Links sortieren? Eine Bachelorarbeit?

Es klingt zunächst banal: ein redaktionsübergreifendes Archiv zu den Sitzungstagen des NSA-Untersuchungsausschuss. Zahlreiche Medien und Journalist_innen sind anwesend – es werden Artikel zu jedem Sitzungstag geschrieben – eigentlich ist doch alles da, um den Untersuchungsausschuss auch noch in Jahren nachvollziehen zu können.

Copyright: Christian-Ditsch.de

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Mit diesem Artikel lade ich zum mitmachen ein. Überprüfen Sie meine Beobachtungen mit einem einfachen Vergleich. Suchen Sie die Seiten Zeit.de, sueddeutsche.de,faz.de, golem.de und heise.de auf und nutzen Sie die Suchfunktion mit dem Begriff NSA-Untersuchungsausschuss. Die einfache Frage: „Was macht eigentlich der NSA-Untersuchungsausschuss“ ?

Dieser Artikel entstand am 13.10.2015. Trotz der Sommerpause im Bundestag wurden in den letzten vier Monaten insgesamt 8 Sitzungen des NSA-Untersuchungsauschuss durchgeführt. Die einfache Frage „Was macht eigentlich der NSA-Untersuchungsausschuss ?“ ist spätestens bei der Benutzung der redaktionseigenen Suchfunktionen nicht mehr ganz so einfach zu beantworten.

Zeit Online

Sortiert nach Aktualität reicht die Suche auf der ersten Seite zunächst bis zum 23.08.2015 zurück. In diesem Zeitraum fanden insgesamt fünf Sitzungen des NSA-Untersuchungsausschusses statt. Lediglich zwei erscheinen in der Suche, obgleich die Zeit und Zeit Online zu den häufig anwesenden Redaktionen zählen. Sortiert nach „Relevanz“ ändert sich das Ergebnis und es werden in der Masse nur noch Artikel aus 2014 angezeigt. Vermutlich orientiert sich das Redaktionssystem an der Klickhäufigkeit der Artikel.

Süddeutsche.de

Auch die Suchfunktion der SZ bietet zunächst wenig Hilfestellung. Als Top-Ergebnis liefert die Seite 16 Suchergebnisse für „NSA-Untersuchungsausschuss“. Zwei Artikel aus Mai 2015 – es folgen Artikel aus 2014, ein Artikel aus 2013 und sogar ein Artikel zum NSU-Untersuchungsausschuss.

Die Suchergebnisse schnellen auf 287, wenn statt „NSA-Untersuchungsausschuss“ im Suchfeld „NSA Untersuchungsausschuss“ – also ohne Bindestrich zwischen NSA und Untersuchungsausschuss eingegeben wird.

FAZ.Net

Auf FAZ.Net schlägt die Paywall zu. Unter den Ergebnissen finden sich zunächst nur kostenpflichtige Artikel zu je 2 Euro. Obgleich die Suche mit der Eingrenzung des Zeitraums bis zum 13. Juni 2015 im Juni / Juli brauchbare Ergebnisse liefert, hat der „NSA-Untersuchungsausschuss“ nach dem 13. August 2015 keine Erwähnung mehr. Die Sitzungen 10.09.2015, 11.09.2015, 24.09.2015, 01.10.2015 und 02.10.2015 haben – so denn es nach der Suchfunktion von FAZ.Net geht – nicht stattgefunden. Unter dem Begriff „NSA“ finden sich im September / Oktober nur Artikel ohne Bezug zum Untersuchungsausschuss. Die Archivsuche liefert nur einen zusätzlichen Treffer für die ansonsten nicht abgebildeten Monate September und Oktober 2015 (bis einschl. 13.10.2015): „Wichtiges in Kürze: Opposition klagt in Karlsruhe“. Offenbar stirbt bei den Frankfurtern eher der (kostenlose) Online-Auftrtitt, denn das Printmedium.
(geprüft wurden weiterhin die Ergebnisse mit den Namen des Vorsitzenden, der Obleute und dem Begriff „BND“. Keine Ergebnisse mit Bezug zu den Sitzungstagen)

Golem.de und Heise.de

Ähnlich, wie die Suchfunktion der Süddeutschen liefert golem.de je nach Suchbegriff und Einsatz des Bindesstrichs bei NSA-Untersuchungsausschuss 126 oder 173 Ergebnisse (Stand 13.10.2015, 19:34 Uhr). Bei heise.de sind es 251 Treffer bei der Suche mit Bindestrich und 348 bei der Suche ohne Bindestrich.

Suchfunktionen

Schon bei der Vergleichsweise oberflächlichen Betrachtung der Medien und ihrer Suchfunktionen wird deutlich, dass für die tag- und inhaltsgenaue Abbildung des NSA-Untersuchungsausschusses Detailwissen, wie

– anwesende Redaktionen
– anwesende Redakteure und
– Sitzungstage

notwendig ist, um Informationen aus dem Netz zu fischen. Die Bindestrich-Problematik ist beim Zeit.de mit 223 zu 229 Ergebnissen ebenfalls vorhanden, wirkt sich jedoch nicht so gravierend aus, wie in anderen Medien.

Wessen Affäre ist es denn nun?

Problematisch wird es, wenn die Bennennung des Untersuchungsausschusses variiert und Artikel wechselseitig unter NSA-Affäre, BND-Affäre in Kombination mit und ohne Bindestrich erscheinen. Es ergeben sich deutliche Unterschiede in der Anzahl der auffindbaren Artikel.

Zeit: 144 (BND-Affäre) – 512 (BND Affäre) – 656 (NSA-Affäre) – 442 (NSA Affäre)

SZ: 121 (BND-Affäre) – 513 (BND Affäre) – 436 (NSA-Affäre) – 759 (NSA Affäre)

FAZ: 115 (BND-Affäre) – 226 (BND Affäre) – 433 (NSA-Affäre) – 586 (NSA Affäre)

Golem: 16 (BND-Affäre) – 70 (BND Affäre) – 248 (NSA-Affäre) – 293 (NSA Affäre)

Heise: 24 (BND-Affäre) – 324 (BND Affäre) – 925 (NSA-Affäre) – mehr als 1.000 (NSA Affäre)

Tagesspiegel: 404 (BND-Affäre) – 404 (BND Affäre) – 571 (NSA-Affäre) – 571 (NSA Affäre)

taz: 185 (BND-Affäre) – 185 (BND Affäre) – 416 (NSA-Affäre) – 416 (NSA Affäre)

Darüber hinaus muss bei der Suche ohne Bindestrich davon ausgegangen werden auch andere BND / NSA Affären einzuschließen, als diejenige, die im Moment Gegenstand des „1. Untersuchungsausschuss („NSA“) des Deutschen Bundestages in der 18. Legislaturperiode“ – so heißt der NSA-Ausschuss nämlich mit vollem, unverwechselbarem Namen.

Nicht zu irritieren sind offenbar die Suchfunktionen von Tagesspiegel und taz, die für beide Schreibweisen jeweils identische Zahlenwerte liefern. Der ebenfalls verwendete Begriff „Geheimdienstuntersuchungsausschuss“ hat sich überwiegend nicht oder mit nur wenigen Treffern in der Berichterstattung niedergeschlagen.

Nicht betrachet wurde das Medium „Spiegel Online“, da die dort verwendete Suche keine absoluten Zahlen an Artikeln nennt. Ebenfalls ausgelassen wurde „Neues Deutschland“, da auch hier eine Gesamtartikelzahl nicht aus der Suchfunktion abzulesen ist, sobald mehr als 100 Artikel zum Thema vorhanden sind. Aus zeitlichen Gründen sind der DLF und die Vertreter anderer Radiostationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder Regierungsfunks („Deutsche Welle“) noch nicht mit einbezogen.

Lösung der Suchproblematik? Netzpolitik.org!

Die Redaktion von Netzpolitik.org hat bisher im gesamten Zeitraum der öffentlichen Sitzungen des NSA-Untersuchungsausschuss ein Liveprotokoll geführt. Es enthält neben den Angaben zu den Sitzungstagen und Zeugen (die auch der Bundestag via Tagesordnung liefert) immer wieder auch Zeitangaben, wann die Befragungsrunden begonnen haben. Diese können ein Anhalt sein, wie lange die Redaktionen oder einzelne Redakteur_innen vor Ort gewesen sind. Teilweise fehlen auch in der Bundestagsberichterstattung zum Ausschussgeschehen Angaben zu einzelnen Zeugen.

Zum aktuellen Zeitpunkt sind 34 Liveprotokolle von öffentlichen Sitzungen verfügbar, die einen Anhalt dafür geben, ob Redakteure anderer Medien regelmäßig (Netzpolitik.org), überwiegend (z.B. Zeit, Süddeutsche, Heise, Golem, DLF, tagesspiegel) oder nur punktuell (z.B. Faz, Spiegel Online) an den Sitzungen teilgenommen haben. Aussagen dazu sind aus dem Archiv Inquiry-Watch ableitbar, jedoch nicht als qualitative Wertung der Arbeit einzelner Redakteur_innen verstehen. Letztlich diktiert der Aufwand, den die Redaktionen bereits sind zu leisten, was Redakteur_innen leisten können und dürfen.

Auswahl und Archivstruktur

In die Erfassung gelangen Beiträge, die im Interesse der Öffentlichkeit online verfügbar und nicht hinter einer Paywall verschwunden sind. Die Beiträge sind nach Sitzungstagen sortiert und bilden bisher die Medien Audio, Bild, Video und Online(-Artikel) anteilig, jedoch längst noch nicht vollständig ab. Die Auswahl der bisher erfassten Redaktionen beruhten auf der Einschätzung des Verfassers dieser Bachelorarbeit und richteten sich nach Vollständigkeit der Teilnahme an den NSA-UA-Sitzungen (Basis Netzpolitik). Im Bereich Online(-artikel) stehen in den nächsten Tagen und Wochen die Medien SZ, Zeit, DLF, Heise und Tagesspiegel auf der Prioritätenliste. Nach Abgabe der Bachelorarbeit lasse ich auch Unterstützung durch weitere Kurator_innen zu.

In der Erfassung der Beiträge wird zwischen den Medien Audio, Bild, Video und Online(-artikeln) unterschieden. Autor_innen werden bei jedem Medium mit ihrem Namen, sowie der jeweiligen Redaktion kenntlich. Die Redaktionen Netzpolitik.org und Daniel-Luecking.Berlin sind regelmäßig in mehreren Kategorien vertreten – jeweils kenntlich durch (A),(O) und (V) hinter dem Kategorienamen.

Besonderheit Video

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In der TV-Berichterstattung ist einzig Phoenix derzeit als verlässlich anzusehen. An zahlreichen Sitzungstagen waren zunächst Kameras in den dafür vorgesehenen Pressebereichen aufgebaut. Punktuell (Zeugen aus den USA, Bundesminister oder Behördenleiter) ist das Interesse der TV-Stationen groß – meist jedoch scheint der Sendeplatz in den Nachrichten zu entfallen. Die Ausschusstage enden regelmäßig zwischen 22 und 24 Uhr, ohne, dass noch Kameras oder Beleuchtung für Videostatements aufgebaut wären.
Ob und wieviel der Pressestatements später gesendet wird, bestimmt die Nachrichtenlage des jeweiligen Tages. Das komplexe Thema NSAUA fällt dabei offenbar regelmäßig aus der Wahrnehmung. Letztlich war das für mich der Grund, die Statements der Abgeordneten in eher minderer Aufnahmequalität per Smartphonekamera zu sammeln und online zu stellen.

Darstellung

Um der Fußangel Urheber- und Leistungsschutzrecht zu entgehen, bleibt dieses Archiv frei von Werbung. Die gesammelten Quellen werden allenfalls mit der jeweiligen Überschrift zitiert, Hashtags, sowie die Metaanagaben zum Medium und den Autor_innen übernommen. Die Beiträge bestehen aus den Überschriften, hinter denen die Links zu den jeweiligen Artikeln führen. Die Links sind noch einmal „unaktiviert“ im Beitrag abgebildet – Nutzer, die keinen Referrer aus diesem Archiv beim Artikelaufruf hinterlassen wollen, können per Copy & Paste arbeiten. Besser noch: nutzt von vornherein den Tor-Browser – insbesondere beim Aufruf der Wikileaksseiten.


Screenshots vom 13.10.2015

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