2015

2015… war gar nicht so schlecht

Im letzten Jahr entstand zwischen Weihnachten und Neujahr mein aktuelles Blogprojekt, in dem ich weiterhin alle Themen und Beiträge sammele, die ich auf verschiedenen Plattformen im Netz und in anderen Medien so veröffentliche. Immer wieder wird es auch einen privaten oder persönlichen Bezug geben – wozu sind Blogs auch sonst da. Fester Teil soll auch der Rückblick auf das vergangene Jahr werden.

Kooperationen & Alleingänge

Technische Aufklärung

2015 ergaben sich für mich zwei neue Kooperationen. Dank Felix und Jonas hat der NSA-Untersuchungsausschuss seit Juni 2015 nun den regelmäßigen Podcast Technische Aufklärung. Nach den Sitzungen besprechen sie gemeinsam mit den Protokollanten von Netzpolitik.org (André Meister ist im Urlaub – Anna Biselli), der Grafikschmiedin Stella Schiffczyk, cbass vom CCC Berlin und mir den vorangegangenen Sitzungstag.

Meist enden die Sitzungen gegen 24 Uhr – aber noch in den Nachtstunden wird dann geschnitten und schon am nächsten Vormittag veröffentlicht. Hut ab & vielen Dank dafür! Am Rande des Chaos Communication Congress entstand auf der Bühne des Sendezentrum am 27.12.2015 eine Live-Folge des Podcasts:

Zebrabutter

Ebenfalls seit Mitte des Jahres schreibe ich unregelmäßig für das Blog Zebrabutter.net. Kultur und Technik, Rezensionen und Meinungen – gern mal abgedreht, bevorzugt tiefgründig – ein Magazin gegen den Einheitsbrei. Flache Hierarchien – nette Menschen: kein Wunder, dass ich mich da wohl fühle.

Zebrabutter

Neues Deutschland

Zwischen Januar und Juli 2015 waren meine Artikel rund um den NSA-Untersuchungsausschuss regelmäßig auf den Seiten des Neuen Deutschland zu lesen. Mittlerweile ebt das Interesse am Ausschuss medienübergreifend ab. Zu viele andere Themen kommen auf und sind spektakulärer, als die Ermittlungsarbeit der Parlamentarier, die jedoch regelmäßig neue Erkenntnisse zu Tage fördern. Ist das Thema zu nerdig für den Mainstream? Mir egal: ich bleibe dran.

zum ND-Beitrag

zum ND-Beitrag

Cicero

Ich kann meine Klappe nicht halten, wenn es um das Thema Bundeswehr geht. Aber das hatte ich ja auch so angekündigt. Im Oktober ergab sich die Gelegenheit, die Regierungshaltung zur Abschiebung abgelehnter afghanischer Asylantragsteller_innen zu kommentieren.

Cicero


Das leidige Thema: Bundeswehr

Ende Januar 2015 konnte nach massivem Druck endlich das Wehrdienstbeschädigungsverfahren abgeschlossen werden. Als Grad der Schädigung wurden 30% festgestellt. Damit endete 22 Monate nach der ersten Diagnose im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin (April 2013) ein abstruser, unhaltbar Zustand. Die Aufarbeitung der Afghanistan-Erfahrung in dem Jahren 2013 und 2014 hat mich viel Kraft gekostet. Obgleich ich den traumatisierenden Effekt meiner Einsätze recht schnell verstehen konnte, war der Weg raus aus Depressionen und Isolation sehr lang.

Statt mich auf die Therapie zu konzentrieren und den notwendigen Abschluss meines Studiums endlich anzugehen, musste ich mit Bürokratie kämpfen. Ich hatte keinen Anspruch auf Krankengeld und musste mit dem mehrfach ausgesprochenen Drohszenario zurecht kommen, dass mich das Unterhalssicherungsamt zum Abbruch des Studiums hätte zwingen können. Unterhaltszahlungen hatten für das Amt Priorität und ohne diese Zahlungen hätte mich der Apparat in die Priorität “Bewerbungen schreiben” gezwungen. Angesichts des fehlenden Studienabschlusses und einer nicht zivilberuflich anerkannten Qualifikation “Offizier der Bundeswehr” eine sinnlose Forderung.

Mit der Anerkennung der Schädigung musste mich die Bundeswehr nun in ein Versorgungsdienstverhältnis einstellen (Schutzzeit nach EinsatzWVG), was dann auch zum 16.03.2015 nach mehreren Vorankündigungen und Terminverschiebungen erfolgte. Nun muss die Bundeswehr für meine gesundheitliche und berufliche Rehabilitation aufkommen.

Folgen und Nachwehen

Auch, wenn ich die Therapie weitestgehend als abgeschlossen ansehe, ist die Stress- und Depressionsanfälligkeit weiterhin etwas, dass ich im Auge behalten muss. Je nach Tagesverfassung halte ich mich von belastenden Themen fern. Eine Auswahlmöglichkeit, die ich in einem normalen Job nicht hätte.

Finanziell waren die Jahre 2013 und 2014 ein absolutes Chaos. Von zunächst halben Bezügen (ca. 1300 Euro netto plus 350 Euro Nebenjob, später nur 750 bis 900 Euro) galt es private Krankenversicherung, wie auch Therapiekosten zu finanzieren. Einzelne Hilfszahlungen konnten aus Stiftungen ermöglicht werden, die rund um die weiterhin schlecht funktionierende Versorgungsinfrastruktur der Bundeswehr aktiv sind. Eine Zahlung der Härtefallstiftung sorge im Dezember 2015 dafür, dass ich nun mit einem ausgeglichenen Girokonto in das neue Jahr starten kann. Was bleibt ist ein abzuzahlender Studienkredit aus den Jahren 2013 und 2014. Ca. 19.000 Euro wollen abgetragen werden.

Nach Abzug des Unterhalts blieben mir in den Jahren 2014 und 2015 im Schnitt 930 Euro monatlich. Ohne Studienkredit und die unregelmäßigen Zahlungen aus Stiftungen wäre der Absturz nicht zu stoppen gewesen. Nur den wenigsten Betroffenen dürfte dieses “Kunststück” gelingen. Wie groß die Missstände in der Versorgung sind, zeigt ein Artikel vom 29.12.2015 auf Zeit-Online.

Für mich taten sich die Unterstützung aus Kreisen des PTBS-Beauftragten der Bundeswehr und das Stiftungswesen letztlich nur durch den öffentlichen Umgang mit der Erkrankung im Blog “Wir-Dienten-Deutschland.de” auf. Die Kraft für den öffentlichen Umgang mit einer Erkankung, die zu Stigmatisierung führt und die – beruflich, wie privat – von vielen
lieber verschwiegen wird, haben zahlreiche Betroffene nicht.

In einem Beitrag “Unterschätztes Risiko” von 3sat Nano habe ich die Auswirkungen beschrieben, die das im schlimmsten Fall annehmen kann:

Video

Bildlich gesprochen lief ich in den letzten drei Jahren einen Marathon mit gebrochenem Bein.

Studium

In der zweiten Jahreshälfte war ich endlich in der Lage, das Bachelor-Studium Onlinejournalismus abzuschließen. Abzüglich der zwei Jahre, die mich das Wehrdienstbeschädigungsverfahren gekostet hat, konnte ich das Studium nun in sieben, statt der designierten sechs Semester abschließen.

Seit Oktober 2015 läuft nun mein Masterstudium “Kulturjournalismus” an der Universität der Künste in Berlin.

Meine Themen 2015 und 2016

Studium
Entlang des Masterstudiums “Kulturjournalismus” entstehen zahlreiche Rezensionen und Kritiken zum Kulturgeschehen in Berlin. Neben Theaterkritiken und Filmrezensionen steht dabei immer wieder auch die Auseinandersetzung mit zahlreichen gesellschaftlichen Aspekten im Vordergrund. Im ersten Semester zieht sich z.B. das Thema “Trauer” als roter Faden durch einen Kurs. Auch, wenn das Thema eingrenzt, ist Raum für Kreativität und dafür, einen eigenen Stil zu entwickeln. Anlässlich eines Friedhofsbesuch hinterfragte ich z.B. eine Grabinschrift.

IT-Sicherheit

Ebenfalls im Rahmen des Studiums entstand ein Radiobeitrag zum Thema eMail-Verschlüsselung und Umgang mit privaten Daten im Internet. Das Thema bleibt auch 2016 auf der Agenda. Derzeit arbeite ich an der Rezension eines Buches von Bruce Schneier.

DataundGoliath

NSA-Untersuchungsausschuss

Da ich derzeit keinen Abnehmer für Artikel rund um den NSA-Untersuchungsausschuss habe, wird die Mitwirkung am Podcast “Technische Aufklärung” wohl der wesentlichste Anteil der Arbeit an diesem Thema bleiben. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit entstand das Archiv zu den Presseveröffentlichungen an Sitzungstagen zum Ausschuss. Derzeit ist es auf Stand “Mitte Oktober 2015”. Wann das nötige Update erfolgen kann und wie die regelmäßige Pflege aussehen wird, will ich bis spätestens zum Semesterende im Februar 2016 entscheiden.

Leider fehlt mir wegen der Teilnahme an Studienveranstaltungen die Zeit, regelmäßig an den Pressegesprächen vor den Sitzungstagen teilzunehmen. Ich werde aber auch 2016 an jeder öffentlichen Sitzung teilnehmen.

Kommentare sind geschlossen