2014

Auch 2014 stand noch sehr im Zeichen der Aufarbeitung des Afghanistaneinsatzes und den Lügen, über die ich schweigen sollte. Nicht nur im persönlichen Blog Wir-Dienten-Deutschland sondern auch in Medien und Kooperationen mit Journalisten habe ich mir zum Ziel gesetzt, über die Machenschaften des Verteidigungsministeriums aufzuklären.

Einseitige Werbung, Vertuschung von Vorfällen im Einsatzland Afghanistan gegenüber Öffentlichkeit und Parlament sowie die einseitige Darstellung der Berufserkrankungen, die besonders für Zeitsoldaten nach der Dienstzeit zum existenzbedrohenden Problem werden. Anbei eine Linkliste zu den 2014 erschienenen Artikeln, die ich in den nächsten Tagen langsam füllen werde.

Afghanistan-Connection

“Die Afghanistan-Connection” – Tagesspiegel / MDR fakt, 07.Oktober 2014

Meine Positionierung zum Projekt und Distanzierung von den im Umfeld geäußerten Forderungen, nach mehr Rüstung für bisher vernachlässigte Bereiche der Armee:

“Knoten geplatzt – die “Afghanistan-Connection”, Freitag Community-Blog, 08.10.2014

Eine Redakteurin der Deutschen Journalistenschule hat für das Magazin “Filter – Leben. Und Wie ?” mit mir ein Interview zum Thema Whistleblowing geführt und zitiert in diesem Zusammenhang einen Bundeswehrsprecher:

“Eine Diskrepanz zwischen den Eintragungen im Einsatzbuch und der Unterrichtung des Parlaments und der Öffentlichkeit konnte nicht festgestellt werden.”

Auch auf der Facebookseite des “Deutschen Bundeswehrverbandes” verweigert man sich dem Thema Afghanistan-Connection. Im Oktober 2014 konnte ich letztmalig dort ein Posting absetzen – danach war ich als Kommentargeber gesperrt. Eine Armee zu unterhalten, die so offenkundig die Realität verweigert und freie Meinungsbildung unterbindet trage ich nicht mit.

Ergänzung:

In einem Gespräch im März 2015 am Rande einer Tagung des “Darmstädter Signals e.V.” sowie anschließendem eMail-Austausch mit dem Vertreter der Luftwaffe im Deutschen Bundeswehrverband Detlef Buch wies ich darauf hin, dass eine Sperrung auf Facebook stattfindet. Buch erwirkte die Rücknahme dieser Repressalie.

Mittlerweile bin ich aus dem DBwV ausgetreten.

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Einsatzzeiten

Zu Ostern erschien bei “Junge Welt” der Artikel “Zunehmend schockiert, woran ich beteiligt war”. Die AG-Friedensforschung und andere waren so freundlich, den Zugang zum Artikel auch nach der Paywall-Frist aufrecht zu erhalten. Vielen Dank dafür.

Im November / Dezember interviewte mich Sabine Schiffer zu meinen Afghanistaneinsätzen für das Magazin “Hintergrund”. Der Ausspruch “Radio ist unsere stärkste Waffe” ist ein Zitat meines damaligen kommandierenden Generals, während die diffamierenden Karikaturen einer dänischen Zeitung für Aufstände und Tote in der islamischen Welt sorgten.

Operation Heimkehr

2014 kam auch die Veröffentlichung des Buches “Operation Heimkehr”. Ein weiteres Projekt aus dem Umfeld des Tagesspiegels. Enttäuscht hat mich die Richtung der Podiumsdiskussionen, die hier in Berlin im Juni stattgefunden hat. Eine Referentin für Sicherheitspolitik warb für mehr und besseres Ansehen des Soldatenberufes. Entlassenen Zeitsoldaten hilft es in keiner Weise, wenn sie gegen Verwaltungsidiotien und die immernoch schlecht organisierte Versorgung von Einsatzgeschädigten zu tun haben.

Gegen Ende der Diskussion meldete ich mich zu Wort, adressiere zunächst Ulrike Scheffer und danach den damaligen Wehrbeauftragten Königshaus. Die Rohfassung der Sendung hätte ich gerne gehabt – so hörbar, wie der RBB da geschnitten hat, werde ich wohl künftig nur noch mit laufendem Aufnahmegerät Wortmeldungen in deren Mikrofone geben (ab Minute 36:36).

Mein Portrait bei “Operation Heimkehr” entstand vor zwei Jahren im Interview am 24. November 2012 und markiert zugleich den Beginn der gezielten Aufarbeitung meiner Einsatzeiten. Für “mehr Anerkennung” des Soldatenberufes werde ich nicht mehr plädieren. Dazu sind offenkundig zu wenig Soldaten bereit, die Missstände zu thematisieren und an das Parlament heran zu tragen, deren Zeugen sie in Einsätzen, aber auch in Deutschland werden.

Bundeswehr-Kritik

Die Wahrnehmung vom Krieg und die Bilder, die uns erreichen sind nicht nur unvollständig, sondern auch irreführend. Um mir die Hintergründe des in der Medienkritik stehenden Senders RTdeutsch anzusehen, gab ich seit September zwei Interviews bei dem Sender. Das zweite Interview bezieht sich auf die Bundeswehr-Werbung und den im November eröffneten “Infoladen” an der Friedrichstraße in Berlin.

Im ersten Interview (geführt im September/Oktober) geht es um das Thema Bilder vom Krieg – das Interview binde ich ein, sobald es von RT veröffentlicht wurde (Interview ab Minute 5:35):

Egal ob Tagesspiegel, öffentlich-rechtlicher Rundfunk oder RTdeutsch : der Einfluss, den ich als Interviewpartner auf die Einbindung der Inhalte habe geht gegen Null.

Leben kann ich von diesen Engagements übrigens nicht. Ich habe für keinen der kritischen Beiträge ein Honorar erhalten und laufe bei jeglichen Äußerungen, die ich über die Bundeswehr tätige Gefahr rechtlich belangt zu werden. Als ehemaliger Offizier bin ich auch nach der Dienstzeit zur Verschwiegenheit in Bezug auf dienstliche Belange verpflichtet. Ob und wann ein Wirrkopf auf das schmale Brett gerät, mich wegen meiner Äußerungen in Verbindung mit dem Soldatengesetz zu belangen, ist eine absehbare Schikane.

Position gegen Krieg & Waffen

Immer wieder habe ich 2014 Gegenwind von aktiven und ehemaligen Soldaten wegen meiner Distanzierung erhalten. Teilweise mit Drohnungen, teilweise “nur” verbalaggressiv und zersetzend. Ein Offizier und Generalanwärter aus dem Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr diffamierte mich auf Facebook mit “Du bist krank” und unternahm einiges, um mich als “linksradikal” gegenüber meinen Lesern darzustellen.

Ich hatte mich gegen den Einsatz von Drohnen ausgesprochen und Position für die ehemaligen afghanischen Mitarbeiter bezogen, die in vielen Fällen zu spät rettendes Asyl erhalten. Eine meiner ehemaligen afghanischen Kolleginnen (damals wohl Korrespondentin für den Radiosender, den ich leitete) wurde im September Opfer eines Mordanschlags. Sie war zu diesem Zeitpunkt längst von der Bundeswehr entlassen. Drohungen gab es jedoch bereits seit April 2014 in Form von Nightletters.

NSA-Untersuchungsausschuss

Der Mini-Scoop 2014 war für mich wohl die Verizon-Diskussion im Juni. Am 19.06.2014 nutzte ich die Podiumsdiskussion mit NSA-Whistleblower Thomas Drake dazu, eine schon vor längerer Zeit gemachte Beobachtung “zu veröffentlichen”.

Eigentlich undenkbar – aber das am meisten wegen der Überwachung kritisierten IT-Unternehmen Verizon betreibt IT im deutschen Regierungsviertel. Mit der Reichweite und Gegenrecherche von Netzpolitik.org “zündete” das Thema kurzeitig, veranlasste das Bundesinnenministerium sogar zur Pressemeldung, man trenne sich von Verizon. International fand der Schritt einiges an Beachtung – Deutschland war eher mit Fußball beschäftigt.

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Immer wieder begegnen mir Leugner, die nicht wahrhaben wollen, dass eine Gefährdung von dieser IT-Struktur ausging. Die Süddeutsche grub noch ein wenig, fand dann noch Verizon als IT-Partner der Europäischen Zentralbank und ordnete ein, dass es sich um eine reale Gefährdung handelt:

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Seit Juni bin ich nun als Journalist und Beobachter am NSA-Untersuchungsausschuss aktiv und werde 2015 die Bachelorarbeit Onlinejournalismus diesem Thema widmen. Ich begleite derzeit die öffentlichen Sitzungsteile per Twitter live und ordne das seltsame Verhalten der BND-Zeugen, Regierungsvertreter und auch der CDU-Obleute im Ausschuss im Community-Blog bei Der Freitag ein.