„Und wie geht‘s vom Kopf her?“

Zum ersten Mal seit Monaten ich nun wieder Arzttermine wahrnehmen. Nach einem Zahnarzttermin stand am Freitag, den 3.11. nun der Allgemeinmediziner auf dem Plan. Neben den Vorsorgeuntersuchungen, die ich eigentlich in den Semesterferien im August längst erledigt haben wollte, soll es bei diesem Termin auch um die Beantragung einer Kur gehen.

Es dauert eine Weile, bis das Gespräch mit der Oberstabsärztin in Gang kommt. Ich muss begründen, warum ich eine jährliche Blutuntersuchung machen lassen will und warum ich bereits im Alter von 38 Termine zur Darmkrebsvorsorge mache.

Irgendwann dann die Frage „Und wie geht‘s vom Kopf her?“. Ich bin irritiert. Alle äußeren Merkmale sind vorhanden. Rechts und links ein Ohr, halbwegs symetrisch platziert. Auch die Nase sitzt zwischen den Augen und oberhalb des Mundes. Ich bleibe kooperativ und gehe davon aus, dass die Ärztin nach dem Stand der Behandlung beim Psychotraumazentrum fragt.

Schon eingangs betonte sie, es ginge ihr um offene Kommunikation. „Sie können mich hier auch mal anschreien. Wir müssen nicht einer Meinung sein.“ Mir ist auch drei Tage nach dem Gespräch nicht klar, was sie sich von „anschreien“ verspricht. Ich neige eher zu Sachlichkeit und betont ruhiger Kommunikation.

Wir klären auch die wichtige Statusfrage. Bin ich Berufssoldat, Reservist oder Zeitsoldat. Ich erkläre, dass ich versorgungsrechtlich derzeit in der sogenannten Schutzzeit bin. Ein offizielles Dienstzeitende gibt es daher nicht – nur die Obergrenze von 5 Jahren, die die Schutzzeit maximal dauern darf. Davon sind nun seit dem 15.03.2015 – Stand heute – nun 966 Tage vergangen … also nur ein wenig mehr, als die Hälfte der Zeit, die mir zur Verfügung steht für die gesundheitliche und berufliche Rehabilitation.

„Bei der Kur muss ich noch einmal Rücksprache halten.“

Kuren gibt es bei der Bundeswehr aus zwei Gründen. Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit und präventiv zum Erhalt der Einsatzfähigkeit. Für Irritation scheint weiterhin zu sorgen, dass ich offen angebe, mir keinen Dienst bei der Bundeswehr mehr vorstellen zu können. Das liegt wesentlich an den Erfahrungen, die ich am 27.09.2008 und in den Tagen danach gemacht habe. Zusätzlich dazu dann auch am Schweigen der Verantwortlichen.

Die Ärztin erklärt mir, welchen Maßstab sie bei einem Kurantrag anzulegen hat. Naiv wie ich bin ging ich davon aus, dass ich über die Notwendigkeit mit dem Facharzt des Psychotraumazentrums hinreichend reflektiert habe und dass auch die Einbindung in die weiteren Therapiemaßnahmen (ambulante EMDR ab März 2018) geklärt ist.

Nach jetzigem Stand muss ich davon ausgehen, dass mit Abschluss der Masterarbeit etwa nächstes Jahr um diese Zeit auch die Schutzzeit endet. Mein behandelnder Arzt im Psychotraumazentrum hält es für angemessen nach Abschluss des Masterstudiums eine Belastungserprobung zu machen – also einen Einarbeitungsphase an einem Arbeitsplatz mit Rückfalloption. „Es bringt ja nichts, wenn Sie wenige Wochen nach Ende des Studiums dann wieder mit Problemen hier vorstellig werden müssen.“.

Ruhig höre ich mir die Begründung der Ärztin an, warum Sie bei der Bewilligung der Kur an diesem Tag Hindernisse sieht.
„Wissen Sie, wir dürfen Kuren im letzten Jahr der Dienstzeit nicht einfach so bewilligen. Das ist ja schließlich eine Investition ins Personal, die sich ja auch für die Bundeswehr rechnen muss.“ Da müsse ich Verständnis haben, meint die Ärztin. Ich entgegne, dass es aus gutem Grund kein festgelegtes Dienstzeitende gibt, da ich aufgrund einer Einsatzschädigung versorgt werde.

Die Ärztin will dazu nun nochmal Rücksprache mit dem Facharzt halten. Zielsicher pickt sie aus den zwei Optionen, die ich als Kurkliniken ausgewählt habe (Malente in Schleswig Holstein und Möhnesee) die Klinik aus, in die häufig Soldaten geschickt werden. Ich entgegne nochmal, dass es mir sowohl bei der Kurklinik, als auch bei der psychotherapeutischen Begleitung ab März darum geht, ein möglichst ziviles Umfeld zu haben. Eine Ansicht, die auch der Therapeut im Psychotraumazentrum mitträgt.

Interessenkonflikt

Vorschriften, Richtlinien, Weisungen – ich habe Verständnis dafür, dass die Oberstabsärztin ihren Dienst nach den Vorgaben verrichtet, die ihr so gemacht werden. Vorgaben, die allerdings darauf abzielen die Behandlungskosten zu drücken, sollten indes dringend hinterfragt werden.

Ich schildere ihr, dass ich nach meinem zweiten Einsatz in Afghanistan um eine Präventivkur gebeten habe. Anlass war auch der mit 36 von 40 Punkten recht hohe Wert, den eine Befragung zu psychischem Stress nach der Rückkehr aus dem Einsatz ergeben hat. Die Ärztin in Koblenz lehnte eine Präventivkur 2008 mit der Begründung ab, dass zu viele Soldaten aus unserem Bataillon eine solche Kur in Anspruch genommen hätten und deswegen keine Präventivkuren mehr bewilligt würden.

Abstrus bleibt auch, dass ich trotz anerkannter Einsatzschädigung nun angeblich nach den gleichen Kriterien behandelt werden soll, wie aktive Zeitsoldaten. Und selbst für diese wäre eine solche Regelung abstrus: wenn fachärztlich ein Kurbedarf befürwortet wird, dann sollte es egal sein, ob das zwei Jahre oder zwei Monate vor Ende der Dienstzeit ansteht.

Papier ist geduldig

Die Oberstabsärztin bat nach Durchsicht der Gesundheitsakte darum, ich möge über 2014 erfolgte Therapiemaßnahmen noch Abschlussberichte nachreichen. Es würde ihr bei der Beurteilung generell helfen.

2014 habe ich in einer sehr schwierigen Phase ein Coaching in Anspruch genommen. Damals endete das Dienstverhältnis. Ich hatte keinen Zugang zu einer bezahlbaren Krankenversicherung. Die Einsatzschädigung war noch nicht anerkannt, ich war noch ohne Berufs- / Studienabschluss und hing völlig in der Luft. In dieser Zeit habe ich dann begonnen mit Hilfe einer Heilpraktikerin die Trauma Release Exercise zu erlernen. Eine Methode zur Stressbewältigung, die die Bundeswehr mittlerweile selbst anbietet und u.a. vom Standortpfarrer in Berlin Mitte durchführen lässt.

In den vergangenen zwei Jahren gab es weder im Psychotraumazentrum, noch im SanBereich Wedding die Forderung nach einem Abschlussbericht. Auch nicht nach Übernahme in die Schutzzeit, als die Bundeswehr die Kosten aus den Maßnahmen nachträglich erstattete. Mit dem Abstand von mehr als zwei Jahren nun Abschlussberichte einzufordern zeugt aus meiner Sicht davon, dass es kein Konzept gibt, wie mit Einsatzgeschädigten wirklich zu verfahren ist.

Konzeptlosigkeit

Aus meiner Sicht wäre es ratsam, die Federführung bei der Dokumentation des Behandlungsverlaufes in die Hände einer neutralen Instanz, wie z.B. dem Sozialdienst zu legen, der Rücksprache mit der Facharztebene hält und fachärtzlich befürwortete Maßnahmen dann durch den Truppenarzt umsetzen lässt. Umsetzen, aber nicht entscheiden.

Es ist perfide, dass der Schädiger den Behandlungsumfang so beinflussen kann oder immer wieder impliziert, die Behandlung der Einsatzschädigung müsse das Ziel haben, dass am Ende wieder ein funktionsfähiger Soldat dabei herauskommt. Die Pflicht zur Fürsorge besteht über das Ende der Dienstzeit hinaus.

Gesprächsatmosphäre

Das erste Gespräch mit der Ärztin dauerte rund eine Stunde. Ich weiß nicht, was sie auf Basis der vorangegangenen Kommunikation rund um den Arztwechsel für eine Person erwartet hat. Ich habe ihr deutlich gesagt, wie sich das Erlebnis mit dem letzten Arzt ausgewirkt hat und warum ich letztlich den Wehrbeauftragten und das Büro des Beauftragten für Einsatzschädigung involviert habe.

Statt der geforderten Abschlussberichte der Behandlungen aus 2014, werde ich den Verlaufsbericht aus der Onlineschreibtherapie in meine Akte geben. Das ist zielführender.

Die Ärtzin fragte dann auch, was ich nach Abschluss des Studiums machen würde. Ich schilderte, dass ich irgendwie im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit oder dem Journalismus Fuß fassen muss. Schließlich kann ich nichts anderes. Darauf meinte die Oberstabsärztin: „Das ist aber schon sehr stressig. Kommen sie damit klar? Wäre es nicht besser ein Buch zu schreiben?“

Klärungsbedarf

In den letzten zweieinhalb Jahren hat sich einiges getan. Nicht nur der Bachelorabschluss, sondern auch das fortgeschrittene Masterstudium kann ich auf der Haben-Seite verbuchen. Die journalistische Arbeit am NSA-Untersuchungsausschuss zählt ebenso dazu, wie die Praktika im Rahmen des Studiums. Doch gab es leider auch immer wieder Rückschläge, die mir Grenzen aufgezeigt haben. In den nächsten Monaten muss sich aus meiner Sicht vor allem klären, in wie weit die Schädigung mich dauerhaft einschränken wird und was ich tun kann, um die Folgen halbwegs abzufedern.

Zu klären wäre auch, ob meine Berufsunfähigkeitsversicherung greift und eine eventuelle dauerhafte Einschränkung zumindest ansatzweise kompensieren kann.

Auszug aus dem Verlaufsbericht der Onlineschreibtherapie

Herr Daniel Lücking, geb. am xx.xx.xxxx wohnhaft in Berlin, nahm vom 06.12.2016 bis zum 17.05.2017 an einer Onlineintervention zur Reduktion der posttraumatischen Belastungssymptomatik teil (https://therapie.ptzbw.org/content/).

1. Rahmenbedingungen

Die Intervention wurde durchgeführt im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeitsprüfung der Intervention für die Zielgruppe der Bundeswehrsoldaten. Die Studie wird durchgeführt am Bundeswehrkrankenhaus Berlin unter Aufsicht von OFA XXX und in Kooperation mit der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Prof. Dr. Christine Knaevelsrud.

1.1 Ablauf und Studiendiagnostik

Die Teilnehmer werden nach Anmeldung zunächst in einem telefonischen Kurzscreening zur Symptomatik befragt und geben ihre Symptombelastung auf einer Checkliste für Posttraumatische Symptome (PCL) an. Sie erklären sich einverstanden mit der zufälligen Zuteilung zu einem der beiden Interventionsstränge (Onlineintervention beginnt sofort oder nach einer
Wartezeit von 6 Wochen).

Vor Beginn der Onlineintervention erfolgt eine (bzw. für die Teilnehmer der Wartegruppe
zwei) zweitägige Aufnahmeuntersuchung(en) am Bundeswehrkrankenhaus Berlin. Diese Untersuchung wird von Kolleginnen und Kollegen aus der Arbeitsgruppe von Prof. Knaevelsrud durchgeführt. Sie sind Master-PsychologInnen und speziell für die Durchführung wissenschaftlicher Studieninterviews und –untersuchungen ausgebildet. Es erfolgt auch eine ärztliche Abklärung des Vorhandenseins posttraumatischer Belastungssymptome und möglicher Suizidalität.

Eine weitere Untersuchung wird unmittelbar nach Abschluss der Onlineintervention durchgeführt. Ein letzter Termin einer Live-Untersuchung erfolgt drei Monate nach Abschluss der Onlineintervention.

1.2 Online-Schreib-Intervention

Die Onlineintervention basiert auf geprüften und bereits in anderen internationalen Studien als wirksam evaluierten Grundsätzen onlinetherapeutischer und verhaltenstherapeutischer Interventionen.
In der Onlineintervention sind über ca. sechs Wochen hinweg 10 Schreibaufträge zu absolvieren. Der Teilnehmer erhält nach erledigten Schreibaufträgen jeweils eine schriftliche Rückmeldung durch seine Bezugstherapeutin und eine Anleitung zur Fortsetzung des Schreibens. Die Onlineintervention besteht aus festen Bausteinen, die für alle Teilnehmer identisch sind: Zunächst erfolgt eine biographische Einordnung der traumatischen Erlebnisse, dann folgt eine Expositionsphase, in der sich der Teilnehmer mit den Erinnerungen, Intrusionen und anderen Symptomen auseinandersetzt. In der Abschlussphase werden Möglichkeiten der Neubewertung und des Aufbaus anderer Perspektiven auf die Geschehnisse erarbeitet.

2. Diagnostik und Verlauf

2.1 Status bei Aufnahme

Herr Lücking erfüllte zum Zeitpunkt der Aufnahme 4 von 7 Kriterien der
Clinician-Administered PTSD-Scale for DSM-V (CAPS):
– [Trauma Kriterium]
– [Wiedererleben]
– [Zeitkriterium]
– [Klinisch bedeutsames Leiden]

2.2 Status bei der Nachuntersuchung

Herr Lücking hat die auf sechs Wochen angelegte Onlineintervention vollständig absolviert. In der Nachuntersuchung drei Monate nach Ende der Schreibintervention erfüllte Herr Lücking 6 von 7 Kriterien der Clinician-Administered PTSD-Scale for DSM-V (CAPS), d.h. 2 Kriterien mehr als zum Aufnahmezeitpunkt:
– [Trauma Kriterium]
– [Wiedererleben]
– [Vermeidung]
– [Symptome erhöhten Arousals]
– [Zeitkriterium]
– [Klinisch bedeutsames Leiden]
Es ist zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung von einer gegenüber dem Beginn verschlechterten Symptomatik auszugehen.

3. Weiterbehandlung / Primärbehandlung

Herr Lücking ist nach Abschluss der Onlineintervention primärärztlich bei seinem Truppenarzt weiterhin angebunden. Um ein Fortbestehen/eine Verschlechterung der Symptomatik zu verhindern
werden geeignete Anschlussbehandlungen intern geklärt.

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Was zu lange währt …

Zeit für ein kleines Update zu den letzten Monaten. Nach einem Artzgespräch im Psychotraumazentrum beantragte ich am 22.05.2017 einen Wechsel meines behandelnden Allgemeinmediziners. Am 19.10.2017 erhielt ich dann auch Nachfrage die Bestätigung, dass der Wechsel erfolgen kann.

Dafür brauchte es „nur“ folgende Beteiligte (in Order of Appearance):
– Facharzt Psychotraumazentrum
– Wehrbeauftragter des deutschen Bundestages
– Beauftragter General für Einsatzschädigungen im BMVg
– ein Bundestagsabgeordnetenbüro
– Leiter SanUstgZentrum Berlin

Dieser Wechsel wurde mir 2016 zunächst verwährt. 2017 gab es einiges an Chaos. Hauptsächlich dadurch, dass aus dem SanVersZentrum Wedding keine konsistente Kommunikation erfolgte. Auf meinen formlosen Antrag per eMail wurde mir zunächst suggeriert, der Wechsel könne problemlos erfolgen.
Es gab weder eine Mitteilung über ein vorgesehenes Prozedere („Stellen Sie Antrag bei …“), noch über die einzelnen Zwischenschritte, die scheiterten, weil ich mich an dieses mir unbekannte Prozedere nicht halten konnte.

Nun ist – 5 Monate nach Antragsstellung und 3 Monate später, als von mir eigentlich beabsichtigt – endlich wieder eine routinemäßige ärztliche Versorgung gegeben. Neben Zahnarzt steht auch der jährliche allgemeine Checkup sowie die Krebsvorsorgeuntersuchung in den nächsten Wochen auf dem Plan.

In der Bearbeitung beim Wehrbeauftragten ist derweil weiterhin die Beschwerde gegen den Leiter des SanVersZentrums Berlin Wedding und dessen „Behandlung“ im November 2016, sowie die Verschriftlichung derselbigen mit Aussagen, die mich als unkooperativ und nicht behandlungswillig erscheinen lassen.

Weitere Behandlungsweg

Damit sind nun endlich auch weitere Schritte bei der PTBS-Behandlung möglich. Neben einer Kur, die ab Januar / Februar 2018 geplant ist, ist auch eine Traumatherapie ab März angesetzt. Diese muss ich nicht zwingend im Bundeswehrumfeld durchführen, wie mir im Psychotraumazentrum erläutert wurde.

Ich habe in vorherigen Beiträgen immer wieder versucht, all diesen Schikanen mit Humor zu begegnen, die sich aus dem Wechsel des SanVersZentrums ergeben haben. Das ändert aber nichts an den Folgen, die diese Art von Schikane auf mich haben. Es ist Zersetzung, die durch Bürokratie, Hierarchie und mangelnde Kommunikation betrieben wird.

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Passierschein A38 eingetroffen !

… doch darauf, dass die G-Akte (Gesundheitsakte) im richtigen SanBereich eintrifft , da warte ich immernoch.

Es begab sich am 22. Mai 2017, als dass ich auf anraten meines behandelten Traumatologen im Psychotraumazentrum der Bundeswehr den Wechsel meines behandelnden Sanitätsbereichs beantragte. Statt im Wedding wollte ich künftig in Mitte behandelt werden. Liegt nahe, denn auch das Psychotraumazentrum liegt im selben Gebäude.
Grund für den Wechsel war nicht zuletzt auch der Leiter des Sanitätsversorgungszentrums Wedding, der mich im November 2016 als „therapieunwillig“ brandmarkte. Um keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen und die Lesbarkeit zu erleichtern nenne ich den Leiter nun einfach mal „Dr. Fix“.

Am 12. Juni 2017 erfolgte dann die Antwort aus dem SanBereich Wedding, die zunächst hoffen ließ.

Sehr geehrter Herr Lücking,
Ihre G-Akte wird momentan von der G-Kartei für den Versand zum SanVersZ Berlin-Mitte
vorbereitet. Die Kopie von der G-Akte wurde soweit es möglich ist angefertigt.
Soll die Kopie in per Post zugeschickt werden oder wie sollen wir die Kopie Ihnen
zukommen lassen?
Mit freundlichen Grüßen

Die Kopie der Akte erreichte mich und ich konnte auch erstmals einsehen, welche Aussagen der Leiter über mich gemacht hatte. Die Anweisung der Dienststelle, die zur Befragung im November 2016 führte, ist darin auch zu finden. Sie ist präzise formuliert, gibt vor auf welchem Weg die Antworten zu versenden sind und enthält auch den Hinweis

„Der Soldat ist über den Inhalt dieses Schreibens und über das von mir verlangte zu informieren.“

Dr. Fix war der Auffassung, dass es reichen würde, mir nach dem unangenehmen Gespräch, in dem er mir jeglichen behandlungswillen Absprach, kurz zu erläutern, was er weiterzumelden gedenkt. In einer Armee in der Soldaten mit den schriftlichen Belehrungen, die sie während der Dienstzeit erhalten eine durchschnittliche Wohnung mindestens einmal tapezieren können, meint nun Dr. Fix, es reiche, kurz nochmal mündlich zusammenzufassen, was gesagt wurde. Standard ist bei jeder ärztlichen Untersuchung hingegen,das ABC-Verfahren:

A: Begutachtungsanordnung

B: Ergebnis der Begutachtung

C: Eröffnung durch den Disziplinarvorgesetzten


Im Bundeswehrsprech heißt das „BA90/5 (Belegart)“ – ein Standardbeleg, der jede dienstlich angeordnete gesundheitliche Begutachtung dokumentiert. Ein Verfahren, dass dem Dr. Fix nun nicht all zu fremd sein dürfte, weil er uns seine Ärzte geschätzt 50 % ihrer Arbeitszeit mit BA90/5 verbringen.

Dieser BA90/5 endet dann mit dem Hinweis: „Der/Die Begutachtete kann eine schriftliche Stellungnahme zur festgestellten Verwendungsfähigkeit / Eignung abgeben…“

Das hätte ich in diesem Fall sehr gern getan, um deutlich zu machen, dass die Einschätzung von Dr. Fix er „sehe keine Motivation zu einer Behandlung“ nichts mit mir zu tun hat, da ich im Austausch mit dem Psychotraumazentrum stand und einen sinnvollen Zeitpunkt für den Einstieg in die Onlineschreibtherapie suchte.

Dr. Fix schloss sein Schreiben dann mit den Worten: „Als TrArzt (Truppenarzt) sehe ich derzeit keine Möglichkeit den Soldaten zu behandeln. Es ist mir nicht möglich gewesen, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.“ Nunja, lieber Dr. Fix – wenn ich ihnen, wie gewünscht, schildere, wie meine Diagnose zu stande kam und was mich belastet, dann ist es wenig hilfreich, wenn Sie mit „Wissen sie eigentlich, was mir passiert ist?“ reagieren. Ich möchte auch keine Berichte ihrer Einsatzerlebnisse zu hören bekommen, wenn Sie den Unterton haben, dass ihre Erlebnisse belastend waren, Sie aber schließlich nicht traumatisiert seien.

Im Verantwortungsbereich von Dr. Fix ist nun meine G-Akte abhanden gekommen. Eben jener Dr. Fix soll nun mit dem Leiter des Sanitätsversorgungszentrum Mitte auch noch besprechen, ob der Wechsel des Sanitätsversorgungszentrums überhaupt möglich ist.

Warum regt mich das alles so auf:

1. Ich versuche eine Kur für November / Dezember 2017 auf den Weg zu bringen, um möglichst gestärkt ab März 2018 die Masterarbeit abschließen zu können.

2. Ärzte wie Dr. Fix, die mich wohl als Simulant einstufen und mir unaufgefordert von Einsatzgeschödigten berichten, die keinen Handschlag mehr für die Bundeswehr tun würden, aber ein „Hundezucht im brandenburgischen“ betreiben würden, haben offensichtlich die Absicht möglichst viele der Einsatzgeschädigten aus Kostengründen auszusortieren.

3. Ich möchte seit gut 2 Monaten die fälligen jährlichen Routineuntersuchungen angehen und Impfungen auffrischen. Bei einem Artz, wie Dr. Fix kommt das für mich nicht in Frage. Und ohne Akte geht das leider auch nicht. Seit dem 17. Juli ist die Akte meines Wissens nach nicht auffindbar.

Kurz zusammengefasst: es reicht.

Der Dienstherr Bundeswehr hat eine Fürsorgepflicht, die auch über das Ende der Dienstzeit hinaus geht.

Der Dienstherr Bundeswehr hat die Schädigung verursacht, die mir Probleme bereitet.

Der Dienstherr Bundeswehr ist verantwortlich für aktive und auch ehemalige Soldaten.

Der Dienstherr Bundeswehr hat nicht das Recht, die Behandlung und Versorgung daran zu knüpfen, ob aus der zu behandelnde Person wieder ein einsatztauglicher Soldat wird.

Und um den Humor nicht ganz zu verlieren, hier die wohl treffendste Visualisierung des Sachverhaltes in Videoform:

Solidarität? Fehlanzeige – Ein Rant!

Mitunter weiß ich nicht, warum ich es mit antue in Soldatengruppen bei Facebook zu sein. In einer Diskussion unter einer Vortragsankündigung zum Thema posttraumatische Belastungserkrankung fand sich wieder ein „Held“ – geschätzt im Alter von 60 plus, der irgendwann einmal Starfighterpilot der Bundeswehr gewesen ist und gab folgendes zum Thema PTBS zum Besten:

Zitat 1: Kenne das, habe schon einmal einen Bericht darüber gesehen und Betroffene gehört. Trotzdem fehlt mir dafür jedes Verständnis. 12 Jahre Afghanistan mit etwas über 50 Toten, dabei 34 bei Kampfhandlungen. Ich verstehe die „Kriegszitterer“ des 1. Weltkiegs, die nach monatelangen Stellungskämpfen fertig waren. So einer hätte bestimmt „Urlaub“ in Afghanistan beantragt und sich dabei pudelwohl gefühlt….

Zitat 2: Was glauben Sie, wieviele „ärztlich festgestellte“ (psychische) Erkrankungen es heute gibt, die man früher als Lappalie bezeichnet hätte? Heute macnt man doch aus allem und jedem eine „Erkrankung“ … Ich wundere mich nur darüber, dass es so etwas bei einem „Krieg“ mit ca. 2.8 im Gefecht Gefallenen pro Jahr überhaupt geben kann. Wie soll das bei einem „richtigen“ Krieg aussehen?

Zitat 3:Ich habe in dem von mir erwähnten Bericht eben nur Soldaten gesehen, die vom Einsatz in Afghanistan „traumatisiert“ waren. Dafür fehlt mir jedes Verständnis, bei dieser minimalen Gefahrenlage. Bei Kriegszitterern des 1. Weltkriegs verstehe ich so etwas, nach 3 Tagen Trommelfeuer und dann Sturmangriff. Vielleicht habe ich noch eine andere Mentalität als diese weichgespülte Generation heute. Vielleicht sollte man psychologische Methoden einführen, um PTBS-Gefährdete von vornherein vom Dienst in der Bundeswehr auszuschließen….

Zitatgeber, wie dieser Ex-Starfighter-Pilot sind nicht selten. Das liegt zum einen an den gängigen Erklärungsmodellen in den Medien, die bevorzugt Beiträge nach der Formel „Soldat + Gefechts-/Anschlagsszenario = PTBS“ bauen. Ein weiterer Effekt ist, dass viele Betroffene, die durchaus traumatisiert und hilfebedürftig sind, sich in diesem Szenario nicht wiederfinden und in der Folge keine Hilfe suchen.

Die einseitige Darstellung ist darüber hinaus für all diejenigen ein Hohn, die unter einer PTBS leiden, aber keine Soldat_innen sind.

Zum Risiko an PTBS zu erkanken, schreibt das Portal „Neurologen und Psychiater im Netz“ :

Über die Hälfte aller Menschen werden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal mit einem traumatischen Ereignis konfrontiert. Die Wahrscheinlichkeit, im Anschluss an ein traumatisches Erlebnis an einer PTBS zu erkranken, ist unter anderem abhängig von der Art des Traumas. Grundsätzlich ist das Risiko bei durch Menschen hervorgerufenen Traumatisierungen besonders hoch: Nach Vergewaltigung, anderen Gewaltverbrechen und Kriegstraumata erkranken bis zu einem Drittel der Betroffenen an einer PTBS. Naturkatastrophen, Brände, Chemie- oder Verkehrsunfälle und akute körperliche Erkrankungen (z.B. Herzinfarkt, Krebserkrankung) können ebenfalls eine Posttraumatische Belastungsstörung auslösen, das relative Risiko liegt in solchen Fällen jedoch deutlich niedriger. Über alle Trauma-Arten gemittelt, erkranken etwa 10% aller von einem Trauma Betroffenen an einer PTBS. Die Lebenszeitprävalenz, d.h. die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, liegt weltweit bei etwa 8%.


Nur ein blöder Kommentar?

Leider ist die Art des Aufrechnens, die der Ex-Starfighter-Pilot betreibt nicht nur unter den scheinbar allwissenden Facebookkommentatoren verbreitet. Mir begegneten auch ein Arzt sowie zahlreiche Ex-Soldaten, die nach dem Muster „Das ist doch gar nichts – mir ist xy passiert – ich bin nicht traumatisiert.“

Über die Motive für solche Äußerungen lässt sich keine valide Aussage treffen. Persönlich gehe ich aber mittlerweile davon aus, dass diese Art der Ignoranz ein unbewusster Schutzmechanismus dieser Menschen ist, um sich nicht näher damit zu befassen, dass es trotz allem Leistungswillen Ereignisse im Leben gibt, die auch sie nicht kontrollieren können. Kürzlich schilderte ein Soldat, der derzeit in der Schutzzeit im Tagesdienst bei der Bundeswehr ist, dass es keinerlei sinnvolle Einbindung in den Dienst gäbe, er seine Zeit dort quasi absitzen würde und das „die Gesunden“ mit Kommentaren, wie „Was machen denn die Psychos hier?“ auf ihn und andere Betroffenen reagieren würden.

Weder Facebookgruppen voll heroischer Kämpfer, noch ein Umfeld, das von „Psychos“ redet, sind für Betroffene förderlich, wenn es darum geht, mit der Erkrankung zurecht zu kommen. Die Behandlung einer solchen Erkankung ist fordernd und langwierig:

Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer traumafokussierenden Psychotherapie, falls erforderlich mit medikamentöser Unterstützung. Ziel ist es, in einem Gesamtbehandlungsplan

– dem Betroffenen zu helfen, Kontrolle über seine ungewollt auftretenden Erinnerungen zu erlangen,
– Begleitsymptome wie Angst und Depressivität, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme usw. abzubauen,
– den Betroffenen dabei zu unterstützen, das Trauma als Teil der Lebensgeschichte zu integrieren und neuen Sinn im
Leben zu finden, und
– sein psychosoziales Funktionsniveau zu verbessern und insbesondere die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Quelle: Neurologen und Psychiater im Netz – PTBS – Therapie


Früher gab es das nicht!

(in diesem Abschnitt des Artikels wird es nun ironisch bis zynisch)

Ja, ja, heutzutage wird alles mögliche behandelt, was früher nicht behandelt wurde. Gegen kaputte Knie und Hüften gibt es aufwendige, teure Operationen nach denen die Menschen wieder am Leben teilhaben können. Oma und Opa saßen damals halt irgendwann mit den kaputten Knochen nur noch zu Hause. Früher, da starben die Menschen auf einfach. Heute gibt es so neumodischen Kram, wie Chemotherapie, die Menschen in den 40ern oder noch früher es ermöglicht ein Leben bis ins hohe Alter zu führen.
Und diese PTBS, die hatte früher auch keiner. Gut, die Kriegsrückkehrer, die nicht mehr klar kamen waren halt Alkoholiker, Schreier oder Murmler, die man einfach gemieden hat oder in Heimen weggeschlossen, wo anschließend nur noch Personal die Tür zur geschlossenen Station bewacht hat.Gut, wer Pech hatte, hatte so einen Menschen direkt bei sich zu Haus. Vielleicht als sadistischen Vater, der seine Kinder quälte und damit auch gleich die Folgegeneration traumatisierte. Aber hey: Hauptsache, dem Ex-Starfighterpiloten gehts gut und er darf sich in seinem heroischen Selbstbild sonnen. Dem hat man dann halt ein Bier und einen Schnaps hingestellt und ihn brabbeln lassen, wenn seine Weltsicht mal wieder zu krude wurde. Aber heute gibt es leider Facebook.

Hintergrund:

In die Gruppe aus der die Unterhaltungsanteile stammen geriet ich nach dem letzten TV-Auftritt. Neben (Ex-)Soldaten sind auch Medienschaffende in der Gruppe vertreten, die sich im weitesten Sinne für das Thema Bundeswehr interessieren.

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Ein Jahr zwischen zwei „Urlauben“

Dieser Beitrag wird wieder sehr persönlich. Persönlicher, als ich das unter Klarnamen tun sollte, denn zu viele Leute lesen hier mit, die eigentlich keinen Anspruch auf diese Informationen haben. Doch vor genau diesen Menschen habe ich mich seit 2013 exakt mit diesem Blog und dem offenen Umgang mit der Erkrankung geschützt. Der Blog war Ventil für Druck, der auf mich ausgeübt wurde und immer wieder auch Entlastung, wenn anonyme Menschen Zuspruch gaben oder wichtige Tipps, wenn ich eine Fehlberatung oder ein seltsames Verhalten dokumentiert hatte. Danke den Bekannten und Unbekannten.

U-R-L-A-U-B

Kaum zu fassen: ich habe gerade so etwas, wie Urlaub. Dieses „Urlaub“ macht recht phantastische Dinge mit mir – aber dazu später mehr. Wie dringend Urlaub dran war, zeigt das letzte Jahr. Es begann mit einem Urlaub Ende August 2016. So mit verreisen, wie normale Leute das tun. Die Erholung tat gut – dass eine Beziehung in die Brüche ging (wieder mal) in die ich große Hoffnungen gesetzt hatte eher nicht so. Aber das war wohl unvermeidbar und bestimmte auch die Prägung, die der September 2016 daraufhin erfuhr. Immerhin eine positive Entwicklung ergab sich: in Absprache mit dem Berufsförderungsdienst konnte ich mir Rückendeckung verschaffen. Der Stress im Sommersemester hatte dazu geführt, dass ich wesentliche Anteile des Semesters nicht bewältigen konnte. Im ohnehin überstraffen Zeitplan des Studiengangs fehlten mir die Reserven.Selbst 10 Jahre jüngere Kommilitonen (ohne Erkrankungen oder vergleichbare Herausforderungen) gerieten an ihre Grenzen. Nach einigen Wochen der Korrespondenz und Prüfung gestand man mir zu, dass ich das Studium wohl nicht in der Regelstudienzeit erfüllen können würde. Eine Entlastung. Endlich.

Der Oktober 2016 war mit einem Redaktionspraktikum voll ausgeplant. Am liebsten wäre ich direkt dort geblieben. Die Regelmäßigkeit am Arbeitsplatz tat gut und vieles lief so gut, dass es geeignet war, wieder vertrauen in meine Fähigkeiten zu finden. Unschön war allerdings, dass ich wieder auf „Vorgesetzte“ stieß. Eine Eskalation entlang eines kontroversen Themas – Ober sticht Unter – dazu noch cholerisches Verhalten, das ich auszuhalten hatte. Die letzten beiden Wochen des Praktikums waren geprägt von Überwindung und Rückzug. Exakt in dem Moment, wo ich dachte: „Prima, ich funktioniere!“ Anders, als zuvor führte diese Erfahrung allerdings nicht zu wochenlangen Depressionen und Rückzug. Es blieb bei einigen wenigen Tagen. Tagen mit Konzentrationsproblemen. Orientierungsproblemen im Redaktionssystem. Selbst gelernte Handgriffe saßen nicht mehr. Tagen, an denen auch zu Hause schon das Maximum erreicht war, wenn ich regelmäßig aß und saubere Kleidung hatte.
Immerhin war ich in der Lage, das Praktikum abzuschließen.
Geschrieben habe ich seither allerdings nichts für diese Redaktion – trotz des Angebots. Einerseits liegt es an der Erfahrung dort – wesentlicher aber war, dass die folgenden Monate es nicht zuließen.

Im November 2016 stieg ich in das Semester ein. Die Zielsetzung war, dass Printprojekt abzuschließen. Es war noch ein Artikel aus dem Redaktionspraktikum in der Mache – es gab eine Deadline und ich schaffte es auch, diese einzuhalten. In der Woche wurde mir allerdings deutlich, dass eine laufende Recherche zu einem Thema während der Semesterkurse kaum zu machen ist. Zu den Arbeitszeiten in Kursen sitzen, rauslaufen um Anrufe entgegen zu nehmen, Sachstand im Kopf behalten, irgendwie am Kurs weiter teilnehmen – nicht wirklich förderlich. Anderen mag das gelingen – mir nicht. Doch nach dem Artikel liefen die Kurse und Projekte gut an.

Wo Licht ist, lauert auch der Schatten. Der vielversprechende Lauf im Studium dauerte gut eine Woche, bis ein Routinearzttermin wieder alles auf den Kopf stellt. Ein leitender Arzt sollte mich zum weiteren Therapiebedarf befragen, blies aber ein Hallali zur Jagd auf den angeblichen Simulanten, der da vor ihm saß und erklärte mich kurzerhand für ärztlich nicht führbar. Damit „bewirkte“ er, dass ich eine für März / April 2017 geplante Therapiemaßnahme in den Dezember 2016 vorverlegen musste.

Bis zum Beginn der Therapiemaßnahme, war der psychische Druck kaum auszuhalten. Ich versuchte im Studium zu funktionieren, um nicht erneut ein Semesterprojekt aufschieben zu müssen oder nicht zu schaffen. Ohnehin war Winterzeit. Zu wenig Tageslicht und damit war selbst ohne „ärztlichen Druck“ die Gefahr groß, wieder mit Depressionen zu kämpfen. Kurz vor Weihnachten absolvierte ich die ersten drei Schreibsessions und nahm mir dann bis in den Januar 2017 eine Auszeit, um Weihnachten durchzustehen. Konfrontation mit Familie – die Kids im Ausnahmezustand. Entspannung gab es da nicht. Ein wenig Ausgleich bot der alljährliche Hackerkongress des Chaos Computer Clubs zwischen Weihnachten und Silvester. Ein Rettungsanker, um nicht wieder Sozialkontakte wegen der psychischen Anspannung zu verlieren.

Im Januar 2017 kostete die Onlineschreibtherapie sehr viel Kraft. Ging es in den ersten drei Sessions noch um Kindheit und Jugend, folgten ab Session vier nun die Einsatzerlebnisse. Schreiben – absenden – Rückmeldung abwarten – Rückmeldung lesen – repeat. Rückhalt gab mir in dieser Zeit vor allem die Arbeit am Thema NSA-Untersuchungsauschuss. Die Teilnahme an den Sitzungen und die Podcasts im Anschluss bedeuteten vor allem selbstbestimmt arbeiten zu können, während weder Studium, noch Therapie dafür den Raum ließen.

Mit einer Schlussbegutachtung im Februar 2017 ging die Onlineschreibtherapie zu ende. Auch der NSA-Untersuchungsausschuss endete im Februar. Zeitgleich mit dem Semester, in dem ich immerhin das Semesterprojekt abschließen konnte. Statt der vorgegebenen 30 Creditpoints erlangte ich immerhin 20. In der zweiten Februarhälfte begann dann wieder ein Praktikum. Semesterferien sind in nahezu allen Studiengängen mittlerweile Raum für Praktika und Hausarbeiten. Das Wort „Ferien“ ist eigentlich grundlegend falsch.

Zwei Wochen im Februar 2017, den kompletten März 2017 und die ersten Tage des April 2017 hatte ich nun wieder einen geregelten Tagesablauf in einer Redaktion. Keine doppel- oder dreifach Belastung, wie in den Monaten zuvor. Raum für ein Sozialleben. Raum für Struktur. Die wenigen Tage im April, die bis zum Beginn des Sommersemester blieben, schaffte ich es, einen Vortrag über den NSA-Untersuchungsausschuss vorzubereiten und in Darmstadt zu halten. Dann blieb noch eine Woche, in der mich einer meiner Söhne in Berlin besuchen konnte, bevor nach dem Osterwochenende das Sommersemester begann. Besuche von und Reisen zu meinen Söhnen sind für uns mittlerweile emotionale Ausnahmezustände, da wir uns quasi jedes Mal neu kennenlernen müssen, weil ein gemeinsamer Alltag nicht existiert.

So brachte auch der Mai 2017 mit der Geburtstagsreise zu meinem jüngsten Sohn wieder eine Herausforderung. Hinzu kam ein letzter Screening-Termin im Rahmen der Onlineschreibtherapie, der in diesen Monat fiel. Entlastend war die Teilnahme an der Bloggerkonferenz re:publica und der Fakt, dass ich einige Kurse des Sommersemesters schon absolviert hatte.

Mit Ansage wurde der Juni 2017 ein mehr als stressiger Monat. Das Pfingstwochenende gehörte meinem jüngsten Sohn, der zu Besuch kam. Für das Studium wollten nicht nur Abgabetermine, sondern auch die Produktionsphase des Semesterprojektes gestemmt werden. Redaktionssitzungen, Drehtage, aber auch Seminarteilnahmen, eine Konzertbesuch und die anschließend abzugebende Kritik. Entlastend war wieder die Arbeit rund um den NSA-Untersuchungsausschuss, der sein Abschussergebnis präsentierte.

Zwischen dem 29. Juni und dem 10. Juli diktierte das Videoprojekt meinen Tagesablauf. Inklusive der Wochenenden. Nicht nur die Arbeit an einem Beitrag, sondern auch die Moderation der Sendung standen für mich an. Zwischenzeitlich Besprechungen mit dem Dozenten, der den Beitrag freizugeben hatte und die Organisation von Studiogästen für das Magazin. In dieser Phase gab es wieder kaum Sozialkontakte, die nicht mit dem Projekt zu tun hatten. Selbstbestimmtes Arbeiten ging dann erst wieder am 11. und 12. Juli, als ich Zeit im Tonstudio verbringen konnte um einer Freundin bei ihrem Masterarbeitsprojekt als Sprecher zur Verfügung zu stehen. Bis zum feierlichen Semesterabschluss am 20.07. – auch hier wollte eine Moderation nicht den Weg um mich herum nehmen – waren es dann nur noch zwei Abgaben, die auf der Liste standen. Eine davon schaffte ich – die andere wurde zum Problem.

In den sehr, sehr diffusen Arbeitsplan mischte sich dann auch noch der Fakt, dass meine Gesundheitsakte verloren zu sein scheint. Seit dem 17. Juli 2017 ist dieser Sachverhalt nun wieder mal ein Fall für den Wehrbeauftragten, der sich nach gut 14 Tagen auch mit einem Schreiben als bearbeitend zu erkennen gab. An sich wäre es mir egal, wo meine Akte ist. Doch es wird dringend Zeit, dass ich mich um Arztbesuche kümmere, die im letzten Jahr nicht stattgefunden haben. Vorsorgeuntersuchungen sind überfällig, Impfungen aufzufrischen – alles Programm, was ich für im August 2017 angehen wollte. Denn neben diesem ominösen Urlaub, ist auch derzeit eine Kur zu planen, die im November 2017 / Dezember 2017 stattfinden soll.

Eine große Herausforderung war dann noch die letzte Abgabe des Semesters. Eine Altlast aus dem Sommersemester 2016. Den Abgabetermin im Juli konnte ich nicht einhalten. Den allerletzten Abgabetermin überschritt ich um 21 Stunden, nachdem mir die Kursleiterin diesen Ausweg noch eröffnet hat. Nicht zuletzt, weil ich in der Woche zuvor noch die Chance wahrgenommen habe, in der Talkshow Dunja Hayali zu einem Bundeswehrthema aufzutreten.

An diesem Punkt spüre ich bereits, dass die Eiferer der mitlesenden Dienst oder aus Bundeswehrkreisen jubilieren und mir sogleich diese Zeilen vorhalten wollen als Beweis dafür, ich würde mein Studium vernachlässigen. Sei es drum: rufen Sie gern wieder beim Chef des Stabes an, petzen Sie nach Herzenslust.

Oder aber ersparen Sie sich die Blamage. Denn das Ziel der Schutzzeit, in der ich mich gerade befinde ist, mich für den Berufseinstieg zu qualifizieren. Eigene Projekte, wie die Berichterstattung aus dem NSA-Untersuchungsausschuss oder die Möglichkeiten unter Live-Bedingungen in TV-Studios als Experte zu einem Thema zu sprechen sind Gelegenheiten, die ich nicht auslassen darf, denn reale Arbeitsbedingungen können im Studium nur an wenigen Stellen geboten werden.

Auf der Habenseite dieses Semesters stehen nicht nur Creditpoints oder Kursleistungen, sondern auch TV-Studioerfahrung bei der Deutschen Welle, einem internationalen Nachrichtensender und zuletzt nun auch beim ZDF.

U-R-L-A-U-B

Wie schon erwähnt: dieser Urlaub macht interessante Dinge mit mir. Um eine Wochenstruktur zu haben löuft seit gut 14 Tagen mein Marathontrainingsplan. Mittlerweile ist es wieder die Lust am Laufen, statt die rationale Entscheidung, dass ich Struktur brauche, die mich in die Laufschuhe treibt. Ich schaffe es, mich um Garten und Haushalt zu kümmern, was leider in den letzten Monaten nicht durchgängig der Fall war. Kognitiv ist wieder Kapazität vorhanden, um Bücher zu lesen, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen zu besuchen, öfter zu kochen und zu bloggen. Alles recht banale Dinge, aber eben Dinge, die Entlastung schaffen. Eine Entlastung, die normalerweise neben dem Alltag auch regelmäßig stattfinden sollte, doch leider keine Selbstverständlichkeit ist.

Wieder einmal habe ich fast eine Woche gebraucht um überhaupt zu merken, dass ich Urlaub brauche, weil Belastung vorhanden war die ich nicht ausreichend kompensiert habe. Ich habe nicht wirklich erkannt, wie viel im vergangenen Jahr kritisch lief und wie oft ich auf Überlastung hinsteuerte.

Daher ist auch die Kur im November notwendig, um noch einmal vor Beginn der Masterarbeit im März 2018 für Ruhe und Ausgleich zu sorgen.

Wo ist meine G-Akte?

Ja, das hätte fast ein halbes Jahr ohne besondere Vorkommnisse werden können. Doch heute klingelt zur Nachmittagszeit das Telefon. Derzeit sucht die Koordinierungsstelle Einsatzgeschädigte oder eine andere personalbearbeitende Stelle meine Gesundheitsakte – kurz G-Akte. Keine Angabe zum Anlass der Suche – ich vermute irgendeine Routine.

Anders, als zunächst vermutet, befindet sich die Akte nicht im SanBereich der Julius-Leber-Kaserne. Nach dem unangenehmen Zusammentreffen im November hatte ich auf anraten meines betreuenden Arztes im Psychotraumazentrum veranlasst, dass meine Akte an den SanBereich Mitte übersendet wird. Damit hätte ich für alle Arztbesuche nur noch das Bundeswehrkrankenhaus als Anlaufstelle.

Laut eMail-Verkehr sollte die Akte auf dem Weg sein. Doch die Aussage des SanBereiches Julius-Leber ist,ich hätte die Akte „am Mann“.Um nachvollziehbar zu machen, dass das nicht der Fall ist, habe ich nun gewühlt und eMails kopiert, die Auskunft zum Anlass des Aktentransfers geben.

Dabei stieß ich auf die mir kürzlich zugesandte Kopie meiner Akte. Ich hatte im Mai darum gebeten und im Juni ging mir die Akte auch zu. Darin auch das Schreiben zum Arztbesuch um 15.11.2016, bei dem ich massiv unter Druck gesetzt wurde. Das Schreiben ist – wie erwartet – gespickt mit Formulierungen, die mich als „therapieunwillig“ und „ärztlich nicht führbar“ erscheinen lassen.

Status: der Soldat ist freigestellt zum Studium, gibt an „… ich kann mir nicht vorstellen, jemals wieder für die Bundeswehr
tätig zu werden…“

Immerhin treffend, denn ich bin nur noch Teil des Regulierungsapparates der Bundeswehr, weil ich durch den Dienst eine gesundheitliche Schädigung erlitten habe, die ich jetzt aufarbeite.

Herr Oberleutnant Lücking ist als Patient nicht führbar. Er macht die Vorgabe, dass bei ihm ine „moralische Verletzung“ anzuerkennen ist.

Interessante Auslegung meiner Antwort auf die Frage, ob ich weiteren Behandlungsbedarf sehe. Ich beschrieb, dass ich gewisse Aspekte auf Stress zurückführe, andere aber wohl eher in den Bereich einer moralischen Verletzung liegen. Eine Einschätzung, die einer der behandelnden Ärzte auch 2013 schon äußerte.

Die in …Berlin und Hamburg angebotenen Therapien der Fachärzte lehnte er ab.

Auch das entspricht nicht der Wahrheit. Seit der Diagnose im April 2013 habe ich

– einen vierwöchigen Stationären Aufenthalt in Berlin und
– eine einjährige ambulante Therapie

absolviert. Ich lehnte lediglich die medikamentöse Behandlung ab und entschied mich für einen verhaltenstherapeutischen Ansatz.

Abgelehnt habe ich lediglich die „Trauma-Release-Exercise“-Methode, die mir die Bundeswehr nur beim „Standortpfarrer“ genehmigen wollte. Zuvor hatte ich über ein halbes Jahr eine sehr gute zivile Therapeutin, die dann aber nicht mehr von der Bundeswehr bezahlt wurde. Begründung: nicht erstattungsfähig. Seltsam nur, dass die Methode vom „Standortpfarrer“ angeboten wird – also durchaus im Repertoire des Dienstherrn eine Bedeutung hat. Dass ich mit einem neuen Therapeuten quasi wieder bei Null hätte anfangen müssen – kümmert offenbar niemanden. Dass ich damit auch Kapazitäten belegen würde, von denen die Bundeswehr, wie an vielen Stellen nachlesbar, schlichtweg zu wenige hat: kümmert offenbar auch niemanden.

Einlassen würde er sich eventuell auf eine … Online-Therapie.

Im Gespräch am 15.11.2016 versuchte ich dem Arzt klar zu machen, dass ich mit dem Psychotraumazentrum in Verbindung stehe und ein geeigneter Termin für die Teilnahme an der Onlineschreibtherapie-Studie gesucht wird. Auf der fachlichen Ebene liefen also Absprachen. Meine ausdrückliche Bereitschaft zur Teilnahme habe ich ebenfalls deutlich gemacht. Quittiert wurde es Seiten des Arztes mit: „Onlineschreibtherapie? Das ist doch nur eine weitere Möglichkeit sich dem Dienstherrn zu entziehen.“

Eine Behandlungsmethode, die vom Dienstherrn angeboten wird und bei der der Soldat die Option hat – vom Dienstherrn ausdrücklich gewährt – selbst zu entscheiden, ob der Befund hinterher in der G-Akte landet. Eingerichtet wurde diese Wahloption, damit mehr Soldaten Hilfe in Anspruch nehmen, ohne Auswirkungen auf ihre Karriere zu fürchten.

Da für mich ohnehin keine Karriere in Frage kommt, gebe ich eine Kopie des Abschlussbefundes, auf den ich derzeit warte, sehr gerne auch in die Akte.

Als Truppenarzt habe ich den Eindruck einer Vermeidungsstrategie, sehe keine Motivation zu einer Behandlung.

Nachdem ich im Sommer letzten Jahres wieder mit deutlichen Stressreaktionen zu kämpfen hatte, stand ich im regelmäßigen Kontakt zu Sozialdienst, Berufsförderungsdienst und Psychotraumazentrum der Bundeswehr. Ein Truppenarzt, der meinen Fall nicht kennt überfliegt meine Akte binnen 5 Minuten, macht mich danach 15 Minuten fertig und stempelt mich als „nicht führbar“ ab.

Eröffnung der Truppenärztlichen Stellungnahme

Der wirklich unverschämte Aspekt ist, dass mir dieses Schreiben nie zur Kenntnis gegeben wurde. Es nahm vom SanBereich Wedding direkt den Weg zum Sanitätskommando nach Diez. Das Schreiben ist voll von nachteiligen Behauptungen gegen mich, die nicht zutreffend sind. Ich kann nicht beweisen, was der Truppenarzt gesagt hat – der Truppenarzt aber kann in seinem Schreiben alles behaupten, was mir zum Nachteil gereicht.

Seltsam ist, dass bis zu diesem Zeitpunkt JEDER Befund des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin und in Hamburg selbstverständlich in Kopie auch an mich gegangen ist. Auch normale ärztliche Begutachtungen – sogenannte BA 90/5 – bei denen es um dienstlich angeordnete Untersuchungen für z.B. Einsatztauglichkeit geht, haben ein vorgesehenes Feld, in dem der Soldat quittieren muss, den Befund erhalten und erklärt bekommen zu haben. Zusätzlich erhält der Soldat die Möglichkeit eine Stellungnahme abzugeben.

Nun stehe ich ob der derzeit nicht (sofort) auffindbaren Akte sogleich im Verdacht, diese im Besitz zu haben, weil nicht ordnungsgemäß im Verantwortungsbereich desselben Truppenarztes nachgehalten wurde, dass meine Akte von Postleitzahl 13405 nach Postleitzahl 10115 transferiert wurde.

Wegen der Art der Aktenführung („Truppenärztliche Stellungnahme) sowie dem derzeit nicht nachvollziehbaren Verbleib meiner G-Akte habe ich heute Beschwerde beim Wehrbeauftragen eingereicht.

Ich will erreichen, dass alle betroffenen Soldaten, die in einem Versorgungsverfahren der Bundeswehr hängen mit einer 100%-Kopie ihrer Akte ausgestattet werden und jeden Befund verpflichtend auch als Kopie erhalten müssen.

Ich erlebte bereits im Juni 2014, dass keine der beteiligten Bundeswehrstellen etwas zum Verbleib von Akten aus meinem Versorgungsverfahren sagen konnten. Meinem Anwalt wurde damals am Telefon gesagt „Wir wissen nicht, wo die Akte ist. Wenn Sie hier anrufen machen Sie es nicht besser – eher schlimmer.“ Zum Zeitpunkt des Anrufes hatte es seit einem Jahr keine Benachrichtigung zum Stand des Verfahrens gegeben.

Es ist übel, dass Ärzte das Vertrauensverhältnis, das Patienten immer annehmen derartig ausnutzen. Logische Konsequenz aus diesem Verhalten wäre, zu jedem Arztbesuch entweder eine_n Zeug_in mitzunehmen oder alles im Video oder Audio festzuhalten, was gesprochen wird.

Mich halten diese Erfahrungen derzeit davon ab, Vorsorge- und Routineuntersuchungen anzugehen, die in meinem Alter angemessen werden. Ich kann mir nicht sicher sein, dass nicht erneut Druck ausgeübt wird. Bei meiner Bänderverletzung im Januar überlegte ich sogar vor dem Besuch der Notaufnahme, ob ich nicht besser darauf verzichte.

Ich hoffe darauf, dass der Wehrbeauftragte in diesem Fall Abhilfe schaffen kann. Verpflichtende Kopien über alle Befunde und Stellungnahmen für die betroffenen Soldaten sollten eine Bundeswehr vor keine unüberwindbare Herausforderung stellen, die ansonsten jeden Vorgang routinemäßig in mindestens 3 bis 6 Ausfertigungen dokumentiert, bei dem sich die Möglichkeit ergibt, einem Soldaten hinterher ein Fehlverhalten anzulasten. Bloß umgekehrt wollen es manche Stellen wohl nicht haben. Soviel zum Thema „Tapferkeit“ und „Fürsorgepflicht“ des Dienstherren.

2017 – Leben mit Depression

Ein bisschen Reflexion – ein bisschen Zwischenbilanz. Der Anlass war ein guter Artikel und ein gutes Gespräch in dieser Woche.

Im November wurde durch ein übergriffiges Arztgespräch der vorzeitige Schritt in die Onlineschreibtherapie nötig. Der Arzt unterstellte, ich wäre ärztlich nicht führbar und würde ohnehin nur simulieren. Zwischen Dezember und Anfang Februar fand dann die Schreibtherapie statt, die mich weiter brachte, aber auch massiv Kraft kostete.

Worte finden

Via Twitter stieß ich heute auf einen Text in The Independent, den ich hier einfüge (please do not blame me for copyrights & understand this as a comment on the text).

In dieser Woche kam es wieder zu einem Gespräch mit jemanden, der auch von Trauma und Depression betroffen ist. Mittlerweile habe ich genug Worte, um zu beschreiben, was passiert und wie ich es verstehe. Oft kann ich aber nicht beschreiben, wie es sich anfühlt. Aber der Text am Ende trifft es sehr gut.

Ich denke, dass die Analogie zu einem Beinbruch, die ich in Bezug auf Trauma schon verwendet habe auch ziemlich treffend das Leben mit Depressionen beschreiben kann. Eine leichte Depression ist vielleicht ein blauer Fleck oder eine Prellung am Schienenbein. Lästig. Dauert auch eine Weile – geht aber wieder weg.

Ein Beinbruch kann glatt laufen und geht auch nach einigen Wochen wieder weg. Manche Menschen neigen dazu, sich öfter mal etwas zu brechen. Doch es gibt auch schwere Unfälle, bei denen ein Bein kompliziert bricht oder zerschmettert wird. Das, was mir passiert ist – und sich seit Jahren mal stärker, mal weniger stark bemerkbar gemacht hat, wird wohl bleiben. Ich rechne nicht mehr damit, dass ich Marathon laufen werde oder Wettkämpfe gewinnen kann. Im Alltag muss ich planen und im Auge behalten, was ich mir zugemutet habe und wann Belastungen zu viel waren.

Stressphase

Neben dem Ende des Studiums und dem Ende der Berichterstattung aus dem NSA-Untersuchungsausschuss kam noch ein Therapiegespräch in der letzten Woche hinzu. Diese Gespräche sind immer so, wie bei einer verkrusteten Wunde, an der rumgekratzt wird oder wo jemand den Schorf mal eben anhebt, um zu sehen, ob sich darunter wieder Haut gebildet hat. Immerhin: im Therapiegespräch läuft das behutsam ab und nicht, wie beim Arztgespräch im November, so einfach mal an einem verkrusteten Pflaster gerissen wurde.

Der Start ins Praktikum lief gut und die Aufgaben und der Kontakt zum Team machen Spaß. Für manches im Haushalt fehlt die Kraft. Noch immer sind Leistungen für dieses Semester offen, die ich gerne abschließen würde. Doch Priorität hat nun erst einmal das Praktikum, das ich diese Woche begonnen habe. Ich fühle mich wohl in dem Umfeld.

Prioritäten

Alles erfüllen zu wollen, ist utopisch. Der Haushalt muss hinten anstehen. Solange die Wäsche regelmäßig in sauberem Zustand da ist, ist genug erreicht. Ob das Geschirr 3 oder 5 Tage ungespült bleibt, macht im 1-Personen Haushalt wenig aus. Doch Menschen in die Wohnung einladen wäre derzeit nicht angebracht. Aber Berlin hält da ja Möglichkeiten vor.

Wichtiger ist, neben dem Praktikum nun anderes nicht aus den Augen zu verlieren. Freunde und Menschen außerhalb der Arbeit treffen. Leider zählt das immer noch zu den Dingen, die ich aktiv einplanen muss. Das Bedürfnis sollte einfach da sein – ist es aber nur selten. Ich sollte nicht auf einem Level kalkulieren müssen, das mit „ohne soziale Kontakte fühlst du dich irgendwann mies – geh raus!“ beschrieben werden kann.

Mitunter fehlt die Konzentration. Ein abgesprochenes Treffen oder etwas zeitlich fest geplantes vergessen – so etwas kommt derzeit wieder vor, aber nimmt keine Überhand.

Trigger

Belastend ist derzeit das Thema „Abschiebungen nach Afghanistan“. Die Ignoranz von Innenminister „Terrorthomas“ de Maizière gegenüber Journalisten, Menschenrechtsorganisationen und gesundem Menschenverstand ist unerträglich.

Auch die Aussagen von Peter Altmaier und Kanzlerin Angela Merkel im NSA-Untersuchungsausschuss zum Thema Drohnensteuerung via Rammstein waren an Zynismus nicht zu überbieten. Menschen würden aus so vielen Gründen sterben, da müsse man bei Drohnen nicht unbedingt handeln. Sinngemäß war die Haltung sehr nah an den Äußerungen von de Maizière in dieser Woche, die 11.000 getöteten afghanischen Zivilisten seien ja nicht direktes Ziel der Taliban gewesen.

Ein paar technische Auffälligkeiten, die meine Kommunikationswege betreffen sorgten ebenfalls für „Anspannung“. Zwar ist der Effekt, den ich beobachten konnte relativ logisch zu erklären. Doch sorgt das wieder für eine unangenehme Präsenz der Erfahrung „Adlongespräch“, bei der mir ein Beamter mit Reservistenausweis den warnenden Hinweis gab, ich solle aufhören zu publizieren, denn schließlich wolle ich ja keine Kaderakte haben, die all das enthielte, was ich online so täte, plus das, was man hinzu erfinden könne.

Auf ein privates und persönliches Telefonat ohne jeden dienstlichen Bezug folgte in engem zeitlichen Zusammenhang ein Twitterecho, das wieder einmal Zufall sein kann. Vermutlich hat ein Algorithmus das Speichern der Telefonnummer auf meinem Handy zum Anlass genommen mal einen Tweet in die Timeline von Person 2 zu spülen.

Was im nächsten Tweet scherzhaft wirkt, wird mir immer mehr zum Bedürfnis. Rückzug, Kontaktabbruch. Neuanfang. Ich kann mir weiterhin nicht sicher sein, dass die Drohung „Kaderakte“ nicht wahr gemacht wurde. Twitter bleibt leider – wie einst mein Facebook-Account – Einfallstor für Manipulation und Mobbing. Doch mich von dort zurückzuziehen hieße, erneut ein Stück Teilnahme am öffentlichen Leben aufzugeben und einen Publikationskanal zu verlieren. Letztlich auch ein beruflicher Rückschritt.

Entlastung

Für das dritte Quartal versuche ich einen Kuraufenthalt bewilligt zu bekommen. Leider heißt das, dass ich ich unweigerlich wohl wieder auf den Arzt vom November treffen werde. Freie Arztwahl habe ich nicht. Seitens des leitenden Psychologen des Psychotraumazentrums ist zwar Unterstützung zugesagt. Doch was hilft das, wenn im Arzt-Patienten-Gespräch wieder allerhand Drohungen und Demütigungen ausgesprochen werden können.

Absehbar werde ich in den Osterferien Zeit mit einem meiner Söhne verbringen können. Auch das baut auf, denn das ist viel zu selten der Fall.

Um Abstand zu gewinnen hatte ich ja bereits in 2014 die verbliebenen Ausrüstungsgegenstände und Uniformen „umgewidmet“. Sie rotten seit bald 3 Jahren in der Blumenerde und in diesem Jahr werden dann auch wieder Tomatenpflanzen darauf wachsen.

2015: Wachstum

Näher zu planen ist noch ein Ziel, dass ich in einer der letzten Onlineschreibtherapie-Sitzungen zum Ausdruck gebracht habe. In einem Brief an mich selbst sollte ich reflektieren, in welchem Ausmaß ich das Erlebte und die Konsequenzen für mein weiteres Leben daraus akzeptiert habe. Ich schrieb:

Die Zeit in Uniform ist vorbei – das ziehst du seit einigen Jahren sehr konsequent durch. Sei es die Einsatzkiste mit den letzten Uniformresten, die jetzt auf der Terrasse steht und mit genügend Blumenerde gefüllt ist, um auch im nächsten Jahr wieder Tomaten darauf wachsen zu lassen. Lass dir für die Ausgehuniformen, die noch im Keller liegen etwas ähnliches einfallen. Sie brennen bestimmt sehr gut oder ergeben mit ein paar Modifikationen eine nette Weste.

Eine Unterstützerin, die mit traumatisierten US-Veteranen in Karlsruhe arbeitet berichtete mir davon, dass die Veteranen ihre Uniformen geschreddert und eine Leinwand daraus gemacht haben, auf der sie dann Bilder malten. Mir erscheint der Aspekt „Feuer“ sehr geeignet, aber ich habe derzeit weder den geeigneten Platz, noch die Vorstellung, wer alles mit dabei sein sollte.

Ich gehe davon aus, dass eine Verbrennung der Uniformen vor dem Reichstag nicht akzeptiert würde – angesichts meiner Erfahrungen rund um den 27.09.2008 und die fragwürdige parlamentarische Kontrolle der Einsätze wäre das allerdings mein Wunschort für diese Aktion.

Was erhalten bleibt, ist der Helm. Den Helm kaufte ich im August 2013 und er begleitete mich durch den 100-Tage-Protest vor der US- und GB-Botschaft hier in Berlin.

Unschlüssig bin ich, was ich mit dem verbliebenen Paar Einsatzstiefel und den Einsatzmedaillen mache, die immernoch hier liegen. Sie stammen aus einem der Pakete, die ich im Mai 2014 an den damaligen Bundespräsidenten Gauck, Kanzlerin Merkel, IBUK von der Leyen und das Haus der Geschichte in Bonn sendete. Meiner expliziten Bitte, mir das Paket nicht zurückzusenden kam das Büro Gauck nur bedingt nach. Die DVD mit meinem Video und Unterlagen zum 27.09.2008 behielt das Büro. Stiefel und Medaillen kamen zurück.

Was bleibt

Die Worte in dem Independent-Artikel sind nicht meine – aber die Beschreibungen von Lucia beschreiben treffend, wie mein Alltag sehr häufig aussieht.

Full-Text in The Independent

Lucia* is 26. She grew up in London and works as a freelance copywriter. She was diagnosed with depression aged 21, but had suffered for years prior.

„I find a good metaphor for depression that I have used to explain to people close to me, is kind of like being permanently hungover. You get up and feel like crap, you can’t be bothered to do your make up or find clean clothes because it takes all the effort you are physically capable of just to force yourself to leave the house. You consider calling in sick, but you need the money and you agreed to work this shift and you can’t let your workplace down.

You get to work, and people ask if you’re ok. “I’m fine.” You say. “I’m kind tired. Maybe I’m getting sick.”

You can’t tell them you’re hungover, because being hungover is not a valid excuse in the workplace. Being depressed is not a valid excuse in the workplace.

„The hangover comes in waves. At some points your fine and think great, the alcohol is out of my system. I’ll be fine now. But then half an hour later your feel ill again, your head hurts, your body is moving slowly, and you can’t concentrate on the task you’re doing.

“Maybe you should eat something?” someone suggests, but the canteen is too far away and you’re behind on your work, you need to catch up with everyone else so you don’t get fired. Like when people tell you to try exercise to help with depression, but the gym is too much effort, there’s no way you can make it there and still have enough willpower to do something as simple shower, or do food shopping, or pay your phone bill.

„Besides, eating something might well make you feel better, but it might just make you throw up. The gym might well make you feel better, or your substandard attempt at exercise might just end in abject failure and you’ll just hate yourself for not being able to do what everyone else seems to do with no problem.

„You go through the day, avoiding talking to people more than strictly necessary because oh god, your head hurts, and trying to pretend you’re not hungover – trying to pretend you’re not depressed – hiding it from your colleagues, is exhausting. You can’t wait to be finished with the day, to go home, to your bed and not have to act like you’re ok anymore, but the day is dragging. And you still haven’t done enough work. You’re definitely going to get fired if you keep on like this but you wonder “is that so bad? At Least I wouldn’t have to pretend I’m OK.”

„Eventually, the day is over and you’re in bed, ready to sleep, but all that coffee you had trying to keep yourself functional all day decides now is the time to kick in, and sleep isn’t coming. Where was this burst of mental energy all day when you needed it?! You toss and turn and try to numb your racing mind with Netflix and a cheeky bottle of something, and eventually, you start to nod off. You hope, as you begin to drift into a restless sleep, that you’ll wake up feeling better tomorrow, but you’re scared that you won’t. You’re beginning to think you’ll feel like this forever, and you’re not sure you want to keep trying. But you’re falling asleep now, so you don’t bother worrying. You’ll deal with the worry tomorrow. Once you’ve made it through the day again.“

Pause – Online-Schreib-Therapie – Teil 3

CIMIC-Tour Dezember 2005

Mittlerweile sind drei der insgesamt 10 Sitzungen der Onlineschreibtherapie absolviert. Nachdem zunächst die Kindheitsphase bis 10 Jahre aufzuschreiben war, folgte dann die Phase bis ins Alter von 18. Es entstanden sehr persönliche Texte, die ich nicht öffentlich zugänglich machen werde – zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Die Anweisungen für die Schreibaufgaben sehen im wesentlichen aus, wie in der Aufgabe 3, die ich heute bearbeitet habe:

Ich möchte Sie bitten, in diesem dritten Text zu Ihrer Biographie Ihre Lebensphase vom 18. Geburtstag bis zum Erleben des traumatischen Ereignisses zu beschreiben. Bitte versuchen Sie, erneut genau aufzuschreiben, was Sie in dieser Zeit erlebt haben. Ihre Erinnerungen können dabei wieder Worte, Bilder, Gerüche, Gefühle oder Körperwahrnehmungen umfassen.

Ich möchte Ihnen dazu abermals einige Anhaltspunkte geben, welche Ereignisse in dieser Lebensphase vorkommen können. Diese Vorschläge müssen nicht von Ihnen abgearbeitet werden, sondern sollen nur eine Hilfe darstellen.

Wohnort/Umzüge
Arbeit/Beruf – Studium
Eintritt in die Bundeswehr
Freizeitgestaltung, Hobbys, Musik
Beziehungen
Heirat, eigene Familie, Geburt eigener Kinder
Freunde
Charakterzüge Ihrer Person im Erwachsenenalter
Vorbilder
Krankheiten
Auf was sind Sie besonders stolz?
Was war in dieser Lebensphase problematisch? Wie haben Sie es gelöst bzw. wie wurde es gelöst?

Bitte beachten Sie auch wieder die in den letzten beiden Schreibaufgaben erwähnten allgemeinen Hinweise zum Schreiben: Schalten Sie Störfaktoren in Ihrer Umgebung aus und nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen. Gerne können Sie zur besseren Erinnerung wieder Hilfsmittel verwenden.

Schreiben Sie auch wieder in der Ich-Form. Sollte Ihnen nicht sofort etwas einfallen, bleiben Sie bitte trotzdem 45 Minuten sitzen und versuchen weiter, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren.

Nach dem Schreiben sollten Sie versuchen, sich zu entspannen.

Nachdem Sie den Text geschrieben und abgeschickt haben, erhalten Sie innerhalb eines Werktages eine Rückmeldung von mir.

Herzliche Grüße,


„Wie geht’s dir?“

Es war die Frage eines Kollegen / Bekannten, den ich heute im Zug traf, die mich vor eine quasi unlösbare Herausforderung stellte. Was soll ich darauf antworten? Wie geht es mir?

Der Tag sollte heute nach dem Frühstück die Schreibaufgabe umfassen, dann packen und ab in den Zug zur obligatorischen Familienweihnacht. Doch aus den 45 Minuten Schreiben wurden 150 Minuten. Fast 5.000 Worte oder rund 32.000 Zeichen. Im Rückblick auf die Aufgabe, habe ich wohl viele der geforderten Aspekte nicht genannt. Auslöser dafür war, dass mir die Eingrenzung „bis zum Erleben des traumatischen Ereignisses“ nicht recht gelingen will.

Die Frage zielt auf Traumata ab, die mit einem sehr konkreten Ereignis, das einen festen Zeitpunkt hat verknüpft sind.
Bereits in vorherigen Therapien konnte ich z.B. mit dem Leiter des Psychotraumazentrums feststellen, dass in meinem Fall – und das ist nicht selten – das punktuelle Ereignis fehlt. Zur Erklärung bietet sich die Analogie eines Knochenbruchs an. Ein Knochen kann spontan brechen, wenn zu Beispiel ein Sturz oder andere stumpfe Gewalt auf den Knochen wirkt. Am Ende meines Aufenthaltes im Bundeswehrkrankenhaus im Jahr 2013 ergab sich aber eher das Bild eines Ermüdungsbruches. Also im Endeffekt der gleiche kaputte Knochen, aber eben gebrochen durch eine dauerhafte Überlastung.

Mir war es beim Schreiben heute nicht möglich, einen konkreten Zeitpunkt zu benennen und so arbeitet ich mich durch die insgesamt vier Einsätze. Es fällt mir dabei schwer, auf Einzelheiten zu fokussieren, da viele dieser Erlebnisse so präsent sind, als lägen sie nicht 16 (KFOR), 11 (ISAF 1), 9 (ISAF 2) oder 8 (ISAF 3) Jahre zurück. Bereits bei den vorherigen Aufgaben merkte meine Therapeutin an, dass ich mich an sehr viele Aspekte der immerhin mehr als 27 bis 34 Jahre zurückliegenden Phase erinnern könne, was nicht selbstverständlich sei. Ich wünschte, diese Zeit würde verblassen, wie manches Bild.

Lochkamera-Aufnahme Taloquan Januar 2006 – 5 MInuten Aufnahmedauer

Heute holte mich diese Erinnerungsvermögen beim Schreiben ein. Seit Mitte November klar wurde, dass die Online-Schreib-Therapie bereits im Dezember statt erst im März / April stattfinden muss, hängen meine Gedanken wieder sehr häufig an den belastenden Aspekten der Einsatzzeiten. Das sorgt derzeit für massive Einschränkungen. Zeitweise fällt es mir schwer mich zu konzentrieren und zur Ruhe zu kommen. Generell bin ich nachdenklicher und zurückgezogener, als sonst. Selbst feste Termine im Freundeskreis nahm ich unregelmäßig, lustlos oder gar nicht wahr. Ein Weihnachtsraclette, das ich eigentlich mit Kommilitonen veranstalten wollte fand nicht statt. Mir fehlt schlicht die Kraft.

Im Studium tue ich mich derzeit schwer,die Themenfindung für die im Februar fällig TAZ-Beilage hinzubekommen. Selbst das Thema NSA-Untersuchungsausschuss, das ich in den letzten Jahren intensiv verfolgt habe und das zum Dreh- und Angelpunkt meiner journalistischen Arbeit wurde verlangt mir mehr ab, als das je der Fall war. Selten hatte ich das Gefühl festgefahren zu sein so stark, wie im Moment.

CIMIC-Tour Dezember 2005 – irgendwo in den Bergen südlich der Verbindungsstraße zwischen Kunduz und Taloquan

Ausblick

Ich hoffe, ich kann in den nächsten Tagen zur Ruhe kommen und klebe nicht mit den Gedanken ständig an den belastenden Aspekten der Einsatzzeiten. Vielleicht gelang es mir, durch den heutigen Text diese Gedanken in Bits- und Bytes zu bannen. So, wie ich das auch hier mache – in der Hoffnung, dass nach einem Text wieder Raum für Ruhe und Kreativität ist. Beides ist dringend erforderlich.

Die nächste Schreibaufgabe wird wieder aufwändiger und erfordert zeitliche Planung, da rund um die 4. Schreibaufgabe wieder eine Reihe von Speichelproben abzugeben ist. Über die gesamte Dauer – vor, während und nach – der Schreibtherapie habe ich an gewissen Punkten diese Proben abzugeben. Ziel ist die Veränderung der im Speichel enthaltene Stresshormone zu beobachten. Doch bis zur nächsten Schreibaufgabe sind es noch volle drei Wochen.