

Ich sage an diesem Punkt „STOPP“.

Seit November 2012 arbeite ich an einem journalistischen Thema, das stark mit meiner Vergangenheit verknüpft ist und das staatlicherseits nicht gewollt ist. Das Schweigen, dem ich in den letzen Jahren begegnete entlarvt die Akteure.

Es wäre eine Unterstellung, dass die Schwierigkeiten mit denen ich zu kämpfen hatte, gezielt aufgeworfen wurden. Diese Behauptungen aufzustellen wäre haltlos und nicht zu beweisen.

Ich leg(t)e mich mit einem Ministerium an, das Personal unterhält, das bereit ist notfalls auch Menschen zu töten – was habe ich erwartet? Mitgefühl angesichts von Krankheit, Leid, Rückschlägen oder menschlichen Schicksalen?

Zum Ende des Monats läuft meine Immatrikulation an der Hochschule Dieburg aus. Die Artikel, die ich bis zum 31.08.2014 schreibe werden der Versuch einer Bachelorarbeit. Ich werde ein letztes Mal versuchen Vorgaben zu befolgen, die vom „Bildungssystem“ gemacht werden. Ob dies dann zu einem staatlich anerkannten Abschluss führt oder nicht ist mir nach den Erfahrungen der letzten Jahre mittlerweile egal.

Krankeit, Versorgung, Krankenversicherung ?

Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich mir keine Absagen mehr einholen werde. Passe ich in das System der gesetzlichen Krankenversicherung? Freiwillig oder pflichtversichert? Erfülle ich Formatvorgaben einer Hochschule? Lasse ich mich von Autoritäten steuern, klassifizieren, einordnen oder ordne ich mich selbst unter?

In den nächsten Wochen ist die Zusammenarbeit mit Behörden, Fallmanager/in oder welchen Instanzen auch immer ausgesetzt. Rational schade ich mir damit, denn es staut die Probleme auf, die eigentlich schon im letzten Jahr zu klären gewesen wären.

Emotional ist es die Firewall, die ich gerade brauche, damit mich Bürokratie, Gutachter- und Verwaltungswilkür nicht gänzlich zerstören.

Wie verwirrt muss eigentlich das „System“ sein, wenn ich dem Schädiger seine Schuld an meiner Schädigung nachweisen soll und dieser dann unabhängig zum Ergebnis kommen soll, dass die Bundeswehr der Schädiger ist?

Abschlussarbeit

Diese Abschlussarbeit wird zweisprachig entstehen und ich werde sie der Initiative „Veterans for Peace“ widmen. In einem biographischen Ansatz werde ich den Weg vom Soldaten zum Friedensaktivisten und Journalisten beschreiben, den ich in den letzen rund 20 Monaten nahm.

Zersetzende Kommentare – wie in den letzten Monaten vorwiegend auf Facebook immer wieder gegen mich verwendet – werde ich ebenso blocken, wie Nachrichten von „besorgten Freunden“, die mich möglicherweise auf dem Kurs halten wollen, mich um die angebliche Erkrankung zu kümmern.

Erkrankung

Krank hat mich vor allem Bigotterie, wie die von Bundespräsident Gauck in der letzten Zeit gelebt in Sachen Krieg. Krank machte mich ein System, das Menschlichkeit heuchelt, Verantwortung aber abwendet und an denjenigen zurückgibt, der berechtigtermaßen Ansprüche stellt.

In den letzten Monaten habe ich verstanden, warum Depressionen ein ständiger Begleiter meines Lebens wurden und aus welchen Quellen sie sich nähren. Ich habe verstanden, warum Autorität für mich nicht nur unerträglich ist und Gegenwehr produziert, sondern auch, warum ich mich lebensgefährlich bedroht fühle, sobald übergriffiges Handeln von Vorgesetzten, Ärzten, Verwandten, Kollegen, Freunden oder Nachbarn gegen mich stattfindet.

Es ist eine normale Reaktion – zumindest für einen Menschen dessen Körper in mehreren Situation gelernt hat, dass die Arroganz der Übergriffigen schnell das eigene Leben bedroht. Ich wurde verbrannt für jegliche Form der Hierarchie und soll nun zurückgepresst werden in genau dieses System.

Ich funktionierte jahrelang nach den Regeln des Systems. In blindem Vertrauen darauf, dass die Versprechungen
eingehalten werden und dass sich das System an seine eignene Regeln halten würden. Nicht nur in der NSA-Affäre zeigt sich, dass weite Teile des Systems längst entkoppelt von dem funktionerien, was anderen Menschen als Regeln vorgegeben wird, nach denen sie zu funktionieren haben und sanktioniert werden.

Titel meiner Arbeit:

„Staatsfeind wollte ich eigentlich nie werden“

Dies ist keine Androhung von Gewalt, weder gegen mich selbst, noch gegen andere und auch nicht gegen Sachen. Die Unterstellungen der letzten Monate, ich würde mich in die Richtung der linksautonomen Szene bewegen sind Humbug. Das sie aus Bundeswehrkreisen kamen ist bezeichnend.