Cyveillance – Graph – Verfassungsschutz

Zugriffe eines Überwachungs-Dienstleisters, eine Selbstanfrage an den Verfassungsschutz und ein Blick in die Möglichkeiten der Facebook-Überwachung – Gründe über Gründe in Facebook nur noch als Journalist und ohne private Aktivitäten, wie Freundeskreis, Gefällt mir-Klicks und Diskussionen unterwegs zu sein.

Facebook Graph & Contractorzugriff

Bei “Graph” handelt es sich um eine Suchmaske, mit der jegliche Kommentar- oder Gefällt mir-Aktivitäten eines Nutzers offengelegt werden kann und die sicherlich nicht konform mit deutschem Datenschutzrecht ist. Da ich mit jedem Gefällt mir, das ich absetze und jedem Kommentar, den ich auf den Seiten von Freunden hinterlasse aufzufinden bin, bleibt mir derzeit nur die Abschaltung meines Hauptprofils.

Ein Grund dafür ist auch, das mein journalistisches Schaffen längst im Fokus der Dienste steht. Mit dem Zugriff auf meinen Blog am 29.09.2015 klopfte mal wieder jemand all zu deutlich an:
Cyveillance

Hinter “Cyveillance” verbirgt sich ein Dienstleister, der auch für die NSA Informationen sammelt und in Programme, wie PRISM einfügt.

The United States Secret Service contracts Cyveillance to search available information related to the Secret Service and its missions. Information obtained through Cyveillance is incorporated into the Protective Research Information Management System PRISM (surveillance program), an existing Secret Service system.[2]

“Gründe gibt es immer – Gründe sind die Pest”

Ich mache mir keine Illusion darüber, dass meine Aktivitäten weiterhin ausgewertet werden – dazu bin ich am Thema NSA-Untersuchungsausschuss zu stark engagiert. Da aber derzeit auch die Situation in Kunduz (Afghanistan) eskaliert und mich zahlreiche Kriegsbilder erreichen, ziehe ich auch zum Schutz der psychischen Gesundheit die Notbremse.

Twitter bleibt – Facebook ist weiterhin Verbreitungskanal – aber ich habe eben weniger digitale Kontakte und verzichte auf Interaktion mit Freunden und Unterstützern, in lokalen Gruppen oder an Themen.

Because of a Land where you have to be brave and the home of no-free! Dear Americans: get your services back to reason and justice – we’ll try to do it here as well.

Update 09.10.2015 – 17:48 Uhr

Ich habe mich dann mal auf die Suche gemacht, in welchen meiner Blogs der Cyveillance-IP-Block noch zu finden ist. Erstaunlicherweise (?) taucht sie im Blog mit Militärbezug überhaupt nicht auf (https://wir-dienten-deutschland.de)

Seit dem 29.09.2015 ist die IP gesperrt und hat keinen Zugriff mehr auf die Installationen, die hinter “daniel-luecking.berlin” abgelegt sind.

Update 15.10.2015

Ich halte mich wenig und sehr selten in LinkedIn auf. Heute stellte ich fest, das am 04. Oktober ein Contractor aus dem Militärbereich eine Kontaktanfrage sendete. Ich gehe davon aus, dass es ein Pseudonym ist und ich keine Persönlichkeitsrechte verletze, wenn ich den Namen hier nenne. Die Anfrage stammt aus der Woche, in der zahlreiche Bilder aus Kunduz in meine Facebooktimeline gespült wurden und der Zugriff von Cyveillance erfolgte.

/Update

Parallel läuft derzeit mein Selbstauskunftsersuchen beim Verfassungsschutz, um abschätzen zu können, wie sich #NSAUA, #Afghanistanpapiere und Afghanistan-Connection sowie der getriggerte Providerwechsel im Bundestag auf meine Überwachungsgesamtrechnung ausgewirkt haben.

Immmernoch Verizon?

Wie in der NSA-Ausschusssitzung am 02.10.2015 aus der Befragung des ehemaligen BND-Präsidenten abzuleiten ist, war MCI (später Übernahme durch Verizon) schon 2003 und 2008 in der Kritik. Gehandelt hatte im Innenministerium aber offenbar niemand.

MCI

Warken: Gibt Unterlagen BMI von 2003. Bedenken gegenüber Zuverlässigkeit von Provider, der an Glo beteiligt war – MCI. War auch Betreiber des Bundesverwaltungsnetzes [aus Dokument von 6.11.2003 MAT A BMI-7-1g Blatt 230-234]. Bedenken, dass Fernverkehre, die über MCI gehen möglicherweise in USA mitgelesen werden. BND hat das zurückgewiesen.

Unterrichtung BMI-intern: Gegen MCI lagen konkrete Erkenntnisse vor, Verträge können auf keinen Fall verlängert werden. [Dokument MAT A BMI-7-1g 2 Blatt 76f]

Waren damals schon im BMI. Haben sie vllt. die Erkenntnisse mitgebracht?

Hanning: KA, schließe das aber fast aus.

Warken: War Option auf Vertragsverlängerung bekannt?

Hanning: KA, war anderer Bereich.

Warken: Denkbar, dass Bedenken aus Erfahrungen bei Glo stammen?

Hanning: War immer vorsichtig.

Warken: V.a. wenn man bedenkt, wie der US-Mutterkonzern auf deutsche Tochter Einfluss genommen hat…

Hanning: Als Staatssekretär hatte ich meine Vergangenheit, daher war ich chronisch misstrauisch, wenn es darum ging, ob jemand mit anderen Diensten zusammenarbeitet.

Warken: Aber im konkreten Fall waren sie nicht derjenige, der Bedenken geäußert hat?

Hanning: Soweit ich mich erinnere, nein.

Die Kooperation wurde letztlich erst nach den Snowden-Enthüllungen politisch unhaltbar, als sie im Juni 2014 erneut Thema wurde und sich das Bundesministerium des Innern dann zügist von diesem Anbieter trennte.

Wie es zu dem Scoop kam habe ich damals in einem Storify festgehalten:

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